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Doch kein „Advent am Schloß“? Weihnachtsmarkt in Künzelsau wird wohl stark reduziert

Viele große und kleine Weihnachtsmärkte können nicht in der geplanten Form stattfinden. Manche sind komplett und ersatzlos abgesagt, anderswo soll ein Alternativangebot die Menschen begeistern.

Seit gestern Abend ist es auch in Künzelsau Stadtgespräch: Der Künzelsauer Weihnachtsmarkt „Advent am Schloß“ kann und wird wohl aufgrund der Auswirkungen der aktuellen Corona-Verordnung nicht in der geplanten Form stattfinden. Stattdessen werden von Stadt und Anbietern Möglichkeiten gesucht, wie man trotz allem eine Weihnachtsstimmung in die Stadt zaubern kann.

Wie das Stadtgespräch zu wissen glaubt, soll es auf mehrere kleine Bereiche hinauslaufen, die festlich geschmückt werden und wo es in kleinem Rahmen auch zu einer festlichen Geselligkeit kommen kann.

Genaueres will die Stadt Künzelsau heute noch bekanntgeben, wie GSCHWÄTZ auf Anfrage erfuhr.

Text: Matthias Lauterer

 




„In anderen Ländern liegen Menschen mit Behinderung einfach im Hinterhof“

Eric Bendel hat einen Traum – er möchte eine internationale Stiftung für Hilfsmittel ins Leben rufen, die beispielsweise Rollstühle sammelt, mit einem zentralen Lager und einer Werkstatt. Damit will er Menschen mit Behinderung, die sich diese Dinge nicht leisten können oder einfach keine Möglichkeit dafür haben, die Chance auf mehr Lebensqualität geben. „Das habe ich schon länger im Kopf“, sagt der gebürtige Ingelfinger. „Und jetzt ist die Zeit gekommen.“ Der 29-Jährige ist selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, hat seit einem Motorradunfall eine inkomplette Querschnittlähmung.
„Wir in Deutschland kriegen alles“
Der letzte Schubser, endlich aktiv zu werden, kam schließlich von einem jungen Mann aus der Ukraine. „Pawel hat mich über Instagram gefunden, gekannt habe ich ihn vorher nicht“, erzählt Bendel. „Er hat angefragt, ob ich ihm helfen könne.“ Kurzerhand haben Freunde von Bendel einen Rollstuhl ersteigert, er selbst gibt dem jungen Mann ein Handbike, das noch angepasst werden muss. Dann wird das Ganze verpackt und in die Ukraine verschickt. „Pawel will eventuell die Kosten oder einen Teil davon übernehmen.“ Bei seinem Hilfsprojekt denkt Bendel vor allem an andere Betroffene im Ausland, in Krisengebieten, im Irak, der Ukraine oder in Russland. „In solchen Ländern liegen Menschen mit Behinderung einfach im Hinterhof, die haben nicht die Möglichkeiten wie wir hier“, sagt er. „Wir in Deutschland kriegen alles, haben eine Versicherung.“ Die Betroffenen sollen so wieder mehr Lebensqualität bekommen und sich weiter entwickeln können.
„Noch brauchbare Hilfsmittel werden einfach verschrottet“
Auf der Plattform gofundme hat Eric Bendel jetzt die Crowdfunding-Aktion „Rollingstone Hilfsorganisation“ gestartet, mit der er Geld, aber auch Sachspenden wie gebrauchte Aktivrollstühle, Elektrollstühle, Pflegerollstühle, Zuggeräte wie Handbikes, Gehhilfen und Ersatzteile sammelt. Spenden können Privatleute, aber auch Organisationen, große Firmen oder Sanitätshäuser. Denn was ihn immer beschäftigt hat: „Ich habe einige Zeit in einem Sanitätshaus gearbeitet und dort werden eigentlich noch brauchbare Hilfsmittel verschrottet, weil die Reparatur zu teuer ist.“ Die könnte man aufbereiten und an Bedürftige weitergeben. Finanziert werden soll das Ganze ausschließlich über Spendengelder. Vorstellen kann sich der junge Mann auch, irgendwann „die großen Firmen gerade in Hohenlohe abzuklappern“ – beispielsweise Kontakt zum Carmen Würth Forum aufzunehmen – und dort nach Unterstützung anzufragen.
Lebensqualität durch ehrenamtliches Engagement
Bendels großes Ziel ist eine zentrale Sammelstelle, in der andere Rollstuhlfahrer sich ehrenamtlich einbringen können, denn auch Teilhabe sei wichtig für deren Lebensqualität. Diese könnten beispielsweise die Hilfsmittel aufbereiten, warten und reparieren – quasi von Rollstuhlfahrer für Rollstuhlfahrer – und sie schließlich in alle Welt weitergeben. Vorstellen kann sich der Gründer auch, dass andere Rolli-Fahrer etwas spenden und gleich dazu eine Patenschaft für den Empfänger übernehmen. „So werden wir weltweit verbunden“, sagt er.
Spezialisierte Sanitätshäuser sind eher rar

Der andere Teil seiner Idee ist es, Rollstuhlfahrern in Deutschland mit seinen eigenen Erfahrungen weiterzuhelfen – beispielsweise bei Anträgen, damit die schneller laufen. „Ich vermittle auch Kontakte zu spezialisierten Sanitätshäusern“, erzählt er. Denn eines zu finden, das sich mit den entsprechenden Hilfsmitteln auskennt, sei gar nicht so einfach. „In großen Städten ist das einfacher, aber beispielsweise in Hohenlohe gibt es nichts.“ Außerdem möchte er hierzulande Aufklärung über das Krankheitsbild und die Lebensumstände betroffener Menschen in anderen Ländern bieten, dafür beispielsweise in Schule Vorträge halten. „Da könnte man auch gleich einen oder zwei Rollstühle mitnehmen, die die Schüler dann aufbereiten.“

Text: Sonja Bossert



Monty Python kommt nach Jagsthausen

Musicals sind seit 1990 fester Bestandteil der Spielplangestaltung und ein Markenzeichen der Burgfestspiele, schreibt die Burgfestspiele Jagsthausen gGmbh. Daher wird es auch in der 71. Spielzeit wieder ein neues Musical geben: „Monty Python’s SPAMALOT“ kommt am Samstag, den 11. Juni 2022, auf die Burghofbühne. Spamalot (Musik von John Du Prez & Eric Idle / Buch und Liedtexte von Eric Idle / Deutsch von Daniel Große Boymann) erzählt auf humorvolle und sehr freie Weise die Geschichte von König Artus auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Unterstützt wird der Monarch von seinem treuen Diener „Patsy“ und den Rittern der Tafelrunde. Es beginnt eine ereignisreiche Reise durch das Königreich, garniert mit allerhand Kuriositäten und schrägen Einfällen: Scharen von Showgirls mischen die Truppe auf, die Tafelrunde tagt in einem glitzernden Las Vegas-Casino und Ritter Lanzelot entpuppt sich als leidenschaftlicher Copacabana-Tänzer. Das schräge Musical basiert auf dem Monty Python-Filmklassiker „Die Ritter der Kokosnuss“.

