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„Ich bin gleich wieder da“

Seit dem 11. Januar 2021 sitzen wir Schüler schon offiziell im Homeschooling, also im Fernunterricht. Und für manche Klassen ist immer noch kein Ende in Sicht. Rein Theoretisch hört es sich nicht schlecht an, wenn man nicht mehr so früh aufstehen muss, nicht mehr schnell das Frühstück rein schlingen muss um den Bus noch rechtzeitig zu erreichen, oder sich mit der Kleiderwahl besonders Mühe zu geben. Auch die Pausen könnte man doch anders nutzen denn jetzt muss man nicht mehr auf seine Mitschüler warten welche immer zu spät sind, dass man endlich Mittagessen gehen kann, aber auch der Nachmittag bringt vermeintliche Vorteile mit auf den Weg. Denn bei Schulschluss muss man nicht noch ewig mit dem Bus wieder nachhause fahren man kann einfach seinen Laptop zu klappen und die Schule ist vorbei.

 Es ist nicht alles Gold, was glänzt

So schön sich die neue Vorstellung von Schule auch anhört weiß ich, dass es eben nicht so ist. Das musste ich schweren Herzens mitten im ersten Lockdown feststellen und mich komplett neu organisieren. Aber auch der zweite war nicht einfach nach so langen Ferien und davor wieder halbwegs normalem Schulalltag. Also ging die ganze Umstellung und wieder die richtige Einstellung zu finden erneut los.

Bei dem schwachen Internet mussten starke Nerven bewiesen werden

Mit den Problemen angefangen hat es direkt schon am ersten Montagmorgen eine sehr schöne Zeit in meinen Augen. Ganz Baden-Württemberg war von Internetproblemen betroffen. Das Netz war schlichtweg von den ganzen Schülern, die Zuhause saßen, überlastet. Bei dem schwachen Internet mussten starke Nerven bewiesen werden. Im Laufe der ersten Woche hat sich dieses Problem aber zum Glück wieder gelöst. Ich war sehr froh darüber denn wie beschlossen wurde, dürfen während des Homeschoolings Unterrichtsnoten gemacht werden und da will man nicht fehlen, denn ich habe darin eine Chance gesehen die eine oder andere Note noch etwas aufzupolieren. Die einzige die das so gesehen hat war ich nicht, denn plötzlich waren auch wieder die Schüler in den Konferenzen dabei, welche sich im ersten Lockdown gar nicht haben blicken lassen.

Aber wer Noten machen will, muss nun mal auch wissen, wer alles da ist

Vorgegangen ist man hier mit System. Alle Fächer waren zu den gewohnten Zeiten nach Stundenplan. Die ganze Unterrichtstunde ist man über seinen Laptop zu geschaltet – natürlich mit Kamera an. Aber auch hier merkt man als Lehrer recht schnell, wer wirklich anwesend ist oder wer nicht, denn von sechzehn in der Klasse sind nur zehn kleine Bildchen zu sehen, auch wiederholtes bitten von dem Lehrer zeigt keine Reaktion. Nun wird jeder Name noch mal einzeln aufgerufen, um doch noch ein Lebenszeichen zu bekommen. Vergebens.

Nachdem dann schon 10 Minuten vergangen sind um die Anwesenheit zu überprüfen, geht es dann endlich mit dem eigentlichen Thema der Konferenz weiter. Der Lehrer erklärt ein Thema über die restliche Stunde, welche dann auch immer mal wieder gerne unterbrochen wird von Sätzen wie: „Ich bin gleich wieder da“ oder: „Mein Internet ist sehr schlecht, ich glaube, ich fliege demnächst aus der…“ Und dann ist man plötzlich ein Drittel weniger in der Klasse. Am Ende der Stunde erklärt uns der Lehrer noch, welche Aufgaben wir bis zur nächsten Stunde erledigen müssen und über welche unserer mittlerweile drei Plattformen er sie zugesendet haben möchte, da die eine ihm geschickter sei und er auf die andere nicht zugreifen könne. Dies variiert je nach Lehrer. Dann wird noch einen schönen Tag gewünscht, viel Spaß bei den Aufgaben, und wenn wir Schüler Pech haben, war das eine Einzelstunde, also nur 45 Minuten lang, und wir müssen direkt in die andere Konferenz hüpfen und können wieder durch den ganzen Anwesenheits-Schlamassel. Aber wer Noten machen will, muss nun mal auch wissen, wer alles da ist.

Heimlich sein Nutellabrot während der Videokonferenz essen, will gelernt sein

Wenn dann die ersten 90 Minuten von dem Tag geschafft sind, ist Frühstückspause, also eigentlich Zeit frühstücken. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn ich habe schon heimlich gefrühstückt. Trinken im Unterricht ist kein Problem, aber nicht jeder Lehrer ist begeistert, wenn man Zuhause vor seinem Laptop sein Nutellabrot isst. Also wird unauffällig während einer Zuhörstunde davon abgebissen. Natürlich muss man hier aufpassen, dass die Kamera das nicht mitbekommt, denn sonst könnte das Ärger bedeuten. Die Frühstückspause nutze ich dann, um die Aufgaben von der vorherigen Stunde schon einmal zu bearbeiten und im besten Fall in den 20 Minuten schon fertigzustellen. Meistens klappt das jedoch nicht wie geplant. Gerade, wenn man sich so richtig im Thema befindet, merkt man der nächste Unterricht beginnt schon. Also geht es mit voller Konzentration auf die nächste Pause zu. Die Mittagspause. Eine ganze volle Stunde nichts anderes als Pause. Aber halt – da war doch was. Wo ist das warme Essen? Was jetzt? Zuerst wird geschaut, welche schnellen Fertiggerichte der Kühlschrank oder das Gefrierfach hergibt, aber wenn auch da nichts zu finden ist, sind schnell mal Nudeln abkochen das nächstbeste. Aber wie geht das denn nochmal genau? So schnell, wie Mama das kann, kann ich das nicht. Und helfen kann mir nur meine kleine Schwester, da meine Eltern arbeiten. Nach 30 Minuten haben wir gemeinsam und sehr friedlich Nudeln abgekocht und sogar noch eine Soße zustande gebracht, auch der Tisch ist inzwischen notbedürftig gedeckt worden. Jetzt schnell essen, die Küche aufräumen und die Spülmaschine einräumen, damit es keinen Ärger von den Eltern gibt und dann ganz schnell wieder vor den Laptop. Und mit etwas Glück bleibt von den Nudeln und der soße noch genug für morgen übrig.

