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 Exhibitionist belästigt zwei Mädchen

Ein Exhibitionist belästigte am Mittwoch, den 16. Juni 2021, zwei Mädchen in Kupferzell und Neuenstein. Eine Achtjährige lief gegen 12 Uhr auf der Straße „Am Bahndamm“ als sich ihr ein Quad-Fahrer von hinten näherte. Der etwa 40 bis 50 Jahre alte Mann stieg ab und präsentierte dem Kind sein Geschlechtsteil. Als das Mädchen weiter ging, setzte sich der Mann wieder auf sein Gefährt und fuhr in die Richtung, aus der er gekommen war. Die Mutter des Kindes informierte schließlich die Polizei.

Etwa eine Stunde später traf ein Mädchen in der Neuensteiner Buchenstraße vermutlich auf denselben Quad-Fahrer. Der Mann überholte die Neunjährige mit seinem Quad, wendete und fuhr dann auf das Kind zu. Der Unbekannte hielt vor der Schülerin an, packte sein Geschlechtsteil aus und fragte, ob das Kind ihm „dabei“ zuschauen wolle. Nachdem das Mädchen dies verneinte und auch nicht von dem Mann nach Hause gefahren werden wollte, ging die Neunjährige nach Hause.

Das Quad des Unbekannten soll in Tarnfarben lackiert gewesen sein. Zeugen, denen der Quad-Fahrer am Mittwoch aufgefallen ist oder die Hinweise auf die Identität des Unbekannten geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei Künzelsau unter Telefon 07940/9400 zu melden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn

 




Mit dem Science Center experimenta zu verborgenen Welten reisen

Das Warten hat ein Ende: Ab Dienstag, den 22. Juni 2021, öffnet das Science Center experimenta wieder für Besucher:innen, schreibt die Experimenta gGmbH in einer Pressemitteilung. Der Zugang ist limitiert und nur mit vorab gebuchten Online-Tickets möglich. Mit der neuen Sonderausstellung „Ozeane – Eine Reise in verborgene Welten“ aus New York folgt ab 26. Juni eine der Hauptattraktionen des Jahres.

„Wir freuen uns sehr, dass die Besucherinnen und Besucher in unserem Science Center schon bald wieder auf Entdeckungsreise gehen können“, so Dr. Wolfgang Hansch, Geschäftsführer der experimenta mit Blick auf die Wiedereröffnung, in der Mitteilung. „Gerne teilen wir mit unseren Gästen die Begeisterung für Wissenschaft und Technik und bieten ihnen außergewöhnliche Erlebnisse.“

Karten ausschließlich online

Mit der Wiedereröffnung steht für den experimenta-Besuch wieder montags bis freitags ein Zeitfenster von 9 bis 17 Uhr zur Verfügung, am Wochenende und an Feiertagen ist das Haus von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintrittskarten für den Ausstellungsbereich mit seinen vielfältigen Mitmachstationen und den Science Dome sowie die Sternwarte sind ausschließlich über den Onlineshop der experimenta unter https://shop.experimenta.science erhältlich und ab 16. Juni buchbar.

Auch der Maker Space, das Forum sowie das Schülerforschungszentrum nehmen am 22. Juni wieder ihren Betrieb für Besucher:innen auf. Der Laborkursbetrieb für Schulen startet ebenfalls wieder; Buchungen sind direkt über den InfoService möglich. Der von der Buchhandlung Osiander betriebene Shop hat wieder geöffnet. Ebenso das Restaurant, das wie in den vergangenen Wochen Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbietet. Die aktuellen Öffnungszeiten von Shop und Restaurant finden sich unter https://www.experimenta.science/de/besucherinfo.

Spektakuläre Sonderausstellung „Ozeane“ aus New York

Mit dem experimenta-Ticket können Besucher:innen auch die am 26. Juni startende Sonderausstellung „Ozeane – Eine Reise in verborgene Welten“ erkunden. Die rund 800 Quadratmeter große Ausstellung vom American Museum of Natural History in New York wird erstmals in Deutschland zu sehen sein. Sie bildet den Auftakt zum Aktionszeitraum „Wasserwelten“, in dem die experimenta noch bis November eine Vielfalt an Mitmachprogrammen, Filmen, Vorträgen und Workshops anbietet.

Wichtiger Hinweis

Für den Besuch gilt die sogenannte „3G-Regel“: Besucher:innen müssen nachweisen, dass sie entweder geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sind. Kinder bis einschließlich fünf Jahre, die asymptomatisch sind, werden als getestete Person angesehen.

Nach wie vor gelten im Rahmen des Schutz- und Hygienekonzeptes ein Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Personen und das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes während des Besuchs. An zahlreichen Stellen im Haus besteht die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Die Anzahl der Personen im Haus ist limitiert.

Quelle: Pressemitteilung der Experimenta Heilbronn




Ein tiefgründig recherchierter Blick ins Innere der AfD und ihren Einfluss auf unsere Gesellschaft

Das Jahr 2021 wird oft als Superwahljahr bezeichnet – zahlreiche Wahlen haben schon stattgefunden, im Herbst steht die Bundestagswahl an. Einer der zahlreichen Gründe, zu gut recherchierten Büchern zu greifen und sich zu informieren. Das Buch von Katja Bauer und Maria Fiedler geht den Fragen nach: Wie verändert die AfD Deutschland? Was ist ihr Plan und wie können Politik und Gesellschaft darauf reagieren? Seit der Wiedervereinigung hat nichts die Politik in Deutschland so sehr verändert wie die AfD. Anstatt sich im parlamentarischen Betrieb zu mäßigen, hat sich die Partei in den vergangenen Jahren weiter radikalisiert und die Gesellschaft polarisiert. Katja Bauer und Maria Fiedler, zwei der besten Kennerinnen der rechten Szene, beschreiben anschaulich und präzise die Strategien der AfD.

