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„Ich habe schon Suizidgedanken gehabt“

Auf seine Situation als einnahmeloser Gastronom  wollte Ceyhan Akin (GSCHWÄTZ berichtete über seine Kandidateninterviews vor der Landtagswahl) aus Forchtenberg nochmals aufmerksam machen, indem er sich am Sonntagnachmittag, 11. April 2021, vor dem alten Rathaus in Künzelsau einfach auf einen Klappstuhl setzt und einen Kaffee oder Tee trinkt.  Diese Idee fanden auch andere Betroffene gut und so war er nicht alleine, sondern eine Handvoll weitere Kaffee- oder Teetrinker waren erschienen, alle ebenfalls vom Lockdown dazu gezwungen, ihre Geschäftsräume geschlossen zu haben.

Erste Bundeshilfen inzwischen eingegangen

Zwar seien vor rund vier Wochen Zahlungen aus den November- und Dezemberhilfen eingegangen, jedoch bemängelt Akin die schleppende Bearbeitung. Vor einigen Tagen habe er die Ü3-Hilfe endlich beantragen können, das sei aber nur über den Steuerberater möglich: „Ich persönlich habe jetzt zum Beispiel eine Rechnung zu erwarten von ca. 800 bis 900  Euro für den Antrag. Was mich persönlich extrem ärgert, ist, dass gesagt, wird schnell und unbürokratisch. Das ist für mich eine Verarsche,  die anders gar nicht zu schildern ist.“ In dieselbe Kerbe haut auch Sylvia Conrad vom Bräunungsstudio „Tropical Sun“ in Künzelsau: Seit vier Monaten verzeichnet sie nur Kosten und keine Einnahmen. Da ihr Unternehmen keine Personengesellschaft ist, habe sie es besonders schwer, auf staatliche Zuschüsse zuzugreifen.

„Ja, es sind einige Leute da, die einfach ein Zeichen setzen möchten“

Die „Klappstuhl-Aktion“ habe er sich vor zwei oder drei Wochen ausgedacht und diese auch im Internet veröffentlicht. Er erreichte große Resonanz, einige Gastronomen erklärten sich solidarisch und sitzen nun neben ihm – mit Abstand natürlich. Aber nicht nur Gastronomen hätten sich bei ihm gemeldet: Auch Eltern, die sich nicht damit abfinden wollen, „dass Kleinkinder sich testen müssen, sich irgendwie ein Stäbchen in die Nase schieben sollen und die Tests gar nicht medizinisch fachgerecht ausgeübt werden“.

„Aber ich habe mich nicht vor vier Jahren selbstständig gemacht, dass ich im Notfall Bus fahre“

Freimütig spricht er davon, dass er sich überlegt habe, aus der Gastronomie auszusteigen. „Aber ich habe mich nicht vor vier Jahren selbstständig gemacht, dass ich im Notfall Bus fahre“, sagt er in Anspielung an einen Ratschlag, den man ihm am Wahlkampfstand der GRÜNEN gegeben hat. Nicht nur die Aufgabe der Gastronomie ging durch seinen Kopf: „Ich habe schon Suizidgedanken gehabt. Und das sage ich hier öffentlich ins GSCHWÄTZ. Es ist so, weil Du einfach vor dem Existenz-Aus stehst, und nicht weißt, wie es weitergehen soll, weil der Bund ja auch keine Perspektiven zeigt.“ Er berichtet weiter: „Es gibt Fälle, wo sich Gastronomen das Leben genommen haben. Weil es einfach nicht weitergeht, weil sie keine Perspektive haben. Soviel zu der Frage Gastronomie weitermachen oder nicht – das überlegt sich jeder Gastronom momentan.“

Hygienekonmzepte haben doch funktioniert

„Eine ganz einfache Lösung eigentlich“, schlägt er vor: Im letzten Jahr durften die Gastronomen mit Hygienekonzepten öffnen. „Jede Gastronomie, jeder Gastronom hat das durchgezogen, auch auf Festivals oder irgendwelchen Veranstaltungen. Und es ist nichts passiert. Definitiv. Bei mir hat sich niemand angesteckt, in der Alten Schmiede niemand, im Ochsengarten niemand, im Keltereck niemand.“ Wenn das nicht durchgeführt werden kann, fordert er einen richtigen Lockdown: „Entweder lasst uns öffnen mit dem Hygienekonzept, das letztes Jahr erfolgreich war oder lasst einfach mal für einen Monat, dann aber deutschlandweit alles, auch die Industrie, auch die große Industrie, einfach geschlossen. Dann sage ich, gibt’s auch keinen Virus mehr in Deutschland.“

