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„Öffnungen sind nur eine Option“

Die Corona-Inzidenz in Hohenlohe fällt, mittlerweile liegt der Wert bei 106,5 (Stand 18.05.2021). Seit dem 11. Mai hat er die magische Zahl von 165 unterschritten. Wenn es so bleibt, heißt das ab Donnerstag: Start frei für die Schulen. Sie dürfen mit eingeschränktem Präsenzunterricht starten.

„Schulöffnungen nur bei stabilen Zahlen“

„Frühestens ab Donnerstag ist eine Öffnung der Schulen möglich und auch nur, wenn die Zahlen stabil bleiben“, sagt Andrea Roll, Leiterin des Amts für Kreisschulen und Bildung im Landratsamt Hohenlohekreis. Sie ist zuständig für sechs berufliche Schulen an den Standorten Öhringen und Künzelsau, einer Fachschule für Landwirtschaft, einer Akademie für Landbau und Hauswirtschaft und zwei sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Hohenlohekreis. Öffnungsschritte seien zudem jetzt so kurz vor den Pfingstferien bloß eine Option: „Die Landesregierung hat es den Schulen freigestellt, ob sie noch vor den Ferien öffnen oder nicht.“ Was bedeutet: Entscheidet sich eine Schulleitung gegen die Öffnung noch vor Pfingsten, bleiben die Schultore zu. Die SBBZ hatten bereits die ganze Zeit geöffnet. Der Tenor der anderen Schulen sei aber eher: „Wegen diesen zwei Tagen öffnen wir nicht.“ Denn es sei ja lediglich Wechselunterricht möglich, was pro Schüler maximal einem Tag Schulbesuch entspreche.

Sport ab einer Inzidenz von 50

Sobald die Inzidenz unter 100 rutscht, sei laut der Amtsleiterin voller Unterricht unter Hygienevorschriften und mit Abstandsgebot möglich. Sie rechnet aber damit, dass das eher die Grundschulen als die Berufsschulen wahrnehmen, weil bei denen der Betreuungdruck durch die Eltern höher sei. Ab einer Inzidenz von 50 gebe es schließlich sogar wieder Sportunterricht. Das Okay zum jeweiligen Öffnungsschritt müsse aber vom Gesundheitsamt kommen, das auch die Inzidenzen feststellt. Deshalb rät Andrea Roll den betroffenen Eltern, sich immer zeitnah auf den Homepages der jeweiligen Schule über mögliche Schritte zu informieren.

„Der Stundenplan ist schon lange fertig“

An der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen geht es am Donnerstag, den 20. Mai, los. „Den Stundenplan für den Wechselunterricht haben wir schon lange fertig“, sagt Schulleiter Johannes Dirnberger. „Es ist ein regulärer Stundenplan, nur Sport ist raus.“ Denn das Fach sei noch nicht erlaubt. Um das Abstandsgebot einhalten zu können, wurden die Klassen geteilt. „Alle Schüler einer Klasse kommen zwar zur gleichen Zeit, sie haben aber in zwei Gruppen getrennt Unterricht“, erklärt der Schulleiter. Die Schüler:innen, die am Donnerstag in die Gemeinschaftsschule kommen, haben gleich von 7.30 Uhr bis 15.50 Uhr Unterricht. Der Freitag ist etwas kürzer und endet um 11.50 Uhr. Die Planungen für nach den Ferien stehen laut Dirnberger noch nicht fest. Er hofft aber mindestens auf Wechselunterricht.

„Wir wollen etwas Nettes zum Ankommen“

Auch an der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurden die Klassen in Gruppen geteilt. „Bei uns kommt die Gruppe A am Donnerstag und Gruppe B am Freitag“, sagt Schulleiter Markut Autenrieth. Die Grundschulklassen sind ab der zweiten Stunde bis 11.50 Uhr im Schulgebäude, die Klassen fünf bis zehn ab 7.40 Uhr bis 11.10 Uhr. Die Kinder treffen in den Klassenzimmern nur auf ihre Klassenlehrer, Unterricht findet allerdings nicht statt. Die Kinder sollen erstmal erzählen, wie es ihnen ergangen ist. „Wir wollen etwas Nettes zum Ankommen“, erklärt der Schulleiter. Denn zunächst einmal sei wichtig, dass die Schüler überhaupt kommen dürfen. Auch wenn es nicht alle sein werden, weil manche die Tests ablehnen oder den Eltern das Ansteckungsrisiko noch zu hoch ist.

