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Autofahrer erfasst Fahrradfahrer frontal

Unachtsamkeit war vermutlich die Ursache für eine Kollision zwischen einem Pkw und einem Fahrradfahrer in Bad Mergentheim. Am Dienstag, den 13. April 2021, war ein 48-Jähriger mit seinem Chrysler gegen 21 Uhr auf der Bundesstraße 290 aus Richtung Wildtierpark kommend in Fahrtrichtung Bad Mergentheim unterwegs. Dabei übersah er offensichtlich den 44-Jährigen auf seinem Fahrrad, der in dieselbe Richtung fuhr.

Nachdem der Pkw das Zweirad frontal erfasst hatte, schleuderte dieses durch die Luft und blieb im angrenzenden Grünstreifen liegen. Der 44-Jährige erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen. Er hatte einen Fahrradhelm getragen. Ein Rettungsdienst brachte den Mann in ein Krankenhaus.

Ein durchgeführter Atemalkoholtest bei dem 48-Jährigen ergab einen Wert von 0,6 Promille. Er muss nun mit einer Anzeige rechnen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Weiterhin kein Präsenzunterricht für die Hohenloher Schüler:innen

Wenn die Inzidenz weiter so hoch bleibt, bleiben die Klassenzimmer am Montag im Hohenlohekreis weiter geschlossen.

Sollte der Inzidenzwert weiterhin die 200er-Marke überschreiten, dann geht es für die Schüler:innen nächste Woche weiter mit Homeschooling. Erst bei einem Unterschreiten dieser Marke bei drei aufeinanderfolgenden Tagen sollen die Schulen wieder öffnen für Wechselunterricht (abwechselnd Homeschooling und Unterricht im Klassenzimmer). Dann allerdings muss jeder Schüler zweimal pro Woche getestet werden und das unabhängig von der Inzidenz.

Brief vom Kultusministerium an die Schulleiter

Die Schulleiter wurden am Mittwoch, den 14. April 2021, vom Kultusministerium darüber informiert, wie es ab Montag für die Schüler:innen weitergehen soll. Darin heißt es unter anderem: „In Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 wird auf Fernunterricht umgestellt. Die Notbetreuung in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 sowie die Abschlussklassen und die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren G und K und SBBZ anderer Förderschwerpunkte mit diesen Bildungsgängen sind hiervon weiterhin ausgenommen.“ Der aktuelle Inzidenzwert im Hohenlohekreis ist nach Angaben des Landratsamtes Hohenlohekreis 264,5 pro 100.000 Einwohner (Stand 13. April 2021). Das heißt also: Die Kinder in Hohenlohe bleiben vorerst zu Hause.

Sieben Stadt- und Landkreise über der 200er-Marke

Damit geht es ihnen so wie den Schüler:innen in einigen anderen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg. Stand gestern (14. April 2021) lagen die Inzidenzen von sieben Stadt- und Landkreisen im Bundesland über der 200er-Marke – beispielsweise der Landkreis Schwäbisch Hall bei 307,0 und der Landkreis Heilbronn bei 219,5. Die Stadt Heilbronn lag als Spitzenreiter in Baden-Württemberg bei 322,5 (https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/210414_COVID_Tagesbericht_LGA.pdf). Den niedrigsten Wert wies gestern die Stadt Heidelberg mit 67,5 aus, dicht gefolgt von Freiburg mit 74,4. Der Landkreis Emmendingen lag bei 84,1 und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald bei 86,1. Alle anderen Stadt- und Landkreise wiesen bereits dreistellige Inzidenzen aus, manche nur knapp unter der 200er-Marke.

Organisatorisch schwierig

Sollte sich der Inzidenzwert in Hohenlohe in den nächsten Tagen wieder verringern und an drei Tagen in Folge stabil unter der magischen Zahl von 200 bleiben, so dürften die Kinder ab Montag theoretisch zur Schule gehen. Was aber organisatorisch so kurzfristig kaum zu schaffen sein dürfte.

 

Das Schreiben vom 14. April 2021 des Kultusministerium Baden-Württemberg an die Schulleiter.

Seite 2 des Schreibens.

