„Ich bin gleich wieder da“
Seit dem 11. Januar 2021 sitzen wir Schüler schon offiziell im Homeschooling, also im Fernunterricht. Und für manche Klassen ist immer noch kein Ende in Sicht. Rein Theoretisch hört es sich nicht schlecht an, wenn man nicht mehr so früh aufstehen muss, nicht mehr schnell das Frühstück rein schlingen muss um den Bus noch rechtzeitig zu erreichen, oder sich mit der Kleiderwahl besonders Mühe zu geben. Auch die Pausen könnte man doch anders nutzen denn jetzt muss man nicht mehr auf seine Mitschüler warten welche immer zu spät sind, dass man endlich Mittagessen gehen kann, aber auch der Nachmittag bringt vermeintliche Vorteile mit auf den Weg. Denn bei Schulschluss muss man nicht noch ewig mit dem Bus wieder nachhause fahren man kann einfach seinen Laptop zu klappen und die Schule ist vorbei.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
So schön sich die neue Vorstellung von Schule auch anhört weiß ich, dass es eben nicht so ist. Das musste ich schweren Herzens mitten im ersten Lockdown feststellen und mich komplett neu organisieren. Aber auch der zweite war nicht einfach nach so langen Ferien und davor wieder halbwegs normalem Schulalltag. Also ging die ganze Umstellung und wieder die richtige Einstellung zu finden erneut los.
Bei dem schwachen Internet mussten starke Nerven bewiesen werden
Mit den Problemen angefangen hat es direkt schon am ersten Montagmorgen eine sehr schöne Zeit in meinen Augen. Ganz Baden-Württemberg war von Internetproblemen betroffen. Das Netz war schlichtweg von den ganzen Schülern, die Zuhause saßen, überlastet. Bei dem schwachen Internet mussten starke Nerven bewiesen werden. Im Laufe der ersten Woche hat sich dieses Problem aber zum Glück wieder gelöst. Ich war sehr froh darüber denn wie beschlossen wurde, dürfen während des Homeschoolings Unterrichtsnoten gemacht werden und da will man nicht fehlen, denn ich habe darin eine Chance gesehen die eine oder andere Note noch etwas aufzupolieren. Die einzige die das so gesehen hat war ich nicht, denn plötzlich waren auch wieder die Schüler in den Konferenzen dabei, welche sich im ersten Lockdown gar nicht haben blicken lassen.
Aber wer Noten machen will, muss nun mal auch wissen, wer alles da ist
Vorgegangen ist man hier mit System. Alle Fächer waren zu den gewohnten Zeiten nach Stundenplan. Die ganze Unterrichtstunde ist man über seinen Laptop zu geschaltet – natürlich mit Kamera an. Aber auch hier merkt man als Lehrer recht schnell, wer wirklich anwesend ist oder wer nicht, denn von sechzehn in der Klasse sind nur zehn kleine Bildchen zu sehen, auch wiederholtes bitten von dem Lehrer zeigt keine Reaktion. Nun wird jeder Name noch mal einzeln aufgerufen, um doch noch ein Lebenszeichen zu bekommen. Vergebens.
Nachdem dann schon 10 Minuten vergangen sind um die Anwesenheit zu überprüfen, geht es dann endlich mit dem eigentlichen Thema der Konferenz weiter. Der Lehrer erklärt ein Thema über die restliche Stunde, welche dann auch immer mal wieder gerne unterbrochen wird von Sätzen wie: „Ich bin gleich wieder da“ oder: „Mein Internet ist sehr schlecht, ich glaube, ich fliege demnächst aus der…“ Und dann ist man plötzlich ein Drittel weniger in der Klasse. Am Ende der Stunde erklärt uns der Lehrer noch, welche Aufgaben wir bis zur nächsten Stunde erledigen müssen und über welche unserer mittlerweile drei Plattformen er sie zugesendet haben möchte, da die eine ihm geschickter sei und er auf die andere nicht zugreifen könne. Dies variiert je nach Lehrer. Dann wird noch einen schönen Tag gewünscht, viel Spaß bei den Aufgaben, und wenn wir Schüler Pech haben, war das eine Einzelstunde, also nur 45 Minuten lang, und wir müssen direkt in die andere Konferenz hüpfen und können wieder durch den ganzen Anwesenheits-Schlamassel. Aber wer Noten machen will, muss nun mal auch wissen, wer alles da ist.
