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Wiederwahl ohne Gegenstimmen

Dr. Matthias Neth hat am heutigen Freitag, den 23. Juli 2021, seine zweite Amtszeit als Landrat des Hohenlohekreises angetreten. Bei der Kreistagssitzung zur offiziellen Amtseinsetzung in Waldenburg führte Regierungspräsident Wolfgang Reimer die Wiederverpflichtung durch. Durch die Corona-Pandemie fand die Veranstaltung in kleinerem Rahmen statt. Das geht aus einer Mitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

„Was hält die Gesellschaft zusammen?“

„Für die nächsten Jahre sollen die Themen Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Zusammenhalt Schwerpunkte der Arbeit für den Hohenlohekreis sein“, erklärte Neth. „Ich freue mich, diese Themen gemeinsam mit Kreistag, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern anzugehen.“ Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, ging in seinem Festvortrag unter der Überschrift „Was hält die Gesellschaft zusammen?“ auf die Herausforderungen ein, vor denen unsere Gesellschaft angesichts vieler Veränderungen steht.

Seit 2013 im Amt

Dr. Matthias Neth wurde erstmals am 10. Juni 2013 vom Kreistag des Hohenlohekreises für eine Amtszeit von acht Jahren zum Landrat gewählt. Die Wiederwahl erfolgte am 26. April 2021 ohne Gegenstimmen im ersten Wahlgang.

Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises: Dieter Pallotta (links), stellvertretender Vorsitzender des Kreistags, übergibt Landrat Dr. Matthias Neth im Beisein seiner Frau Jutta die Ernennungsurkunde zum Beamten auf Zeit.

Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises: Regierungspräsident Wolfgang Reimer (rechts) gratuliert Dr. Matthias Neth zum Antritt seiner zweiten Amtszeit als Landrat des Hohenlohekreises.

 




Gut gebrüllt: Hohenloher Höhle der Löwen erstmals am Start

Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler und Unternehmensgründer, so wird es immer wieder behauptet. In der Vergangenheit sind viele heutige Weltunternehmen tatsächlich von einem der typisch schwäbischen Tüftler gegründet worden. Heute sagt man „Start-Up“ statt Unternehmensgründung und in der Start-Up-Szene ist Baden-Württemberg weit abgehängt: Nur ganze drei Prozent der fünf Milliarden Euro, die jedes Jahr in deutsche Start-Ups fließen, gehen nach Baden-Württemberg, hat der Südwestrundfunk (SWR) herausgefunden. Kein einziges dieser Start-Ups war im Hohenlohekreis angesiedelt, sagt der SWR. 57 Neugründungen gab es in Stuttgart – der Löwenanteil der Gründungen sitzt aber in Berlin: Allein 60 Prozent der Mittel gehen nach Berlin.

Start-Up-Kultur fördern

Dagegen will der Verein Hohenlohe Plus e.V. nun angehen und die Gründerkultur im ländlich geprägten Raum Hohenlohe und Umgebung wiederherstellen. Dieser Verein, der von Kommunen und Wirtschaftsunternehmen aus der Region getragen wird, hat sich die Förderung der regionalen Wirtschaft zum Ziel gesetzt, „indem wir unserer Kräfte bündeln und Hohenlohe als das in der Öffentlichkeit präsentieren, was es ist: eine der attraktivsten Regionen Deutschlands mit herausragender Lebensqualität und besten Karriereperspektiven.“  Der Verein hat daher das Programm „Hohenlohe4talents“ aufgelegt, mit dem Neugründungen beim Aufbau ihres Unternehmens durch ein Stipendium finanziell gefördert werden können. 50.000 Euro pro Jahr sollen ausgeschüttet werden. Nicht nur die Bereiche High-Tech, IT und Industrie sollen gefördert werden, ganz bewusst werden auch Handwerks- und Geschäftsgründungen in den Städten gefördert. Dafür stehen 20 Prozent der jährlichen Fördersumme zur Verfügung.

Der SWR hat in der Landesschau über den Wettbewerb berichtet. Link zum Video

Leoparden statt Löwen

Das ruft geradezu nach den „Löwen“ aus der bekannten Fernsehshow – da sich das Ganze allerdings in Hohenlohe abspielt, muß es sich um Leoparden handeln, denn der Leopard ist das Wappentier des Hohenlohekreises. Fünf Pitches  haben es in die Endausscheidung des Wettbewerbs geschafft, die Leoparden entschieden sich dafür, vier dieser Projekte zu fördern:

MeiLuft -Ein Virenscanner für die Atemluft

MeiLuft nennt sich junge das Unternehmen der Brüder Wystup aus Künzelsau (GSCHWÄTZ berichtete). Sie konnten die Jury mit ihrer Scanner-Idee im Hightech Bereich überzeugen – Die Möglichkeit verschiedene Viren und Bakterien in der Atemluft schnell und zuverlässig präzise erkennen und definieren zu können, ist gerade jetzt vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ein interessanter Lichtblick. Aber auch für die nächste Grippewelle kann durch die MeiLuft-Erfindung eine größere, präventive Sicherheit am Arbeitsplatz geschaffen werden.