Seite 3

Seite 4




Musiker mit Leib und Seele

Frank Winkler aus Forchtenberg ist Gast der aktuellen Folge des Hohenlohe+ Podcast. Er ist der Besitzer von Winklers Weinstube in Forchtenberg und Musiker mit Leib und Seele. Mit seiner Mundartband Annaweech trifft er den Ton der Hohenloher und ist damit ein Botschafter für die Region.

Im Podcast spricht Silas Fürstenberger mit „Molle“ darüber, warum es so wichtig ist, seinen Dialekt zu pflegen, welche wichtige Bedeutung das „Gast“ in Gastwirt hat und wie es ist, als Mundartband durchs Ländle zu touren.

Mehr Informationen unter https://www.hohenlohe.plus/ oder per E-Mail an info@hohenlohe.plus. Der Hohenlohe Plus Podcast steht auf der Webseite des Vereins und auf den gängigen Podcast-Kanälen wie Amazon, Apple und Spotify zum Hören bereit.

Quelle: Pressemitteilung von Hohenlohe+




„Dadurch würde sich ihr Zustand eher verschlimmern“

Altersdemente Menschen können eine starke Belastung für ihr soziales Umfeld, aber auch für Altenheimmitarbeiter sein. Warum dennoch versucht werden sollte, sie in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen, erklärt der Pressesprecher des Klinikums am Weißenhof in Weinsberg, Valentin Rohn. Vorausgegangen war die Kritik einer Familie über die Behandlung ihrer altersdementen Angehörigen am Klinikum in Weinsberg (wir berichteten).

„Zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen“

GCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass manchmal stark altersdemente Personen in Räumen stundenlang separiert werden?

Rohn: Patienten, die auf der Station mit Schwerpunkt zur Diagnostik und Behandlung von kognitiven Störungen und Demenzerkrankungen aufgenommen werden, zeigen meist herausfordernde Verhaltensweisen (zum Beispiel schwere Unruhe und Getriebenheit mit zeitweise lautem Rufen oder Schreien, oft auch eigen- und fremdgefährdendem Verhalten). Eine stationäre Aufnahme erfolgt meist dann, wenn das Umfeld (Pflegeheim oder Angehörige zuhause) mit diesen Verhaltensweisen nicht mehr gut zurechtkommt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Eine ungewohnte und gegebenenfalls unruhige Umgebung kann die oben genannten Verhaltensweisen zunächst noch verstärken und sich dann sogar auf andere Mitpatienten übertragen. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, einen unruhigen Patienten aus der Situation zu nehmen und ihn einzeln oder in einer Kleingruppe zu betreuen. Patienten mit nasser Kleidung (zum Beispiel durch das Verschütten von Getränken) werden selbstverständlich schnellstmöglich umgekleidet.

Personalengpass ist mir nicht bekannt

GSCHWÄTZ: Gibt es einen Personalengpass an bestimmten Stellen in dieser Abteilung?

Rohn: Personelle Engpässe diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Unsere Klinik weist keine erhöhte Personalfluktuation auf. Offene Stellen können zeitnah nachbesetzt werden.

„Dadurch würde sich ihr Zustan eher verschlimmern“

GSCHWÄTZ: Mediziner wie Gian Domenico Borasio, ein angesehener Professor in der Schweiz, wies jüngst in einem Artikel in der ZEIT (Titel: „Das Gegenteil von Hilfe“, Ausgabe 25. Februar 2021) darauf hin, dass es nicht unbedingt von Vorteil ist, an Altersdemenz erkrankte Menschen in eine komplett neue Umgebung zu überführen, wenn auch nur für ein paar Wochen. Dadurch würde sich ihr Zustand nicht selten eher verschlimmern als verbessern. Hinzu käme die Gefahr von Klinikkeimen.  Teilen Sie diese Ansicht? Wenn ja, warum beziehungsweise warum nicht?

Rohn: Als Fachklinik für Gerontopsychiatrie können wir dieser Aussage nur zustimmen. Eine Behandlung von demenzerkrankten Menschen sollte idealerweise in Ihrer gewohnten Umgebung stattfinden. Eine große Anzahl von Patient:innen wird auch deshalb von einem interdisziplinären Team (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Fachtherapeut:innen, Pflegefachpersonen) über unsere Gerontopsychiatrische Institutsambulanz (PIA) behandelt. Patient:innen, die im Pflegeheim leben, können über die PIA ebenso in ihrem häuslichen Umfeld regelmäßig aufgesucht und so eine ambulante Behandlung sichergestellt werden.