Um 15.45 Uhr ist es dann endlich geschafft

Um 15.45 Uhr habe ich es dann endlich geschafft. Kein Unterricht mehr, aber dafür angestaute Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Also kann ich den Laptop doch noch nicht zuklappen. Jetzt geht es ans Bearbeiten der Aufgaben. Alle schaffe ich nicht auf einmal, hier ist es sinnvoll, nach Priorität zu arbeiten. Die Lust fehlt mir hierbei jedoch, genau wie die eigentlich benötigte Konzentration. Aber nach acht Unterrichtsstunden vor dem Laptop ist diese auch nicht mehr zu erwarten. Ich will die Aufgaben so schnell wie möglich fertigbekommen, um endlich meine Freizeit zu haben und genießen. Besonders weh tut es, wenn draußen die Sonne scheint, man aber noch drinnen sitzt und an seinen Aufgaben hängt, deswegen gehe ich, nachdem ich dann wirklich mit allem fertig bin, eine Runde Spazieren, um den Kopf freizubekommen und um die frische Luft abzubekommen, die mir den ganzen Tag gefehlt hat.

Homeschooling ist eine Herausforderung

Für uns Schüler ist Homeschooling nicht immer so einfach, wie es dargestellt wird. Wir Schüler müssen uns umstellen und selbst dahinterklemmen, denn Zuhause ist kein Lehrer, der uns sagt: „Setz dich an deine Aufgaben.“ Zu Hause müssen wir uns alleine darum kümmern, wann wir unsere Sachen machen. Für manche Schüler ist das sehr schwer, auch für mich ist es immer wieder aufs Neue eine Herausforderung, mich hinzusetzten und mir selbst zu sagen, was ich noch zu erledigen habe. Homeschooling ist für mich, seinen eigenen Schweinehund zu überwinden und nicht in die Bequemlichkeit zu verfallen, denn dann hat man als Schüler verloren.

Text und Foto: Cora-Lee Pusker




Bin ich eigentlich noch ansteckend?

Peter M. (Name geändert, der richtige Name des Patienten ist der Redaktion bekannt) wohnt in einer Gemeinde im Kochertal, wo er die letzten 14 Tage in Quarantäne verbracht hat, „eingesperrt war“, wie er es ausdrückt. Ein Schnelltest am Arbeitsplatz habe ein positives Ergebnis gezeigt, woraufhin er zwei Tage später einen PCR-Test bei der Abstrichstelle in Belzhag durchführen ließ. Bereits am nächsten Tag rief das Gesundheitsamt bei ihm an und teilte ihm mit, dass auch der PCR positiv sei und dass er hiermit in Quarantäne sei. Weitere Informationen oder Verhaltensregeln habe er nicht erhalten.

Peter M. lobt das Hygienekonzept seines Arbeitgebers

Auf die Hygienemaßnahmen seines Arbeitgebers lässt er nichts kommen, die seien vorbildlich: Zwei Schnelltests pro Woche, Fiebermessung beim Betreten des Geländes und dazu regelmäßige Abstands- und Maskenkontrollen. Er sei auch ein Einzelfall gewesen, außer bei ihm habe keiner der Schnelltests angeschlagen. Daher geht Peter M. davon aus, dass er sich beim Einkaufen infiziert haben muss, „sonst mache ich im Moment ja gar nichts“.

Gegen Ende der Quarantäne nicht symptomfrei

Der Verlauf der Krankheit war bei Peter M. glücklicherweise nicht schwer, aber auch nicht symptomlos. Er spricht von Kopfschmerzen, manchmal Atemnot und dem Verlust des Geruchssinns. Wegen dieser Symptome war er von seinem Arzt arbeitsunfähig geschrieben. Es bereitet ihm Sorge, dass die Symptome gegen Ende der Quarantäne noch anhalten, weshalb er sich fragt, ob er nach Beendigung der Quarantäne, „wo ich wieder draußen herumlaufen darf“, noch ansteckend sein kann. Er ist über Covid-19 und die Schutzmaßnahmen gut informiert, aber diese Frage kann er nicht beantworten. Und auf gar keinen Fall möchte Peter M. jemanden anstecken.

RKI: Dauer der Ansteckungsfähigkeit „ist noch nicht klar definiert“

Diese Frage nach der Dauer der „Kontagiosität“ (die Fähigkeit, andere anzustecken) stellt sich auch das Robert-Koch-Institut (RKI) und kann sie genau wie Peter M. auch in der aktuellen Publikation mit Stand 19. April 2021 noch nicht eindeutig beantworten: „Der genaue Zeitraum, in dem Ansteckungsfähigkeit besteht, ist noch nicht klar definiert. Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Transmissionen bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt. Zudem ist gesichert, dass bei normalem Immunstatus die Kontagiosität im Laufe der Erkrankung abnimmt, und dass schwer erkrankte Patienten mitunter länger infektiöses Virus ausscheiden als Patienten mit leichter bis moderater Erkrankung. Nach derzeitigem Kenntnisstand geht bei leichter bis  moderater Erkrankung die Kontagiosität 10 Tage nach Symptombeginn deutlich zurück.“ Da Peter M.s Krankheitsverlauf höchstens „moderat“ sein dürfte, dürfte seine Ansteckungsfähigkeit nach Auffassung des RKI „sehr gering“ sein.