Eine neue Sicht auf den Götz

Wieder eine neue Sicht auf das Traditionsstück „Götz von Berlichingen“ – auch im kommenden Sommer wird es mit einer Neuinszenierung eine neue Sicht auf das turbulente Leben und Wirken des Ritters mit der eisernen Hand geben. Dieses Stück um Freiheit und Gerechtigkeit feiert am Freitag, den 17. Juni 2022, Premiere im Burghof. Götz von Berlichingen steht in Fehde mit dem Bischof von Bamberg. Er nimmt Weislingen, seinen ehemaligen Jugendfreund und Berater des Bischofs, gefangen. Götz überzeugt Weislingen, sich mit ihm auf die Seite der Fürstengegner zu stellen. Doch bei einem erneuten Besuch am Hofe in Bamberg gerät Weislingen in den Bann der schönen Adehlheid von Walldorf und verrät Götz erneut. Gleichzeitig erheben sich die Bauern.

Kultkomödie „Ladies Night“ in einer schwäbischen Version

Nach dem Erfolg des schwäbischen Humorformats „Laible und Frisch – Urlaubsreif“ findet sich auch im Spielplan 2022 wieder eine weltbekannte Kultkomödie, die von Monika Hirschle eigens für die Burgfestspiele ins Schwäbische übertragen wird: „Ladies Night“ (von Stephen Sinclair und Anthony McCarten / Deutsch von Annette und Knut Lehmann). Die englische Kultkomödie, übersetzt in die schwäbische Gegenwart, feiert Premiere am Freitag, den 24. Juni 2022, im Burghof der Götzenburg. Arbeitslose junge Männer beschließen, sich als Stripteasetänzer zu versuchen. Was mehr oder weniger als Spaß beginnt, wird bald harte Arbeit. Nach anfänglich tollpatschigen Versuchen nehmen sie Unterricht bei einem weiblichen Revuestar und perfektionieren ihre Show. Die jungen Burschen entsprechen vollkommen den weiblichen Zuschauererwartungen und werden erfolgreich.

Sherlock Holmes geht mit Dr. Watson auf die Suche nach dem „Hund von Baskerville“

„Baskerville – Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville“ in der Regie von Eva Hosemann kehrt nach vier Jahren zurück in den Burghof an seine erste Spielstätte. Hier feierte die Komödie am 6. Juli 2018 Premiere und spielte eine erfolgreiche Spielzeit, bevor sich die Produktion aus dem Burghof nach Hamburg und später auf große Deutschlandtour verabschiedete. Jetzt ist das Stück um Sherlock Holmes und seinen treuen Gefährten Dr. Watson zurück, um seine Ermittlungen mit Witz und Humor in der Götzenburg wieder aufzunehmen. In einer Wiederaufnahme mit teilweise veränderter Besetzung feiert das Stück am Freitag, den 01. Juli 2022, Premiere im Burghof. Der weltberühmte Sherlock Holmes ist gemeinsam mit seinem treuen Gefährten Dr. Watson dem „Hund von Baskerville“ auf der Spur. Aber ist es wirklich ein Hund, der im Devonshire Moor seine grausamen Verbrechen verübt, oder stecken doch eher menschliche Intrigen hinter den Todesfällen? Und warum benehmen sich alle so überaus verdächtig? Zu allem Überfluss treibt sich auch noch der entflohene Dartmoor-Schlitzer in der Gegend herum, der Holmes blutige Rache geschworen hat.

Umfangreiches Kinderprogramm

Auch für die kleinen Gäste gibt es in der kommenden Spielzeit wieder ein umfangreiches Programm. Mit „Der kleine Vampir“ (von Angela Sommer-Bodenburg) setzen die Burgfestspiele weiterhin auf Klassiker der Kinderbuchliteratur. Anton liebt Gruselgeschichten. Als eines Abends aber ein echter Vampir auf seiner Fensterbank sitzt, jagt ihm das doch einen großen Schrecken ein. Dieser ist schnell vergessen, denn Rüdiger von Schlotterstein ist ein freundlicher Vertreter seiner Art. Während Anton verzweifelt versucht, seine Eltern von der Existenz der Vampire zu überzeugen, kämpfen diese mit dem furchtbaren Geiermeier, der alle Vampire ausrotten will. Ab Samstag, den 04. Juni 2022, warten spannende Abenteuer auf die ungewöhnlichen Freunde. „Die dumme Augustine“, nach dem Kinderbuchklassiker von Otfried Preußler wird für Kinder ab 3 Jahren parallel zu „Der kleine Vampir“ im Gewölbe der Götzenburg gespielt. Die Premiere findet ebenfalls am Samstag, den 04. Juni, statt. Tagein tagaus muss die dumme Augustine den Haushalt führen und sich um die Kinder kümmern. Sie träumt davon, so wie ihr Mann, der dumme August, im Zirkus aufzutreten. Eines Tages muss ihr Mann zum Zahnarzt und der Zirkusdirektor braucht eine Vertretung. Augustine nutzt ihre Chance und springt ein. Kann sie das Publikum genauso zum Lachen bringen?

Judas erzählt aus seinem Leben

Den künstlerischen Rahmen schließt ein Gastspiel der Schauspielbühnen Stuttgart. „Judas“ von Lot Vekemans mit Jörg Pauly als „Judas“ wird einmal in der Jakobuskirche Jagsthausen aufgeführt. Sein Name steht für Verrat. Doch wäre das Christentum zu einer Weltreligion geworden, wenn der Judaskuss ausgeblieben wäre? Wir können nicht wissen, wer wir heute ohne seinen Verrat wären. Wir wissen aber, dass wir ohne ihn nicht die wären, die wir sind. Zu allen Zeiten ist über ihn gesprochen und geschrieben worden. Jetzt spricht Judas selbst – über seine Motive, sein Leiden, sein Leben.

„Wir mussten feststellen, wie sehr uns die Kunst fehlt“

Eva Hosemann, künstlerische Leiterin zum bevorstehenden Vorverkaufsbeginn: „Zwei Jahre haben wir uns alle zurückgezogen, zurückgehalten und uns auf unsere persönlichen Perspektiven konzentriert. Schmerzlich mussten wir feststellen, wie sehr uns die Kunst fehlt. Wie sehr sie uns erfüllt und bereichert. Und so machen wir uns endlich wieder auf die Suche nach den anderen Perspektiven, den anderen Lebensentwürfen, Geschichten und Ideen, durch die wir uns selbst begegnen können, in all unseren Facetten. Kunst hilft uns zu werden. Endlich geht’s wieder los!“

Informationen

Karten gibt es ab Montag, den 29. November, über das Internet www.burgfestspiele-jagsthausen.de, per E-Mail burgfestspiele@burgfestspiele-jagsthausen.de, per Fax unter 07943/912 440 oder per Telefon 07943/912 345. Alle Veranstaltungen der Burgfestspiele Jagsthausen werden unter den dann aktuellen behördlich vorgegebenen Schutz- und Hygienemaßnahmen stattfinden.

