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Stadtverwaltung verändert kurzfristig Reihenfolge der Gemeinderatssitzung

Ganz ungewöhnlich begann die Künzelsauer Gemeinderatssitzung vom Dienstag, den 13. Juli 2021: Ganz kurzfristig wurde die öffentliche Sitzung von 18:00 Uhr auf „etwa 19:00“ verschoben, da vorab ein nichtöffentlicher Teil terminiert wurde.

Eingeladene Teilnehmer und Zuschauer der öffentlichen Sitzung, die über die Verschiebung nicht rechtzeitig informiert waren, saßen auf dem Flur und warteten – sogar bis etwa 19:30, also gut 1,5 Stunden, denn es gab offenbar erheblichen Beratungsbedarf.

Über die Gründe dieser ungewöhnlichen Verschiebung ist nichts bekannt – hat der Bürgermeister damit möglicherweise darauf reagiert, dass in der letzten Sitzung ein Antrag gestellt wurde, einen Tagesordnungspunkt der nichtöffentlichen Sitzung in den öffentlichen Teil vorzuziehen und wurde deshalb die nichtöffentliche Sitzung vor die öffentliche Sitzung gezogen?

GSCHWÄTZ hat bei der Stadtverwaltung diesbezüglich nachgefragt. Eine Antwort steht noch aus.

 

 




Immer wieder zeigen sich Exhibitionisten in Hohenlohe

Mehrfach hat GSCHWÄTZ in den letzten Jahren über Exhibitionismus berichtet, erst kürzlich wurde wieder ein Fall bekannt.

Jüngster Fall wohl keine Straftat

Zwar sind die Ermittlungen im aktuellen Fall noch nicht abgeschlossen, trotzdem teilt Gerald Olma, Pressesprecher der Polizei Heilbronn, mit: „Aktuell gehen wir aufgrund der durchgeführten Ermittlungen davon aus, dass es sich bei dem „Vorfall“ am 02. Juli 2021 in Künzelsau um keine Straftat/Fall von Exhibitionismus gehandelt hat.“

Hohenlohe kein Hotspot

Die Anzahl der Fälle, über die GSCHWÄTZ berichtet hat, ist überraschend hoch – ist also der Hohenlohekreis ein Gebiet, in dem sich Exhibitionisten besonders oft zeigen? Keineswegs, sagt Olma: „Es liegt aktuell keine Häufung von Fällen im Hohenlohekreis/Bereich Künzelsau vor.“ Tatsächlich gab es im Hohenlohekreis in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt 23 Fälle von exhibitionistischen  Handlungen oder Erregung öffentlichen Ärgernisses, das sind 20,5 Fälle pro 100.000 Einwohner. Im Land Baden-Württemberg gab es dagegen 28,5 Fälle pro 100.000 Einwohner im selben Zeitraum. Der Hohenlohekreis liegt damit unter dem Landesdurchschnitt.

Was ist Exhibitionismus?

„Exhibitionismus (lat. exhibere = zeigen) ist eine Sexualpräferenz, bei der durch Entblößung der sonst verdeckten Schamteile (Genitalien, Brüste) oder mit sexuellen Aktivitäten vor der Öffentlichkeit sexuelle Lust gewonnen werden soll“, wird in wikipedia recht neutral formuliert. Nicht immer ist es der Mann mit dem ausgebreiteten Mantel, wie er in Karikaturen gerne verwendet wird: Es gibt auch Exhibitionistinnen, wenn auch sehr selten.

Exhibitionismus ist strafbar

Das Strafgesetzbuch kennt den weiblichen Exhibitionismus allerdings nicht: Der §183 StGB spricht explizit nur von Männern: „(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Höhere Strafen stehen im Raum, wenn sich der Exhibitionist vor Kindern zeigt: Hier ist der §176 StGB anwendbar, der eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis vorsieht.

Ursachen vielschichtig und ziemlich unklar

Über die Gründe, die dazu führen, dass sich jemand vor anderen Menschen entblößt, sind sich die Psychologen nicht einig. Einige gehen davon aus, dass Exhibitionismus eine Ausweichhandlung als Folge einer „Reifungskrise“ ist, andere sprechen sehr schwammig von einem zwanghaften Verhalten, durch das sich der Täter von einer psychischen Spannungssituation befreit. Und wieder andere ziehen den ebenfalls nicht scharf definierten Begriff „Minderwertigkeitskomplex“ heran, der sich in „Schüchternheit, Scham, geringem Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten bei der Gründung romantischer Beziehungen mit den Menschen des anderen Geschlechts“ manifestieren soll.

Schon aus dieser Beschreibung geht hervor, dass exhibitionistische Handlungen normalerweise nicht einmalig sind. Viele Täter entblößen sich nur während einer Lebensphase, andere tun dies dauerhaft. Viele Männer, die durch exhibitionistische Taten aufgefallen sind, zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf der anderen Seite ein äußerst angepasstes Leben führen und meist in einer nach außen hin intakten Familiengemeinschaft leben.

Keine einheitliche Therapie

Wenn sich die Psychologen bei der Ursache der Krankheit – Exhibitionismus ist im ICD-System als Krankheit gelistet – schon nicht einig sind, kann es auch keine standardisierte Therapie geben. Diverse Arten der Psychotherapie, Selbsthilfegruppen oder die Gabe von Medikamenten aus der Klasse der SSRI, die auch oft gegen Depression eingesetzt werden, werden vorgeschlagen. In schweren Fällen werden antiandrogene Medikamente, die die Bildung von Testosteron und damit den Sexualtrieb unterdrücken sollen, angewendet.

Hohe Rückfallquote

Trotz medizinischer und psychotherapeutischer Behandlung wird über eine hohe Rückfallquote berichtet.