„Den Hyper-XXXXL-Lockdown“

„Den Hyper-XXXXL-Lockdown, wo auch der Nahverkehr stillgelegt wird, wo die Industrie einfach runterfährt, wo aber von Politikern dann die Aussage kommt, das kann die Wirtschaft nicht verkraften.“ Das kann er nicht verstehen und sieht in einem derartigen Lockdown sogar eine historische Dimension: „Nach dem Krieg ist dieser Staat auch aufgebaut worden. Meine Eltern haben dabei geholfen, dass dieser Staat wieder aufgebaut wird. Und wenn es so sein sollte, dann kann man diesen Staat wieder aufbauen. Nur: Dann hat man diesen Virus komplett im Griff, dann ist kein Virus mehr da und dann ist es ein Anfang. Ein neuer Anfang, wo jeder anpacken muss.“

Keine Gleichberechtigung ist, „was mich am meisten nervt“

Andreas Kurz, Massagetherapeut aus Forchtenberg, findet es ungerecht, dass Physiotherapeuten geöffnet haben dürfen, sein Institut allerdings nicht – ein Hygienekonzept könne er auch anbieten. Akin ergänzt: „Hier zu sagen, der Gastronom muss zulassen, aber Daimler darf weiter produzieren, das Sonnenstudio muss zulassen, aber der Friseur darf auflassen, das ist keine Gleichberechtigung. Bei der ganzen Geschichte ist es das, was mich am meisten nervt.“

Text: Matthias Lauterer

 

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Ceyhan Akin. Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsauer Schnelltest-Zentrum verdoppelt die Öffnungszeiten

Das Corona-Schnelltestzentrum in der Stadthalle in Künzelsau hat aufgrund der großen Nachfrage die Öffnungszeiten und das Angebot der Testtermine erweitert, teilt die Stadtverwaltung Künzelsau mit. Jetzt kann man sich dort montags, mittwochs und freitags von 18 bis 21 Uhr, sowie dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 12 Uhr testen lassen. Damit sei das Testangebot der Apotheker Hans-Peter van Dorp und Julian Bockmann in Kooperation mit den Ortsvereinen Künzelsau und Kupferzell des Deutschen Roten Kreuz verdoppelt worden, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Anmeldungen online oder telefonisch

Anmeldungen sind online möglich über das Buchungsportal: http://www.apo-schnelltest.de/testcenter-kuenzelsau . Wer keinen Internetzugang hat, kann sich bei der Stadtverwaltung Künzelsau telefonisch unter Telefon 07940/12 90 anmelden: montags bis freitags von 8.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr.

Schulung für freiwillige Helfer

Freiwillige Helfer:innen aus der Bevölkerung wurden in der vergangenen Woche von Apotheker Julian Bockmann geschult. „Sie unterstützen nun das Team im Schnelltestzentrum in der Künzelsauer Stadthalle bei der Abnahme der Abstriche“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Herzlichen Dank dafür. Die Freiwilligen tragen auch dazu bei, dass wir die Öffnungszeiten des Testzentrums erweitern konnten.“

Weiterer Baustein

Die Beschäftigten in den städtischen Kindertageseinrichtungen haben ebenfalls von Julian Bockmann gelernt, wie sie sich gegenseitig testen können. Sie werden sich nun gegenseitig „abstreichen“, bevor sie die Kinder in ihrer Kindertagesstätte in Empfang nehmen. Das ist ein weiterer Baustein im Infektionsschutz-Konzept.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Freiwillige Helfer und die Beschäftigten in städtischen Kindertageseinrichtungen werden von Apotheker Julian Bockmann für Corona-Schnelltests geschult. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau




Was tun, wenn’s juckt?

Eine wahre Odyssee durch den Irrgarten des Gesundheitssystems hat ein Patient aus dem Hohenlohekreis, wir nennen ihn hier passenderweise Josef K. (der Patient ist der Redaktion GSCHWÄTZ namentlich bekannt), hinter sich. Eigentlich eine einfache Situation: Josef K. ist allergisch gegen Wespengift, was erst kürzlich durch eine Laboruntersuchung festgestellt wurde. Sein Hausarzt überwies ihn daher direkt an die Allergologen der Klinik Löwenstein, deren Expertise in solchen Fällen er in höchsten Tönen lobte.