elysium – eine App für Tour-Guides 

Hinter dem Begriff elysium steht das Geschwisterpaar Anna Kollmer und Jonas Bayerlein aus Crailsheim. Zusammen haben sie ein umfangreiches Tour-Guide-System mit Lizenzsystem für
Smartphones entwickelt. Diese App wird im Tourismus bei Gruppen- und Stadtführungen eingesetzt und sagt sich nicht nur Hardwaretechnisch von zusätzlichen Geräten los – zusätzlich ermöglicht die
Anwendung eine automatisierte Simultanübersetzung in verschiedene Sprachen. Dadurch können Besucher weltweit noch aktiver an Touren teilnehmen, während zeitgleich Sprachbarrieren abgebaut
werden und Tourguides und Touristen enger zusammenrücken.

LocalBoxx – individuelle Geschenkboxen

Im Handelsbereich konnten Sarah Hank-Paidar und Stefanie Hornung, die Gründerinnen des Start- ups LocalBoxx aus Öhringen die Jury mit ihren individual anpassbaren Geschenkboxen überzeugen.
LocalBoxx stellt auf Kundenwunsch individuell verschiedene Geschenkpakete mit einheimischen Produkten und Dienstleistungen aus der regionalen Vielfalt zusammen. Unternehmen wird so die Möglichkeit geboten, einfach und unkompliziert Kunden- und Mitarbeitergeschenke mit lokalem Bezug zu verschenken. Besonders erfreulich hierbei ist, dass die Damen mit ihrer Geschäftsidee eine
große Bandbreite an lokalen Selbstvermarktern, kleinen Ladengeschäften, Gastronomen sowie Künstlern und Produzenten unterstützen.

PackPart – Matching-Plattform für Verpackungsmaschinen

PackPart, nennt sich die Vermittlungsplattform von Firmengründer Christian Baumann, der Anfang 2020 sein Unternehmen als Pilotfall in Zusammenarbeit mit der hfcon GmbH & Co. KG gegründet hat.
Sein Unternehmen bietet Kunden, die eine Verpackungsmaschine benötigen, eine MatchingPlattform für die Verpackungsindustrie und ist dabei der digitale Ansprechpartner für individuelle Verpackungsmaschinen, gebrauchte Maschinen, Lohnhersteller sowie Maschineneffizienzsteigerung.

Text: Matthias Lauterer – kursiver Text: aus der Pressemitteilung von Hohenlohe 4 Talents.




Geimpft in die Ferien – Impfen ohne Anmeldung in Künzelsau und Öhringen

Der Hohenlohekreis teilt mit:

In der kommenden Woche finden im Hohenlohekreis zwei Impfaktionen unter dem Motto „Geimpft in die Ferien“ statt. „Unser Ziel ist es, allen Hohenloherinnen und Hohenlohern ein unkompliziertes Angebot für eine Corona-Schutzimpfung zu machen“, erklärt Mike Weise, Leiter des Kreisimpfzentrums Öhringen.

Am Dienstag, 27. Juli, und Mittwoch, 28. Juli 2021, steht ein Impfbus an der Bergstation der Bergbahn in Künzelsau-Taläcker. Dort können Impfwillige jeweils von 14 bis 19 Uhr ohne vorherige Anmeldung den Impfstoff von Johnson&Johnson bekommen. In Öhringen findet die Aktion am 30. Juli 2021 von 8 bis 18 Uhr im Kreisimpfzentrum Öhringen in der Hohenlohesporthalle statt, ebenfalls ohne vorherige Terminvereinbarung und mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson. Mit diesem Impfstoff ist keine zweite Impfung notwendig. Auf Wunsch stehen auch andere Impfstoffe zur Verfügung. Geimpft wird, solange der Vorrat reicht.

Geimpft in die Ferien

Geimpft in die Ferien

Geimpft in die Ferien

 

 

 

 




Maultaschen-Imperium wächst

Rund 45 Millionen Euro investiert der Maultaschenhersteller Bürger in ein neues Tiefkühllager und ein Logistikcenter für seine Produkte am Standort Crailsheim.

Neues Lager schafft Platz für eine Produktionserweiterung

Das heutige Tiefkühllager ist der wachsenden Beliebtheit der Maultaschen im Markt nicht mehr gewachsen, es ist schlichtweg voll. Das neue Tiefkühllager wird doppelt so groß wie das bestehende werden. Durch das neue Lager wird auf dem Werksgelände Raum für eine Erweiterung der Produktion frei. Die derzeit etwa 900 Mitarbeiter müssen also keine Angst um ihre Arbeitsplätze haben, im Gegenteil: Die Produktionserweiterung soll rund 80 neue Arbeitsplätze schaffen.

