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Gedenken an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft

Auf dem Friedhof Künzelsau: Gedenkfeier am Volkstrauertag. Die Stadtverwaltung Künzelsau lädt ein zur Gedenkfeier anlässlich
des Volkstrauertages am Sonntag, 14. November 2021, um 11 Uhr, auf dem Friedhof in Künzelsau. Bürgermeister Stefan Neumann,
Pfarrer Wilfried Härpfer als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde sowie Theresia Hackmann, zweite Vorsitzende des
katholischen Kirchengemeinderates St. Paulus, werden am Ehrenmal sprechen.

Im Anschluss daran folgt die Kranzniederlegung. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Stadtkapelle Künzelsau sowie von Mitgliedern des Männerchors aus Garnberg und Nagelsberg. Die Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Aufgrund der aktuellen Infektionszahlen ist bei der Gedenkfeier die 2G-Regel einzuhalten und eine Mund-Nasen-Bedeckung erforderlich. Die Kontaktdaten der Teilnehmenden werden vor Ort erfasst werden. Das ist digital über die Luca-App oder handschriftlich über ausgelegte
Formulare möglich.

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag seit den 1920er-Jahren. Ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Heutzutage wird am Volkstrauertag an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert.

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Künzelsau 2019. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Künzelsau 2019. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau




„Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss“

Am 27. Oktober 2021 hatte Künzelsau prominenten Besuch. Michael Reh, der in den Vereinigten Staaten erfolgreich als Modefotograf arbeitet, stellte im Rahmen einer Lesung sein Buch Katharsis in der gut besuchten Stadthalle vor. Darin verarbeitet er den sexuellen Missbrauch, den er in sehr jungen Jahren durch seine Tante erfahren hat. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat er anschließend in einem Interview im Hotel Anne-Sophie in Künzelsau von den Auswirkungen, die dieser Missbrauch auf ihn hatte, erzählt. Im ersten Teil ging es um seine Kindheit und wie er seine Erlebnisse verarbeitet hat. Im zweiten Teil erzählt er von seiner letzten Begegnung mit seiner Tante, den Gesprächsversuchen mit seinem Vater und wie es für ihn heute ist, eine Beziehung zu führen.

Gil Ofarim ist ein guter Freund von Michael Reh. Foto: privat

Auf einem Apfelbauernhof, 10 Kilometer vom nächsten Edeka entfernt

Michael Reh: Diese Lesung ist seit einem Jahr geplant oder sollte letztes Jahr auch schon stattfinden. Da saß ich dann da im Corona-Lockdown in Deutschland mit einer kleinen Reisetasche und konnte auch nicht weg. Ich hätte nach Amerika zurückgehen können. Da wäre ich aber dann vom Regen in die Traufe gekommen, Miami war ja Hochburg von Covid. Also bin ich zu einem Freund auf einen Apfelbauernhof gefahren, wo der nächste Edeka zehn Kilometer entfernt war. Dann habe ich ein neues Buch geschrieben, anstatt auf eine Lesereise zu gehen. Ein Nord-Krimi namens Asta, der aber auch durchaus nach Süddeutschland passt. Es ist aber nicht nur ein Krimi, in dem ein Serienkiller sein Unwesen treibt, sondern da geht es auch wieder um familiäre Strukturen und wie sie sich verändern. Da müssen sich auch die fiktiven Charaktere Dingen stellen, die müssen sich auch entscheiden, wie sie weitergehen, indem sie mit diesen Morden konfrontiert werden. Sie müssen sich hinterfragen: Was habe ich damit zu tun? Wie reagiere ich darauf? Ändere ich mich? Katharsis und Asta haben durchaus was gemeinsam. Es geht immer um Selbstfindung. Meine Figuren müssen sich in irgendeiner Form finden.

Auch Pamela Anderson hatte Michael Reh schon vor seiner Linse. Foto: privat

„Du kannst noch so weit gehen, es bleibt in dir drin“

GSCHWÄTZ: War das auch eine Art Selbstfindung, als du beschlossen hast, in die Vereinigten Staaten auszuwandern?

Michael Reh: Das war unbewusst. Es ist ja schon lange her. Aber vielleicht habe ich Distanz gesucht.

GSCHWÄTZ: Vielleicht auch eine andere Kultur, eine vermeintlich leichtere?

Michael Reh: Das ist keine leichtere, bloß eine andere. Leichter ist die nicht, die kommt nur leichter rüber, weil die Amerikaner kommunikativer im ersten Miteinander sind. Auch wenn die Deutschen immer sagen, die Amis sind oberflächlich – was sie auch sind –  aber es macht ein erstes Miteinander einfacher. Ich bin nach Amerika gegangen, bestimmt unbewusst, unbewusst, um weit weg zu gehen. Um diese Sache vielleicht zu verarbeiten. Aber du kannst noch so weit weggehen – bis ans Ende der Welt. Es bleibt in dir drin. Das heißt, die Verarbeitung muss irgendwann stattfinden, aber vielleicht war die Distanz erstmal hilfreich. Amerika war bestimmt oder ist immer noch extrem wichtig.

Beim Power-Yoga findet Michael Reh Ruhe, aus der er Kraft schöpft. Foto: privat

„Ich kann aus dieser Ruhe eine gewisse Kraft schöpfen“

GSCHWÄTZ: Ich habe gelesen, dass Du Yoga machst, um zu entspannen.

Michael Reh: Ja, ich mache sowieso sehr viel Sport, immer schon, mein ganzes Leben lang. Ich konzentriere mich dann in dem Moment, ähnlich wie beim Schreiben, ganz auf ein Thema, was gut für mich ist, und ich kann da aus dieser Ruhe und aus dieser Konstellation eine gewisse Kraft schöpfen, um wieder an die Themen des realen Lebens heranzugehen. Ich mache sehr viel Power-Yoga mit schnellen Abläufen, das ist schon ein richtiger Sport. Nach 90 Minuten kannst du dich auch da in die Ecke stellen, weil es so anstrengend ist. Aber das ist genau richtig für mich. Für meine Seele und für meinen Körper.

 

„Da habe ich sehr viel Zeit mit mir verbracht“

GSCHWÄTZ: Dir schreiben ja auch viele Überlebende. Schaffst du das, all die Zuschriften zu beantworten?

