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Sieben aktive Ausbruchsgeschehen in Hohenlohe – darunter eine Schule

Die Corona-Zahlen steigen wieder – teils in schwindelerregende Höhen. Wie sieht dabei die Lage in der Region aus – vor allem in den Schulen, wo viele ungeimpfte Kinder aufeinander treffen? GSCHWÄTZ hat beim Landratsamt Hohenlohekreis nachgefragt. „Seit 01. Oktober 2021 hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises fünf Ausbruchsgeschehen an Schulen (alle im Raum Öhringen) mit insgesamt 47 Fällen ermittelt“, schreibt Pressesprecherin Mathea Weinstock in ihrer Antwort-Mail. Stand 10. November 2021 gab es sieben aktive Ausbruchsgeschehen mit bisher 83 Fällen – darunter seien ein Unternehmen im Raum Öhringen, zwei Unternehmen im Jagsttal, zwei Pflegeeinrichtungen im Raum Öhringen, eine Pflegeeinrichtung im Kochertal sowie eine Schule im Raum Öhringen.

Corona-Verordnung regelt das Vorgehen

Wie müssen Schulleitungen vorgehen, wenn es in ihrer Einrichtung Corona-Fälle gibt? Gibt es Vorgaben oder darf jeder machen, wie er will? Das baden-württembergische Kultusministerium ist da ganz eindeutig: „In § 5 Abs. 4 CoronaVO Absonderung ist geregelt, dass die Schulleitung bei Vorliegen der positiven Testung einer Person verpflichtet ist, die Sorgeberechtigten der Schülerinnen und Schüler oder Kinder aus der Klasse, Lern- oder Betreuungsgruppe, in der die Infektion aufgetreten ist, anonymisiert hierüber zu informieren.“ Es gebe also eine Rechtsgrundlage für die Datenweitergabe, die für jede Übermittlung personenbezogener Daten notwendig ist.

Weitergabe der Information nur innerhalb der Klassen

Der Pressereferent des Kultusministeriums, Fabian Schmidt, schreibt auf die GSCHWÄTZ-Anfrage weiter: „Die Eltern sind aber nur zu informieren, wenn ein Kind aus der Klasse des eigenen Kindes infiziert ist. Über Infektionen in anderen Klassen werden sie von der Schule aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht informiert – das übernimmt gegebenenfalls das Gesundheitsamt im Rahmen der Kontaktnachverfolgung oder aber auch die Betroffenen selbst.“ Man müsse aber auch beachten, dass die „Schule natürlich eine Auskunftspflicht gegenüber dem Gesundheitsamt“ habe. Ebenso zulässig sei es, die Informationen weiterzugeben, „sollte das Gesundheitsamt im Rahmen seiner Tätigkeiten die Schulleitung bitten, zum Beispiel aufgrund von Quarantänemaßnahmen auch andere Eltern zu informieren“.

Eigenverantwortlich handeln

Pressereferent Schmidt weist aber auch darauf hin, dass es wichtig sei, „dass die Betroffenen – Schüler, Eltern, Lehrkräfte – eigenverantwortlich handeln und somit dazu beitragen, das Infektionsgeschehen einzudämmen“. Dazu gehöre beispielsweise, bei der Kontaktnachverfolgung selbst mögliche Kontakte selbst zu informieren, damit diese alles Weitere abklären können.

Text: Sonja Bossert

 




Es ist fünf nach 12

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen sind mit ihren PendelMarionetten von Freitag, den 11. November, bis Sonntag, den 14. November 2021, bei der Verkaufsausstellung „Kunst – Handwerk – Design“ im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall. In der Ausstellung präsentieren Gestalter:innen aus unterschiedlichen Bereichen ihre neuesten Arbeiten und zeigen damit die Vielfalt des aktuellen Kunsthandwerks. Jedes Objekt wird individuell entworfen und mit Sorgfalt und Präzision in den Werkstätten von Hand gefertigt. Das Ergebnis sind Unikate von bester Qualität. In Vorführungen und Workshops erhalten die Besucher:innen zudem einen Einblick in den komplexen Prozess der Entstehung vom Entwurf bis zum fertigen Produkt. Die Ausstellung ist täglich von zehn bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln: 3G+, Erfassung der Kontaktdaten und Maskenpflicht.

Vorträge mit und über die Marionetten

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz erklären selbst in einem Vortrag den Bau und die Spielfunktionen ihrer Marionetten und untermalen das Erklärte mit Spielszenen aus ihrem Theaterrepertoire. Anschließend können die Zuschauer:innen gern selbst ausprobieren, wie ausdrucksstark und leicht zu handhaben die Figuren sind. Falls sich jemand für eine Figur aus den Verkaufsseiten näher interessiert, wird diese unverbindlich mitgebracht. Die Vorträge sind am Freitag, den 12. November, um 14.30 uhr sowie am Sonntag, den 14. November, um 16.30 Uhr.

PendelMarionetten auf der Weltklimakonferenz in Glasgow

Marlene Gmelin und Detlef Schmelz waren nach eigener Aussage schon immer überzeugt, dass sie mit der Kraft ihres Marionettenspiels einen effektiven Beitrag zu dem schwierigen Thema des  Klimawandels leisten können. Die gesamte Coronazeit über – seit Anfang 2020 – haben sie gemeinsam mit 15 Amateurspieler:innen, die bei ihnen das Marionettenspiel gelernt haben, ein großes Projekt vorbereitet, über das nun auch ein Kino-Dokumentarfilm geplant ist. Ein 10-minütiger Trailer, der während der  Proben dazu entstanden ist, läuft aktuell auf der realen Klimakonferenz in Glasgow im deutschen Pavillon und stellt dort das Projekt vor. Ein Ausschnitt aus diesem Trailer findet sich auf der Website des Marionettentheaters.

Der Kino-Dokumentarfilm

Das Marionettenspiel~°C+ Ein paar Grad plus – die Klimakonferenz” handelt in einer Art Fabel von der Klimaerwärmung, ist sozialkritisch, satirisch und politisch. Erstmals wird es aufgeführt beim Festival der Marionette von Freitag, den 28. Oktober, bis Sonntag, den 30. Oktober 2022, in Hohebuch. Die Filmemacherin Anja Krug-Metzinger wird die Stärken des Films mit den Stärken des Marionettenspiels kombinieren und durch dokumentarische Beobachtungen erweitern. Sie beschäftigt sich schon lang mit dem Thema Klimawandel und hat dazu zahlreiche preisgekrönte Filme veröffentlicht.

