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Brennender Sicherungskasten mitten in der Altstadt

Die Feuerwehr Ingelfingen wurde mit der Kleineinsatzgruppe Künzelsau zu einem brennenden Sicherungskasten in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Ingelfinger Altstadt gerufen. Das geht aus einer Nachricht der Feuerwehr Künzelsau über den Einsatz hervor (Foto: Feuerwehr Künzelsau).

Der Brand drohte laut der Feuerwehr Künzelsau bereits auf die Decke des Raumes überzugreifen, konnte aber noch rechtzeitig von den Ingelfigner Kameraden gelöscht werden.

Währenddessen kontrollierte ein Atemschutztrupp aus Künzelsau die Wohnungen im Haus auf eventuell noch darin befindliche Personen.

Dabei wurden gleich die Fenster zur Belüftung geöffnet.

 




„Man sieht, dass Polizisten schlagen, aber man weiß nicht, wie es angefangen hat“

Unter dem Motto „Warum immer ich?“ steht eine Aktion des Polizeipräsidiums Heilbronn, die bei Jugendlichen das Verständnis für die Arbeit der Polizei und bei Polizisten das Verständnis für das Verhalten von Jugendlichen schaffen soll. So erklärte es Hans Becker, der Polizeipräsident von Heilbronn, am 22. Oktober 2021 bei einer Informationsveranstaltung in der Peter-Bruckmann-Schule, einer gewerblich-hauswirtschaftlichen Berufsschule, in Heilbronn. „Auslöser war die Stuttgarter Krawallnacht vom 19. Juni 2020“, sagt Becker.

„Kann das auch bei uns in Heilbronn passieren?“

„Die Polizei hat ihren Job gemacht – aber das Problem ist nicht gelöst“. Damals habe er sich gefragt, ob das auch in Heilbronn passieren könne, denn auch in Heilbronn habe man eine Zunahme von Gewalt, Beleidigungstatbeständen sowie einen Mangel an Respekt gegenüber der Polizei zu verzeichnen.  Seine Überlegungen führten zu der Erkenntnis: „Wir müssen in die Kommunikation mit den Menschen kommen.“ Einerseits soll Jugendlichen die Rolle der Polizei und die gesetzlichen Grundlagen ihres Handelns erläutert werden, andererseits wollen die Polizist:innen zuhören, warum die Wahrnehmung der Polizei bei den Jugendlichen so negativ ist. Sie wollen verstehen, woher diese Abneigung kommt.

Polizist:innen suchen den direkten Kontakt zu Schüler:innen

Aus diesem Grund wurde das Projekt „Warum immer ich?“ ins Leben gerufen. Jeweils zwei junge – „nicht so Alte, Gesetzte wie ich. Die Jungen haben einen ganz anderen Zugang als wir Alten.“ – Junge Beamt:innen gehen in die Klassen und reden mit den Schüler:innen über die Polizei. Grundlage der Gespräche ist eine anonyme Befragung über den Eindruck, den die Jugendlichen von der Polizeiarbeit und von den Polizist:innen haben.

„Prävention geht nur gemeinsam“

180 Schüler habe man bisher in Wertheim und Heilbronn erreicht, die jetzt als Multiplikatoren wirken sollen. „Jeder, der versteht, was die Polizei tut, ist ein Gewinn“, meint Weber. Er sieht das Programm als einen Erfolg an und meint, „Prävention geht nur gemeinsam“.

 

Dr. Christoph Franz, Direktor der Ernst-Bruckmann-Schule (li.) und Polizeipräsident Hans Becker.

Umgang mit den Sozialen Medien, Handynutzung, Gewalt und Drogen – all das hängt zusammen

In dieselbe Kerbe schlägt Dr. Christoph Franz, der Direktor der Peter-Bruckmann-Schule. Er fasst den Präventionsbegriff allerdings noch weiter: Der Umgang mit den sozialen Medien, Handynutzung, Gewalt und Drogen – all das hängt für ihn zusammen. Zusammen mit den Schulsozialarbeiterinnen versucht die Schule, hier aufzuklären und präventiv zu wirken. Er berichtet von einem Schüler, der mit Drogen aufgegriffen worden sei und anschließend die Durchsuchung gewaltsam verhindern wollte. Er sei dann von seinem Ausbildungsbetrieb entlassen worden. Solche Fälle seien „ganz, ganz selten“ – man sieht ihm an, dass er jeden solchen Fall als einen Fall zu viel ansieht. Daher will er für eine frühzeitige und niederschwellige Prävention sorgen. Man müsse jungen Menschen etwas vorleben – „die passen sich an“. Innerhalb der Schule sei Gewalt daher kein großes Problem.

„Die müssen das machen“

Gianni Alessio, ein Schüler, hatte selber noch keine Erfahrungen mit der Polizei. Allerdings hätten ehemalige Freunde Drogen genommen und Kontakt mit der Polizei gehabt. Er selber wollte ursprünglich sogar Justizwachtmeister werden, daher „war ich immer an Polizeiarbeit interessiert“ – jetzt habe er gelernt, „die müssen das machen“. Auch sieht er Berichte in den sozialen Medien inzwischen kritischer: „Man sieht, dass Polizisten schlagen, aber man weiß nicht, wie es angefangen hat.“ Er sieht das Projekt positiv: „Ich hab schon immer verstehen wollen, wie Menschen handeln. Ich weiß jetzt, wie wichtig gegenseitiger Respekt ist.“

Emirhan hatte schon vor dem Projekt ungemütlichen Kontakt mit der Polizei, Anlaß war ein tätlicher Übergriff. Er hat das Verhalten der Polizei als korrekt empfunden: „Ich mußte dann auf die Wache kommen – die haben mir sogar was zu essen und zu trinken angeboten“. Aber er berichtet auch, dass seine Freunde ganz andere Erfahrungen gemacht hätten.

