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„Der Brief ist echt“

Im Internet kursiert ein Brief, den der Inhaber eines EDEKA-Marktes in Ostsachsen an seine Mitarbeiter geschrieben haben soll (siehe Bild – die Identität des Inhabers ist verpixelt). Der Inhaber will angeblich ab dem 1. November 2021 die Lohnfortzahlung für Ungeimpfte im Quarantänefall freiwillig übernehmen. Die bisher von staatlichen Stellen gewährte Lohnfortzahlung wird dann nicht mehr bezahlt.

Gesetzliche Regelung „falsch und moralisch fragwürdig“

Der Inhaber hält laut dem im Netz verbreiteten Brief diese gesetzliche Regelung für „falsch und moralisch fragwürdig“ und schreibt „Niemand soll aus wirtschaftlicher Not oder aus Angst um seine persönliche Freiheit einen Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit hinnehmen müssen.“ Daher will er „für diese Zeit freiwillig Lohnfortzahlung gewähren“.

Das Internet reagiert

In den sozialen Netzwerken erregt der Brief Aufsehen – die einen nennen den Kaufmann „Mut-Unternehmer“, andere stellen ihn in die Ecke der Querdenker oder der Impfverweigerer. Ob der Unternehmer diesen Bewegungen tatsächlich nahesteht, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wird der Brief in den einschlägigen Gruppen, beispielsweise auf Telegram, dieser Bewegungen gefeiert.

EDEKA-Markt ist nicht gerade auskunftsfreudig

GSCHWÄTZ hat über den Brief recherchiert und versucht, zuerst die Echtheit des Briefes zu verifizieren. Die Mitarbeiter des EDEKA-Marktes sind sehr verschlossen: „Wir äußern uns gar nicht dazu“ oder „Ich darf keine Auskunft geben“ ist alles, was man von ihnen erfährt.

„Der Brief ist echt“

Die Pressestelle der EDEKA-Zentralorganisation in Hamburg kennt den Brief noch gar nicht und verweist auf die zuständige EDEKA Handelsgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Dort ist man über das Schreiben informiert: „Der Brief ist echt“, sagt Stefanie Schmitt von der dortigen Pressestelle. Sie verweist aber auf die genossenschaftliche Organisation von EDEKA: „Unsere Kaufleute sind selbständig und agieren in ihrer Arbeitnehmerrolle autark“, erklärt sie. Sie weiß bisher von keinem weiteren EDEKA-Kaufmann, der ähnlich handelt, „das ist ein Einzelfall“.

Für Hohenlohe ist die EDEKA Handelsgesellschaft Südwest zuständig

Die beiden hiesigen Märkte in Niedernhall und Künzelsau wissen ebenfalls noch nichts von der Aktion ihres Kollegen. Seval Titus vom Markt in Niedernhall äußert sich: „Glücklicherweise haben wir so einen Fall noch nicht gehabt.“ Sie gibt zu bedenken: „Das geht auch irgendwann an die Substanz“.

Auf die Frage, wie die EDEKA Südwest mit dem Thema der Lohnfortzahlung umgeht, antwortet Florian Heitzmann, Pressesprecher, etwas ausweichend: „Grundsätzlich können wir Ihnen aber mitteilen, dass gesetzliche Vorgaben selbstverständlich eingehalten werden.“

Einkaufen in Niedernhall gemäß den damaligen Coronavorschriften. Damals hieß der Inhaber noch Makowe. Heute ist es Titus. Foto: privat/März 2020

 

Text: Matthias Lauterer

 

 




Auto abgedrängt und abgehauen

Ein Pkw wurde am Montag, den 27. September 2021, auf der Landesstraße 1022 nach rechts von der Straße abgedrängt. Die 40-jährige VW-Fahrerin war kurz nach 5 Uhr mit ihrem Polo von Hermuthausen in Richtung Jagstberg unterwegs. Vor der Einmündung zum Segel-Flugplatz kam ihr ein anderer Pkw entgegen, der zur Hälfte auf ihrer Fahrspur unterwegs war. Um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden, musste sie nach rechts ausweichen und kollidierte dabei mit einem Leitpfosten.

Die VW-Fahrerin blieb unverletzt. Der andere Fahrzeuglenker flüchtete, um den verursachten Schaden in Höhe von mehr als 1.500 Euro kümmerte er sich offensichtlich nicht. Zeugenhinweise nimmt das Polizeirevier Künzelsau unter Telefon 07940/94 00 entgegen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Brückenmauer stoppt Autofahrer

Die Steinmauer einer Brücke stoppte am Sonntag, den 26. September 2021, die Fahrt eines 76-Jährigen auf der Landesstraße 1045. Der Senior war mit seinem Mercedes gegen 23.30 Uhr von Morsbach Richtung Kocherstetten unterwegs. In einer Linkskurve kam er nach rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen die Steinmauer der Kocherbrücke.