Überweisung wird nicht anerkannt

Allerdings wollte man Josef K. dort keinen Termin mit der Überweisung durch einen Hausarzt geben, auch nicht mit dem Hinweis, dass der Laborbefund bereits vorliegt. Ein „Allergologe“ oder „Pneumologe“ müsse der überweisende Arzt schon sein, darunter macht man es wohl in Löwenstein nicht.  Nun ist er Hohenlohekreis nicht für seine extreme Allergologendichte oder Pneumologendichte bekannt – Josef K. meinte also zuversichtlich, dass er die Handvoll Ärzte rasch durchtelefonieren und einen Termin vereinbaren könnte, um eine Überweisung durch einen Spezialisten zu erhalten.

Keine Termine erhältlich

Weit gefehlt. Nicht einmal mit dem Verweis darauf, dass es „nur“ um eine Überweisung gehe (oder vielleicht gerade deswegen?) war ein schneller Termin zu finden. Josef K. sah sich gezwungen, den Terminservice seiner gesetzlichen Krankenkasse einzuschalten, der ihm schon einmal schnell und zufriedenstellend weitergeholfen hatte. Nach fast zwei Wochen meldete sich der Terminservice zurück – auch dem Terminservice war es nicht möglich, einen Termin zu erhalten. Selbst im nahen Umkreis des Hohenlohekreises war kein Termin zu bekommen.

Auch ein Facharzt will es nicht glauben

Der Patient konsultierte einen weiter entfernten Hals-Nasen-Ohrenarzt, der ihn früher aus anderem Anlass behandelt hatte. Dieser Arzt ist zwar kein Facharzt für Allergologie, aber führt selbst Allergiebehandlungen durch, wenn auch nicht bei Wespengift. Er war sich sicher, dass seine Überweisung von Löwenstein akzeptiert würde. Josef K. ruft umgehend in Löwenstein an – und wird wieder abgewiesen: Dieser Arzt stünde nicht in einem Verzeichnis, in dem die freundliche Mitarbeiterin extra nachgeschlagen hatte. Der HNO war sehr verwundert, der Patient war sehr verärgert, war er doch extra eine gewisse Strecke mit dem Auto gefahren.

Letzte Hoffnung: Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung

Josef K. versuchte, über seine Krankenkasse nochmals Schwung in die Sache zu bringen – vergebens: Die Krankenkasse riet, sich an den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart zu wenden. Die dortige Mitarbeiterin, ebenfalls freundlich, wollte Josef K. erst einige Fachärzte nennen. Auf den Hinweis, dass er die Fachärzte in der Umgebung alle schon abtelefoniert habe, hatte sie noch einen Namen parat, der nicht auf der im Internet veröffentlichten Liste stünde – und wie es der Zufall will war sogar ein Mediziner ganz in der Nähe, den Josef K. kannte. „Sie können direkt vorbeikommen“ hieß es … und schon eine Stunde später hatte Josef K. sein ersehntes Überweisungsformular in der Hand.

Ein endloses geflochtenes Band

Leider wusste der Mediziner selber nicht, dass ihn die Krankenversicherung zum Facharzt für Allergologie befördert hatte – sein Fachgebiet liegt eher da, wo die Sonne nicht so oft hinscheint. Also stand auf dem Überweisungsformular: Allergologe.

Die Odyssee im Paragraphenirrgarten des Gesundheitssystems beginnt also für Josef K. von vorn.

Text: Matthias Lauterer

Die wahren Namen von Josef K. und der beteiligten Ärzte sind der Redaktion bekannt. Die Klinik Löwenstein und die Kassenärztliche Vereinigung wurden um eine Stellungnahme über die rechtlichen Hintergründe der Situation gebeten.

 




Land möchte flächendeckend Busse von 05 Uhr bis Mitternacht

Die FDP Gruppe im Kreistag des Hohenlohekreises warnt vor den neuesten Plänen der grün/schwarzen Landesregierung im Bereich des ÖPNV. Grün/Schwarz will laut ihrem Sondierungspapier, dass „alle Orte in Baden-Württemberg von 5 Uhr morgens bis Mitternacht mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein müssen“, egal wie unwirtschaftlich das im Einzelfall auch sein könnte. Zur Finanzierung soll der kommunalen Ebene das Recht per Landesgesetz eingeräumt werden, mit einem sogenannten Mobilitätspass zusätzliche Einnahmen zu erzielen. „Für den ländlich strukturierten Hohenlohekreis wäre das ein finanzpolitisches Fiasko,“ konstatiert Kreisrat Michael Schenk.