„Beim Sozialen fehlt viel“

Nach den Ferien rechnet Autenrieth damit, dass die Grundschulklassen in den vollen Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen starten können – dann mit Masken und Tests aber ohne Abstandsgebot. Und immer vorausgesetzt, dass die Zahlen nicht wieder steigen. „Die Sekundarstufe geht dann spätestens drei Wochen nach den Ferien in den Wechselunterricht“, macht der Schulleiter auch den älteren Schülern Hoffnung. „Es lief zwar gut mit dem Homeschooling, aber beim Sozialen fehlt viel.“




„Wir sprechen über Dich“

Am 09. Mai 2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden, was in ihrem Geburtsort Forchtenberg mit verschiedenen Aktionen gefeiert wurde (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/05/11/jeder-ist-verantwortlich-fuer-das-was-er-geschehen-laesst/). Auch das Kollegium der Geschwister-Scholl-Schule in der Kochertalgemeinde hat sich etwas Besonderes für diesen Tag einfallen lassen und ein Video mit Kindern aus der Notbetreuung gedreht. Die Lehrerinnen halten kleine Plakate in die Kamera, auf denen unter anderem steht: „Gerne hätten wir Dich persönlich kennengelernt und mit Dir gefeiert.“ Was aber nicht möglich ist, denn Sophie Scholl wurde bekanntlich am 22. Februar 1943 in München von den Nationalsozialisten hingerichtet.

„Wir haben unheimlich viel über beide gelernt“

Welchen Stellenwert das Mitglied der Weißen Rose in der Forchtenberger Grundschule genießt, bringt auch der Satz „Du bist bis heute Vorbild und wir sprechen über Dich“ in dem Video zum Ausdruck. „Wir sind glücklich, dass unsere Schule den Namen Geschwister Scholl trägt“, sagt Rektorin Petra Schüler in einer kurzen Ansprache. Sie bedauert, dass die große geplante Geburtstagsfeier wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. „Wir haben uns ganz viel vorbereitet schon zum 75. Todestag der Geschwister Scholl und haben unheimlich viel über beide gelernt.“ Auch die Schüler:innen wüssten ganz genau, wer die Geschwister Scholl waren.

„Unsere Kinder können in Freiheit aufwachsen“

„Wir sind ziemlich stolz auf Sophie Scholl, dass sie in einer solchen Zeit auch den Mut hatte, etwas zu sagen“, so die Schulleiterin weiter. „Wer aus einem totalitären Regime kommt, weiß, wie schwierig das ist und wie mutig, Aussagen zu treffen, bei denen man immer an der Grenze zum Gefängnis oder zum Tod steht.“ Petra Schüler ist glücklich, dass „wir heute Demokratie haben und unsere Kinder in Freiheit aufwachsen können“. Das habe man sicherlich auch den Geschwistern Scholl zu verdanken.

Zeichen der Hoffnung

Wie es sich für einen ordentlichen Geburtstag gehört, lassen Lehrerinnen und Schüler:innen bunte Luftballons in den grauen Forchtenberger Himmel aufsteigen – ein Zeichen der Lebensfreude und der Hoffnung.

Mit kleinen Plakaten erinnern die Lehrerinnen an die Widerstandskämpferin. Screenshot: GSCHWÄTZ

Luftballons als Zeichen der Lebensfreude und Hoffnung. Screenshot: GSCHWÄTZ




Bürgermeister Neumann lädt zur Bürgersprechstunde

Am Donnerstag, den 20. Mai 2021, lädt Bürgermeister Stefan Neumann von 16 bis 18 Uhr zur Bürgersprechstunde. Das Gespräch kann telefonisch, per Videokonferenz oder persönlich – dann mit FFP2-Maske und viel Abstand im Rathaus – stattfinden.