Corona: Es ist nicht möglich, aus einem „normalen“ Schnelltest- oder PCR-Test-Ergebnis direkt auf die Ansteckbarkeit zu schließen

Vom Gesundheitsamt hat Peter M. keine Ratschläge bekommen. Peter M.’s Hausarzt verordnete nun einen zweiten PCR-Test. Dessen Ergebnis kennt Peter M. noch nicht. Ob das Ergebnis des Tests seine Sorgen lindern wird, ist fraglich: Es ist nicht möglich, aus einem „normalen“ Schnelltest- oder PCR-Test-Ergebnis direkt auf die Kontagiosität zu schließen. Für eine genauere Aussage hierüber wären weitere Tests nötig, die allerdings mehrere Tage dauern. Zwar kann man aus der Menge des eventuell gefundenen Virusmaterials vermuten, ob noch Ansteckungsgefahr besteht, aber auch diese Aussage ist nicht hundertprozentig.

Auch das RKI kann Peters Frage nicht eindeutig beantworten

Dazu das RKI: „Im Gegensatz zu replikationsfähigem Virus ist die RNA von SARS-CoV-2 bei vielen Patienten noch Wochen nach Symptombeginn mittels PCR-Untersuchung nachweisbar. Diese positiven PCR-Ergebnisse sind jedoch nicht mit Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen“. Eine gewisse Unsicherheit bleibt für Peter M.. daher nach wie vor.

Soweit alles richtig gemacht

Kai Sonntag, Ansprechpartner der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für die Abstrichstelle in Belzhag, meint, dass Peter M. alles richtig gemacht habe: Einen PCR-Test kann nur der Hausarzt veranlassen, daher sei die Untersuchung durch den Hausarzt zwingend.

Text: Matthias Lauterer




Verkehrsunfall in Forchtenberg endet tödlich

Am Mittwoch, den 28. April 2021, befuhr der 74-jährige Lenker eines Fiat Punto gegen 16.30 Uhr mit seiner 78-jährigen Beifahrerin in Forchtenberg die Straße Allmand in Richtung der Öhringer Straße beziehungsweise der Kocherbrücke. An der dortigen Einmündung missachtete der 74-Jährige die Vorfahrt eines in Richtung L 1045 fahrende 58-jährigen VW-Tiguan Fahrers. Unmittelbar nachdem der Fiat in die vorfahrtsberechtigte Öhringer Straße eingefahren war, kam es zur Kollision.

Beide Insassen des Fiat wurden schwer verletzt, der Fahrer des VW hatte leichte Verletzungen erlitten. Die Beifahrerin kam mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik. Der Fahrer des Fiat ist wenige Stunden später seinen Verletzungen in einem Krankenhaus erlegen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




„Das geht uns alle an“

Der Physiker und Biologe Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker hält am Donnerstag, den 06. Mai 2021, einen Vortrag zum Thema „Die Klimakrise ruft zu einer Neuen Aufklärung“. Die Veranstaltung, die von der VHS Künzelsau moderiert wird, findet online in der VHS.Cloud statt und beginnt um 19 Uhr. Anschließend gibt es die Möglichkeit, über das Thema zu diskutieren.

Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler und wichtiger Vordenker des Konzepts der nachhaltigen
Entwicklung. Er war Mitglied des Deutschen Bundestages und Ko-Präsident des Club of Rome. In diesem Vortrag berichtet er über seine Ideen und steht auch für Fragen bereit.

Anmeldungen erfolgten per E-Mail an info@vhskuen.de, unter Telefon 07940/92190 oder über http://www.vhs-kuen.de. Teilnehmer benötigen ein eigenes Endgerät sowie eine stabile Internetverbindung. Rechtzeitig mit Mailadresse angemeldete Teilnehmer erhalten vor der Veranstaltung den Zugangslink.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Acht neue Ausbruchsgeschehen im Hohenlohekreis

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Mittwoch, den 28. April 2021, insgesamt 47 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 259,2 pro 100.000 Einwohner.

Altersverteilung

Die meisten Fälle gab es in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen mit 17,7 Prozent, gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen mit 16,3 Prozent und den 20- bis 29-Jährigen mit 16 Prozent. Auf die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen entfielen 15 Prozent und auf die 60- bis 69-Jährigen zehn Prozent. Kinder im Alter von null bis neun Jahren waren an zehn Prozent der Fälle beteiligt, die Kinder und Jugendlichen von zehn bis 19 Jahren mit 10,7 Prozent. Auf die Gruppe der 70- bis 79-jährigen Senior:innen entfielen 2,3 Prozent und auf die 80- bis 89-jährigen zwei Prozent.

Betroffene Einrichtungen

In den vergangenen sieben Tagen wurde vom Gesundheitsamt acht neue Ausbruchsgeschehen erfasst und an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Es handelt sich hierbei um eine Kinderbetreuungseinrichtung im Raum Bretzfeld, insgesamt sechs Unternehmen, davon zwei im Großraum Öhringen, eines im Großraum Künzelsau, zwei im Raum Kochertal sowie eines auf der Hohenloher Ebene, sowie eine weitere Einrichtung im Großraum Öhringen.

Südafrikanische Variante

Insgesamt wurde die Virusvariante B.1.351 („Südafrika-Variante“) im Hohenlohekreis bislang in neun Fällen nachgewiesen. Es handelt sich dabei um insgesamt drei Cluster, die in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen.