Gute Nachricht der Autorinnen: Die Demokratie lernt dazu

Die beiden Autorinnen haben eine gute Nachricht: Die Demokratie lernt dazu. Bald vier Jahre ist es her, dass die AfD als Oppositionsführerin in den Bundestag einzog. Ihr ist es gelungen, einen Keil in die gesellschaftlichen Risse zu treiben.

Unterschwelligen Rassismus an die Oberfläche geholt

Rassistische Ressentiments und Vorbehalte gegen das politische System, die lange in einem Teil der Bevölkerung schlummerten, hat sie an die Oberfläche geholt. Den Bundestag nutzt sie als Bühne für ihre Tabubrüche. Wie wenige andere kennen Katja Bauer und Maria Fiedler die Strukturen innerhalb der AfD, ihre Machtdynamiken und die Gründe für ihre Radikalisierung. Katja Bauer schreibt seit vielen Jahren für die Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten politische Reportagen und Analysen, Maria Fiedler ist politische Korrespondentin im Hauptstadtbüro des Tagesspiegels. Sie zeigen, mit welchen Strategien, Taktiken und Tricks die AfD operiert – und was ihr langfristiger Plan ist. Gleichzeitig zeigen sie auf, wie die AfD ihre Gegner einschüchtert und ein gesellschaftliches Klima schafft, in dem sich Rechtsextremisten wieder ohne Scheu zeigen. Die beiden Journalistinnen erklären, warum die anderen Fraktionen im Bundestag auf die AfD kaum vorbereitet waren und aus ihrer Sicher Parteien und Gesellschaft im Umgang mit der AfD jetzt umdenken müssen.

Ein faktenreiches, tiefgründig recherchiertes Buch von zwei langjährigen Beobachterinnen der AfD, das präzise und schonungslos nicht nur die internen Machtkämpfe der Partei beschreibt, sondern auch, wie sich Bundestag, Politik und Gesellschaft durch den Einzug der Partei in die Parlamente verändert haben.

Info

Katja Bauer, Maria Fiedler
Die Methode AfD – Der Kampf der Rechten: Im Parlament, auf der Straße – und gegen sich selbst
Verlag Klett Cotta
336 Seiten
ISBN 978-3-608-98412-5
Preis 20,00 Euro (Taschenbuch), 15,00 Euro (e-Book)




Luftreiniger machen`s möglich: Gemeinderat Künzelsau tagt erstmals wieder in Präsenz

Nachdem der Künzelsauer Gemeinderat während der Corona-Pandemie „hybride“ Sitzungen durchgeführt hat, bei denen ein Teil der Mitglieder im Ratssaal anwesend war und die anderen per Videokonferenz zugeschaltet waren, fand die Sitzung am Dienstag, den 15. Juni 2021, erstmals wieder in Präsenz statt. Drei große Luftreiniger machten es möglich, die die Raumluft umwälzen und reinigen. Zusätzlich sorgen sie dafür, dass ein leichtes Lüftchen die Hitze im Saal ein wenig erträglicher macht – und das bei einem äußerst geringen Geräuschpegel.

Es geht von Beginn an heiß her

Direkt nach der Eröffnung der Sitzung stellt Herbert Schneider (FfK) den Antrag, einen Tagesordnungspunkt öffentlich zu behandeln, der für den nicht öffentlichen Teil der Sitzung vorgesehen war. Eine Besprechung von Bürgermeister Neumann und den Fraktionsvorsitzenden hinter verschlossener Tür und eine Beratung des Gemeinderats unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren die Folgen.

Anschließend wurde über den Antrag abgestimmt – er wurde mit 11:9 Stimmen angenommen. Behandelt wurde der Punkt trotzdem nicht öffentlich: „Die Verwaltung wird diesen Antrag nicht umsetzen“, verkündete Bürgermeister Neumann. „Der Stadt könnte Schaden zugefügt werden.“

Danach herrschte wieder größtenteils Harmonie

Die notwendigen Vergaben für die „Sporthalle am Kocher“ wurden einstimmig genehmigt, ebenso die Vergabe für den Bau einer Wasserleitung in Ohrenbach.

Die „energieneutrale Stadt“ ist der Grund, warum Anselm Laube und Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energie-Agentur eingeladen worden waren: Sie stellten ein Projekt für ein „integriertes Quartierkonzept für ein Nahwärmenetz“ vor, in dem sie das „Quartier Künzelsau Nord-Ost“ (Siehe Bild) energetisch analysieren und Einsparpotenziale ermitteln wollen.

