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„Du könntest jetzt irgendwo im Süden Europas gemütlich in irgendeinem schönen Beach Club sitzen“

Die Professorin Anna-Maria Schärer (50) aus Weißbach und der an Multiples Sklerose erkrankte Markus Neugebauer aus Morsbach haben sich in diesem Jahr auf eine besondere Reise begeben. Sie sind unabhängig voneinander auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gewandert. Schaerer sechs Wochen lang und Neugebauer, der an Multipler Sklerose leidet, ein paar Tage. Mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprachen sie über ihre Erlebnisse, Begegnungen, Tränen zwischendurch und warum sie sich vorstellen können, so eine Tour nochmal zu machen.

Karte vom Jakobsweg in Nordspanien. Anna-Maria Schärer ist fast den ganzen Jaokobsweg gelaufen. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Ich möchte heute mit euch über eure Erfahrungen sprechen und was euch überhaupt auf den Weg gebracht hat. Anna-Maria, ich habe dir die schwierige Aufgabe gestellt, aus den vielen tausenden Fotos deiner Reise ein Bild auszuwählen, was dich besonders berührt oder geprägt hat.

Anna-Maria Schärer: Ich habe tatsächlich etwas gefunden. Das ist das Foto, das ich gleich am Anfang gemacht habe. Und das, denke ich, hat mich die ganze Reise über begleitet.

„Ich wusste nicht, wohin das führt“

GSCHWÄTZ: Das Foto zeigt einen Weg, rechts und links davon Wiese. Man sieht gar nicht, wohin der Weg führt, weil es so neblig ist.

Schärer: Genau richtig. Das beschreibt eigentlich so auch tatsächlich die Reise. Also ich wusste nicht, wohin das führt sowohl emotional als auch geografisch als auch sonst in keiner Weise. Also es war so unbekannt. Es gab immer einen Weg, aber man wusste nicht, wohin er führt.

Startpunkt: Hier beginnt der Jakobsweg. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Du warst sechs Wochen unterwegs und bist fast den gesamten Jakosbweg gelaufen. Bis auf eine verletzungsbedingte Unterbrechung. Was hast du für Erwartungen an diesen Weggehabt?

Keine Erwarten gehabt

Schärer: Ich hatte tatsächlich keine. Das ist auch generell etwas, so gehe ich auch viele Sachen an, vor allem Unbekanntes. Da ist die Enttäuschung einfach auch kleiner, geringer beziehungsweise man vermeidet sie weitgehend, weil man eben nichts weiß. Ich wollte es wirklich einfach erleben. Ich hatte kein bestimmtes Ziel, also ein geografisches ja, aber kein persönliches Ziel. Es gab auch nichts Dramatisches, was ich verarbeiten musste. Ich wollte das einfach tun.

Pilgerausrüstung: Wanderstiefel und Rucksack. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Das heißt, eines Tages bist du aufgewacht und hast gesagt, noch in diesem Jahr mache ich mal diesen Weg.

Schärer: Also, das war vor zirka 15, 16 Jahren. Da habe ich mir überlegt, wie dieser Jakobsweg wohl  ist. Und gedacht, das können wir ja auch mal machen. Da haben alle gelacht, weil ich tatsächlich auch dafür bekannt bin, dass ich auch so faul bin, dass sie so automatisiert Aktivitäten grundsätzlich ablehnen. Also Reisen im Rucksack und überhaupt in Frage stellen. Das ist gar nicht meins. Und deswegen war es eben so verwunderlich. Ich habe mich auch ein bisschen über mich gewundert. Woher kommt das? Wieso muss ich das jetzt tun? Aber ich hatte wirklich einfach das Gefühl, ich muss das tun. Ich habe viele Jahre später dann, als ich mich mehr damit beschäftigt habe, immer mal wieder einen Satz gelesen, in dem drinstand, dass der Jakobsweg angerufen hat, so komisch das auch klingt. Aber so habe ich es tatsächlich erlebt. Ich habe irgendwie in mir gespürt, ich muss das tun, ich muss den gehen und ich muss ihn wirklich vom Anfang, also vom Anfang des Camino Parsec, bis zum Ende gehen.

„Ich dachte, ich habe mich grandios vorbereitet“

GSCHWÄTZ: Hattest du eine spezielle Vorbereitung?

Schärer: Ich habe früher sehr viel Sport gemacht, so dachte ich, das ist überhaupt kein Problem. Dann habe ich überhaupt keinen Sport gemacht. Dann kamen auch diverse Erkrankungen dazu, die mich wirklich sehr, sehr faul gemacht haben. Ich spiele sehr viel Golf und dachte mir, da laufe ich ja noch viel, das wird schon gehen. Ich habe ein bisschen Respekt vor den Pyrenäen und habe dann diesen Sommer und den Lockdown genutzt und habe mich, wie ich dachte, grandios vorbereitet. Das sollte sich dann allerdings als falsch rausstellen. Ich habe meinen Hund geschnappt, bin einfach los. Ich habe angefangen so mit zehn Kilometer, 15 oder 20 Kilometer am Tag. Und das war der Knackpunkt, weil es ging nämlich super. Ich dachte eher, das Problem wird die Wiederholung sein, also das jeden Tag zu machen. Dann habe ich irgendwann gedacht, jetzt mit Rucksack. Ich habe diesen Rucksack beladen mit einem Gewicht, von dem ich dachte, dass es gut wäre für die Reise, das dabeizuhaben. Wie gesagt, ich habe gedacht, das Rätsel wird eben sein, das täglich zu machen. Das kann ich ja nicht üben. Also ich kann ja jetzt hier nicht jeden Tag 20, 25, 30 km laufen. Weder habe ich Zeit und Muße noch irgendwas. Ich kann mich eh nicht vorbereiten, also muss ich jetzt gar nichts mehr machen. Ich bin ganz entspannt im Sommer in den Urlaub gefahren. Und da stand ich dann irgendwann am 16. August am Fuße der Pyrenäen und nach circa anderthalb Stunden dachte ich, das wars. Ich komme gar nicht mehr zurück. Also ich werde hier wahrscheinlich sterben auf dieser Erde. Nach drei Stunden habe ich dann ein Zwischenziel erreicht. Da habe ich dann gehört, dass man das so im Durchschnitt nach circa anderthalb Stunden erreicht. Aber ich brauchte tatsächlich drei Stunden dazu. Und dann hat man mir gesagt, ab jetzt wird es vielleicht leichter. Diese erste Etappe ist der schlimmste Teil der Strecke bei den Pyrenäen. Und jetzt wird es leichter. Und darauf wartete ich dann irgendwie, dass es jetzt leichter wird. Aber war wirklich furchtbar. Deswegen auch dieses Bild. Es war anders.

Waldweg zwischen Finisterre und Muxia. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Markus Neugebauer ist auch hier bei uns. Seid ihr gemeinsam aufgebrochen oder bist du auch alleine los? Markus, du hast MS, also Multiple Sklerose, und hast gesagt, du machst es und du schaffst das auch.

Markus Neugebauer: Es war im Vorhinein schon klar, dass ich das nicht ganz schaffe aufgrund der Krankheit. Wir haben es reduziert auf fünf Tage. Also fünf Tage auf 15 Kilometern. Wir haben sozusagen aus dem Jakobsweg eine Route gemacht. Ich habe aber wirklich auch Menschen mit Rollstuhl gesehen. Ich habe Menschen gesehen mit nur einem Bein, die mich völlig fasziniert haben und die auch eine wahnsinnige Motivation für mich waren.

Man lernt sofort andere Menschen kenn

GSCHWÄTZ: Wie war das, dich selbst zu motivieren oder mit anderen ins Gespräch zu kommen?