Michael Reh: In der Pandemie ja, da hatte ich die Zeit und habe fast alle beantwortet. Aber das war schon auch ein emotionaler Kraftakt. In dieser Zeit war ich ja sieben Monate auf dem Apfelbauernhof mit einem Hund und zwei Freunden in Deutschland. Da habe ich auch nicht viele Leute gesehen und hatte wirklich viel, viel Zeit, was ich ganz gut fand, dass ich viel Zeit hatte und Ruhe. Dann bin ich nach Miami zurück im September 2020 und dann war ich noch mal neun Monate durch Corona sehr by myself. Ich habe ein schönes Haus in Miami Beach mit einer Dachterrasse, das Meer ist nur drei Straßen entfernt. Man konnte auch sehr viel Fahrrad fahren. Aber trotzdem war da die Pandemie, es war Lockdown, da habe ich sehr viel Zeit mit mit mir verbracht und hab jeden Tag sechs Stunden geschrieben.

„Das hat mich kaputtgemacht“

GSCHWÄTZ: Welche Emotionen hast du denn all die Jahre mit dir herumgetragen? Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit? Vielleicht auch das Wort verzeihen, das im Raum steht?

Michael Reh: Das ist eine ganz wichtige Frage und eine gute Frage. Du musst bedenken, dass all diese Emotionen in den vergangenen 30 Jahren da waren, nur immer unterschiedlich ausgeprägt. Über allem liegt erst mal, wenn Menschen wütend sind. Also da ist die Wut und die ist wichtig, dass man erst mal wütend wird und sagt: Da ist mir was passiert, das war ungerecht, das war übergreifend, das hat mich kaputt gemacht. Man muss erst mal wütend sein, um aus dieser Wut Energie zu schöpfen. Dann muss man schauen: Was liegt unter der Wut? Da liegt dann oft die Trauer darüber, was mit einem passiert ist. Und die Trauer beinhaltet Mitgefühl, auch für sich selbst empfinden. Mitleid ist kein gutes Wort, Mitgefühl ist ein besseres Wort. Wir müssen auch darauf achten, was für eine Sprache wir benutzen, wenn wir an diese Themen herangehen. Überlebender. Mitgefühl. Nicht Mitleid. Nicht Opfer. Es ist ein langsamer Prozess. Es geht nicht von heute auf morgen. Man braucht Zeit. Aber da wir in einer Zeit leben, in der sich das Thema ein bisschen öffnet für die Öffentlichkeit, weil man mehr Literatur hat. Man kann sich im Internet schlau machen. Es gibt Menschen wie mich, die öffentlich darüber reden. Ich hoffe – es ist wirklich mein tiefstes Anliegen – dass ich irgendjemandem helfen kann durch das, was ich mache und das, was ich erzähle. All das hätte mir damals extrem geholfen, hätte ich da irgendwie so jemand gehabt, der gesagt hat: Mir ist das auch passiert. Ich bin nicht alleine auf dieser Welt. Das ist so extrem wichtig, weil man in Scham, Schande in die Isolation getrieben wird.

Michael Reh arbeitet in New York als Fotograf. Foto: privat

 

„Natürlich ist das schmerzhaft“

GSCHWÄTZ: Du hattest auch innerhalb deiner Familie einen schweren Stand damit. Da gibt es bestimmt auch den ein oder anderen Gedanken, dass man seinen Eltern vielleicht auch Vorwürfe macht diesbezüglich, dass sie da nichts gemerkt haben oder die Augen verschlossen hatten. Dein Vater hat eine ganz spezielle Rolle dabei eingenommen. Ist das immernoch sehr schmerzhaft für dich?

Michael Reh: Natürlich ist es das. Wir reden ja über mein Leben und nicht übers Wetter. Natürlich ist das schmerzhaft. Ich finde das ganz, ganz furchtbar. Das Thema des weggeschmissen Lebens, also, dass man nicht miteinander kommuniziert und deswegen kommuniziere ich ja auch, weil ich das nicht kenne und nicht gelernt habe früher. Und ich finde das so furchtbar. Mein Vater war ein traumatisiertes Kriegskind, ein Nazivater, missbraucht von einem Nachbarsjungen, missbraucht von einem Knecht. Und dann wird er auch noch von der gleichen Frau missbraucht wie ich. Und dann sagt er dir: Es ist es nicht passiert, du lügst. Was mein Vater Anfang der 90er Jahre gesagt hat, weil er es gar nicht aushalten konnte, der musste sich schützen davor und hat gesagt: Das gibt’s nicht. Der Junge ist schwer erziehbar. Und so weiter.

„Was glaubt ihr denn, was in der Pandemie los war?“

GSCHWÄTZ: Zweifelt man in einer solchen Situation nicht an seinem eigenen Verstand?

Michael Reh: Ich habe erst kurz nach seinem Tod erfahren, dass seine Schwägerin, meine Tante, die 18 Jahre älter war als er, ihn auch missbraucht hat. Nicht so wie mich. Nur kurz und ich glaube, es war auch nur ein- oder zweimal. Und dennoch, das hat damit nichts zu tun. Missbrauch bleibt Missbrauch. Also der Vater muss seinen Sohn opfern in dem Sinne, um seine Ruhe zu behalten. Es ist so ein schmerzhaftes Thema und es ist so, weil es eben die Familie betrifft, und der meiste Missbrauch findet innerhalb der Familie statt. Ganz ehrlich, was glaubt ihr denn, was in der Pandemie los war? Was wir noch gar nicht wissen. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer Million Überlebenden von sexuellem Missbrauch aus. Das wären heruntergebrochen zwei Kinder in jeder Schulklasse, die das erfahren.

„Man muss sich hinterfragen: Warum habe ich nicht zugehört?“

GSCHWÄTZ: Ich möchte gerne nochmal kurz auf deinen Vater zurückzukommen. Hast du dich jemals mit deinem Vater aussprechen können?

Michael Reh: Ich habe es versucht, ja. In den 1990ern das erste Mal. Da hat er gesagt: Das denkst du dir aus. 2004 ist er nicht gekommen. 2005 hatten wir eine Möglichkeit und haben uns getroffen, dann waren wir kurz in Kontakt. Dann ebbte das aber sehr schnell wieder ab, weil mein Vater auch merkte, dass ich natürlich auch eine Bedürftigkeit hatte nach einem Vater, obwohl ich ein erwachsener Mann war. Aber man bleibt ja Kind. Das konnte er nicht erfüllen. Und dann hat er mich besucht und das uferte dann so weit aus, dass ich wissen wollte, warum haben wir diesen Kontakt? Und er hat dann wieder angefangen und sagte: Du bist ein ungewolltes Kind deiner Mutter. Meine Mutter war bereits 15 Jahre tot. Also Eigenverantwortung übernehmen. Das ist ja auch schwierig. Und wenn jemand in der Familie einen Überlebenden hat, muss man sich hinterfragen: Was habe ich falsch gemacht? Warum habe ich nicht zugehört?