Statistik

Bislang konnten die fehlerhaften Angaben in den Lageberichten des Landesgesundheitsamtes, die auf ein Update der Kontaktpersonenmanagement-Software Sormas im Gesundheitsamt des Hohenlohekreises zurückzuführen sind, noch nicht behoben werden. Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises sowie das Landesgesundheitsamt arbeiten weiter an dem Problem und hoffen, dies in den kommenden Tagen beheben zu können.

 KIZ Öhringen

Das Kreisimpfzentrum (KIZ) Öhringen führt in dieser Woche von Freitag bis Sonntag rund 3.500 Erst- und Zweitimpfungen durch. Zweitimpfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca für unter 60-Jährige werden automatisch auf den Impfstoff von BioNTech umgebucht. Wer trotzdem mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft werden möchte, soll dies im Kreisimpfzentrum direkt beim Check-in angeben.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 

Corona Inzidenz Hohenlohe 29042021




Digital-Start-up ebm-papst neo feiert einjähriges Jubiläum

Auf ein Jahr voller Wachstum, Fortschritt, aber auch Herausforderungen blickt ebm-papst neo am ersten Jubiläum seines offiziellen Gründungstages zurück, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Das Digital-Start-up in Dortmund und Tochterunternehmen von ebm-papst in Mulfingen, weltweit führender Hersteller von Ventilatoren und Antrieben, entwickelt und vermarktet digitale Lösungen, beispielsweise zur Verbesserung von Energiebilanz und Luftqualität in Gebäuden oder zur intelligenten Datenanalyse. Dafür greift ebm-papst neo auf ein breites Repertoire aus Software- und Hardwarelösungen sowie verschiedene Kompetenzen im Bereich Dienstleistung und Beratung zurück.

30-köpfiges Team

Bereits seit 2018 gab es innerhalb von ebm-papst hierzu ein Projektteam. Aufgrund des großen Zukunftspotenzials für die gesamte Unternehmensgruppe des Mulfinger Ventilatoren- und Motorenherstellers wurde im April 2020 die Gesellschaft ebm-papst neo GmbH & Co. KG gegründet. Aus dem anfangs kleinen Start-up ist ein rund 30-köpfiges Team mit Kolleg:innen in Dortmund, Mulfingen und Indien geworden. Diese haben im vergangenen Jahr über 100 Projekte in 17 verschiedenen Ländern weltweit bearbeitet und realisiert. Oliver Kühnle, Geschäftsführer von ebm-papst neo, sagt in der Mitteilung: „Obwohl die Corona-Pandemie das Firmenwachstum in einigen Bereichen behindert hat, lieferte sie auch Aufschwung, beispielsweise im Bereich Indoor Air Quality. Generell konnten wir im letzten Jahr vor allem unsere Bereiche Building Solutions und Industry Solutions ausbauen.“

Internationale Zusammenarbeit

Auch die Beteiligung von ebm-papst neo an drei internationalen Firmen brachte dem Team einen großen Vorsprung. „Gemeinsam mit unseren Beteiligungen und Partnern konnten wir in kürzester Zeit Lösungen entwickeln und einsetzen – RESET, dem einzigen auf Echtzeitdaten basierten Standard für Innenraum-Luftqualität, Flexi-Connect, einer flexiblen cloudbasierten Datensammelplattform, Secure-Connect, einer hochsicheren Architektur und Building Connect, einer selbstlernenden Energiemanagement-Plattform für Gebäude. Damit können wir in unterschiedlichsten Bereichen Daten nutzbar machen“, erklärt Thomas Sauer, Geschäftsführer bei ebm-papst neo in Dortmund. Meilensteine gab es auch in der engen Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern ebm-papst. So konnte der cloudbasierte ScipExpress entwickelt werden, der Unternehmen hilft, die seit Januar geltende Meldepflicht von Produkten mit besorgniserregenden Stoffen zu bewältigen.

Auszeichnung

Ein weiteres Highlight des vergangenen Jahres: Im Frühjahr 2021 berichtete die renommierte Wirtschaftszeitschrift Capital innerhalb der Rubrik „Innovativste Unternehmen“ über das Start-up aus Dortmund. Der Fokus auf Digitalisierung und die Generierung von Mehrwert, indem Daten sichtbar und nutzbar gemacht werden, hob das Magazin hervor. Auch über die damit einhergehende Auszeichnung mit dem Award „Deutschlands innovativste Unternehmen“ freute sich das Team besonders.

Motiviert und mit großen Zielen vor Augen blickt ebm-papst neo in das nächste Jahr. Neue Lösungen im Bereich Industrie 4.0 und Building Solutions sind bereits in der Mache.

 

Quelle: Pressemitteilung von ebm-papst

 

ebm-papst neo macht Daten sichtbar und erzeugt damit einen Mehrwert. Foto: ebm-papst




Unternehmen als Kontaktbörse für das Virus

In der letzten Woche berichtete GSCHWÄTZ  folgendermaßen über die Altersverteilung der positiven Coronatests im Hohenlohekreis: „Am häufigsten betroffen sind momentan die 20- bis 29-Jährigen, und zwar mit 21,74 Prozent, gefolgt von der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit 17,39 Prozent. Die Zehn- bis 19-Jährigen sind genauso oft betroffen wie die 50- bis 59-Jährigen, nämlich mit 12,61 Prozent. Auf die Gruppe der Null- bis Neunjährigen entfallen 6,69 Prozent der Fälle der vergangenen Woche und auf die 30- bis 39-Jährigen 10,87 Prozent. Die 60- bis 69-Jährigen stellen 10,87 Prozent, die 70- bis 79-Jährigen 4,78 Prozent und die 80- bis 89-Jährigen nur noch 2,17 Prozent.“

Prozentuale Aussage nicht sonderlich aussagekräftig

Diese Angaben wurden vom Landratsamt veröffentlicht. Sie setzen die Häufigkeit der positiven Tests innerhalb der Alterskohorten in Beziehung, sagen aber nichts darüber aus, wie viele Menschen die jeweiligen Altersgruppen umfassen. Diese Information ist aber wichtig, um Aussagen wie „die derzeitigen Infektionstreiber sind die Unternehmen“ zu verifizieren. Die Über-80-jährigen stellen im Hohenlohekreis beispielsweise rund 6 Prozent der Bevölkerung, aber nur 2,17 Prozent der positiven Tests.

