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Unbekannter belästigt Frauen in Regionalbahn

Ein bislang unbekannter Mann hat in der Nacht auf Samstag, den 02. Oktober 2021, einen Sitz in einer Regionalbahn in Richtung Öhringen beschädigt und Reisende belästigt. Bisherigen Informationen zufolge soll der Unbekannte den Zug gegen 23 Uhr am Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental betreten haben und mit diesem in Richtung Öhringen gefahren sein.

Auf der Fahrt beschädigte er offenbar einen Sitz und belästigte wohl weibliche Fahrgäste im Zug. Gegen 23.20 Uhr soll der Mann dann den Zug beim Halt in Waldenburg verlassen haben. Zeugen und mögliche Geschädigte werden gebeten, sich unter der Telefon 07131/888 2600 bei dem ermittelnden Bundespolizeirevier Heilbronn zu melden.




Einbruch in Metzgerei

Unbekannte Täter sind in der Nacht auf Sonntag, den 03. Oktober 2021, in eine Metzgerei in Forchtenberg eingebrochen. Aus dem Geschäft in der Muthofer Straße entwendeten sie nach Angaben der Polizei zwischen 19.30 Uhr am Samstag und 8.45 Uhr am Sonntag einen hohen Bargeldbetrag. Sie durchwühlten hierbei mehrere Räume und flexten einen Tresor auf. Der dabei verursachte Schaden kann noch nicht beziffert werden.

Zeugen, die Hinweise zum Einbruch oder den Tätern geben können, werden gebeten, sich beim Kriminalkommissariat Künzelsau unter Telefon 07940/9400 zu melden.




Rettungswagen kollidiert mit Reh

Ein Rettungswagen ist am Samstagnacht, den 02. Oktober 2021, bei Mulfingen mit einem Reh kollidiert. Gegen 22.45 Uhr war der Rettungswagen auf der Landesstraße 1020 von Hollenbach in Richtung Bundesstraße 290 unterwegs und stieß mit einem querenden Reh zusammen. Verletzt wurde niemand, auch das Reh sprang weiter. Der Rettungswagen war jedoch nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. Für den im Krankenwagen transportierten Patienten wurde ein Ersatzfahrzeug angefordert.




Abenteuer im Meer

Im Oktober widmet sich die experimenta dem Thema Meeresforschung mit zwei Vorträgen, heißt es in einer Pressemitteilung der experimenta gGmbH. Am Donnerstag, den 21. Oktober 2021, erzählt der Polarforscher Arved Fuchs in der Aula am Bildungscampus von seiner jüngsten Reise durch den Nordatlantik. Im Rahmen der Ocean Change-Expeditionsreihe untersucht er gemeinsam mit seiner Crew seit 2015 die Auswirkungen der Erderwärmung auf unseren Lebensraum. Auch dieses Jahr war der 68-Jährige mit dem Segelschiff „Dagmar Aaen“ unterwegs und bereiste den Nordatlantik. Von dieser Expedition berichtet er ab 19:30 Uhr im Vortrag „Arved Fuchs und der Golfstrom – eine Forschungsreise durch den Nordatlantik“.

Wie können die Meere bewahrt und geschützt werden?

Welche Effekte hat ein sich abschwächender Nordatlantikstrom auf die Länder, die Menschen und die Natur? Was für Auswirkungen hat die Abschwächung auf das Wettergeschehen? Diesen Fragen geht Fuchs nach, spricht aber auch darüber, wie die Meere bewahrt und geschützt werden können. Außerdem gibt er einen Einblick in die Technik an Bord des Forschungsschiffes: So können alle am Projekt Interessierten durch den Live-Zugriff auf Navigations- und Messdaten sowie auf Kameras die wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Meer miterleben.

Ein Spaziergang auf dem Meeresgrund

Den Einsatz neuer Technologien bei der Tiefseeforschung demonstriert Dr. Tom Kwasnitschka, Geowissenschaftler am GEOMAR Helmholz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, am Freitag, den 22. Oktober, um 20 Uhr in seinem Vortrag „Ein Spaziergang auf dem Meeresgrund: Wie uns digitale Technologien in die Tiefsee bringen“. Das Publikum kann dank 360-Grad-Filmaufnahmen an einer Forschungsfahrt teilnehmen und den Einsatz tieftauchender Roboter miterleben. Außerdem nutzt Kwasnitschka die 726 Quadratmeter große Kuppel im Science Dome der experimenta, um aktuelle Forschungsdatensätze live und in Echtzeit vorzustellen.