Der Mann blieb unverletzt, es entstand jedoch Sachschaden in Höhe von circa 20.000 Euro. Die Brücke blieb befahrbar.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Innovationsregion Hohenlohe in Zukunft von einer Frau angeführt

Nach über 20 Jahren wechselt laut Pressemitteilung der Vorstandsvorsitz der Innovationsregion Hohenlohe. Thomas Philippiak übergibt das Amt an Dr. Stefanie Leenen. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden in ihrem Amt für zwei Jahre bestätigt.

Attraktivität der Arbeitsplätze

Thomas Philippiak, lange Jahre Präsident der IHK Heilbronn-Franken, betonte bei seinem Abschied, dass alle Unternehmen in Hohenlohe und darüber hinaus die Frage bewegt, ob für ihre Entwicklung auch zukünftig qualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden können. Erfolgreiche Antworten auf diese Herausforderungen habe man bisher immer finden können. Als Beispiel nannte er den Einsatz für den Verbleib der technischen Studienrichtungen in der Zweigstelle der Hochschule Heilbronn in Künzelsau. Er ermahnte aber auch die Unternehmen, die Attraktivität ihrer Arbeitsplätze immer im Auge zu behalten und sich neuen Wegen der Weiterbildung zu öffnen.

Einsatz für Erfolg und Wohlstand

Als Nachfolge für Thomas Philippiak hatte sich Dr. Stefanie Leenen zur Wahl gestellt. Sie wurde einstimmig von den Mitgliedern gewählt. Ebenso einstimmig wurden die bisherigen Vorstände in ihrem Amt für zwei Jahre bestätigt. Dies sind Harald Unkelbach (Stv. Vorsitzender), Bernd Kaufmann (Schatzmeister), Norbert Schuster (Vorstand Strategie), Prof. Elmar Zeitler (Vorstand Innovation) und Guido Rebstock (Geschäftsführer). Die neue Vorsitzende hat in ihrer unternehmerischen Tätigkeit immer besonderen Wert auf die Themen Bildung und Digitalisierung gelegt. „Exzellente Bildung und dynamische Digitalisierungsprozesse sind Voraussetzungen für den Erfolg unserer Mitgliedsunternehmen und damit die Basis für den Wohlstand in unserer Region. Dafür will ich mich im Rahmen unserer Möglichkeiten zusammen mit dem gesamten Vorstand einsetzen.“

Führendes Industrienetzwerk

Die Innovationsregion ist das führende Industrienetzwerk im Hohenlohekreis. Schwerpunkt dieses Netzwerkes ist die Initiierung und Unterstützung von zahlreichen Projekten im Bereich der technischen Bildung für Kinder und Jugendliche, der Bildungsinitiative MINTecHohenlohe. Die Innovationsregion hat seit ihrer Gründung im Jahre 2000 über 1,5 Millionen Euro für diese Projekte aufgewendet.

Quelle: Innovationsregion Hohenlohe e.V.

#InnovationsregionHohenlohe #Hohenlohe #MintecHohenlohe




Reisigverbrennung außer Kontrolle geraten – Feuerwehr im Einsatz

Die Feuerwehr wurde am Samstag, den 25. September 2021, zu einem Einsatz in der Nähe von Krautheim gerufen. Kurz nach 15 Uhr meldete eine Verkehrsteilnehmerin, dass eine Hecke neben der Kreisstraße 2312 zwischen Klepsau und Laibach brennen würde. Die Feuerwehr Krautheim rückte aus.

Vor Ort wurde im Gewann Laibachsweinberge festgestellt, dass eine an sich genehmigte und angemeldete Reisigverbrennung drohte, außer Kontrolle zu geraten. Trockenes Gras war neben der Feuerstelle bereits in Flammen aufgegangen. Um ein mögliches Übergreifen auf den angrenzenden Wald zu verhindern, löschte die Feuerwehr den Brand.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




„Ich hab’s voll vergessen“

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis die Stadtverwaltung Künzelsau ihr Versprechen wahrmachen konnte und die Siegerbilder des Malwettbewerbs „Familien und Kinder stark für den Naherholungsraum“ zum Thema Müll an prominenten Stellen im Künzelsauer Wald aufstellte. Die gerade laufende Europäische Nachhaltigkeitswoche sei nun aber ein guter Anlass, die Bilder aufzustellen, sagte Bürgermeister Stefan Neumann, der sich bei allen Beteiligten bedankte. Einen ganz besonderen Dank sprach er an die beiden Paten der Aktion, Maria Würth und Jan Philippiak, aus, die auch als Jury fungiert hatten.

Kinder konnten sich schon gar nicht mehr erinnern

Kein Wunder, dass sich Lesander (5), der mit seiner Kindergartengruppe vom Taläcker Kindergarten 1 eines der Siegerbilder gestaltet hatte, gar nicht mehr erinnern kann: „Ich hab’s voll vergessen“. Erst als seine Eltern ihm das Thema nochmals beschreiben, kommt die Erinnerung zurück, aber das sei ja auch „echt schwierig zu merken“, schüttelt er trotzdem den Kopf.