Quelle: Pressemitteilung des Marionettentheaters Pendel




Nimm den Müll mit nach Hause

Im Jahr 2020 rief die Stadtverwaltung Künzelsau einen Bilderwettbewerb für Kinder und Jugendliche zum Thema Umweltverschmutzung und Müll im Wald aus. Wie die Verwaltung mitteilt wurden zahlreiche Einsendungen, herrliche Bilder und Collagen eingereicht. Die Bilderjury – Maria Würth und Jan Philippiak – die für die Stadt als Botschafter für den Naherholungsraum in Künzelsau aktiv sind, suchten fünf Kunstwerke aus, deren Motiv auf Hinweisschilder gedruckt und im Stadtwald aufgestellt werden sollten. Durch die Corona-Zeit konnte dieser Festakt erst im Herbst 2021 mit den Künstlern und deren Familien stattfinden.

Gespannt verfolgen die Kinder, welches Motiv auf dem Schild zum Vorschein kommt. Am Schild: Bürgermeister Stefan Neumann (links), Leo Hornung und Jan Philippiak. Foto: Helen Bühler/Stadtverwaltung Künzelsau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schilder zeigen die negativen Auswirkungen

Die fünf mehrsprachigen Hinweisschilder helfen nun Spaziergänger und Freizeitbesucher des Waldes daran zu erinnern, den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Die auf den Schildern dargestellten Szenen zeigen die negativen Auswirkungen des Unrats für Mensch, Tier und Natur. „Damit auch noch weitere Menschen – besonders die, die bisher keine Achtung vor der Natur haben und lieber ihren Müll dort hinterlassen – künftig mehr über ihre Umwelt nachdenken, stellen wir heute Eure Siegerbilder als Schilder auf“, begrüßte Bürgermeister Stefan Neumann. Als Standorte wurden belebte Orte wie die Zugänge zum Künzelsauer Stadtwald gewählt.

Müllvogel zu Besuch

Im herbstlichen Stadtwald trafen sich zum feierlichen Aufstellen der Schilder neben den jungen Künstler:innen, deren Familien auch die beiden Botschafter Maria Würth und Jan Philippiak sowie Vertreter des Gemeinderats. Zudem zeigte sich dort ein Überraschungsgast, der aus der Feder eines der kleinen Malkünstler stammte: der Müllvogel. Der kleine Künstler skizzierte in seinem Bild einen Verursacher für die Waldsituation. Ein Vogel, der den Müll in den Wald bringt, der immer Quatsch macht und es wohl nicht besser weiß. Der Müllvogel ziert kein Schild. Er ist eine Handpuppe, mit deren Unterstützung die Kinder in den Kindertageseinrichtungen den richtigen Umgang mit der Natur erlernen sollen, damit sie künftig den Naherholungsraum besser schätzen als viele Jugendliche oder Erwachsene.

Der Müllvogel begleitet die Kinder der städtischen Betreuungseinrichtungen und lernt mit ihnen, die Natur von Müll freizuhalten. Genäht wurde die Handpuppe von Kostümbildnerin Charlotte Carle. Foto: Laura Asum/Stadtverwaltung Künzelsau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Handpuppe lernt gemeinsam mit den Kindern

„Wir haben für die Kinder in unseren Kindergärten einen solchen Müllvogel von der Kochertaler Kostümbildnerin Charlotte Carle nähen lassen“, sagte Bürgermeister Stefan Neumann. Kostümbildnerin Charlotte Carle, hat die Handpuppe genäht, die den Gästen und den staunenden Kindern durch die stellvertretende Hauptamtsleiterin Marion Hannig-Dümmler präsentiert wurde. „Er wird künftig im Alltag und auch bei Ausflügen dabei sein und mit Euch gemeinsam lernen, was in den Wald gehört und was man wieder mit nach Hause nehmen muss.“

Die Aktion „Familien und Kinder machen sich stark für den Naherholungsraum in Künzelsau“ wird mit den städtischen Kindergärten weiterhin fortgesetzt.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




27 neue Bauplätze in Öhringen für Einfamilienhäuser

Das Wohngebiet Limespark in Öhringen vergrößert sich um das neue Baugebiet Limespark D, schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Die Erschließung der 27 Einfamilienhaus-Bauplätze sowie zehn weiterer Baufelder für Mehrfamilien-, Ketten-/Lean- und Reihenhäuser ist abgeschlossen. Am Montag, den 08. November 2021, erfolgte die Baufreigabe durch Oberbürgermeister Thilo Michler an der neu errichteten Ströllerbachbrücke. Erstmalig ist die Möglichkeit zum Anschluss an das Nahwärmenetz der in diesem Jahr gegründeten Stadtwerke Öhringen. Die Tiefbau-, Rohrleitungs- und Straßenbauarbeiten kosteten 4,7 Millionen Euro. Die neue Brücke 350.000 Euro.

Sozialer und geförderter Wohnraum entsteht

„Mehr Wohnraum ist neben Klimaschutz ein großes politisches Thema. Mit dem Limespark D schaffen wir den dringend benötigten Wohnraum mit einer guten Anbindung an Straße und Schiene. Die zentrale Versorgung mit Nahwärme ist effizient, kostensparend und schont das Klima. Der Abschluss der Erschließung ist eine Punktlandung. Vielen Dank an alle Beteiligten“, freut sich Oberbürgermeister Thilo Michler laut der Mitteilung. Er ergänzt: „Wir hatten das Baugebiet D vorgezogen, um den Familien die Förderung durch das Baukindergeld zu ermöglichen. Dessen Antragsfrist endete am 31. März 2021. Für die Stadt Öhringen ist es weiterhin wichtig, dass der Wohnungsmarkt für alle Menschen zugänglich ist. Deshalb entsteht auch hier sozialer und geförderter Wohnraum. Für das Grundstück können sich Interessenten noch bis 7. Januar 2022 durch Abgabe der erforderlichen Konzeptunterlagen bewerben.“

Vergabe nicht zum Höchstpreis sondern nach Konzeptqualität

Der Limespark D umfasst gut acht Hektar. Davon sind vier Hektar sind Nettobauland, 1,6 Hektar Grünflächen. Das Gebiet ist für rund 550 Einwohner ausgelegt. Der Gemeinderat hatte in der Sitzung vom 25. September 2018 den Aufstellungsbeschluss und am 06. März 2020 den Bebauungsplan zur Rechtskraft gebracht. Im Frühjahr 2020 wurden die Bauplätze für Einfamilienhäuser öffentlich ausgeschrieben und im Sommer 2020 an die Bewerber vergeben. Die Interessentenliste für Einfamilienhäuser mit Kaufkosten von 300 Euro für den Quadratmeter umfasste rund 250 Einträge. 38 Interessenten gab es für die Baufelder, deren Vergabe im Mai 2021 erstmalig als Konzeptvergabe stattfand. Hierbei werden kommunale Grundstücke nicht zum Höchstpreis, sondern im Rahmen eines wettbewerblichen Verfahrens nach der Konzeptqualität des von dem Bewerber eingereichten Vorschlages vergeben. Auf einen offiziellen Spatenstich zum Erschließungsstart im April 2020 war aufgrund der Pandemie verzichtet worden. Die Baufreigabe erfolgte nun ebenfalls im kleinen Kreis mit der Firma Leonhard Weiss aus Bad Mergentheim und dem Planungsbüro ifk Ingenieure aus Mosbach.