Tipp vom Insider

Ein Zollbeamter auf dem Flughafen Stuttgart warnt übrigens davor, Maultaschen als Gastgeschenk auf Flüge mitzunehmen. Beim Scan des Gepäcks ergäben Maultaschen das gleiche Bild wie ein bekannter Sprengstoff – das könne zu einer sehr intensiven Gepäckkontrolle führen.

 

Symbolbild Maultasche. Bild: pixabay




„Uns kann so schnell nichts erschüttern“

Endlich – die Sommerferien stehen vor der Tür, ein turbulentes Schuljahr geht zu Ende. Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen können für rund sechs Wochen aus- und durchatmen. GSCHWÄTZ hat bei Hohenloher Schulleiter:innen nachgefragt, mit welchen Gefühlen sie in die unterrichtsfreie Zeit starten und welche Erwartungen sie für den Re-Start in ein paar Wochen haben.

„Das grenzt an Wahrsagerei“

Markus Autenrieth, Leiter der Gemeinschaftsschule in Kupferzell, geht „mit sehr gemischten Gefühlen“ in die Ferien. Doch er hofft, „dass sich die pandemische Lage durch mehr Impfbereitschaft etwas verbessert“. Zum Start ins neue Schuljahr nach den Ferien schreibt Authenrieth in seiner Antwortmail: „Hier eine verifizierbare Aussage zu machen grenzt an Wahrsagerei. Ich hoffe sehr, dass wir nach den Ferien in den regulären Präsenzunterricht zurückkehren können.“ Die Kupferzeller Schule sei aber „auf alle Szenarien vorbereitet“: „Wir haben immer einen Plan B und C in der Tasche. Im Moment gehen wir davon aus, mit Plan A zu starten, und haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir diesen auch durchführen dürfen.“

Gewünscht sind klare Aussagen

Der Schulleiter wünscht sich besonders „vonseiten der Politik klare Aussagen, die eine längerfristige Planung möglich machen. Fahren auf Sicht, mit Entscheidungen, die innerhalb eines Wochenendes vollzogen werden müssen, kann nicht länger durchgeführt werden.“ Das seitherige Verfahren führe bei allen Beteiligten – Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte – lediglich „zu sehr großem Unmut“. Stattdessen fordert er „zeitnah Verlässlichkeit“.

„Schulleitungen und Lehrkräfte sollten sich da heraushalten“

Hinsichtlich der zurzeit laufenden Diskussion über Corona-Impfungen und einem anonymen Schreiben, das die GSCHWÄTZ-Redaktion erreicht hat (https://www.gschwaetz.de/2021/07/20/sie-machen-sich-moeglicherweise-strafbar/), empfiehlt Authenrieth „allen Schulleitungen und Lehrkräften, sich aus dieser Diskussion herauszuhalten. Es liegt nicht in unserer Entscheidung, ob sich die Eltern für eine Impfung ihrer Kinder entscheiden.“ Lehrer:innen seien Pädagogen und keine Mediziner. „Hier müssen die medizinischen Vertreter – RKI, Impfkommission, Ärzteschaft – klarere Aussagen treffen, um die Unsicherheit bei den Eltern zu vermeiden. Eine Positionierung in dieser Sache darf nicht von den Schulen kommen.“

Start mit guten Gefühlen und Zuversicht

Ganz anders als der Kupferzeller Schulleiter startet Angelika Schmidt, Gesamtleiterin der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau, in die Sommerferien. Auf die GSCHWÄTZ-Anfrage nach ihren Gefühlen schreibt sie: „Mit einem sehr guten Gefühl. Die Sommerferien bieten den Kindern die Möglichkeit, sich wieder mit Freunden zu treffen, gemeinsam etwas zu unternehmen und hoffentlich ohne Corona und Leistungsstress Freundschaften und Freizeit zu genießen. Ich bin zuversichtlich, dass die Kinder genügend Bildung erhalten haben und hoffe, dass die Angstmache in Bezug auf Lernrückstände ein wenig in den Hintergrund rückt.“

„Kinder brauchen wieder das Gefühl der Planungssicherheit“

Ein Erziehungs- und Bildungsplan gebe schließlich nicht nur „Ziele in den Unterrichtsfächern vor, sondern geht in seinem Auftrag weit darüber hinaus“. Sie ist der Ansicht, dass Kinder „in erster Linie wieder das Gefühl der Planungssicherheit benötigen in solchen Bereichen, die für Kinder und Jugendliche eminent wichtig sind.“ Als da seien „Treffen mit Freunden, mit Großeltern, gemeinsames Feiern, positive Begegnungen, leistbare Herausforderungen und angemessene und nachvollziehbare Begrenzungen“. Doch vor allem müsse sich die „allgegenwärtige Existenz- und Todesangst in realistische und verlässliche Strategien umwandeln“.