Auch die aktuell gesellschaftlich gestellten Fragen wie zum Beispiel „Sind Schulen und Kindergärten Infektionstreiber?“ lassen sich daher mit den Zahlen, die das Landratsamt veröffentlicht hat, nicht wirklich beantworten. Um zumindest eine  Einschätzung zu bekommen, wie die Frage möglicherweise beantwortet werden kann, muss man diese Zahlen der Größe der jeweiligen Alterskohorte und weiteren Daten in Verbindung setzen.

Inzidenzen pro Altersgruppe als Maßzahl sinnvoll

Dazu könnte die 7-Tage-Inzidenz bezogen auf die einzelnen Altersgruppen eine gute Maßzahl sein, vor allem deshalb, weil für die Anzahl der positiv getesteten Test pro Altersgruppe  sowie der Anteil der Kohorte innerhalb der Gesamtbevölkerung Daten zur Verfügung stehen:  Die Anzahl der Positivtests werden durch das RKI bereitgestellt, die Bevölkerungszahlen stellt das DESTATIS (früher: Statistisches Bundesamt) bereit. Allerdings sind dort die Altersgruppen etwas anders gewählt als in den Zahlen des Hohenlohekreises.

 

Inzidenzvergleich pro Altersgruppe, Kreis 8125 ist  LK Heilbronn ohne Stadt Heilbronn, Stand: 27. April 2021. Grafik: GSCHWÄTZ

Interpretation der Daten

Bei allen genannten Zahlen ist zu beachten, dass statistische Aussagen von vielen Parametern abhängig sind, zum Beispiel von der Stichprobengröße:  im Hohenlohekreis oder im Main-Tauber-Kreis, die relativ kleine Kreise sind, ist die Stichprobengröße naturgemäß gering, die Schwankungsbreite einer statistischen Aussage daher – verglichen mit größeren Kreisen – eher hoch.  Eine weitere Einflussgröße ist die Teststrategie und die Testhäufigkeit innerhalb der Alterskohorten: ist die Strategie in den einzelnen Kreisen unterschiedlich, sind die Zahlen der Kreise nicht unmittelbar vergleichbar. Eine wichtige Zahl, die für eine genauere Aussage fehlt, wäre die Gesamtanzahl der Tests innerhalb der jeweiligen Altersgruppen sowie die Gründe für die Tests (Routine, aufgrund von Symptomen, Kontaktperson) – diese ist den Zahlen des RKI nicht zu entnehmen.

Impfen für die Älteren zeigt wohl Erfolge

Auf jeden Fall scheint sich die Wirksamkeit der Impfprogramme in allen vier betrachteten Landkreisen zu bestätigen: War anfänglich die Altersgruppe über 60 am stärksten betroffen, die Inzidenz bei den Älteren lag weit über der jeweiligen Kreisinzidenz, wird diese Gruppe jetzt nur noch unterdurchschnittlich oft positiv getestet.

Unternehmen als Kontaktbörse für das Virus

Die hohen Werte der Altersgruppen 35 bis 59 Jahre im Hohenlohekreis, das sind vereinfacht ausgedrückt „Menschen im Berufsleben“, unterstreicht die Aussage des Landratsamts, dass momentan die Unternehmen die Hauptbetroffenen der Pandemie sind. Auch spricht die relativ gleichmäßige Verteilung der Inzidenzzahlen um den Mittelwert bei den 0 -59 jährigen dafür, dass das Infektionsgeschehen momentan nicht durch einzelne Superspreader-Ausbrüche gekennzeichnet ist, sondern ein „diffuses Geschehen“ vorliegt.

Die Lage der Kinder und Jugendlichen

Auffällig im Vergleich der vier Kreise ist die vergleichsweise hohe Inzidenz, die der Hohenlohekreis für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 14 Jahren ausweist: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Altersgruppe ausgerechnet im Hohenlohekreis ein Ausreißer ist. Der Wert, verglichen mit den anderen drei Landkreisen, könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass der Hohenlohekreis anders testet als die Nachbarkreise und somit auch mehr (noch) symptomlos positive Menschen, die aber das Virus bereits verbreiten können, erkannt werden.

Wäre das der Fall, wäre das ein Vorteil für das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises: Die Nachverfolgung wäre im Hohenlohekreis früher durchführbar als in den Nachbarkreisen. Infektionsketten, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt sind, könnten früher durch Quarantänemaßnahmen unterbrochen werden. Details der Teststrategien der Kreise, die ja auch abhängig von der Verfügbarkeit der Testzentren und der Tests ist, sind allerdings nicht bekannt.

Bundesweite Datenlage legt Schulen und Kitas als wichtigen Infektionstreiber nahe

Die eingangs gestellte Frage, ob Kitas und Schulen die Infektionstreiber sind, kann aber auch durch diese Betrachtung noch nicht beantwortet werden – dazu bräuchte es nochmals detailliertere Daten, unter anderem auch Daten darüber, wann die Kinder und Jugendlichen aufgrund von Ferien und Schulschließungen überhaupt in den Kitas und Schulen waren.

Allerdings legen die Daten aus der ganzen Bundesrepublik, wo die Inzidenzwerte von Schülern und Jugendlichen inzwischen teilweise erheblich über den Kreisdurchschnitten liegen (siehe Grafik), nahe, dass die Schulen und Kindertagesstätten tatsächlich die Verbreitung des Virus fördern. Auch für Schulen gilt also das, was die Virologen schon seit Beginn der Pandemie sagen: Überall dort, wo Menschen auf engem Raum längere Zeit zusammen sind, kann sich das Virus verbreiten – einen 100-prozentigen Schutz können auch Hygienekonzepte mit Abstand, Masken und Lüften nicht bieten.