Quelle: Pressemitteilung der Burgfestspiele Jagsthausen gGmbH




Lunchpapekte zum Neujahrsempfang der Stadt Öhringen

Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler wird am Sonntag, den 09. Januar 2022, um 11 Uhr im Blauen Saal des Rathauses seinen traditionellen Bürgerempfang als Livestream durchführen. Um Appetit auf das Einschalten zu bekommen, bietet die Stadt Öhringen kleine Lunchpakete für Kinder und Erwachsene an, teilt die Stadtverwaltung mit. Diese können vom 26. November bis 24. Dezember über die städtische Homepage digital bestellt werden. Die Lunchpakete enthalten Gebäck sowie Wein für Erwachsene oder Saft für Kinder. Bei der Bestellung sollte man im Feld „Name“ angeben, ob ein Erwachsenen- oder Kinderpaket gewünscht ist. Die vorbestellten Pakete können am Tag vor dem Livestream – also am Samstag, den 08. Januar 2022 – von 10 bis 12.30 Uhr im Schlosshof abgeholt werden.

Aufgrund der weiterhin andauernden Corona-Pandemie wird der jährliche Bürgerempfang erneut über den städtischen You-Tube-Kanal live übertragen und steht danach online als Video zur Verfügung. Der OB wird Erreichtes vorstellen sowie über zukünftige Vorhaben für Öhringen sprechen. Die Jugendmusikschule rahmt die Veranstaltung musikalisch ein. Der Link zum Livestream ist über die städtische Homepage zu finden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen




„Es gibt für jede Frau immer Hoffnung“

Jessica Anderson ist Sozialarbeiterin und Soziale Arbeit und Theologie im interkulturellen Kontext studiert. Seit drei Jahren ist sie bei der Mitternachtsmission in Heilbronn tätig. In der Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel hilft sie besonders von Zwangsprostitution betroffenen Frauen. Mit GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi hat sie erzählt, woher sie die Kraft für ihre anstrengende Arbeit nimmt, welche Schwierigkeiten die Frauen bewältigen müssen, wenn sie sich aus ihrer Zwangslage befreien wollen und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie hat.

GSCHWÄTZ: Sie haben ja einen unglaublich interessanten Beruf. Was macht ihn besonders spannend?

Anderson: Sehr vieles macht diesen Job besonders spannend: die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen, die Thematik, mit der man konfrontiert ist, die Kooperation mit verschiedenen Stellen, wie Behörden und Polizei. Es ist eine Arbeit, bei der man im Voraus nicht weiß, was den Tag über auf einen zukommt. Man plant natürlich schon, aber jeder Tag kann sich auch noch einmal komplett verändern, wenn beispielsweise ein Notfall reinkommt oder eine Betroffene akut Schutz oder Hilfe braucht.

„Zu wissen, dass das möglich ist, gibt Kraft und stärkt“

GSCHWÄTZ: Das ist sicher oft auch sehr fordernd. Welche Werte und Gedanken geben Ihnen Kraft?

Anderson: Kraft gibt mir ganz persönlich mein Glaube, der auch hier bei uns in der Arbeit eine besondere Stellung hat, das heißt, ich teile ihn auch mit meinen Kolleginnen, wodurch wir uns auch gegenseitig noch einmal ein großer Halt sein können. Ganz viel Kraft gibt auch zu wissen, dass man an einem wichtigen Auftrag arbeitet: Die Unterstützung von Menschen, die am Rande stehen. Ein Stück weit das Arbeiten gegen die Ungerechtigkeit, die passiert. Zu sehen, dass Frauen wirklich Unterstützung bekommen können – dass sie eine neue Perspektive entwickeln und neue Kraft bekommen. Zu wissen, dass das möglich ist, gibt Kraft und stärkt.

GSCHWÄTZ: Sie sind sicher oft mit tragischen Schicksalen konfrontiert. Schaffen Sie es immer, da emotionale Distanz zu wahren oder nehmen Sie die Schicksale der Frauen auch manchmal mit nach Hause?

Anderson: Es ist ganz unterschiedlich. Man bereitet sich natürlich innerlich auf die Gespräche vor. Wenn man in ein Gespräch geht, weiß man auch, dass etwas Schwieriges auf einen zukommen könnte, auch etwas sehr Leidvolles, das die Frauen oft erlebt haben. Manchmal gelingt es relativ gut, zu sagen: „Okay, das war jetzt das Gespräch. Ich mache mir meine Notizen und dann kann ich das auch wieder ein Stück weit abgeben.“ Aber natürlich gibt es auch Schicksale, die einen besonders treffen. Oftmals, wenn dann sozusagen noch „on top“ Sachen dazukommen oder eine Frau beispielsweise das gleiche Alter hat. Irgendetwas, an dem man merkt: „Okay, das könnte jetzt eigentlich auch meine Freundin oder Nachbarin gewesen sein.“ Manchmal kann man auch gar nicht sagen, warum einen ein Schicksal besonders trifft. Dann nehme ich es schon auch mal mit nach Hause. Aber ich glaube, ich habe über die drei Jahre hinweg auch schon gute Mechanismen entwickelt, wie ich die Sachen verarbeiten und auch wieder loslassen kann.

„Dann konnten wir dasitzen und zusammen ein Lied singen“

GSCHWÄTZ: Verstehe. Wenn Sie an ein besonders berührendes Ereignis während Ihrer Arbeit denken. Was kommt Ihnen da spontan in den Sinn?

Anderson: Spontan denke ich an ein Gespräch, das ich erst vor Kurzem hatte, wo ich mit einer Betroffenen von Menschenhandel zusammensaß, die jetzt gerade im Asylverfahren steht und gerade sehr hoffnungslos und perspektivlos ist. Sie war sehr jung, als sie Menschenhandel erlebt hat. Dadurch ist sie psychisch auch sehr mitgenommen. Ich habe mit ihr sehr viel darüber gesprochen, was sie denn zur Stabilisierung machen kann, was ihre Stärken sind, welche Dinge ihr guttun. Sie hat dann erzählt hat, dass sie sehr gerne singt und wir saßen da und ich habe sie gefragt, was ihr Lieblingslied ist. Sie hat gesagt, sie hat sich schon ganz lange nicht mehr getraut, zu singen, weil sie sich zu schuldig fühlt, um so etwas Schönes ausdrücken zu können. Dann konnten wir dasitzen und zusammen wieder anfangen ein Lied zu singen. Das war ein unglaublich berührender Moment.

„Wie eine Zukunft sich einfach weiterentwickeln kann“

GSCHWÄTZ: Gibt es noch andere Schicksale, die Sie gerne mit uns teilen möchten?