Definition des „Quartier Künzelsau Nord-Ost“. Bild: Sitzungsunterlagen

Fast zwei Jahre soll das Projekt dauern, Kosten von rund 60.000 Euro, von denen 75 Prozent durch die KfW gefördert werden, sind angesetzt. Mehr als 60 Prozent der Energie werden für Wärme benötigt, daher, so Laube und Gruseck, könnte ein Wärmenetz ein sinnvoller Ansatz sein. Dazu kämen große öffentliche Heizanlagen, die neu errichtet (geplantes Landratsamt) oder in absehbarer Zeit erneuert (Rathaus und Krankenhaus) werden müssen. Diese könnten Wärme einspeisen. Boris d’Angelo (UBK) ist das alles viel zu früh, er „will die Studie erst befürworten, wenn die Planung für das Landratsamt und das neue Quartier weiter vorangetrieben sind.“ Außerdem ist ihm die Präsentation viel zu sehr auf Wärme fokussiert – eine Studie sollte neutral angesetzt sein. Trotz dieses Einwandes wurde der Antrag der Verwaltung, die Studie mit der LEA durchzuführen mit 17/1/2 (Ja/Nein/Enthaltungen) angenommen.

Reithalle in Vogelsberg

Umstrittener war das private Projekt einer Reithalle in Vogelsberg, die unter anderem für Reitunterricht und Lehrgänge gedacht ist. Auch therapeutisches Reiten ist angedacht. Wolfgang Schmelzle (FfK) fehlten die Parkmöglichkeiten und Hans-Jürgen Saknus (SPD) bemängelte die Zersiedelung im Außenbereich und eine eventuelle Privilegierung des Hobbysports. Rainer Süßmann (Freie) fand „das Wort Zersiedelung im Zusammenhang mit einer Reithalle unangebracht“, ihm fehlt die Solidarität mit Kindern und Jugendlichen, was er mit dem Beispiel der Maskenpflicht in der Schule und den vielen maskenlosen Gemeinderäten belegte. Das formaljuristische Argument von Verena Löhlein-Ehrler (Freie), dass man mit beantragtem Beschluss, ein „Sondergebiet“ auszuweisen, gar nicht mehr im „Außenbereich“ sei, beendete die Diskussion. Der Antrag wurde mit 16 Ja und vier Nein-Stimmen angenommen.

Neubau für preiswertes und altengerechtes Wohnen im Hallstattweg

Der Antrag, die Neubebauung im Hallstattweg als „serielles und modulare Bauen“ auszuschreiben, führte zu längerer Diskussion. Diese Bebauung steht im engen Zusammenhang mit im Anschluss geplanten Neubebauungen in der Mainzer Straße und im Egerlandweg, wo die Stadt Künzelsau Wohnhäuser besitzt, die nicht mehr dem Standard entsprechen. Wolf Giesecke, Geschäftsführer der GWG in Schwäbisch-Hall, war eingeladen, seine Erfahrungen beim Bau „preiswerten“ Wohnraums zu teilen. Er tat dies in einem langen und detailreichen Vortrag (Beitrag folgt), der viele Erkenntnisse über die Problematik des „preiswerten Bauens“ brachte. Verena Löhlein-Ehrler brachte es auf den Punkt: „Preisgünstig ist relativ, da das JobCenter je nach Stadt unterschiedliche Beträge zahlt.“

Ein wichtiger Teil der Diskussion bezog sich darauf, dass das Gebiet schon jahrelang im Gemeinderat behandelt wurde, aber nie eine städtebauliche Entscheidung getroffen wurde. Boris d’Angelo (UBK) schlug daher vor, den Beschluss um den Passus, dass der Gemeinderat die Entwürfe nochmals verabschieden müsse, zu ergänzen. Außerdem fühlt er sich durch den Vortrag darin bestätigt, dass ein Neubau mit einer Miete von 6,50Euro pro Quadratmeter nicht mehr möglich sei. Auch Robert Volpp stellt fest, dass das Gebiet städtebaulich „noch gar nicht definiert“ sei, sieht aber dringenden Bedarf für preiswerte Wohnungen zum Beispiel für Studenten und Alte. Was ihm fehlt, sind Parkmöglichkeiten vor Ort.

Letztendlich wurde der Antrag, ergänzt um den Passus, dass das architektonische Konzept vom Gemeinderat beschlossen werden muss, mit 19 Stimmen bei einer Gegenstimme angenommen.

Mehrwegsystem Hohenlohe-to-go

Zwangsläufig stark zugenommen hat in der Corona-Zeit das „Essen to go“. Viele Menschen holen ihr Essen bei den lokalen Gastronomen ab, eingepackt in Einwegverpackungen aus Pappe oder Kunststoffen. Diese Verpackungen sind auch frühmorgens in großer Zahl rund um die Sitzbänke in der Stadt zu finden. Um dieser Verschmutzung und Verschwendung Einhalt zu gebieten, will die Verwaltung den Gastronomen Anreize bieten, an einem bereits bestehenden Mehrwegsystem teilzunehmen. Würden alle Gastronomen teilnehmen, rechnet die Verwaltung mit Kosten von 10.000 Euro. Diese Summe wurde bei zwei Gegenstimmen vom Gemeinderat genehmigt.