Den Optimismus bewahren

Auch die Freie Schule Anne-Sophie fühlt sich auf das, was nach den Ferien kommt, gut vorbereitet: „Wir haben in den letzten Monaten doch alle gut gelernt, mit Herausforderungen umzugehen. Ob digital, gesundheitlich oder persönlich. Wir sind für alle bereits bekannte Szenarien hervorragend vorbereitet.“ Dennoch hofft die Leiterin auf Präsenzunterricht zu Beginn des Schuljahres. „Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt die Schule schon eine Woche früher“, schreibt sie. „Wir nehmen uns Zeit und Raum, um uns gemeinsam auf den Unterrichtsstart nach den Sommerferien vorzubereiten.“ Doch eine Prognose könne sie nicht abgeben: „Die vergangenen Monate haben uns allen gezeigt, dass Unvorhersehbares alltäglich geworden ist. Dennoch bin ich sehr optimistisch, ich finde, das sollten wir uns bewahren.“

„Die Gesellschaft muss wieder lernen, Verbündete zu sein“

In ihrer Antwort appelliert Angelika Schmidt an die Gesellschaft, „wieder zu lernen, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, einzubinden und nicht auszugrenzen, Verbündete zu sein und nicht Gegner, dann werden wir auch das Kommende gut überstehen“. Hinsichtlich möglicher Kinder-Impfungen gegen Corona ist die dreifache Mutter überzeugt, dass „das jeder Elternteil für sich abwägen und eine eigene wohlüberlegte Entscheidung treffen wird.“ Etwas, was Eltern doch ständig tun müssten. Man sollte ihnen deshalb auch etwas zutrauen – auch dass Sie sich bei vertrauten Ärzten Rat holen. „Eltern zu sein, das ist wahrlich oft eine Herausforderung, aber sehr oft auch eine sehr große Freude.“

Hoffen auf Präsenzunterricht

Mit gemischte Gefühle wegen der steigenden Inzidenzzahlen geht Petra Schüler, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Forchtenberg in die Sommerferien. Sie hofft nach den Ferien auf einen Schulbetrieb wie er zurzeit abläuft: mit Präsenzunterricht und Testungen. „Das klappt gut und verschafft uns ein gutes Gefühl im Miteinander.“

Anwesenheit auch in den Ferien

Auch die Grundschule hat für alle Szenarien einen Plan: „Wir haben ja schon alle Szenarien erlebt, deshalb kann uns nichts so schnell erschüttern.“ Die Rektorin will auch in den Ferien in der Schule anwesend sein, um entsprechende Elternabfragen und Elterninformationen rechtzeitig starten zu können – das sei bei Ganztagsschulen mit einem immensen Aufwand verbunden. Doch „zum Glück erfahren wir große Unterstützung vom Schulträger“. Auch die Einschulungsfeier für die ABC-Schützen, die im September in ihr erstes Schuljahr starten, könne „erst konkret geplant werden, wenn wir die Inzidenzzahlen im September vorliegen haben“.

Text: Sonja Bossert




Inthronisierung für weitere acht Jahre

Am Freitag, den 23. Juli 2021, ist es soweit: der neue, alte Landrat Dr. Matthias Neth startet in seine zweite Amtszeit. Die nächsten acht Jahre wird er erneut die Geschicke des Hohenlohekreises leiten. Die erste Amtszeit des heute 41-Jährigen begann am 23. Juli 2013, übernommen hatte er es von seinem langjährigen Vorgänger Helmut M. Jahn. Dr. Neth war damals mit 33 Jahren der jüngste Landrat in Baden-Württemberg. In die zweite Amtszeit wurde der studierte Verwaltungsjurist am 26. April 2021 mit 40 der 42 abgegebenen Stimmen gewählt. Bei der Wahl war er der einzige Kandidat (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/04/26/wer-als-kreis-leistungsfaehig-sein-will-braucht-eine-leistungsfaehige-verwaltung/).

Stilllegung des Krankenhauses bewegt heute noch

In die ersten acht Jahre von Dr. Neth an der Kreisspitze fielen für die Hohenloher wichtige Ereignisse: Ganz vorne die Abschaffung des Krankenhauses in Künzelsau, was die Menschen im Hohenlohekreis auch heute noch bewegt. Außerdem werden seit 01. Januar 2021 Leichtverpackungen wieder in Gelben Säcken gesammelt und nicht mehr in der Grünen Tonne. Bei seiner Bewerbungsrede für die zweite Amtszeit hatte Neth noch die vergangenen acht Jahre der ersten Revue passieren lassen. Als Höhepunkte nannte er damals: die Neustrukturierung des Gesundheitswesens, neue und größtenteils erfolgreiche Wege bei der Abfallwirtschaft und im Nahverkehr, Erfolge bei der Digitalisierung – insbesondere der Schulen – den Straßenbau und die Präsentation des Kreises bei der Landesgartenschau in Öhringen. Aber auch auf das Jagstunglück, das Starkregenereignis im Jahr 2016 und die Flüchtlingskrise 2015 blickte er zurück.