2018: Serientäter in Künzelsau

Zwischen Oktober und Dezember 2018 wurde ein Täter in Künzelsau mehrfach auffällig – der Polizei gelang es, den Mann zu ermitteln, die  Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen fünf nachgewiesener Fälle an. Am 2. Mai 2019 wurde der Mann, der damals im Hohenlohekreis wohnte, vom Amtsgericht Künzelsau zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Text: Matthias Lauterer

 




Kupferzell: Corona-Studie fast 5 Millionen Euro teuer

Im vergangenen Jahr galt Kupferzell als Corona-Hotspot, ein Grund für das Robert Koch-Institut (RKI), sich die Gemeinde und ihre Bewohner genauer anzuschauen. Insgesamt dreimal war ein RKI-Studienteam vor Ort, nahm Rachenabstriche und Blutproben. Der erste Feldversuch ermittelte eine hohe Dunkelziffer, im zweiten ging es um Antikörper und in der dritten Stufe um Long-Covid, also die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. GSCHWÄTZ berichtete mehrmals: beispielsweise unter https://www.gschwaetz.de/2020/08/14/gar-keine-symptome-eher-untypisch-ueber-83-prozent-infizierte-hatten-mindestens-1-coronasymptom/ sowie unter https://www.gschwaetz.de/2021/07/02/die-teilnahmebereitschaft-bricht-alle-rekorde/.

Das Bundesgesundheitsministerium übernimmt die Kosten

Doch welche Kosten fallen für die Studie an und wer bezahlt das Ganze? GSCHWÄTZ hat beim RKI nachgefragt. „Die Studie „Corona-Monitoring lokal“ des Robert Koch-Instituts fand 2020 an insgesamt vier Studienorten statt. Neben Kupferzell waren die Gemeinde Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim, die Stadt Straubing und der Berliner Bezirk Mitte beteiligt“, schreibt RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher auf die GSCHWÄTZ-Anfrage. „Die Kosten dafür lagen insgesamt bei etwa 4,8 Millionen Euro.“ Übernommen hat diese Kosten das Bundesgesundheitsministerium.

Umfangreiche Vorbereitungen

Gründe für diese Kosten sind laut der Pressesprecherin: An den vier Studienorten seien bis Ende 2020 insgesamt mehr als 9.000 Erwachsene untersucht und befragt worden. Umfangreiche Vorbereitungen seien erforderlich gewesen, die Datenerhebungen und -auswertungen hätten speziell geschulte Teams des RKI durchgeführt.

Keine direkten Kosten für Landkreis und Gemeinde

Allerdings schreibt Susanne Glasmacher auch: „Für den Landkreis Hohenlohe und die Gemeinde Kupferzell sind keine direkten Kosten entstanden.“




Bernd Bauer: „Ich halte die Entwicklung für katastrophal“

Am Samstag, den 10. Juli 2021, hat der TSV Ingelfingen sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Über den Dächern von Ingelfingen, genauer gesagt auf der Burgruine Lichteneck mit weitem Blick ins Kochertal, haben Mitglieder des Vereins die selbst erstellte Festschrift mit über 100 Seiten vorgestellt, die die Geschichte und Entwicklung des TSV Ingelfingen in Wort und Bild erlebbar und kurzweilig präsentiert.

Gschwätz-Videoreporter Dr. Felix Kribus war vor Ort und hat die lockere Stimmung bei schönstem Sommerwetter eingefangen.

Viel Arbeit steckt in der Festschrift

„100 Jahre sind wir alt und darauf können wir wahnsinnig stolz sein“, hieß es in der Eröffnungsrede. „Auch wenn alle, die hier vor Ort sind, die ersten Jahrzehnte nicht mitgemacht haben. Alle von uns haben aber diesen Verein in seiner Geschichte ein Stück weit begleitet.“ Es sei dem Verein wichtig gewesen, in der Festschrift „all die Geschichten, Bilder, Emotionen und manchmal auch Schicksale, die es im Verein gab, zu präsentieren“. Die Idee zu der Festschrift basierte darauf, dass es bereits zum 75. Geburtstag eine gab und jetzt alle Beteiligten wüssten, wie viel Arbeit darin steckt.

Mitglied wegen der Gemeinschaft

Gerlinde aus Morsbach ist in der Abteilung Frauengymnastik. „Wir machen Bewegungsübungen, um fit zu bleiben, Dehnübungen und Kräftigungsübungen.“ Weil die Gruppe wegen Corona momentan aber nicht in die Sporthalle darf, gehen die Teilnehmer laufen. „Zehn Prozent von uns schaffen Purzelbaum und Rad“, meint ihre Sitznachbarin Irmgard aus Ingelfingen. Sie ist im Turnen wegen der Gemeinschaft und der sportlichen Fitness.

Der Verein als Kontaktbörse

Holger aus Künzelsau meint: „Das ist mein Verein, für den bin ich angeworben worden vor über 20 Jahren.“ Seit er TSV-Mitglied sei, habe er viele neue Kontakte in Ingelfingen kennengelernt, denn seine Frau sei zwar aus Ingelfingen, er selber stammt aber aus Künzelsau.

„Die kleine Veranstaltung ist ganz gut gelungen“

„Dadurch, dass unsere große Veranstaltung leider wegen Corona ausfallen musste, haben wir uns für so eine kleine Veranstaltung entschieden und ich finde, sie ist ganz gut gelungen“, sagt Achim vom Orga-Team. Er habe mit vier Jahren beim TSV mit Fußball angefangen und das bis zu den aktiven Mannschaften gemacht. „Wegen einer Verletzung habe ich dann aufgehört“, bedauert er. „Ich bin aber seit einigen Jahren im Rücken-Fit tätig.“ Das tue dem Körper gut.