Migrationshintergrund

Dass oft das Wort Migrationshintergrund fällt, ist laut den Schulsozialarbeiterinnen kein Wunder: Die jungen Menschen würden oftmals in engen Wohnverhältnissen leben und würden sich daher gerne im Freien treffen. Dass es dann zu Kontakten mit der Polizei komme, beispielsweise weil sich Anwohner über Lärm beklagen, sei nicht ungewöhnlich.

Polizei kann gegen die schlechte Wahrnehmung etwas tun

Polizeipräsident Weber ist auch klar, dass die Polizei für ihre schlechte Wahrnehmung durchaus eine Mitverantwortung trägt: Beispielsweise durch unnahbar erscheinende Beamte, die für die Bevölkerung nur noch im Streifenwagen sichtbar und nicht ansprechbar sind, Berichte von Polizeigewalt in den sozialen Medien oder Berichte über ein Rassismusproblem in der Polizei. Er wolle zwar auch verstärkt Fußstreifen, aber dazu fehlten ihm derzeit Ressourcen. Und er versichert, dass eventuelle Straftaten von Polizeibeamt:innen auch verfolgt würden. Trotz allem legt er Wert darauf: „Hinter der Uniform steckt ein Mensch“.

Aber: Es sind nicht nur die Jugendlichen!

Weber betont, dass nicht nur die Jugendlichen der Polizei oft ablehnend gegenüber stehen. Es gebe ganze  Bevölkerungsgruppen, die dem gesamten Staat negativ begegnen, stellt er fest, und benennt explizit Querdenker und deren Umfeld: „Bei Querdenker-Demonstrationen haben wir ein negatives Vorgehen gegenüber staatlichen Vorgaben festgestellt“, berichtet Becker. Sein Problem: „Wie bringt man die Leute dazu, Restriktionen einzuhalten?“

Projekt wird weitergeführt

Aufgrund der Erfahrungen mit den ersten 180 Schüler:innen sieht Weber ein „gelungenes Projekt. Wir werden diesen besonderen Weg fortsetzen“. Er will versuchen, das Projekt im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn auszurollen. Möglicherweise werden daher auch Schulen im Kocher- oder Jagsttal bald Besuch von der Polizei bekommen.

Text: Matthias Lauterer




Niedernhaller Kelterzauber unter Ausschluss von Nicht-Geimpften

Der Niedernhaller Weihnachtsmarkt, genannt Kelterzauber, wird dieses Jahr unter der G2-Regel ausgetragen. Das heißt, das Erwachsene, die nicht geimpft der genesen sind, nicht daran teilnehmen dürfen. Das geht aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung hervor.

Der Kelterzauber beginnt am Freitag, den 04. Dezember 2021, um 16 Uhr, und endet am Sonntag, den 05. Dezember 2021 (11 bis 18 Uhr). Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre dürfen am de Kelterzauber auch ungeimpft teilnehmen.

Die Stadtverwaltung begründet ihren Schritt damit, dass bei einer Durchführung unter der 3G-Regel (geimpfte, genesene und getestete) auf dem gesamten Veranstaltungsgelände eine Maskenpflicht gegolten hätte – ausser, wenn Besucher:innen gegessen und getrunken hätten. „Die Stadtverwaltung hält diese Regelung für nicht praktikabel und dies wäre zudem nur mit einem erhöhten Aufwand verbunden gewesen.“

 

 




„Ich fühlte mich wertlos, schmutzig, leer und verloren“

Gewalt. Zwang. Täuschung. Ausbeutung. Die Mitternachtsmission in Heilbronn hat sich – als eine von zwei Fachberatungsstellen in Baden-Württemberg – auf die Fahnen geschrieben, Frauen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution geworden sind, aufzufangen, zu unterstützen, zu begleiten und ihnen wieder den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Jessica Anderson und Sara Huschmann sind Ansprechpartnerinnen für Frauen, die den Ausstieg geschafft und sich an die Fachberatungsstelle gewandt haben. Bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Menschenhandel“ klären sie nicht nur über Zahlen und Fakten auf, sondern geben auch ganz intime Einblicke in das Erlebte einer Betroffenen.

