Öhringens Klinikneubau öffnet seine Pforten im Januar – und Künzelsauer erinnern sich dabei an ihren großen Verlust
Eigentlich sollte der Klinikneubau früher an den Start gehen, aber ganz so spät dran wie die Fertigstellung des Stuttgarter Bahnhofs ist er dann auch nicht. Im Januar 2026 öffnet der Neubau seine Pforten für Besucher, bevor es dann im Frühjahr losgehen soll mit den ersten Patient:innen.
Der 100-Millionen-Deal
Während die Öhringer sich freuen über ihr neues Krankenhaus, bleibt bei den Künzelsauern ein schaler Nachgeschmack, erinnern sie sich doch an ihr Krankenhaus, das vor sieben Jahren geschlossen wurde – als der Hohenloher Kreistag beschloss, das Angebot des Landes Baden-Württemberg anzunehmen: 50 Prozent finanzielle Beteiligung am Öhringer Klinikneubau (knapp 52 Millionen Euro) – im Gegenzug Schließung des Krankenhauses.
Hunderte Künzelsauer:innen demonstrierten monatelang für ihr Krankenhaus
Fast ein Jahr lang demonstrierten zuvor jede Woche hunderte Künzelsauer für den Erhalt ihres Krankenhauses. Eine Bürgerinitiative formierte sich, die auch auf die Folgen einer solchen Schließung hinwies, unter anderem längere Anfahrtswege in das nächste Krankenhaus. das bindet auch Rettungswägen, welche sowieso bereits eine extrem dünne Personaldecke aufweisen. Der Standort Künzelsau ist damit längst nicht mehr so attraktiv für Ärzte.
Eine Kreisstadt ohne Krankenhaus – Geht gar nicht, finden nach wie vor viele Einwohner:innen
Viele zogen mit ihren Praxen 2011 in das damals neu gebaute Künzelsauer Ärztehaus, um direkt angebunden zu sein an das daneben stehende Krankenhaus. Das ist nun nicht mehr existent. Das Ärztehaus schon. Diverse Ärzte würden gerne in Rente gehen, doch Nachfolger finden sich nur schwerlich für ihre Praxen. Eine Kreisstadt ohne Krankenhaus? Geht gar nicht, finden nach wie vor viele Einwohner:innen.
Wartezeiten von bis zu 7 Stunden in den Notfallambulanzen der umliegenden Krankenhäuser
Das Versorgungsproblem zieht sich derweil auch bis zu den umliegenden Krankenhäusern, wo sich die Künzelsauer Patient:innen nun ebenfalls einfinden. War der Anstieg der akutstationären Patientenversorgung bereits beim Beschluss der Krankenhaus-Schließung auffallend hoch, ist er durch den Wegfall eines Krankenhaus für die anderen verbliebenen Häuser dementsprechend noch höher. Wartezeiten in Notfallambulanzen zwischen 3 und 7 Stunden sind daher heutzutage keine Seltenheit.
Indes schreiben auch die umliegenden Krankenhäuser Rote Zahlen. Die Schließung eines kleinen Künzelsauer Krankenhauses hat damit auch nicht für eine entsprechende finanzielle Entlastung gesorgt, wie damals so manch ein Hohenloher Kreisrat vollmundig getönt hat.
Insgesamt wurden in den vergangenen 30 Jahren rund 100 Krankenhäuser in Baden-Württemberg mit dem Argument des Kostendrucks geschlossen. Angesichts der Milliarden, die nun für die Rüstungsindustrie derzeit locker gemacht werden können, wirkt das fast wie blanker Hohn für das deutsche Gesundheitssystem, das mittlerweile mehr krank, als gesund ist.
Eröffnung Klinik Öhringen – ein Krankenhaus musste sterben, damit ein anderes leben kann