Text: Matthias Lauterer




Annalena und Armin

Schlagzeile und Schlagzeile gibt es schon jetzt. Dieser Wahlkampf verheißt, spannend zu werden. Während man über die Landtagswahlen aufgrund wenig zu erwartender überraschender Ergebnisse kaum gesprochen hat, ist bereits die Vorauswahl der Kandidaten der einzelnen Parteien für die Bundestagswahl im Herbst 2021 eine Geschichte voller Drehungen und Wendungen.

Epochale Zeitenwende in Deutschland. Angie verlässt die Bühne

Und die gerade die CDU, die bis dato quasi immer eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben hatte, wenn es um eine derartige Vorauswahl geht, stritt nun sogar im Öffentlichen-Rechtlichen darüber, wer bei ihnen Kanzlerkandidat sein darf – Markus Söder und Armin Laschet. Da merkt man bereits deutlich, wie blank die Nerven in der Mutter aller Parteien liegt. Und das nach einem Pandemiejahr, in welchem sich doch einige der CDU-Granden privat finanziell konsolidiert hatten, wenn man nur an die ein oder andere Maskenverkaufsvermittlung denkt, die sie sich sechsstellig bezahlen haben lassen. Aber gut, sei’s drum. Wer hier deutliche Konsequenzen erwartet, der wartet vermutlich ziemlich lange. Weiter geht’s im Text. Immerhin steht in weniger als einem halben Jahr eine epochale Zeitenwende in Deutschland an.

Vielleicht Friedrich Merz im Finanzressort

Angela Merkel verlässt nach 16 Jahren Amtszeit die Regierungsbühne als Bundeskanzlerin. Schön war’s gewesen. Alte weiße Männer stehen bereits seit rund zwei Jahren in den Startlöchern, um ihr Erbe anzutreten. Nun soll es also der Armin machen. Der Armin, unter dessen CDU-Regentschaft nun schon einige Landtagswahlen, wie etwa die in Baden-Württemberg, katastrophal für die CDU geendet sind. Aber bis zum Herbst kann der Armin ja sicher noch ein bisschen punkten in Gesamtdeutschland. Markus Söder, der wesentlich beliebtere der beiden, wurde derweil vom CDU-Regierungspräsidium wieder auf seinen Platz nach Bayern zitiert. Die große Hoffnung ruht auf eine Mitbeteiligung in der möglichen neuen Regierung als, ja, vielleicht Außenminister mit Friedrich Merz im Finanzressort. Dann wäre vermutlich endlich Ruhe im Karton und jedes Testosteron wäre zufrieden.

Oder Sahra Wagenkneckt als Aussenministerin

Aber vielleicht geht’s ja auch, wie ein lustig-ironischer Videoclip vom NDR extra3 zeigt, erst einmal in die Opposition. Denn der Überraschungscoup konnten die Grünen nun für sich verbuchen. Während die CDU durch Kompetenzgerangel glänzt, schlichen sich die Grünen intern und leise durch die K-Frage und strahlten auch nach der Beantwortung dieser Einmütigkeit und Harmonie aus. Sie schicken Annalena Baerbockins Rennen. Und waren sie vorher schon stark im Aufwind durch die neue Klimabewegung, so führt die Partei in Umfragen sogar vor allen Parteien, seitdem die Katze aus dem Sack ist, dass Baerbock gegen Laschet antritt.

Scheinbar völlig entspannt

Olaf Scholz, der gefühlt schon immer dagewesene SPD-K-Mann sei hier ebenfalls am Rande erwähnt, seine Bedeutung wird vermutlich aber nur größer werden, wenn die Grünen tatsächlich mit der SPD und den Linken nach der Bundestagswahl ein Bündnis eingehen würden – vielleicht mit einer ziemlich kompetenten Sahra Wagenknecht im Gesundheitsministerium.

Wer hätte gedacht, dass in dem erzkonservativen Deutschland zum zweiten Mal eine Kanzlerin das Land führen könnte? Eine Kanzlerin mit – Oh Gott, oh, Gott – Kindern noch dazu? Sofort werden Rufe von Männern und auch Frauen laut: „Ja, kann die das überhaupt?“ Ja, schaut, man sich Fotos von Laschet auf der ein oder anderen Prunksitzung mit Narrenkäppi auf dem Kopf an, liegt einem dieselbe Frage auf der Zunge. Immerhin gab es auch reihenweise Pleiten, Pech und Pannen in der Vergangenheit bei der Klimapolitik, der Gesundheitsheitspolitik und bei der aktuellen Coronapolitik bei führenden CDU-/SPD-Koalition. Da fragt auch keiner: Können die das überhaupt? In Umfragen, sogar von Seiten der Wirtschaft jedenfalls, führen Annalena Baerbock und die Grünen derzeit.

Sagen wir mal so: Wer kleine Kinder hat, eine so steile Karriere parallel in der Politik hingelegt hat und sich mit absolutem diplomatischen Fingerspitzengefühl an einem sehr beliebten Robert Habeck vorbei an die Grünenspitze geschoben hat, dem ist einiges zuzutrauen, auch eine Kanzlerschaft. Baerbock müsste nicht trotz ihres familiären Backgrounds gewählt werden, sondern gerade deswegen. Weil es schon jetzt eine absolute Überleistung ist, die sie als Frau zu bringen hat im Vergleich zu ihren männlichen Mitkandidaten. Die sie aber scheinbar völlig entspannt managt.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann 

Annalena Baerbock.