FDP: Landesregierung soll die Kosten tragen

Zuerst sollen die Kommunen gezwungen werden, hohe zusätzliche Kosten in Kauf zu nehmen und müssen dann aus der faktischen Not heraus eine neue Steuer zur Schröpfung der Bürger einführen. „ Wenn die Landesregierung diesen Standard im ÖPNV einführen will, dann soll die Landesregierung gemäß dem Konnexitätsprinzip unserer Landesverfassung die Kosten tragen!“, ergänzte Schenk. Bluten müsse mal wieder der Steuerzahler.

Sprachlosigkeit

„Mich macht es sprachlos, dass die CDU solche finanzpolitischen Taschenspielertricks mitträgt“, ergänzte Kreisrätin Ute Oettinger-Griese.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe

 




Erstmals südafrikanische Virusvariante im Hohenlohekreis nachgewiesen

Erstmals wurde am Freitag, den 09. April 2021, die südafrikanische Variante des Coronavirus im Hohenlohekreis nachgewiesen. Das teilte das Landratsamt des Hohenlohekreises in einer Pressemitteilung mit. „Leider haben wir neben der stark ausgebreiteten britischen Variante heute zwei zusammenhängende Fälle der südafrikanischen Variante zu verzeichnen“, teilt Annemarie Flicker-Klein, Leiterin des Gesundheitsamts, mit. „Das hat uns nicht überrascht. Seit Februar suchen unsere Labore gezielt nach bekannten besorgniserregenden Varianten. Dadurch wurden auch diese Fälle gefunden.“ Die Quarantäneregelungen gelten beim Auftreten der südafrikanischen Variante unverändert. „Der beste Schutz vor den besorgniserregenden Varianten für Bürgerinnen und Bürger ist, sich weiterhin an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten sowie Kontakte auf das Notwendige zu reduzieren.“

Seit Februar 2021 gezielte Suche nach Virusmutanten

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am heutigen Freitag, 9. April 2021, insgesamt 49 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Davon waren 14 Fälle bereits als Kontaktpersonen in Quarantäne. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 164,2 pro 100.000 Einwohner.

Vier betroffene Unternehmen

Betroffen ist auch eine Schule auf der Hohenloher Ebene. Dort musste für 51 Kontaktpersonen Quarantäne angeordnet werden. Zudem gibt es weitere Fälle in einer bereits betroffenen Kinderbetreuungseinrichtung und in vier bereits betroffenen Unternehmen.

Termine im Impfzentrum noch frei

Das Kreisimpfzentrum Öhringen teilt mit, dass aufgrund einer größeren Lieferung an Impfstoff und verlängerter Öffnungszeiten weitere Impftermine angeboten werden können. An diesem Wochenende sind für Sonntag und Montag noch Termine zur Impfung mit AstraZeneca verfügbar. Die Terminvergabe funktioniert ausschließlich über das Internet unter www.impfterminservice.de oder über die Telefonnummer 116 117 (ohne Vorwahl, kostenlos, Montag bis Sonntag von 8 bis 22 Uhr).

Das Ärzteblatt hatte erst im März 2021 darüber berichtet, dass AstraZeneca teilweise nicht bei der südafrikanischen Coronamutation wirkt.

Die südafrikanische Mutante soll zwar nicht tödlicher sein, aber sich schneller verbreiten, was wiederum zu einer Überbelastung des Gesundheitssystems führen kann.




Besuch bei der alten Dame

Eine weit über 80-jährige an Altersdemenz erkrankte Dame sitzt seit geraumer Zeit allein in einem großen, öffentlich zugänglichen Zimmer an einem kleinen Tisch in einer Abteilung unter anderem für Altersdemente, die (zumindest zum Zeitpunkt des Geschehens) zutrittsreguliert ist am Klinikum Weißenhof in Weinsberg.  Sie klopft beständig auf den Tisch. In diesem Zimmer riecht es nach Urin und das, wenn man genau hinschaut, nicht ohne Grund. In den Ecken und mitten im Raum finden sich mehrere solcher Pfützen. Die Verwandten, die sie an diesem Tag besuchen, wenden sich sofort an das Personal und weisen auf die Urinpüfzen hin. Doch eine Mitarbeiterin habe nur mit den Schultern gezuckt und erklärt, nicht jeden Tag sein ein Putztrupp da und sie selbst dürfen diese Dinge nicht wegmachen. So sitzen die Verwandten mit der Dame selbst mehrere Stunden in dem Raum mit den Urinpfützen.