Wissenschaft greifbar gemacht

Wie können Daten von der Tiefsee überhaupt für die Wissenschaft gewonnen werden? Mithilfe von Weltraumsatelliten, Tauchrobotern und unbemannten Sonden sammeln die Forschenden große Datenmengen aus den Meerestiefen. Dank „visueller Datenexploration“ können damit schwer erreichbare, kaum vorstellbare oder in ihrer riesigen Ausdehnung nicht fassbare Naturphänomene visualisiert und erfahrbar gemacht werden. So wird Wissenschaft greifbar und die faszinierenden Landschaften am Ozeanboden für alle erlebbar.

Anmeldung per E-Mail

Für beide Veranstaltungen ist eine Anmeldung per E-Mail an buchung@experimenta.science erforderlich. Der Vortrag von Arved Fuchs kostet drei Euro, der Science Dome-Vortrag von Dr. Tom Kwasnitschka sechs Euro. Beide Vorträge begleiten die Sonderausstellung „Ozeane“ aus dem renommierten American Museum of Natural History in New York.

Quelle: Pressemitteilung der experimenta gGmbH

Dr. Tom Kwasnitschka ist Tiefsee-Vulkanologe. Foto: experiemta gGmbH




Von der Küche in den Tank

Upcycling statt Abflussrohr: Unter diesem Motto startet die Abfallwirtschaft Hohenlohekreis zusammen mit der Firma „Jeder Tropfen zählt“ ab Oktober in Öhringen ein Pilotprojekt für die Sammlung von genutzten Speisefetten und -ölen aus Privathaushalten. „Wir wollen ganz konkret wissen, wie viel Biokraftstoff in den Öhringer Küchenabflüssen verschwindet“, so der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, Sebastian Damm, in einer Pressemitteilung. Aus den gesammelten Speisefetten – so die Idee – soll künftig Biokraftstoff gewonnen werden. Unterstützt wird das Nachhaltigkeitsprojekt vom Energiehändler EDi Energie-Direkt Hohenlohe, der bereits seit über fünf Jahren hochwertigen Diesel aus diesem Rohstoff vertreibt.

In Bayern gibt es das bereits

Aus den genutzten Speisefetten und -ölen der Öhringer Bürger:innen kann synthetischer Kraftstoff mit einer über 90-prozentigen besseren CO2-Bilanz als konventioneller Diesel hergestellt werden. Durch die Sammlung soll einerseits das öffentliche Kanal- und Abwassersystem geschützt und andererseits ein wertvoller nachhaltiger Rohstoff zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen genutzt werden. Bereits seit Ende 2018 ist das Sammelsystem im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Nachhaltigkeitsprojektes in verschiedenen Landkreisen in Bayern zu finden. Mit dem Modellversuch in Öhringen soll nun herausgefunden werden, ob die Bürger:innen hier ebenso fleißig sammeln, wie es in laufenden Projekten in Fürth oder Erlangen der Fall ist. In dem Fall wäre das Projekt vielleicht auch eine Idee für den kompletten Hohenlohekreis.

Abgabe an Sammelautomaten

Anfang Oktober wird an jeden Haushalt in Öhringen und allen Teilorten ein 1,2 Liter fassender Sammelbehälter sowie ein Informationsflyer verteilt. Die praktischen Behälter sind ansprechend gestaltet, wertig und hitzeresistent und haben eine Füllstandanzeige sowie einen Aufdruck zur Handhabung. Volle Behälter können rund um die Uhr an zugänglichen Sammelautomaten im Stadtgebiet gegen leere Behälter getauscht werden.

Weitere Behälter

Haushalte, die einen zusätzlichen Behälter benötigen oder bei der Verteilung keinen bekommen haben, können sich diesen kostenlos bei EDi am Tankpunkt 1, Rudolf-Diesel-Straße oder in der Firmenzentrale, Kuhallmand 26 abholen.