„Ich bin nicht mehr wütend“

Der erfolgreiche Modefotograf Michael Reh wurde als Kind jahrelang von seiner Tante missbraucht. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Also er hat eigentlich versucht, durch psychische Abertung von seinen Problemen abzulenken?

Michael Reh: Einmal das und ich glaube, der konnte das alles überhaupt nicht aushalten. Das ist genau das gleiche, was meine Schwester jetzt macht. Ich habe eine Schwester, die ist ein Jahr älter, die macht das gleiche. Sie erträgt es nicht.

GSCHWÄTZ: Es ist bewundernswert, wieviel Verständnis du trotz allem noch für deinen Vater und deine Schwester hast.

Michael Reh: Das ist aber auch eine Geschichte, die sich entwickelt hat. Verstehen, Strukturen Prozesse erkennen. Warum handelt jemand, wieso handelt jemand so? Akzeptieren ist eine andere Sache. Bin ich wütend drüber? Nicht mehr. Ich weiß, ich kann was, warum soll ich wütend auf meinen Vater sein? Warum soll ich wütend auf meine Schwester sein? Es bringt ja nichts.

„Ich wusste, ich lass dich gehen“

Heute ist er nicht mehr wütend auf seinen Vater. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Du hast mit deiner Tante abgeschlossen, es gab kein Gerichtsverfahren.

Michael Reh: Nein, das war damals verjährt. Ich konnte nicht zivil- oder strafrechtlich gegen sie angehen. Deswegen habe ich das Familiengericht angerufen. Da war kein einfacher Weg. Ich  weiß nicht, ob es Karma gibt, aber ich glaube an Energien zwischen Menschen, dass wir alle energetisch sehr miteinander verbunden sind. Ich komme aus einem kleinen Ort im Ruhrpott und da habe ich sie 2009 oder 2010 nochmal gesehen, an ihrem Schlafzimmerfenster, in dem Raum, wo sie mich missbraucht hat. Sie saß da, ich wusste, sie war im Rollstuhl, sie war auch schon leicht dement. Irgendwie kreuzten sich unsere Blicke und keine Ahnung, ob sie mich erkannt hat oder nicht. Aber das war der Moment, wo ich dachte. Nein, ich wusste, ich fühlte, ich lass dich gehen, weil ich kann dich nicht in mir behalten, wenn ich dich in mir behalte, frisst mich das auf und es ist wie Krebs und das möchte ich nicht. Ich lass dich gehen. Sie ist sieben oder acht Jahre später gestorben. Ich habe in der Nacht, bevor sie starb, geträumt, sie stirbt. Ich bin dann auch ein halbes Jahr darauf in in meinen Heimatort gegangen und wollte in diese Wohnung, in dieses Haus. Ich wusste nicht wie, denn sie war tot und ich kannte die Erben nicht. Das hat aber funktioniert, weil ich die Erbin dann traf. Zufällig an dem Tag, an dem ich in dem Ort war, vor dem Haus. Ja, das war schon a very spooky Situation. Ich habe also das ganze Haus noch mal mit ihr sehen können, weil ich wissen wollte, ob meine Bilder stimmen. Und die stimmten alle hundertprozentig.

„Du gehst aus dir raus, weil du es nicht erträgst“

GSCHWÄTZ: War das nicht auch so ein bisschen eine Schreckensbefreiung, noch mal da hinzugehen?

Michael Reh: Das war eine Bestätigung. Ich wollte wissen, ob meine Bilder stimmen von der Wohnung, von dem Gefühl, was die Wohnung hatte, wo was stand. Oder auch mein Unterbewusstsein, ob das mir Streiche spielt, das hat es aber nicht. Ich bin ja ein sehr visueller Mensch, bin ja Fotograf geworden, und es war alles noch genau so. Da stand das Telefon an der gleichen Stelle, die Couch, das Kreuz an der Wand. Es prägt sich alles ein. Du gehst ja, wenn das passiert, aus deinem Körper raus und projizierst dich im Gegenstand oder ein Objekt. Du gehst aus dir raus, weil du es nicht erträgst. Und ich hatte mich in so eine Puppe oder in das Kreuz mit Jesus an der Wand projiziert. Das heißt, da passierte nichts mit mir, sondern ich war abgespalten. Vereisung, Abspaltung, auch ein ganz ein großes Thema bei Missbrauch.

„Das hat mich extrem beeinflusst“

GSCHWÄTZ: Inwieweit hat es dann deine Sexualität geprägt danach?

Michael Reh: Da antworte ich mit einer Gegenfrage. Was glaubst du, wie deine Sexualität sich geprägt hätte, wenn du mit fünf oder sechs Sexualität als kriminell übergreifend, als Vergewaltigung und Todesdrohung empfunden hättest?

GSCHWÄTZ: Da ist vermutlich schon die Einordnung schwer: Was ist normal? Und wie müsste es sein? Auch wenn die Liebe der Eltern fehlt, dann in eine Beziehung zu starten und prinzipiell alles neu zu lernen.

Michael Reh: Wenn man es überhaupt lernen kann? Es gibt ja Liebe und Sexualität und Beziehung und Freundschaft. Das sind ja alles sehr unterschiedliche Begriffe. Ich würde mal sagen, es hat mich so beeinflusst, dass es natürlich schwierig war, Vertrauen zu fassen. Sexualität hat für mich unendlich viel mit Vertrauen zu tun. Früher konnte mich keinervon hinten umarmen. Da bin ich schon ausgeflippt. Beeinflusst hat mich das natürlich extrem.

„Das Leben ist immer Bewegung, Veränderung“

GSCHWÄTZ: Konntest du dann oder kannst du Beziehungen langfristig führen?

