Kryptowährungen sind zurzeit in aller Munde – für viele sind sie die Geldanlage der Zukunft. Besonders bekannt: Bitcoin. Doch sobald US-Unternehmer Elon Musk einmal hustet, kann der Kurs in den Keller rauschen. Einer, der sich seit 2017 mit der Thematik beschäftigt, ist ein 49-jähriger Vater aus dem Kochertal. Er hat selbst erfolgreich in Kryptowährungen investiert und erzählt uns von seinen anfänglichen Zweifeln und Erfahrungen, die er letztlich gemacht hat. Sein Name ist der Redaktion bekannt, der Mann möchte diesen allerdings nicht veröffentlicht wissen.
„Papa, was ist eigentlich Bitcoin“
„Papa, was ist eigentlich Bitcoin, hat mich im April 2017 mein 14-jähriger Sohn gefragt“, erzählt der Mann. „Ich habe ihm gesagt, dass das eine digitale Währung im Internet ist und ich auch nicht mehr weiß.“ Der Junge daraufhin: „Aber Papa, der war vor ein paar Jahren keine fünf Euro wert und jetzt kostet er 1.500 Euro.“ Und wie es der Zufall will: Keine zwei Stunden später traf der Mann bei einem Bekannten auf einen Geschäftsmann, der sich mit Bitcoin auskannte und von dessen immenser Wertsteigerung sprach. „Da war mein Interesse geweckt und daheim habe ich gleich den Begriff Bitcoin gegoogelt“, so der Kochertäler weiter. „Ich wollte wissen, was es damit auf sich hat und was es so interessant macht. Vielleicht Betrug wie eine Art Schneeballsystem?“
Vielfältige Art von Veränderung
Bei seinen Recherchen entdeckte der Mann, dass mehrere Banken Bitcoin-Zertifikate anbieten, was ihn davon überzeugte, dass es sich dabei um etwas Seriöses handelt. „Daraufhin habe ich mich sehr intensiv mit Bitcoin, Kryptowährungen allgemein und der darauf basierenden Blockchain-Technologie auseinandergesetzt.“ Vier Monate später fühlte er sich ausreichend informiert und ist seither überzeugt: „Ich hatte festgestellt, welch vielfältige Art von Veränderung dies auf das Leben von allen Menschen haben kann.“
„Jeder sollte sich vorher einen Plan machen“
Im Juli 2017 investierte der Mann das erste Mal in Bitcoin – anfänglich eine geringe Summe. „Ich wollte sehen, wie es funktioniert.“ Nach oben oder unten gebe es kein Limit. Aber er findet auch: „Es ist wichtig, dass ich mich richtig in die Thematik eingearbeitet habe.“ Viele Menschen wüssten gar nicht, welche Möglichkeiten die Blockchain-Technologie bietet. „Die meisten sagen, Blockchain sind für mich drei große Fragezeichen“, sagt der 49-Jährige. Deshalb empfiehlt er jedem Neuling zum Einstieg das Youtube-Video „How blockchain is changing money and business“ von Don Tapscott (https://www.youtube.com/watch?v=Pl8OlkkwRpc&t=16s). „Und jeder sollte sich vorher einen Plan machen, wann und zu welchem Kurs er aussteigt und sich strikt daran halten.“
„Das ist regelrecht explodiert“
Für den Mann lief das Investment von Anfang an gut. Er hat auch auf andere Blockchains und andere Coins gesetzt und sagt: „Das ist regelrecht explodiert.“ Nach zwei Wochen hatte er das 30-fache seines ursprünglich investierten Geldes verdient. Über die genaue Höhe des Gewinns schweigt er sich allerdings aus. In erster Linie gehe es ihm sowieso um das System, denn „das fasziniert mich“. Mittlerweile sei er bei rund 50 verschiedenen Währungen involviert und sagt: „Da muss man Buch führen.“
Das Investment sollte breit gestreut werden