Neugebauer: Also man lernt, wenn man es selbst nicht gerade völlig ablehnt, sofort andere Menschen kennen, mit denen man dann auch teilweise läuft. Wobei dieses teilweise laufen für mich jetzt so war, dass ich ungern mit jemandem tatsächlich zusammen gelaufen bin, sondern eher so morgens zusammen gestartet und dann abends oder nachmittags irgendwo angekommen bon. Jeder hat ein eigenes Laufziel. Und da wollte ich mich nicht unter Druck setzen. Jetzt mal ganz salopp ausgedrückt, das nervet alle Beteiligten. Also wenn einer schneller oder mal langsamer läuft oder ein Jahr Pause machen kann. Das bringt einen völlig aus dem Konzept. Etwas so einfaches Mitlaufen.

Hier geht’s lang: Wegweiser auf dem Jakobsweg. Foto: privat

Schärer: Ich habe sehr, sehr schnell, am dritten Tag zwei Damen aus Amerika kennengelernt, mit denen ich unheimlich viel gelaufen bin. Also gelaufen, wie ich es gerade beschrieben habe, aber tatsächlich wirklich aktiv gelaufen bin ich die meiste Zeit alleine. Und über was denkt man denn da so drüber nach? Ist wirklich so eine Reise zu dir selber. Lernt man sich da selber besser kennen? Oder ist es eigentlich eher so ein bisschen Idealisierung dargestellt, wenn man sowas abgeklärt? Ich denke ja. Also das ist jetzt natürlich eine wirklich völlig subjektive Wahrnehmung von mir. Ich persönlich habe es so empfunden. Ich hatte ja keine dramatischen, eigentlich überhaupt keine Erwartungen. Ich wollte das einfach machen. Ich wollte diese Erfahrung machen. Hat das was mit mir gemacht? Meine persönliche Meinung ist, dass sich das Leben nicht ändert auf dem Jakobsweg. Also da passiert was, aber keine Erleuchtung. Ich glaube, dass Leute, die so losgehen, vielleicht auch ein bisschen enttäuscht sind. Mit jedem Tag wird es immer irgendwie emotional, ohne dass ich es jetzt genau in Worte fassen kann, was da passiert. Also es passiert tatsächlich etwas mit einem. Aber ich kann nicht wirklich beschreiben was.

„Ich habe festgestellt, ich denke gar nicht mehr“

Neugebauer: Für mich war das so am Anfang: Ich bin losgelaufen und dann kamen die Gedanken wie, habe ich das jetzt beim Steuerberater abgegeben? Also salopp, habe ich dieses Formular abgegeben? Oder so Alltagsgeschichten wie ist die Waschmaschine ausgeschaltet? Und auf einmal habe ich dann festgestellt, ich denke gar nichts mehr. Der Kopf ist wirklich frei. Meditatives Gehen. Ja, es ist wirklich so. Aber es ist kein bewusster Prozess, sondern man läuft einfach und stellt es fest. Und ja, es bringt einen absolut runter, weil es sehr, sehr reduziert ist. Alles auf den Jakobsweg reduziert im Sinne von schlafen gehen, essen, laufen. Das sind die drei Probleme. Ich habe nicht in den Herbergen übernachtet. Also, dass diese Gemeinschaftsräume mit an die 20, 30 Menschen voll sind. Die letzte ist eine kleine Herberge, aber ansonsten sind auch gerne 50 oder 80 Leute da. Das war für mich die Horrorvorstellung schlechthin.

Schärer: Ich habe es schon nicht mit Jugendherbergen in meiner Jugend gehabt und jetzt schon gar nicht mehr. Also kein wirkliches No-go. Ich habe es tatsächlich mal probiert, wollte das mal erleben und habe dann sofort festgestellt: ganz schön, aber nein. Ich habe immer so übernachtet, dass ich immer ein Einzelzimmer hatte und ein eigenes Bad. Das habe ich vorher gebucht. Nicht weit im Voraus, teilweise wirklich an dem Tag, an dem ich gelaufen bin. Es gibt zahllose Apps, die sehr, sehr komfortabel sind und wo man einfach nur guckt: Wo laufe ich heute los? Wo will ich hinlaufen? Und da sieht man in der App, was ist. Welche Orte gibt es zwischendrin? Wie weit sind die entfernt voneinander? Man weiß zu jedem Zeitpunkt wo man ist. Wie weit habe ich jetzt bis zum nächsten Café? In diesem Ort gibt es dann auch noch eine Herberge, Pension, Gaststätte, Hotel. Muss ich Angst haben, dass ich auf der Wiese schlafen muss? Also das hatte ich wirklich nie.

„Das Pilger-Menü reduziert sich auf Hühnchen mit Pommes“

GSCHWÄTZ: Wie war das mit den Kosten? Wie viel habt ihr ausgegeben?

Schärer: Ich glaube, das günstigste, was ich beobachtet habe, war für 20 Euro. Aber es gibt eigentlich kein Limit. Die meisten kosten 30 Euro. Aber man kann das schon berechnen. Also ich bin bestimmt nicht repräsentativ, weil ich ganz anders gelaufen bin als viele andere, die in den dortigen Herbergen schlafen für im Schnitt zehn oder 15 Euro die Nacht. Ich würde sagen, im Schnitt habe ich bestimmt 40 Euro bezahlt. Das heißt also, da bin ich schon um ein Vielfaches höher und dann noch das Essen dazu.

Neugebauer: Ja, also dieses Pilger-Menü, das es überall gibt, das ist eher schlecht für jemanden, der nicht fragen kann. Das heißt Pirmin Menü und natürlich ist es nicht immer das gleiche, aber letztendlich ist es dann reduziert auf Hühnchen mit Pommes.

Pilgerpause in einer Pilgerunterkunft in Donativo zwischen Finisterre und Muxia. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Hast du nach Alternativen gesucht?

Schärer: Nein, es ist, wie Markus gesagt hat, das Menü. Das wird eigentlich überall angeboten. Meistens sind diese Gaststätte ja in wirklich kleinen Dörfern. Das ist sehr kostengünstig. Das sind irgendwie so elf oder zwölf Euro für drei Gänge mit einer Flasche Wein und Wasser natürlich. Für diesen Preis kann man nichts qualitativ Hochwertiges erwarten und so war es dann eben auch. Es ging wirklich mehr oder weniger um satt werden, also einfach um Kalorien und Energie. Es gab unterschiedliche Dinge, meistens drei oder vier Sachen sogar zur Auswahl. Aber so ziemlich alles war immer mit Pommes. Man braucht auch unterschiedlich viel Energie pro Tag. Denn das ist auch sehr sehr unterschiedlich, das liegt am Tempo. Ich wurde sehr langsam müde, auch weil ich mich dann zwischendurch verletzt habe und einfach nicht schneller gehen konnte. Das heißt also, ich bin im Schnitt zwischen 25 und 30 Kilometer am Tag und sehr, sehr langsam gelaufen zu den sehr heißen Zeiten. Also so 38 Grad war es dann tatsächlich morgens schon. Jedenfalls bin ich dann also auch noch im Dunklen losgelaufen, um dann eben nicht sehr lange Zeit diese Hitze zu haben. Und ich bin dann immer so gelaufen, dass ich am späten Nachmittag schon wieder angekommen bin. Ich bin aber wirklich ausgesprochen langsam gelaufen und ich habe viele Pausen gemacht.

„Auch im Nirgendwo stehen Getränkeautomaten“

GSCHWÄTZ: Bei 38 Grad überlege ich mir grad schon, wie deine Liste aussehen müsste für diesen Rucksack, den man dann da mitnimmt?