Fünf Kilometer Glasfaser für schnelles Internet

Begonnen hatten die Arbeiten mit dem Abtragen des Mutterbodens, der auf Felder mit schlechterer Bodenqualität in der näheren Umgebung der Baustelle aufgebracht worden war. Anschließend wurden viele Kilometer an Kabeln und Leitungen verlegt – alleine knapp drei Kilometer für die Kanalisation und 1,7 Kilometer für die Wasserleitungen. Dazu kamen vier Kilometer für die Straßenbeleuchtung und fünfeinhalb Kilometer zusätzliche Stromleitungen. Für schnelles Internet liegen fünf Kilometer Glasfaser im Boden. 5,7 Kilometer Granitrandsteine schließen die Straßen und Gehwege ein. Neu war für alle Beteiligten der Einbau der Nahwärme. „Aber es hat alles bestens geklappt und wir sind mit der Bauzeit von 19 Monaten sehr zufrieden“, sagt Klaus Schalinski vom Stadtbauamt der Stadt Öhringen.

2024 wird das neue Baugebiet durch eine neue Grundschule ergänzt. Nordseitig baut die AWO einen neuen Kindergarten. Die Leitungen und Anschlüsse dafür sind bei den Erschließungsarbeiten ebenfalls schon verlegt worden.

Wenn Gott auf Göttin trifft

Wie im angrenzenden Limespark B wurden im neuen Baugebiet die Straßen nach römischen Göttinnen und Göttern benannt. So tragen die Stichstraßen nördlich des Ströllerbachs die Namen Aurorastraße (Göttin der Morgenröte), Lunastraße (Göttin des Mondes) und Janusstraße (Gott der Türen und Tore und aller Anfänge). Die ringförmige Wohnstraße heißt Eponastraße nach der römischen Göttin der Pferde und einzigen keltischen Göttin, die es in den römischen Götterhimmel geschafft hat. Der nördliche Kreisverkehr heißt Ströllerbach-Ring, der südliche, kleinere Kreisverkehr, Gladiatorenring. Die Mark-Aurel-Allee verbindet die beiden Kreisverkehre. Die neue Ströllerbachbrücke führt die Ströllerbachallee als Haupterschließungsstraße von der Friedrichsruher Straße über die Senke am Ströllerbach in das neue Baugebiet Limespark D und verbindet die wichtigen Anknüpfungsstellen Friedrichsruher Ring und Römerallee.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen

 




5 Jahre auf diesen Tag hingearbeitet

An der Eröffnungsfeier des KÜNfits am 08. und 09. November 2021 strahlen die Präsidiumsmitglieder des TSV Künzelsau Bianca Vogel, Erwin Bergmann und Robert Beck um die Wette. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, das KÜNfit nach so langer und intensiver Arbeit zu eröffnen und in die nächste Runde zu schicken, antwortet Vogel: „Auf der einen Seite ist man erleichtert, dass man es geschafft hat, dass man das große Projekt gestemmt hat. Auf der anderen Seite ist natürlich auch klar: Jetzt fängt es erst richtig an. Wir haben eröffnet und jetzt geht’s los.“ „Jetzt muss Leben in die Bude!“, ergänzt Bergmann. „Es müssen Menschen rein, die sich fit halten wollen und die an ihre eigene Gesundheit denken – und die müssen wir jetzt überzeugen. Dafür sind die zwei Tage der offenen Türe da.“

„Jetzt muss Leben in die Bude“

„Wir sind positiv überrascht darüber, wie sich das Thema ‚Geräte‘ entwickelt hat, beziehungsweise auch darüber, was wir an Ausstattung zur Verfügung stellen können. Auch was die Softwareleistung angeht und welche Möglichkeiten wir dadurch haben. Und natürlich sind wir auch vom Besucheransturm gestern und heute sehr positiv überrascht. Das freut uns natürlich sehr“, erzählt Vogel weiter. Allein am Samstag haben sich 193 Besucher im KÜNfit über die Luca-App registriert, das heißt, dass weit über 200 Besucher anwesend waren.

Beim Training ins Grüne blicken

„Das KÜNfit unterscheidet sich von anderen Fitnessstudios dadurch, dass man beim Trainieren auf den Sportplatz ins Grüne blickt. Somit sieht man dort Menschen, oder Kinder, die sich bewegen, während man sich selbst auch bewegt. Das ist eine Motivation, die unbezahlbar ist“, erklärt Bergmann. Vogel fügt hinzu: „Wir sind auch die ersten in Hohenlohe, die das Projekt eines Sportvereinszentrums realisiert haben. Natürlich ist es von Vereinsmitgliedern für Vereinsmitglieder gemacht.“

Langfristiges Ziel: 800 Mitglieder

„Wir haben schon im Vorfeld der Eröffnung über 100 Absichtserklärungen erhalten. Bis gestern, vor dem offiziellen Eröffnungstermin, hatten wir schon 63 Anmeldungen. Was gestern und heute gelaufen ist, müssen wir erst einmal noch in Ruhe zählen“, klärt Vogel auf. „Unser Ziel bis zum Jahresende ist es, über 200 Mitglieder zu gewinnen“, verrät Bergmann. „Bis in vier Jahren wollen wir hier im Hause 800 Mitglieder bewegen.“

Anamnese und Trainingsplan für jeden Sportler

Neben einer Vereinsmitgliedschaft und Berücksichtigung der aktuellen Corona-Verordnung (Vorlage eines Corona-Tests, eines Impfausweises oder Genesenenscheins) muss für das Training im KÜNfit noch eine weitere Vorraussetzung erfüllt sein, wie Beck erklärt: „Da wir ja hauptsächlich Gesundheitssport anbieten, muss jeder, der hier an den Geräten trainieren will vorher an der Anamnese getestet und geprüft werden, damit er die Leistungsstärke, die er hat, auf die Geräte übertragen kann.“ „Dieser Trainingsplan ist dann für jeden individuell auf einem Chip gespeichert, der am Handgelenk getragen wird. Somit ist für jeden klar, welche Übungen mit welchen Gewichten am jeweiligen Gerät ausgeführt werden sollen. Das klärt der Trainer in seiner Anamnese mit dem Sportler“, erläutert Bergmann.