„Es geht wieder aufwärts“

TSV-Sponsorin Sandra Hartmann findet, „dass man besonders bei diesem Festakt sieht, wie toll die Vereinsarbeit auch noch nach 1,5 Jahren Corona ist“. Die Menschen würden sich freuen, „dass es wieder aufwärts geht und dass sich wieder Öffnungen bieten, dass die Menschen sich wieder treffen können und es wieder einen sozialen Austausch gibt“. Die Menschen, die sich im TSV Ingelfingen engagieren, würden das mit so einer Leidenschaft machen – „das ist wirklich bewundernswert und das unterstützen wir natürlich gerne“.

Gute Sportangebote und neue Sportstätten

„Die Sportangebote des TSV Ingelfingen sind gut und die Sportstätten sind bis auf den Fußballplatz neu“, begründet TSV-Vorsitzender Bernd Bauer, warum man bei seinem Verein sein sollte. Er hält es für eine Katastrophe, wenn die Jugend nur noch auf Youtube und Instagram unterwegs ist. Während seiner Tätigkeit als Sportlehrer war Sport für ihn „immer das wichtigste Fach in den letzten 40 Jahren“. Deshalb habe er sich auch im Sportverein engagiert. „Die aktuelle Entwicklung halte ich für katastrophal, vom körperlichen her, vom Sozialverhalten her, alles das fällt weg und das ist zum Heulen.“ Er plädiert deshalb für eine viel größere Unterstützung für die Sportvereine auch finanzieller Art, „damit man Sportangebote entsprechend machen kann“. Wobei beim TSV Ingelfingen die Versorgung mit Sportgeräten gut sei. „Es müssten aber auch die Eltern sensibilisiert werden, dass sie ihre Kinder schicken und ermuntern, durchzuhalten.“

Die Redakteurinnen der Festzeitschrift: Ulrike Zeller-Michel, Geraldine und Judith Blaschka (v.l.n.r.). Foto: GSCHWÄTZ

TSV-Vorsitzender Bernd Bauer plädiert für mehr Unterstützung für die Vereine. Foto: GSCHWÄTZ

Geschichten, Emotionen, Schicksale: die Festschrift des TSV Ingelfingen zum 100-jährigen Jubiläum. Foto: GSCHWÄTZ




Einblick in den Studienalltag

Die Reinhold-Würth-Hochschule, Campus Künzelsau der Hochschule Heilbronn stellt sich vor: Am Donnerstag, 15. Juli 2021, können sich Interessierte beim digitalen Informationsabend CampusNight@home über den Standort Künzelsau und das dortige Studienangebot informieren. Dieses Jahr findet der Informationsabend online statt.

Einblick in den Studienalltag

In 15-minütigen Live-Präsentationen stellen sich alle Studiengänge vor. Darüber hinaus informiert die Veranstaltung über die Alternativen zum klassischen Vollzeitstudium in Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen. Einblick in den Studienalltag geben unter anderem ein Meet & Greet mit Studierenden sowie eine Laborführung. Zusätzlich stehen on demand-Angebote zur Verfügung, die sich zeitlich flexibel abrufen lassen.

Vielfältiges Angebot

Das Angebot an Bachelor-Studiengängen am Künzelsauer Campus umfasst sowohl betriebswirtschaftliche Studiengänge mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten sowie technische Studiengänge. Bewerbungen für Bachelor-Studiengänge zum kommenden Wintersemester sind noch bis Samstag, den 31. Juli 2021, möglich.

Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen sowie der Zugang zur Online-Veranstaltung sind unter www.hs-heilbronn.de/campusnight-kuen hinterlegt.

Quelle: HHN Hochschulkommunikation




Auf Tauchgang mit Walen, Seepferdchen & Co.

Seit dem 26. Juni gibt es im Science Center Experimenta Heilbronn eine Sonderausstellung aus dem renommierten American Museum of Natural History in New York zu sehen: Sie lädt dazu ein, in die faszinierende Welt der Ozeane einzutauchen und die einzigartigen Lebensräume unter Wasser zu erkunden. Die spannende Reise in verborgene Tiefen ermöglicht Begegnungen mit erstaunlichen Lebewesen und eindrucksvollen Landschaften. Besucher der multimedialen Ausstellung erfahren zudem, wie der Einsatz neuer Technologien die Erforschung dieser bislang noch weitgehend unbekannten Regionen ermöglicht und welche Gefahren der Tiefsee drohen. Die rund 800 Quadratmeter große Sonderausstellung ist erstmals in Deutschland zu sehen und bis Sonntag, den 07. November 2021, in Heilbronn zu Gast. Thematisch begleitet wird sie von Laborkursen für Schulklassen und 360-Grad-Filmen im Science Dome.

Große Geheimnisse sind noch unentdeckt

Sie bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche, sind an manchen Stellen tiefer als der Mount Everest hoch ist und verbergen eine spektakuläre Topografie aus Gebirgen und Gräben. Sie bieten einer Vielzahl von Lebewesen vom mikroskopisch kleinen Plankton bis zum größten lebenden Tier der Erde, dem Blauwal, einen über Jahrmillionen gewachsenen Lebensraum: Ozeane sind eine faszinierende Welt, die Forscher und Wissenschaftler seit Jahrhunderten in ihren Bann ziehen. Dabei birgt dieses bedeutende Ökosystem mit enormem Einfluss auf Klima und Umwelt bis heute große Geheimnisse.

Weniger bekannt als der Mars

Nur ein kleiner Teil des Meeresbodens ist genau kartiert, die versunkenen Landschaften damit weniger bekannt als etwa die Marsoberfläche. Diese unsichtbare Welt zu erkunden, macht die im American Museum of Natural History konzipierte Ausstellung möglich. Zugleich werden aktuelle Forschungsarbeiten präsentiert und die Funktionsweisen der unter Wasser wirkenden Kräfte und Strömungen gezeigt. Wie verbringen Blauwale ihren Tag? Was passiert in den tiefen Gewässern rund um Hawaii? Wie können die besten Standorte für Meeresschutzgebiete identifiziert werden? Diesen und vielen weiteren Fragen geht die Ausstellung aus New York in der experimenta auf den Grund.