Das komme öfter vor

Die Verwandten bemerken auch, dass die Kleidung der Dame völlig nass ist. Daraufhin wird ihnen vom Personal erklärt, dass der Kaffee am Frühstückstisch wohl von der Patientin verschüttet worden sei. Das komme öfter vor.

Blieb vielleicht bislang keine Zeit für das Personal, die Dame umzuziehen? Vielleicht hat das Personal die nasse Kleidung auch nicht bemerkt? Die Familie habe ihre Angehörige jedoch zweimal so vorgefunden – innerhalb von nur wenigen Tagen. Die Familie hat dann die Frau selbst umgezogen. Schließlich wollen sie eine Lungenentzündung bei der ohnehin schon gesundheitlich stark angeschlagenen Frau vermeiden.

Allein und isoliert

Als beim nächsten Besuch die Dame wieder allein und isoliert sitzt, überlegt die Familie, ihre Angehörige früher und auf eigene Verantwortung wieder zurück ins Altenheim zu fahren. Denn eigentlich sollte die Dame hier über mehrere Wochen medikamentös besser eingestellt werden. So ist sie vom Altenheim nach Weinsberg gekommen. Seit die Demenz vorangeschritten ist, schrie die Dame häufig, was belastend für die Altenheimmitarbeiter war. Doch angesichts dessen, wie sie die Dame nun in Weinsberg vorgefunden haben, hegt die Familie Zweifel, ob eine adäquate Medikamenteneinstellung bei einer in ihren Augen mangelhaften Betreuung überhaupt erfolgen kann.

Fotos von den Urinpfützen. Klinikum distanziert sich: „Ihre Schilderungen zu diesem Vorgang erscheinen uns jedoch sehr eigenartig und nicht nachvollziehbar“

Die Familie möchte anonym bleiben, der Redaktion GSCHWÄTZ  ist der Name der Familie bekannt, es liegen Fotos von mehreren Urinpfützen vor. Auch ein Video gibt es.

Wir haben mit dem Klinikum Weissenhof gesprochen und um eine Stellungnahme gebeten. Das Klinikum distanzierte sich von den Schilderungen: „Ihre Schilderungen zu diesem Vorgang erscheinen uns jedoch sehr eigenartig und nicht nachvollziehbar, daher würden wir uns gerne mehr Informationen zur Klärung des Vorfalls wünschen. Daher bitten wir Sie, dass Sie oder die Angehörigen uns gerne kontaktieren und wir zusammen den Vorgang nachvollziehen.“ Wir haben daraufhin einen Vor-Ort-Termin vorgeschlagen zur näheren Besprechung, dieser wurde jedoch seitens des Klinikums mit dem Hinweis auf die Pandemie abgelehnt. Zudem verwies Pressesprecher Valentin Rohn nun darauf, „alle Fragen ausführlich beantwortet zu haben“. Die betreffende Familie könne sich aber gerne melden könne, um die Vorgänge zu besprechen.

Stattdessen hat das Klinikum gegenüber GSCHWÄTZ mit rechtlichen Schritten gedroht, falls wir darüber berichten sollten:

„Die teilweise sehr harten und schlichtweg falschen Beschuldigungen weisen wir daher in aller Form zurück und möchten Sie bitten, auch im Hinblick auf mögliche rechtliche Schritte unsererseits, von einer redaktionellen Veröffentlichung abzusehen. Wir sind gerne bereit in Kontakt mit den Angehörigen den Vorgang aufzuklären, jedoch nicht über anonyme Anschuldigungen.“

Dennoch hat Valentin Rohn von der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit unsere eingereichten Fragen diesbezüglich beantwortet.

Anbei veröffentlichen wir diese.

GSCHWÄTZ: Wie oft werden die Räumlichkeiten in dieser Abteilung und in den anderen Abteilungen gereinigt und von etwaigen Urinpfützen befreit?

Rohn: Die Reinigung der Stationen erfolgt grundsätzlich 1 mal täglich durch eine professionelle Reinigungsfirma. Räume mit hoher Frequentierung sowie Sanitärbereiche für Patienten werden täglich zweimal qualifiziert gereinigt. Ausscheidungen oder sonstige Verunreinigungen wie zum Beispiel verschüttete Getränke werden bei Abwesenheit des Reinigungsdienstes selbstverständlich auch durch die pflegerischen Mitarbeiter:innen zeitnah entfernt.

GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass Mitarbeiter Urinpfützen nicht wegmachen dürfen und diese dadurch teils tagelang bleiben, bis das Reinigungspersonal wiederkommt?