Ein Brief, um Frauen in einer ähnlichen Situation zu ermutigen

„Wir wollen jetzt eine von Zwangsprostitution betroffene Frau selbst zu Wort kommen lassen. Eine Frau, die wir schon seit längerer Zeit in einer unserer anonymen und dezentralen Schutzunterkünfte begleiten, hat zu diesem Zweck einen Brief geschrieben, den ich heute hier vorlesen darf. Sie hat den Brief genau so geschrieben, wie ich ihn vortragen werde. Verfasst hat sie ihn mit dem Wunsch, Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, zu ermutigen“, erklärt Anderson und betont: „Der Brief ist nur vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Ansonsten sind das genau ihre Worte, die ich vorlesen werde. Sie verwendet dabei die Ansprache „Liebe Frau“ und schreibt den Text in der Du-Form. Ich finde diesen Brief sehr besonders. Vor allem auch, weil er zeigt, wie unterschiedlich die Hintergründe sein können, aus denen die Frauen kommen, die Opfer von Zwangsprostitution werden.“

„Es kostet mich viel Mut“

„Liebe Frau,

ich freue mich, meine Geschichte mit Dir zu teilen. Es kostet mich viel Mut, diese aufzuschreiben. Meine größte Motivation dafür war der Gedanke, dass durch das Teilen meiner Geschichte irgendjemand irgendwo eine Lektion daraus lernen könnte. Es könntest Du sein, die Du gerade diesen Text liest oder jemand, mit dem Du ihn teilen kannst.“

Mutter mit 16

„Ich bin in Westafrika in einer polygamen Familie geboren und aufgewachsen. Als einziges Mädchen meiner Mutter. Als ich 16 Jahre alt war, wurde ich Opfer einer Vergewaltigung. Daraus resultierte eine Schwangerschaft, die mich zur jungen Mutter eines kleinen Mädchens machte. Meine Mutter unterstützte mich sehr, indem sie nach der Geburt auf mein Kind aufpasste, während ich weiter zur Schule ging. Leider starb zwei Jahre später meine Mutter aufgrund von chronischem Gebärmutterkrebs. Meine Tante, also die Schwester meiner Mutter, war wie eine Mutter für mich und entschied sich, für meine Tochter zu sorgen, damit ich meine Schulbildung fortsetzen konnte. Sie zog mit meiner Tochter in die südliche Region des Landes, wo sie lebte. Ich blieb zurück und kämpfte darum, mir ein eigenes, passendes Leben aufzubauen, damit es mir eines Tages möglich sein würde, meinem Kind zu helfen.“

„Ich konnte nicht einfach zusehen, wie meine Träume zerschlagen wurden“

„Ich war schon immer eine optimistische Frau mit vielen Träumen, die jeden Tag darum kämpfte, diese zu erreichen. Einer meiner größten Träume war, die Highschool zu beenden und in Europa zu studieren. Ich überredete meinen Vater, den Prozess für mich zu starten, weil die Schulen aufgrund der andauernden Krise in unserem Land schließen mussten. Mein Vater half mir, die Durchführung der Reise weiterzuverfolgen und förderte meine Bemühungen, bis er aufgrund seiner Kooperation als Aktivist in der andauernden Krise in unserem Land festgenommen und inhaftiert wurde. Allein gelassen konnte ich nicht einfach nur dabei zusehen, wie meine Träume zerschlagen wurden. Ich wanderte von der nordwestlichen in die westliche Region und suchte verzweifelt eine Arbeit oder einfach nur einen sicheren Ort, um ein neues Leben zu beginnen.“

Ein Fremder hilt weiter

„Glücklicherweise ergab sich der Kontakt zu einem völlig Fremden, dem ich erklärte, wie elend mein Leben war. Er entschied, mir zu helfen. Ich erzählte ihm von dem Prozess mit der Schule und wie weit mein Vater und ich bisher gekommen waren. Er nahm mich mit zu seinem Zuhause und gab mir einen Ort, an dem ich bleiben konnte. Ich arbeitete eine Weile für ihn und überraschenderweise teilte er mir eines Tages mit, dass ich ihm die Daten meiner Schule nennen sollte. Ich gab sie ihm und er half mir, indem er Kontakt zur Schule aufnahm. Er gab mir die Information, dass mein Studentenvisum bereits versandt wurde und nur noch die Abholung ausstand. Ich verließ ihn, ging zur Botschaft, holte es ab und er besorgte ein Flugticket für mich. Da ich niemanden in Europa kannte, erzählte mir der Mann, dass er einen Freund dort hätte, mit dem ich Kontakt aufnehmen könne, sodass er mich beim Prozess, ein Wohnheim zu finden und die Schule zu beginnen, unterstützen könne. Der Tag des Abflugs kam und ich verließ meine Heimat.“

„Hier begannen meine Qualen“

„Ich landete am Flughafen, rief die Nummer seines Freundes an und er holte mich ab. Er brachte mich zu sich nach Hause und ich wohnte für eine Woche bei ihm. Eines Abends kam er zu mir und sagte: ‚Mach dich bereit. Ich fahre dich zu deinem Studentenwohnheim.‘ Wir fuhren ein paar Stunden und kamen an einem bestimmten Gebäude an. Ich ging herein und wurde in eines der Zimmer als mein Studentenzimmer geführt. Er ging in derselben Nacht weg. Davor forderte er meine Unterlagen und Zertifikate ein und sagte, dass er sie brauche, um das Aufnahmeverfahren für die Schule abschließen zu können. Er sagte mir, dass er sie am nächsten Tag zurückbringen würde, wenn alles erledigt sei. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah. Und hier begannen meine Qualen.“