Wer sich mit Anregungen, Problemen oder sonstigen Anliegen an den Bürgermeister wenden möchte, sollte sich bei Sibylle Fünfer von der Stadtverwaltung Künzelsau unter Telefon 07940/129 101 oder per E-Mail an sibylle.fuenfer@kuenzelsau.de anmelden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Sturzbetrunken Auto gefahren

Ein 48-Jähriger war am Freitag, den 14. Mai 2021, mit seinem Pkw in Künzelsau unterwegs, obwohl er deutlich betrunken war. Gegen 10.45 Uhr überprüften Polizeibeamte den Mann mit seinem Audi in der Würzburger Straße. Hierbei stellten sie fest, dass der Autofahrer deutlich unter dem Einfluss von Alkohol stand.

Ein Test ergab knapp 3,3 Promille. Anschließend ging es für den 48-Jährigen zur Blutentnahme ins Krankenhaus. Der Mann musste noch an Ort und Stelle seinen Führerschein abgeben und darf nun kein Kraftfahrzeug mehr fahren.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Höchststand am KIZ in Öhringen: rund 4850 Impfungen an vier Tagen

In der vergangenen Woche hat das Kreisimpfzentrum Öhringen insgesamt rund 4850 Impfungen an vier Tagen durchgeführt. Dies bedeutet einen Höchststand seit Beginn der Impfkampagne. Für Donnerstag, den 20. Mai 2021, waren rund 800 Impftermine mit dem Impfstoff Janssen-Vakzin des Herstellers Johnson&Johnson zur Buchung freigeschaltet. Diese waren binnen kurzer Zeit vollständig ausgebucht.

Für Personen ab 60

Aufgrund zahlreicher Rückfragen wird darauf hingewiesen, dass der Impfstoff vorrangig für Personen empfohlen wird, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Personen unter 60 Jahren können mit dem Impfstoff nach umfassender ärztlicher Aufklärung ebenfalls geimpft werden. Diese Aufklärung wird im Kreisimpfzentrum ermöglicht. Eine Umbuchung des Termins auf einen mRNA-Impfstoff ist vor Ort aufgrund der knappen Impfstoffversorgung jedoch nicht möglich. Ebenso wenig eine Aufnahme auf eine Warteliste. Personen, die den Impftermin mit Johnson&Johnson nicht wahrnehmen wollen, werden gebeten, diesen unter www.impfterminservice.de zu stornieren.

Falsche Telefonnummer

Das Kreisimpfzentrum Öhringen weist darüber hinaus darauf hin, dass die in der Google-Suche mit dem Impfzentrum verknüpfte Telefonnummer nicht korrekt ist. Die Nummer wurde nicht durch das Impfzentrum hinterlegt und wurde trotz mehrfachem Hinweis an Google Deutschland nicht entfernt. Für Terminbuchungen, Umbuchungswünsche und Stornierungen stehen das bundesweit einheitliche Callcenter 116 117 sowie die Internetseite www.impfterminservice.de zur Verfügung. Unter der in der Google-Suche angegebenen Telefonnummer ist dies nicht möglich.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 




Die große Frage: Zählt der Samstag als Werktag?

Wann öffnen die Schulen wieder für den Präsenzunterricht? Diese Frage stellen sich Eltern, Schüler und Lehrer. Viele sind verunsichert.

Bundesnotbremse regelt die Schulöffnung

Die Bundesnotbremse gebe die Regelung vor, meint Dr. Julia Hammerich vom Landratsamt Künzelsau: Wenn die 7-Tage-Inzidenz an 5 Werktagen in Folge unter 165 liegt, können die Schulen wieder mit  eingeschränktem Präsenzunterricht starten.