Zusätzlich bietet die Klinik für Gerontopsychiatrie seit November 2020 insbesondere für an Demenz erkrankten Patient:innen, bei denen eine stationäre Behandlungsnotwendigkeit besteht, eine stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit (im Pflegeheim, im betreuten Wohnen oder im eigenen Zuhause) an. Aktuell stehen fünf Behandlungsplätze für Patient:innen mit Wohnsitz in einem Radius von 20 Kilometer um Weinsberg zur Verfügung.

Wir sind bemüht, dieses Behandlungsangebot noch stärker auszubauen. Natürlich sind diesen ambulanten Behandlungsangeboten Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlen und auf sofortige Entlastung durch Klinikaufnahme drängen, oder Patienten in unzumutbaren Verhältnissen leben, die gefährdend sind.

Borasio hat mit seiner Haltung sicher nicht Unrecht, man muss sich in allen Fällen aber auch immer die Frage nach den verfügbaren Möglichkeiten und Alternativen stellen.“




Öhringen: Wechsel in der Spitze der FDP im Stadtrat

Der FDP-Stadtrat Gerhard Feiler hat sein Amt als Fraktionsvorsitzender abgeben. Gerhard Feiler, der dem Stadtrat in Öhringen seit 1980 angehört, war 31 Jahre lang Gruppen bzw. Fraktionssprecher der FDP. In dieser Zeit hat er sich vor allem für die Schulen und Bildungseinrichtungen sowie der Stadtentwicklung eingesetzt. Die Jugendmusikschule und die Öhringer Vereine waren und sind ihm immer eine Herzensangelegenheit.

Einstimmige Wahl

Die FDP-Stadträte haben Uwe Köhler einstimmig zum Nachfolger als Fraktionsvorsitzender gewählt. Köhler bedankte sich, auch im Namen des FDP Ortsverbandes und der FDP Stadträte, bei Gerhard Feiler für seine langjährige Tätigkeit als Gruppen- bzw. Fraktionssprecher der FDP im Stadtrat und hob die vertrauensvolle Zusammenarbeit auch in der Übergangs- und Einarbeitungsphase hervor. Auf die Besetzung der einzelnen Ausschüsse des Stadtrates hat dieser Wechsel keine Auswirkungen, da Gerhard Feiler weiterhin dem Stadtrat angehören wird. Auch sein Mandat im Kreistag wird er weiterhin ausüben.

Pressemitteilung FDP

Gerhard Feiler. Quelle: FDP

Uwe Köhler. Quelle: FDP




Hohenlohekreis: Inzidenz bei fast 270 – Bei Inzidenz über 300 drohen ganztägige Ausgangssperren

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am heutigen Dienstag, 13. April 2021, insgesamt 58 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 269,9 pro 100.000 Einwohner.

Davon betroffen ist ein Unternehmen im Großraum Öhringen. Aufgrund eines bestätigten Falles in einer Kinderbetreuungseinrichtung im Kochertal musste für rund 30 Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet werden.

Zudem gibt es einen weiteren Fall in einer bereits betroffenen Pflegeeinrichtung. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor. Was passiert bei einer Inzidenz über 300? In der PRessemitteilung steht nichts darüber.

Allerdings hat das baden-württembergische Sozialministerium im Dezember 2020 eine Ausgangssperre auch am Tag für die Stadt Pforzheim verhängt, nachdem die Inzidenz drei Tage nacheinander den Wert von 300 überschritten hatte.

Der Kreis Schwäbisch Hall hat im März 2021 nach Überschreitung der 300er Marke ebenfalls Ausgangsbeschränkungen erlassen. 

Insgesamt starben seit dem offiziellen Coronaausbruch vor gut einem Jahr offiziell rund 111 Menschen im Hohenlohekreis an Corona. Aktuell gab es wohl laut noch unbestätigter Quellen einen weiteren Coronatoten in Forchtenberg.