Anderson: Ich würde euch gerne von einer Frau erzählen, die ein Stück weit auch zeigt, was möglich ist. Auch für Betroffene von Menschenhandel. Wie eine Zukunft sich einfach weiterentwickeln kann. Diese Frau kommt aus Westafrika. Sie hat schon ganz viel Schlimmes erlebt: eine Krebserkrankung der Mutter, die dann gestorben ist, eine Vergewaltigung, dann gab es politische Unruhen, bei denen ihr Vater letztlich ins Gefängnis kam. Dann war sie komplett auf sich allein gestellt. Ihr Vater hatte schon versucht – weil sie auch eine sehr gute Schulbildung hatte – ihr zu ermöglichen, nach Europa zu kommen, um dort zu studieren. Das war ihr großes Ziel. Doch damit, dass ihr Vater ins Gefängnis kam, war eigentlich ihre ganze Hoffnung dahin. Letztlich hat sie in dieser Hoffnungslosigkeit einen Mann getroffen, der gesagt hat, er könne ihr helfen. Er könne organisieren, dass sie in Deutschland – damals war noch die Rede von Europa, denn sie wusste nicht genau, wo – studieren kann. Das hat dann auch geklappt. Sie saß dann im Flieger und kam nach Deutschland – sie wusste nicht, dass es Deutschland sein würde.

„Alle ihre Träume waren zerbrochen“

Anderson: Statt in ein Studentenwohnheim kam sie dann in ein Bordell und wurde dort über einen längeren Zeitraum ausgebeutet. Sie hat kein Wort verstanden, wusste nicht, wo sie ist, in welcher Stadt sie ist, konnte nicht raus gehen. Sie war einfach sehr hoffnungslos und perspektivlos. Sie beschreibt es selbst so, dass alle ihre Träume zerbrochen waren. Letztlich konnte sie mit der Hilfe eines Freiers, dem sie sich anvertraut hatte, fliehen. Sie kam zur Polizei und die Polizei hat dann Kontakt mit uns, mit unserer Fachberatungsstelle, aufgenommen. Wir konnten sie dann in einer unserer anonymen und dezentralen Schutzunterkünfte unterbringen. Die sind bei uns in ganz Baden-Württemberg verteilt, sodass wir gucken können: „Wo ist eine Person wirklich sicher?“ Das heißt, den Aufenthaltsort kennen dann auch nur wir Mitarbeiterinnen. Da konnten wir sie dann unterbringen, sie unterstützen. Das ging dann von neuer Erstbekleidung – sie kam mit nicht wirklich etwas an – bis hin zur Unterstützung beim Strafverfahren und Kontaktaufnahme mit Ärzten und Therapeuten – was sie eben gebraucht hat, in ihrer Situation. Sie konnte über diese Zeit, in der sie dort war, ganz viel Stabilisierung erleben, konnte vieles aufarbeiten. Sie sagt selbst, dass sie in dieser Zeit auch viel Heilung erlebt hat. Unter anderem ist bei ihr der Glaube auch eine sehr große Ressource, die sie neu gestärkt und motiviert hat. Letztlich konnte sie auch eine Ausbildung mit Sprachkurs anfangen und den jetzt auch schon erfolgreich abschließen. Sie konnte jetzt eine aufbauende Ausbildung neu beginnen und ist einfach dabei, sich eine Perspektive aufzubauen und neue Hoffnung zu finden und das ist einfach ganz arg schön, so etwas miterleben zu dürfen und zu sehen, dass eine Frau eine neue Perspektive und neue Hoffnung nach all den Schlimmen erfahren kann.

„Es ist natürlich auch ein harter Weg“

GSCHWÄTZ: Das ist ein sehr schönes, ein positives, Beispiel dafür, wie Sie als Fachberatungsstelle wirken und was Sie den Frauen mitgeben können. Haben Sie auch ein Beispiel, das weniger schön ausgegangen ist? Oder anders gefragt, gibt es auch Gegenbeispiele?

Anderson: Die gibt es natürlich auf jeden Fall. Leider. Es gibt immer wieder Frauen, die sich entweder dafür entscheiden, zurückzugehen oder diesen Weg einfach nicht schaffen. Ich meine, es ist natürlich auch ein harter Weg sich aus dem vielleicht jahrelang Bekannten – zwar sehr, sehr schweren, aber trotzdem Bekannten – herauszukämpfen und sich eine komplett neue Perspektive aufzubauen – auch in einem Land, in dem man sich nicht auskennt, dessen Sprache man nicht spricht. Das ist ein sehr harter und oftmals auch sehr langer Weg. Mir fällt da eben auch eine Frau ein, die sich mehrere Male an uns gewandt hat, die über Jahre hinweg in der Zwangsprostitution war, da sehr stark ausgebeutet wurde und dort viel körperliche und seelische Gewalt erlebt hat. Oft erleben die Frauen beides. Diese Frau war dann auch, unter anderem, in einer unserer Unterkünfte geschützt untergebracht, hat sich dann aber dazu entschieden wieder zu gehen – zu Verwandten, zu Freunden… Wir wussten letztlich auch, dass sie wieder in den Netzen dieses Täters, dieses Ausbeuters, drin gewesen ist. Sie hat mehrmals versucht auszusteigen, aber hat es bis dahin noch nicht geschafft. Wir wissen: Es gibt für jede Frau immer Hoffnung. Oftmals braucht es auch vielleicht zwei oder drei oder vielleicht auch vier Anläufe. Von daher ist es natürlich auch sehr, sehr traurig oder sehr schade, zu sehen, dass jemand zurück geht oder vielleicht auch versucht, irgendwo anders unterzukommen, wo diese Person dann doch wieder in irgendwelchen Ausbeutungsnetzwerken hängen bleibt. Die gibt es leider auch, diese Beispiele.

„Jede Frau könnte Betroffene von Menschenhandel werden“

GSCHWÄTZ: Wer wird Opfer von Zwangsprostitution? Gibt es Schnittstellen?

Anderson: Man kann nicht sagen, es sei eine bestimmte Personengruppe. Wenn man über Zwangsprostitution oder Menschenhandel nachdenkt, hat man da vielleicht Stereotype von der klassischen Frau, die Betroffene von Menschenhandel wird, im Kopf. Was wir in unserer Fachberatungsstelle erleben, ist, dass praktisch jede Frau Betroffene von Menschenhandel werden könnte. Auch was die Nationalitäten betrifft, kommen ganz gemischte Personengruppen bei uns an. Durch das, dass auch viele von Menschenhandel betroffene Frauen im Asylverfahren zu uns nach Deutschland kommen, sind es viele Frauen aus Westafrika. Wir haben aber auch Betroffene aus Osteuropa, Deutschland, Asien oder Lateinamerika. Natürlich ist ein Merkmal, dass oft Notsituationen ausgenutzt werden. Der Wunsch, der Familie zu helfen, sich selbst finanziell zu helfen, oder aus einer schwierigen Notsituation herauszukommen mit dem Versprechen, in Deutschland eine bessere Arbeit zu finden, oder der Möglichkeit, hier eine Schulbildung zu bekommen. Aber es gibt auch die sogenannten „Loverboys“, wo das Ganze aus einer Beziehung heraus entsteht, in der der Mann die Frau dann sehr stark von sich abhängig macht und dann mit Vorsätzen kommt wie: Er habe so viele Schulden und sie könne ihm doch helfen, die Schulden abzuarbeiten. Oder: Sie könne das für ihre Zukunft machen, dass sie sich gemeinsam eine bessere Zukunft aufbauen könnten. In dem Bereich gibt es auch viele deutsche Betroffene, die dadurch in eine Abhängigkeit geraten.