Schnelles Internet

Seit Jahren ein Thema: das schnelle Internet. Inzwischen hat sich die Wirtschaftsregion Hohenlohe-Franken GmbH (WHF) des Themas angenommen und eine Ausschreibung durchgeführt, bei der die Deutsche Giganetz GmbH als Sieger hervorgegangen ist. Die Strategie der WHF ist es nun, dass die Gemeinden mit der Giganetz GmbH kooperieren und diese bei der Kundenakquise unterstützt.  Sollten sich mehr als 35 Prozent der Haushalte verpflichten, einen Vertrag mit der Giganetz GmbH abzuschließen, wird die Giganetz GmbH den Netzausbau eigenwirtschaftlich und ohne Kosten für die Gemeinden vornehmen. Sollten sich nur 20 bis 35 Prozent anschließen wollen, wird die jeweilige Gemeinde einen Beitrag als Investitionshilfe tragen. So lautet der Plan von WHF und Giganetz GmbH.

Abhängig ist das Ganze noch von der Zustimmung des Kreistags, der in seiner Sitzung am Montag, den 21. Juni, darüber entscheiden wird. GSCHWÄTZ wird das Konzept im Anschluss an die Kreistagssitzung in größerem Detail vorstellen.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 

 




Neue Einwände „weitestgehend inhaltsgleich“ mit alten Einwendungen

Im Genehmigungsverfahren zum geplanten Windpark Karlsfurtebene wird es keinen neuen Erörterungstermin für Einwendungen geben. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Zahlreiche neue Einwände

Zwar habe es nach der erneuten Auslegung der aktualisierten Antragsunterlagen im Zeitraum vom 1. April bis 1. Mai 2021 innerhalb der Einwendungsfrist (1. Juni 2021) erneut zahlreiche Einwendungen gegeben, so das Landratsamt in seiner Begründung. Das Landratsamt sagte hierzu: „Die Einwendungen wurden zur Kenntnis genommen und werden im Entscheidungsprozess berücksichtigt.“

Kein neuer Termin mehr von Nöten

Das Landratsamt Hohenlohekreis, Umwelt- und Baurechtsamt, hat jedoch die neuen Einwendungen den bereits erörterten Einwendungen gegenübergestellt und dabei festgestellt, „dass diese weitestgehend inhaltsgleich sind. Unter Berücksichtigung der umfangreichen Ausführungen der neu erhobenen Einwendungen und der bereits erörterten Einwendungen, sind dem Landratsamt auch die Begründungen der Einwendungen bekannt. Die sorgfältige Prüfung und Abwägung der Einwendungen unter Berücksichtigung des Gesetzes zur Reduzierung und Beschleunigung von immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren vom 23. Oktober 2007 hat zu dem Ergebnis geführt, dass diese keiner Erörterung mehr bedürfen.“

Dies bedeutet, dass der für den Fall einer erneuten Erörterung eingeplante Termin am Dienstag, 29. Juni 2021, in der Sporthalle Michelbach entfällt.

Ziel eines Erörterungstermins sei es, die Informationsgrundlage der Genehmigungsbehörde zu verbessern und sofern rechtzeitig erhobene Einwendungen weitere Fragen aufwerfen, diese zu klären. Im laufenden Verfahren haben zu diesem Zwecke bereits zwei Erörterungstermine an insgesamt vier Tagen stattgefunden, in welchen die Themen der Einwendungen erörtert wurden, erklärt das Landratsamt.

Neun Windräder sollen auf den Gemarkungen Michelbach und Waldenburg gebaut werden

Die Firma ABO Wind AG beantragt die Errichtung und den Betrieb von neun typgleichen Windenergieanlagen des Typs Siemens SWT 3.6 – 130 auf den Gemarkungen Michelbach (sieben Anlagen) und Gemarkung Waldenburg (zwei Anlagen). Mit Bescheid vom 30. Oktober 2020 wurden durch das Landratsamt Hohenlohekreis vier Windenergieanlagen, zwei auf Gemarkung Waldenburg (WEA 3 und WEA 6) und zwei auf Gemarkung Michelbach (WEA 5 und WEA 9), abgelehnt.

Gegner des Baus kritisieren unter anderem, dass die Windräder in einem Waldgebiet gebaut werden.

 




Die Mobilitätswende ist noch nicht in allen Köpfen angekommen

Am Montag, 14. Juni 2021, sprach Landrat Dr. Matthias Neth bei der Eröffnung der Aktion Stadtradeln von einem „geänderten Mobilitätsbedürfnis“ der Bürger und dass man auch aus diesem Grund die Mobilitätsformen hinterfragen müsse und betonte, dass er unsere Gesellschaft „am Anfang einer neuen Mobilität“ sehe.

Auf den Straßen sieht man davon allerdings noch zu wenig: Immer größer, schwerer und PS-stärker werden die Vehikel, in denen die Kinder zur Schule gebracht oder am Samstag die Brötchen beim Bäcker geholt werden.

Bei den Entscheidern noch nicht angekommen

Aber in den Köpfen derer, die in den kommunalen Parlamenten die Zukunft unserer Städte und Gemeinden planen und über die Planungen entscheiden, scheint der Anfang einer neuen Mobilität nicht angekommen zu sein. Wie sonst wäre es zu erklären, dass am 15. Juni 2021 bei zwei Bauangelegenheiten im Künzelsauer Gemeinderat unmittelbar der Einwand „Parkplätze“ in den Raum geworfen wurde?

Mit dem Auto zum Sport

Nur ein einziger Gemeinderat äußerte seine Verwunderung, dass man unbedingt viele Stellplätze direkt vor dem Sportzentrum benötigt, wo doch kaum 5 Minuten Fußweg entfernt ausreichend Parkplätze verfügbar sind.