Mit Sonartechnik auf den Spuren des Planktons

Die erste Themeninsel stellt den Bereich direkt unterhalb der Wasseroberfläche vor. Dort, wo das Sonnenlicht noch das Geschehen beleuchtet, sind die kleinsten Meeresbewohner unterwegs, das Plankton. Wie die winzigen Organismen mit den Strömungen durch die Meere treiben, wird heute mit Hilfe der Sonartechnik erforscht. Das pflanzliche Phytoplankton ist auf das Licht der Sonne angewiesen, um wachsen zu können, und so zahlreich, dass seine Blüten aus dem Weltraum gesehen werden können. Und: Phytoplankton produziert den Großteil des Sauerstoffs, den wir zum Atmen brauchen. Von ihm ernähren sich tierische Formen wie das Zooplankton, zu dem auch die Larven von Meerestieren wie dem Blauflossenthunfisch und dem Mondfisch zählen.

In der Tiefe des Meeres bringen die Bewohner Licht ins Dunkel

Mit dem Themenbereich „Geheimes Leben“ beginnt der Abstieg in tiefere Gewässer. Dort, wo kaum noch Sonnenlicht hineinreicht, verschwinden scheinbar alle Farben und das für die Ozeane typische Blau beherrscht die Szenerie. Oder trügt dieser Eindruck einer dunklen Welt? Die Antwort darauf liefert eine zufällige Entdeckung des Biologen und Meeresforschers Dr. John Sparks, zugleich der Kurator der Ozean-Ausstellung: Vor den karibischen Cayman Inseln beobachtete er vor einigen Jahren einen fluoreszierenden Aal. Im Gegensatz zur Biolumineszenz, bei der ein Organismus durch eine chemische Reaktion Licht erzeugt, beinhaltet die Biofluoreszenz die Absorption und Wiederemission von Licht durch spezielle Moleküle im Körper eines Tieres. Welche Funktion dieses Phänomen hat, ist noch unbekannt, aber Sparks und seine Kollegen vermuten, dass es der Kommunikation untereinander dient. Bei weiteren nächtlichen Tauchgängen mit speziell entwickelten Ultra-Low-Light-Kameras fand er eine Vielzahl weiterer Fische und anderer Meerestiere, die fluoreszieren und in überraschenden Farbtönen leuchten, wenn sie zuvor mit energiereichem blauen Licht in Kontakt kamen. Einigen davon, wie Drachenköpfen, Aalen, Seepferdchen und Haien, begegnen die Besucher in der Sonderausstellung.

Unterwegs mit den größten Lebewesen der Erde

Der dritte Themenbereich zieht die Besucher mit einem 180-Grad-Panorama-Blick in seinen Bann: In einer hochauflösenden Projektion schwimmen mächtige Meeresbewohner wie Wale, Kalmare und Riesenhaie lebensgroß an den Besuchern vorbei. Direkt daneben geht es zurück in die Vergangenheit: Fossilien von Urzeitwesen zeigen, dass die Weltmeere schon immer belebt waren – auch im süddeutschen Jura-Meer vor 180 Millionen Jahren. Vieles über die imposanten Wasserwesen ist noch immer unbekannt, aber auch hier unterstützen neue Entwicklungen die Forschung: Leicht anzubringende Aufzeichnungsgeräte haften zuverlässig und liefern Daten über das Wander- und Nahrungsverhalten der Tiere. So können Wissenschaftler zum Beispiel den Gesängen von Buckelwalen lauschen, wenn sie Krill jagen. Oder wenn ein großer Weißer Hai bis zu 1.200 Meter tief taucht, können seine Koordinaten mittels Satelliten detektiert werden.

Die Vermessung der Weltmeere

Über Jahrhunderte blieb die Welt unter Wasser dem Menschen weitgehend verborgen, erst moderne Techniken wie Schallwellen, Radar und Laser ermöglichen es, von Satelliten, Flugzeugen, Drohnen und Schiffen aus ein detailliertes Bild der zuvor unsichtbaren Landschaften zu zeichnen. Im vierten Themenbereich begegnen die Besucher daher wissenschaftlich genauen Nachbildungen einiger Unterwasserregionen wie einer Seebergkette nahe der Galapagos-Inseln im Pazifik oder dem Hudson-Canyon im Atlantik. Tauchschiffe, Bojen und Tiefenrekorder liefern zudem umfangreiche Daten zu Strömungen und Temperaturen. So wurde das „Globale Förderband“ entdeckt, eine weltumspannende Meeres-Zirkulation, zu der auch der Golfstrom gehört: An den Polen sinkt Wasser aufgrund seines hohen Salzgehaltes und der niedrigen Temperaturen ab. In der Tiefe strömt es zum Äquator, wo es sich erwärmt, an Dichte verliert und wieder aufsteigt. So entstehen vertikal geschichtete Lebensräume in den Meeren, die durch Unterschiede in Helligkeit, Temperatur, Druck und Salzgehalt verschiedene Ökosysteme bilden.

Genaue Untersuchungen mithilfe neu entwickelter Instrumente

Neu entwickelte Untersuchungsinstrumente, die auf Robotik-Technologie zurückgreifen, ermöglichen heute genaue Untersuchungen der darin lebenden Tiere: Weiche und geräuscharme Greifer mit hydraulisch gesteuerten und gepolsterten mechanischen Fingern sammeln empfindliche Bewohner wie Seegurken, Korallen oder Seefedern ein, um sie eingehend zu untersuchen. In der Ausstellung kann ein Prototyp dieser sogenannten Squishy-Fingers begutachtet werden.