Impfaktion des mobilen Impfteams der SLK-Kliniken war ein voller Erfolg

Der Vereinspräsident fährt fort: „Ich wurde von Dr. Eckle, unserem Vereinsmitglied, mit der Idee angesprochen, am Tag der offenen Tür zu impfen. Er hat dann den Kontakt zum SLK-Klinikum hergestellt. Die waren gleich bereit, hatten einen Termin frei, und sind heute von 11 bis 17 Uhr in zwei Umkleideräumen vom Sportplatz und impfen dort 180 Menschen. Um halb elf waren schon zwanzig Leute da, die unbedingt einen Termin wollten. Also wir sind ausgebucht.“

Zu den Impflingen vor Ort zählen die Künzelsauer Schüler Elmedin und Endrit Zogaj. Endrit Zogaj erzählt: „Mein Genesenenschein läuft jetzt aus. Deshalb brauche ich jetzt einen Impftermin für meine Schule.“ Sein Cousin Endrit ergänzt: „Ich lasse mich heute auch hier impfen, da ich durch diese Impfung vielleicht Clubs und Vereinen beitreten kann und wieder an Schulturnieren teilnehmen darf.“ Die Impfaktion im Rahmen des Tages der offenen Türe sei, laut den Jungs, „ohne Anmeldung schnell zugänglich und praktisch“.

„Verbesserung der Lebensqualität“

Das weitere Angebot im Hallstattweg ist am vergangenen Wochenende vielfältig: Bei Kaffee und Kuchen, der legendären Stadionwurst und vielen Möglichkeiten zum Entdecken, Ausprobieren und Beisammensein kommen Sportfans auf ihre Kosten. „Ich finde das neue KÜNfit sehr schön und groß“, schwärmt der zwölfjährige Silas Rammhofer, der mit seiner Familie beim Kuchenverkauf mithilft.
Auch Familie Genne ist vom neuen Vereinszentrum begeistert: „Wir überlegen auf jeden Fall, uns hier anzumelden“, erzählt Anastasia Genne. Ihr Mann Sergej nickt zustimmend.
Alles in allem sind die meisten Besucher des neuen Vereinszentrums KÜNfit einer Meinung: Es biete einen großen Mehrwert für unsere Region. Andreas Mohlis begründet diese Annahme:„Ich glaube, dass so eine Einrichtung die Lebensqualität in Künzelsau verbessert, weil es hier noch zu wenig Angebote für junge Leute gibt.“

Text: Priscilla Dekorsi

Vizepräsidentin des TSV Künzelsau, Bianca Vogel zeigt, wie der Check-In im KÜNfit mit dem Chip am Handgelenk funktioniert. Foto: GSCHWÄTZ

Das Projektteam rund ums KÜNfit: Robert Beck (links), Bianca Vogel und Erwin Bergmann. Foto: GSCHWÄTZ

Fleißige Helfer beim Kuchenverkauf: Silas (12), Mirjam und Joel (9) Rammhofer. Foto: GSCHWÄTZ

Kaffeeklatsch mit Blick auf den Sportplatz: Vereinsmitglieder haben rund 60 Kuchen gespendet, um die Bewirtschaftung der Gäste zu ermöglichen. Foto: GSCHWÄTZ

Anastasia und Sergej Genne wollen sich im KÜNfit anmelden. Foto: GSCHWÄTZ

Großer Andrang im Geräteraum: Allein am ersten der beiden Eröffnungstage strömen über 200 Schaulustige ins neue Vereinszentrum. Foto: GSCHWÄTZ

Sporteln mit Blick ins Grüne. Foto: GSCHWÄTZ

Die neuen Trainingsgeräte wollen eingeweiht werden – der zehnjährige Laurin Götz zeigt, wie’s geht. Foto: GSCHWÄTZ

Amelie (8) und Andreas Mohlis: „Wir wollten die neuen Geräte ausprobieren.“ Foto: GSCHWÄTZ

Eingangs- und Trainingsbereich des KÜNfit. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kursräume bieten Raum für vielfältige Angebote. Foto: GSCHWÄTZ

Franziska Hutz vom SLK-Klinikum und Gerhard Wirth beteiligen sich an der Impfaktion im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten. Foto: GSCHWÄTZ

Amelie (8) und Andreas Moghlis: „Wir wollten die neuen Geräte ausprobieren.“ Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Drei Familienmitglieder wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Am Dienstag, den 18. November 2021, beginnt vor der zweiten Großen Jugendkammer des Landgerichts in Heilbronn ein Prozess gegen drei Angeklagte unter anderem wegen versuchten Totschlags. Vorausgegangen war der Tat ein Konflikt zwischen zwei Familien. Dieser habe mit einem Streit begonnen, den einer der Angeklagten mit einem Mitglied aus der Familie des Geschädigten am frühen Abend des 16. Mai 2021 provoziert habe.

Mit Messern und Schlagstock auf das Opfer losgegangen

Die drei Angeklagten – 19, 20 und 23 Jahre alt – befinden sich seit dem 21. Mai 2021 in Untersuchungshaft. Sie sollen laut Anklage am späten Abend des 16. Mai 2021 in Heilbronn mit Küchenmessern und einem Schlagstock auf einen Mann eingeschlagen und -gestochen haben. Der 20-Jährige habe dem Geschädigten mit einem Schlagstock eine blutige Platzwunde am Kopf zugefügt. Der 19-jährige Angeklagte soll mit einem Küchenmesser auf den Oberkörper des Opfers gezielt, aufgrund dessen Abwehrbewegung aber nur sein Knie getroffen haben. Die Spitze des Messers sei durch die Wucht des Stiches abgebrochen und in der Wunde steckengeblieben. Der dritte Angeklagte soll mit einem Küchenmesser in den Rücken des Angegriffenen gestochen haben, wobei der Stich am Schulterblatt des Mannes abgeprallt sei.

Tod billigend in Kauf genommen

Erst als ein Zeuge sich schützend auf das Opfer gelegt habe und schon die Polizeisirenen zu vernehmen gewesen seien, hätten die Angeklagten von dem Mann abgelassen. Bei ihren Tathandlungen hätten sie den Tod des Geschädigten, der letztlich überlebt habe, billigend in Kauf genommen.

Für den Prozess hat das Landgericht neun Folgetermine angesetzt. Es sollen 30 Zeugen und eine Sachverständige gehört werden.

Quelle: Pressemitteilung des Landgerichts Heilbronn

 

 




Buntes Treiben in Künzelsau

Auch im Dezember ist in Künzelsau wieder einiges geboten, teilt die Stadtverwaltung mit. Von Mittwoch, 01. Dezember, bis Sonntag, 05. Dezember 2021, findet auf dem Schlossplatz der Weihnachtsmarkt „Advent am Schloss“ statt. Am Samstag, den 04. Dezember, kann man bei der Stadtführung „Künzelsau entdecken und erleben“ die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt kennenlernen. Die Teilnahme kostet drei Euro. Los geht’s um 11 Uhr, Treffpunkt ist am Alten Rathaus in der Hauptstraße. Die Führung endet um 12.30 Uhr.