„Ich wurde gezwungen, misshandelt, missbraucht“

„Ich wurde meiner Möglichkeit zu kommunizieren, meiner Freiheit und der Freiheit, mich selbst auszudrücken, beraubt. Hier traf ich alle möglichen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, die ich nicht verstehen konnte. Mein Handy wurde beschlagnahmt. Für meine Versuche, zu schreien oder nicht mitzumachen, wurde ich geschlagen. Alle möglichen Männer kamen und missbrauchten meinen Körper. Ob ich wollte oder nicht, wurde ich gezwungen, misshandelt, missbraucht. Ich fühlte mich wertlos, schmutzig, leer, verloren, niedergeschlagen. Ich dachte viele Male daran, mir selbst das Leben zu nehmen, aber ich erinnerte mich daran, dass ich eine Tochter habe, deren Aufenthaltsort ich nicht kannte. Einen Vater, der im Gefängnis leidet. Eine Familie. Ein zurückgelassenes Ich. Und einen Traum für meine Zukunft, der nie unrealistischer oder unerreichbarer erschien.“

„Alles, was ich hatte, war weg“

„Ich verlor mein Vertrauen und meinen Glauben. Ich verlor meinen Wert, meine Würde und meinen Respekt. Alles, was ich hatte, war weg. Aber da war eine Sache, die blieb: Leben. Meine Mutter pflegte zu sagen, dass jeder Herzschlag ein Grund zur Hoffnung ist und der einzige Moment, in dem es keinen Grund mehr zu hoffen gibt, der ist, wenn das Herz aufhört zu schlagen. Daran dachte ich, ging auf meine Knie, betete zu Gott, schrie zu ihm und bat ihn um Hilfe. Diese kam nicht so schnell, wie ich sie wollte, aber um Dir die Wahrheit zu sagen: Sie kam.“

„Ich war fähig, meine Leiden zu überwinden“

„Ich begegnete einem barmherzigen Samariter, der mir half, zu flüchten. Ich entkam, rannte hilflos weg und wurde zu einer Polizeiwache geleitet. Dort wurde mir gesagt, dass ich in Deutschland sei. Um ehrlich zu sein, war Deutschland nicht mein Ziel, als ich mein Zuhause verlassen habe, aber ich glaubte, dass alles aus einem bestimmten Grund passierte. Im weiteren Verlauf wurde ich mit der Mitternachtsmission bekannt gemacht, die einen starken Einfluss auf meine Heilung hatte. Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ich nahm Therapien und Medikamente in Anspruch und bekam Beratung von ihnen: moralisch, geistig, pädagogisch, gesellschaftlich und so weiter. Langsam aber sicher war ich fähig, meine Leiden bis zu diesem Punkt, an dem ich heute stehen darf, zu überwinden. Ich gewann meinen inneren Frieden, meine Würde und meinen Wert zurück und bin auf dem Weg, mein Traumleben aufzubauen.“

„Es gibt immer eine zweite Chance im Leben“

„Liebe Frau, am Ende angekommen möchte ich Dir mitgeben, dass es immer eine zweite Chance im Leben gibt – unabhängig davon, wie zerstört und zerbrochen Dein Leben Dir erscheint. Es gibt immer Raum, um ganz neu anzufangen – wenn Du daran glaubst. Ich würde Dir gerne erzählen, dass ich alles, was ich verloren habe, zurückgewonnen habe, aber ich bin noch auf der Reise, das wiederzuerlangen. Und sogar noch mehr. Triff jetzt die Entscheidung und such nach Hilfe. Es gibt Menschen und Organisationen, die Dir dabei helfen können, Dein Leben wieder auf den richtigen Weg zu bringen.“

 „Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher“

Laut Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes gab es 2019 in Deutschland 287 Verfahren wegen Zwangsprostitution, an denen 427 Betroffene beteiligt waren. Hierbei handelt es sich aber ausschließlich um abgeschlossene Verfahren, also das Hellfeld der Polizei. Fachberatungsstellen sind sich einig, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. Über die Dunkelziffer herrsche sogar eine „weitestgehende Unkenntnis“, wie Sara Huschmann von der Mitternachtsmission erklärt. „Das liegt an der Randgruppenproblematik, daran, dass Staatsanwaltschaften aufgrund höherer Erfolgschancen oft auf einfacher anzuwendende Straftatbestände ausweichen (zum Beispiel Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz) oder die Opfer aufgrund ihrer Traumata nicht in der Lage sind, auszusagen. Oftmals kommt es erst gar nicht zur Anzeige, also erscheint der Fall auch nicht in der polizeilichen Statistik. Somit ist bei den Zahlen, Menschenhandel und Zwangsprostitution betreffend, höchste Vorsicht geboten.“

Im vergangenen Jahr haben sich nach Informationen des Arbeitskreises „Aktiv gegen Menschenhandel“ allein in Baden-Württemberg 350 Betroffene von Zwangsprostitution an Fachberatungsstellen gewandt.