Die Standorte der Sammelautomaten sind:

  • EDi Tankpunkt 1, Rudolf-Diesel-Str. 4, 74613 Öhringen
  • Einkaufszentrum Ö-Center (auf dem Parkplatz zwischen Haupteingang und Tankstelle), Austr. 5, 74613 Öhringen
  • Hauptbahnhof Öhringen, Eberstraße (beim Busbahnhof)
  • Gewerbegebiet Steinsfeldle, 74613 Öhringen

Weitere Informationen und Hintergründe zur Sammlung von genutzten Speiseölen sind unter www.jedertropfenzaehlt.de zu finden.

Quelle: Pressemitteilung der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis

#AbfallwirtschaftHohenlohekreis #JederTropfenzählt




„Diese Regelung ist nicht durchdacht und treibt die Leute in eine Ecke“

Nachdem GSCHWÄTZ über einen EDEKA-Händler aus Sachsen berichtete, der angekündigt hatte, für seine Mitarbeiter die Lohnfortzahlung im Quarantänefall leisten zu wollen, hat sich ein Hohenloher Unternehmen gemeldet, das diesen Schritt ebenfalls gehen will.

Erstattung durch die Behörden wird entfallen

Die Lohnfortzahlung im Quarantänefall wurde dem Arbeitgeber bisher von den Behörden erstattet. Diese Erstattung wird es ab dem  1. November 2021 für Ungeimpfte nicht mehr geben. Die Arbeitgeber sind dann wie vor der Pandemie nur bei Krankheit zur Lohnfortzahlung verpflichtet, nicht im Quarantänefall.

„Diese Regelung ist nicht durchdacht“

Robert Mayr, Prokurist beim Bestattungsunternehmen Dorn, das in Öhringen und Künzelsau vertreten ist, erläutert gegenüber GSCHWÄTZ die Beweggründe dafür, dass sein Unternehmen auch bei Quarantäne Lohnfortzahlung leisten will:

„Das ist gefährlich, wenn jemand Kontakte beim Gesundheitsamt nicht angibt“

„Diese Regelung ist nicht durchdacht, sie treibt die Leute in eine Ecke“, sagt er. Er sieht eine Gefahr darin, wenn Menschen aus reiner Geldnot eine Quarantäne mit allen Mitteln vermeiden wollen. Für ihn steht die Sorgfaltspflicht gegenüber seinen Mitarbeitern an erster Stelle, er möchte es nicht sehen, dass Mitarbeiter aus wirtschaftlichen  Gründen die Quarantäne vermeiden: „Lieber zahle ich jemandem diese fünf Tage, als er gefährdet die anderen Mitarbeiter“.
Er baut auf die Ehrlichkeit seiner Mitarbeiter:innen und darauf, dass sie sich ebenfalls für ihre Kolleg:innen verantwortlich fühlen: „Das ist gefährlich, wenn jemand Kontakte beim Gesundheitsamt nicht angibt, wegen Einbußen“.

„Da reden wir gar nicht lange umeinander“

Er möchte auch keinen Unterschied machen zwischen Menschen, die beispielsweise durch Reisen bewußt ein höheres Risiko eingehen, und anderen, die sich etwa im Familienkreis infizieren: „Da reden wir gar nicht lange umeinander.“

Vielleicht ist die Regelung ja gar nicht rechtens

„Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen“, schüttelt Mayr nochmals den Kopf. Ob der Entfall der Erstattung überhaupt arbeitsrechtlich haltbar ist, weiß Mayr nicht: „Da wird es bestimmt bald ein Urteil geben“, ist er überzeugt.

Text: Matthias Lauterer




Künzelsau wird Blau-Weiss

Im Oktober wird Künzelsau blau-weiß. Die Stadtverwaltung Künzelsau und die Werbegemeinschaft Künzelsau laden am Samstag, 9. Oktober 2021 und Sonntag, 10. Oktober 2021 nach Künzelsau zu den blauweißen Tagen ein. Die Innenstadt wird passend geschmückt sein.

Am 09. und 10. Oktober 2021 gibts Weißwurst und Blasmusik

Startschuss ist am 9. Oktober 2021 ab 10 Uhr mit dem Weißwurstfrühstück am Unteren Markt. Der SV Morsbach übernimmt die Bewirtung und wird neben dem Weißwurstfrühstück auch weitere
Speisen im Oktoberfest-Stil anbieten. Die Stadtkapelle Künzelsau umrahmt das Weißwurstfrühstück musikalisch. Darüber hinaus wird es kleine blau-weiße Mitmach-Aktionen am Unteren Markt geben. Ab 17 Uhr sorgen die „Lazy Monkeys“ ebenfalls für Stimmung.