„Die Frauen leben in großer Angst vor den Tätern“

GSCHWÄTZ: Die wenigsten Fälle von Zwangsprostitution werden zur Anzeige gebracht. Warum ist das so?

Anderson: Ich glaube, dazu muss man ein Stück weit auch verstehen, dass die Frauen, die das erlebt haben, in einer großen Angst um sich und ihre Herkunftsfamilien, im Besonderen um ihre Kinder, vor den Tätern leben, weil es sich auch immer wieder um Täternetzwerke handelt. Das heißt, sie wissen, es steckt vielleicht nicht nur ein Einzeltäter, sondern organisierte Kriminalität dahinter. Oft ist auch nicht bekannt ist, wohin dieses Netzwerk insgesamt reicht. Da leben die Frauen einfach in einer großen Angst davor, was ihnen oder ihren Familien passieren könnte, wenn sie zur Polizei gehen oder eine Aussage treffen. Gerade bei den Betroffenen aus Afrika, besonders aus Westafrika, hängt ganz oft, ein sogenannter Schwur mit dabei, den sie dort ablegen – das heißt, da spielt noch eine geistliche Dimension mit rein. Wo sie, bevor sie nach Europa kommen, schwören, dass sie nicht zur Polizei gehen werden, dass sie das Geld zurückzahlen werden und solche Sachen. Das heißt, die Frauen haben auch aus dieser geistlichen Komponente heraus noch einmal große Angst, weil sie auch erlebt haben, dass Leute, wenn sie den Schwur brechen, dann wirklich verrückt werden, oder dass Familienmitglieder bedroht werden und so weiter.

„Oftmals fehlen auch Beweise“

Anderson: Dann ist natürlich ein weiterer Punkt, dass oftmals auch die Beweise fehlen. Dass die Frauen nicht so viel Wissen haben, dass es ausreichen würde oder dass sie denken, dass es nicht ausreicht. Das sind sehr große Punkte. Natürlich ist so ein Verfahren auch sehr, sehr anstrengend und sehr kräftezehrend. Gerade wenn man auf dem Weg ist, sich eine neue Zukunft aufzubauen, würde es für viele zu viel Kraft kosten, sich noch einmal mit alldem zu beschäftigen. So sagen viele, dass sie diesen Weg, der sich oft über mehrere Monate, manchmal ein Jahr hinzieht, einfach nicht schaffen. Was noch dazukommt: Den Frauen wird oftmals auch ein falsches Bild von Polizei und Behörden eingetrichtert. Oft kommen die Betroffenen auch aus Ländern, in denen die Polizei einfach korrupt ist. Zusätzlich wird ihnen gesagt: „Ihr bekommt Probleme, wenn ihr zur Polizei geht. Dann kommt ihr ins Gefängnis“ oder „Ihr müsst dann eine Strafe bezahlen.“ Das sind die Gründe, die Frauen davon abhalten, Anzeige zu erstatten.

„Mit dem Schwur fühlen sich die Frauen sehr stark gebunden“

GSCHWÄTZ: Könnten Sie das mit dem Schwur noch einmal genauer erklären? Ist das so eine Art Voodoo-Zauber?

Anderson: Genau. Das nennt sich Juju-Schwur und kommt vor allem im nigerianischen Menschenhandel vor, der eben in Westafrika im Moment sehr stark vertreten ist. Das heißt, die Frauen werden dort, oftmals auf ganz unterschiedliche Art und Weise, sozusagen angeworben. Das kann auf der Straße oder beim Friseur passieren. Oder, dass die Frauen irgendwo arbeiten und jemand sagt: „Oh, du machst Deine Arbeit ja so toll. Du könntest doch in Europa auch viel Geld verdienen.“ Dann lassen sie sich darauf ein und ihnen wird gesagt, dass sie davor noch diesen Juju-Schwur machen müssen. Dann ist man da in so einem Juju-Schrein mit einem Juju-Priester und dann wird dort ein Schwur geleistet. Es gibt verschiedene Sachen, die die Frauen von sich abgeben müssen und Sachen, die sie sagen müssen. Dort hören die Frauen meistens das erste Mal von den Schulden. Oft können sie mit der Bezeichnung Euro, oder eben auch mit der Summe, die sich dahinter verbirgt, nichts anfangen. Die Frauen müssen dann schwören, dass sie das Geld, das anscheinend für die Reise ausgegeben wird, zurückzahlen. Das ist oft ein Betrag zwischen 20 000 und 35 000 Euro, also wirklich sehr groß. Außerdem schwören sie, dass sie nicht zur Polizei gehen werden, dass sie sich an alle Regeln, die ihnen vorgegeben werden, halten werden und dass sie nichts über die Schleuser sagen werden. Dadurch fühlen sich die Frauen sehr stark gebunden, weil sie diese Schwüre als sehr starke Realität erleben.

„Es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer“

GSCHWÄTZ: Dementsprechend ist die Dunkelziffer der von Zwangsprostitution betroffenen Frauen auch extrem hoch.

Anderson: Genau. Es ist sowieso ein Bereich, in dem eine sehr große Dunkelziffer besteht, weil sich nicht jede Frau an Hilfsangebote wendet und darüber spricht. Die ganz große Schwierigkeit dabei, Zahlen oder Statistiken zu erstellen, ist darin begründet, dass die bekannten Zahlen im Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes nur die Zahlen von abgeschlossenen Ermittlungsverfahren aufzeigen. Das heißt, dass viele Frauen, die zu uns in die Beratung kommen, die keine Anzeige erstatten, oder bei denen es nicht zum abgeschlossenen Ermittlungsverfahren kommt, nicht darin aufgeführt werden. Von daher unterscheiden sich die Zahlen, die wir jetzt beispielsweise in unserem Jahresbericht haben, oder in dem unseres gemeinsamen Arbeitskreises mit den beiden anderen Fachberatungsstellen in Baden-Württemberg, vom Bundeslagebild dahingehend, dass wir die Frauen, die wir beraten mit in die Statistik aufnehmen und im Bundeslagebild nur die von abgeschlossenen Ermittlungsverfahren geführt werden. Aber natürlich gibt es darüber hinaus noch viel, viel mehr Frauen, die sich nicht an eine Beratungsstelle wenden und nicht zur Polizei gehen, wo dann letztlich kein Straf- oder Ermittlungsverfahren läuft. Wir haben dieses Jahr ca. 110 Frauen begleitet. Im Bundeslagebild sind es meistens aufs Jahr und ganz Deutschland gesehen, nicht so viele Fälle.