Kleine Zeremonie am Waldkindergarten

Am Freitag, den 24. September war es nun soweit und Bürgermeister Stefan Neumann konnte anlässlich einer kleinen Feier am Waldkindergarten „Die kleinen Molche“ mit den beiden Paten Maria Würth und Jan Philippiak endlich die fünf Bilder feierlich enthüllen. Am Waldkindergarten war auch das erste Bild bereits aufgestellt und wartete auf die Enthüllung. Leo, der das Bild gemalt hat, wirkte ein wenig schüchtern, als er plötzlich ganz allein unter fremden Erwachsenen in den Mittelpunkt der Veranstaltung rückte.

Zeichen gegen den Müll an fünf Waldeingängen

Die weiteren vier  Bilder werden in den nächsten Tagen an markanten Waldeingängen aufgestellt, um die Bürger an die Wichtigkeit des Waldes zu erinnern und sie dazu anzuhalten, keinen Müll im Wald abzuladen.

Müllvermeidung als Erziehungsziel

Müllvermeidung soll auch in das Konzept der städtischen Kindergärten aufgenommen werden. Der zerlumpte „Müllvogel“, den Charlotte Carle entworfen und hergestellt hat, wird den Kindern dieses Thema nahebringen.

Waldkindergarten wird bald eine zweite Gruppe bekommen

Neben den Kindern und ihren Eltern waren auch einige Gemeinderäte gekommen – auch um sich über den Waldkindergarten zu informieren. Der neu aufgestellte Bauwagen, der zukünftig die Basisstation für eine weitere Gruppe werden soll, war dabei von besonderem Interesse.

Text: Matthias Lauterer

 

#Künzelsau #EuropäischeNachhaltigkeitswoche #NimmdeinenMüllmitnachHause

Bürgermeister Stefan Neumann (links), der Künstler Leo und Jan Philippiak enthüllen das erste Siegerbild feierlich. Foto: GSCHWÄTZ

Die Jury des Wettbewerbs: Maria Würth und Jan Philippiak. Foto: GSCHWÄTZ

Mahnendes Schild am Waldkindergarten. Foto: GSCHWÄTZ

Vorbereitet: die übrigen Siegerbilder. Foto: GSCHWÄTZ

Der Bauwagen wird bald eine weitere Gruppe des Waldkindergartens beherbergen. Foto: GSCHWÄTZ




Radfahrer schwer verletzt, Reh kam mit dem Schrecken davon

Ein Radfahrer stieß am Samstag, den 25. September 2021, bei Schöntal mit einem Reh zusammen und wurde schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, überraschte das Reh den 42-jährigen Radfahrer gegen 14 Uhr auf seinem Weg vom Aussiedlerhof Im Steinig Richtung Aschhausen. Das Tier querte die Fahrbahn und kollidierte mit dem Pedelec-Fahrer.

Der 42-Jährige stürzte und zog sich schwere Verletzungen zu. Er musste mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Das Reh kam wohl mit dem Schrecken davon.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




„Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt“

50 bis 60 Teilnehmer seien es, meinte ein Polizeibeamter, der am Freitag, den 24. September 2021, am Unteren Markt in Künzelsau die Startkundgebung der Demonstration von Hohenlohe for Future beobachtete. Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, sah man deutlich, dass er sich verschätzt hatte. Es werden wohl mehr als 150 Teilnehmer gewesen sein, die etwa eine dreiviertel Stunde lang durch die Innenstadt zogen, den Verkehr wie gewünscht zum Anhalten brachten und lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machten. Bunt gemischt war der aktive Teilnehmerkreis – vom Teenager bis zum Großvater, vom Mann im Anzug bis zur Frau in Hippiekleidung. Allen liegt das Thema „Klima“ für sich selbst und die nachfolgenden Generationen am Herzen. Eine Trommel und ein Megafon sorgten für die entsprechende Lautstärke.

„Da brauchts mehr als eine Demo“

Silas, 13 Jahre alt und Schüler, trug ein Schild, auf dem die Temperaturentwicklung im vergangenen Jahrhundert abgebildet ist. Er sagte: „Das geht uns alle etwas an, wir müssen jetzt die Folgen sichtbar machen.“ Ob die Teilnahme an einer Demo hilft? „Da braucht’s mehr als eine Demo, die Demo ist nur ein Stück“, zeigte er sich realistisch.

„Geld regiert die Welt“ – die Macht der Konzerne

Auf die Macht der Konzerne wies Tina, 53, mit einem Plakat hin, das George Grosz nachempfunden ist und den Großkonzern als dicken weißen Mann mit Zigarre symbolisiert. Die Macht des Geldes beziehungsweise der Konzerne wurde auch während des Demonstrationszuges zum Thema gemacht – insbesondere Öl- und Autokonzerne wurden zur verbalen Zielscheibe der Demonstrant:innen.  „Das Klima ist das Wichtigste, für das es sich zu kämpfen lohnt“, meinte Tina. Mit der Demonstration will sie vor allem mithelfen, andere Menschen, „auch aus der Politik“, ans Klima zu erinnern.