Michael Reh: Kurzfristig geht schon mal super (lacht). Langfristig ja, das geht auch. Ich bin seit neun Jahren allein und denke mir, schauen wir mal, was noch kommt. Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss. Das Leben ist immer Bewegung, immer Veränderung und und das ist das, was mir jeden Tag Hoffnung gibt oder meinen Pragmatismus nährt. Jeder Tag und das meine ich wirklich ernst. Ich stehe morgens auf und denke mir aber: Treffe ich auf was, das mich heute berührt? Das ist eine ganz große Lebensquelle für mich. Da muss man nicht durch die Welt touren oder jeden Tag in einer anderen Stadt sein. Das ist eher stressig. Sondern was passiert heute? Wenn es nur ein ganz kleiner Moment ist. So kleine Momente, bei denen ich denke: Ah! Was gelernt, was gefühlt, was verändert.

GSCHWÄTZ: Michael, ich danke dir für deine Zeit, die du dir für uns genommen hast, für das Interview. Und wenn Sie, liebe Leser:innen und liebe Zuschauer:innen, noch mehr erfahren möchten über das Thema oder wenn Sie selbst Hilfe brauchen oder Fragen haben, dann gibt es in Künzelsau eine Beratungsstelle, die heißt Infokoop. Die befindet sich am oberen Bach in Künzelsau und da stehen die Mitarbeiter:innen Ihnen immer zur Verfügung. Trauen Sie sich, haben Sie Mut.

Bücher von Michael Reh

Michael Reh hat bislang zwei Bücher geschrieben. Das erste heißt Katharsis. Darin verarbeitet der Fotograf den sexuellen Missbrauch in Romanform. Das zweite Buch von ihm heißt Asta. Es ist ein Kriminalroman, der ebenfalls innerfamiliäre Beziehungsebenen beleuchtet.

 

Der zweite Roman von Michael Reh, Asta, ist ein Krimi.

Ganz entspannt: Autor und Fotograf Michael Reh im Dialog mit dem Publikum. Foto: GSCHWÄTZ

Gut besucht: Lesung von Michael Reh ind er Künzelsauer Stadthalle, Foto: GSCHWÄTZ




Ein neues Zuhause für Kätzchen Hilda

Mit lautstarkem Gebell begrüßt die kleine Mischlingshündin Coco die Besucherin und kommt ihr neugierig entgegengelaufen. Währenddessen schiebt sich eine Hundschnauze durch die Gitterstäbe des umzäunten Freigeheges. Temperamentsbündel Chicco möchte auch wissen, ob da nicht jemand kommt zum Spazierengehen. Willkommen im Tierheim Waldenburg, in dem zurzeit vier Hunde und 48 Katzen auf ein neues Zuhause warten. Weitere Tiere sind in den verschiedenen Pflegestellen untergebracht. Coco gehört allerdings nicht dazu. Ihre Besitzerin ist Uschi Rösch, Tierheimleiterin seit 2006. Sie arbeitet hier Vollzeit, unterstützt von zwei Teilzeitkräften.

„Eine Katze ist leichter zu vermitteln als ein Hund“

Zurzeit kommt ins Tierheim im Hohenloher Gewerbepark nur rein, wer zuvor einen Besuchstermin ausgemacht hat. Uschi Rösch findet das gut: „So haben wir mehr Zeit für die Besucher.“ Vorher seien vor allem samstags viele Leute gekommen, um die man sich gar nicht alle gleichzeitig kümmern konnte. Hauptsächlich kommen Hunde und Katzen ins Waldenburger Tierheim. „Wir hatten aber auch schon die Blockhütte voller Meerschweinchen oder viele Deutsche Riesen“, berichtet die Tierpflegerin von den Kuriositäten ihres Alltags. „Kaninchen und Meerschweinchen werden in Pflegestellen untergebracht.“ Eine Katze sei generell leichter zu vermitteln als ein Hund. „Bei dem ist der Zeitaufwand viel größer und heutzutage haben viele Menschen einfach nicht mehr die Geduld“, bedauert die 53-Jährige.

„Eine unserer Aufgaben ist es, streunende Katzen kastrieren zu lassen“

Allerdings: Wegen Corona würden in Waldenburg nicht mehr Tiere abgegeben als vor der Pandemie. „Das ist vielleicht eher ein Trend in den Städten“, meint Nicole Mücke, Schriftführerin des Tierschutzverein Hohenlohe, der das Tierheim betreibt. „Wir sind eher ländlich geprägt und es gibt nicht nur Abgabe-, sondern auch Fundtiere.“ Rund 500 Katzen und 100 Hunde jährlich finden Aufnahme, vermittelt werden so gut wie alle. „Eine unserer großen Aufgaben ist es, streunende Katzen einzufangen, um sie kastrieren zu lassen“, berichtet Mücke weiter. „Die meisten davon lassen wir wieder frei – aus Katzensicht ist das die bessere Variante.“ Denn ein Tier, das sein Leben lang frei war, sei nur schwer an den Menschen zu gewöhnen.

Bruno würde am liebsten Reißaus nehmen

So ein Fundtier ist auch die kleine Hilda, die im Quarantänebereich vor sich hinträumt. Das weiß-graue Kätzchen wurde erst vor kurzem bei der Firma Stahl gefunden, hat allerdings eine Radialislähmung im vorderen Beinchen, weshalb für sie eine neue Heimat bei liebevollen Dosenöffnern gesucht wird. „Wir massieren regelmäßig ihr Bein und hoffen, dass es so besser wird“, sagt Uschi Rösch. „Aber sie spielt und futtert wie jede andere Katze in dem Alter auch.“ Eine große, ziemlich schmusebedürftige Katze ist die eineinhalbjährige Tina, die sich laut miauend an die Besucher ranmacht. „Sie wurde abgegeben, weil sie nicht mehr gewollt war“, bedauert die Tierheimleiterin. Dackel Bruno war ebenfalls ein Fundtier. Er ist etwa zehn Jahre alt, sehr schüchtern und würde am liebsten Reißaus vor dem Besuch nehmen. Der junge Hund Chicco, der mich draußen schon begrüßt hat, ist dagegen ein Kraftpaket und sollte von seinen neuen Menschen „gut beschäftigt werden“.

Spenden zum 80. Geburtstag

Seit 2014 ist das Tierheim in seinem jetzigen Gebäude zwischen den Firmen Würth und Lidl untergebracht, die alte Stelle war aber auch nur 300 Meter davon entfernt. „Ich finde den Ort gut, denn hier haben wir eine Busverbindung und sind auch mehr im Geschehen“, so Uschi Rösch. Viele der umliegenden Firmen würden das Tierheim mit Spenden unterstützen. Aber auch Privatleute engagieren sich finanziell für die Tiere. „Ein Mann hat sich zum 80. Geburtstag statt Geschenke Spenden für uns gewünscht“, so die Bretzfelderin. Oft würden auch Kinder einen Kuchenverkauf organisieren und das Geld dann ans Tierheim spenden.