„Wir wünschen uns eine jährliche gute Grundfinanzierung der Beratungsstelle“

GSCHWÄTZ: Nach Schätzungen der EU-Kommission werden jährlich 120 000 Frauen und Mädchen aus der ganzen Welt nach Westeuropa verschleppt. Nach Schätzungen der internationalen Arbeitsgemeinschaft, Menschenhandel und Zwangsprostitution betreffend, werden mit Zwangsprostitution weltweit jährlich 28 Milliarden US-Dollar generiert. Was tun die Behörden, um diese vulnerable Gruppe von Menschen zu schützen? Wo wünschen Sie sich in Ihrer Arbeit noch mehr behördliche Unterstützung?

Anderson: Einmal ist natürlich auch da wieder zu sagen: Die Zahlen sind einfach ganz arg schwer zu belegen oder zu schätzen und zu beurteilen, was da wirklich stimmt. Es werden immer wieder so Schätzungen gemacht, um da einfach die Dimensionen aufzuzeigen. Wir erleben in vielen Bereichen eine sehr gute Zusammenarbeit mit Behörden. Gerade auch mit Ermittlungsbehörden haben wir sehr gute Kooperationen, wo einfach im Fall einer Betroffenen auch sehr schnell gehandelt werden kann. Da sind wir dankbar für das, was da auch auf sehr vielen Ebenen schon läuft. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass das Thema Menschenhandel, was die Politik, aber auch die Arbeit unterschiedlicher Behörden, angeht, mehr fokussiert wird. Dass es wirklich eine flächendeckende Beratungslandschaft in ganz Deutschland für Betroffene gibt. Bei uns in Baden-Württemberg gibt es drei Fachberatungsstellen, die alle landesweit zuständig sind, was wiederum für ein ganzes Bundesland, so groß wie Baden-Württemberg, auch nicht zu viel ist. Das heißt, wir sind auch sehr viel in Erstaufnahmeeinrichtungen unterwegs, fahren die Frauen auch wirklich aufsuchend an. Auch wenn sich eine Frau von weiter weg bei uns meldet, wird sie trotz allem beraten und unterstützt. Was wir uns daher sehr wünschen würden, wäre auch eine jährliche gute Grundfinanzierung der Beratungsstelle. Das heißt, dass die Grundarbeit, das was es an Mitarbeit und Personalstellen braucht, einfach grundlegend finanziert ist. Das wäre einer unserer großen Wünsche, weil dadurch den Betroffenen auch mit guter Unterstützung begegnet werden kann und auch noch einmal mehr Aufklärungsarbeit möglich ist.

„Gerade in der Lockdown-Situation war da das Thema Einsamkeit“

GSCHWÄTZ: Was an Ihrer Arbeit hat sich in den letzten drei Jahren verändert? Sie sind seit drei Jahren bei der Mitternachtsmission, arbeiten auch in der Fachberatungsstelle für Prostituierte. Was hat sich seit der Corona-Situation verändert und wie erleben Sie Ihren Alltag jetzt? Wie haben Sie ihn im Lockdown erlebt?

Anderson: Es hat sich natürlich auch für uns sehr vieles durch die Corona-Situation verändert. Wir sind systemrelevant und dadurch konnten wir auch weiterhin präsent arbeiten und, wo nötig, unsere Klientinnen auch persönlich empfangen. Gerade in der Lockdown-Situation war da das Thema Einsamkeit. Wenn man keine Möglichkeit mehr hat, draußen zu sein oder sich mit anderen zu treffen, ist das für Personen, die Traumatisierungen erlebt haben, eine noch größere Herausforderung, wenn dann die Unterstützungsmöglichkeiten wegfallen oder nur noch telefonisch sind. Von daher haben wir da sehr viel Dankbarkeit auch von Seiten der Frauen erlebt. Wir hatten zu Beginn die Arbeit im Team in zwei Schichten, das heißt, ein Teil war zwei Wochen im Homeoffice und ein Teil war zwei Wochen vor Ort. Das hat die Arbeit vor Ort natürlich sehr intensiviert und natürlich im Homeoffice auch verändert, wenn da vieles per Telefon oder Zoom-Konferenz laufen musste. Gerade auch, da wir sehr eng im Team zusammenarbeiten, war das, glaube ich, für uns alle eine große Herausforderung.

„Die aufsuchende Arbeit ist weggefallen“

Anderson: Gleichzeitig sind wir einfach dankbar, dass wir weiterhin vor Ort arbeiten konnten. Gerade in der Fachberatungsstelle für Prostituierte haben wir sehr intensiv erlebt, dass wir nicht mehr aufsuchend unterwegs sein konnten, was einfach einen großen Teil unserer Arbeit ausmacht. Das ist sehr viel Beziehungsarbeit. Die meisten Erstkontakte entstehen durch die aufsuchende Arbeit. Die ist weggefallen und dadurch war es auch sehr viel schwieriger, die Frauen zu erreichen, weil sich sehr vieles auch ins Private verlagert hat. Da war es für uns einfach eine Herausforderung, den Kontakt zu den Frauen aufzunehmen. Gleichzeitig haben wir auch erlebt, dass sich sehr viele Frauen, die wir kannten, an uns gewandt haben, um zu gucken: „Wie können wir jetzt unsere Existenz sichern? Welche Anträge können gestellt werden? Wo kann Unterstützung passieren oder wie kann man vielleicht auch einen anderen Job suchen?“ Das war dann eben die andere Seite, wo wir erlebt haben, dass sehr viel Beratung in Anspruch genommen wurde, wo wir sehr dankbar sind, aber auch einfach in beiden Bereichen merken, dass eine weitere Auswirkung ist, dass die Verlagerung ins Private bestehen geblieben ist. Dass die Frauen schwerer zu erreichen sind und es natürlich auch den Druck auf die Frauen erhöht und sie dadurch vulnerabler werden, dass sie jetzt nicht mehr unter einer regelmäßigen Kontrolle stehen oder auch durch Betreiber,andere Mitarbeiter oder auch andere in der Prostitution arbeitende Personen in offiziellen Bordellen Unterstützung bekommen oder unter diesen Regeln arbeiten.

„Zwangsprostitution ist auch in Deutschland ein großes Thema“

GSCHWÄTZ: Was kann man tun, um Zwangsprostitution wirksam vorzubeugen?

Anderson: Aufklärung ist da ein ganz wichtiges Thema. Ich glaube sehr vielen Menschen in unserer Gesellschaft ist es einfach nicht so bewusst, dass es auch bei uns in Deutschland ein großes Thema ist. Dass Deutschland nicht nur Zielland ist, dass nicht nur Betroffene aus anderen Ländern sozusagen in Deutschland arbeiten, sondern, dass wirklich auch Betroffene aus Deutschland kommen. Deswegen ist es ganz arg wichtig, dass auch schon in den Schulen angefangen wird, das Thema zu thematisieren – gerade auch, was die Loverboy-Methode und solche Dinge angeht. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Und Freier sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Was man noch tun kann, ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und die Augen nicht vor dem Thema zu verschließen. Dadurch kann schon sehr viel vorgebeugt werden, dass Betroffene nicht  da rein kommen. Natürlich auch, Menschen in Notsituationen zu unterstützen, dass sie nicht versucht sind, sich auf solche Dinge einzulassen, sondern, dass sie auch andere Dinge sehen und Unterstützung erhalten.