Auch am 10. Oktober 2021 wird es ab 10 Uhr ein Weißwurstfrühstück durch den SV Morsbach am Unteren Markt geben. Ab 10.30 Uhr beginnt der Musikverein Lampoldshausen mit traditioneller Blasmusik. Im Anschluss werden „Die fröhlichen Dorfmusikanten“ aus Ballenberg spielen. Eine Vielzahl von Fachgeschäften in der Künzelsauer Hauptstraße haben ab 12 Uhr geöffnet und erwarten mit einigen
Sonderaktionen beim verkaufsoffenen Sonntag viele Besucherinnen und Besucher. Bis 17 Uhr freuen sich die Einzelhändler der Werbegemeinschaft auf den Besuch zahlreicher Kunden, die sich ungezwungen umschauen.

Neben dem Veranstaltungsprogramm am Unteren Markt wird es auch im Bistro BREUNINGER und in der Alten Schmiede am Oberen Bach bayerische Schmankerl und Live-Musik geben. Die „Grauen Stars“ mit Frieder Uebele, Harry Weber und Hermann Lorenz spielen im Bistro BREUNINGER Gassenhauer, Volkslieder und Stimmungsmusik: Am Samstag, 9. Oktober 2021 von 10 bis zirka 13 Uhr und am Sonntag, 10. Oktober 2021 von 12 bis zirka 15 Uhr. In der Alten Schmiede sorgt am Samstag, 9. Oktober 2021 ab 17 Uhr das Duo „Shadow & Knut“ für Unterhaltung.

Corona-Regeln für den Unteren Markt

Für die Kontaktnachverfolgung wird den Besucherinnen und Besuchern die Nutzung der Luca-App empfohlen. Alternativ können die Kontaktdaten auf Anmeldezetteln erfasst werden. Es gelten die
allgemeinen und jeweils aktuellen Corona-Vorgaben und HygieneVorschriften.
Bei Änderungen der Corona-Auflagen müssen Veranstaltungen unter Umständen auch kurzfristig abgesagt werden.
Aktuelle Informationen und alle weiteren Aktionen werden kommuniziert über die städtische Homepage und über Facebook „Künzelsau – meine Stadt“ und Instagram „kuenzelsau.meinestadt“.

Quelle: Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

Verkaufsoffener Sonntag in Künzelsau. Foto: Stadt Künzelsau




Immer öfter zu sehen: Blaumohnfelder in Hohenlohe

Manchmal stehen sie auch selbst ‚nur so‘ in ihrem Feld: Familie Sieglin aus Ruckhardtshausen. Breite Fahrgassen dienten als Wege durch den fast abgeblühten Blaumohn. Der Boden ist ausgetreten von vielen Besuchern im Herbst. Wieso das? „Es war wirklich eine Gradwanderung“, sagt der Senior Wolfgang Sieglin zu den bis zu 200 Fahrzeugen pro Tag, die ihre Felder mit Blaumohn während der Blütezeit besucht und durchstreift haben. Spaziergänger und Fahrradfahrer noch nicht mitgerechnet.

Mohn-Touristen

Die Landwirtsfamilie Sieglin teilt diese Freude am Anblick der attraktiven und ursprünglich heimischen Frucht sehr gern und betont: „Wenn die Besucher auch im nächsten Jahr kommen, begegnen wir ihnen positiv und erlauben den Zutritt über die Fahrgassen. Das Mohnfeld können wir ja sowieso nicht einzäunen“, erklären sie. Fahrgassen sind die vorhandenen und nicht bewachsenen Fahrspuren der Traktoren. Offiziell gilt natürlich auch hier das Betretungsverbot für landwirtschaftliche Nutzflächen. Doch die Mehrheit der ‚Mohn-Touristen‘ ist rücksichtsvoll, wie die Sieglin’s bestätigen. Gleichwohl gab es Situationen, in denen sie eingriffen. So gab es beispielsweise professionelle Fotoshootings im Abendlicht, die sich bis in den Privatgarten der Familie ausdehnten. Profi-Fotografen mit voller Ausrüstung, Requisiten, Bräute und ganze Großfamilien standen dafür im Acker. „Als Kulisse für gewerbliche Fotografie, wie Hochzeitsfotos oder gar Aktfotos soll es bitte nicht dienen“, betonen die Eigentümer der Felder in Ruckhardtshausen.