Tauchfahrt: Es geht hinab bis auf den Grund

Einmal in die versunkenen Welten der Tiefsee hinabzutauchen – lang haben Menschen davon geträumt. 1934 erreichte der amerikanische Unterwasserforscher William Beebe mehr als 3.000 Fuß, 1960 schaffte es der Schweizer Ozeanograph Jacques Piccard an Bord der Trieste fast bis in elf Kilometer Tiefe. Auf ihren Spuren geht es in der Sonderausstellung auf Tauchstation: Die virtuelle Reise führt bis auf den Meeresboden, vorbei an vielfältigen Lebewesen und zu ganz unterschiedlichen Lebensräumen unter Wasser.

Projekte zum Schutz dieses Lebensraums

So faszinierend die Welt unterhalb der Wasserlinie ist, so bedeutsam sind Maßnahmen zu ihrem Erhalt. Die Schau des American Museum of Natural History widmet sich daher auch Aktivitäten rund um den Globus, die sich für den Schutz dieses einzigartigen Lebensraums einsetzen und stellt eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Forschern vor, die sich in kleinen lokalen bis hin zu internationalen Projekten engagieren.

Das Meer und der Mensch

Schädliche Fangmethoden etwa führten in der Vergangenheit zur Zerstörung vieler Lebensräume. So ist eine Folge der Überfischung, dass die weltweiten Fischbestände seit 1970 um rund die Hälfte zurückgegangen sind. Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich dort, wo Beschränkungen gelten und nachhaltige Fangmethoden eingesetzt werden, die Natur erholen konnte. Wissenschaftler versuchen daher, weitere Schutzgebiete zu identifizieren, um sichere Brut- und Wachstumsplätze zu schaffen. Die Besucher erfahren, welchen Einfluss der Mensch auf die Meere hat und wie er zu ihrem Schutz beitragen kann.

Der Klimawandel verändert auch das Meer

Eine wichtige Rolle spielt auch der Klimawandel: Die Zunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre bleibt selbst für die Ozeane nicht ohne Folgen. CO2 erhöht den Säuregehalt des Wassers, das Abschmelzen der Polkappen reduziert die Salzkonzentration. So kann das „Globale Förderband“ ins Stocken geraten. Welch schöne Natur dabei auf dem Spiel steht, erleben Besucher an Bord eines virtuellen Tauchboots, das sie durch die Tiefen der Meere navigieren können. Die Sonderausstellung präsentiert auch die jüngste Generation von Wissenschaftlern und Forschern, die daran arbeiten, die vielen Geheimnisse aufzudecken, die in den Welten unterhalb der Wasserlinie noch immer verborgen sind.

 Begleitprogramm

Umfangreiche Einblicke in die Welt der Tiefsee ermöglichen auch zahlreiche Laborkurse und Vorführungen auf dem Kuppelscreen des Science Dome. So lädt der Film „Expedition Reef“ zu einer 360-Grad-Ozeansafari ein, während der die Besucher zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen der Meere reisen. Sie erfahren, wie Korallen leben und welchen Gefahren die Riffbewohner durch Klimawandel und Überfischung ausgesetzt sind. Der 30-minütige Film wird für Kinder ab zehn Jahren empfohlen und kann über den Online-Ticketshop gebucht werden. An Familien mit Kindern ab sechs Jahre richtet sich der Animationsfilm „Die Legende des Zauberriffs“, der Bewusstsein für die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Meere schafft. Die Fische Jake, Shorty und Indigo machen sich auf die Suche nach einem sagenumworbenen Korallenriff. Auf dieser Reise gilt es, viele Abenteuer zu bestehen.

Kurse für Schulklassen

Auch Schulklassen können ihr Wissen und ihr Verständnis über das Leben in den Ozeanen in der experimenta weiter vertiefen: Der Kurs „Welchen Weg geht das Wasser?“ für Dritt- und Viertklässler geht den Fragen nach, wo unser Trinkwasser herkommt, wohin verunreinigtes Wasser verschwindet, und wie es wieder sauber wird. Mittel- und Oberstufenschüler können anhand der Kurse „Säuren und Basen“, „Titrationen“ und „Proteinbiochemie“ ihre Kenntnisse über die chemischen Abläufe verbessern.

 Öffnungszeiten und Preise

Die Sonderausstellung „Ozeane“ ist vom 26. Juni bis 7. November 2021 in der experimenta zu sehen. Sie ist montags bis freitags von 9:00 bis 17:00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung ist im Eintrittspreis der experimenta enthalten, kann aber auch einzeln gebucht werden. Dann kostet ein Ticket für Erwachsene 7 Euro und ermäßigt 4 Euro.

Quelle: Pressemitteilung der experimenta gGmbH

Nur ein kleiner Teil des Meeres ist erforscht. Foto: experimenta gGmbH




Sprecher des AfD-Kreisverbandes im Amt bestätigt

Bei seinem Kreisparteitag unter der Leitung des Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Großner hat der AfD-Kreisverband Hohenlohe/Schwäbisch Hall turnusgemäß seinen Vorstand gewählt, heißt es in einer Pressemitteilung. Die bisherigen gleichberechtigten Sprecher Anton Baron und Udo Stein seien beide in ihrer Funktion bestätigt worden. „Es spricht für die Geschlossenheit des Kreisverbandes, dass die Wahlergebnisse so eindeutig ausfielen“, so Baron laut der Mitteilung.

Sowohl er wie auch sein Abgeordnetenkollege Udo Stein wurden mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Sie werden unterstützt von den Stellvertretern Winfried Horlacher, Thomas Schmidt und Jens Moll, dem Bundestagsdirektkandidaten des Wahlkreises 268.