„Es gibt nicht den optimalen Zeitpunkt für den Einstieg“, sagt er und rät deshalb, „jeden Monat investieren, nicht alles auf einmal.“ Denn wenn man sein Investment breit streue, bekomme man letztendlich einen Durchschnittswert. Verlieren könne man nur, wenn man unter dem ursprünglichen Einstiegskurs aussteigt. Außerdem sollten Leute, die sich nicht auskennen, nur in Bitcoin investieren, denn das sei „der sichere Hafen, quasi die Mutter aller Kryptowährungen“. Der Kauf von Kryptowährungen sei zurzeit noch steuerfrei. Wer seine Währungen weniger als ein Jahr hält, muss diesen Verkauf mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. „Das wird sich aber ändern, denn der Gesetzgeber will die Haltefrist verlängern.“
„Einfach liegen lassen“
Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Kryptowährungen starken Schwankungen sowohl nach oben als auch noch unten unterliegen können. „Die Volatilität bei Kryptowährungen ist enorm“, so der Mann. „Das ist nichts für schwache Nerven.“ Ihn selbst aber mache das nicht nervös, weil er wisse, was hinter Bitcoin steckt. Trotzdem beschäftige er sich täglich damit. „Vom Gewinn nehme ich einen Teil raus, den anderen investiere ich weiter oder ich tausche in andere Coins, je nach Kurs“, sagt er. Doch wer sich nicht auskennt, dem rät er: „Einfach liegen lassen.“
Bei Bitcoin gibt es keinen zentralen Angriffspunkt
Der Mann zählt drei Hauptrisiken auf beim Umgang mit Kryptowährungen: Hacker können den Sicherheitscode knacken, mit dem die Investments geschützt sind. Allerdings sei das bei Bitcoin unmöglich, weil die dezentral auf mehrere Millionen Rechner verteilt seien. Darum gebe es keinen zentralen Angriffspunkt. Kursschwankungen seien ein weiteres Risiko, mit dem aber jeder Anleger auch beispielsweise bei Aktien rechnen müsse. Und letztendlich könne es immer auch zu einem Internetausfall kommen, durch den der Anleger von seiner „Droge“ abgeschnitten werde.
Der Empfänger ist längst bekannt
Der Mann versucht auch, mit Vorurteilen aufzuräumen. So würden laut verschiedener Studien 85 Prozent der weltweiten illegalen Transaktionen in US-Dollar abgewickelt. Der Anteil von Überweisungen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen sei hier verschwindend gering. Am Ende der Bezahlkette mit Kryptowährungen muss fast immer eine Bank stehen, mit deren Hilfe die Währung umgetauscht werden kann. Doch zur Eröffnung eines Bankkontos müsse man seine persönlichen Daten angeben. Das heißt, wenn ein Betrag in Kryptowährung eingeht, ist der Empfänger längst bekannt.
Betrieb mit erneuerbaren Energien
„Es ist schon richtig, dass das Bitcoin-Schürfen unglaublich viel Strom verbraucht“, gibt der Mann zu – aktuell sei das etwa so viel wie der ganze niederländische Staat in einem Jahr. „Doch etwa 40 Prozent dieses Stroms stammen aus erneuerbaren Energien.“ So werde Europas größte Mining-Farm in Island ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben. Der Mit-Gründer und Geschäftsführer der Genesis Group, Marco Streng, hat ein hauseigenes Geothermie-Kraftwerk aus Bitcoin-Erträgen finanziert. Der überflüssige Strom fließt in das nationale Stromnetz.
Einkauf bei Aldi
Kryptowährungen haben aber auch ganz praktische Seiten: „Man kann im Internet alles damit bezahlen.“ Doch auch bei Aldi könne man damit einkaufen oder ganz normal am Automat Geld abheben – dann mithilfe einer Kreditkarte.
Als Einstiegsplattform, um Kryptowährungen zu kaufen, bietet sich binance.de an.
Text: Sonja Bossert