Schärer: Also dieser Rucksack war ja gar nicht meiner. Insofern hatte ich wirklich null Erfahrung. Ich wusste aber, da muss ich erst mal beim Rucksack anfangen muss, also ganz bei den Basics. Da muss ich auch tatsächlich verraten, dass ich keine Ahnung habe, worauf man achten muss. Also einfach ein Rucksack. Dann war es so, dass ich im Bekanntenkreis tatsächlich jemanden habe, der sich damit wahnsinnig gut auskennt und der mich sehr, sehr gut beraten hat. Und ich habe dann einen wirklich für mich passenden Rucksack gekauft. Durch zahlreiche YouTube-Videos habe ich auch gesehen, dass er leicht sein muss. Er sollte so circa nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts sein. Bei Frauen sagt man ja so so ungefähr fünf Kilo plus, weil dann ja auch noch die Getränke dazukommen. Sprich da sind ja erst mal die fünf Kilo nicht gerechnet, sondern da kommen noch Kleidung, Badeanzüge und so weiter dazu. Und dann muss man ja immer noch was zu trinken mitnehmen und das sind halt gerne je nach Strecke ein bis zwei Liter hoch oder runter. Oder man muss ständig was kaufen. Es gibt überall Bars und Cafés, Restaurants, Supermärkte, kleine Läden. Auch im Nirgendwo stehen Getränkeautomaten und man kann sich das dann alles ziehen. Rein theoretisch könnte man auch loslaufen morgens ohne was zu trinken, weil nach drei Kilometern spätestens kommt ja schon wieder was.

Gästebuch eines Donativos. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Nimmt man dann auch einen kleinen Verbandskasten mit oder so, falls man verletzt wird? Oder kriegt man das auch überall?

Schaerer: Ich hatte nichts dabei. Bei der Verletzung wusste man zuerst nicht, was es ist. Aber es war dann tatsächlich eine Überreizung der Achillessehne. Dabei hilft auch kein Pflaster. Es waren unheimlich viele Amerikaner auf dem Weg, die haben mich so belächelt. Die hatten Riesen-Rucksäcke dabei, alles mögliche. Und da hab ich auch gedacht, Leute, ihr seid in Europa. Wir sind nicht in der Wüste. Es gibt überall Geschäfte. Aber es gibt tatsächlich Streckenabschnitte, die sogenannte BPK, da kommt dann wirklich lange Kilometer nichts. Ich glaube, auf der längsten Strecke, wo von einem Ort bis zum nächsten tatsächlich gar nichts kommt, das sind knapp 17 Kilometer. Da gibt’s eben keine Apotheke, kein Supermarkt, kein irgendwas. Da bin ich dann auf Hilfe von anderen angewiesen. Also genau das muss man wissen. Aber auf der anderen Seite, was soll ich denn mitnehmen? Also so für alle möglichen Eventualitäten, die vielleicht eventuell auftreten könnten. Und dann sind da na noch 40 Grad da und dann ein Rucksack mit 40 Kilo. Eine Zahnbürste und noch was zum Waschen und etwas Kleidung, das hatte ich noch so dabei. Wobei, auch das habe ich letztendlich nicht gebraucht, weil überall sind diese Waschmaschinen. Da gibt es auch Waschmittel. Ein paar Sachen, die ich am Anfang dabei hatte, habe ich dann auch verschenkt. Oder liegen lassen in der Herberge. Das kann dann sonst jemand mitnehmen. Weil ich dann gemerkt habe, ich brauche es nicht.

GSCHWÄTZ: Wie war das bei dir, Markus?

Neugebauer: Ich habe noch Medikamente zum Beispiel mitnehmen müssen. Es sind relativ viele Medikamente und die Packliste war relativ lang. Man muss auf das Notwendigste reduzieren. Den Rucksack muss man immer mal wieder wiegen. Am Anfang war es noch deutlich zu viel.

„Mir hat es unheimlich gefallen“

GSCHWÄTZ: Ihr habt mit Sicherheit auch einige interessante Persönlichkeiten auf dem Weg getroffen oder Menschen, die euch so ein bisschen was erzählt haben. Oder sind da alle schon so geschlossen und für sich?

Schärer: Ich habe wirklich viele Menschen kennengelernt, dadurch, dass ich am Anfang des Camino losgelaufen bin, bin ich ja sehr lange mit den Menschen gelaufen und habe die interessanterweise auch immer wieder mal getroffen. Obwohl man eigentlich sagen müsste, dass es so viele ohne Handy oder irgendwas gibt, dass man sich jetzt auf einmal wiedersieht. Gefühlt gab es unheimlich viele Amerikaner. Für mich war das die größte Gruppe neben den Spaniern. Und das ist etwas sehr Interessantes. Da sind ja total viele Leute unterwegs und ich habe nie irgendwie Deutsche getroffen. Ein paar Briten, aber ansonsten wirklich alles Amerikaner. Andere haben es ganz anders erlebt. Die waren nur von Deutschen umgeben. Aber letztendlich habe ich drei oder vier Leute getroffen. Dann sitzt man abends mal mit anderen zusammen und redet über den Weg oder was einen hierher gebracht hat. Also ich war in diesen sechs Wochen nur ein einziges Mal alleine. Man ist immer umringt von Menschen. Doch mir hat es ganz gut gefallen. Es bilden sich dann auch Grüppchen mit Leuten, die man drei, vier Mal auf dem Jakobsweg getroffen hat. Also mir hat es unheimlich gefallen. Es gab Gruppen, die haben jeden Tag Lagerfeuer gemacht und mit Gitarre gesungen. Das ist jetzt nicht so meins. Ich bin mehr oder weniger klassisch mit drei, vier Leuten am Tisch gesessen und habe mit denen zusammen Abend gegessen. Über Gott und die Welt uns unterhalten. Wir hatten einfach eine gute Zeit. Abends gegen zehn war es dann auch meistens schon wieder vorbei, weil der nächste Tag beginnt ja schon wieder morgens um sechs oder halb sechs.

Impressionen einer Reise: Sonnenuntergang in Muxia. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Und redet man auch darüber, warum man diesen Weg macht oder sind es eher die persönlichen Geschichten?

Schaerer: Das ist unterschiedlich. Also man fragt hier und da, warum sie damit angefangen haben und alle sagen sehr Unterschiedliches. Aber ich habe gemerkt, auf dem Jakobsweg wird das selten in Frage gestellt werden. Man erzählt, was man erzählen möchte. Aber keiner sagt: Wer bist du, wo kommst du her, was machst du beruflich? Wie viel Kinder hast du? Haus, Hypothek, blablabla? Irgendwann ist mir das richtig aufgefallen, weil ich dann zum Beispiel jemand gefragt hatte. Nicht, weil ich gedacht habe, dass ich jetzt schon ein paar Tage mit XY zusammen gelaufen bin, dann sag ja, was macht die da, wo kommt die her? Es ist irrelevant, was sie beruflich macht. Es spielt keine Rolle. Und das ist etwas, was mir unheimlich gut gefallen hat auf dem Jakobsweg, dass man tatsächlich den Menschen kennengelernt hat, ohne diese ganzen Baco.

GSCHWÄTZ: Aber interessiert es eigentlich auch, warum dieser Mensch diesen Weg macht?

Schaerer: Nein, weil ich war so mit mir beschäftigt meistens. Man ist die meiste Zeit mit Überleben beschäftigt. Da ist es ja wichtig, warum jemand anders läuft und was man laufend besser machen kann. Also, Hauptsache ich komme an. Am Anfang ist es nicht leicht bei uns, zu erzählen, dass ich am Anfang gerne alternativ dazu gedacht habe. Ich dache, ja, es ist vorbei. Ich werde hier sterben.