Die Inzidenzen waren in den letzten Tagen laut Landesgesundheitsamt:

Mo. 10.Mai 182,9
Di., 11. Mai 143,8
Mi., 12. Mai 139,4
Do., 13.Mai (Feiertag) 139,4
Fr., 14. Mai 124,3
Sa., 15. Mai (Samstag) 111,8
So., 16. Mai (Sonntag) 110,1

Auf den ersten Blick ist unklar, ob die Bundesnotbremse den Samstag als Werktag betrachtet, üblicherweise fällt der Samstag in juristischen Zusammenhängen allerdings unter die Werktage.

Frühestens (falls der Samstag als Werktag gelten sollte) mit der Bekanntgabe der Inzidenz vom Montag, 17. Mai 2021, kann also festgestellt werden, dass die Inzidenz „an fünf aufeinander folgenden Werktagen“ den Schwellenwert von 165 unterschritten hat, da laut Gesetzestext „Sonn- und Feiertage“ die Zählung nicht unterbrechen. Dieser Satz ist ein Indiz dafür, dass der Samstag als Werktag gezählt wird. Die Bundesnotbremse sagt für diesen Fall, dass die Regeln am übernächsten Tag außer Kraft treten.

Derzeit ist das Rechtsamt im Landratsamt mit der Prüfung der Sachlage beschäftigt, so Hammerich.

Gesetzt den Fall, dass die Inzidenz vom 17. Mai 2021 ein weiteres Mal unter 165 liegt (und falls der Samstag gesetzlich als Werktag gezählt würde), könnte das Landratsamt am heutigen Montag verkünden, dass die Schulschließungen bereits am Mittwoch außer Kraft sind, also ab Mittwoch wieder Präsenzunterricht im Wechselunterricht stattfinden kann. Sollte der Samstag nicht als Werktag gelten, kann der Unterricht frühestens am Donnerstag wieder beginnen.

Ob eventuell in einzelnen Gemeinden mit hoher Inzidenz die Schulen weiterhin geschlossen bleiben können oder müssen, ist aufgrund der Gesetzeslage unklar.

Ab Montag, den 23. Mai 2021, sind ohnehin Ferien.

Der Schwellenwert von 165 gilt ausschließlich für die Schulen

Zu beachten ist, dass der Schwellenwert von 165 der Bundesnotbremse ausschließlich für die Schulen gilt, die sonstigen Einschränkungen treten erst außer Kraft, wenn der Schwellenwert von 100 an fünf aufeinander folgenden Werktagen unterschritten ist. Von diesem Zeitpunkt an gelten dann die Regelungen der baden-württembergischen Corona-Verordnung.

Text: Matthias Lauterer

 




Inzidenz im Hohenlohekreis sinkt weiter

Laut Landesgesundheitsamt betrug die 7-Tage-Inzidenz im Hohenlohekreis am Sonntag, 16. Mai 2021, 110,1. Eine Woche zuvor lag der Wert noch bei 180.

Starke Unterschiede zwischen den Gemeinden

Es ist allerdings weiterhin eine starke Ungleichverteilung innerhalb der Gemeinden festzustellen, in einigen Gemeinden liegen die Werte sehr niedrig, in anderen verharren sie auf einem hohen Niveau.

Inzidenzentwicklung HOK – Stand 20120516

 

Inzidenz pro Gemeinde, Stand 20210516

 

 




Große Schäden bei Wasseraustritt im Ärztehaus Schloß Stetten

Gleich zweimal an denselben Schadensort ausrücken musste die Künzelsauer Feuerwehr am vergangenen Wochenende: Sowohl am Freitag, den 14. Mai 2021 als auch am Sonntag, den 16. Mai 2021, wurde sie wegen eines Wasserschadens in das neue Ärztehaus auf Schoß Stetten gerufen. „Auf gut 100 m² standen bis zu 3 cm Wasser“, so der Einsatzbericht der Feuerwehr. Laut Feuerwehr war am Freitag „ein abgerissener Schlauch an einem Eckventil“ die Ursache des Schadens, ein Wasserrohrbruch wurde für den Einsatz am  Sonntag genannt.