Videos vom Dach des Landratsamtes

Besonders in Erinnerung bleiben werden auch die Videos, die Landrat Neth während der Corona-Pandemie teils auf dem Dach des Landratsamtes in Künzelsau drehte. Darin appellierte er an die Hohenloher, die Corona-Maßnahmen zu beachten und alle Regeln einzuhalten. Die Corona-Pandemie bestimmt nach wie vor den Alltag der Menschen. Doch immerhin ist es nicht zuletzt durch die Arbeit des Landrats gelungen, dass der Hohenlohekreis – noch im vergangenen Jahr einer der Hotspots in Deutschland – mittlerweile mit niedrigen Inzidenzen aufwarten kann.

Naubau des Kreishauses kündigt sich an

Weitere große Ereignisse kündigen sich bereits für die zweite Nethsche Amtszeit an: Erst am Montag, den 19. Juli 2021, entschied sich der Kreistag für den Bau des neuen Kreishauses in Künzelsau (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/07/19/nach-mehr-als-10-jahren-kreisraete-stimmen-fuer-kreishaus-in-kuenzelsau/). Der Landrat hatte sich dabei für den Neubau eingesetzt: Der Zeitpunkt sei nun ideal für einen Neubau, da die Schulsanierungen beendet seien und der Krankenhausneubau auf dem Weg sei. Ende der 2020er Jahre kämen neue Schulsanierungen auf den Kreis zu. Das bedeutet aber auch ganz persönlich für Neth, der mit seiner Familie in Öhringen wohnt, dass er Künzelsau zumindest arbeitstechnisch erhalten bleibt. Die geplante 60 Millionen Euro teure Baumaßnahme am Eingang von Künzelsau wird das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern.

Text: Sonja Bossert

Screenshot aus dem YouTube-Video des Landratsamtes des Hohenlohekreises. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die bisherige Regionalleitung der BBT-Region Tauberfranken-Hohenlohe und die neuen Geschäftsführung des Hohenloher Krankenhauses und der Hohenloher Seniorenbetreuung zusammen mit Landrat Dr. Mathias Neth: (v.l.n.r.): Thomas Weber (Regionalleiter), Thomas Wigant, (Regionalleiter), Andreas Latz (Geschäftsführer), Matthias Warmuth (Geschäftsführer), Landrat Dr. Matthias Neth, Dr. Albert-Peter Rethmann (Geschäftsführer), Werner Hemmes (Geschäftsführung)
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Landrat Dr. Matthias Neth im SWR-4-Interview am 23. Mai 2019. Quelle: SWR 4

Landrat Dr. Matthias Neth beim Tragen einer Maske. Foto: Ziehl-Abegg




Wie hoch ist mein Pegel?

Über die Qualität der Katastrophenwarnungen in Deutschland wird intensiv diskutiert. Die Apps NINA und KATWARN sind seit einigen Jahren bekannt, diese Apps werden zentral mit Daten versorgt und zeigen zuverlässig die Warnungen, die von den Behörden in die Apps eingepflegt werden, an.

Nachteile der Katastrophen-Warn-Apps

In den Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen scheint das nicht funktioniert zu haben – oder aber die Bürger haben, wie es der NRW-Innenminister Reul unterstellt, den Warnungen nicht geglaubt. Auf jeden Fall haben diese Apps zwei Nachteile:
Die Meldungen umfassen üblicherweise ein großes Gebiet. Wenn es in Künzelsau einen Starkregen gibt, merkt man in Öhringen möglicherweise davon gar nichts.
Außerdem ist die Warnschwelle sehr hoch, eben auf Katastrophenniveau. Es sind aber auch kleinere Ereignisse, die für manche Menschen schon bedrohlich werden können.

Das LUBW empfiehlt eine Hochwasser-Warn-App

 

Meine Pegel -App: Übersicht der Pegelstände in Baden-Württemberg

Eine kleine Abhilfe kann die App „Meine Pegel“ schaffen: Diese App wird von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) automatisch und nicht nur im Katastrophenfall mit den Pegelständen der baden-württembergischen Pegel gefüllt. Der große Vorteil ist, dass man die Warnungen der App auf bestimmte Pegel einschränken und den Warnwasserstand für die gewünschten Pegel konfigurieren kann und nicht auf eine Katastrophenwarnung der Behörden angewiesen ist. Bei Erreichen des konfigurierten Pegelstandes sendet die App eine Nachricht.

Auch „Mein Pegel“ ist nicht optimal

Meine Pgel-App: Detailübersicht inklusive Vorhersage für den Pegel Kocherstetten

Der Nachteil dieser App ist, dass das Pegelnetz des LUBW an Kocher, Jagst, Kupfer und Ohrn sehr dünn ist: Kocherstetten, Dörzbach, Forchtenberg und Ohrnberg sind die einzigen Pegel in der Umgebung. Man muss also wissen, was die Pegelstände an diesen Orten für den eigenen Wohnort bedeuten: Steigt beispielsweise der Pegel Kocherstetten auf 230cm, sind die ersten Kleingärten am Sportplatz Nagelsberg bald nicht mehr trockenen Fußes erreichbar, die Brücke  zum Scheurachshof wird schon früher unpassierbar.
Und natürlich teilt die App die Nachteile der Apps NINA und KATWARN: Man benötigt ein funktionierendes Mobilfunknetz sowie ein Smartphone.