„Es ist generell schwierig, gute Leute zu finden“

Rund 600 Mitglieder hat der Hohenloher Tierschutzverein zurzeit – „Leute mit und ohne Tiere zu Hause“, wie Nicole Mücke erzählt. Ein Pool aus Ehrenamtlichen engagiert sich regelmäßig bei der Versorgung der Tiere, geht mit den Hunden Gassi oder spielt mit den Katzen. So eine sei beispielsweise Jessica Hillenmaier, die als Praktikantin begonnen und seither nicht mehr aufgehört habe. „Es ist aber generell schwierig, gute Leute zu finden, die dauerhaft dabei bleiben“, so die Schriftführerin des Vereins. „Auch ohne Corona gibt es eine hohe Fluktuation.“ Zurzeit sei die Situation zwar ganz gut. Dennoch sucht das Tierheim neue Mitarbeiter. Der jüngste Abgang war eine junge Frau, die die Zeit bis zum Studienbeginn überbrückte. Und die muss jetzt ersetzt werden. Voraussetzung ist ein Führerschein, eingestellt wird in Teilzeit oder auf 450-Euro-Basis. „In der Regel sind wir hier immer zu zweit“, sagt Uschi Rösch. „Wir machen alles sauber, füttern die Tiere und geben Medikamente.“ Und: „Diesen Beruf macht man nicht einfach so.“ Dafür müsse man schon Leidenschaft mitbringen, denn das sei kein 9-5-Uhr-Job.

Text: Sonja Bossert

Das hübsche Kätzchen Hilda hat zwar ein kleines Handicap, sucht aber auch ein liebevolles Zuhause. Foto: GSCHWÄTZ

Dackel Bruno ist ein sehr schüchterner Hundesenior. Foto: GSCHWÄTZ




Budenzauber im Advent

Nach der Pause im vergangenen Jahr findet in diesem Advent die Traditionsveranstaltung „Advent am Schloss“ in Künzelsau wieder statt, teilt die Stadtverwaltung mit. Der Schlossplatz bietet von Mittwoch, den 01. Dezember, bis Sonntag, den 05. Dezember 2021, eine herrliche Kulisse für Weihnachtliches an Ständen und auf der Bühne. Nach heutigem Stand wird der Weihnachtsmarkt mit der 3G-Regelung stattfinden. „Wenn es noch Lockerungen gibt bis zum Advent am Schloss, setzen wir diese gerne um“, so das Organisations-Team der Stadtverwaltung. An fünf Tagen bieten Kindergärten, Chöre und Bands ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm.

Der weihnachtliche Markt öffnet an den ersten drei Tagen ab 16 Uhr und empfängt die Besucher im After-Work-Charakter. Die Standbetreiber sind aufgefordert, ihrem Ideenreichtum freien Lauf zu lassen und kreative weihnachtliche Speisen und Getränke anzubieten. Bürgermeister Stefan Neumann eröffnet den Markt am Mittwoch um 19 Uhr. Am Freitag ab 16 Uhr sowie am Samstag und Sonntag jeweils ab 11 Uhr findet auf dem Vorhof des Schlossgymnasiums ein Kunsthandwerkermarkt statt. Es wird Selbstgemachtes, Kreatives und viel Weihnachtliches geben.

Öffnungszeiten

Am Mittwoch und Donnerstag ist der Markt von 16 bis 21 Uhr geöffnet, am Freitag von 16 bis 22 Uhr, am Samstag von 11 bis 22 Uhr und am Sonntag von 11 bis 20 Uhr.

Vereine, Schulkassen und wer sich sonst noch beteiligen möchte, können bei Renate Kilb von der Stadtverwaltung Künzelsau mehr erfahren. Kontakt per E-Mail unter mailto:renate.kilb@kuenzelsau.de.

Adventskalender Altes Rathaus

Auch ab dem 1. Dezember verwandelt sich das Alte Rathaus in der Hauptstraße wieder in einen großen Adventskalender. Jeden Tag öffnet sich ein Fenster, das von Kindergartenkindern mit bunten Motiven gestaltet wurde.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künmzelsau

 

Bunt gestaltete Fenster machen das Alte Rathaus in der Künzelsauer Hauptstraße ab dem 1. Dezember zum Adventskalender. Foto: Rolf Hartbrich

 




Nikolaus kommt mit der Feuerwehr

Auch in diesem Jahr kommt der Nikolaus wieder zu den Niedernhaller Kindern: Am Montag, den 06. Dezember 2021, fährt die Freiwillige Feuerwehr Niedernhall ab 16 Uhr mit den Feuerwehrfahrzeugen durch das gesamte Stadtgebiet und verteilt Schoko-Nikoläuse. Das Anfahren des Nikolaus im Feuerwehrfahrzeug kann man über das aufleuchtende Blaulicht erkennen. Damit soll wie bereits im vergangenen Jahr den Kindern eine Freude bereiten.

Die Eltern sind dazu angehalten, die aktuell gültigen Abstandsregeln zu beachten.

Quelle: Freiwillige Feuerwehr Niedernhall

 




Gedenken an die Reichsprogromnacht: Sperrung Konsul-Uebele Straße in Künzelsau

Am Dienstag, den 9. November 2021, laden die evangelische und katholische Kirchengemeinde zur „Besinnung auf die vergangenen und
aktuellen antisemitischen Gräueltaten“ am Judengedenkstein in der Konsul-Uebele-Straße Künzelsau ein. Pfarrer Uwe Haag von der
evangelischen Kirche und Theresia Hackmann von der katholischen Kirche gestalten die Gedenkfeier um 18 Uhr. Während dieser Zeit ist die
Konsul-Uebele-Straße zwischen Lindenstraße und Austraße gesperrt.

Die Umleitung erfolgt über die Lindenstraße, den Klebweg und die Aumühle.