Am Freitag und Samstag nahezu derselbe Alarm

Am Sonntagmorgen dann nahezu derselbe Alarm: Wieder ein Wasserschaden, und wieder musste die Feuerwehr mit Wassersaugern und Wasserschiebern die betroffenen Räume trockenlegen.

Die Feuerwehr nennt als Ursache des Schadens vom Freitag „ein abgerissener Schlauch an einem Eckventil“, dieselbe Ursache bedingte den Einsatz am Sonntag. Beide Schäden entstanden in einem Laborraum im Erdgeschoß.

Beeinträchtigungen im Praxisbetrieb „über Wochen“ erwartet

Der Praxisbetrieb ist beeinträchtigt: Dr. Andreas Kühn, Betreiber des dortigen Schmerzpraxis, befürchtet, dass wohl „über Wochen keine Behandlung im Keller möglich“ sein dürfte.  Auf seiner Homepage ist bereits zu lesen, dass „der Betrieb zur Zeit vor allem beim Bodymapping, Biofeedback und PDAs eingeschränkt“ ist.

Eine Aussage über die Schadenshöhe ist noch nicht möglich.

Text: Matthias Lauterer

Edit: Aufgrund einer später zugegangenen Information wurde der Artikel geändert: Der Schaden entstand nicht, wie ursprünglich geschrieben, im Obergeschoß, sondern im Erdgeschoß.

 

 




Jetzt doch: Corona-Testpflicht im Kindergarten Niedernhall

Nicht schlecht staunten einige Niedernhaller Eltern, als sie am Mittwochnachmittag, den 12. Mai 2021, über die Kindergarten-App einen Brief von Bürgermeister Achim Beck erhielten. In diesem Brief (siehe unten) werden die Eltern informiert, dass die Kindergartenkinder ab Montag, 17. Mai 2021, die Einrichtung nur noch besuchen dürfen, wenn sie sich zweimal wöchentlich, jeweils am Montag und Donnerstag, einem Corona-Schnelltest unterziehen. Beck weist in seinem Schreiben darauf hin, dass die 7-Tage Inzidenz in Niedernhall derzeit über 500 liegt, Maßnahmen zur Eindämmung also dringend notwendig sind.

In den Facebook-Gruppen der Eltern wird heftig diskutiert

Trotzdem gibt es Kritik vonseiten der Eltern, obwohl die Tests an sich überwiegend als sinnvoll angesehen werden. Wichtigster Kritikpunkt ist die Kurzfristigkeit der Ankündigung: Eltern hätten keine Zeit, ihre Kinder auf die Tests vorzubereiten. Außerdem finden es einige Eltern sehr befremdlich, dass das Rathaus wegen des Brückentags am Freitag, 14. Mai 2021, nicht besetzt ist. Einige Eltern unterstellen Achim Beck sogar die Absicht, durch die kurzfristige Ankündigung Rückfragen unmöglich machen zu wollen: „Es hat schon e Gschmäckle“. Einer stellt die Frage, ob ein Bürgermeister eine solche Entscheidung überhaupt ohne Gemeinderatsbeschluß treffen könne. Und sogar die Rechtmäßigkeit des Kaufs einer großen Zahl von Testkits wird aus Elternkreisen hinterfragt.

„Nichtmal mehr wütend“ sondern „einfach nur traurig und maßlos enttäuscht“

Für manche entsteht der Eindruck, dass Beck einfach nur hilflos ist angesichts der extrem hohen Inzidenz, und nicht wisse, wo er ansetzen soll. Die Kindergärten seien sicherlich nicht das Problem, schließlich habe es bei den freiwilligen Tests nur einen positiven Fall gegeben – und auch der sei durch PCR-Test falsifiziert worden.

Spiel mit der Abhängigkeit der Eltern

Wie aus den facebook-Beiträgen und aus dem persönlichen Gespräch mit Eltern hervorgeht, fühlen sich die Betroffenen von Bürgermeister Achim Beck nicht ernstgenommen, geradezu überfahren. Es gehe schließlich um eine Notbetreuung, die Eltern seien von dieser Dienstleistung der Gemeinde abhängig, da sie selber zur Arbeit gehen müssen. Diese Zwangslage, so ist der Eindruck, nutze Beck aus.