Kontakt zur Heilbronner Mitternachtsmission: Steinstraße 8 | 74072 Heilbronn | Telefon: 07131/84 531

Text: Priscilla Dekorsi

 




Bürgermeister und Verfassungsschutz wußten über das rechtsextreme Treffen in Herboldshausen Bescheid

Das Treffen bekannter Rechtsextremisten in Herboldshausen (GSCHWÄTZ berichtete) war doch nicht so geheim wie diverse Presseartikel andeuteten. Öffentliche Stellen wußten über das Treffen sehr wohl Bescheid.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) derartige Umtriebe kennt und sie beobachtet – genau das ist die Aufgabe des Verfassungsschutzes. Franz Hubert*) von der Pressestelle des LfV bestätigt sowohl das Treffen als auch das Motto der Veranstaltung. Zu einzelnen Teilnehmern will er sich nicht äußern, „da das LfV, gemäß dem gesetzlichen Auftrag, primär Informationen über Personenzusammenschlüsse sammelt und auswertet.“

Vereinsaktivitäten im Widerspruch zu m Grundgesetz

Über den Verein „Bund für Gotterkenntnis“ (BfG) schreibt Hubert, dieser falle „durch fremdenfeindliche, antisemitische und revisionistische Argumentationsmuster auf, die die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte negieren.“ Mit anderen Worten: Der Verein bewegt sich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Allerdings, so die Erkenntnisses des LfV, zeigt der Verein in Baden-Württemberg nur wenig Aktivitäten: „Der Verein hat keine regionalen Strukturen. Die Mitgliederzahl in Baden-Württemberg bewegt sich nach Einschätzung des LfV im einstelligen Bereich. Dem dreiköpfigen Vorstand des BfG gehört eine Person aus Baden-Württemberg an.“

Arbeit des Verfassungsschutzes geht über das hinaus, was im Verfassungsschutzbericht veröffentlicht wird

Hubert legt Wert auf die Feststellung, dass sich der Landesverfassungsschutz auch mit Gruppierungen beschäftigt, die nicht im jährlichen  Verfassungsschutzbericht erwähnt werden: „Der Bericht informiert über die wesentlichen, während eines Berichtsjahres gewonnenen Erkenntnisse über die relevantesten Beobachtungsobjekte.“

Dem LfV sind weitere rechtsextremistische Veranstaltungen bekannt

Weiterhin bestätigt Hubert, „dass der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e. V.“ das in Rede stehende Anwesen vereinzelt auch anderen rechtsextremistischen Organisationen zur Verfügung stellt. So wurde die Immobilie etwa im August 2020 für eine Veranstaltung der „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der NPD, genutzt.“

Auch die Stadt Kirchberg wußte von der Veranstaltung

Auch Stefan Ohr, Bürgermeister der Stadt Kirchberg, war über die Veranstaltung informiert. Er hat sich mit den zuständigen Polizeibehörden vorab darüber besprochen und, wie es auch das Polizeipräsidium Aalen bestätigt, die Veranstaltung als „privat“ eingestuft. Über den Teilnehmerkreis war er nicht informiert: „Nein, wir hatten keine belastbaren Informationen zu teilnehmenden Personen.“

Es hat „bisher keine Anstände gegeben“

Er betont, dass bisherige Veranstaltungen des Vereins ohne Zwischenfälle abgelaufen seien: „Bei der Stadt Kirchberg hat es bezüglich des Bund für Gotterkenntnis bisher keine Anstände gegeben. Vereinzelt wurden ordnungsrechtliche Fragen (z. B. zu Sonnwendfeiern) in verlässlicher Weise mit unserem Ordnungsamt geklärt“.

Kein Anlass für ordnungsrechtliches Handeln

Eine Möglichkeit oder Notwendigkeit des Eingreifens der Gemeinde sieht er nicht: „Der gesamte Sachverhalt gibt keinen Anlass für weiteres ordnungsrechtliches Handeln der Stadt Kirchberg.“

Text: Matthias Lauterer

*) Der richtige Name des Pressesprechers lautet anders. Er hat GSCHWÄTZ gebeten, seinen korrekten Namen nicht zu nennen.




„Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen“

Mathea Weinstock aus der Pressestelle des Landratsamts Hohenlohekreis nimmt Stellung zum GSCHWÄTZ-Artikel über den Norovirus in Forchtenberg:

„Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen“

GSCHWÄTZ: Ist es richtig, dass es in oder um Forchtenberg einen Ausbruch des Norovirus gibt?

Weinstock: Aktuell liegt dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises ein laborbestätigter Fall des Norovirus vor. Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen, allerdings nach aktuellem Stand keine weiteren Bestätigungen. Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen.

Gesundheitsamt auf Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen

GSCHWÄTZ: Hat das Gesundheitsamt Maßnahmen eingeleitet und wenn ja, welche?

Weinstock: Das Gesundheitsamt befindet sich in engem Kontakt und Austausch mit der Leitung der betroffenen Einrichtung, insbesondere zur fortlaufenden Risikoanalyse und Beratung. Wir empfehlen u.a. eine äußerst strenge Handhygiene, häufige Desinfektion, die Kontaktaufnahme zum Hausarzt bei entsprechenden Symptomen und Herbeiführung einer Diagnostik (Laborbestätigung durch Untersuchung von Stuhlproben) und nach Erkrankung 48 Stunden symptomfrei zuhause zu bleiben. Bei den genannten Maßnahmen ist das Gesundheitsamt ebenso wie der Träger der Einrichtung auf die Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen.

GSCHWÄTZ: Ist der Ausbruch einer der Gründe dafür, dass der Kindergarten in Forchtenberg diese Woche geschlossen ist?
Weinstock: Für die Schließung von Einrichtungen ist der jeweilige Träger zuständig.