Bund übernimmt das Steuer

Das Bundeskabinett hat am Dienstag, den 13. April 2021, bundeseinheitliche Coronaverordnungen beschlossen. Hierzu hat es das Infektionsschutzgesetz geändert. Danach soll nun Schluss sein mit dem deutschlandweiten Flickenteppich. Bislang konnten etwa Landkreise selbst über Ausgangsbeschränkungen entscheiden und Bundesländer über Schulschließungen.

Klare Regeln gibt es nun für Ladenschließungen, Schulen und Ausgangsregeln.

Die wichtigsten VErordnungen im Überblick:

// Ausgangssperre ab 21 Uhr

So soll von 21.00 bis 5.00 Uhr der Aufenthalt außerhalb einer Wohnung oder eines dazugehörigen Gartens im Grundsatz nicht erlaubt sein. Dies soll nicht gelten, wenn der Aufenthalt etwa der Versorgung von Tieren oder der Berufsausübung dient. Gelten sollen diese und andere Beschränkungen, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz über 100 liegt. Das bedeutet, dass binnen einer Woche mehr als 100 Neuinfizierte auf 100.000 Einwohner kommen.

// Private Zusammenkünfte nur mit 1 Person eines weiteren Haushaltes

n einem neuen Paragrafen 28b des Infektionsschutzgesetzes soll ferner festgelegt werden, dass private Zusammenkünfte im öffentlichen oder privaten Raum dann nur gestattet sind, wenn an ihnen höchstens die Angehörigen eines Haushalts und eine weitere Person einschließlich dazugehörender Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres teilnehmen. Bei Todesfällen sollen bis zu 15 Personen zusammenkommen dürfen.

// Gastronomie, Kleiderläden sowie Freizeiteinrichtungen geschlossen ab Inzidenz 100

Unter anderem dürfen bei einer Inzidenz über 100 die meisten Läden und die Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie die Gastronomie nicht öffnen. Ausgenommen werden sollen der Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Stellen des Zeitungsverkaufs, Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte und Gartenmärkte. Hier sollen Abstand- und Hygienekonzepte gelten.

// Nur kontaktloser Sport

Die Ausübung von Sport soll nur in Form von kontaktloser Ausübung von Individualsportarten erlaubt sein. Sie sollen allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands ausgeübt werden dürfen. Ausnahmen gibt es auch weiter für den Wettkampf- und Trainingsbetrieb der Berufssportler und der Leistungssportler der Bundes- und Landeskader, aber weiter nur ohne Zuschauer.

// Übernachtungsangeboten zu touristischen Zwecken sollen bei einer Inzidenz ab 100 in der jeweiligen einer Region untersagt sein.

// Frisöre bleiben geöffnet

Geöffnet werden dürften laut dem Beschluss Dienstleistungen, die medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken dienen sowie Friseurbetriebe – jeweils mit Maske.

// Präsenzunterricht nur mit 2 Coronatests pro Woche, ab Inzidenz 200 homeschooling

An Schulen soll Präsenzunterricht nur mit zwei Coronatests pro Woche gestattet werden. Überschreitet in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinander folgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz 200, soll Präsenzunterricht untersagt werden.

Stundenlang war unter Hochdruck über die Regelungen verhandelt worden. Nach dpa-Informationen sollen in der Vorlage Fraktions- und Länderwünsche von der Bundesregierung in wichtigen Punkten berücksichtigt worden sein. Nach dem geplanten Kabinettsbeschluss soll das Gesetz möglichst in einem beschleunigten Verfahren vom Bundestag beschlossen werden und den Bundesrat passieren.

Neben der Novelle des Infektionsschutzgesetzes hat das Kabinett auch eine Pflicht für Angebote von Coronatests in Unternehmen auf den Weg gebracht. Der Entwurf einer geänderten Arbeitsschutzverordnung sieht vor, dass die Unternehmen ihren Beschäftigten in der Regel einmal in der Woche Tests zur Verfügung stellen.

Die schärferen Lockdown- und Testregeln sollen die Zahl der Infizierten, Covid-19-Kranken und Todesfälle drücken, bis auch durch fortschreitende Impfungen das Infektionsgeschehen im Griff gehalten werden kann.

Der Hohenlohekreis hat derzeit eine Inzidenz von 224,6 (12.04.2021). Mit dieser Zahl wäre so gut wie alles geschlossen, außer die Unternehmen.