Beisitzer sind Christfried Krause und Martin Bürner. Für die Finanzangelegenheiten des Kreisverbandes ist Emely Knorr als Schatzmeisterin verantwortlich. Erklärtes Ziel des Vorstandes ist es, „bei den zukünftigen Wahlen das Stimmergebnis der Landtagswahl 2021 auszubauen“, wie Udo Stein erläuterte. Anton Baron dankt allen Mitgliedern für das entgegengebrachte Vertrauen: „Wir freuen uns darauf, den bürgerlich-konservativen Weg des Kreisverbandes fortzusetzen.“

Quelle: Pressestelle von Anton Baron

 

 

 




Künzelsau mit den Füßen erfahren

Viele Wege führen nach Künzelsau, doch ebenso viele laden zu Wanderungen um und in der Hohenloher Stadt ein. Die Routing-App komoot hat auf ihrer Homepage eine 20 Wandertouren mit Highlights rund um Künzelsau aufgelistet (https://www.komoot.de/guide/38395/wandern-rund-um-kuenzelsau). Dazu gibt es Wegbeschreibungen und Höhenprofile. Start- und Zielpunkt liegen dabei immer an Bushaltestellen, sodass sie auch bequem ohne Auto und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

Tour eins startet und endet am Bahnhof Künzelsau. Die 7,93 Kilometer lange, mittelschwere Wanderung führt unter anderem an der Orthodoxen Kirche, der Bergbahn und dem Carmen-Würth-Forum vorbei. Die Wege sind leicht begehbar. Es ist kein besonderes Können, allerdings eine gute Grundkondition erforderlich.

Die zweite Tour ist eine mittelschwere Wanderung, die eine gute Grundkondition aber kein besonderes Können erfordert. Die leicht begehbaren Wege führen entlang der alten Bahnstrecke, am Künsbach entlang und über den Wertberg. Start und Zielpunkt der 9,23 Kilometer langen Wanderung ist die Bushaltestelle in der Komburgstraße in Künzelsau.

Eine mittelschwere Wanderung führt über 7,48 Kilometer von der Bushaltestelle in der Marc-Chagallstraße über den Waldsportpfad und den Natur-Erlebnispfad in den Taläckern zum Ausgangspunkt zurück. Weitere Highlights auf dem Weg sind Wellingtonien und die Bergstation der Standseilbahn. Die Tour erfordert eine gute Grundkondition, die Wege sind aber leicht begehbar
Traumhafte Ausblicke auf Nagelsberg und die Ruine Zarge bietet eine 7,68 Kilometer lange Wanderung – ebenfalls rund um die Taläcker. Die Tour startet und endet an der Bushaltestelle Da-Vinci-Straße Taläcker. Sie erfordert eine gute Grundkondition und Trittsicherheit. Die Wege sind aber gut begehbar.
11,2 Kilometer lang ist eine Tour rund um den Deubach. Startpunkt ist hier die Bushaltestelle im Vögelein in Künzelsau. Highlights sind hier die Deubach-Klinge sowie der Torrent de Deubach. Die Wanderung ist mittelschwer und erfordert neben einer guten Grundkondition Trittsicherheit. Die Wege sind aber überwiegend gut begehbar.
Durch die Kochertaler Weinberge sowie hoch zur Burgruine Lichteneck führt eine eher anspruchsvolle Wanderung rund um Nagelsberg. Auf dem 7,07 Kilometer langen Weg sind eine gute Grundkondition, Trittsicherheit, festes Schuhwerk sowie am besten alpine Erfahrung notwendig. Start und Ziel ist die Bushaltestelle Mitte/Post in Nagelsberg. Highlights sind neben schönen Aussichten ins Kochertal, die Ruine Zarge, die Burgruine Lichteneck und das Weingut Gaufer.

Das Neue Schloss Ingelfingen und der Schlosspark stehen im Mittelpunkt einer mittelschweren Wanderung, die eine gute Grundkondition sowie Trittsicherheit erfordert. Überwiegend sind die Wege gut begehbar. Los gehts an der Bushaltestelle am Bahnhof Taläcker. Highlights dieser zehn Kilometer langen Tour ist die ehemalige Esse des Hofschlossers von 1784 in Ingelfingen, das Neue Schloss sowie der Schlosspark Ingelfingen.  

Durch die Deubach-Klinge und am Torrent de Deubach vorbei führt eine mittelschwere Wanderung auf 11,2 Kilometern. Eine gute Grundkondition sowie Trittsicherheit sind erforderlich, die Wege aber überwiegend gut begehbar. Start und Ziel ist die Bushaltestelle im Vögelein in Künzelsau.

Ebenfalls am Wasser – aber am Kocher – entlang führt eine leichte Wanderung auf leicht begehbaren Wegen in und um Künzelsau. Die 4,78 Kilometer lange Tour startet und endet an der Bushaltestelle in der Komburgstraße in Künzelsau. Highlights sind neben der Orthodoxen Kirche der Scheurachshof, das Taubenhaus und das Alte Rathaus. 
Etwas für die Ohren bietet eine leichte Tour, die an der Bushaltestelle in der Taläcker Allee startet und endet. Auf ihrem 6,16 Kilometer Weg sind Klanghölzer die Highlights.



100 Jahre TSV Ingelfingen: Erste Videoschnipsel vom Festakt

Erste Videoschnipsel zum Festakt 100 Jahre TSV Ingelfingen auf der Burgruine am Samstag, den 11. Juli 2021, mit Präsentation der über 100 Seiten starken Festschrift und Lockerungsübungen für alle Anwesenden.

Für Euch vor Ort | GSCHWÄTZ – Das Magazin | Wir lieben unser Ländle | www.gschwaetz.de




„Wir sind ganz hintendran, wir kommen noch hinter den Bordellen“

Wenn ein Sportverein, der in einer kleinen Stadt verwurzelt ist, 100 Jahre alt wird, dann ist das ein besonderes Ereignis, das üblicherweise mit einem Festakt gefeiert wird. Festredner aus Politik und Sport geben sich das Mikrofon in die Hand und Schausportgruppen zeigen auf der Bühne ihr Können. Anschließend gemütliches Beisammensein mit den Freunden aus der Kindheit, die man lange nicht gesehen hat.