Vorsichtsmaßnahmen

GSCHWÄTZ: Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, mit denen die Bevölkerung sich vor dem Virus bestmöglich schützen kann?
Weinstock: Siehe hierzu https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/noroviren.html#c3907

Die Fragen stellte Matthias Lauterer




Durchfall und Erbrechen: Norovirus in Forchtenberg

In den sozialen Medien kursieren Gerüchte (aber auch Informationen) oft schon lange, bevor sie von den zuständigen Stellen bestätigt werden. So erreichte GSCHWÄTZ heute morgen eine Mitteilung, dass es in Forchtenberg einen Ausbruch des Norovirus geben soll. Aus diesem Grunde sei auch der Kindergarten geschlossen.

Bürgermeister bestätigt Norovirus

Norovirus in Forchtenberg – Kindergarten-App

Von der Stadt Forchtenberg war am Morgen keine Stellungnahme zu erhalten, Bürgermeister Michael Foss informierte aber die Eltern via die Kindergarten-App über die Schließung des Kindergartens und der Krippe bis mindestens Freitag, 22. Oktober 2021. Als Grund gab er viele Magen-Darm-Infekte an und bestätigte auch, dass der Norovirus nachgewiesen ist. Bei dem geringen Personalstand sei die pädagogische Betreuung bei gleichzeitiger Einhaltung der strengen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen nicht zu gewährleisten.

Antwort des Landratsamts steht noch aus

GSCHWÄTZ hat beim Landratsamt über den Status des Ausbruchsgeschehens angefragt – mit der Antwort ist im Laufe des Nachmittags zu rechnen. Eine diagnostizierte Noroviruserkrankung ist meldepflichtig, daher ist das Gesundheitsamt einbezogen.

ERGÄNZUNG: Die Antwort des Landratsamtes ist eingegangen. Siehe https://www.gschwaetz.de/2021/10/20/im-umfeld-des-erkrankten-gibt-es-weitere-erkrankte-mit-verschiedenen-symptomen/

Norovirus ist in der Lage, sich sehr schnell zu verbreiten

Der Norovirus tritt immer wieder, gerne im Winter, dort auf, wo viele Menschen zusammenkommen. Altenheime oder Schulen sind Orte, an denen sich der Virus besonders schnell verbreitet. Bekannt sind auch Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen. Da er sich auf unterschiedlichen Wegen ausbreitet, etwa durch oral-fäkale Infektion, Schmierinfektion oder Tröpfcheninfektion, ist er an solchen Orten kaum zu bremsen.  Schon ein kleiner Kontakt des Virus mit Schleimhäuten, etwa wenn man nur mit dem Finger an den Mund greift, kann zur Infektion führen.

Einmal infiziert: Sofort ansteckend

Infizierte sind schon sehr schnell nach der Ansteckung selber ansteckend. So kann sich der Virus schon verbreiten, bevor Symptome sichtbar sind. Dies ist gewöhnlich nach 6 -48 Stunden der Fall. Auch nach Abklingen der Symptome sind die Betroffenen noch mehrere Tage ansteckend, im Stuhl ist der Virus oft noch nach 2 Wochen nachweisbar.

Symptome: Durchfall und Erbrechen

Der Norovirus führt zu Übelkeit, schwallartigem Erbrechen, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen, leichtem Fieber und Abgeschlagenheit. Die Krankheit heilt bei ansonsten gesunden Erwachsenen fast immer problemlos aus. Vorsicht ist geboten bei Kleinkindern und älteren Menschen: Diese Gruppen bemerken den rapiden Flüssigkeitsverlust oft nicht. Dehydration und Elektrolytverlust führen dann oft zu weiterführenden Komplikationen, unter anderem treten Kreislaufprobleme, Krampfanfälle und sogar Nierenversagen auf. Eine Impfung gegen das Virus ist nicht möglich. Auch eine Neuansteckung ist möglich.

Gegenmaßnahmen

„Viruzide Desinfektionsmittel“ wirken zuverlässig gegen den Norovirus – das sind die Desinfektionsmittel, die seit dem Beginn der Coronapandemie jeder kennt. Dementsprechend sind auch die Ratschläge: Hände waschen und Desinfizieren sowie Haushaltsgegenstände und Toiletten desinfizieren sind die empfohlenen Maßnahmen. Außerdem sollte Wäsche von Betroffenen bei 90 Grad gewaschen werden – der Virus kann eine 60-Grad-Wäsche überleben und sich anschließend weiterverbreiten – und man sollte den Kontakt zu Betroffenen meiden.

Text: Matthias Lauterer

 




„Die Maskenpflicht im Unterricht ist gerade gefallen, da wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einsatz der Geräte gewesen“

Nachdem der Künzelsauer Gemeinderat in einer Sondersitzung am 17. August 2021 beschlossen hatte, 98 mobile Luftfilteranlagen für Kindertageseinrichtungen und die Klassenräume der Klassen 1-6 zu beschaffen (wir berichteten), konnte die Verwaltung bei der Sitzung vom 19. Oktober 2021 das Ergebnis der Ausschreibung vorlegen:

Nur zwei Firmen hatten überhaupt angeboten

Ganze zwei Anbieter hatten sich um den Auftrag, der immerhin ein Volumen von rund 400.000 Euro hat, beworben. Das Angebot des einen Anbieters entsprach in technischer Hinsicht bei Weitem nicht den Anforderungen der Ausschreibung. Somit war die Entscheidung für den Gemeinderat leicht: Nur die Firma AFS Airfilter Systeme GmbH aus Übrigshausen war noch im Rennen. Mit den Geräten dieser Firma hat die Stadt Künzelsau bereits Erfahrung, einige Geräte sind im Rathaus im Einsatz.