„Ich habe schon Suizidgedanken gehabt“

Auf seine Situation als einnahmeloser Gastronom  wollte Ceyhan Akin (GSCHWÄTZ berichtete über seine Kandidateninterviews vor der Landtagswahl) aus Forchtenberg nochmals aufmerksam machen, indem er sich am Sonntagnachmittag, 11. April 2021, vor dem alten Rathaus in Künzelsau einfach auf einen Klappstuhl setzt und einen Kaffee oder Tee trinkt.  Diese Idee fanden auch andere Betroffene gut und so war er nicht alleine, sondern eine Handvoll weitere Kaffee- oder Teetrinker waren erschienen, alle ebenfalls vom Lockdown dazu gezwungen, ihre Geschäftsräume geschlossen zu haben.

Erste Bundeshilfen inzwischen eingegangen

Zwar seien vor rund vier Wochen Zahlungen aus den November- und Dezemberhilfen eingegangen, jedoch bemängelt Akin die schleppende Bearbeitung. Vor einigen Tagen habe er die Ü3-Hilfe endlich beantragen können, das sei aber nur über den Steuerberater möglich: „Ich persönlich habe jetzt zum Beispiel eine Rechnung zu erwarten von ca. 800 bis 900  Euro für den Antrag. Was mich persönlich extrem ärgert, ist, dass gesagt, wird schnell und unbürokratisch. Das ist für mich eine Verarsche,  die anders gar nicht zu schildern ist.“ In dieselbe Kerbe haut auch Sylvia Conrad vom Bräunungsstudio „Tropical Sun“ in Künzelsau: Seit vier Monaten verzeichnet sie nur Kosten und keine Einnahmen. Da ihr Unternehmen keine Personengesellschaft ist, habe sie es besonders schwer, auf staatliche Zuschüsse zuzugreifen.

„Ja, es sind einige Leute da, die einfach ein Zeichen setzen möchten“

Die „Klappstuhl-Aktion“ habe er sich vor zwei oder drei Wochen ausgedacht und diese auch im Internet veröffentlicht. Er erreichte große Resonanz, einige Gastronomen erklärten sich solidarisch und sitzen nun neben ihm – mit Abstand natürlich. Aber nicht nur Gastronomen hätten sich bei ihm gemeldet: Auch Eltern, die sich nicht damit abfinden wollen, „dass Kleinkinder sich testen müssen, sich irgendwie ein Stäbchen in die Nase schieben sollen und die Tests gar nicht medizinisch fachgerecht ausgeübt werden“.

„Aber ich habe mich nicht vor vier Jahren selbstständig gemacht, dass ich im Notfall Bus fahre“

Freimütig spricht er davon, dass er sich überlegt habe, aus der Gastronomie auszusteigen. „Aber ich habe mich nicht vor vier Jahren selbstständig gemacht, dass ich im Notfall Bus fahre“, sagt er in Anspielung an einen Ratschlag, den man ihm am Wahlkampfstand der GRÜNEN gegeben hat. Nicht nur die Aufgabe der Gastronomie ging durch seinen Kopf: „Ich habe schon Suizidgedanken gehabt. Und das sage ich hier öffentlich ins GSCHWÄTZ. Es ist so, weil Du einfach vor dem Existenz-Aus stehst, und nicht weißt, wie es weitergehen soll, weil der Bund ja auch keine Perspektiven zeigt.“ Er berichtet weiter: „Es gibt Fälle, wo sich Gastronomen das Leben genommen haben. Weil es einfach nicht weitergeht, weil sie keine Perspektive haben. Soviel zu der Frage Gastronomie weitermachen oder nicht – das überlegt sich jeder Gastronom momentan.“

Hygienekonmzepte haben doch funktioniert

„Eine ganz einfache Lösung eigentlich“, schlägt er vor: Im letzten Jahr durften die Gastronomen mit Hygienekonzepten öffnen. „Jede Gastronomie, jeder Gastronom hat das durchgezogen, auch auf Festivals oder irgendwelchen Veranstaltungen. Und es ist nichts passiert. Definitiv. Bei mir hat sich niemand angesteckt, in der Alten Schmiede niemand, im Ochsengarten niemand, im Keltereck niemand.“ Wenn das nicht durchgeführt werden kann, fordert er einen richtigen Lockdown: „Entweder lasst uns öffnen mit dem Hygienekonzept, das letztes Jahr erfolgreich war oder lasst einfach mal für einen Monat, dann aber deutschlandweit alles, auch die Industrie, auch die große Industrie, einfach geschlossen. Dann sage ich, gibt’s auch keinen Virus mehr in Deutschland.“