Wegen Corona nur in kleinem Rahmen gefeiert

Dem TSV Ingelfingen war eine solche Festveranstaltung wegen des Coronavirus nicht vergönnt. Stattdessen konnte in diesem Jahr nur eine kleine Veranstaltung zum Jubiläum stattfinden, immerhin war das Wetter so gut, dass die kleine Feier im Freien auf der Ruine stattfinden konnte.

TSV Ingelfingen: Jugendarbeit und Leistungssport

Zirka 350 jugendliche Mitglieder hat der TSV Ingelfingen, die verschiedenste Sportarten betreiben. Tamara Schneider, 16, ist eine dieser jugendlichen Mitglieder. Sie ist schon seit neun Jahren im Verein und betreibt Gerätturnen [sic! Laut Trainerin Renée Weigel heißt es nicht Geräteturnen, sondern Gerätturnen] – und das überaus erfolgreich: zweimal war sie bereits Landessiegerin. Das zeigt, dass sich der TSV nicht „nur“ dem Breiten- und Freizeitsport widmet, sondern auch die Möglichkeit bietet, große sportliche Erfolge zu erzielen.

Tamara Schneider. Foto: GSCHWÄTZ

Aber nicht alle Kinder und Eltern sind dazu bereit. Renée Weigel, Trainerin der Gerätturner, hat bemerkt, dass sich „immer weniger Kinder den Strapazen der Sportart unterziehen. Die Spaßgesellschaft überfordert die Jugend“, stellt sie fest. Dreimal wöchentliches Training sei schließlich im Wettkampfsport notwendig. Sie erhofft sich allerdings, dass „nach Corona die Eltern ein qualifiziertes Bewegungsangebot suchen“.

Corona fährt alles auf Null

Und durch Corona mußte das Sportangebot quasi auf Null heruntergefahren werden. „Wir hatten ja ein regelrechtes Bewegungsverbot“, sagt Bernd Bauer, der Vorsitzende des TSV. Er wäre glücklich gewesen, wenn wenigstens ein kleines Sportangebot, vor allem für Kinder und Jugendliche, möglich gewesen wäre: „Ich fühle mich von der Politik vera… nicht ernst genommen“ sagt er. Damit meint er die Politik in Berlin und Stuttgart, denn auf die lokale Verwaltung läßt er nichts kommen: „Das ist in Ingelfingen alles korrekt gelaufen“ und die Lockerungen seien vom Hauptamt jeweils sehr schnell umgesetzt worden.

TSV Ingelfingen: in der kleinen Stadt verwurzelt

René Weigel und Bernd Bauer. Foto: GSCHWÄTZ

Bauer sieht, dass heute weniger Kinder und Jugendliche im TSV Sport treiben als noch vor einigen Jahren. Er führt das darauf zurück, dass es viel mehr Angebote gibt und die Kinder und Eltern das Sportangebot eher unverbindlich nutzen: „Die Fluktuation ist zu stark, die Bindung wird nicht fest.“ Fest ist die Bindung der örtlichen Unternehmen zum Verein: „Wir haben knapp 60 Werbepartner, vom Weltmarktführer bis zum Kleinbetrieb. Das zeigt die Verwobenheit in der Stadt.“ Ungefähr 60 Werbepartner hatte der TSV übrigens auch schon vor 70 Jahren: Von den Werbepartnern aus der damaligen Zeit ist heute noch ein einziger übrig geblieben.

„Bin da schon immer“

Eine feste Bindung zum Verein hat Julia Mezger. Sie betreibt Jazztanz, auch eine Disziplin, in der der Gruppen des TSV schon des Öfteren große sportliche Erfolge erzielt haben. „Ich bin da schon immer“, sagt sie. „Einen Verein wechselt man doch nicht: Es ist doch schön, wenn man treu bleibt.“ Auf die Frage, was den Unterschied ausmacht zu anderen Vereinen, antwortet sie daher konsequent: „Das kann ich nicht beurteilen, ich war ja noch nie woanders.“ Das dürfte genau die Einstellung sein, die sich Bernd Bauer wünscht.

Die Fußballer

Haben es nicht geschafft, die untypischen Getränke zu verstecken: Die Fußballer. Foto: GSCHWÄTZ

Vor dem Foto wollten die Fußballer noch schnell die Flaschen mit nichtalkoholischen Getränken verstecken. Seit drei Jahren sind sie nun wieder mit dem TSV fusioniert, nachdem sie viele Jahre lang in einem eigenen Fußballverein, dem SC Ingelfingen, gekickt haben. Die Frage, was sie zum TSV treibt, beantworten sie deshalb mit „weil wir zufällig fusioniert haben mit dem TSV“ – aber mit einem breiten Lachen im Gesicht. „Die Infrastrukutur hat beim SCI einfach gefehlt“, der TSV biete ihnen die notwendige Infrastruktur wie etwa Umkleidekabinen in der relativ neuen Sporthalle.

Hervorragende Infrastruktur

Konstantin Kisser, Basketballer. Foto: GSCHWÄTZ

Die Infrastruktur war auch für Konstantin Kisser, Abteilungsleiter der Basketballer, ein wichtiges Argument, ausgerechnet beim TSV eine Basketball-Abteilung aufzubauen. Er hat hochklassig in mehreren Vereinen gespielt und lobt die moderne Halle: „Viele Gegner aus der Stuttgarter und Ludwigsburger Gegend sind immer wieder überrascht und sagen: „Sowas haben wir nicht.“

TSV: Breitensportangebot für jedes Alter

Nicht nur der Wettkampfsport ist beim TSV vertreten. Susanne Stier leitet das Kinderturnen Hermuthausen/Weldingsfelden, wo die Jüngsten sich spielerisch an den Sport herantasten. Sie ist schon immer sportinteressiert und war bereits als Jugendliche Übungsleiterin. Am TSV gefällt ihr die Zusammenarbeit, „Bernd [Bauer] hat immer ein offenes Ohr für alles“ – und da er Wünsche meistens auch erfüllen kann, gebe es keinerlei Grund zur Klage. „Ich bin gern dabei“, schließt sie.

