Der Baufortschritt am PEKA-Gelände ist unübersehbar, die Bodenplatte des Parkhauses ist inzwischen eingebracht. Aber es kommen auch immer mehr Erkenntnisse über die Vorgänge, die zur Verfüllung von kontaminiertem Material geführt haben, ans Tageslicht. GSCHWÄTZ hat mit Michael G. (Name von der Redaktion geändert), dem Geschäftsführer des Unternehmens gesprochen, das 2015 die Abbrucharbeiten durchgeführt hat und auch Abbruchschutt auf dem Gelände eingebracht hat. Er hat für dieses Gespräch sogar seinen Urlaub unterbrochen.
Nach detailliertem Leistungsverzeichnis gearbeitet
Er betont, dass sein Unternehmen genau nach einem vorgegebenen Leistungsverzeichnis (LV) gearbeitet habe. Das LV sei so detailliert gewesen, dass beispielsweise vorgegeben worden sei, einzelne Wände in einer bestimmten Art und Weise zu behandeln. Die ins Erdreich vor Ort verbrachten Materialien seien verprobt worden, die Bauleitung habe die ordnungsgemäße Lagerung auch bestätigt. Die Bauleitung hatte ein lokales Unternehmen inne, das auch heute noch existiert. Am Ende wurde die Leistung seines Unternehmens vom Auftraggeber abgenommen – insofern sieht er keinerlei Verantwortung seines Unternehmens.
Diskrepanzen zwischen Rechnungsbetrag und Tonnage
Verwundert zeigt er sich über den hohen Betrag von 1,8 Millionen Euro, der für die Entsorgung des Materials im Raum steht. Am Urlaubsort, also ohne Zugriff auf die genauen Projektdaten, erinnert er sich an eine Zahl von rund 3.500 Tonnen Material, die eingebracht wurden. Er nennt einen Preis von rund 90 Euro/Tonne für die Entsorgung von „gefährlichem Material“ der Deponieklasse 3. Damit ergäbe sich, dass nicht 3.500 Tonnen, sondern mindestens 20.000 Tonnen, also gut das 6-fache, ausgehoben und deponiert worden wären.
„Alles ein wenig verwunderlich“
Das sei ihm „alles ein wenig verwunderlich“ – möglicherweise sei tiefer gegraben und eine größere Fläche ausgehoben worden? Das ist plausibel, denn die Tiefgarage geht tiefer in den Untergrund als der vorherige eingeschossige Keller. Trotzdem ergibt sich eine Diskrepanz wischen den Aussagen G’s und der genannten Summe. Denn nach Aussage von Michael G. wurde kein Material der Deponieklassen 1 oder 3 ins Erdreich verbracht, sondern ausschließlich Materialien der „Einbauklassen 1.1. und 1.2“. Das ist Bauschutt, der – grob gesprochen – nicht grundwasserschädlich ist und der daher ohne größere Abdichtungsmaßnahmen zur Aufschüttung verwendet werden kann. Materialien, die mit chlorierten Kohlenwasserstoffen oder PCB belastet sind, fallen beispielsweise nicht in diese Gruppen.
Noch ältere Altlast? Eher unwahrscheinlich
Wenn G. nur 3.500 Tonnen eingebracht hat, wieso steht dann die Summer für eine viel höhere Entsorgungstonnage im Raum? Das weiß G. nicht – er kann sich aber vorstellen, dass vor dem PEKA-Kaufhaus möglicherweise eine Reinigung auf dem Gelände gewesen sein könnte. Alteingesessene Künzelsauer können sich allerdings nicht an eine große Reinigung oder einen Industriebetrieb an dieser Stelle erinnern. Alte Postkarten und Luftbilder zeigen Bebauung mit kleinen Häusern. Auch ein Lebensmittelvertrieb war auf der Fläche angesiedelt.
„Wir hätten uns gefreut, wenns belastet gewesen wäre.“
Zum Abschluss des Gesprächs weist G. noch darauf hin, dass er gar kein Interesse an der unsachgemäßen Lagerung kontaminierter Abfälle habe: Sein Unternehmen sei schließlich auch ein Entsorgungsunternehmen – und er hätte mit der Entsorgung kontaminierten Materials Geld verdienen können – sicherlich mehr Geld als mit der Ablagerung. Fast hört man ihn schmunzeln, wenn er im Dialekt sagt: „Wir hätten uns gefreut, wenns belastet gewesen wäre. Wir hätten das alles separat bezahlt bekommen“. Eine Sauerei einbauen, so drückt er es aus, läge nahe, wenn ein Pauschalpreis vereinbart gewesen wäre, aber „das macht keinen Sinn, wir hätten das alles separat bezahlt bekommen“.
Text: Matthias Lauterer
Der Name des Unternehmens, des Geschäftsführers sowie der lokalen Bauleitung sind der Redaktion bekannt.

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ

PEKA-Gelände: Einbringung der Bodenplatte – 02.08.2021 Foto: GSCHWÄTZ