„Den Hyper-XXXXL-Lockdown“

„Den Hyper-XXXXL-Lockdown, wo auch der Nahverkehr stillgelegt wird, wo die Industrie einfach runterfährt, wo aber von Politikern dann die Aussage kommt, das kann die Wirtschaft nicht verkraften.“ Das kann er nicht verstehen und sieht in einem derartigen Lockdown sogar eine historische Dimension: „Nach dem Krieg ist dieser Staat auch aufgebaut worden. Meine Eltern haben dabei geholfen, dass dieser Staat wieder aufgebaut wird. Und wenn es so sein sollte, dann kann man diesen Staat wieder aufbauen. Nur: Dann hat man diesen Virus komplett im Griff, dann ist kein Virus mehr da und dann ist es ein Anfang. Ein neuer Anfang, wo jeder anpacken muss.“

Keine Gleichberechtigung ist, „was mich am meisten nervt“

Andreas Kurz, Massagetherapeut aus Forchtenberg, findet es ungerecht, dass Physiotherapeuten geöffnet haben dürfen, sein Institut allerdings nicht – ein Hygienekonzept könne er auch anbieten. Akin ergänzt: „Hier zu sagen, der Gastronom muss zulassen, aber Daimler darf weiter produzieren, das Sonnenstudio muss zulassen, aber der Friseur darf auflassen, das ist keine Gleichberechtigung. Bei der ganzen Geschichte ist es das, was mich am meisten nervt.“

Text: Matthias Lauterer

 

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Gastronomen und Gewerbe wollen ein Zeichen setzen. Foto: GSCHWÄTZ

Ceyhan Akin. Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsauer Schnelltest-Zentrum verdoppelt die Öffnungszeiten

Das Corona-Schnelltestzentrum in der Stadthalle in Künzelsau hat aufgrund der großen Nachfrage die Öffnungszeiten und das Angebot der Testtermine erweitert, teilt die Stadtverwaltung Künzelsau mit. Jetzt kann man sich dort montags, mittwochs und freitags von 18 bis 21 Uhr, sowie dienstags, donnerstags und samstags von 9 bis 12 Uhr testen lassen. Damit sei das Testangebot der Apotheker Hans-Peter van Dorp und Julian Bockmann in Kooperation mit den Ortsvereinen Künzelsau und Kupferzell des Deutschen Roten Kreuz verdoppelt worden, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Anmeldungen online oder telefonisch

Anmeldungen sind online möglich über das Buchungsportal: http://www.apo-schnelltest.de/testcenter-kuenzelsau . Wer keinen Internetzugang hat, kann sich bei der Stadtverwaltung Künzelsau telefonisch unter Telefon 07940/12 90 anmelden: montags bis freitags von 8.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr.

Schulung für freiwillige Helfer

Freiwillige Helfer:innen aus der Bevölkerung wurden in der vergangenen Woche von Apotheker Julian Bockmann geschult. „Sie unterstützen nun das Team im Schnelltestzentrum in der Künzelsauer Stadthalle bei der Abnahme der Abstriche“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Herzlichen Dank dafür. Die Freiwilligen tragen auch dazu bei, dass wir die Öffnungszeiten des Testzentrums erweitern konnten.“

Weiterer Baustein

Die Beschäftigten in den städtischen Kindertageseinrichtungen haben ebenfalls von Julian Bockmann gelernt, wie sie sich gegenseitig testen können. Sie werden sich nun gegenseitig „abstreichen“, bevor sie die Kinder in ihrer Kindertagesstätte in Empfang nehmen. Das ist ein weiterer Baustein im Infektionsschutz-Konzept.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Freiwillige Helfer und die Beschäftigten in städtischen Kindertageseinrichtungen werden von Apotheker Julian Bockmann für Corona-Schnelltests geschult. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau




Was tun, wenn’s juckt?