Winter-Lounge und Christmas-Shopping

Die Werbegemeinschaft Künzelsau lädt von Montag, den 06. Dezember bis Donnerstag, 30. Dezember 2021, wieder zur Winter-Lounge am Alten Rathaus und am Freitag, den 10. Dezember, sowie am darauffolgenden Freitag, den 17. Dezember, von 18 bis 22 Uhr zum Christmas-Shopping in die Innenstadt. Und der SV Morsbach veranstaltet am Samstag, den 11. Dezember, seine Jahresfeier. Beginn ist um 18 Uhr in der Sporthalle in Morsbach.

Traumwelten mit Cecilia Bartoli

Die weltbekannte Sopranistin Cecilia Bartoli kommt am Samstag, den 11. Dezember, ins Carmen Würth Forum in Gaisbach. Gemeinsam mit den Würth Philharmonikern unter der Leitung des Chef-Dirigenten Claudio Vandelli zeigt sie ab 17 Uhr in der Veranstaltung „Traumhafte Gesangswelten“ ihr Können. Auf dem Programm stehen Arien von Mozart und Händel.

Vorlesestunde und Jugendmusikschulkonzert

Zu einer Vorlesestunde in der Stadtbücherei im Alten Rathaus lädt die Stadtverwaltung am Samstag, den 11. Dezember, von 11 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Benefizkonzert der Jugendmusikschule findet am Sonntag, den 12. Dezember von 17 bis 19 Uhr in der Johanneskirche statt.

Klavierkonzerte mit Ksenia Dubrovskaya

„Lieben Sie Sibelius?“ – unter diesem Motto widmet sich die Geigerin Ksenia Dubrovskaya mit ihre musikalischen Gäste zwei Klaviertrios des finnischen Spätromantikers Jean Sibelius am Donnerstag, den 16. Dezember, im Carmen Würth Forum in Gaisbach. Von 19 bis 21 Uhr spielen die Musiker das Klaviertrio in D-Dur „Korpo” sowie das Klaviertrio in C-Dur „Loviisa”.

Ab in den Dschungel

Das Familientheater zeigt am Freitag, den 17. Dezember, in der Künzelsauer Stadthalle „Das Dschungelbuch“. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr, Einlass ist ab 15 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Schüler jobben für den guten Zweck

„Es ist wieder so weit – Mitmachen Ehrensache startet in die nächste Runde! Erneut sind landesweit alle Schülerinnen und Schüler dazu eingeladen, einen Tag lang in einem Betrieb/einer Firma/einer Organisation ihrer Wahl zu jobben und die Einnahmen für den guten Zweck zu spenden.“ So steht es auf der Webseite der Aktion „Mitmachen Ehrensache“.

Einen Tag in einer Firma mitarbeiten – für den guten Zweck

Die Aktion lädt landesweit alle Schülerinnen und Schüler dazu ein, einen Tag lang in einem Betrieb/einer Firma/einer Organisation ihrer Wahl zu jobben und die Einnahmen für den guten Zweck zu spenden. Unterschiedlichste Arbeitsplätze werden von den Arbeitgebern angeboten: Von der Arbeit im Warenversand bis zur Spezialbaumfällung war schon alles vertreten.

2020 wegen Corona „nur“ 3.000 EURO gespendet

In den Jahren vor Corona beteiligten sich regelmäßig etwa 300 Schüler:innen und 200 Arbeitgeber im Hohenlohekreis an der Aktion und erarbeiteten  allein im Hohenlohekreis jeweils über 10.000 Euro. Im letzten Jahr war das so nicht möglich: Kurzarbeit, Hygienevorschriften und Planungsunsicherheit erschwerten die Jobsuche. Trotz aller Widrigkeiten konnten 27 Schülerinnen und Schüler bei mehr als 20 verschiedenen Arbeitgebern in rund 177 Arbeitsstunden Geld für den guten Zweck erarbeiten. Weil örtliche Firmen den Betrag durch Spenden aufstockten, kamen 2021 3.000 Euro für die folgenden Projekte zusammen, die die jugendlichen Botschafter der Aktion ausgesucht haben:

  • Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Moria über Mission Lifeline e.V.
  • Umsetzung von Umweltschutz- und Klimaprojekten durch PRIMAKLIMA e.V.
  • Versorgung von Schulen und Familien in Bangladesch mit Wasserfiltern über Lichtbrücke e.V.
  • Unterstützung von Schulkindern in Indien über Uppahar Deutschland e.V.
  • Hilfe einer Kinder- und Jugendgruppe in Kolumbien durch Ärzte für Subachoque e.V.
  • Aufbau eines Waisenhauses in Indien durch Uppahar Deutschland e.V./Babyhaus Rosa.D

 

Landrat betont Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander

Landrat Dr. Matthias Neth, der die Aktion als Schirmherr unterstützt, sagt: „Mit einer Teilnahme an der Aktion „Mitmachen Ehrensache“ leisten Schülerinnen und Schüler einen besonderen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander. Ihr Interesse und ihr Engagement ist ein Gewinn für alle Beteiligten – für sie selbst, ihre Arbeitgeber und nicht zuletzt für diejenigen, denen der erwirtschaftete Lohn zu Gute kommt.“

Unterstützung für die Hochwassergebiete

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass jeweils ein Euro pro gearbeiteter Stunde für die Flutopfer der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gespendet wird. Dir Organisatoren der Jugendstiftung Baden-Württemberg betonen: „So kann jede und jeder einen kleinen Beitrag leisten und sich solidarisch zeigen mit den zahlreichen Menschen, die so viel verloren haben.“

Info

Weitere Informationen über die Aktion gibt es auf der Seite www.mitmachen-ehrensache.de, die Angebote für den Hohenlohekreis finden sich unter www.mitmachen-ehrensache.de/aktionsbueros/hohenlohekreis. In den nächsten Tagen wird das Kreisjugendreferat auf dieser Seite eine Jobliste zum Download bereitstellen.

Text: Matthias Lauterer

Download Plakat: Plakat_Hohenlohekreis
Download Informationsbroschüre: Flyer_Hohenlohekreis

 

 




Gedenken an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft

Auf dem Friedhof Künzelsau: Gedenkfeier am Volkstrauertag. Die Stadtverwaltung Künzelsau lädt ein zur Gedenkfeier anlässlich
des Volkstrauertages am Sonntag, 14. November 2021, um 11 Uhr, auf dem Friedhof in Künzelsau. Bürgermeister Stefan Neumann,
Pfarrer Wilfried Härpfer als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde sowie Theresia Hackmann, zweite Vorsitzende des
katholischen Kirchengemeinderates St. Paulus, werden am Ehrenmal sprechen.