„nur Blabla, man redet nur“

Rainer gehört mit seinen 79 Jahren der „Großelterngeneration“ an. Er hat, wie er sagte, „diverse Enkelkinder“ und findet es „zu wenig, was die Regierung macht.“ Er höre „nur blabla. Man redet nur.“ Sein Beweggrund, an der Demonstration teilzunehmen, war: „Wenn einer läuft, ist das zu wenig, wenn viele laufen, sieht’s anders aus.“

Klimaneutralität

Dr.-Ingenieur Harald Drück, Mitglied des Künzelsauer Klimabeirats, erläuterte in einer Rede das Thema „Klimaneutralität“. Er definierte Klimaneutralität als „nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“. Derzeit, so sagte er, erzeugen wir etwa das Vierfache an CO₂, als die Erde verarbeiten kann. Er wunderte sich, dass das Thema Klimaneutralität schon in vielen Gesetzen vorkommt, aber nirgends steht, was jeweils unter Klimaneutralität verstanden wird – ein klarer Vorwurf an den Gesetzgeber.

„Gar nicht erst CO₂ verursachen“

Seine Folgerung ist: „Gar nicht erst CO₂ verursachen“. Die Mittel und Wege dazu klingen einfach:

  • Die Energieeffizienz steigern, also wenig Energie verbrauchen
  • Weniger, das heißt für ihn vor allem: intelligenter konsumieren
  • Erneuerbare Energien einsetzen

„Das ist nur gemeinsam zu schaffen“, war sein Schlusscredo.

„Daran möchte ich gar nicht denken“

Nicola Hellgardt leitete die Veranstaltung und ist mit ihren beiden Kindern gekommen. Sie wirkte ein wenig gestresst: „Eine Demonstration organisieren und auf zwei kleine Kinder aufpassen, das ist nicht einfach.“  In ihrer abschließenden Ansprache ist sie mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden: „Man hat uns gehört und gesehen.“  Auch die Bilanz der Arbeit von Hohenlohe for Future sieht sie positiv: „Der Klimabeirat von Künzelsau wurde auch auf unsere Veranlassung gegründet – das ist ein ganz konkreter Schritt, den wir schon erreicht haben.“ Das Engagement im Klimabeirat steht in Zukunft auf der Agenda von Hohenlohe for Future, genauso wie die Organisation weiterer Demonstrationen.

Was aber passiert, wenn das Engagement keinen Erfolg hat, schließlich haben ja ältere Generationen ebenfalls schon für die Umwelt gekämpft? „Das kann trotzdem passieren, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt.“

Text: Matthias Lauterer

#fff #Klimaneutralität #hohenloheforfuture #parentsforfuture #KlimabeiratKünzelsau

Lautstark machten die Demonstranten auf ihr Anliegen aufmerksam. Foto: GSCHWÄTZ

Geld regiert die Welt – Großkonzerne symbolisiert durch einen dicken, weißen Mann mit Zigarre. Foto: GSCHWÄTZ

Rund 150 Teilnehmer hatte die Demo, die durchaus auch den Verkehr zum Stehen brachten. Foto: GSCHWÄTZ

„Nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“ – ist eines der Anliegen. Foto: GSCHWÄTZ

Für Bremser gab’s die Rote Klimakarte. Foto: GSCHWÄTZ

Der 13-jährige Silas hatte auf sein Schild die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre aufgezeichnet. Foto: GSCHWÄTZ

 




Und immer wieder…

Die Bundestagswahl 2021 ist zu Ende und es ist eingetroffen, was so oft in Deutschland eintrifft: Die so genannten Altparteien bekamen trotz zahlreicher Skandale in den vergangenen zwei Jahren, trotz einem immens großen Coronafrust in weiten Teilen der Bevölkerung die meisten Stimmen. Derzeit lautet der Stand (27. September 2021, 08 Uhr) wie folgt:

Bundestagswahl 2021.

Damit könnte die SPD oder die CDU eine Koalition mit der FDP und den Grünen eingehen. Die Wahlbeteiligung lag laut RND bei 76,6 Prozent. Dieses Mal gab es – vermutlich auch coronabedingt – besonders viele Briefwähler:innen.

In Baden-Württemberg hat in nahezu jedem Wahlkreis die CDU gewonnen.

Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg. Die CDU als großer Sieger im Musterländle. Quelle: Screenshot ZDF

Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg. Quelle: Screenshot ZDF

Während in Großstädten wie Stuttgart und Berlin die Grünen mit Abstand am meisten Stimmen bekamen, wurden auf dem Land mehr die Altparteien wie CDU und SPD gewählt.

Im Hohenlohekreis bekam die CDU mit ihrem Kandidaten Christian von Stetten über 32 Prozent der Wählerstimmen – dementsprechend rund 7 Prozentpunkte mehr als die CDU im Bundesdurchschnitt erreichte. Die Grünen wurden mit einem ähnlichen Ergebnis im Hohenlohekreis gewählt wie in Gesamtdeutschland. Die SPD bekam rund 5 Prozenpunkte weniger Stimmen als im Bundesdurchschnitt.