„Ich dachte, es ist vorbei“

GSCHWÄTZ: Wie kam es denn dazu, dass es dann doch sechs Wochen wurden? Was hat dich angetrieben, weiterzumachen?

Schaerer: Wie gesagt, ich habe mich grandios vorbereitet mit Youtube-Videos, Büchern und sonstiger Lektüre. Ich habe dort auch etwas mal gelesen oder gehört. Und zwar, dass jeder Pilger mindestens einmal auf dem Jakobsweg weint. Und ich sagte so im Vorfeld, bitte lass das noch nicht am ersten Tag sein. Danach ist schon okay. Und bei mir war es dann tatsächlich so, dass ich am ersten Tag drei Mal geweint habe. Ich war da auf den Pyrenäen, da war ich wirklich auf der Spitze. Da dachte ich, jetzt ist es einfach vorbei. Da hab ich mich auf einen Stein gesetzt und sozusagen Frieden mit mir geschlossen. Ich konnte nicht mehr. Es ging nicht mehr. Ich habe immer im Hinterkopf gehabt, wenn du nicht mehr kannst, dann dann rufst du ein Taxi oder irgendwas. Aber ich war ja in den Pyrenäen. Streckenweise war er ja der Weg tatsächlich auf der Straße. Bloß da, wo ich dann saß, da war schon stundenlang keine Straße mehr. Dann hab ich irgendwann auf mein Handy geguckt und irgendwann war die Batterie leer. Also ich konnte niemanden anrufen und ich hatte keine Ahnung, wo ich bin. Also hier GPS. Und da dachte ich, so jetzt bleib ich auch hier. Und dann gibt es diese Selbstgespräche. Du kannst niemanden rufen und hast bestimmt seit Stunden niemanden gesehen. Normalerweise sind Horden von Pilger unterwegs, da war aber niemand mehr. Logisch, weil ich so langsam gelaufen bin und alle schon längst vorbeigezogen sind. Und dann ist es so, dass man sich dann aufmacht und sagt: Ja, ich muss, ich muss. Also dann noch mal! Nein, ich habe ein ungutes Gefühl, weil ich gerade mitten im Wald bin. Und ich wollte wirklich ankommen, bevor es dunkel wird. Also das war dann der Zeitpunkt, wo ich auf diesem Stein saß und dachte, dann hast du jetzt auch eine Option, jetzt stirbst du, Kleines. Und dann bin ich halt irgendwie weiter gelaufen. Es sind ja auch überall Wegweiser, die anzeigen, wie weit es bis zum nächsten Ort ist. Und das waren dann noch so sechs Kilometer und ich dachte, das schaffe ich doch. Man läuft einfach weiter, es gibt keine Alternative.

Statue von Ernest Hemingway in seiner Lieblingsbar in Pamplona. Foto: privat

In den Kuhmist gefallen: „Das war einfach furchtbar“

Schaerer: Ich bin dann irgendwann über die Wiesen, also einfach den ausgewiesenen Weg gelaufen. Es hatte auch geregnet und das war einfach furchtbar. Auf jeden Fall bin ich ausgerutscht und in Kuhmist gefallen. Dann wieder ausgerutscht und zurückgeschlittert. Das war das zweite Mal, dass ich geweint habe. Und ich dachte mir, was ist mit dir los? Was stimmt mit dir nicht? Du könntest jetzt irgendwo im Süden Europas schön gemütlich in irgendeinem schönen Beach Club sitzen. Dann bin ich erst mal weiter gelaufen und irgendwann habe ich festgestellt, dass ich mich umziehen muss. Aber da gibt’s ja keine Umkleidekabinen und kein Versteck. Das heißt, man zieht sich einfach mitten auf dem Weg um. Und jetzt muss ich mich umziehen und mich auch waschen. Deswegen war ich übrigens sehr froh, dass ich Getränke dabei hatte. Die habe ich dann nicht zum Trinken genutzt, sondern um mich zu waschen. Na also, Schuhe raus, Socken raus, Hose runter – gewaschen und mit dem Handtuch abtrocknen. Natürlich so mit meinem Rucksack und so. Damit ich im Sauberen sitze. Habe das alles gemacht und war da gerade wieder am Anziehen. Aber es war halt wirklich so, dass ich damit in Unterwäsche und T-Shirt dasaß. Und dann kamen aus dem Nichts Pilger. Alle standen da, grinsten mich an. Da war eine Frau dabei. Die war so ganz begeistert, mich wiederzusehen. Und ich dachte so Mensch, siehst du denn nicht, dass diese Situation völlig irre ist? Lauf einfach weiter. Das Ganze war mir peinlich, weil sie hatte zwei junge Männer dabei. Die haben wiederum sehr gut kapiert, was gerade Sache ist. Und irgendwann sind wir dann auch weitergezogen. Ich bin dann weiter gelaufen und hab die ganze Zeit überlegt, was haben die sich jetzt wohl gedacht, was ich da mache? Diese Geschichte begleitete mich eine Zeitlang (lacht).

„Es war überraschend gut“

GSCHWÄTZ: Aber nach den sechs Wochen ist man dann nicht unheimlich stolz, oder?

Schaerer: Es war dann hinterher schon auch so, dass man gesagt hat, super gemacht. Es gibt ja überall am Weg Zeichen, wo angezeigt wird, wie weit es noch ist bis Santiago. Man fängt an in Santiago mit 790 Kilometern. Wobei ab Rosses, das ist die erste Station in Spanien, da sind es 790 Kilometer und insgesamt sind es über 800. Wenn wenn man dann noch über die Pyrenäen gelaufen ist, dann sind es 300, 200, 150. Und als ich dann wirklich einige hundert Kilometer hatte, da dachte ich: Das ist unglaublich. Also bis jetzt über 600 Kilometer. Das ist unglaublich. Es war eigentlich auch schon überraschend gut, dass ich wirklich immer und immer weiter gelaufen bin, obwohl das gar nicht meine Art zu reisen ist. Ich war so froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich habe wirklich das aller Allerwichtigste dabei gehabt. Ebenso wenig braucht man dann zum Leben. Ich sagte, ich habe drei Wochen und drei Wochen, sechs Wochen in drei T-Shirts und zwei unterteilt. Ich hatte eine Wanderhose, die man umbauen kann zu Shorts. Ich hatte noch eine Jacke dabei und Socken. Und alle T-Shirts passten genau dazu. Aber es war völlig egal und das fehlte mir auch nicht. Als wir dann in Santiago angekommen sind und andere Menschen gesehen haben, also nicht Pilger, da dachte ich: Oh, die tragen richtige Kleidung. Die haben richtige Schuhe und da war ich schon so sehr neidisch und wollte auch gerne mal irgendwas tragen, was jetzt nicht nach Rei in der Tube riecht. Ich konnte es irgendwann auch nicht mehr sehen und nicht mehr riechen. Aber wirklich gefehlt hat es mir überhaupt nicht. Es war wichtig, dass wir das gemacht haben, nicht Markus, die zwei Tage auch frei gelaufen. Wer hätte gedacht, dass wir das so hinbekommen?

Pilgerbar in Finisterre. Foto: privat

Neugebauer: Die zwei Tage waren schon ein Ding. Natürlich haben wir uns Zeit genommen. So einen kleinen Einblick zu bekommen genügt, um den Jakobsweg etwas zu erfahren. Das heißt, es könnte auch sein, dass wir noch mal diesen Jakobsweg laufen, vielleicht ein anderes Stück. Das heißt, es bleibt nicht bei diesem einem Mal.

