Pandemie, welche Pandemie?
Monatelang saßen (und sitzen immernoch, etwa die Schüler:innen der weiterführenden Schulen, die erstmal nur in den Wechselunterricht dürfen und diese Woche teilweise daher noch zu Hause sind) Grundschüler:innen zu Hause im homeschooling mit teilweise nicht mal einer Stunde Videounterricht am Tag, kommen nun zurück in die Klassenzimmer und starten teilweise direkt mit Tests und Klassenarbeiten über Dinge, die sie sich teilweise zu Hause aneignen mussten. Das geht gar nicht. Warum nicht?
Das geht gar nicht. Warum nicht?
Nun, zum einen mussten sich Schüler:innen in der dritten Corona-Homeschooling-Welle, teilweise Dinge autark zu Hause erarbeiten. Denn nicht jedes Elternteil hat die Möglichkeit, home office über Monate zu machen, sondern es soll Eltern eben, die müssen irgendwo hinfahren zum Arbeiten, während ihre Kinder zu Hause alleine homeschooling machen. Es war auch politisch immer viel in den Medien die Rede davon, dass solche Familien benachteiligt sind, die in diesen nun 1,5 Jahren ihren Kindern kein adäquates Lernumfeld zu Hause bieten können, weil sie schlichtweg keine Wahl haben. Manche Kinder haben zu Hause nicht mal ein eigenes Zimmer, um in Ruhe lernen zu können.
Das Kultusministerium reduzierte zwar die Anzahl der Arbeiten, tut aber weiterhin so, als ob man nach dem Zuhauseunterricht einfach nahtlos weitermachen könnte
Zum anderen gab es, auch wenn es das baden-württembergische Kultusministerium ein wenig anders sieht, vor allem an den Grundschulen teilweise keinen adäquaten Videounterricht, den man mit dem qualitativen und quantitativen Lernen im Klassenzimmer annäherend gleichsetzen kann. Wer Glück hatte, der hatte jeden Tag ein oder zwei Stunden digitalen Unterricht als Grundschüler:in. Wer Pech hatte, gar keinen. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Jeder Landkreis, jede Schule, jeder Lehrer:in hat hier sein eigenes Süppchen gekocht. Wenn man sich jetzt nicht fragt, ob der deutsche Föderalismus abgeschafft gehört, wann dann?
Jede Schule, jeder Lehrer:innen hat im digitalen Unterricht sein eigenes Süppchen gekocht
Unterschiedlicher vorbereitet könnten die Schüler:innen nicht in die Klassenzimmern gehen. Und da braucht man kein Pädagoge zu sein, sondern da reicht einfacher Menschenverstand, um nach 1,5 Pandemiejahren zu sagen: Lasst uns die Schüler:innen doch erst einmal wieder freundlich und fröhlich willkommen heißen, lasst Sie uns mit Wiederholungen erst einmal abholen an ihrem Wissensstand, lasst uns erst einmal mit ihnen über Corona und die teils schwere Zeit sprechen. Das wäre jetzt wichtig und richtig. Aber es gibt manche Lehrer:innen, diehaben schon jetzt den Klassenarbeitsplan für die nächsten zwei Monate fertig zusammengezimmert. Nicht nur in den Hauptfächern, sondern selbstverständlich auch in allen Blümchenfächern, allen voran Religion. Alles andere scheint erstmal zweitrangig.
Schützt endlich die Schüler:innen
Mit dem Fingerzeig zum Kultusministerium heißt es dann: „Ja, aber wir müssen doch noch mindestens eine Arbeit pro Fach schreiben, bevor das Schuljahr endet.“ Sagen wir einmal so: Es muss in Deutschland eigentlich Unterricht im Klassenzimmer erfolgen, zu Hause unterrichten war verboten. Das hat man durch die Coronapandemie über den Haufen geworfen – wie so vieles mehr. Da kann man jetzt, wo es wieder auf Kosten der Schüler:innen geht, doch auch auf die Coronapandemie verweisen und zum Kultusministerium sagen: Das geht so nicht. Das können wir unseren Schüler:innen nicht zumuten. Lasst sie erstmal wieder ankommen.
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