Kostenlos

Die App ist unter dem Namen „Meine Pegel“ in den App-Stores für ANDROID, iOS und WINDOWS10 kostenlos erhältlich.

Text: Matthias Lauterer




PEKA-Areal – jetzt ermittelt die Polizei

Die Vorgänge rund um die Einbringung kontaminierter Baustoffe in das PEKA-Areal (GSCHWÄTZ berichtete) ziehen Kreise – „aufgrund der Berichterstattung und somit Kenntniserlangung über den Sachverhalt hat die Polizei die Ermittlungen eingeleitet“, teilt Gerhard Olma, Pressesprecher der Polizei Heilbronn, die auch für den Hohenlohekreis zuständig ist, mit.

Mögliche Umweltstraftat

Olma betonte in einem Telefongespräch, dass es sich um „Vorermittlungen“ handle, mit der die Polizei von der Staatsanwaltschaft beauftragt wurde. Es werde hinsichtlich einer Umweltstraftat ermittelt. Da die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden, könne er noch keinen konkreten Straftatbestand nennen.

Text: Matthias Lauterer




Arbeiten am KÜNFit schreiten flott voran

Fünf Millionen Euro kostet das neue Sportvereinszentrum des TSV1846 Künzelsau e.V. am Hallstattweg, das im Oktober eröffnen will – rechtzeitig zum 175-jährigen Jubiläum des Vereins. Mit dem KünFIT, so wird es heißen, möchte man zur gesundheitsfördernden Anlaufstelle für alle Mitglieder aus den Sportvereinen aus dem Städtle und zahlreichen Nachbarorten werden. Nach einjähriger Bauzeit steht der Rohbau, der Innenausbau schreitet zügig voran.

Rundgang durch die Baustelle

TSV-Präsident Erwin Bergmann hat GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann vorab durch die heiligen Hallen geführt und erklärt, was den Besucher an Gesundheitssport, Fitness und Gymnastik alles erwarten wird. Mit dabei auf der Besichtigungstour waren vom TSV-Präsidium Bianca Vogel und Robert Beck sowie der KÜNFit-Studioleiter Florian Welk.

Alles wird behindertengerecht

Voller Stolz präsentierte der Vorstand die Pläne. Erwin Bergmann: „Da sieht man die 100 Quadratmeter für den Fußball, dann kommt der Gymnastikraum mit 140 Quadratmeter. Wir haben einen Aufzug drin und es ist alles behindertengerecht eingebaut.“ Jeweils 70 Spinde soll es in den Damen- und Herrenumkleiden geben. Außerdem eine große Sauna mit Ruheraum und Saunagarten, „damit man hier nach dem Training seine Muskeln entspannen kann“.

Ausblick ins Grüne soll motivieren

Im Kursbereich soll „alles angeboten werden, was das Herz begehrt“ – von Pilates und Yoga bis hin zu Bauch-Beine-Po-Kursen. Der Trainingsbereich, „wo die Geräte stehen zum Schwitzen und um die Muskulatur zu kräftigen“ besticht durch einen erstklassigen Ausblick ins Grüne und auf den Sportplatz. Laut Bergmann das Hauptverkaufsargument: „Dass man während dem Sport immer ins Grüne, in den Sportplatz schaut und hofft, dass sich auch am Sportplatz Menschen und Kinder bewegen und selber bewegt man sich auch.“ Man sei „ganz anders motiviert, wenn man hier ins Grüne reinschaut“.

Leben in die Bude

Aktuell sucht der TSV Künzelsau noch verschiedene Kursleiter, wie Florian Welk erklärte: „Wir haben ja zwei große Kursräume mit 135 und 140 Quadratmetern, wo wir natürlich von morgens bis abends im Idealfall Leben reinbringen wollen. Dementsprechend suchen wir quer durch alle Sportarten Kursleiter.“ Zusätzlich sei eine Stelle für ein duales Studium im Bereich Gesundheitsmanagement und Fitnesstrainings in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheit ausgeschrieben worden.

Keine Konkurrenz zu Fitnesscentern

Auch Bianca Vogel zeigte sich zufrieden mit den Baufortschritten. Sie sieht das KÜNFit nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Fitnesscenter in der Umgebung, mit denen der TSV Künzelsau zudem im Austausch sei. „Wir sind ja auch kein kommerzielles Fitnessstudio in der Hinsicht, sondern wir sind ja ein Sportvereinszentrum. Das heißt, wir werden ja von einem Verein – also vom TSV Künzelsau – geleitet. Aber wir haben auch ganz viele Kooperationen mit den umliegenden Sportvereinen, die natürlich auch unter den Kooperationsvertrag mit uns dieses Gebäude nutzen können.“

Monatliche Beiträge

Robert Beck erläuterte die Struktur des Mitgliedsbeitrags, der zukünftig für die Nutzung des KÜNFit fällig werden soll: „Wir haben einen Grundbeitrag pro Monat von 49,50 Euro und dann einen erweiterten Beitrag für zehn Euro für die Sauna und zehn Euro zusätzlich für die Kurse, die der TSV in den Kursräumen anbietet. Somit ergibt sich der Gesamtbetrag als monatlicher Studio-Beitrag.“ Hinzu komme der Jahresbeitrag als TSV-Mitglied beziehungsweise bei den jeweiligen Kooperationsvereinen.