Heimlich sein Nutellabrot während der Videokonferenz essen, will gelernt sein
Wenn dann die ersten 90 Minuten von dem Tag geschafft sind, ist Frühstückspause, also eigentlich Zeit frühstücken. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn ich habe schon heimlich gefrühstückt. Trinken im Unterricht ist kein Problem, aber nicht jeder Lehrer ist begeistert, wenn man Zuhause vor seinem Laptop sein Nutellabrot isst. Also wird unauffällig während einer Zuhörstunde davon abgebissen. Natürlich muss man hier aufpassen, dass die Kamera das nicht mitbekommt, denn sonst könnte das Ärger bedeuten. Die Frühstückspause nutze ich dann, um die Aufgaben von der vorherigen Stunde schon einmal zu bearbeiten und im besten Fall in den 20 Minuten schon fertigzustellen. Meistens klappt das jedoch nicht wie geplant. Gerade, wenn man sich so richtig im Thema befindet, merkt man der nächste Unterricht beginnt schon. Also geht es mit voller Konzentration auf die nächste Pause zu. Die Mittagspause. Eine ganze volle Stunde nichts anderes als Pause. Aber halt – da war doch was. Wo ist das warme Essen? Was jetzt? Zuerst wird geschaut, welche schnellen Fertiggerichte der Kühlschrank oder das Gefrierfach hergibt, aber wenn auch da nichts zu finden ist, sind schnell mal Nudeln abkochen das nächstbeste. Aber wie geht das denn nochmal genau? So schnell, wie Mama das kann, kann ich das nicht. Und helfen kann mir nur meine kleine Schwester, da meine Eltern arbeiten. Nach 30 Minuten haben wir gemeinsam und sehr friedlich Nudeln abgekocht und sogar noch eine Soße zustande gebracht, auch der Tisch ist inzwischen notbedürftig gedeckt worden. Jetzt schnell essen, die Küche aufräumen und die Spülmaschine einräumen, damit es keinen Ärger von den Eltern gibt und dann ganz schnell wieder vor den Laptop. Und mit etwas Glück bleibt von den Nudeln und der soße noch genug für morgen übrig.
Um 15.45 Uhr ist es dann endlich geschafft
Um 15.45 Uhr habe ich es dann endlich geschafft. Kein Unterricht mehr, aber dafür angestaute Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Also kann ich den Laptop doch noch nicht zuklappen. Jetzt geht es ans Bearbeiten der Aufgaben. Alle schaffe ich nicht auf einmal, hier ist es sinnvoll, nach Priorität zu arbeiten. Die Lust fehlt mir hierbei jedoch, genau wie die eigentlich benötigte Konzentration. Aber nach acht Unterrichtsstunden vor dem Laptop ist diese auch nicht mehr zu erwarten. Ich will die Aufgaben so schnell wie möglich fertigbekommen, um endlich meine Freizeit zu haben und genießen. Besonders weh tut es, wenn draußen die Sonne scheint, man aber noch drinnen sitzt und an seinen Aufgaben hängt, deswegen gehe ich, nachdem ich dann wirklich mit allem fertig bin, eine Runde Spazieren, um den Kopf freizubekommen und um die frische Luft abzubekommen, die mir den ganzen Tag gefehlt hat.
Homeschooling ist eine Herausforderung
Für uns Schüler ist Homeschooling nicht immer so einfach, wie es dargestellt wird. Wir Schüler müssen uns umstellen und selbst dahinterklemmen, denn Zuhause ist kein Lehrer, der uns sagt: „Setz dich an deine Aufgaben.“ Zu Hause müssen wir uns alleine darum kümmern, wann wir unsere Sachen machen. Für manche Schüler ist das sehr schwer, auch für mich ist es immer wieder aufs Neue eine Herausforderung, mich hinzusetzten und mir selbst zu sagen, was ich noch zu erledigen habe. Homeschooling ist für mich, seinen eigenen Schweinehund zu überwinden und nicht in die Bequemlichkeit zu verfallen, denn dann hat man als Schüler verloren.
Text und Foto: Cora-Lee Pusker