Besucheransturm: Fahrgassen bilden

Stattdessen wollen sie die Besucher gut informieren und bitten, dass sie zum Beispiel in den Fahrgassen bleiben und keinen Müll hinterlassen. Auch ohne Schaden anzurichten, kann man den besonderen Anblick genießen und sich zeitgleich schlau machen. Neben den reinen Verhaltensregeln wurden Informationstafeln zum Mohnanbau und der Initiative „Blütenkorn“ aufgestellt. Die Zeit und Möglichkeit für dieses Engagement verdanken die Landwirte Sieglin auch der Tatsache, dass sie schon vor fast 30 Jahren eine sogenannte Vollkooperation mit anderen Höfen eingegangen sind. 2016 wurde die ursprüngliche Betriebsgemeinschaft (BG) mit dem Namen ‚Sieglin-Melchior-Ehmann‘ ein Teil der BG Neuhof. Das heißt: Mehrere Betriebe sind zusammengelegt, Gewinne und Verluste werden geteilt. Der Hof Ruckhardtshausen umfasst rund 30 Hektar Wald und 100 Hektar Ackerland. Auf 35 Hektar davon wuchs in diesem Jahr der attraktive Blaumohn. Er wird Ende Juli bis Anfang August geerntet und ist dann ganz trocken – der Fachmann sagt ‚abgereift‘, sodass man ihn gut mit dem Mähdrescher ernten kann. Der Versuch, diesen hier wieder heimisch zu machen, ist nicht einfach zu realisieren. Aber er stellt eine Nische im Markt mit – mit Chancen und Risiken dar. Darüber, sowie über Anbauverfahren und besondere Kulturen, informieren aufgestellte Feldrandschilder. So ist hier auch zu lesen, dass die ‚BG Neuhof‘ gemeinsam mit der ‚Möhnsheimer Mühle‘ und der Uni Hohenheim das Projekt „Blütenkorn“ gestartet hat. Bei „Blütenkorn“ Getreide werden streifenweise Blühmischungen in die Felder gesät, um damit Nützlingen im Feld zu fördern. Geplant ist weiterhin ein Lehrpfad für die Höfe der Betriebsgemeinschaft ‚Neuhof‘. Alles mit dem Ziel, die Öffentlichkeit besser über die Arbeit in der Landwirtschaft zu informieren. Das geht fast nur gemeinsam.

Regenwürmer und Hunde als Tiere auf dem Bauernhof

„Ich war heute früh noch in Serbien“, bemerkt der junge Nebenerwerbslandwirt Samuel Sieglin gleich zum Start. Er hat Maschinenbau studiert und arbeitet weltweit für eine regionale Firma der Landtechnik im Feldversuchswesen. Demnächst wechselt er dort ins Produktmanagement. „Die Hofübergabe läuft“, erklärt die Familie, der auch Andrea, als Frau von Senior Wolfgang und Julia, als Frau von Samuel Sieglin angehören. „Wir standen auch vor der Frage, was machen wir aus den alten Gebäuden“, erklären sie weiter. „Ferienwohnungen und Seminarräume waren eine Möglichkeit. Diese Umnutzung ist nun beantragt“. Auf die Frage, ob es noch Tiere auf dem Hof gibt, antwortet Senior Wolfgang verschmitzt: „Regenwürmer und Hunde – die pflegen wir gut. Denn Regenwürmer sind die Lieblinge aller Landwirte. Sie lockern den Boden und setzen organische Stoffe um.“ Er macht sich stark für seine Kollegen und deren Arbeit und weiß, dass die meisten Bauern gut nach dem Boden schauen. „Wenn ich durchs Land fahre, sehe ich, dass immer mehr Felder top-in-Schuss sind. Das sieht man einfach und dazu gehört, meiner Meinung nach, ein lebendiger Boden.“ „Ohne Beregnung“, meint der erfahrene Landwirt weiter, „hat man nur EINE Möglichkeit zu säen. Da muss jede Maßnahme sitzen“. Der Mohn ist eine sensible Pflanze und zeigt Boden-Unterschiede sehr stark. So hat eine Hälfte des Feldes schon geblüht, als die andere noch nicht so weit war. In Summe hat es aber gestimmt bei der Ernte. „Es gibt endlos viele Patentrezepte aber eins steht fest: Die wenigen Landwirte, die übrig sind, sind richtige ‚Käpsele‘“, freut sich Wolfgang Sieglin stolz.