Im Anschluss daran folgt die Kranzniederlegung. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Stadtkapelle Künzelsau sowie von Mitgliedern des Männerchors aus Garnberg und Nagelsberg. Die Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Aufgrund der aktuellen Infektionszahlen ist bei der Gedenkfeier die 2G-Regel einzuhalten und eine Mund-Nasen-Bedeckung erforderlich. Die Kontaktdaten der Teilnehmenden werden vor Ort erfasst werden. Das ist digital über die Luca-App oder handschriftlich über ausgelegte
Formulare möglich.

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag seit den 1920er-Jahren. Ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Heutzutage wird am Volkstrauertag an die Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft erinnert.

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Künzelsau 2019. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Künzelsau 2019. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau




„Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss“

Am 27. Oktober 2021 hatte Künzelsau prominenten Besuch. Michael Reh, der in den Vereinigten Staaten erfolgreich als Modefotograf arbeitet, stellte im Rahmen einer Lesung sein Buch Katharsis in der gut besuchten Stadthalle vor. Darin verarbeitet er den sexuellen Missbrauch, den er in sehr jungen Jahren durch seine Tante erfahren hat. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat er anschließend in einem Interview im Hotel Anne-Sophie in Künzelsau von den Auswirkungen, die dieser Missbrauch auf ihn hatte, erzählt. Im ersten Teil ging es um seine Kindheit und wie er seine Erlebnisse verarbeitet hat. Im zweiten Teil erzählt er von seiner letzten Begegnung mit seiner Tante, den Gesprächsversuchen mit seinem Vater und wie es für ihn heute ist, eine Beziehung zu führen.

Gil Ofarim ist ein guter Freund von Michael Reh. Foto: privat

Auf einem Apfelbauernhof, 10 Kilometer vom nächsten Edeka entfernt

Michael Reh: Diese Lesung ist seit einem Jahr geplant oder sollte letztes Jahr auch schon stattfinden. Da saß ich dann da im Corona-Lockdown in Deutschland mit einer kleinen Reisetasche und konnte auch nicht weg. Ich hätte nach Amerika zurückgehen können. Da wäre ich aber dann vom Regen in die Traufe gekommen, Miami war ja Hochburg von Covid. Also bin ich zu einem Freund auf einen Apfelbauernhof gefahren, wo der nächste Edeka zehn Kilometer entfernt war. Dann habe ich ein neues Buch geschrieben, anstatt auf eine Lesereise zu gehen. Ein Nord-Krimi namens Asta, der aber auch durchaus nach Süddeutschland passt. Es ist aber nicht nur ein Krimi, in dem ein Serienkiller sein Unwesen treibt, sondern da geht es auch wieder um familiäre Strukturen und wie sie sich verändern. Da müssen sich auch die fiktiven Charaktere Dingen stellen, die müssen sich auch entscheiden, wie sie weitergehen, indem sie mit diesen Morden konfrontiert werden. Sie müssen sich hinterfragen: Was habe ich damit zu tun? Wie reagiere ich darauf? Ändere ich mich? Katharsis und Asta haben durchaus was gemeinsam. Es geht immer um Selbstfindung. Meine Figuren müssen sich in irgendeiner Form finden.

Auch Pamela Anderson hatte Michael Reh schon vor seiner Linse. Foto: privat

„Du kannst noch so weit gehen, es bleibt in dir drin“

GSCHWÄTZ: War das auch eine Art Selbstfindung, als du beschlossen hast, in die Vereinigten Staaten auszuwandern?

Michael Reh: Das war unbewusst. Es ist ja schon lange her. Aber vielleicht habe ich Distanz gesucht.

GSCHWÄTZ: Vielleicht auch eine andere Kultur, eine vermeintlich leichtere?

Michael Reh: Das ist keine leichtere, bloß eine andere. Leichter ist die nicht, die kommt nur leichter rüber, weil die Amerikaner kommunikativer im ersten Miteinander sind. Auch wenn die Deutschen immer sagen, die Amis sind oberflächlich – was sie auch sind –  aber es macht ein erstes Miteinander einfacher. Ich bin nach Amerika gegangen, bestimmt unbewusst, unbewusst, um weit weg zu gehen. Um diese Sache vielleicht zu verarbeiten. Aber du kannst noch so weit weggehen – bis ans Ende der Welt. Es bleibt in dir drin. Das heißt, die Verarbeitung muss irgendwann stattfinden, aber vielleicht war die Distanz erstmal hilfreich. Amerika war bestimmt oder ist immer noch extrem wichtig.

Beim Power-Yoga findet Michael Reh Ruhe, aus der er Kraft schöpft. Foto: privat

„Ich kann aus dieser Ruhe eine gewisse Kraft schöpfen“

GSCHWÄTZ: Ich habe gelesen, dass Du Yoga machst, um zu entspannen.

Michael Reh: Ja, ich mache sowieso sehr viel Sport, immer schon, mein ganzes Leben lang. Ich konzentriere mich dann in dem Moment, ähnlich wie beim Schreiben, ganz auf ein Thema, was gut für mich ist, und ich kann da aus dieser Ruhe und aus dieser Konstellation eine gewisse Kraft schöpfen, um wieder an die Themen des realen Lebens heranzugehen. Ich mache sehr viel Power-Yoga mit schnellen Abläufen, das ist schon ein richtiger Sport. Nach 90 Minuten kannst du dich auch da in die Ecke stellen, weil es so anstrengend ist. Aber das ist genau richtig für mich. Für meine Seele und für meinen Körper.

 

„Da habe ich sehr viel Zeit mit mir verbracht“

GSCHWÄTZ: Dir schreiben ja auch viele Überlebende. Schaffst du das, all die Zuschriften zu beantworten?

Michael Reh: In der Pandemie ja, da hatte ich die Zeit und habe fast alle beantwortet. Aber das war schon auch ein emotionaler Kraftakt. In dieser Zeit war ich ja sieben Monate auf dem Apfelbauernhof mit einem Hund und zwei Freunden in Deutschland. Da habe ich auch nicht viele Leute gesehen und hatte wirklich viel, viel Zeit, was ich ganz gut fand, dass ich viel Zeit hatte und Ruhe. Dann bin ich nach Miami zurück im September 2020 und dann war ich noch mal neun Monate durch Corona sehr by myself. Ich habe ein schönes Haus in Miami Beach mit einer Dachterrasse, das Meer ist nur drei Straßen entfernt. Man konnte auch sehr viel Fahrrad fahren. Aber trotzdem war da die Pandemie, es war Lockdown, da habe ich sehr viel Zeit mit mit mir verbracht und hab jeden Tag sechs Stunden geschrieben.

„Das hat mich kaputtgemacht“

GSCHWÄTZ: Welche Emotionen hast du denn all die Jahre mit dir herumgetragen? Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit? Vielleicht auch das Wort verzeihen, das im Raum steht?