GSCHWÄTZ: Und ich glaube, er ist für alle eine Bereicherung, die euch auf diesem Weg begleiten dürfen oder die euch dort treffen, weil ihr so tolle Persönlichkeiten seid. Und ich möchte nochmal ganz herzlich danken.

Straßenschild kurz vor Muxia. Foto: privat

Skulptur der alljährlichen Stierläufe in Pamplona. Foto: privat

 

Ab und zu hat es auch geregnet. Foto: privat

 

Sonnenuntergang am Cap Finisterre. Foto: privat

Am Ziel: die Kathedrale von Santiago de Compostela. Foto: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Mann von Anhänger überrollt

Gestern Nachmittag ist es bei Forchtenberg-Muthof zu einem Arbeitsunfall gekommen. Bei Holzarbeiten hat ein Arbeiter wohl vergessen, die Handbremse anzuziehen. Der Mann wurde von dem Anhänger überrollt und dabei tödlich verletzt.

Die Freiwillige Feuerwehr Forchtenberg war bei den Rettungsarbeiten vor Ort.




GEMÜ baut neue Unternehmenszentrale im Gewerbepark Hohenlohe

 Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Urkunde haben Gert Müller, geschäftsführender Gesellschafter, und Stephan Müller, Geschäftsführer, im Februar 2021 den offiziellen Start des Bauprojektes „GEMÜ Headquarter“ im Gewerbepark Hohenlohe in Kupferzell besiegelt. Unter dem Motto „Meet the future” entsteht seitdem auf einer Fläche von rund 14.000 Quadratmetern ein neues Bürogebäude für ungefähr 300 Mitarbeitende, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Neben den Büro-Arbeitsplätzen ist zudem ein repräsentativer Bereich für Kundenbesuche sowie ein Betriebsrestaurant für die GEMÜ Mitarbeiter:innen im Gewerbepark Hohenlohe geplant. Der Neubau ist nach dem Produktions- und Logistikzentrum Europa (PLZ) und dem Oberflächentechnologiezentrum (OTZ) der dritte GEMÜ Bau im Gewerbepark.

Schon bei der Planung des Neubaus hat GEMÜ sich von modernsten Bürokonzepten inspirieren lassen. Neben ergonomischen Faktoren und einer zukunftsorientierten, digitalen Infrastruktur wird die Büroraumplanung auch ganz neue Formen der Kommunikation fördern. „Mit dem Neubau unseres neuen Headquarters stellen wir die Weichen Richtung Zukunft und für weiteres Wachstum der GEMÜ Gruppe“, so Gert Müller, geschäftsführender Gesellschafter der GEMÜ Gruppe.

Die Fertigstellung und der Bezug des neuen GEMÜ Headquarters sind für das erste Halbjahr 2024 geplant. Der Standort in Ingelfingen-Criesbach, in dem sich unter anderem das Kunststoffkompetenzzentrum oder auch die Edelstahlfertigung befinden, bleibt als GEMÜ Stammhaus weiter bestehen.

Quelle: Pressemitteilung von GEMÜ

 




Autofahrer prallt gegen Brückenpfeiler und stirbt

Tödliche Verletzungen zog sich ein Autofahrer bei einem Unfall am Donnerstag, den 11. November 2021, auf der Landesstraße 1045 bei Braunsbach zu, wie die Polizei am frühen Abend mitteilte. Der Mann, dessen Alter zunächst nicht bekannt war, fuhr gegen 15.30 Uhr von Geislingen am Kocher in Richtung Braunsbach. Bei geradem Streckenverlauf kam er aus bislang noch ungeklärter Ursache und ohne fremde Beteiligung von der Fahrbahn ab. Nach rund 70 Metern fuhr er frontal gegen einen Pfeiler der Kochertalbrücke.  Das Auto sei dabei stark deformiert worden und habe Feuer gefangen.

Die Feuerwehr aus Braunsbach löschte den Brand. Für den Fahrer kam jedoch jede Hilfe zu spät, er konnte nur noch tot aus dem Auto geborgen werden. Der Sachschaden wird auf 8.000 Euro geschätzt.

Während der Unfallaufnahme und Bergung blieb die Straße einspurig passierbar. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Aalen




Sieben aktive Ausbruchsgeschehen in Hohenlohe – darunter eine Schule

Die Corona-Zahlen steigen wieder – teils in schwindelerregende Höhen. Wie sieht dabei die Lage in der Region aus – vor allem in den Schulen, wo viele ungeimpfte Kinder aufeinander treffen? GSCHWÄTZ hat beim Landratsamt Hohenlohekreis nachgefragt. „Seit 01. Oktober 2021 hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises fünf Ausbruchsgeschehen an Schulen (alle im Raum Öhringen) mit insgesamt 47 Fällen ermittelt“, schreibt Pressesprecherin Mathea Weinstock in ihrer Antwort-Mail. Stand 10. November 2021 gab es sieben aktive Ausbruchsgeschehen mit bisher 83 Fällen – darunter seien ein Unternehmen im Raum Öhringen, zwei Unternehmen im Jagsttal, zwei Pflegeeinrichtungen im Raum Öhringen, eine Pflegeeinrichtung im Kochertal sowie eine Schule im Raum Öhringen.

Corona-Verordnung regelt das Vorgehen

Wie müssen Schulleitungen vorgehen, wenn es in ihrer Einrichtung Corona-Fälle gibt? Gibt es Vorgaben oder darf jeder machen, wie er will? Das baden-württembergische Kultusministerium ist da ganz eindeutig: „In § 5 Abs. 4 CoronaVO Absonderung ist geregelt, dass die Schulleitung bei Vorliegen der positiven Testung einer Person verpflichtet ist, die Sorgeberechtigten der Schülerinnen und Schüler oder Kinder aus der Klasse, Lern- oder Betreuungsgruppe, in der die Infektion aufgetreten ist, anonymisiert hierüber zu informieren.“ Es gebe also eine Rechtsgrundlage für die Datenweitergabe, die für jede Übermittlung personenbezogener Daten notwendig ist.

Weitergabe der Information nur innerhalb der Klassen

Der Pressereferent des Kultusministeriums, Fabian Schmidt, schreibt auf die GSCHWÄTZ-Anfrage weiter: „Die Eltern sind aber nur zu informieren, wenn ein Kind aus der Klasse des eigenen Kindes infiziert ist. Über Infektionen in anderen Klassen werden sie von der Schule aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht informiert – das übernimmt gegebenenfalls das Gesundheitsamt im Rahmen der Kontaktnachverfolgung oder aber auch die Betroffenen selbst.“ Man müsse aber auch beachten, dass die „Schule natürlich eine Auskunftspflicht gegenüber dem Gesundheitsamt“ habe. Ebenso zulässig sei es, die Informationen weiterzugeben, „sollte das Gesundheitsamt im Rahmen seiner Tätigkeiten die Schulleitung bitten, zum Beispiel aufgrund von Quarantänemaßnahmen auch andere Eltern zu informieren“.

Eigenverantwortlich handeln

Pressereferent Schmidt weist aber auch darauf hin, dass es wichtig sei, „dass die Betroffenen – Schüler, Eltern, Lehrkräfte – eigenverantwortlich handeln und somit dazu beitragen, das Infektionsgeschehen einzudämmen“. Dazu gehöre beispielsweise, bei der Kontaktnachverfolgung selbst mögliche Kontakte selbst zu informieren, damit diese alles Weitere abklären können.