Rohn: Nein, dies ist nicht korrekt, wie bereits beschrieben werden Ausscheidungen und sonstige Verunreinigungen schnellstmöglich entfernt, natürlich auch durch pflegerische Mitarbeiter:innen.

GCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass manchmal stark altersdemente Personen in Räumen stundenlang separiert werden, in teilweise nasser Kleidung? Dies soll nicht nur einmal, sondern mehrfach vorgekommen sein, ebenso die Urinpfützen.

Rohn: Patienten, die auf der Station mit Schwerpunkt zur Diagnostik und Behandlung von kognitiven Störungen und Demenzerkrankungen aufgenommen werden, zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen (zum Beispiel schwere Unruhe und Getriebenheit mit zeitweise lautem Rufen oder Schreien, oft auch eigen- und fremdgefährdendem Verhalten). Eine stationäre Aufnahme erfolgt meist dann, wenn das Umfeld (Pflegeheim oder Angehörige zuhause) mit diesen Verhaltensweisen nicht mehr gut zurechtkommt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Eine ungewohnte und gegebenenfalls unruhige Umgebung kann die oben genannten Verhaltensweisen zunächst noch verstärken und sich dann sogar auf andere Mitpatienten übertragen. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, einen unruhigen Patienten aus der Situation zu nehmen und ihn einzeln oder in einer Kleingruppe zu betreuen. Patienten mit nasser Kleidung (zum Beispiel durch das Verschütten von Getränken) werden selbstverständlich schnellstmöglich umgekleidet.

GSCHWÄTZ: Gibt es einen Personalengpass an bestimmten Stellen in dieser Abteilung? Wenn ja, in welchen Bereichen (z.B. Reinigung) und was sind die Gründe hierfür?

Rohn: Personelle Engpässe diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Unsere Klinik weist keine erhöhte Personalfluktuation auf. Offene Stellen können zeitnah nachbesetzt werden.

GSCHWÄTZ: Gab es möglicherweise im betreffenden Zeitraum anderweitige Engpässe, dass es zu solchen Missständen gekommen ist?

Rohn: Nein.

GSCHWÄTZ: Mediziner wie Gian Domenico Borasio, ein angesehener Professor in der Schweiz, wies jüngst in einem Artikel in der ZEIT (Titel: „Das Gegenteil von Hilfe“, Ausgabe 25. Februar 2021) darauf hin, dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, an Altersdemenz erkrankte Menschen in eine komplett neue Umgebung zu überführen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Dadurch würde sich ihr Zustand nicht selten eher verschlimmern als verbessern. Hinzu käme die Gefahr von Klinikkeimen.  Teilen Sie diese Ansicht? Wenn ja, warum beziehungsweise warum nicht?

Rohn: Als Fachklinik für Gerontopsychiatrie können wir dieser Aussage nur zustimmen. Eine Behandlung von demenzerkrankten Menschen sollte idealerweise in Ihrer gewohnten Umgebung stattfinden. Eine große Anzahl von Patient:innen wird auch deshalb von einem interdisziplinären Team (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Fachtherapeut:innen, Pflegefachpersonen) über unsere Gerontopsychiatrische Institutsambulanz (PIA) behandelt. Patient:innen, die im Pflegeheim leben, können über die PIA ebenso in ihrem häuslichen Umfeld regelmäßig aufgesucht und so eine ambulante Behandlung sichergestellt werden.

Zusätzlich bietet die Klinik für Gerontopsychiatrie seit November 2020 insbesondere für an Demenz erkrankten Patient:innen, bei denen eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit besteht, eine stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit (im Pflegeheim, im betreuten Wohnen oder im eigenen Zuhause) an. Aktuell stehen fünf Behandlungsplätze für Patient:innen mit Wohnsitz in einem Radius von 20 Kilometer um Weinsberg zur Verfügung.

Wir sind bemüht, dieses Behandlungsangebot noch stärker auszubauen. Natürlich sind diesen ambulanten Behandlungsangeboten Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlen und auf sofortige Entlastung durch Klinikaufnahme drängen, oder Patienten in unzumutbaren Verhältnissen leben, die gefährdend sind.

Borasio hat mit seiner Haltung sicher nicht Unrecht, man muss sich in allen Fällen aber auch immer die Frage nach den verfügbaren Möglichkeiten und Alternativen stellen.“




80 neue Coronafälle im Hohenlohekreis

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Donnerstagabend, den 08. April 2021, insgesamt 80 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 190,0 pro 100.000 Einwohner.