„Immer weniger Ärzt:innen führen Abbrüche durch“

Der 28. September 2021 wurde zum Safe-Abortion-Day erklärt. Es ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag vor 150 Jahren wurde der §218 ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Seitdem sind Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell strafbar, wenn nicht eine der dort genannten Ausnahmen zutrifft.

„Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch“

Die Recherchegruppe CORRECTIV will sich ein Bild darüber machen, welchen Hürden und Schwierigkeiten sich Frauen, stellen müssen, die mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch konfrontiert sind. CORRECTIV schreibt: „Wer in Deutschland eine Schwangerschaft abbrechen will, steht vor vielen Hürden: Es ist schwer, verlässliche Informationen zu bekommen. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch. Ungewollt Schwangere werden bei ihrer Entscheidung oft unter Druck gesetzt.“

Unsichere Rechtslage für Ärzt:innen

Auch Ärzt:innen wird es schwer gemacht, Abtreibungen durchzuführen: Der §219a StGB wird von Gerichten gerne so ausgelegt, dass schon die sachliche Mitteilung beispielsweise auf einer Praxishomepage, dass die Praxis Schwangerschaftsabbrüche durchführt, eine strafbare „Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft“ sein soll. Eine Ärztin aus Gießen, Kristina Hänel, wurde vom OLG Frankfurt Anfang des Jahres rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt.

Lange Wege zu Klinik oder Praxis

Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind für ungewollt Schwangere lebenswichtig. Doch immer weniger Ärztinnen und Ärzte in Deutschland führen Abtreibungen durch. Schon jetzt müssen ungewollt Schwangere lange Wege zur Klinik oder Praxis und längere Wartezeiten bis zu einer Abtreibung in Kauf nehmen – eine finanzielle, psychische und physische Belastung.“, schreibt CORRECTIV. 

CORRECTIV.Lokal startet Anonyme Umfrage im Netz   

CORRECTIV sucht daher zum Beginn seiner Recherche Menschen, die von ihrem Schwangerschaftsabbruch und den Hürden erzählen, die sie dabei erlebt haben. Dafür hat CORRECTIV.Lokal eine anonyme Umfrage entwickelt, die unter http://correctiv.org/dein-abbruch erreichbar ist. Die Befragung aller Krankenhäuser mit gynäkologischer Station ist ein weiterer Rechercheansatz, den CORRECTIV verfolgt. 

Die Befragung zu Erfahrungen mit Schwangerschaftsabbrüchen ist Teil einer Recherchekooperation zwischen CORRECTIV.Lokal und GSCHWÄTZ. GSCHWÄTZ wird über die Ergebnisse der Recherche berichten. 

 Text: Matthias Lauterer

 




„Graben zwischen den Gebäuden“, der „enorme Stützmauern“ nötig mache

Nachdem die Präsentation des Bauvorhabens auf dem SIGLOCH-Gelände (GSCHWÄTZ berichtete) zwischen Langenburger Straße und Kapellenweg zu großer Mißbilligung bei den Anwohnern und im Gemeinderat geführt hatte, war das Vorhaben erneut Thema im öffentlichen Teil der Sitzung des Gestaltungsbeirat der Stadt Künzelsau vom 1. Oktober 2010.