Text: Sonja Bossert

 




Es ist fünf nach 12

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen sind mit ihren PendelMarionetten von Freitag, den 11. November, bis Sonntag, den 14. November 2021, bei der Verkaufsausstellung „Kunst – Handwerk – Design“ im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall. In der Ausstellung präsentieren Gestalter:innen aus unterschiedlichen Bereichen ihre neuesten Arbeiten und zeigen damit die Vielfalt des aktuellen Kunsthandwerks. Jedes Objekt wird individuell entworfen und mit Sorgfalt und Präzision in den Werkstätten von Hand gefertigt. Das Ergebnis sind Unikate von bester Qualität. In Vorführungen und Workshops erhalten die Besucher:innen zudem einen Einblick in den komplexen Prozess der Entstehung vom Entwurf bis zum fertigen Produkt. Die Ausstellung ist täglich von zehn bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln: 3G+, Erfassung der Kontaktdaten und Maskenpflicht.

Vorträge mit und über die Marionetten

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz erklären selbst in einem Vortrag den Bau und die Spielfunktionen ihrer Marionetten und untermalen das Erklärte mit Spielszenen aus ihrem Theaterrepertoire. Anschließend können die Zuschauer:innen gern selbst ausprobieren, wie ausdrucksstark und leicht zu handhaben die Figuren sind. Falls sich jemand für eine Figur aus den Verkaufsseiten näher interessiert, wird diese unverbindlich mitgebracht. Die Vorträge sind am Freitag, den 12. November, um 14.30 uhr sowie am Sonntag, den 14. November, um 16.30 Uhr.

PendelMarionetten auf der Weltklimakonferenz in Glasgow

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz waren nach eigener Aussage schon immer überzeugt, dass sie mit der Kraft ihres Marionettenspiels einen effektiven Beitrag zu dem schwierigen Thema des  Klimawandels leisten können. Die gesamte Coronazeit über – seit Anfang 2020 – haben sie gemeinsam mit 15 Amateurspieler:innen, die bei ihnen das Marionettenspiel gelernt haben, ein großes Projekt vorbereitet, über das nun auch ein Kino-Dokumentarfilm geplant ist. Ein 10-minütiger Trailer, der während der  Proben dazu entstanden ist, läuft aktuell auf der realen Klimakonferenz in Glasgow im deutschen Pavillon und stellt dort das Projekt vor. Ein Ausschnitt aus diesem Trailer findet sich auf der Website des Marionettentheaters.

Der Kino-Dokumentarfilm

Das Marionettenspiel „~°C+ Ein paar Grad plus – die Klimakonferenz” handelt in einer Art Fabel von der Klimaerwärmung, ist sozialkritisch, satirisch und politisch. Erstmals wird es aufgeführt beim Festival der Marionette von Freitag, den 28. Oktober, bis Sonntag, den 30. Oktober 2022, in Hohebuch. Die Filmemacherin Anja Krug-Metzinger wird die Stärken des Films mit den Stärken des Marionettenspiels kombinieren und durch dokumentarische Beobachtungen erweitern. Sie beschäftigt sich schon lang mit dem Thema Klimawandel und hat dazu zahlreiche preisgekrönte Filme veröffentlicht.

Quelle: Pressemitteilung des Marionettentheaters Pendel




Nimm den Müll mit nach Hause

Im Jahr 2020 rief die Stadtverwaltung Künzelsau einen Bilderwettbewerb für Kinder und Jugendliche zum Thema Umweltverschmutzung und Müll im Wald aus. Wie die Verwaltung mitteilt wurden zahlreiche Einsendungen, herrliche Bilder und Collagen eingereicht. Die Bilderjury – Maria Würth und Jan Philippiak – die für die Stadt als Botschafter für den Naherholungsraum in Künzelsau aktiv sind, suchten fünf Kunstwerke aus, deren Motiv auf Hinweisschilder gedruckt und im Stadtwald aufgestellt werden sollten. Durch die Corona-Zeit konnte dieser Festakt erst im Herbst 2021 mit den Künstlern und deren Familien stattfinden.

Gespannt verfolgen die Kinder, welches Motiv auf dem Schild zum Vorschein kommt. Am Schild: Bürgermeister Stefan Neumann (links), Leo Hornung und Jan Philippiak. Foto: Helen Bühler/Stadtverwaltung Künzelsau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schilder zeigen die negativen Auswirkungen

Die fünf mehrsprachigen Hinweisschilder helfen nun Spaziergänger und Freizeitbesucher des Waldes daran zu erinnern, den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Die auf den Schildern dargestellten Szenen zeigen die negativen Auswirkungen des Unrats für Mensch, Tier und Natur. „Damit auch noch weitere Menschen – besonders die, die bisher keine Achtung vor der Natur haben und lieber ihren Müll dort hinterlassen – künftig mehr über ihre Umwelt nachdenken, stellen wir heute Eure Siegerbilder als Schilder auf“, begrüßte Bürgermeister Stefan Neumann. Als Standorte wurden belebte Orte wie die Zugänge zum Künzelsauer Stadtwald gewählt.

Müllvogel zu Besuch

Im herbstlichen Stadtwald trafen sich zum feierlichen Aufstellen der Schilder neben den jungen Künstler:innen, deren Familien auch die beiden Botschafter Maria Würth und Jan Philippiak sowie Vertreter des Gemeinderats. Zudem zeigte sich dort ein Überraschungsgast, der aus der Feder eines der kleinen Malkünstler stammte: der Müllvogel. Der kleine Künstler skizzierte in seinem Bild einen Verursacher für die Waldsituation. Ein Vogel, der den Müll in den Wald bringt, der immer Quatsch macht und es wohl nicht besser weiß. Der Müllvogel ziert kein Schild. Er ist eine Handpuppe, mit deren Unterstützung die Kinder in den Kindertageseinrichtungen den richtigen Umgang mit der Natur erlernen sollen, damit sie künftig den Naherholungsraum besser schätzen als viele Jugendliche oder Erwachsene.

Der Müllvogel begleitet die Kinder der städtischen Betreuungseinrichtungen und lernt mit ihnen, die Natur von Müll freizuhalten. Genäht wurde die Handpuppe von Kostümbildnerin Charlotte Carle. Foto: Laura Asum/Stadtverwaltung Künzelsau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Handpuppe lernt gemeinsam mit den Kindern

„Wir haben für die Kinder in unseren Kindergärten einen solchen Müllvogel von der Kochertaler Kostümbildnerin Charlotte Carle nähen lassen“, sagte Bürgermeister Stefan Neumann. Kostümbildnerin Charlotte Carle, hat die Handpuppe genäht, die den Gästen und den staunenden Kindern durch die stellvertretende Hauptamtsleiterin Marion Hannig-Dümmler präsentiert wurde. „Er wird künftig im Alltag und auch bei Ausflügen dabei sein und mit Euch gemeinsam lernen, was in den Wald gehört und was man wieder mit nach Hause nehmen muss.“

Die Aktion „Familien und Kinder machen sich stark für den Naherholungsraum in Künzelsau“ wird mit den städtischen Kindergärten weiterhin fortgesetzt.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




27 neue Bauplätze in Öhringen für Einfamilienhäuser

Das Wohngebiet Limespark in Öhringen vergrößert sich um das neue Baugebiet Limespark D, schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Die Erschließung der 27 Einfamilienhaus-Bauplätze sowie zehn weiterer Baufelder für Mehrfamilien-, Ketten-/Lean- und Reihenhäuser ist abgeschlossen. Am Montag, den 08. November 2021, erfolgte die Baufreigabe durch Oberbürgermeister Thilo Michler an der neu errichteten Ströllerbachbrücke. Erstmalig ist die Möglichkeit zum Anschluss an das Nahwärmenetz der in diesem Jahr gegründeten Stadtwerke Öhringen. Die Tiefbau-, Rohrleitungs- und Straßenbauarbeiten kosteten 4,7 Millionen Euro. Die neue Brücke 350.000 Euro.