Investitionen ziehen den entsprechenden Verkehr an

Es hat sich die letzten Jahrzehnte hindurch gezeigt, dass immer die Mobilitätsform, in die besonders viel investiert wurde, angezogen wurde und diese Mobilitätsform andere Formen der Fortbewegung verdrängt hat. Und es wurde in den letzten Jahrzehnten stets am meisten in das Kraftfahrzeug investiert: Es hat im Nahverkehr Busse und Bahnen nahezu verdrängt. Bahn und Binnenschiff nehmen im Güterverkehr nur noch eine Nischenposition ein, der LKW beherrscht den Markt. Die sogenannte „autogerechte Stadt“, wie sie in den 60ern und 70ern propagiert und seitdem größtenteils auch umgesetzt wurde, hat sich zu einem Moloch entwickelt, der für immer weniger Menschen lebenswert erscheint. Wo aber zum Beispiel in ein Radwegenetz investiert wurde, wird dieses auch genutzt. In München, wo man für die Olympischen Spiele 1972 ein U-Bahn-Netz gebaut (und seit fast 50 Jahren kaum noch erweitert) hat, ist dieses Netz die schnellste Möglichkeit des innerstädtischen Verkehrs.

Wer die Zukunft seiner Stadt oder Gemeinde plant, sollte nicht den Status-Quo fortschreiben, er sollte den Boden für die Veränderungen des Status-Quo, der ja auch nicht gerade einen Idealzustand darstellt, schaffen. Bei der starken Vernetzung der städteplanerischen Anforderungen von Wohnen, Handwerk und Gewerbe, Verkehr und Gemeinschaft geht es nicht, in einem der Bereiche die Anforderungen der nächsten Jahrzehnte abdecken zu wollen – und in einem anderen den Status-Quo festzuschreiben.

Mobilitätsformen attraktiv machen

Wenn man also neue Mobilitätsformen propagieren und umsetzen will, muss man dafür sorgen, dass diese für die Nutzer attraktiv sind. Für das Fahrrad benötigt man beispielsweise sichere und autofreie(!) Fahrradwege, ganz besonders in einer hügeligen Stadt wie Künzelsau, wo das Fahrrad auf vielen Strecken nicht sehr schnell unterwegs sein kann. Und man braucht Fahrrad-Abstellplätze an den Orten mit hoher Frequenz: In der Innenstadt, an den öffentlichen Gebäuden, an Einkaufszentren, an neuen Mehrfamilienhäusern – und natürlich auch an den Orten, wo Menschen Sport treiben.

Investitionen in die Alternativen erforderlich

Überall dort, wo mehr mit Bus, Bahn oder Fahrrad gefahren wird, wird das Auto automatisch an Bedeutung verlieren. Landrat Dr. Neth hat es richtig gesagt: Wir brauchen den Verkehrsmix, der es möglich macht, das Verkehrsmittel bewußt auszuwählen. Aber dazu müssen wir gezielt in die Alternativen investieren, nicht mehr ausschließlich in den Status-Quo.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




Vom All nach Künzelsau: Space Seeds – Fünftklässler der Georg-Wagner-Schule lassen die Öffentlichkeit an ihrem Wildblumen-Projekt teilhaben

Für zwei fünfte Klassen der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau beginnt die Schule nach den Pfingstferien und den eingeschränkten gemeinsamen Unterrichtszeiten mit einem besonderen Projekt: Die Schüler:innen am Montag, den 14. Juni 2021, gemeinsam mit ihrer Biologielehrerin Sabine Weiß zwei Beete mit Wildblumen angelegt und wollen den Sommer über beobachten, wie sie sich entwickeln. Das Besondere ist: Es werden Samen verwendet, die ESA-Astronaut Dr. Alexander Gerst während seiner Mission „Horizons“ mit an Bord der Internationalen Raumstation ISS hatte. „Aus der Erdumlaufbahn kann man die Eingriffe des Menschen in die Natur, zum Beispiel die Abholzung des Regenwalds deutlich sehen“, so Dr. Alexander Gerst. „Man begreift sofort, wie fragil und empfindlich unsere Biosphäre ist. Wir müssen die Erde auch für die nächsten Generationen in ihrer Vielfalt und Schönheit erhalten. Dabei kann jeder mithelfen, denn jeder Schritt und jede Aktion zum Erhalt unserer Natur ist wertvoll.“

Biodiversität – die Vielfalt des Lebens im Unterricht

Im Fach Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT) nahmen die beiden Schulklassen Pflanzen durch und haben ein Herbarium für Wildblumen erstellt. „Gerade behandeln wir das Thema Biodiversität – die Vielfalt des Lebens“, sagt die Schülerin Marie. „Bald bearbeiten wir das Thema Insekten beziehungsweise Bienen. Das Wildblumen-Projekt passt also super gut zu unserem BNT-Unterricht. Außerdem finden wir es spannend, zu erforschen, ob sich die Blumensamen im Weltraum verändert haben.“ Von dem Nebeneffekt, dass die Schüler mit dem Projekt die Biodiversität fördern und die Stadt Künzelsau noch etwas schöner machen können, sind die Schulleitung, Rainer Süßmann und Antje Rother, ebenso begeistert wie Bürgermeister Stefan Neumann.