Fördergelder sind reserviert

Am 20. September 2021 kam auch die Information, dass die beantragten Fördergelder für Künzelsau reserviert sind. Die Entscheidung, AFS zu beauftragen, fiel demnach auch einstimmig aus. Die ersten Geräte sollen Ende November geliefert werden. Kai Kuppinger, einer der Geschäftsführer von AFS, freut sich über den Zuschlag: „Wir freuen uns a) natürlich über den Auftrag und b), dass wir Schulen und Kindergärten unterstützen können.“

Ganz wenige Anbieter auf dem Markt

Dass es keinen erbitterten Bieterwettstreit gegeben hat, wundert ihn nicht: „Es gibt in diesem Markt ganz wenige Anbieter, die diese Anforderungen erfüllen können, maximal drei bis vier.“ Viele der am Markt angebotenen Geräte seien für den Einsatz im Klassenzimmer ungeeignet, sagt Kuppinger. Luftdurchsatz und Geräuschentwicklung sowie die Verteilung der ausgeblasenen Luft im Klassenraum seien Kriterien, die nur schwer zu erfüllen seien. Seine Geräte, so sagt es das Datenblatt, sind mit speziellen „Weitwurfdüsen“ ausgestattet, die „die gereinigte Luft großflächig und zugfrei über Kopfhöhe zurück in den Raum“ führen.

Kritische Versorgungslage

Zum anderen sei auch weiterhin die Versorgungslage kritisch: „Bayern hat schon frühzeitig ein Förderprogramm auf den Weg gebracht. Seitdem kauft Bayern den Markt leer.“ Trotzdem hat er einen Liefertermin ab Ende November zugesagt: „Wir haben schließlich starke und zuverlässige Partnerunternehmen aus der Region.“

„Erst mal froh, dass es am Laufen ist“

Mit „besser spät als nie“ beantwortete Rainer Süßmann  ganz spontan die Frage nach einem Kommentar zur Entscheidung des Gemeinderates. Süßmann ist kommissarischer Schulleiter der Georg-Wagner-Realschule und hat dort bereits einige Luftreiniger im Einsatz. Er hat den Antrag auf Beschaffung der Luftreiniger im Gemeinderat eingebracht und begründet. „Die Maskenpflicht im Unterricht ist gerade gefallen, da wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einsatz der Geräte gewesen. Das bestehende Risiko hätte man damit minimieren können“, trauert er einer verpassten Gelegenheit nach. Es sei eben in den vorhandenen Räumen sehr schwierig, die Abstände wirklich immer einzuhalten. Trotzdem ist er „erst mal froh, dass es am Laufen ist.“

Hohenloher sind lösungsorientiert

Dass der Auftrag ausgerechnet an ein Hohenloher Unternehmen gegangen ist, wundert ihn nicht: „Die Hohenloher denken halt immer an Lösungen.“

Text: Matthias Lauterer




Noch besserer Schutz vor häuslicher Gewalt

Nach der Bundestagswahl im vergangenen September sieht es nun ganz so aus, als ob Deutschland eine neue Regierung aus SPD, Grüne und FDP bekommt. Die Parteigremien haben jetzt Koalitionsverhandlungen zugestimmt und die Gespräche für eine Ampelkoalition könnten noch in dieser Woche starten. Die Erwartungen vieler Menschen im Land sind nun groß. GSCHWÄTZ hat bei den Hohenloher Sozialträgern nachgefragt, welche Wünsche sie an die neue Regierung haben.

Kinder mehr in den Mittelpunkt rücken

Elke Hammel vom Informations- und Kooperationsstelle gegen häusliche und sexuelle Gewalt im Hohenlohekreis (infokoop) schreibt auf die Anfrage: „Was wir uns wünschen, erwarten, benötigen ist eine verlässliche finanzielle Absicherung der (spezialisierten) Fachberatungsstellen sowie ein ausreichendes und flächendeckendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für von Gewalt betroffene Menschen.“ Denn spezialisierte Fachberatungsstellen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen seien keine Pflichtaufgabe für Landkreise. Des Weiteren auf der infokoop-Liste: Beratungsstellen für Täter und Täterinnen und dass Kinder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden – bei den Kinderrechten, Bildung, Betreuung, Schutz, Chancen und Zukunftsperspektiven.

Die weitere Umsetzung der Istanbul-Konvention

Auch Andrea Bühler vom Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis hat ganz klare Forderungen an die neue Bundesregierung. „Wir erwarten einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Frauenhausplatz und keine Kürzungen im Hilfesystem, sondern bedarfsgerechter Ausbau“, schreibt sie. Besonders wichtig ist ihr die weitere Umsetzung der Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt). „Sie ist ein völkerrechtlicher Menschenrechtsvertrag und wurde nach mehrjährigen Verhandlungen der Staaten des Europarates am 11. Mai 2011 in Istanbul beschlossen und ist 2014 in Kraft getreten“, erklärt Andrea Bühler. „Schutz vor häuslicher Gewalt auch für Frauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus – das betrifft vor allem Frauen aus dem Familiennachzug – und Stabsstellen im Ministerium in ausreichendem Stellenumfang“, benennt sie als weitere Wünsche an die neue Regierung.