Lageplan der geplanten Häuser auf dem Sigloch-Areal. Stand 1.10.2021. Quelle: Sitzungsunterlage

Viele Anwohner waren erschienen, um sich über den aktuellen Stand des Projekts zu erkundigen, und sie erfuhren auch die eine oder andere neue Information. Erich Kalis, der das Projekt plant, konnte mitteilen, dass einige Wünsche, die Stadt und Anwohner geäußert hatten, inzwischen erfüllt sind:

  • Das nordwestliche Haus A wurde um ein Stockwerk reduziert
  • Das nordöstliche Haus B wurde um etwa 3m nach Norden verschoben – damit ergibt sich mehr Raum zwischen Haus B und dem Haus D.
  • Die Planung wurde um einen Spiel- und Begegnungsplatz ergänzt.
  • Die Dächer sollen jetzt begrünt werden, die Solaranlage ist über der Tiefgarage geplant.

Nicht alle Beanstandungen seitens der Planer erfüllt

Andere Punkte, die die Stadt gefordert hatte, wurden noch nicht erfüllt. Insbesondere die Themen Topographie und Freiraumplanung sowie Erschließung über den Kapellenweg boten Zündstoff.

Prof. Kai Haag stellte fest, dass man jetzt 16 m Abstand zwischen Haus A und Haus C habe, bei einem „enormen Höhenunterschied zwischen den Eingangsbereichen“. Er sprach von einem „Graben zwischen den Gebäuden“, der „enorme Stützmauern“ nötig machen würde.

Dieser Schnitt zeigt die Höhenunterscheide deutlich. Quelle: Sitzungsunterlagen

Außerdem sei der Kinderspielplatz ausgerechnet an der engsten Stelle mitten im relativ steilen Hang geplant. Auch das Wort „abenteuerlich“ fiel – und es war nicht als positive Beschreibung des Spielplatzes gemeint, sondern betraf die steilen Hänge.

„Die Bauherrschaft“ will es so.

Erich Kalis verwies auf „die Bauherrschaft“, die den Spielplatz an dieser Stelle haben wolle.

„Sicherheit, Begehbarkeit und Nutzbarkeit“ nicht nachgewiesen

Prof. Dr. Christina Simon-Philipp, die Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, faßt zusammen, dass die Prinzipen „Sicherheit, Begehbarkeit und Nutzbarkeit“ nicht nachgewiesen seien und extreme Sicherungsmaßnahmen zu erbringen seien. Außerdem moniert sie, dass trotz mehrfacher Bitte noch immer kein Landschaftsarchitekt hinzugezogen worden sei. Dem konnte Kalis entgegnen, dass ein Münchener Büro bereits beratend tätig sei und im Zuge der Baugesuchsplanung eine weiterführende Beauftragung geplant sei.

Knackpunkt ist die Erschließung über den Kapellenweg

Auch bezüglich der Erschließung über den Kapellenweg erweisen sich räumliche Enge und der steile Hang als problematisch. Fraglich ist, ob der schmale Kapellenweg den zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann. Selbst der von Kalis beauftragte Verkehrsgutachter ist der Meinung, dass der Kapellenweg verbreitert werden müßte – was allerdings, wie auch Kalis feststellt, nicht möglich ist, da dort bewohnte Grundstücke sind, die nicht in städtischem Eigentum sind. Eine Wendemöglichkiet für ein Müllauto müsse man aber nicht einplanen, meint Kalis, denn „das Müllauto fährt eh rückwärts“, wie auch in der Heinrich-Schüle-Straße.

Müllautos dürfen eigentlich gar nicht rückwärts fahren

Allerdings ist das laut Arbeitsschutzbestimmungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung  (DGUV) gar nicht oder nur in Ausnahmefällen erlaubt. Dirk Füting, Leiter des Sachgebiets Abfallwirtschaft der DGUV erklärt: „Wir appellieren daher insbesondere an die Stadtplaner, die Bedürfnisse der Entsorger zu berücksichtigen, wenn sie die Verkehrswege planen.“  Möglicherweise besteht bei einem derart großen Bauvorhaben sogar die Pflicht der Stadtplaner, dahingehend einzugreifen.

„Halb so wild“

Johannes Rückgauer (UBK) spricht davon, dass die Wegbreite doch schon lange ein Thema sei und stellt die Fragen „Wie kann man Gefahrensituationen vermeiden?“ und „Gibt es andere Möglichkeiten der Entspannung?“ Kalis ist der Meinung, dass es ja um nur 2 zusätzliche Wohnungen gehe und das wohl „halb so wild“ sei.