Michael Reh: Das ist eine ganz wichtige Frage und eine gute Frage. Du musst bedenken, dass all diese Emotionen in den vergangenen 30 Jahren da waren, nur immer unterschiedlich ausgeprägt. Über allem liegt erst mal, wenn Menschen wütend sind. Also da ist die Wut und die ist wichtig, dass man erst mal wütend wird und sagt: Da ist mir was passiert, das war ungerecht, das war übergreifend, das hat mich kaputt gemacht. Man muss erst mal wütend sein, um aus dieser Wut Energie zu schöpfen. Dann muss man schauen: Was liegt unter der Wut? Da liegt dann oft die Trauer darüber, was mit einem passiert ist. Und die Trauer beinhaltet Mitgefühl, auch für sich selbst empfinden. Mitleid ist kein gutes Wort, Mitgefühl ist ein besseres Wort. Wir müssen auch darauf achten, was für eine Sprache wir benutzen, wenn wir an diese Themen herangehen. Überlebender. Mitgefühl. Nicht Mitleid. Nicht Opfer. Es ist ein langsamer Prozess. Es geht nicht von heute auf morgen. Man braucht Zeit. Aber da wir in einer Zeit leben, in der sich das Thema ein bisschen öffnet für die Öffentlichkeit, weil man mehr Literatur hat. Man kann sich im Internet schlau machen. Es gibt Menschen wie mich, die öffentlich darüber reden. Ich hoffe – es ist wirklich mein tiefstes Anliegen – dass ich irgendjemandem helfen kann durch das, was ich mache und das, was ich erzähle. All das hätte mir damals extrem geholfen, hätte ich da irgendwie so jemand gehabt, der gesagt hat: Mir ist das auch passiert. Ich bin nicht alleine auf dieser Welt. Das ist so extrem wichtig, weil man in Scham, Schande in die Isolation getrieben wird.

Michael Reh arbeitet in New York als Fotograf. Foto: privat

 

„Natürlich ist das schmerzhaft“

GSCHWÄTZ: Du hattest auch innerhalb deiner Familie einen schweren Stand damit. Da gibt es bestimmt auch den ein oder anderen Gedanken, dass man seinen Eltern vielleicht auch Vorwürfe macht diesbezüglich, dass sie da nichts gemerkt haben oder die Augen verschlossen hatten. Dein Vater hat eine ganz spezielle Rolle dabei eingenommen. Ist das immernoch sehr schmerzhaft für dich?

Michael Reh: Natürlich ist es das. Wir reden ja über mein Leben und nicht übers Wetter. Natürlich ist das schmerzhaft. Ich finde das ganz, ganz furchtbar. Das Thema des weggeschmissen Lebens, also, dass man nicht miteinander kommuniziert und deswegen kommuniziere ich ja auch, weil ich das nicht kenne und nicht gelernt habe früher. Und ich finde das so furchtbar. Mein Vater war ein traumatisiertes Kriegskind, ein Nazivater, missbraucht von einem Nachbarsjungen, missbraucht von einem Knecht. Und dann wird er auch noch von der gleichen Frau missbraucht wie ich. Und dann sagt er dir: Es ist es nicht passiert, du lügst. Was mein Vater Anfang der 90er Jahre gesagt hat, weil er es gar nicht aushalten konnte, der musste sich schützen davor und hat gesagt: Das gibt’s nicht. Der Junge ist schwer erziehbar. Und so weiter.

„Was glaubt ihr denn, was in der Pandemie los war?“

GSCHWÄTZ: Zweifelt man in einer solchen Situation nicht an seinem eigenen Verstand?

Michael Reh: Ich habe erst kurz nach seinem Tod erfahren, dass seine Schwägerin, meine Tante, die 18 Jahre älter war als er, ihn auch missbraucht hat. Nicht so wie mich. Nur kurz und ich glaube, es war auch nur ein- oder zweimal. Und dennoch, das hat damit nichts zu tun. Missbrauch bleibt Missbrauch. Also der Vater muss seinen Sohn opfern in dem Sinne, um seine Ruhe zu behalten. Es ist so ein schmerzhaftes Thema und es ist so, weil es eben die Familie betrifft, und der meiste Missbrauch findet innerhalb der Familie statt. Ganz ehrlich, was glaubt ihr denn, was in der Pandemie los war? Was wir noch gar nicht wissen. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer Million Überlebenden von sexuellem Missbrauch aus. Das wären heruntergebrochen zwei Kinder in jeder Schulklasse, die das erfahren.

„Man muss sich hinterfragen: Warum habe ich nicht zugehört?“

GSCHWÄTZ: Ich möchte gerne nochmal kurz auf deinen Vater zurückzukommen. Hast du dich jemals mit deinem Vater aussprechen können?

Michael Reh: Ich habe es versucht, ja. In den 1990ern das erste Mal. Da hat er gesagt: Das denkst du dir aus. 2004 ist er nicht gekommen. 2005 hatten wir eine Möglichkeit und haben uns getroffen, dann waren wir kurz in Kontakt. Dann ebbte das aber sehr schnell wieder ab, weil mein Vater auch merkte, dass ich natürlich auch eine Bedürftigkeit hatte nach einem Vater, obwohl ich ein erwachsener Mann war. Aber man bleibt ja Kind. Das konnte er nicht erfüllen. Und dann hat er mich besucht und das uferte dann so weit aus, dass ich wissen wollte, warum haben wir diesen Kontakt? Und er hat dann wieder angefangen und sagte: Du bist ein ungewolltes Kind deiner Mutter. Meine Mutter war bereits 15 Jahre tot. Also Eigenverantwortung übernehmen. Das ist ja auch schwierig. Und wenn jemand in der Familie einen Überlebenden hat, muss man sich hinterfragen: Was habe ich falsch gemacht? Warum habe ich nicht zugehört?

„Ich bin nicht mehr wütend“

Der erfolgreiche Modefotograf Michael Reh wurde als Kind jahrelang von seiner Tante missbraucht. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Also er hat eigentlich versucht, durch psychische Abertung von seinen Problemen abzulenken?

Michael Reh: Einmal das und ich glaube, der konnte das alles überhaupt nicht aushalten. Das ist genau das gleiche, was meine Schwester jetzt macht. Ich habe eine Schwester, die ist ein Jahr älter, die macht das gleiche. Sie erträgt es nicht.

GSCHWÄTZ: Es ist bewundernswert, wieviel Verständnis du trotz allem noch für deinen Vater und deine Schwester hast.

Michael Reh: Das ist aber auch eine Geschichte, die sich entwickelt hat. Verstehen, Strukturen Prozesse erkennen. Warum handelt jemand, wieso handelt jemand so? Akzeptieren ist eine andere Sache. Bin ich wütend drüber? Nicht mehr. Ich weiß, ich kann was, warum soll ich wütend auf meinen Vater sein? Warum soll ich wütend auf meine Schwester sein? Es bringt ja nichts.