Fast 200 Impfungen am Sonntag 7. November in Künzelsau und Öhringen – Intensivbetten im HOK vollständig belegt

Bei den beiden Impfaktionen in Künzelsau und Öhringen konnten  am Sonntag, 07. November 2021, 98 bzw. 93 Personen gegen das Corona-Virus geimpft werden. „Der Anteil der Boosterimpfungen liegt bei etwa 50 Prozent“, sagt G.P. Schneider, der Koordinator der Mobilen Impfteams der SLK-Kliniken. Die SLK-Kliniken haben zwei Impfteams, die bei öffentlichen Impfaktionen oder beispielsweise in Alten- oder Pflegeheimen täglich im Einsatz sind. Heute, am 08. November 2021, sind seine Teams in Lauffen und Billigheim im Einsatz, am morgigen Dienstag stehe ein Pflegeheim auf dem Programm. Schneider sieht sich und seine Impfteams gut vorbereitet, die Dienstleistung werde stark beansprucht. So stark, dass „wir versuchen, vermehrt anzubieten“, berichtet er.

Inzwischen genießen in Baden-Württemberg fast zwei Drittel der Bevölkerung vollen Impfschutz, ein Drittel ist nicht oder unvollständig geimpft. In der Zahl der Ungeimpften sind auch Kinder und Jugendliche enthalten, denen erst seit kurzem ein Impfangebot gemacht wird oder für die es noch gar kein Impfangebot gibt.

Nichtgeimpfte sind im Krankenhaus und den Intensivstationen erheblich überrepräsentiert

Die Zahlen, die das Regierungspräsidium Stuttgart GSCHWÄTZ auf Anfrage genannt hat, zeigen ein deutliches Bild: Insgesamt wurden am 5. November 2021 2.378 Menschen wegen einer COVID-19-Infektion in den baden-württembergischen Krankenhäusern behandelt. Von denen hatten 1.802 keinen oder keinen vollständigen Impfschutz, 576 waren Impfdurchbrüche. Die Gruppe der Ungeimpften, ein Drittel der Bevölkerung, stellt also mehr als 75 Prozent der Covid-Patienten in den Krankenhäusern. Noch deutlicher sieht es bei den Patienten auf Intensivstationen aus: Von 339 Patienten sind 58 Menschen geimpft und 281 ungeimpft – also sind die Ungeimpften sogar mit mehr als 82 Prozent vertreten.

Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: Alle Intensivbetten belegt

Laut DIVI-Intensivregister steht im Hohenloher Krankenhaus Öhringen kein einziges Intensivbett mehr zur Verfügung:

Intensivbelegung Hohenloher Krankenhaus, Stand 08.11.2021. Quelle: intensivregister.de

Die sieben Intensivbetten des Krankenhauses in Öhringen sind sämtlich belegt, zwei davon mit COVID-Fällen. Besser sieht die Situation in den Nachbarkreisen aus: Im Kreis Schwäbisch-Hall sind noch 8 von 44 Intensivbetten frei – dem DIVI-Register wurde kein einziger COVID-Patient gemeldet. Sechs COVID-Patienten werden im Main-Tauber-Kreis intensivmedizinisch behandelt, 17 von 48 Intensivbetten sind dort noch frei. In Stadt und Kreis Heilbronn sind gerade noch 2 Intensivbetten von insgesamt 86 frei, 12 sind von COVID-Patienten belegt.

Krankenhäuser der Region noch nicht durch COVID überbelastet

Noch sind die Krankenhäuser der Region nicht durch COVID übermäßig belastet, die Intensivbehandlung andere Patienten ist noch möglich und wird durchgeführt.

Text: Matthias Lauterer




Corona: Inzidenz so hoch wie nie zuvor

Experten rechnen damit, dass möglicherweise bereits Ende dieser Woche, spätestens aber Mitte November 2021 der baden-württembergische Grenzwert von 390 Corona-Patienten in  Intensivbehandlung erreicht werden wird und damit statt der Warnstufe die so genannte Alarmstufe ausgerufen wird, die wieder weitreichende Einschränkungen für die Bevölkerung bedeutet.  Am 07. November 2021 waren 323 Menschen aufgrund von Corona in Intensivbehandlung, Tendenz stark steigend, wie eine Grafik des SWR deutlich macht:

Weihnachtsmärkte nur für Geimpfte und Genesene

Sollte die Alarmstufe erreicht werden, bedeutet das erhebliche Einschränkungen für Ungeimpfte – für die allermeisten Veranstaltungen gilt dann die 2G-Regel. Ungeimpfte dürfen dann derartige Veranstaltungen gar nicht mehr besuchen. Unter diese Einschränkungen fallen nicht nur Veranstaltungen in Innenräumen, sondern auch Veranstaltungen im Außenbereich , wo mit größeren Ansammlungen von Menschen zu rechnen ist, beispielsweise Weihnachtsmärkte. Begründet wird das nicht nur mit der Überlastung der Intensivstationen und des Pflegepersonals sondern vor allem mit dem Eigenschutz für Menschen mit nicht vollständigem Impfschutz.

Eine Pandemie der Ungeimpften

Denn der derzeitige Pandemieverlauf legt es nahe, von einer „Pandemie der Ungeimpften“ zu sprechen. In Baden-Württemberg sind (Stand: 05. November 2021) 65,1 Prozent der Gesamtbevölkerung und 73,5 Prozent der Personen über 12 Jahren vollständig geimpft. In der Altersgruoppe 60 plus sind fast 84 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Demgegenüber steht, dass die 28-Tage-Hospitalisierungsinzidenz bei Patienten mit Impfschutz bei 8,1 liegt, die für Menschen ohne vollständigen Impfschutz bei 45,5. Das bedeutet, dass von 100.000 Geimpften innerhalb von 28 Tagen 8,1 Menschen aufgrund von COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten, von 100.000 Ungeimpften aber 45,5 – ein deutliches Zeichen, dass die Impfung hilft, denn das Risiko der Hospitalisierung ist für Ungeimpfte mehr als 5 mal so hoch wie für Geimpfte.

Dies veranschaulicht auch die folgende Grafik der Financial Times:

Hospitalisierungen im Vergleich.

Die Voraussetzungen der Grafik sind aus Daten entnommen, wie sie für England gelten, die Zahlen für Deutschland sind ähnlich. Das Argument „es liegen aber auch so viele Geimpfte im Krankenhaus“ wird angesichts der Gesamtzahl der Geimpften im Vergleich mit den Ungeimpften entkräftet – genau diesen Vergleich, der zur Beurteilung der Zahlen so wichtig ist, lassen manipulative Interpretationen gerne weg.