Bundestwagswahl 2021. Ergebnisse für den Hohenlohekreis. Quelle: hohenlohekreis.de

Bundestwagswahl 2021. Ergebnisse für den Hohenlohekreis. Quelle: hohenlohekreis.de

Die AfD bekam im Hohenlohekreis mehr Stimmen als die FDP, auch im neuen Bundestag hat die FDP nur neun Sitze mehr als die AfD.

Generell haben die Gemeinden und Kocher- und Jagsttal stark für die CDU votiert, hier gab es nur geringe Abweichungen. Waldenburg sticht hier hervor mit vielen Grünen-Wählern. Alle Gemeinden im Überblick finden Sie hier.

Mit diesen Ergebnissen bleibt die große politische Wende in Deutschland vermutlich erst einmal aus. Die FDP und die Grünen als mögliche Koalitionspartner können nur versuchen, in den Koalitionsverhandlungen so viel ihrer Forderungen wie möglich durchzusetzen – personell und inhaltlich.




„Die A6 hat jetzt 1,1 Milliarden Euro für den Ausbau bekommen, die Hohenlohebahn hier nur 110 Millionen“

In einer Online-Diskussion haben die Allianz Mobilitätswende Baden-Württemberg (MOWABW), das Bündnis Mobilitätswende Schwäbisch Hall und Hohenlohe for Future mit vier Direktkandidaten des Wahlkreises Schwäbisch Hall-Hohenlohe über zentrale Themen der Mobilitätspolitik und ihre Umsetzung unter anderem im Wahlkreis gesprochen. Teilnehmer waren Kevin Leiser (SPD), Harald Ebner (Grüne), Cedric Schiele (Linke) sowie Valentin Abel (FDP).

Die Kandidaten von CDU und AfD waren nicht dabei. Fragen unter anderem: Wie stehen die Kandidaten zum Tempolimit und was halten sie vom Ausbau weiterer Straßen und Projekten wie dem Weilertunnel in Schwäbisch Hall? Zuhörer konnten per Chat-Funktion den Kandidaten Fragen stellen.

Pläne für die Zukunft

Großes Thema waren mehr Investitionen für den Schienenverkehr, für die alle vier Kandidaten plädierten. Sie nutzten auch die Gelegenheit, die Ideen ihrer Parteien für die Zukunft der Mobilität in Deutschland vorzustellen. Und kämpften dabei zwischendurch auch mit hängenden Internetverbindungen – „etwas, was passiert, wenn man im ländlichen Raum das Wort Digitalisierung in den Mund nimmt“, wie Cedric Schiele es formulierte.

Was wäre wenn?

Gleich zu Beginn fühlte Moderator Romeo Edel von MOWABW den Kandidaten auf den Zahn mit der Frage: „Wenn Sie denn jetzt in den Bundestag gewählt werden und Sie am Ende sogar zur Regierungskoalition gehören würden, was würden Sie als Erstes machen, um eine Mobilitätswende für Deutschland voranzubringen?“

Mehr Geld für den Schienenverkehr

Kevin Leiser würde „die Elektrifizierung von Schienen voranbringen“.  Auch Valentin Abel würde verstärkt in die Schiene investieren, und zwar „im Rahmen einer größeren Bahnreform, wo wir stärker ins Netz investieren und alte Strecken reaktivieren“. Dem schloss sich auch Cedric Schiele an. Doch er würde als „nächsten Schritt noch eine Gebührenfreiheit“ hinzufügen, „um den Personennahverkehr attraktiver zu gestalten“. Harald Ebner, seit zehn Jahren im Bundestag, bemängelte, dass „letztes Jahr null Kilometer Schiene und im vorletzten Jahr neun Kilometer Schiene gebaut wurden, hingegen aber viele hundert Kilometer Straße“. Er würde „dieses Verhältnis umdrehen und dazu als erstes den Bundesverkehrswegeplan novellieren und umwandeln in einen Bundesnetzplan, in dem auch die Kriterien verändert werden, die bislang immer zugunsten der Straße ausgegangen sind“.

„Der Verkehrsbereich ist nicht nachhaltig“

Nach dieser Eingangsrunde präsentierte Dr. Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter für Verkehr und Lärm im Bundesumweltamt, den Entwurf für eine Bundesmobilitätsgesetz des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) als gesetzliche Grundlage. Er beschäftigt sich seit sehr langer Zeit mit dem Thema Mobilität. In seinem informativen Vortrag versuchte er zu erklären, warum seiner Meinung nach ein solches Gesetz notwendig ist. Er prangerte an, dass „der Verkehrsbereich eindeutig nicht nachhaltig“ sei. „Wir verschwenden unsere Ressourcen und zerstören unsere Natur und deswegen müssen wir schleunigst umstellen.“ In der anschließenden Diskussionsrunde mischte er sich immer wieder ein und räumte auch mit so manchem Wahlkampfversprechen auf.

„Ein gewaltiges Feuerwerk“

Dr. Friedrich ließ, wie es Moderator Edel formulierte, „ein gewaltiges Feuerwerk auf die Kandidaten nieder“. Er fasste die wichtigsten Punkte nochmal zusammen und fragte dann: „Sagen Sie jetzt: wunderbar, das machen wir so, oder sagen Sie Nein?“.