Sozialer und geförderter Wohnraum entsteht

„Mehr Wohnraum ist neben Klimaschutz ein großes politisches Thema. Mit dem Limespark D schaffen wir den dringend benötigten Wohnraum mit einer guten Anbindung an Straße und Schiene. Die zentrale Versorgung mit Nahwärme ist effizient, kostensparend und schont das Klima. Der Abschluss der Erschließung ist eine Punktlandung. Vielen Dank an alle Beteiligten“, freut sich Oberbürgermeister Thilo Michler laut der Mitteilung. Er ergänzt: „Wir hatten das Baugebiet D vorgezogen, um den Familien die Förderung durch das Baukindergeld zu ermöglichen. Dessen Antragsfrist endete am 31. März 2021. Für die Stadt Öhringen ist es weiterhin wichtig, dass der Wohnungsmarkt für alle Menschen zugänglich ist. Deshalb entsteht auch hier sozialer und geförderter Wohnraum. Für das Grundstück können sich Interessenten noch bis 7. Januar 2022 durch Abgabe der erforderlichen Konzeptunterlagen bewerben.“

Vergabe nicht zum Höchstpreis sondern nach Konzeptqualität

Der Limespark D umfasst gut acht Hektar. Davon sind vier Hektar sind Nettobauland, 1,6 Hektar Grünflächen. Das Gebiet ist für rund 550 Einwohner ausgelegt. Der Gemeinderat hatte in der Sitzung vom 25. September 2018 den Aufstellungsbeschluss und am 06. März 2020 den Bebauungsplan zur Rechtskraft gebracht. Im Frühjahr 2020 wurden die Bauplätze für Einfamilienhäuser öffentlich ausgeschrieben und im Sommer 2020 an die Bewerber vergeben. Die Interessentenliste für Einfamilienhäuser mit Kaufkosten von 300 Euro für den Quadratmeter umfasste rund 250 Einträge. 38 Interessenten gab es für die Baufelder, deren Vergabe im Mai 2021 erstmalig als Konzeptvergabe stattfand. Hierbei werden kommunale Grundstücke nicht zum Höchstpreis, sondern im Rahmen eines wettbewerblichen Verfahrens nach der Konzeptqualität des von dem Bewerber eingereichten Vorschlages vergeben. Auf einen offiziellen Spatenstich zum Erschließungsstart im April 2020 war aufgrund der Pandemie verzichtet worden. Die Baufreigabe erfolgte nun ebenfalls im kleinen Kreis mit der Firma Leonhard Weiss aus Bad Mergentheim und dem Planungsbüro ifk Ingenieure aus Mosbach.

Fünf Kilometer Glasfaser für schnelles Internet

Begonnen hatten die Arbeiten mit dem Abtragen des Mutterbodens, der auf Felder mit schlechterer Bodenqualität in der näheren Umgebung der Baustelle aufgebracht worden war. Anschließend wurden viele Kilometer an Kabeln und Leitungen verlegt – alleine knapp drei Kilometer für die Kanalisation und 1,7 Kilometer für die Wasserleitungen. Dazu kamen vier Kilometer für die Straßenbeleuchtung und fünfeinhalb Kilometer zusätzliche Stromleitungen. Für schnelles Internet liegen fünf Kilometer Glasfaser im Boden. 5,7 Kilometer Granitrandsteine schließen die Straßen und Gehwege ein. Neu war für alle Beteiligten der Einbau der Nahwärme. „Aber es hat alles bestens geklappt und wir sind mit der Bauzeit von 19 Monaten sehr zufrieden“, sagt Klaus Schalinski vom Stadtbauamt der Stadt Öhringen.

2024 wird das neue Baugebiet durch eine neue Grundschule ergänzt. Nordseitig baut die AWO einen neuen Kindergarten. Die Leitungen und Anschlüsse dafür sind bei den Erschließungsarbeiten ebenfalls schon verlegt worden.

Wenn Gott auf Göttin trifft

Wie im angrenzenden Limespark B wurden im neuen Baugebiet die Straßen nach römischen Göttinnen und Göttern benannt. So tragen die Stichstraßen nördlich des Ströllerbachs die Namen Aurorastraße (Göttin der Morgenröte), Lunastraße (Göttin des Mondes) und Janusstraße (Gott der Türen und Tore und aller Anfänge). Die ringförmige Wohnstraße heißt Eponastraße nach der römischen Göttin der Pferde und einzigen keltischen Göttin, die es in den römischen Götterhimmel geschafft hat. Der nördliche Kreisverkehr heißt Ströllerbach-Ring, der südliche, kleinere Kreisverkehr, Gladiatorenring. Die Mark-Aurel-Allee verbindet die beiden Kreisverkehre. Die neue Ströllerbachbrücke führt die Ströllerbachallee als Haupterschließungsstraße von der Friedrichsruher Straße über die Senke am Ströllerbach in das neue Baugebiet Limespark D und verbindet die wichtigen Anknüpfungsstellen Friedrichsruher Ring und Römerallee.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen

 




5 Jahre auf diesen Tag hingearbeitet

An der Eröffnungsfeier des KÜNfits am 08. und 09. November 2021 strahlen die Präsidiumsmitglieder des TSV Künzelsau Bianca Vogel, Erwin Bergmann und Robert Beck um die Wette. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, das KÜNfit nach so langer und intensiver Arbeit zu eröffnen und in die nächste Runde zu schicken, antwortet Vogel: „Auf der einen Seite ist man erleichtert, dass man es geschafft hat, dass man das große Projekt gestemmt hat. Auf der anderen Seite ist natürlich auch klar: Jetzt fängt es erst richtig an. Wir haben eröffnet und jetzt geht’s los.“ „Jetzt muss Leben in die Bude!“, ergänzt Bergmann. „Es müssen Menschen rein, die sich fit halten wollen und die an ihre eigene Gesundheit denken – und die müssen wir jetzt überzeugen. Dafür sind die zwei Tage der offenen Türe da.“

„Jetzt muss Leben in die Bude“

„Wir sind positiv überrascht darüber, wie sich das Thema ‚Geräte‘ entwickelt hat, beziehungsweise auch darüber, was wir an Ausstattung zur Verfügung stellen können. Auch was die Softwareleistung angeht und welche Möglichkeiten wir dadurch haben. Und natürlich sind wir auch vom Besucheransturm gestern und heute sehr positiv überrascht. Das freut uns natürlich sehr“, erzählt Vogel weiter. Allein am Samstag haben sich 193 Besucher im KÜNfit über die Luca-App registriert, das heißt, dass weit über 200 Besucher anwesend waren.