Begeisterte Breitensportler: Hildegard Bauer, Monika Zeller und Heike Wallner. Foto: GSCHWÄTZ

Auch das Breiten- und Freizeitsportangebot für Erwachsene ist vielfältig. Das können Hildegard Bauer, Monika Zeller und Heike Wallner bestätigen. Hildegard Bauer war früher im Jazztanz und in der Laufgruppe aktiv, heute nutzt sie das Kursangebot des Vereins. Monika Zeller und Heike Wallner turnen in der Frauenturngruppe. Auf die Frage, warum sie beim TSV sind, antwortet Hildegard Bauer spontan „Fasching“, die beiden anderen sagen „Sport“. Auch Monika Zeller ist dem Verein treu: Sie überlegt, wie lange sie bereits im Verein ist – und kommt zu dem Schluß: „Ich bin schon so lange im Verein, dass ich gar nicht mehr weiß, seit wann“.

TSV: Spaß, Fasching und Gemeinschaft

Neben dem Sport spielt natürlich auch der Spaß eine große Rolle im Vereinsleben: Der Fasching ist legendär. Die Prunksitzungen sind regelmäßig ausverkauft und sorgen genauso regelmäßig für Gesprächsstoff in der kleinen Stadt. Und das nicht nur wegen der tanzsportlichen Darbietungen, sondern auch weil die Redner in der Bütt‘ das städtische Leben süffisant auf die Schippe nehmen.

Kurze Festansprache

Bernd Bauer während seiner Festansprache. Foto: GSCHWÄTZ

Die Festansprache von Bernd Bauer ist kurz, ein ganz schneller Überblick über die Geschichte des Vereins sei ausreichend: Den Rest könne man der Festschrift entnehmen, in der die ersten Hundert Jahre und die Gegenwart des Vereins und seiner Vorgänger dargestellt werden. „Das Lesen soll Sie zum Schmunzeln bringen und schöne Erinnerungen hervorrufen“ – auch wenn dunkle Kapitel der Vereinsgeschichte nicht ausgelassen seien. Am Ende seiner Ansprache verweist Bauer auf den Psychiater Spitzer, der feststellt, dass Bewegung eine Grundvoraussetzung zum Lernen ist. „Die Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt, es ist eine desaströse Situation.“ Ihm bleibt nur, dem Freizeit- und Breitensport alles Gute zu wünschen, denn „für die fernsehsichtbaren Zirkus- und Konzernsportarten ist schon gesorgt.“

Corona beeinflußt auch die angekündigte Schauturngruppe

Es ist nicht einfach, nach Corona wieder mit Sport anzufangen. Daniela Egner und Heike Wallner führen dies in einem amüsanten Sketch vor. Foto: GSCHWÄTZ

Judith Blaschka kündigt danach eine „international bekannte Schausportgruppe“ auf der steinigen Bühne der Burgruine an – gekommen sind aber nur zwei Frauen. Und die scheinen nicht wirklich Weltklassesportlerinnen zu sein, hat die eine der beiden doch schon Schwierigkeiten, die Bühne zu erklimmen. So eine Leiter ist allerdings auch ein kompliziertes Gerät.

Und das ein oder andere Kilo haben die Sportlerinnen auch noch zugelegt während der Pandemie – an eine Leistungssportdarbietung ist also gar nicht zu denken. Yoga könnte eine Lösung sein und so nimmt das Unheil seinen Lauf …
Daniela Egner und Heike Wallner beweisen, dass man beim TSV nicht nur an Fasching Spaß machen und haben kann.

Vorstellung der Festschrift

Höhepunkt der Veranstaltung ist die Präsentation der Festschrift zum hundertsten Geburtstag des Vereins. Im Titelbild der Festschrift zeigt sich die Vielfalt und das Wesen des TSV: Symbolisch sind Organisation von großen Sport-Events, Zusammenarbeit und Eigeninitiative, Leistungssport, Jugendarbeit, Spaß und die fleißigen Helfer im Hintergrund abgebildet. Auf 108 Seiten wird die Historie und die Gegenwart des TSV dargestellt. Zahlreiche historische Dokumente und Bilder sorgen für einen Eindruck, wie es in der Vergangenheit zugegangen ist.

Dem Redaktionsteam, bestehend aus Ulrike Zeller-Michel, Judith Blaschka und Geraldine Blaschka, sieht man die Erleichterung darüber an, dass sich ihre Anstrengungen gelohnt haben. Mehrere Monate waren sie damit beschäftigt, Bilder aus dem Archiv zu sichten, selber Texte zu schreiben … und immer war die Befürchtung im Hinterkopf, den Termin nicht halten zu können.

Präsentation der Festschrift. Diese gibt es ab sofort auch in einem handlichen DIN-A4-Format. Von links: Ulrike Zeller-Michel, Judith und Geraldine Blaschka. Foto: GSCHWÄTZ

Prost TSV! Die Erleichterung ist der Redaktion der Festschrift anzusehen. von links: Ulrike Zeller-Michel, Judith und Geraldine Blaschka. Foto: GSCHWÄTZ

Bin ich auch drin? Die druckfrische Festschrift findet sofort großes Interesse. Foto: GSCHWÄTZ

Auch das GSCHWÄTZ-Team war mit vier Mann vor Ort, um die Veranstaltung pressetechnisch zu begleiten. Auf dem Fotos ist GSCHWÄTZ-Redakteurin Dr. Sandra Hartmann zu sehen. Bei der Festschrift layoutete GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer nach Vorgaben von Ulrike Zeller, Judith und Geraldine Blaschka die Seiten.

 

Text: Matthias Lauterer