„Die rechte Seite der A6 ist ein Güterzug“

Cedric Schiele hielt es für „eine gute Initiative, ein Bundesmobilitätsgesetz zu machen“, denn oft seien Busse und Bahn nicht aufeinander abgestimmt und das müsse man ändern. „Wir sagen auch, dass wir eine öffentliche Mobilität für alle wollen und dafür kann man Lufthansa und Deutsche Bahn zusammenlegen, damit Züge und Flüge nicht in Konkurrenz zueinander sind, sondern sich ergänzen.“ Wichtig sei ihm aber auch, die Mobilität von Gütern in den Blick zu nehmen. „Früher ging viel mehr über die Bahn und da müssen wir wieder hin.“ Ein Beispiel sei hier in der Region die A6, wo „im Prinzip die rechte Seite ein Güterzug ist“. Gründe, warum das nicht auf der Schiene geht, sieht er im fehlenden politischen Willen. „Die A6 hat jetzt 1,1 Milliarden Euro für den Ausbau bekommen, die Hohenlohebahn hier nur 110 Millionen.“

„Die große Koalition hat alles abgelehnt“

Harald Ebner meinte, „wir brauchen einen Paradigmenwechsel“, denn die ganze Gesellschaft sei aufs Auto fixiert. „Alles was gesagt wurde, steht bei uns im Wahlprogramm“, betonte der Bundestagsabgeordnete. Er verwies auf das Engagement seiner Partei in den vergangenen Jahren im Bundestag: „Wir haben zum Bundesverkehrswegeplan 2015 im Deutschen Bundestag all diese Punkte eingebracht, mit Bundesnetzplan und Klimaziele festschreiben und Schluss mit der Priorisierung der Straße vor der Schiene.“ Das alles habe die große Koalition damals abgelehnt. Für eine Änderung in näherer Zukunft sehe er aber bislang noch keine Bereitschaft bei den anderen Parteien. Er plädierte für „Vorrang für die Schiene, alle geplanten Projekte auf den Prüfstand und eine Änderung der Kriterien“.

„Das kommt unseren Plänen schon sehr nahe“

Kevin Leiser betonte die Übereinstimmung mit seiner Partei und dass das „unseren Plänen schon sehr nahekommt“. Allerdings würde er das Gesamtwerk an diesem Abend nicht unterschrieben, da es zu viele Details enthalte. Valentin Abel sah den „richtigen Grundgedanken“ hinter den Ausführungen von Dr. Friedrich. Man müsse den Verkehr gesamt denken. Wichtig sei nicht nur die Schiene, sondern auch, „wie wir die letzte Meile hinkriegen“. Er fahre selbst einen Plug-In-Hybrid und betonte, dass erneuerbare Antriebe heutzutage schon günstiger seien, es allerdings an der praktischen Umsetzung hakt. So sei beispielsweise das Tankstellennetz nicht einheitlich. Aber ein übergeordnetes Regelwerk müsse in den Details sehr genau besprochen sein.

„Oberleitungs-Lkw und Wasserstoffantrieb sind Unsinn“

Dr. Friedrich warf ein, dass es eine Angebotspflicht nach Schweizer Vorbild geben sollte, denn die ländlichen Kommunen dürften nicht abgehängt werden. Oberleitungs-Lkw und Wasserstoffantrieb halte er für Unsinn, denn diese Technologien seien erst in rund zehn Jahren so weit, aber „wir brauchen es sofort“. Und auch E-Fuels halte er physikalisch nicht so machbar wie nötig. Ebner pflichtete dem bei und forderte, „man sollte jetzt ehrlich sein“. Abel dagegen betonte, dass das der Markt regeln müsse. „Die Politik ist nicht in der Pflicht, sich für das eine oder andere auszusprechen.“

„Die Bahn sollte sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren“

Aus den Reihen der Zuhörer kam die Frage, wie der ländliche Raum berücksichtigt wird und nach der Mobilitätspolitik der SPD. Leiser zitierte das Wahlprogramm seiner Partei mit 365-Euro-Ticket und dem Mobilitätsplan 2030. Darin stehen unter anderem Austauschprogramme für Bus und Bahn, barrierefreie Knotenpunkte, Tempolimit von 130 auf Autobahnen und Stärkung des Schienenverkehrs. „Die Deutsche Bahn sollte sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.“ Er denkt, dass sich beim Pkw der Elektromotor durchsetzen wird, deshalb sei mehr Batterieherstellung und -reycling auch in Deutschland nötig sowie ein einfacheres Tanken als heute.