„Ich wusste, ich lass dich gehen“

Heute ist er nicht mehr wütend auf seinen Vater. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Du hast mit deiner Tante abgeschlossen, es gab kein Gerichtsverfahren.

Michael Reh: Nein, das war damals verjährt. Ich konnte nicht zivil- oder strafrechtlich gegen sie angehen. Deswegen habe ich das Familiengericht angerufen. Da war kein einfacher Weg. Ich  weiß nicht, ob es Karma gibt, aber ich glaube an Energien zwischen Menschen, dass wir alle energetisch sehr miteinander verbunden sind. Ich komme aus einem kleinen Ort im Ruhrpott und da habe ich sie 2009 oder 2010 nochmal gesehen, an ihrem Schlafzimmerfenster, in dem Raum, wo sie mich missbraucht hat. Sie saß da, ich wusste, sie war im Rollstuhl, sie war auch schon leicht dement. Irgendwie kreuzten sich unsere Blicke und keine Ahnung, ob sie mich erkannt hat oder nicht. Aber das war der Moment, wo ich dachte. Nein, ich wusste, ich fühlte, ich lass dich gehen, weil ich kann dich nicht in mir behalten, wenn ich dich in mir behalte, frisst mich das auf und es ist wie Krebs und das möchte ich nicht. Ich lass dich gehen. Sie ist sieben oder acht Jahre später gestorben. Ich habe in der Nacht, bevor sie starb, geträumt, sie stirbt. Ich bin dann auch ein halbes Jahr darauf in in meinen Heimatort gegangen und wollte in diese Wohnung, in dieses Haus. Ich wusste nicht wie, denn sie war tot und ich kannte die Erben nicht. Das hat aber funktioniert, weil ich die Erbin dann traf. Zufällig an dem Tag, an dem ich in dem Ort war, vor dem Haus. Ja, das war schon a very spooky Situation. Ich habe also das ganze Haus noch mal mit ihr sehen können, weil ich wissen wollte, ob meine Bilder stimmen. Und die stimmten alle hundertprozentig.

„Du gehst aus dir raus, weil du es nicht erträgst“

GSCHWÄTZ: War das nicht auch so ein bisschen eine Schreckensbefreiung, noch mal da hinzugehen?

Michael Reh: Das war eine Bestätigung. Ich wollte wissen, ob meine Bilder stimmen von der Wohnung, von dem Gefühl, was die Wohnung hatte, wo was stand. Oder auch mein Unterbewusstsein, ob das mir Streiche spielt, das hat es aber nicht. Ich bin ja ein sehr visueller Mensch, bin ja Fotograf geworden, und es war alles noch genau so. Da stand das Telefon an der gleichen Stelle, die Couch, das Kreuz an der Wand. Es prägt sich alles ein. Du gehst ja, wenn das passiert, aus deinem Körper raus und projizierst dich im Gegenstand oder ein Objekt. Du gehst aus dir raus, weil du es nicht erträgst. Und ich hatte mich in so eine Puppe oder in das Kreuz mit Jesus an der Wand projiziert. Das heißt, da passierte nichts mit mir, sondern ich war abgespalten. Vereisung, Abspaltung, auch ein ganz ein großes Thema bei Missbrauch.

„Das hat mich extrem beeinflusst“

GSCHWÄTZ: Inwieweit hat es dann deine Sexualität geprägt danach?

Michael Reh: Da antworte ich mit einer Gegenfrage. Was glaubst du, wie deine Sexualität sich geprägt hätte, wenn du mit fünf oder sechs Sexualität als kriminell übergreifend, als Vergewaltigung und Todesdrohung empfunden hättest?

GSCHWÄTZ: Da ist vermutlich schon die Einordnung schwer: Was ist normal? Und wie müsste es sein? Auch wenn die Liebe der Eltern fehlt, dann in eine Beziehung zu starten und prinzipiell alles neu zu lernen.

Michael Reh: Wenn man es überhaupt lernen kann? Es gibt ja Liebe und Sexualität und Beziehung und Freundschaft. Das sind ja alles sehr unterschiedliche Begriffe. Ich würde mal sagen, es hat mich so beeinflusst, dass es natürlich schwierig war, Vertrauen zu fassen. Sexualität hat für mich unendlich viel mit Vertrauen zu tun. Früher konnte mich keinervon hinten umarmen. Da bin ich schon ausgeflippt. Beeinflusst hat mich das natürlich extrem.

„Das Leben ist immer Bewegung, Veränderung“

GSCHWÄTZ: Konntest du dann oder kannst du Beziehungen langfristig führen?

Michael Reh: Kurzfristig geht schon mal super (lacht). Langfristig ja, das geht auch. Ich bin seit neun Jahren allein und denke mir, schauen wir mal, was noch kommt. Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss. Das Leben ist immer Bewegung, immer Veränderung und und das ist das, was mir jeden Tag Hoffnung gibt oder meinen Pragmatismus nährt. Jeder Tag und das meine ich wirklich ernst. Ich stehe morgens auf und denke mir aber: Treffe ich auf was, das mich heute berührt? Das ist eine ganz große Lebensquelle für mich. Da muss man nicht durch die Welt touren oder jeden Tag in einer anderen Stadt sein. Das ist eher stressig. Sondern was passiert heute? Wenn es nur ein ganz kleiner Moment ist. So kleine Momente, bei denen ich denke: Ah! Was gelernt, was gefühlt, was verändert.

GSCHWÄTZ: Michael, ich danke dir für deine Zeit, die du dir für uns genommen hast, für das Interview. Und wenn Sie, liebe Leser:innen und liebe Zuschauer:innen, noch mehr erfahren möchten über das Thema oder wenn Sie selbst Hilfe brauchen oder Fragen haben, dann gibt es in Künzelsau eine Beratungsstelle, die heißt Infokoop. Die befindet sich am oberen Bach in Künzelsau und da stehen die Mitarbeiter:innen Ihnen immer zur Verfügung. Trauen Sie sich, haben Sie Mut.

Bücher von Michael Reh

Michael Reh hat bislang zwei Bücher geschrieben. Das erste heißt Katharsis. Darin verarbeitet der Fotograf den sexuellen Missbrauch in Romanform. Das zweite Buch von ihm heißt Asta. Es ist ein Kriminalroman, der ebenfalls innerfamiliäre Beziehungsebenen beleuchtet.

 

Der zweite Roman von Michael Reh, Asta, ist ein Krimi.

Ganz entspannt: Autor und Fotograf Michael Reh im Dialog mit dem Publikum. Foto: GSCHWÄTZ

Gut besucht: Lesung von Michael Reh ind er Künzelsauer Stadthalle, Foto: GSCHWÄTZ