Deutliche Worte

Christina Simon-Philipp wird daraufhin deutlich: „So kommen wir nicht weiter. Der Gutachter sagt, der Weg muß verbreitert werden. Damit muß man sich auseinandersetzen, das ist Tatsache.“

Bisher Situation durch Rücksichtnahme gelöst

Erhard Demuth (SPD/GRÜNE) weiß, dass die Situation im Kapellenweg bisher durch gegenseitige nachbarschaftliche Rücksichtnahme geprägt war, man sei über die Einfahrten der Privatgrundstücke ausgewichen. Anwohner hätten ihm aber mitgeteilt, dass sie planten, ihre Einfahrten gegen derartige Nutzung zu sichern. Eine Ampelanlage hält Demuth aufgrund der Verkehrssituation im Bereich der Ampelkreuzung am Kreuzungsbereich Langenburger Straße / Zollstock / Kapellenweg für nicht machbar. Kalis geht nochmals darauf ein, dass für Fußgänger Ausweichzonen vorhanden seien, beim Begegnungsverkehr von PKWs wird er wortkarg. Als sich auch die Bevollmächtigte der Bauherrin mit „Der Weg ist ja nicht unmöglich zu befahren“ zu Wort meldet, schließt Simon-Phillipp die Diskussion ab: „Ich glaube nicht, dass wir das heute lösen können. Aber die Verkehrsplaner fordern das, also müssen wir eine Lösung anbieten. Es muß eine Lösung geben, sonst wird’s ein Problem geben, das Vorhaben zu realisieren“ sagt sie. Einem letzten Einwand Kalis‘, der auf frühere Feste hinwies, wo es auch keine Probleme gegeben haben soll und darauf, dass man ja auf dem Grundstück viel mehr Wohnungen bauen könne, entgegnet Simon-Phillip: „Ihr Gutachter sieht das anders“.

Auf nächste Sitzung verwiesen

Zu einer abschließenden Beurteilung konnte der Beirat nicht kommen, Simon-Phillipp sprach davon, dass man das Thema in der nächsten Sitzung wieder auf die Tagesordnung bringen werde – der Gemeinderat wird also vorher noch keinen Bebauungsplan beschliessen wollen.

Weiteres Problem – das Wasser

Im anschließenden Gespräch mit den Anwohnern wurde ein weiterer wichtiger Aspekt zur Sprache gebracht: Das Wasser. Einen 100-Liter-Starkregen möchten sich die Anwohner auf dem zukünftig teilversiegelten Hang gar nicht vorstellen. Dazu kommen wasserführende Schichten im Hang, die durch den Bau zerschnitten würden, wodurch sich das Wasser neue Wege suchen müsse. Ein diesbezügliches Gutachten ist den Anwohnern nicht bekannt.

Preiswerter Wohnraum für Familien an dieser Stelle vielleicht sinnvoller?

Die Anregung von Erich Kalis, auf dem Gelände auch mehr Wohnungen bauen zu können, werden die anwesenden  Gemeinderatsmitglieder im Ausschuss mit Interesse gehört haben – statt 14 Luxuswohnungen ab 200 Quadratmetern Wohnfläche und drei Metern Höhe könnte man auch doppelt so viele große Familienwohnungen bauen – an denen es in Künzelsau bekanntlich mangelt. Vor allem, nachdem auch auf dem MUSTANG-Gelände kein neuer Wohnraum mehr geplant ist.

Im Bereich zwischen Tiefgarage und Wohnungen befinden sich „Leergeschosse“. Quelle: Sitzungsunterlagen

Die geplanten – wohl der schönen Aussicht geschuldeten – Leergeschosse in den unteren drei Gebäuden könnte man sicherlich auch anderweitig nutzen – Arztpraxen brauchen nicht unbedingt eine schöne Aussicht.

Gute Erfahrungen, beispielsweise aus Freiburg, wo es Siedlungen ohne Dauerparkplätze gibt, legen nahe, dass ein Quartier nur mit Kurzzeitparkplätzen auch in Künzelsau funktionieren könnte.

Dieser Schnitt zeigt die Höhenunterscheide deutlich. Quelle: Sitzungsunterlagen

Kapellenweg in Künzelsau. Auf dem ehemaligen privaten Sigloch-Areal sollen die geräumigen Wohnungen entstehen. Foto: GSCHWÄTZ

 

Text: Matthias Lauterer