„Für all das werden wir Geld brauchen“

„Im ländlichen Raum werden wir einen Großteil der Strecke nach wie vor mit einem Auto zurücklegen, das vier Räder und einen Motor hat“, zeigte sich Leiser überzeugt. Deshalb seien gerade im ländlichen Raum mehr Ladestationen nötig sowohl öffentlich als auch daheim. „Entsprechend muss ich die Netze in Baugebieten auslegen oder nachrüsten.“ Dennoch sei auch hier der öffentliche Nahverkehr zu stärken, auch wenn nicht der gleiche Maßstab wie in Ballungsgebieten zu erreichen sei. „Für all das werden wir Geld brauchen, das wird nicht betriebswirtschaftlich zu betrachten sein, sondern wir werden Geld von anderen Quellen für Mobilität setzen müssen.“

„Der Individualverkehr ist nicht die Lösung“

Schiele verwies auf das Wahlprogramm der Linken, in dem eine Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum „zumindest zwischen 6 und 22 Uhr“ enthalten sei. Langfristig sei der Individualverkehr mit eigenem Auto nicht die Lösung. Auch im ländlichen Raum müssten die Menschen mit Bus und Bahn vorankommen. „Damit das Angebot angenommen wird, wollen wir, dass das in Schritten über fünf Jahre kostenfrei wird.“ Das beginne beim 365-Euro-Ticket und ende bei der Gebührenfreiheit. Finanziert werden solle das über eine Reform der Einkommenssteuer, Vermögenssteuer mit einer einmaligen Vermögensabgabe für sehr große Vermögen.

Mehr Angebot – höhere Kosten

Auch Ebner sieht im 365-Euro-Ticket einen ersten Schritt. Aber: „Mehr ÖPNV kostet auch mehr Geld.“ Aber es gehe nicht nur ums Geld, denn Mobilität sei kompliziert. So meinte er, dass eine einzige App, über die alles abgerufen werde, was der Mensch für Bus und Bahn benötige, ausreichend sein müsste. „Das wäre doch ein super Digitalisierungsfortschritt.“

Der Bus als Alternative

Abel erinnerte daran, dass jemand das Ganze bezahlen müsse und plädierte dafür, zunächst den ÖPNV attraktiver zu gestalten, zum Beispiel durch Mobilität über alle Verkehrsträger hinweg, sodass die Menschen auch Verbund übergreifend fahren könnten. Wichtig sei auch die Erreichbarkeit der Ortschaften außerhalb und verbesserte Kombinationsmöglichkeiten mit Park&Ride. „Da wo die Schiene nicht hinlangt, sollte es einen Bus als Alternative geben.“ Das I-Tüpfelchen wäre dann, das alles per App zu buchen.

„Davon bin ich kein Freund“

Dr. Friedrich erteilte 360-Euro-Tickets eine Absage – „davon bin ich kein Freund“. Besser wären Bürgertickets, an denen sich jeder beteiligt. Und er betonte, dass die Industrie ihr Geld ausgeben könne, wie sie wolle. „Aber wenn sie den Staat fragt, muss es auch Antworten geben, was das dem Bürger bringt.“ Er plädierte für Zielvorgaben und Ausgabenkontrollen. „Das ganze muss ins Parlament.“

Das System vereinfachen

Gefragt nach den Prioritäten bei der Elektrifizierung meinte Abel, dass Subventionen hilfreich seien, um neue Technologien am Markt zu etablieren. Doch das ganze System müsse leichter handhabbar gemacht werden bei Tankstellen, Ladesäulen und Wallfoxen in den Privathäusern.

Zähe Verhandlungen und Blockade

Gefragt, warum in den vergangenen Jahren in Berlin nichts vorangegangen sei, wo doch seine Partei mit in der Regierungsverantwortung war, betonte SPD-Kandidat Leiser, die „zähen Verhandlungen bei der Mobilität“. Es habe viel Blockade in den vergangenen acht Jahren gegeben. „Wir brauchen Hochgeschwindigkeitsstrecken und gute Anbindung in der Fläche mit guter Ausstattung beispielsweise mit WLAN und sauberen Toiletten.“

„Wir müssen die vorhandenen Mittel nutzen“

Mit einem Mobilitätsgesetz könne man auf alles andere verzichten, meinte Harald Ebner. Die Finanzierung der Bahn müsse gestärkt werden und man müsse die jetzt vorhandenen Mittel nutzen. Er erinnerte daran, was Bundesverkehrsminister Scheuer alles in den Sand gesetzt hat. Außerdem bemängelte er die mangelnde Zusammenarbeit in den parlamentarischen Ausschüssen, in denen es vor allem mit der SPD keinen kompletten Austausch gegeben habe. Stuttgart21 sei eine völlig unnötige Investition. „Wir haben gleich gesagt, dass das Mittel binden wird und so ist es auch gekommen.“ Außerdem müsse man heute schon darüber nachdenken, wie man diesen Knotenpunkt verbessert, denn der sei so nicht leistungsfähig.

„Das vergisst die Politik“

Auch Schiele betonte, dass er nie für Stuttgart21 gewesen sei. Doch auch der Ausbau der A6 sei seiner Meinung nach nicht nötig. Gerade im Verhältnis von Bahn und Straße müsse die Finanzierung umgedreht werden. Dr. Friedrich plädierte für eine Neuverteilung der Kapazitäten. „Der Güterverkehr hat die gleiche Bedeutung wie der Personenverkehr.“ Allerdings vergesse die Politik das, was aber ökologisch Unsinn sei.