Text: Dr. Felix Kribus

Detaillierter Plan des KÜNFit. Foto: GSCHWÄTZ

Der Rohbau am Sportplatz in seiner vollen Größe. Foto: GSCHWÄTZ

#ErwinBergmann #BiancaVogel #RobertBeck #FlorianWelk #Künzelsau #KÜNFit #TSVKünzelsau




„Beim jetzigen Verfahrensstand können keine Namen der Beteiligten genannt werden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden“

Ein großes Geheimnis macht die Stadt Künzelsau um das kontaminierte Material am PEKA-Areal. Schon in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 13. Juli 2021, wollte Bürgermeister Stefan Neumann keine Details nennen.

Konkrete Fragen

Auf eine konkrete GSCHWÄTZ-Anfrage nach den gefundenen Schadstoffen, deren Herkunft und nach der Menge des kontaminierten Erdreichs

    • Welcher Art ist die festgestellte Kontamination? Welche Schadstoffe wurden festgestellt?
    • Welche Materialien enthalten diese Schadstoffe (beispielsweise Betonreste, Verkleidungen, Mineraldämmungen etc)?
    • Wieviel Schutt (m³ oder Tonnen) wurden als kontaminiert festgestellt?
    • Von welchen Mehrkosten für die Entsorgung geht man derzeit aus?

Keine konkrete Antwort

antwortete die Stadt Künzelsau mit unkonkreten Antworten auf völlig andere Fragen und noch weniger Details, als sie Neumann schon genannt hatte:

Das beim Baustart ausgehobene Material wurde nach einem mit dem Landratsamt Hohenlohekreis abgestimmten Aushub- und Entsorgungskonzept behandelt. Die Aushubarbeiten wurden von einem Fachbüro überwacht und das Material nach einem Rasterschema beprobt. Ein zweites, ebenfalls von der Stadtverwaltung beauftragtes Fachingenieurbüro hat die Aushubbegleitung, das Material und die Entsorgung in der Zwischenzeit nochmals begutachtet und dort ein einwandfreies Vorgehen bestätigt.

Jetzt steht die Stadtverwaltung Künzelsau mit den damals Beteiligten in Kontakt, um zu klären, wie das belastete Material in die Baugrube gekommen ist. Beim jetzigen Verfahrensstand können keine Namen der Beteiligten genannt werden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden. Sobald die Untersuchung des Sachverhalts abgeschlossen ist, wird die Stadt die Öffentlichkeit weiter unterrichten.

Das ist noch weniger als die Mitteilung, die Bürgermeister Stefan Neumann bei der Gemeinderatssitzung vom 13. Juli 2021 verlesen hat.

Übliche Schadstoffe

Nach GSCHWÄTZ-Informationen eines Insiders handelt es sich bei den gefundenen Schadstoffen unter anderem um Chrom(VI)verbindungen (Chromate) aus dem Beton und  Klebstoffe, mit denen zum Beispiel Fußböden geklebt wurden. Beide genannten Stoffe sind bei einem Betongebäude aus den 60er Jahren zu erwarten, denn damals waren diese Stoffe gang und gebe, sie entsprachen der damals üblichen Praxis. Bei der Verfüllung von Betonresten ohne Vorbehandlung, wie sie zum Beispiel ein spezialisierter Entsorgungsfachbetrieb vornehmen kann, ist es nicht möglich, die schädlichen Chromverbindungen aus dem Beton zu entfernen. Oftmals finden sich auch Holzschutzmittel (beispielsweise Lindan) in Wand- oder Deckenverkleidungen oder Mineralfasern (Asbest) aus Dämmstoffen. Mit genau diesen Stoffen ist beim Abriss eines Betongebäudes aus den 60ern regelmäßig zu rechnen, bestätigt ein Baufachmann, den GSCHWÄTZ hierzu befragt hat.

Maurerkrätze

Chrom(VI)-Verbindungen, auch unter dem Namen Chromate bekannt, führen unter anderem bei Hautkontakt zu Zementekzemen, im Volksmund als „Maurerkrätze“ bezeichnet, einer häufigen Berufskrankheit im Baugewerbe. Heutzutage werden die Chrom(VI)-Verbindungen, die bei der Zementherstellung entstehen, größtenteils bereits vorab zu weniger schädlichen Chrom(III)-Verbindungen umgewandelt.