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

Abstrichstäbchen erzeugen Angst

Die Eltern eines Kindes berichten davon, das ihr Kind inzwischen Angst vor den Tests entwickelt hat. In Österreich verwendet man für Kinder andere Formen von Tests, zum Beispiel Spuck- oder Lolli-Tests. Diese sind nicht schmerzhaft und vom Vorgehen her kindgerechter:

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

Flucht in Sarkasmus

Den ein oder anderen Beitrag in der facebook-Gruppe kann man nur noch als Flucht in den Sarkasmus verstehen:

Testpflicht im Niedernhaller Kindergarten – Screenshot facebook (anonymisiert)

 

Auch Bürgermeister Beck in einer Zwangslage

Ganz ohne Zweifel befindet sich auch Bürgermeister Beck in einer Zwangslage: Die hohe Inzidenz in Niedernhall und Umgebung hat nicht nur Auswirkungen auf das Leben der Menschen und der Wirtschaft der Stadt, sondern sie treibt die Inzidenz des Hohenlohekreises nach oben – und von dieser Kennzahl ist zum Beispiel abhängig, ob und wann Geschäfte und Gastronomie im gesamten Landkreis wieder öffnen dürfen. GSCHWÄTZ hat daher versucht, von Bürgermeister Beck eine Stellungnahme zu erhalten, zum Beispiel darüber, worauf er die hohe Inzidenz in seiner Stadt zurückführt und über die rechtlichen Hintergründe seiner  Entscheidung.

Das Rathaus war nicht besetzt

Leider war er am Freitag weder für telefonische noch für schriftliche Rückfragen erreichbar: Das Rathaus war nicht besetzt.

Text: Matthias Lauterer

 

Brief von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck vom 12. Mai 2021. Quelle: privat




Schon der Sand wird knapp

„Die Vorprodukte werden knapp“, hört man aus vielen Industriebereichen. Es geht dabei nicht nur um importierte Hightech-Produkte wie Computerchips, die in Industrieprodukten eingebaut werden, oder Grafikkarten für Gamer oder Bitcoin-Miner – nein es geht auch um Produkte, die in Deutschland erzeugt werden, wie Bauholz oder Plastikverpackungen.

Auch in Hohenlohe spürbar

Im Künzelsauer Gemeinderat wurde schon zweimal über die Knappheit von Bauholz gesprochen, einmal beim Bericht von Stadtförster Stephan Römer (GSCHWÄTZ berichtete), aber auch bei der Diskussion um den Bau von Holzhäusern auf Taläcker (GSCHWÄTZ berichtete). Und auch Peter Fenkl, der Vorstandsvorsitzende von Ziehl-Abegg, kennt das Thema: „Mittlerweile wird es insbesondere bei den elektronischen Komponenten immer schwieriger. Wir kennen das zum Beispiel aus der Automobilindustrie, wo ganze Werke stillstehen. Das ist etwas, auf das wir uns vorbereiten müssen.“ Auch Zulieferfirmen, die die knappen Vorprodukte gar nicht verarbeiten, sind letztendlich von Produktionskürzungen ihrer Kunden betroffen.

Ist Corona an allem schuld?

Ist es die weltweite Corona-Epidemie, die auch die getakteten Lieferketten der Wirtschaft befallen und lahmgelegt hat? Hat der querstehende Containerfrachter Evergiven die Handelsketten in Unordnung gebracht? Oder stößt die Globalisierung an die Kapazitätsgrenzen der Logistik?

Riesige Umschlagmengen in den europäischen Häfen

Im Rotterdamer Hafen, dem größten Industriehafen werden pro Jahr über 12.000 Öltanker abgefertigt, dazu ca. 18.000 weitere Seeschiffe. Und der Rotterdamer Hafen macht nur etwa 37% der Tonnage aus, die zwischen Lee Havre und Hamburg für Zentraleuropa umgeschlagen wird.