Vor allem Schüler zwischen 5 und 14 Jahren infizieren sich

Die aktuellen Zahlen des RKI zeigen deutlich, dass sich junge Menschen momentan besonders häufig infizieren – das ist genau die Gruppe, denen lange Zeit gar kein Impfangebot gemacht wurde: Die Inzidenz bei Kindern im Schulalter lag Ende Oktober bei 288,46 (Altersgruppe 5-9) beziehugsweise 353,9 (Altersgruppe (10-14) und damit rund doppelt so hoch wie die Gesamtinzidenz, die damals bei 162 lag.

Imfpaktion am KünFIT:

Warteschlange vor dem Impfangebot beim Tag der offenen Tür des KünFIT in Künzelsau am 07. November 2021. Foto: privat

Bei der Impfaktion vom Sonntag, 07. November 2021, in Künzelsau im Rahmen der Eröffnung des neuen Sportzentrums KÜNFit bildeten sich lange Schlangen und die Impfkapazität des Mobilen Impfteams der SLK-Kliniken reichte nicht aus, um alle Impfwilligen zu impfen. Bereits vor 13 Uhr waren alle Impfplätze reserviert, später kommende konnten nicht mehr geimpft werden, weil die Impfdosen alle schnell weg waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bundesweite Inzidenzen auf Allzeithoch

Die bundesweite Inzidenz ist inzwischen auf einem Allzeithoch angelangt – mit 201,1 wurden erstmals die Marke von 200 überschritten. Selbst kurz vor Weihnachten 2020, beim bisherigen Höchststand, blieb die Inzidenz knapp unter 200. In Baden-Württemberg liegt die Inzidenz sogar bei 235,1, der Hohenlohekreis liegt mit 201,3 im Bundesdurchschnitt, die angrenzenden Landkreise liegen deutlich darüber, die Stadt Heilbronn hat sogar eine Inzidenz von 361,4 (Stand 7.11. , 16:00). Allein am 6. November 2021 wurden vom Landratsamt Hohenlohekreis 76 Neuinfektionen gemeldet.

 

 

Text: Matthias Lauterer




A6: Lkw-Fahrer will verunglückter Frau helfen – und wird selbst auf Fahrbahn erfasst

Am frühen Freitagmorgen, den 05. November 2021, gegen 5:15 kam es auf der A6 in Fahrtrichtung Nürnberg zwischen der Anschlussstelle Schwäbisch Hall und der Kochertalbrücke zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein bislang unbekannter Lkw-Fahrer fuhr auf eine 46-jährige VW-Fahrerin auf. Der VW geriet dabei ins Schleudern, prallte gegen die Mittelleitplanke und kam im Anschluss quer auf der Fahrbahn zum Stehen.

Ein dahinter fahrender 45-Jähriger Lkw-Fahrer stoppte sein Fahrzeug in einer Nothaltebucht und wollte der VW-Fahrerin helfen. Während der 45-Jährige zu dem auf der Fahrbahn stehenden VW lief, konnte ein 46-jähriger Mercedes-Fahrer nicht mehr rechtzeitig anhalten und fuhr auf den querstehenden Pkw der Frau auf.

Während der Mercedes nach rechts abgewiesen wurde, prallte er gegen den BMW eines 27-Jährigen, welcher den rechten Fahrstreifen befuhr. Durch die Kollision wurde der 45-Jährige Lkw-Fahrer auf der Fahrbahn erfasst und mittelschwer verletzt. Die VW-Fahrerin erlitt ebenfalls mittelschwere Verletzungen und wurde sofort in eine Klinik gebracht.

Es entstand Sachschaden in Höhe von insgesamt etwa 25.000 Euro. Die Fahrbahn musste während der Unfallaufnahme gesperrt werden, weshalb sich zwischenzeitlich ein Rückstau bildete. Die Verkehrspolizeidirektion Kirchberg an der Jagst hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet unter der Telefonnummer 07904/94260 um Hinweise zum bislang unbekannten unfallverursachenden Lkw-Fahrer

Quelle: Pressemitteilung der Polizei Heilbronn




Bus & Bahn in Luxemburg zum Nulltarif – ein Vorbild auch für Hohenlohe?

Ein Herbstspaziergang durch die Stadt Luxemburg. Die Herbstfärbung im Parc ist noch nichts Unerwartetes, aber der Nahverkehr ist beeindruckend: Von den breiten Wegen im Parc, die einen sicheren Fußgänger- und Radverkehr  abseits der Hauptstraßen ermöglichen, fährt man mit dem Panoramaaufzug (siehe Foto unten) hinunter ins Tal. Von dort ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Bergbahn, die hinauf auf den Kirchberg führt – von wo es mit der Tram zum Bummeln in die Einkaufsstraßen der Innenstadt geht. Und zurück fährt dann der Bus.

Luxemburg – im Parc. Teils getrennte, teils gemeinsame Wege für Fußgänger und Radfahrer. Foto: GSCHWÄTZ

Wie Luxemburg die Verkehrswende angeht

Luxemburg Stadt ist eine verhältnismäßig kleine Stadt, sie hat ungefähr so viele Einwohner wie der Hohenlohekreis. Bis vor einigen Jahren war die Stadt verkehrstechnisch fast ausschließlich vom Auto bestimmt. Was Staus anbetraf, war man auf dem Stand von Paris, wie Besucher aus Paris durchaus anerkennend bestätigten. Zigtausende Ein- und Auspendler aus dem Land Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland haben ihre Arbeitsplätze in der Stadt Luxemburg und blockierten täglich die Straßen. Diesem Zustand sollte ein Ende bereitet werden und es sollte ein attraktiver Nahverkehr, unabhängig vom Autoverkehr, aufgebaut werden.

Die Topographie der Stadt stellt den Verkehr vor große Schwierigkeiten: 2 tiefe und enge Täler durchschneiden die Stadt und trennen die verschiedenen Wohn- und Geschäftsgebiete, die Brücken sind natürliche Engpässe.