„Der Pkw setzt sich durch“

Bei der Frage eines Zuhörers, ob der Elektro-Pkw Ziel oder Brückentechnologie hin zum ÖPNV sei, zeigte sich Leiser davon überzeugt, dass sich der Pkw aufgrund seines Wirkungsgrades und Effizienz durchsetzen werde. Das sei im Ballungsgebiet anders als im ländlichen Raum. Dort werde der Pkw auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil sein.

Erhalt der Arbeitsplätze

Auf die Auswirkungen, die die Mobilitätswende auf Arbeitsplätze, Gewerkschaften und den öffentlichen Verkehr haben wird, wies Moderator Edel hin. Ebner fragte in dem Zusammenhang nach der Wahl, „die wir haben: keine Autoindustrie oder eine, die Elektrofahrzeuge baut und Mobilität anbietet“. Man habe erkannt, dass man sich entscheiden müsse. Er persönlich halte Hybrid-Antriebe für Quatsch. Sozial verträglich gestaltet werden müsse die Wende über Weiterqualifizierungen der Mitarbeiter, neu geschaffene Stellen, mehr Geld in die Forschung und selbst Batteriezellen herzustellen. Auch Schiele fragte, was passiert, wenn man nichts mache. „Ich glaube nicht, dass wir viele Arbeitsplätze verlieren.“ Ein Vorschlag der Linken dazu: die 30-Stunden-Woche.

„Die Politik muss für die Rahmenbedingungen sorgen“

Abel betonte, dass sich die Industrie bereits umstelle – und zwar „aus freiwilligen Stücken ohne staatliche Zwänge“. Er sieht die Zukunft in einer integrierten Mobilitätslösung mit Zeit und Planungssicherheit. Die Politik müsse hier keine regulatorischen Hinternisse in den Weg legen sondern für konstante rechtliche Rahmenbedingungen sorgen. „Der Arbeitsmarkt sieht in der Zukunft anders aus mit anderen Kompetenzfeldern.“ So wolle VW bis 2025 eine eigene Softwareabteilung aufbauen. Diese Transformation hin zu Neuem müsse durch die Forschung unterstützt werden.

„Das Automobil bleibt Leitindustrie“

„Die Industrie will immer frei agieren, aber bei Veränderung soll der Staat eingreifen“, so Schiele. Er sieht neue Arbeitsplätze entstehen beispielsweise bei Bus- und Bahnverkehr und fordert einen öffentlich geförderten Sektor. Leiser betonte noch einmal, dass das Automobil auch in Zukunft Leitindustrie bleibe und neue Felder mit sich bringe. Es gebe eine Verpflichtung, diese Ziele umzusetzen aber nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter. Es müsse entschieden werden, welche neue Industrieen es geben soll und ein Recht auf Weiterbildung für die Mitarbeiter.

„Die billigen Arbeitsplätze fallen weg“

Dr. Friedrich betonte noch einmal, dass keine Zeit mehr zu verlieren sei. Es werde mehr Arbeitsplätze aber dafür andere geben. „Das sind hochqualifizierte Arbeitsplätze, die billigen fallen weg.“ Wichtig sei deshalb, die ganze Gesellschaft mitzunehmen. Ebner entgegnete, dass es ohne Regulatoren nicht gehen wird. „Mit diesen Märchen müssen wir aufhören.“ Abel wies auf den technologischen Fortschritt. „Wir haben uns enorm entwickelt bei den Ladzeiten, der Reichweite.“ Das sei die Basis für die Alternative zum Verbrenner. „Die Aufgabe der Politik ist hier, Probleme zu lösen.“

„Für Tempolimits kämpfen wir schon lange“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass man nicht mehrere Technologiepfade gleichzeitig verfolgen könne. Offen zeigten sie sich auch für Tempolimits. Schiele und Leiser würden im Bundestag dafür stimmen. Ebner betonte, dass seine Partei schon lange dafür kämpfe, Union und SPD aber immer abgelehnt hätten. „Wir sind das einzige Land in Europa ohne Tempolimit.“ Dr. Friedrich findet 130 auf Autobahnen zu schnell und hält 80 auf Landstraßen und 30 innerorts für sinnvoller. Einzig Abel „ist kein Fan davon“. Er hält es für sinnvoller, den Verkehr zu lenken und so deutschlandweit Staus zu reduzieren.

„Ihr Traum nach vier Jahren im Bundestag?“

Abschließend fragte Moderator Edel, was der Traum der Kandidaten nach vier Jahren Zugehörigkeit zum Bundestag wäre. Schiele meinte, dass er dann sein Auto nicht mehr brauche, weil der ÖPNV läuft. Abel würde die Emotionalität aus den Diskussionen nehmen und auf eine sachliche Ebene bringen sowie eine Bahnreform. Ebner träumt davon, dass keiner mehr von einer autogerechten Stadt redet, die Schiene läuft und der Co2-Ausstoß gesunken ist. Für Leiser sind es Ausbaupfade in der Elektrifizierung und bei der Schiene.

Text: Sonja Bossert