Der Hamburger Hafen schlägt jährlich rund 5 Mio. Container aller Größen um. Die Ware kommt aus aller Welt, hauptsächlich aus dem Fernen Osten, dem Mittleren Osten (Öl und Gas) sowie Nordamerika und wird von Hamburg aus vor allem nach Zentral- und Osteuropa verteilt.

Schon der Sand wird knapp

„Silizium gibts wie Sand am Meer“ sagt ein spöttischer Spruch, der aktueller nicht sein könnte. Denn es gibt nicht mehr genug Silizium. Und auch nicht mehr genug Sand. So mußte Saudi-Arabien, ein Staat mit riesigen Sandwüsten, den Sand für die Errichtung seiner berühmten Luxusinseln in Form einer Palme aus Australien importieren. Und auch in Deutschlands wird der Sand knapp. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften hat das bereits 2018 in einer Studie festgestellt: Zwar gebe es in Deutschland „fast unendlich“ viel Sand, allerdings sei die Gewinnung in Deutschland immer schwieriger, denn ein großer Teil der Vorkommen sei nicht mehr abbaubar. Schutzgebiete oder vorhandene Überbauung werden als Gründe genannt. Sand ist allerdings einer der wichtigsten Rohstoffe für die Bauwirtschaft. Auch dem ZDF-Magazin Royale mit Jan Böhmermann war die Sandknappheit eine ganze Sendung wert.

Bauwirtschaft auch von Holzknappheit betroffen

Fast so wichtig für die Bauwirtschaft wie Sand ist Holz. Dieses Bauholz wurde in den verschiedensten Qualitäten zu einem großen Teil in Deutschen Wäldern erzeugt, jedoch ist in den letzten Monaten ein starker Preisanstieg zu sehen.  Die Baubranche spricht von einer Verdopplung der Preise, auch seien die Lieferfristen immer länger geworden. Der Waldbesitzer spürt davon wenig: Die Abnahmepreise für Rohholz sinken eher. Die Sägewerke hingegen sind voll ausgelastet:  Grund dafür scheint zu sein, dass die USA, deren Holzproduktion wegen vieler Waldbrände eingeschränkt ist, aber auch China und Indien, große Mengen Schnittholz guter Qualität aus Europa importieren. Gerade bei den guten Qualitäten sind aber aufgrund der Trockenheit nicht genug Mengen vorhanden, was den Preis treibt.

Es fehlt sogar an Plastikfolie

Kunststoffe sind Produkt und sichtbares Zeichen des Wohlstands, Kunststoffe sind überall zu finden, besonders augenfällig beim Gang durch die Kühlregale eines beliebigen Lebensmittelmarkts. Und trotzdem wird das „Plastik“ knapp und die Rohstoffpreise steigen. Der Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie (GKV) schiebt dies oberflächlich auf den Zusammenbruch der Logistik in der Corona-Pandemie, auf steigende Containerpreise und ein Durcheinander in den Häfen. Die beiden wohl wichtigsten Gründe nennt der Verband zuletzt: Eigenbedarf  durch den steigenden Eigenverbrauch der chinesischen Industrie sowie die Verletzlichkeit der weltweiten Lieferketten, in diesem Fall angeblich durch die Schneefälle in den USA, also letztendlich das Wetter.