Text: Sonja Bossert

 

 

 




KÜNFit: Gemeinderat lehnt weiteren Zuschuss über 300.000 Euro ab

In seiner Sitzung vom 26. März 2019 genehmigte der Künzelsauer Gemeinderat einstimmig bei einer Enthaltung einen Zuschuß von damals 440.000 Euro für den Bau des Sportzentrums KÜNFit, das vom TSV Künzelsau initiiert wurde (wir berichteten).

Das waren 40 Prozent der vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) als förderfähig anerkannten Kosten. Später erhöhte sich dieser Zuschuß nochmals um etwa 20.000 Euro, da der WLSB die förderfähige Summe nachträglich angepaßt hatte. Zum damaligen Zeitpunkt stand ein Antrag im Raum, der einen weiteren Zuschuß von 300.000 Euro vorsah – dieser weitere Zuschuß war im Beschluß des Gemeinderates nicht enthalten.

Höchster Zuschuß, den jemals ein Sportverein beantragt hat

Christian von Stetten sprach damals vom höchsten Zuschuß, den jemals ein Sportverein beantragt habe, sprach sich aber dafür aus, die Förderrichtlinien der Stadt einzuhalten und auch für dieses große Projekt die üblichen 40 ProzentZuschuß zu gewähren. Aus dem damaligen Protokoll kann man ein Bauchgrimmen der Stadträte ob der hohen Summe herauslesen – aber auch den Willen, die Initiative des Vereins, die ja in Form eines Fitnesszentrums für jedermann der gesamten Stadt zugutekommen würde, zu unterstützen.

Tag der offenen Tür am 6. und 7. November 2021

Inzwischen ist das Zentrum nahezu fertiggestellt und fast schon betriebsbereit. Am 06. und 07. November 2021 soll es der Bevölkerung an einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden. Alle Sportvereine der Stadt sind inzwischen Kooperationspartner des TSV Künzelsau, das Projekt ist also nicht mehr das alleinige Projekt nur eines Vereins, sondern nunmehr ein Projekt des gesamten Künzelsauer Sports.

Mit Schreiben vom 1. Juli 2021 beantragte das Präsidium des TSV Künzelsau nun einen weiteren Zuschuß von 300.000 Euro. Als Begründung gibt Erwin Bergmann, Präsident des TSV Künzelsau  „zusätzlichen Schall- und Hochwasserschutz, Klimaanlage, Parkplatzablöse, Garagen und Preissteigerungen im Innenausbau und Mobiliar“ an und bietet an, in einer Gemeinderatssitzung darüber zu informieren.

Gemeinderat macht kurzen Prozeß

Am 15. Oktober 2021 stand das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats – zu einer Information kam es allerdings nicht. Nachdem Bürgermeister Stefan Neumann den Tagesordnungspunkt schon übersehen hatte und die Sitzung beenden wollte, führte er noch kurz  in das Thema ein und wies auf die Förderrichtlinien der Stadt hin. Diese solle man doch nicht für einen Einzelfall übergehen. Ohne große Aussprache schritt man sehr schnell zur Abstimmung. Diese fiel genauso eindeutig aus wie die am 26. März 2019: Der Antrag des TSV wurde einstimmig bei einer Enthaltung …. abgelehnt.

„Alle Künzelsauer Vereine sind beteiligt“

Naturgemäß ist Erwin Bergmann von dieser Entscheidung enttäuscht. Er verweist darauf, dass es sich zwischenzeitlich nicht mehr um das  Projekt eines einzelnen Vereins handelt: „Das Risiko trägt zwar der TSV, aber alle Künzelsauer Vereine sind beteiligt.“ Diese Sicht der Dinge hätte er dem Gemeinderat gerne vorgetragen, „schließlich ist das ein Projekt, mit dem die Stadt Künzelsau gut dasteht“.

Prävention als übergeordnetes Projektziel

Nochmals weist er auf die Bedeutung des Projekts KÜNFit im gesellschaftlichen Zusammenhang hin: „Prävention ist entscheidend, um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen wenigstens erträglich zu machen“, sagt Bergmann und schiebt damit das Projekt KÜNFit in einen viel größeren Zusammenhang hinsichtlich Bewegung und Fit sein und Bleiben in jedem Alter.

Ablehnung des Antrags hat Konsequenzen für die Ausstattung

Fast fertiggestellt ist das neue Sportzentrum KÜNFit. Foto: TSV Künzelsau

Die Geräte sind bereits angekommen und installiert. Foto: TSV Künzelsau

Die Entscheidung des Gemeinderats habe natürlich Konsequenzen: „Die Klimaanlage können wir uns nicht leisten, die ist gestrichen. Warten wir mal den Sommer ab. Außerdem schränken wir uns bei einigen Geräten ein.“ Letztendlich blickt er allerdings weiterhin positiv in die Zukunft: „Dann müssen wir anderweitig Sponsoren suchen und Mitgliederwerbung betreiben“ – die Gefahr, dass das Projekt komplett scheitert, sieht er nicht.

Text: Matthias Lauterer