Futuristische Tram in Luxemburg. Foto: LFT / A.Schlösser

Erster und wohl wichtigster Schritt war die Errichtung einer Trambahnline, die mit modernen Zügen und in hoher Frequenz die Stadt quert und vom Hauptbahnhof auf den Kirchberg, das Banken- und EU-Viertel, führt. Damit gibt man Einpendlern aus dem Süden die Möglichkeit, mit der Bahn zum Arbeitsplatz zu kommen. An der Bahnlinie aus dem Norden hat man einen neuen Bahnhof errichtet, von dem man mit einer Bergbahn, deren Länge nur 200m beträgt (zum Vergleich: die Bergbahn in Künzelsau ist 1.034m lang), zeitsparend und ohne Umweg über den Hauptbahnhof auf den Kirchberg und zur Tram gelangt. Im ersten Jahr beförderte die Bergbahn bereits 7.500.000 Personen. Ergänzt wird die Tram durch ein Busnetz, das in hoher Frequenz bedient wird, selbst am Samstag nachmittag fahren die Busse halbstündlich.

Panoramaaufzug mit Skywalk. Foto: LFT / Thomas Reinhardt

Wie man Verkehrshindernisse nicht nur überwindet, sondern geradezu zur Attraktion werden läßt, zeigen die Fahrstühle (Ascenseurs): einer führt 60m tief durch die Geologie der Stadt, ein anderer ist zumindest ein paar Meter weit ein Skywalk und bietet eine grandiose Aussicht über die Stadt und tief ins Tal der Alzette.

Weitere verkehrstechnische Maßnahmen

Flankiert werden die Maßnahmen des öffentlichen Transports durch weitere verkehrstechnische Maßnahmen, die den Autoverkehr scheinbar verlangsamen, in Wahrheit allerdings hochwirksam sind: Breite Radfahrspuren mit Schutzzonen für Radfahrer an Ampeln, dazu große Zonen für Lieferfahrzeuge, die vielleicht nicht direkt vor der Tür, aber in erträglicher Entfernung zum Anlieferpunkt sind – der gefährliche und stauträchtige Slalom um in zweiter Reihe geparkte Lieferfahrzeuge herum wird nahezu komplett vermieden – der Verkehrsfluß ist gewährleistet.

Viele unterschiedliche Ansätze verwirklicht – sie führen zu einem multimodalen und trotzdem homogenen System

Viele unterschiedliche Ideen, das Überspringen gedanklicher Hürden, die Berücksichtigung unterschiedlichster Ansprüche von Verkehrsteilnehmern, haben ein bequemes multimodales Massenverkehrssystem geschaffen. Den Menschen wird ein bequemes  System angeboten, das auch angenommen wird. Autofeindlich ist die Stadt dennoch nicht geworden. Eher hat man sogar den Eindruck, dass der Autoverkehr besser fließt als noch vor einigen Jahren.

Und was bedeutet das für den Hohenlohekreis?

Teils ganz ähnlich und teils doch völlig anders ist die Situation im Hohenlohekreis: Auch hier müssen beträchtliche Höhenunterschiede überwunden werden, auch bei uns hält die Bahn nicht unbedingt dort, wo die Menschen arbeiten. Auch der Hohenlohekreis hat eine große Zahl von Einpendlern. Andererseits ist alles weitläufiger, eine große dichtbesiedelte Agglomeration gibt es im Hohenlohekreis nicht, dafür mehrere kleinere Zentren und verstreute Siedlungen. Aber auch für den Hohenlohekreis dürfte es „die“ Lösung nicht geben, auch der Hohenlohekreis benötigt unterschiedliche Verkehrssysteme, vom Auto, über Busse und Bahnen, Fahrradinfrastruktur bis hin zu guten Fußwegen, auch für ausdauernde Fußgänger. Auch für den Hohenlohekreis kann nur die Vereinigung unterschiedlichster Ansätze ein System erzeugen, das von den Bürger:innen gut angenommen wird.

Autonome Busse als Teil des Systems?

Die Erfahrung aus Luxemburg zeigt, dass der Schutz von Radfahrern – unter anderem durch Radwege abseits der Hauptstraßen – eine wichtige Voraussetzung ist, Menschen vom Auto auf das Fahrrad zu locken. Generell scheint die Abkopplung des öffentlichen Nahverkehrs vom Individualverkehr auf der Straße ein gutes Mittel zu sein, denn ein Bus im Stau ist auch nicht schneller als der Stau. So könnte man für den Hohenlohekreis an autonome Busse auf sicheren Routen abseits des Individualverkehrs denken. Erste Versuche mit autonomen Bussen starten demnächst auch im Hohenlohekreis, unter anderem in Schloss Stetten. Gerade die Weite des Hohenlohekreises mit seinen verstreuten Siedlungen könnte solche Lösungen anbieten.

Neugestaltung des Künzelsauer Stadteingangs bietet einmalige Chance

Kritischer Punkt sind die Verbindungen zwischen individuellem und öffentlichem Verkehr: das Abstellen von Fahrrädern (auch von Sondergrößen wie Lastenrädern und Dreirädern) muß genauso gewährleistet sein, wie es heutzutage das Abstellen der Autos ist. Ebenso braucht es Fahrradparkplätze an den meistfrequentierten Orten wie Einkaufszentren oder öffentlichen Einrichtungen. Zusätzlich müssen die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln bequem sein – all das kann demnächst bei der Gestaltung des Künzelsauer Stadteingangs in vorbildlicher Weise realisiert werden, da sich die Planung an kaum etwas Bestehendes anpassen muss.  Das sollte auch bei der Planung der Kochertalbahn-Anschlüsse in anderen Gemeinden immer im Hinterkopf sein. Kreative Ideen und ungewöhnliche Maßnahmen können dazu führen, vermeintlich unüberwindliche Hürden zu überwinden.

Tarifsystem

25 Tarifoptionen beim NVH. Foto Screenshot

Wichtig ist vor allem ein Tarifsystem, das von den Menschen als einfach, bequem und angemessen angesehen wird. Auf der Webseite des NVH finden sich sage und schreibe 25 Tarifoptionen, unter denen man sich die schönste heraussuchen kann – das ist nicht wirklich einfach.

Luxemburg hat sich hier für die radikalste Lösung überhaupt entschieden: Nicht nur, dass man keine verschiedenen Tickets kaufen muß … man muß überhaupt kein Ticket kaufen, denn in Luxemburg ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für alle, Einwohner, Pendler und Touristen, kostenlos möglich.

Wenn man mit dem öffentlichen Verkehr bequem, kostenlos und in angemessener Frequen zum Ziel kommt, ohne Parkplatzsuche und ohne Parkgebühr, dann überlegt sich sicherlich mancher, das Auto stehenzulassen.

Text: Matthias Lauterer