Es ist eine Asylbewerberunterkunft im Großraum Öhringen, ein Pflegeheim im Großraum Künzelsau und ein Unternehmen im Kochertal betroffen. Aufgrund von zwei bestätigten Fällen in einer Unterkunft im Großraum Künzelsau musste für rund 13 Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet werden.

Zudem gibt es weitere Fälle in einer bereits betroffenen Kinderbetreuungseinrichtung und in zwei bereits betroffenen Unternehmen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.




„Die britische Variante stellte das Unternehmen nun vor ein Problem“

Am Dienstag, 06. April 2021, erreichten die Redaktion Meldungen, dass es in der Forchtenberger Firma Müller co-ax AG zu mehr als 20 Corona-Fällen, darunter auch schweren Verläufen, gekommen sei. Auch sei ein Todesfall zu beklagen. Das Gesundheitsamt habe einen Test aller Mitarbeiter angeordnet, die Testung solle unter Mitwirkung von Mitarbeitern des Forchtenberger MVZ am Mittwoch, den 07. April 2021 durchgeführt werden, so berichtet es die Quelle, die der Redaktion namentlich bekannt ist.

Firma weicht aus

Auf gezielte Anfrage, ob es einen solchen Test der Belegschaft gibt, wird die Firma nicht konkret: „In der Firma müller co-ax ag wurden und werden alle notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus – Covid 19 getroffen. Dies wurde uns auch vom Gesundheitsamt bestätigt. In enger Zusammenarbeit mit Fachpersonal führen wir regelmäßige Testungen der Mitarbeiter im Unternehmen durch“, schreibt Sandra Schreier, PR + Marketing Manager der Firma. Zu der angeblich am Mittwoch anberaumten groß angelegten Testung ging sie nicht näher ein.

Auch Bürgermeister Foss antwortet verklausuliert

Auch der Forchtenberger Bürgermeister Foss bleibt wortkarg: „Ich habe dazu keine amtlichen Informationen, da das Gesundheitsamt des Landratsamtes zuständig ist. Insofern kann ich dazu keine Stellung nehmen.“

Informationspolitik des Landratsamts wie das Schweigen im Walde

Das Landratsamt zeigt sich einmal mehr sehr schweigsam und verweist lediglich darauf: „Sie haben hierzu bereits eine Rückmeldung durch die müller coax ag erhalten.“ Auch die Fragen, die direkt den Landrat betreffen und  gar nicht von müller coax beantwortet werden könnten, werden nicht beantwortet. DerHinweis auf ein hohes öffentliches Interesse und die Informationspflicht gegenüber der Presse erbrachten bisher keine weiteren Auskünfte.

müller co-ax ergänzt seine Stellungnahme

Auf weitere Nachfrage ergänzt co-ax seine Stellungnahme und bestätigt, dass tatsächlich einige Corona-Fälle aufgetreten sind: „Lange Zeit wirkten die von uns seit dem Pandemie-Ausbruch eingeführten Hygiene- und Abstandsmaßnahmen. Die britische Variante stellte das Unternehmen nun vor ein Problem, denn innerhalb kürzester Zeit hatten sich mehrere Mitarbeiter in einem separaten Gebäude infiziert.“

Sandra Schreier berichtet davon, dass die Schutz-Maßnahmen von der Geschäftsleitung erweitert und zusätzlich zu den bereits vorhandenen Selbsttests wöchentliche Tests durch externes medizinisches Fachpersonal eingeführt wurden. „Die eingeführten Maßnahmen, wie Schichtarbeit, Mitarbeiter in der Verwaltung arbeiten großteils im Homeoffice, Rückkehrer aus Quarantäne unterliegen der Testpflicht, sowie die üblichen Hygiene- und Abstandsregelungen werden weitergeführt. Das Gesundheitsamt beurteilt die getroffenen Maßnahmen vor und nach dem Ausbruch als vorbildlich.“ Sie schließt mit „Bisher kam es bei der müller co-ax ag  zu keinen weiteren positiven Fällen.“

Corona kann jeden treffen – offene Kommunikation ist wichtig

Corona kann überall auftreten – selbst das hochgelobte Sicherheitskonzept der DFL ist nicht hundertprozentig sicher: Der FC Bayern München mußte im  Europapokal auf Serge Gnabry verzichten, der Karlsruher SC ist komplett in Quarantäne. Auch die Saison der Heilbronner Eishockey-Falken wurde jetzt wegen Corona abgebrochen.