Armin Laschet




Ein fulminanter Sieg schaut anders aus

Weißbachs neuer bleibt der alte Bürgermeister. Selten werden in ländlichen Regionen Bürgermeister abgewählt. Auch Rainer Züfle wurde nun von seinen 1.623 wahlberechtigten Bürger:innen in seinem Amt bestätigt. Ein fulminanter Sieg schaut allerdings anders aus.

Zwar wirke die 80,1 Prozent der Wählerstimmen (vorläufiges Ergebnis) zunächst wie ein fulminanter Sieg. Ein Blick in die Wählerschaft zeigt aber: Lediglich 519 Bürger:innen haben ihr Kreuz bei Züfle gemacht. 99 wählten immerhin den wegen seiner Äußerungen (wir berichteten) stark umstrittenen Herausforderer Mike Mitschke. Samuel Speitelsbach erhielt gerade mal1 2 Stimmen.

Wohin also flossen die ganzen Wählerstimmen? Die Antwort: Viele Weißbacher nahmen ihr Wahlrecht schlicht nicht in Anspruch. Insgesamt gingen fast 1.000 Menschen nicht wählen. Allein deswegen schaut ein fulminanter Sieg anders aus.

Vorläufiges Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. April 2021. Quelle: Screenshot Weißbach Internetseite

Vorläufiges Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. April 2021. Quelle: Screenshot Weißbach Internetseite




„Die russischen Frauen schmeißen den Laden“

„Michail Gorbatschow ist ein bescheidener Mann, sehr nett und umgänglich“, sagt Claus Brümmer. Der gebürtige Künzelsauer muss es wissen: Im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) war er von 1993 bis 2005 als Botschaftsrat zuerst in der Ukraine und später in Moskau tätig. „Die KfW wurde damals angefragt, ob sie bei der Transformation im Osten helfen könnte und hat dann Büros in den deutschen Botschaften eröffnet“, erinnert er sich. Er koordinierte unter anderem deutsch-ukrainische und deutsch-russische Projekte in der wirtschaftlich-technischen Zusammenarbeit.

„Russland verarmte unter Gorbatschow“

In der Zeit organisierte der heute 75-Jährige gemeinsam mit der Gorbatschow-Stiftung das Deutsch-Russische Wirtschaftsforum 2004, dessen Schirmherr der ehemalige sowjetische Staatspräsident war. Dabei war Brümmer mit dem in Deutschland immer noch beliebten Politiker auch Kaffeetrinken und Mittagessen. „Gorbatschow war in Deutschland beliebt, bei den Russen aber nicht“, sagt er. „Durch den Umbruch während seiner Präsidentschaft verarmte das Land.“ Der heutige Präsident Putin hätte das so nicht zugelassen. „Deutschland hat damals viele Milliarden Mark an Russland bezahlt“, erinnert sich Brümmer. „Das Geld wurde unter anderem für die Rückführung der Sowjettruppen verwendet.“ Damit seien beispielsweise Wohnanlagen für die Soldaten in Russland gebaut worden. „Das haben westeuropäische Baufirmen gemacht, denn es musste schnell gehen.“ 1994 bereits sei alles fertig gewesen.

Teilnahme an Regierungsverhandlungen

Zweimal war der gelernte Bankkaufmann bei Regierungsverhandlungen dabei. „Baltische und polnische Diplomaten sagten damals, dass ihre Staaten so schnell wie möglich in die EU und besser noch in die Nato müssen“, plaudert er aus dem Nähkästchen. „Die Balten hatten Angst, weil sie eine 30-prozentige russische Minderheit haben.“ Nach seiner Zeit in der Botschaft war der studierte Diplom-Kaufmann noch zwei Jahre selbstständiger Finanz- und Wirtschaftsberater für deutsch-russische Projekte in Moskau. Was er besonders bedauert: „Das deutsch-russische Verhältnis ist seit 2007 schlechter geworden.“

Auslandssemester in Südafrika

Claus Brümmer hat es früh hinaus in die Welt gezogen. Nach einer Bankenlehre in Heilbronn studierte er Betriebswirtschaft- und Bankwirtschaftslehre in Saarbrücken. Verbrachte schon in dieser Zeit je ein Auslandssemester in Südafrika und auf den Philippinen – eine Besonderheit in den 1970er-Jahren. Nach zweijähriger Tätigkeit in Berlin wechselte er 1977 zur KfW in Frankfurt, für die er schließlich von 1993 bis 1999 als Botschaftsrat ein Büro in der deutschen Botschaft in Kiew leitete. Er erinnert sich: „Als ich 1993 nach Kiew kam, war die Ukraine sozial runtergewirtschaftet und völlig verarmt.“

„Wir lernten auch die kyrillische Schrift“

Doch zunächst einmal musste Brümmer Russisch lernen. „Am Russicum in Bochum (heute: Landesspracheninstitut NRW) waren wir den ganzen Tag im Sprachlabor und lernten auch die kyrillische Schrift“, blickt der Mann zurück. Die sei übrigens gar nicht so unterschiedlich zur lateinischen Schrift, wie viele glauben. Trotzdem war zu Anfang noch ein Dolmetscher nötig. „Viele Menschen in der Ostukraine konnten gar kein Ukrainisch, denen war Russisch lieber“, erzählt Brümmer. Die Ostukraine sei stark russifiziert gewesen. „Aber in der Westukraine war das anders, die Menschen dort wollten kein Russisch sprechen.“ Ukrainisch habe er dann aber nicht auch noch gelernt.