An Alexander Gersts Missionen anknüpfen – Stadt soll klimaneutral werden

„Mit der ESA und dem DLR konnten wir in Künzelsau die beiden Missionen von Dr. Alexander Gerst gemeinsam mit vielen Menschen begleiten“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Dass wir jetzt anknüpfen, die Begeisterung, die Neugierde und den Forscherdrang weitertragen und die Kinder beteiligen können, passt hervorragend zum Lehrplan der Klassen und zu unserem Ziel, weitere Grünflächen in der Stadt naturnah zu gestalten. Unser Bauhof-Team wandelt immer mehr Anlagen um, damit die für uns so wichtigen Insekten und Kleinlebewesen Nahrung und Unterschlupf finden können und wir damit langfristig positiv auf unser Klima einwirken.“ Künzelsau soll bis zum Jahr 2030 klimaneutral und im besten Fall klimapositiv sein. Das haben sich Gemeinderat und Stadtverwaltung ehrgeizig vorgenommen.

Schutz der Erde zentrale Botschaft des ESA-Astronauten / Wildblumen heute oft eine Seltenheit

Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat den Schülerinnen und Schülern ein paar Gramm des Wildblumensamens, die schon im All waren – Space Seeds – mitgebracht. Und mit den Samen brachte er herzliche Grüße von Alexander Gerst für die Schülerinnen und Schüler mit nach Künzelsau. „Heute sind Wildblumen, die früher überall zu finden waren und die jedes Kind kannte, oft eine Seltenheit“, so Volker Schmid. „Der Schutz unserer Erde, des Blue Dot, war bei beiden Missionen von Alexander Gerst eine zentrale Botschaft. So ist die Artenvielfalt, beispielsweise der Schutz von Insekten und ihre Bestäuber-Leistung bei Nutzpflanzen, für den Menschen lebensnotwendig. Denn ohne Bestäubung von Nutzpflanzen gibt es auch keine Nahrung. Viele Insekten benötigen intakte Ökosysteme und Wildblumen als Nahrungsangebot. Dabei kann jeder mithelfen – zum Beispiel im eigenen Garten. Dafür hatte Alexander Gerst zwei Kilogramm Wildblumensamen mit im Gepäck, um hier auf der Erde Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer für diesen Gedanken zu begeistern. Fantastisch, dass nun in Künzelsau gesät wird.“

Zum Vergleich hat Ernst Rieger eine identische nicht geflogene Samen-Mischung für das Schüler-Projekt gespendet. In seinem Betrieb in Blaufelden produziert er Samen von Wildblumen und Wildgräsern. Von dort stammen auch die Samen für Alexander Gersts Weltraummission.

Unterscheiden sich die zwei Arten von Blumensamen?

Bevor die Kinder zur Tat schreiten und säen, erzählen sie, was sie den Sommer über forschen, experimentieren, entdecken und beobachten wollen. Sie sind gespannt, wie sich die Samen entwickeln: „Wir erforschen nun, ob sich die zwei Arten von Blumensamen unterscheiden“, erklärt Vilius. „Sobald sie keimen, schreiben wir auf, welche Pflanzen zum Beispiel wie schnell wachsen und schreiben unsere Ergebnisse in Protokolle auf. Wie erwachsene Forscher eben.“ Im Lauf der nächsten Wochen erhoffen sich die Schülerinnen und Schüler Antworten auf verschiedene Fragen: Wie haben die Wildblumensamen die Reise ins All überstanden? Können daraus noch Blumen wachsen? Das ist wichtig, um zu erfahren, ob die Samen für längere Zeit im All überleben würden. Nur da, wo Pflanzen sind, kann auch Leben sein.

Eigentlich ist es etwas zu spät und zu warm für die Aussaat. Aber das Projekt sollte starten, wenn alle Schülerinnen und Schüler mitmachen können. Weil die Infektionszahlen erfreulicherweise gesunken sind, ist das jetzt im Präsenzunterricht mit den kompletten Klassen möglich. Mit Tipps vom Experten Ernst Rieger kommen die Samen in die Erde. „Jetzt braucht Ihr ganz viel Geduld und müsst beobachten – immer beobachten. Am besten Ihr sagt den Pflanzen gute Nacht und guten Morgen.“ Jochen Lutz, der stellvertretende Leiter des städtischen Bauhofes, wird gemeinsam mit den Kindern die Beete im Auge behalten und bei Bedarf mit seinem Team auch gießen.

Kleine Mitmachaktionen und Pflanzensteckbriefe am Beetrand

Im BNT-Unterricht bereitet Lehrerin Sabine Weiß mit den Klassen kleine Mitmachaktionen vor, die im Lauf des Sommers bei den Beeten auf einzelne Pflanzen aufmerksam machen und an den Schutz der Natur und Umwelt erinnern. „Damit auch Leute, die an unseren Beeten vorbeikommen, wissen, was wir erforschen, werden wir unsere Ergebnisse bei den Beeten ausstellen“, sagt der Schüler Vilius. „Auch andere Gegenstände oder Mitmachaktionen werden wir in den nächsten Wochen noch zeigen: Zum Beispiel Insektenhotels, Bilder oder Pflanzensteckbriefe.“ Es dürfte also nicht nur für die am Projekt beteiligten Kinder interessant sein, hin und wieder an den beiden Beeten mit den Space Seeds vorbeizuschauen. Es werden auch Ideen und Wildblumen dabei sein, die sich gut im eigenen Hausgarten machen und umsetzen lassen. Direkt neben dem Rad-/Fußweg entlang des Kochers sind die Aktionsbeete auf der Grünfläche zwischen der Halfpipe und dem Hallenbad TollKÜN zu finden.