Unternehmen sind in der Verantwortung

Ein Corona-Fall ist daher keine Schande für ein Unternehmen. Wichtig ist, wie man damit umgeht: Unternehmen haben eine Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, diverse Arbeitsschutzgesetze und -verordnungen, auch eine spezielle Corona-Verordnung des Arbeitsministeriums, unterstreichen das. Sie haben außerdem eine Verantwortung für die Umwelt – in Corona-Zeiten dürfte -so sagen es erste Juristen- die Verantwortung eines Unternehmens auch die Menschen im Umfeld der Mitarbeiter des Unternehmens umfassen. Das Bundesinnenministerium ist auf Anfrage des Kreistagsmitglieds Michael Schenk (FDP) auch der Meinung: „Die Nennung des Namens einer von Corona betroffenen Institution liegt hingegen im Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit.“

Bereits in einem früheren Beitrag hat GSCHWÄTZ darauf hingewiesen, dass eine offene Kommunikation von Seiten betroffener Unternehmen für die Eindämmung des Virus eine große Hilfe sein kann: Da es inzwischen jedem Bürger möglich ist, sich freiwillig testen zu lassen, könnten Menschen, die mit Mitarbeitern eines betroffenen Unternehmens Kontakt hatten, sich umgehend testen lassen. Dazu müssen sie das aber wissen. Gerade in Zeiten der stark ansteckenden B.117-Mutante könnten diese freiwilligen  Tests dem Gesundheitsamt wertvolle Hinweise über möglicherweise unerkannte Verbreitungsketten geben.

Text: Matthias Lauterer

 




Zehn Tonnen Kupferkabel gestohlen – Polizei sucht Zeugen

Unbekannte haben am Samstag, den 03. April 2021, aus einer Lagerhalle in der Bretzfelder Schmalbachstraße knapp zehn Tonnen Kupferkabel gestohlen. Die Täter fuhren im Laufe des Tages mit einem Pritschenwagen an die Halle und verschafften sich gewaltsam Zugang zu dem Gebäude. Im Inneren verluden die Täter mehrere Gitterboxen mit den ummantelten Kupferkabeln und machten sich schließlich mit ihrem Diebesgut im Wert von einigen tausend Euro aus dem Staub.

Der Polizeiposten Bretzfeld hat die Ermittlungen aufgenommen und hofft auf Zeugen, die am Samstag den Pritschenwagen in der Schmalbachstraße bemerkt haben oder sonstige verdächtige Beobachtungen machen konnten. Hinweise werden unter Telefon 07946/940 010 entgegengenommen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Rechtshilfe in Krisenzeiten

Juristischer Beistand in Krisenzeiten: Die Rechtsschutzexperten der IG BAU Stuttgart waren im vergangenen Jahr stark gefragt, teilt die Gewerkschaft mit. Insgesamt 800 Mal kamen die Berater:innen der Gewerkschaft in der Region zum Einsatz. „Vom Verdienstausfall durch Kurzarbeit über fehlende Atemschutzmasken im Job bis hin zu Problemen bei der Kinderbetreuung – Corona hatte zahlreiche Rechtsstreitigkeiten auch im Hohenlohekreis zur Folge“, so der Bezirksvorsitzende Mike Paul in der Pressemitteilung.

Viele Streitfälle in der Gebäudereinigung

Wegen der Pandemie habe ein Großteil der Beratungen per Telefon stattgefunden. „Viele Streitfälle gab es in der Gebäudereinigung. Beschäftigte klagten über finanzielle Nöte wegen des niedrigen Kurzarbeitergeldes, Defizite beim Arbeitsschutz oder nicht gezahlte Löhne in der Quarantäne“, berichtet Paul. In der Baubranche sei es unter anderem um vorenthaltene Corona-Prämien und unbezahlte Überstunden gegangen. Ein weiterer Schwerpunkt sei das Thema Kinderbetreuung gewesen. „Bauarbeiter, Forstbeschäftigte und Reinigungskräfte können kein Homeoffice machen. Wenn Kitas und Schulen geschlossen sind, wird das für sie besonders zum Problem“, so Paul.

„Krise nicht als Vorwand nutzen“

Der Gewerkschafter appelliert an Beschäftigte aus den Branchen der IG BAU, sich auch in Pandemie-Zeiten um ihre Belange zu kümmern und die Hilfe der Gewerkschaft zu suchen. „Arbeitgeber dürfen die Krise nicht als Vorwand nutzen, um das Personal um seine Rechte zu bringen.“

Quelle: Pressemitteilung der IG Bauen-Agrar-Umwelt