Beim Training ins Grüne blicken

„Das KÜNfit unterscheidet sich von anderen Fitnessstudios dadurch, dass man beim Trainieren auf den Sportplatz ins Grüne blickt. Somit sieht man dort Menschen, oder Kinder, die sich bewegen, während man sich selbst auch bewegt. Das ist eine Motivation, die unbezahlbar ist“, erklärt Bergmann. Vogel fügt hinzu: „Wir sind auch die ersten in Hohenlohe, die das Projekt eines Sportvereinszentrums realisiert haben. Natürlich ist es von Vereinsmitgliedern für Vereinsmitglieder gemacht.“

Langfristiges Ziel: 800 Mitglieder

„Wir haben schon im Vorfeld der Eröffnung über 100 Absichtserklärungen erhalten. Bis gestern, vor dem offiziellen Eröffnungstermin, hatten wir schon 63 Anmeldungen. Was gestern und heute gelaufen ist, müssen wir erst einmal noch in Ruhe zählen“, klärt Vogel auf. „Unser Ziel bis zum Jahresende ist es, über 200 Mitglieder zu gewinnen“, verrät Bergmann. „Bis in vier Jahren wollen wir hier im Hause 800 Mitglieder bewegen.“

Anamnese und Trainingsplan für jeden Sportler

Neben einer Vereinsmitgliedschaft und Berücksichtigung der aktuellen Corona-Verordnung (Vorlage eines Corona-Tests, eines Impfausweises oder Genesenenscheins) muss für das Training im KÜNfit noch eine weitere Vorraussetzung erfüllt sein, wie Beck erklärt: „Da wir ja hauptsächlich Gesundheitssport anbieten, muss jeder, der hier an den Geräten trainieren will vorher an der Anamnese getestet und geprüft werden, damit er die Leistungsstärke, die er hat, auf die Geräte übertragen kann.“ „Dieser Trainingsplan ist dann für jeden individuell auf einem Chip gespeichert, der am Handgelenk getragen wird. Somit ist für jeden klar, welche Übungen mit welchen Gewichten am jeweiligen Gerät ausgeführt werden sollen. Das klärt der Trainer in seiner Anamnese mit dem Sportler“, erläutert Bergmann.

Impfaktion des mobilen Impfteams der SLK-Kliniken war ein voller Erfolg

Der Vereinspräsident fährt fort: „Ich wurde von Dr. Eckle, unserem Vereinsmitglied, mit der Idee angesprochen, am Tag der offenen Tür zu impfen. Er hat dann den Kontakt zum SLK-Klinikum hergestellt. Die waren gleich bereit, hatten einen Termin frei, und sind heute von 11 bis 17 Uhr in zwei Umkleideräumen vom Sportplatz und impfen dort 180 Menschen. Um halb elf waren schon zwanzig Leute da, die unbedingt einen Termin wollten. Also wir sind ausgebucht.“

Zu den Impflingen vor Ort zählen die Künzelsauer Schüler Elmedin und Endrit Zogaj. Endrit Zogaj erzählt: „Mein Genesenenschein läuft jetzt aus. Deshalb brauche ich jetzt einen Impftermin für meine Schule.“ Sein Cousin Endrit ergänzt: „Ich lasse mich heute auch hier impfen, da ich durch diese Impfung vielleicht Clubs und Vereinen beitreten kann und wieder an Schulturnieren teilnehmen darf.“ Die Impfaktion im Rahmen des Tages der offenen Türe sei, laut den Jungs, „ohne Anmeldung schnell zugänglich und praktisch“.

„Verbesserung der Lebensqualität“

Das weitere Angebot im Hallstattweg ist am vergangenen Wochenende vielfältig: Bei Kaffee und Kuchen, der legendären Stadionwurst und vielen Möglichkeiten zum Entdecken, Ausprobieren und Beisammensein kommen Sportfans auf ihre Kosten. „Ich finde das neue KÜNfit sehr schön und groß“, schwärmt der zwölfjährige Silas Rammhofer, der mit seiner Familie beim Kuchenverkauf mithilft.
Auch Familie Genne ist vom neuen Vereinszentrum begeistert: „Wir überlegen auf jeden Fall, uns hier anzumelden“, erzählt Anastasia Genne. Ihr Mann Sergej nickt zustimmend.
Alles in allem sind die meisten Besucher des neuen Vereinszentrums KÜNfit einer Meinung: Es biete einen großen Mehrwert für unsere Region. Andreas Mohlis begründet diese Annahme:„Ich glaube, dass so eine Einrichtung die Lebensqualität in Künzelsau verbessert, weil es hier noch zu wenig Angebote für junge Leute gibt.“

Text: Priscilla Dekorsi

Vizepräsidentin des TSV Künzelsau, Bianca Vogel zeigt, wie der Check-In im KÜNfit mit dem Chip am Handgelenk funktioniert. Foto: GSCHWÄTZ

Das Projektteam rund ums KÜNfit: Robert Beck (links), Bianca Vogel und Erwin Bergmann. Foto: GSCHWÄTZ

Fleißige Helfer beim Kuchenverkauf: Silas (12), Mirjam und Joel (9) Rammhofer. Foto: GSCHWÄTZ

Kaffeeklatsch mit Blick auf den Sportplatz: Vereinsmitglieder haben rund 60 Kuchen gespendet, um die Bewirtschaftung der Gäste zu ermöglichen. Foto: GSCHWÄTZ

Anastasia und Sergej Genne wollen sich im KÜNfit anmelden. Foto: GSCHWÄTZ

Großer Andrang im Geräteraum: Allein am ersten der beiden Eröffnungstage strömen über 200 Schaulustige ins neue Vereinszentrum. Foto: GSCHWÄTZ

Sporteln mit Blick ins Grüne. Foto: GSCHWÄTZ

Die neuen Trainingsgeräte wollen eingeweiht werden – der zehnjährige Laurin Götz zeigt, wie’s geht. Foto: GSCHWÄTZ

Amelie (8) und Andreas Mohlis: „Wir wollten die neuen Geräte ausprobieren.“ Foto: GSCHWÄTZ

Eingangs- und Trainingsbereich des KÜNfit. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kursräume bieten Raum für vielfältige Angebote. Foto: GSCHWÄTZ

Franziska Hutz vom SLK-Klinikum und Gerhard Wirth beteiligen sich an der Impfaktion im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten. Foto: GSCHWÄTZ

Amelie (8) und Andreas Moghlis: „Wir wollten die neuen Geräte ausprobieren.“ Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Drei Familienmitglieder wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Am Dienstag, den 18. November 2021, beginnt vor der zweiten Großen Jugendkammer des Landgerichts in Heilbronn ein Prozess gegen drei Angeklagte unter anderem wegen versuchten Totschlags. Vorausgegangen war der Tat ein Konflikt zwischen zwei Familien. Dieser habe mit einem Streit begonnen, den einer der Angeklagten mit einem Mitglied aus der Familie des Geschädigten am frühen Abend des 16. Mai 2021 provoziert habe.

Mit Messern und Schlagstock auf das Opfer losgegangen

Die drei Angeklagten – 19, 20 und 23 Jahre alt – befinden sich seit dem 21. Mai 2021 in Untersuchungshaft. Sie sollen laut Anklage am späten Abend des 16. Mai 2021 in Heilbronn mit Küchenmessern und einem Schlagstock auf einen Mann eingeschlagen und -gestochen haben. Der 20-Jährige habe dem Geschädigten mit einem Schlagstock eine blutige Platzwunde am Kopf zugefügt. Der 19-jährige Angeklagte soll mit einem Küchenmesser auf den Oberkörper des Opfers gezielt, aufgrund dessen Abwehrbewegung aber nur sein Knie getroffen haben. Die Spitze des Messers sei durch die Wucht des Stiches abgebrochen und in der Wunde steckengeblieben. Der dritte Angeklagte soll mit einem Küchenmesser in den Rücken des Angegriffenen gestochen haben, wobei der Stich am Schulterblatt des Mannes abgeprallt sei.

Tod billigend in Kauf genommen

Erst als ein Zeuge sich schützend auf das Opfer gelegt habe und schon die Polizeisirenen zu vernehmen gewesen seien, hätten die Angeklagten von dem Mann abgelassen. Bei ihren Tathandlungen hätten sie den Tod des Geschädigten, der letztlich überlebt habe, billigend in Kauf genommen.

Für den Prozess hat das Landgericht neun Folgetermine angesetzt. Es sollen 30 Zeugen und eine Sachverständige gehört werden.

Quelle: Pressemitteilung des Landgerichts Heilbronn