Hintergrund / Infos:

Bei einem Spaziergang am 10. Juli 2021, um 14 Uhr, stellt Sebastian Frey die „Natur nah dran“-Flächen in Künzelsau vor. Der Diplom Landschaftsökologe aus Neckarsulm unterstützt den Künzelsauer Bauhof bei der Umsetzung dieser Flächen. Er gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch Tipps und Ideen, die sie in ihrem eigenen Garten umsetzen können. Eine Anmeldung bei er Stadtverwaltung Künzelsau ist erforderlich. Mehr Informationen dazu auf der städtischen Homepage

https://kuenzelsau.de/,Lde/spaziergang+biologische+vielfalt+und+_natur+nah+dran_-flaechen+_28_05_2021_

Pressemitteilung der Stadt Künzelsau

 

Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5c der Georg-Wagner-Schule Künzelsau säen mit ihrer Lehrerin Sabine Weis die Wildblumensamen aus. Ernst Rieger unterstützt und gibt Tipps.
Foto: Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH

Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5c der Georg-Wagner-Schule Künzelsau säen mit ihrer Lehrerin Sabine Weis die Wildblumensamen aus. Ernst Rieger unterstützt und gibt Tipps.
Foto: Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH

Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5c der Georg-Wagner-Schule Künzelsau säen mit ihrer Lehrerin Sabine Weis die Wildblumensamen aus. Ernst Rieger unterstützt und gibt Tipps.
Foto: Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH

 

 




Kreisrat Jens Moll will für die AfD in den Bundestag

Der AfD Kreisverband Schwäbisch-Hall/Hohenlohe teilt mit, dass Jens Moll am letzten Wochenende in Niedernhall ohne Gegenkandidaten mit 87,5% der Stimmen zum Bundestagsdirektkandidaten für den Wahlkreis 268 gewählt wurde.

„Jens Moll ist seit über fünf Jahren Mitglied der „Alternative für Deutschland“ und vertritt diese im Hohenloher Kreistag und im Öhringer Gemeinderat. Der Diplom-Ökonom ist als kaufmännischer Leiter tätig. Die Heimat und ihre Bürger stehen im Mittelpunkt seiner
Politik, soziale Gerechtigkeit liegt ihm ganz besonders am Herzen“, beschreibt die AfD in ihrer Pressemitteilung den neugewählten Kandidaten. 

 

 




MUSTANG-Areal: Kein Baubeginn in Sicht

Der Abriß des MUSTANG-Gebäudes, die Trennung und der Abtransport des Bauschutts gingen schnell und gut organisiert vonstatten (GSCHWÄTZ berichtete) – seitdem liegt das MUSTANG-Gelände brach und das Unkraut beginnt, die Fläche zu erobern.

Geplant ist dort ein größerer Einkaufsmarkt sowie Appartements, dazu eine Tiefgarage (GSCHWÄTZ berichtete). 2022 stand als Fertigstellungtermin im Raum.

Nachdem die Bauarbeiten am PEKA-Gelände nach längerer Brache inzwischen begonnen wurden, hat GSCHWÄTZ nun bei Gerhard Bosch, der das Projekt bei der Merz-Objektbau betreut, nachgefragt, wann der Bau beginnen soll und wann mit der Fertigstellung des Gebäudes zu rechnen ist.

Ausweichende Antwort

Bosch antwortet ausweichend: Er bestätigt auf jeden Fall, dass es momentan „gewisse Schwierigkeiten“ gibt, die einen Baubeginn verzögern würden. Einen Grund dafür nennt er nicht, auch nicht auf Zuwurf konkreter Stichworte, und verweist nur etwas undeutlich auf Corona. Auch nennt er keinen Termin für den geplanten Baubeginn.

Am Abend des Dienstag, 15. Juni 2016, wurde am Bauzaun des MUSTANG-Geländes das Plakat eines Bauunternehmens entfernt.

Text: Matthias Lauterer




„Am ersten Tisch habe ich geweint“

Im April 2021 hat sie für ziemliches Aufsehen gesorgt: In einem emotionalen Video-Post auf ihrer Facebook-Seite hatte Kristina Kolenkovic, Betreiberin des Stadt Café in Forchtenberg, auf ihre Situation in der Corona-Pandemie und nach monatelanger Schließung aufmerksam gemacht (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/04/22/die-lassen-uns-verrecken-und-ausbluten/). Ein paar Wochen später blickt die 34-Jährige optimistischer in die Zukunft, denn mittlerweile darf sie wieder Gäste in ihrem liebevoll eingerichteten Café empfangen: „Bis 30. Juni habe ich samstags und sonntags geöffnet, auch wenn ich noch nicht weiß, ob sich das überhaupt lohnt.“ Denn es sei schwierig zu kalkulieren.