Interview: Priscilla Dekorsi




Autofahrerin prallt auf Lkw

Eine 59-jährige Hyundai-Fahrerin hat am Dienstag, den 23. November 2021, auf der A6 bei Neuenstein ein Stauende übersehen und ist auf einen Lkw aufgefahren. Die Frau war nach Angaben der Polizei gegen 13 Uhr zwischen den Anschlussstellen Kupferzell und Neuenstein unterwegs und hatte wohl nicht rechtzeitig bemerkt, dass die Fahrzeuge vor ihr verkehrsbedingt anhalten mussten.

Die 59-Jährige versuchte noch einem auf der mittleren Spur stehenden Lkw auszuweichen, kollidierte aber dennoch mit dem linken Fahrzeugheck des Sattelaufliegers. Der Hyundai prallte daraufhin ab, schleuderte über die Fahrbahn und kam schließlich quer auf der linken Spur zum Stillstand. Die Autofahrerin wurde bei dem Unfall verletzt und von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht. An den Fahrzeugen entstanden Schäden in Höhe von rund 7.000 Euro. Der Hyundai musste abgeschleppt werden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




„Wenn Politik schon am Versagen ist, dann müssen wir Bürger jetzt endlich liefern.“

Nachdem sie im ersten Teil des GSCHWÄTZ-Interviews über soziale Ökonomie gesprochen hat, gibt Sina Trinkwalder im zweiten Teil ganz viel von ihren inneren Überzeugungen preis, wenn sie über „Heimat“, die Entwicklung der bundesdeutschen Gesellschaft und die Möglichkeiten des Einzelnen spricht – und sie zeigt dabei Emotion.

GSCHWÄTZ: Ich würde ganz gerne noch auf deine Bücher, die das ja auch widerspiegeln…

Sina Trinkwalder: … ich schreibe grade schon wieder eines …

GSCHWÄTZ:  Um was geht es diesmal?

Sina Trinkwalder: Ein Plädoyer fürs Unternehmen. Und ich habe es extra so weit gefasst, weil Unternehmen das  Gründen mit einbezieht, aber auch wirklich, privat etwas zu machen. Einfach rauskommen aus dem Quark.

GSCHWÄTZ: Einfach etwas anderes machen?

Einfach nur etwas unternehmen

Sina Trinkwalder: Ja, denn die meisten Gründer … Du kannst auch im Beruf etwas unternehmen, die meisten machen ja nicht wirklich was, unternehmen nichts. Und wir wissen alle, wir würden so gerne, aber sie tun es dann nicht. Und da kann man sehr schön darüber philosophieren, wie es vielleicht doch geht. Aber das ist oft etwas, was, was mich die Menschen fragen: Mensch Meier, du machst jeden Tag was anderes und vor allen Dingen, Du machst es. Wie denn? Ja, es ist eigentlich nicht schwer, etwas zu machen. Du musst es halt tun.

GSCHWÄTZ: Jetzt sind wir doch schon wieder bei der Psychologie gelandet.

Sina Trinkwalder: Sind wir, genau.

Buchtitel Sina Trinkwalder

GSCHWÄTZ: Dein letztes Buch – also zumindest das letzte, von dem ich etwas gelesen und gehört habe – geht um die Heimat. Da hast du ja auch einen etwas erweiterten Heimatbegriff und nicht nur das eigene Dorf, sondern?

Ich habe kein eigenes Dorf, ich bin heimatlos

Sina Trinkwalder: Ja, ich habe überhaupt kein eigenes Dorf, das ist vielleicht das Interessante, weil ich im traditionellen Sinne heimatlos bin, so oft ich umgezogen bin als Kind. Also wie kann ich überhaupt nicht irgendwie dokumentieren, dass irgendein Landstrich meine Heimat geworden wäre. Ich sitze auch nicht diesen tradierten Begriff aus, Heimat ist da, wo man … ach, diese Kalendersprüche, sondern ich glaube einfach, dass Heimat wirklich der Raum ist, wo man sich begegnet, in Würde begegnet, wo auch Würde gedeiht. Wo wir wirklich auf auf dieser viel besagten Augenhöhe, was ich ja ganz furchtbar finde, dieses Wort aber in großem Respekt und in der Anerkennung der anderen Persönlichkeit begegnet.

GSCHWÄTZ: Aber du wohnst jetzt in Augsburg?

Sina Trinkwalder: Ich wohne in Hamburg

GSCHWÄTZ: In Hamburg, und die Firma ist in Augsburg, Und in Hamburg würdest du nicht eine Heimat im klassischen Sinn sehen für dich selber?

Sina Trinkwalder: Nein, ich kann auch morgen nach Amsterdam ziehen oder nach Tansania. Ich mache Heimat eben überhaupt nicht so fest an einer Lokalität.

GSCHWÄTZ: Dieser Heimatbegriff ist laut dem Klappentext eines Buchs oder dem, was der Verlag dazu schreibt, ist genau diese Fairness: Da steht „Menschen geben sich wechselseitig Heimat, wenn sie sich mit Wertschätzung und Fairness begegnen. Das funktioniert regional wie national und global“. Sagt der Verlag.

Sina Trinkwalder: Nein, das sage auch ich. Du wirst dich wundern, aber Klappentexte kommen meistens auch vom Autor.

GSCHWÄTZ: Ich habe noch kein Buch selber geschrieben. Ich fange das erst an mit der Schreiberei.

Sina Trinkwalder:  Ja, sehr gut.

GSCHWÄTZ: Diese Heimat ist ja auch ein Sinnbild für unsere heutige Gesellschaft in Corona-Zeiten. Das Buch ist geschrieben worden vor Corona, rausgekommen glaube ich 2020, in Corona oder vielleicht noch kurz davor. Und im Moment sieht unsere Gesellschaft nicht so aus, als würde man sich gegenseitig diese Heimat geben. Kriegen wir das wieder hin?

„Nicht einer völlig romantisierenden Vorstellung von Heimat oder von Gesellschaft aufsitzen“

Sina Trinkwalder: Na, ich bin kein Prophet, ich wünsch mir von Herzen, dass wir es wieder hinkriegen und ich gebe alles dafür und tu auch alles und mache alles dafür, dass wir wieder auf einen guten Weg kommen. Man muss, glaube ich, auch unterscheiden, dass wir nicht einer völlig romantisierenden Vorstellung von Heimat oder von Gesellschaft aufsitzen. Es gibt viele Individuen und alle Individuen haben ihre eigene Vorstellung ihres Lebensraums, ihrer, ihres Lebens überhaupt von allen. Was uns fehlt momentan, ist eine gemeinsame Basis, ein Wertesystem, wo wir alle zusammen sagen „so machen wir das jetzt“. Das nennt man übrigens auch Demokratie, lustigerweise. Das ist auch ein Wertesystem, eine Basis.