Es betrifft nicht nur Rohstoffe

„Automobilindustrie stoppt Produktion wegen Chipmangel“, solche Überschriften las man in den letzten Wochen. Alle Autohersteller und -zulieferer, nicht nur in Deutschland, sind betroffen. So baut Peugeot inzwischen wieder analoge Tachos ein – und macht das Fahrzeug dadurch nebenbei 400€ billiger. BMW-Chef Oliver Zipse kommentiert die Situation eher flapsig: „Momentan geht es ziemlich drunter und drüber. Zum Glück in den meisten Märkten drüber“ – noch laufen seine Geschäfte offenbar gut, auch wenn er mit Mehrkosten für Rohstoffe von 500 Mio Euro bis 1 Mrd Euro rechnet. Im Bereich der automobilen Oberklasse scheint die Preissensibilität der Kunden gering zu sein, bei VW hingegen rechnet man für 2021 mit einer Minderproduktion von 100.000 Fahrzeugen – und damit werden auch die Zulieferer entsprechend weniger Komponenten liefern. Auch hier wird Corona als externe Begründung herangezogen: Schließlich seien es die Chips für die  Spielcomputer und die Aufrüstung der Home-Offices, die die Autoindustrie gerade beeinträchtigen. Das ist kaum zu glauben – gerade Computer und Grafikkarten sind ja ebenfalls Mangelware – und die Chipfabriken sind hochspezialisiert. Außerdem melden die asiatischen Chipfabriken im Automotive-Bereich gute Auslastungen – wohl für chinesische Hersteller. Es ist zu befürchten, dass Zipse die Situation verkennt, wenn er meint, dass BMW weder die Just-in-time-Belieferung aufgeben noch „Vorräte horten“ will, da „das kein sehr langfristiges Thema“ sei. Eine immer selbstbewußter auftretende chinesische Wirtschaft ist auf „flexible Liefervereinbarungen“ der deutschen Automobilindustrie mit der „verlängerten Werkbank“ langfristig nicht angewiesen.

Die Symptome sind sichtbar – aber wie heißt die Krankheit?

In Wahrheit ist also nicht Corona der Auslöser der diversen Stoffknappheiten. Auch nicht – diesen Vorwurf hört man aus den Aussagen der Industrie immer wieder heraus – die auf Kante genähte weltweite Produktion und Logistik, die nicht in der Lage ist, Kapazitäten flexibel auf- und abzubauen. Und schon gar nicht die tagelange Blockade des Suezkanals.

Die wahre Krankheit liegt tiefer

All das sind nur die Symptome einer Krankheit, die viel tiefer liegt. Das eigentliche Problem liegt darin, dass die Erde von Unternehmern und Politikern der großen Industrienationen als unendlicher Rohstofflieferant angesehen wird. Schon die immer wieder betonte Notwendigkeit der Globalisierung zeigt aber auf, dass die Industrieländer ihren Teil der Welt bereits im ökonomischen Sinn ausgebeutet haben: Ressourcen wie Bodenschätze, aber auch Arbeitskräfte, werden jetzt anderswo ausgebeutet, wo sie billiger oder überhaupt noch verfügbar sind. Aber auch nur so lange, bis auch dort die Quellen versiegen, die Rohstoffe durch aufstrebende Nationen vor Ort verwendet werden oder die Arbeitskräfte durch wachsenden Wohlstand teurer werden.

Philosophie der beliebig ausbeutbaren Mutter Erde ist am Ende

Vielleicht können wir gerade den Anfang vom Ende der Wachstumsphilosophie, die von der beliebigen Verfügbarkeit von Bodenschätzen und anderen Ressourcen unsere Erde ausgeht, beobachten. Diese Philosophie ist aber die Grundlage unserer gesamten weltweiten Wirtschaftsordnung.

Wir sehen gerade die Anfänge – wann werden wir beginnen, uns auf die Auswirkungen dieser Situation vorzubereiten? Oder werden wir wie beim Klima wieder alles hinausschieben, bis unsere Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist, die Folgen der selbstverschuldeten Situation zu bewältigen?

Umdenken ist erforderlich

Ein Umdenken ist erforderlich – selbst eine vollständige Kreislaufwirtschaft kann die Bedarfe einer immer weiter auf Wachstum setzenden Industrieproduktion nicht decken, sie verlangsamt den Ressourcenraubbau nur.

Text: Matthias Lauterer

Dubais Palmeninseln: Auf australischem Sand gebaut. Quelle: bing maps

 

Containerschiff im Hamburger Hafen. Quelle: pixabay

 

Ausbeutung von Bodenschätzen: Kupfermine in Gällivare, Schweden. Quelle: pixabay

 

Geistermine in USA – anderswo sind die Bodenschätze billiger verfügbar. Quelle: pixabay.