„Angst, dass die Werte wieder hochgehen“

Dass sie wieder öffnen dürfe, fühle sich gut an, sie sei aber auch nervös und unsicher. „Ich habe Angst, dass die Werte wieder hochgehen“, sagt die zweifache Mutter. Ab Anfang Juli wolle sie wieder zurück zu ihren üblichen Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags ab 9 Uhr. Unter der Woche bis 17 Uhr und am Sonntag bis 16 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

„Ich wollte keine Zielgruppe“

Wer im Stadt Café drinnen sitzen möchte – beispielsweise unter der alten Leiter mit den Kronleuchtern oder auf dem grünen Samtsofa – muss über eins der drei G verfügen: genesen, geimpft oder getestet sein. Was eigentlich den Vorstellungen der gelernten Hotelfachfrau widerspricht: „Ich wollte keine Zielgruppe, zu uns sollte jeder kommen dürfen.“ Wegen der Corona-Verordnung musste sie allerdings schon Leute wieder wegschicken, denen nicht bewusst war, dass sie einen negativen Corona-Test brauchen. So kann sie knapp 30 Personen in ihren Gasträumen empfangen. Etwas anders sieht es auf ihrer großen Terrasse aus: Hier dürfen die Gäste mittlerweile ohne Test Platz nehmen. Und hier gibt es auch keine behördliche Grenze hinsichtlich der Anzahl. Allerdings müssen alle, die durch die Räume laufen, eine Maske tragen – natürlich auch die Bedienungen.

„Am ersten Tisch habe ich geweint“

Das erste Wochenende, an dem sie wieder geöffnet hatte, sei sehr emotional gewesen. „Am ersten Tisch, den ich bedient habe, habe ich geweint“, erzählt sie. „Alle haben es genossen – die Gäste und ich auch.“ Die Leute seien glücklich gewesen, wieder „Freiheit genießen“ zu können. Viele Touristen seien darunter gewesen und auch Gäste aus der näheren Umgebung. „Auch manche meiner Gäste hatten Tränen in den Augen. Es war komisch-schön.“ Auch mit ihren Mitarbeiterinnen hatte sie großes Glück: „Alle sind wieder mit dabei.“

„Ich bin auch betrieblich verschuldet“

Dennoch bleibt ein gewisser Rest an Unsicherheit: „Ruckzuck steigen die Zahlen wieder über 100“, meint sie. Für sie sei das realistisch. Außerdem: Die meisten Gastronomen bräuchten eine längere Vorlaufzeit, bis sie ihren Laden wieder öffnen könnten. „Doch die meisten sind nach der langen Schließzeit verschuldet, träge und psychisch labil“, findet die Café-Betreiberin. „Ich bin auch betrieblich verschuldet, privat zum Glück nicht.“ Ein Drittel ihrer Berufskollegen könnten mittlerweile noch nicht mal mehr Ware bestellen, weil sie kein Geld auf dem Konto haben, schätzt sie. Auch sie habe die staatliche Unterstützung für Januar noch nicht erhalten. „Erst im Mai gab es außerdem den Beschluss zum Unternehmerlohn“, sagt sie. Den Antrag für die Monate Januar bis Juni habe sie erst in der Woche zuvor gestellt. „Ich kenne keinen, der es schon bekommen hat.“

„Ich glaube aber nicht, dass die große Masse der Menschen betrügt“

Demnächst möchte Kristina Kolenkovic selbst Corona-Tests anbieten, hat eigens dafür eine Schulung gemacht. Dann könnten die Leute auch spontan zu ihr kommen. „Ich verstehe das, ich gehe selbst nur spontan aus“, erklärt sie. Die meisten Gäste kämen zwar getestet, aber viele verstünden das System nicht. „Hier geht’s ja noch, aber stellen Sie sich einen großen Biergarten vor“, gibt sie zu Bedenken. Hinzu komme, dass sie nicht wisse, was sie eigentlich darf: „Darf ich die Ausweise der Leute zur Kontaktnachverfolgung überhaupt kontrollieren?“. Schließlich müsse jeder weiterhin seine Kontaktdaten hinterlegen. Bis jetzt seien ihre Gäste „brav“ gewesen. Im vergangenen Jahr hätte sie einige „Donald Ducks“ gehabt. Doch sie findet ganz pragmatisch: Das Land habe die Regeln aufgestellt, nun solle es sich auch um die Einhaltung kümmern. „Ich glaube aber nicht, dass die große Masse der Menschen betrügt“, sagt sie.

„Jetzt will ich Menschen um mich herum haben“

„Jetzt freue ich mich tierisch auf den Sommer“, gibt die Café-Betreiberin zu. Sie wolle durchgehend öffnen und auch auf den Sommerurlaub verzichten. „Ich hatte in den vergangenen Monaten viele mentale Tiefpunkte, jetzt will ich Menschen um mich herum haben“, strahlt sie. Dann sei sie den ganzen Tag gut gelaunt. Im vergangenen Jahr sei eine gewisse Grundgereiztheit unter den Menschen spürbar gewesen. Jetzt aber sei null Unsicherheit da. „Keiner hat gemeckert“, sagt sie. „Die Leute wissen das jetzt eher zu schätzen.“

Text: Sonja Bossert

Das Stadt Café besticht durch seine gemütliche Atmosphäre, die an Omas gute Stube erinnert. Foto: GSCHWÄTZ

Für die Plätze auf der großen Terrasse brauchen die Gäste keine Corona-Tests. Foto: GSCHWÄTZ