„Das ist völkerrechtlich nicht in Ordnung“

Zur Besetzung der Krim durch Russland hat der pensionierte Botschaftsrat eine klare Meinung: „Das ist völkerrechtlich nicht in Ordnung.“ Das zeige sich auch daran, dass nur wenige Staaten – darunter Nordkorea, Kuba, Syrien und Nicaragua – die Annexion anerkannt haben. „Den Hafen Sewastopol haben sich Russland und die Ukraine geteilt, Teile der jeweiligen Flotte lagen dort nebeneinander.“ Claus Brümmer blickt gern auf seine Jahre in der Ukraine zurück: „Das war eine tolle, friedliche Zeit.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Jahrmarkt in Welyki Sorotschynzi, den er mit der Muswiese vergleicht: „Das war immer schön und toll“. Die Mitarbeiter der deutschen Botschaft seien in Kiew sehr angesehen gewesen. „Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg an der ersten Unabhängigkeit der Ukraine beteiligt“, sagt er. „Zu Lenins Zeiten hatten die Ukrainer eine große kulturelle Unabhängigkeit.“ Zu Sowjetzeiten hätte auch die Übertragung der Krim durch Chruschtschow 1954 keine große Rolle gespielt.

„Die Oligarchen bringen ihr Geld ins Ausland“

Natürlich war Brümmer während seiner Zeit in der Ukraine auch auf der Krim, hat in der Stadt Sudak einen Russischkurs besucht. „Die Krim ist ein Traum“, blickt er zurück. Allerdings möge er das russische System nicht, denn dadurch würden die Krimtataren unterdrückt. Die Ukrainer dagegen hätten diesen große Rechte eingeräumt. In Russland sei heute fast alles gleichgeschaltet. Das Land selbst hat nur Rohstoffe und wenige selbstständige Firmen. „Nennen Sie mir ein Produkt aus Russland, das auf dem Weltmarkt bestehen kann“, sagt Brümmer. „Die Großstädte dort sind noch ganz passabel, aber auf dem Land ist alles kaputt, da gibt es keine Infrastruktur.“ Die Oligarchen würden ihr Geld ins Ausland bringen, denn dort sei es sicherer. Außerdem sei die Korruption hoch, aber die jungen Leute würden nicht für Korrupte arbeiten wollen. „Deshalb emigrieren viele von ihnen.“ Die Russen seien ein langsames Volk, das schon viel ertragen habe. Hinzu komme, dass das Land weit sei und die Leute deshalb nichts erfahren. Manche würden auch einen starken Staat mögen, denn „da muss man nicht selbst denken, sondern kann sich gut einrichten.“

„Die russische Seele ist toll“

„Das ist zwar eine Macho-Gesellschaft, aber die russischen Frauen schmeißen den Laden“, sagt Brümmer. „Die Männer sind schlapp, haben oft Alkoholprobleme, lassen sich bedienen.“ Sie würden sich auf die Frauen verlassen, ihr Beitrag sei eher das Kümmern um die Banjas. Allerdings ist keine Frau in der Regierung oder Gouverneurin, außer vielleicht in St. Petersburg.“ Er selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es „ganz anders war, wenn eine Frau dabei war und nicht nur Großsprecher auf der anderen Seite.“ Auch das sei eine interkulturelle Erfahrung. „Aber die russische Seele ist toll“, erinnert er sich zurück an die tolle Gastfreundschaft.

Aktives Pensionärsleben

2009 zog Claus Brümmer in seine Heimatstadt Künzelsau zurück und lebt hier ein aktives Pensionärsleben. Er ist in mehreren Vereinen aktiv, beispielsweise im Verein Künzelsauer Seniorinnen und Senioren oder seit 2020 als stellvertretender Vorsitzender im Verein StadtGeschichte Künzelsau. Im Jahr 2015 hat er das sogenannte Gerst-Haus in der Künzelsauer Innenstadt und 2018 das Nachbarhaus gekauft. Die beiden will er im Lauf der nächsten fünf bis zehn Jahre sanieren lassen und dann dem Künzelsauer Stadtmuseum als Schenkung oder Stiftung zur Verfügung stellen. Hin und wieder hält er noch Vorträge über die Ukraine und Russland sowie zu anderen zeithistorischen Themen.

„Die Korruption hat mich schwer aufgeregt.“

In Zeiten von Corona wartet und hofft Brümmer nun auf die Impfung – denn er sei schon immer viel gereist. Allerdings wolle er da auf seinen Hausarzt warten – „nur wenn es ganz kritisch kommt, würde ich ins Impfzentrum gehen“. Vor Jahren hatte Brümmer eine Bypass-Operation. „Das war von dem ganzen Stress in Russland und der Ukraine“, meint er. „Die Korruption hat mich schwer aufgeregt.“ Man sollte mal eine andere als die deutsche Verwaltung kennenlernen. „Schlechte Verwaltung behindert die Wirtschaft, da geht nichts voran“, sagt er und nennt als Beispiele Abchasien, Transnistrien und Moldawien.

„Kritisieren ist einfach“

Zur derzeitigen Situation in Deutschland meint er: „Kritisieren ist einfach, ich möchte kein Politiker sein.“ Die Menschen wüssten doch manchmal gar nicht, wie gut es ihnen in Deutschland gehe. 2020 – kurz vor dem ersten Lockdown – hat Brümmer noch in Sydney Urlaub gemacht. Am 15. März kam er nach Deutschland zurück. „Beim Rückflug war noch alles ganz normal, aber am Flughafen Frankfurt saßen schon alle mit Masken hinter den Schaltern“, erinnert er sich. „Ich habe mich nur gewundert, was hier los ist.“ In Australien hatte er von der beginnenden Pandemie nur am Rande etwas mitbekommen. Und das Kupferzell in der Zeit zu einem Hotspot geworden war, habe er auch erst zu Hause erfahren.

Text: Sonja Bossert

 

Claus Brümmer (sitzend links) bei einer Vertragsunterzeichnung. Hinter ihm stehend: der damalige Bundeskanzler Schröder (2.v.l.) und der damalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma (2.v.r.). Foto: privat