Eine wahre Odyssee durch den Irrgarten des Gesundheitssystems hat ein Patient aus dem Hohenlohekreis, wir nennen ihn hier passenderweise Josef K. (der Patient ist der Redaktion GSCHWÄTZ namentlich bekannt), hinter sich. Eigentlich eine einfache Situation: Josef K. ist allergisch gegen Wespengift, was erst kürzlich durch eine Laboruntersuchung festgestellt wurde. Sein Hausarzt überwies ihn daher direkt an die Allergologen der Klinik Löwenstein, deren Expertise in solchen Fällen er in höchsten Tönen lobte.

Überweisung wird nicht anerkannt

Allerdings wollte man Josef K. dort keinen Termin mit der Überweisung durch einen Hausarzt geben, auch nicht mit dem Hinweis, dass der Laborbefund bereits vorliegt. Ein „Allergologe“ oder „Pneumologe“ müsse der überweisende Arzt schon sein, darunter macht man es wohl in Löwenstein nicht.  Nun ist er Hohenlohekreis nicht für seine extreme Allergologendichte oder Pneumologendichte bekannt – Josef K. meinte also zuversichtlich, dass er die Handvoll Ärzte rasch durchtelefonieren und einen Termin vereinbaren könnte, um eine Überweisung durch einen Spezialisten zu erhalten.

Keine Termine erhältlich

Weit gefehlt. Nicht einmal mit dem Verweis darauf, dass es „nur“ um eine Überweisung gehe (oder vielleicht gerade deswegen?) war ein schneller Termin zu finden. Josef K. sah sich gezwungen, den Terminservice seiner gesetzlichen Krankenkasse einzuschalten, der ihm schon einmal schnell und zufriedenstellend weitergeholfen hatte. Nach fast zwei Wochen meldete sich der Terminservice zurück – auch dem Terminservice war es nicht möglich, einen Termin zu erhalten. Selbst im nahen Umkreis des Hohenlohekreises war kein Termin zu bekommen.

Auch ein Facharzt will es nicht glauben

Der Patient konsultierte einen weiter entfernten Hals-Nasen-Ohrenarzt, der ihn früher aus anderem Anlass behandelt hatte. Dieser Arzt ist zwar kein Facharzt für Allergologie, aber führt selbst Allergiebehandlungen durch, wenn auch nicht bei Wespengift. Er war sich sicher, dass seine Überweisung von Löwenstein akzeptiert würde. Josef K. ruft umgehend in Löwenstein an – und wird wieder abgewiesen: Dieser Arzt stünde nicht in einem Verzeichnis, in dem die freundliche Mitarbeiterin extra nachgeschlagen hatte. Der HNO war sehr verwundert, der Patient war sehr verärgert, war er doch extra eine gewisse Strecke mit dem Auto gefahren.

Letzte Hoffnung: Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung

Josef K. versuchte, über seine Krankenkasse nochmals Schwung in die Sache zu bringen – vergebens: Die Krankenkasse riet, sich an den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart zu wenden. Die dortige Mitarbeiterin, ebenfalls freundlich, wollte Josef K. erst einige Fachärzte nennen. Auf den Hinweis, dass er die Fachärzte in der Umgebung alle schon abtelefoniert habe, hatte sie noch einen Namen parat, der nicht auf der im Internet veröffentlichten Liste stünde – und wie es der Zufall will war sogar ein Mediziner ganz in der Nähe, den Josef K. kannte. „Sie können direkt vorbeikommen“ hieß es … und schon eine Stunde später hatte Josef K. sein ersehntes Überweisungsformular in der Hand.

Ein endloses geflochtenes Band

Leider wusste der Mediziner selber nicht, dass ihn die Krankenversicherung zum Facharzt für Allergologie befördert hatte – sein Fachgebiet liegt eher da, wo die Sonne nicht so oft hinscheint. Also stand auf dem Überweisungsformular: Allergologe.

Die Odyssee im Paragraphenirrgarten des Gesundheitssystems beginnt also für Josef K. von vorn.

Text: Matthias Lauterer

Die wahren Namen von Josef K. und der beteiligten Ärzte sind der Redaktion bekannt. Die Klinik Löwenstein und die Kassenärztliche Vereinigung wurden um eine Stellungnahme über die rechtlichen Hintergründe der Situation gebeten.