Krebserregende Stoffe

In den Klebern können sich PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) befinden, die sich im Grundwasser lösen können. Diese Stoffe sind krebserregend. Auch Reste von PCB (Polychlorierte Biphenyle) können sich noch in den Klebern befinden. Diese reichern sich in der Nahrungskette an und werden bei Säugetieren und beim Menschen beispielsweise für Fruchtbarkeitsstörungen verantwortlich gemacht. Außerdem steht PCB ebenfalls im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Gefährlichkeit von PCB wurde bereits früh erkannt. Die Produktion in Deutschland wurde 1983 eingestellt, weltweit wurde die Verwendung 2001 komplett untersagt.

Zwischen den Zeilen lesen

In der Erklärung Neumanns aus der Gemeinderatssitzung war noch die Rede davon, dass es eine Vereinbarung mit den Alteigentümern des Geländes gebe, die besagt, dass die Grube mit Abbruchmaterial verfüllt werden darf, dieses aber nicht kontaminiert sein darf. Zu diesem Thema sagt die Antwort der Stadtverwaltung nichts. Wenn man dem Baufachmann Glauben schenkt, muss man davon ausgehen, dass beispielsweise Beton aus dieser Zeit so gut wie immer mit Chromat belastet ist, warum sollte das PEKA-Kaufhaus eine Ausnahme darstellen? Warum die Stadt bei der Verfüllung das kontaminierte Material nicht verprobt und analysiert hat, ist eine weitere offene Frage. Stattdessen will man jetzt mit den Alteigentümern „klären, wie das belastete Material in die Baugrube gekommen ist“.

„So geht’s auf dem Bau“

Der Baufachmann, der wie die Alteigentümer anonym bleiben möchte, plauderte gegenüber GSCHWÄTZ dennoch ein wenig aus dem Nähkästchen. Er habe in seinem Berufsleben schon vieles erlebt, bis hin zu“kriminellen Unternehmern, die sich um die vertraglich vereinbarte Entsorgung des Aushubs drücken wollten“. Sie hätten, so berichtet er, dafür gesorgt, dass auf der Deponie kontaminiertes Material entdeckt werde – für dessen Entsorgung dann üblicherweise der Eigentümer oder Verkäufer haftet – im Fall Peka wäre das die Stadt. „So geht’s auf dem Bau“, sagt er lakonisch – und das meint er ganz und gar nicht scherzhaft. Er will klarmachen, dass es seiner Erfahrung nach unumgänglich ist, bei derartigen Vorhaben eine neutrale Überwachung der getroffenen Vereinbarungen zu installieren.

Offene Fragen

Wie die Stadt Künzelsau mitteilt, wurde beim Neubau ein Aushub- und Entsorgungskonzept befolgt. Das mit dem Landratsamt abgestimmte Konzept ist offenbar wirksam, denn man hat die Kontaminationen entdeckt. Ein ähnliches Konzept bei der Verfüllung der PEKA-Grube wäre sicherlich ebenfalls in dem Sinne erfolgreich gewesen, dass man auf die Verschmutzung bereits damals, 2015, aufmerksam geworden wäre. Warum das Material damals nicht verprobt wurde, ist eine wichtige offene Frage.

Mögliche juristische Konsequenzen

Genau diese Frage könnte nämlich juristisch relevant werden. Zwar haften kommunale Mandatsträger und Beamte gemäß Artikel 34 des Grundgesetzes zivilrechtlich generell nicht persönlich für Schäden, für diese Schäden kommt die öffentliche Hand auf. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen von dieser Regel: Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit bleibt der Rückgriff vorbehalten. Sollte der Stadt Künzelsau also ein Schaden entstehen (Entsorgungskosten), dann wird geprüft werden müssen, ob jemand persönlich haftbar gemacht werden kann.

Möglicherweise kann der Verzicht auf eine Prüfung beim Verfüllen des Baumaterials 2015 aus den 60ern eine Fahrlässigkeit sein. Ob es auch eine „grobe“ Fahrlässigkeit sein kann, darüber können Juristen gut und lange streiten.

Auch der Bürgermeister könnte Schwierigkeiten bekommen

Fälle, in denen auf das Privatvermögen durchgegriffen wird, kommen vor. Das baden-württembergische Innenministerium antwortete am 14. September 2018 auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Dr.Erik Schweickert:

„Fälle, in denen kommunale Mandatsträger für Entscheidungen im Rahmen des Mandats erfolgreich haftbar gemacht wurden werden, sind selten. Eine Abfrage bei den Rechtsaufsichtsbehörden (Regierungspräsidien und Landratsämter) und beim Städte- und Gemeindetag hat ergeben, dass in den letzten fünf Jahren ein Bürgermeister in Anspruch genommen worden ist, dessen Gemeinde aufgrund Forderungsverjährungen ein finanzieller Schaden entstanden war. Zwei Bürgermeister wurden wegen Vermögens- bzw. Urkundendelikten strafrechtlich verurteilt, wobei in einem Fall die Schadensersatzforderungen der Gemeinde beglichen wurden. Gegen einen weiteren Bürgermeister wurde eine Disziplinarmaßnahme ausgesprochen.“

Text: Matthias Lauterer