Gesellschaftliche Freiheit vs Freiheit eines Einzelnen

Wir müssten uns mal committen zu sagen „ich bin auch der Meinung, dass die individuelle Freiheit nicht ganz so viel wert ist wie die gesellschaftliche Freiheit und die Unversehrtheit eines Einzelnen“. Das ist ja unser Problem, was wir momentan haben. Und das bedingt, dass natürlich sehr viele Menschen sehr wütend werden. Wütend bin ich beispielsweise in der aktuellen Situation. Das Interview heute findet statt mit 65000 Coronafällen pro Tag, mit Übergriffen von Querdenkern auf Ärzte, mit Morddrohungen an Virologen. Wir haben auch das Gefühl, wir sitzen in einem völligen Kessel. Und ich bin nicht wütend, sondern ich bin wirklich verwundert, dass es Menschen gibt, die in einer ausentwickelten Industriedemokratie, wie es Deutschland ist … ja, wie soll ich sagen … intelligenztechnisch so abrutschen können. Es ist aber auf der anderen Seite tröste ich mich dann immer wieder und sage, gut in Ordnung, das gab es glaube ich immer und wir müssen das auch aushalten, auch wenn es momentan eben – und das ist eben das, was uns so schwer fällt – die Gesamtgesellschaft gefährdet.

Diejenigen, die aufs Gemeinwohl achten, müssen dagegenhalten

Umso mehr müssen wir, diejenigen, die aufs Gemeinwohl wirklich achtgeben, dagegenhalten und weiter mit Vernunft  agieren. Auch mir fällt es unglaublich schwer, mir fällt es wahnsinnig schwer. Wir haben auch beispielsweise bei manomama zwei, drei Leute, die Hygienemaßnahmen für den  Arsch und Masken völlig bescheuert finden und totale Impfgegner sind etc. Es ist wirklich sehr, sehr schwer. Wenn es nur um mich ginge, beispielsweise, man würde denken, rutsch mir den Buckel runter. Aber ich habe die Fürsorgepflicht für all die anderen, die bei uns sind. Und auf einmal bist du in einer Zwickmühle. Und beispielsweise, was mich wütend macht, ist die Politik, die total versagt, massiv versagt. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Jegliche Entscheidungsprozesse, alles, was irgendwie Konsequenzen haben könnte, wird abgewälzt, auf Ärzte, auf Unternehmer.

„Es wird alles abgewälzt. Verantwortung wird total externalisiert.“

Es wird alles abgewälzt. Verantwortung wird total externalisiert. Und das geht halt nicht. Das funktioniert nicht. Das ist das einzige, was mich wütend macht. Aber ich bin nicht derjenige, der so negativ blickt. Weil vor Corona hatten wir auch schon eine Gesellschaft, die auseinander gedriftet ist. Da gab es die Geflüchtetenkrise, dann gab es die Ökokrise, dann gab es …. Es gibt immer irgendwas, warum Gesellschaften auseinanderdriften. Wichtig ist, dass wir genügend sind, die sie zusammenhalten.

GSCHWÄTZ: Wir hatten in der Geschichte der Bundesrepublik viele, viele Krisen …

Sina Trinkwalder: Aber wir leben noch.

GSCHWÄTZ: Das wollte ich gerade sagen. Die Gesellschaft hat sich doch immer wieder zusammengerauft in irgendeiner Form, teilweise wirklich gerauft. Ja, wir erinnern uns an Kernkraft-Demos, wo wirklich gerauft wurde. Aber siehst du da vielleicht im Moment eine andere Qualität als früher?

„Die Qualität, die wir momentan sehen in den Medien, die finde ich erschreckend.“

Sina Trinkwalder: Das kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen. Es steht mir auch nicht zu, es zu beurteilen, weil ich für Kernkraft, also Wackersdorf etc., da war ich fast zu jung. RAF, daa habe ich fast noch nicht gelebt. Ich kann das einfach nicht beurteilen. Ich kann nur für mich oder mir ein Bild machen zu sagen, die Qualität, die wir momentan sehen in den Medien, die finde ich erschreckend. In meinem Umfeld, im unmittelbaren Umfeld und im erweiterten Umfeld gefällt sie mir nicht, die Qualität. Aber sie ist nicht so, wie es in den Medien sehe. Trotzdem bin ich gnadenloser Optimist und sage, wir kriegen das trotzdem hin. Vielleicht nicht mit 100 prozent, aber mein Gott, wer muss denn immer 100 Prozent einsammeln. Angela Merkel wurde mit 20 Prozent der Bevölkerung Bundeskanzlerin. 16 Jahre. Also ich glaube, wir müssen uns auch von unserer Absolution irgendwann mal verabschieden. Wenn wir mehr als die Hälfte Menschen sind, die Gemeinwohl und Gesellschaft leben, dann ist das viel und das ist gut so. Und dann ist es stabil. Und wenn wir über 70 Prozent sind, ist es richtig super. Ja, nur die Quote könnte höher sein, da braucht man auch nicht diskutieren. Und dafür braucht es dann einfach auch mal Mittel, die politisch notwendig sind. Dann muss halt mal eine Impfpflicht her für alle. Bums aus, Amen, Fertig.

GSCHWÄTZ: Ich habe gerade gestern einen Beitrag veröffentlicht, der in die Geschichte geht, nämlich so die Zeit des ersten Impfgesetzes von 1874. Da ging es um die Pocken und das Interessante war, dass die Argumente der Impfgegner, die es damals auch gab und …

Sina Trinkwalder: Es gibt die immer.

GSCHWÄTZ: … die im Prinzip auch die damaligen sozialen Medien, nämlich alle möglichen Printprodukte, verwendet haben, genau die gleichen sind wie heute.

Ein Teil der Menschen hat augenscheinlich nichts gelernt

Sina Trinkwalder: Ja, aber dann kannst Du Dir natürlich deine Frage, ob der Mensch nicht gelernt hat, beantworten: augenscheinlich ein Teil nicht. Ich kann auch wirklich verstehen, wenn jemand sagt, ich weiß nicht, was da passiert oder ich bin mir da nicht sicher. Und ich kann auch nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die aus eigener Kraft nicht über dieses Stöckchen springen können. Ich habe Angst und muss da jetzt drüber und muss mich impfen.

Massives und andauerndes Versagen der Politik

Ja, ich glaube auch, dass unheimlich viel versäumt wurde an guter Kommunikation, einfach, auch wirklich massiv versäumt. Ich möchte ein schönes Beispiel geben, oben bei uns im Norden ist ja die Welt noch so halb in Ordnung im Vergleich zum Süden, wo ich ursprünglich herkomme. Ich pendel jede Woche oder jede zweite Woche zwischen Wahnsinn und Normalität momentan. Und wenn wir es hier sehen,  Bremen hat eine Impfquote bei den Erwachsenen über 90 Prozent. Aber wirklich an jeder Ecke hängen auch Plakate in 20 verschiedenen Sprachen. Lasst euch impfen, tut nicht weh. Bei uns in Bayern habe ich noch kein einziges Plakat gesehen. Doch: Es ist hochdeutsch, aber nicht ein einziges in Arabisch, auf Türkisch nichts. Warum? Ja, die Amtssprache in Bayern ist Deutsch. Was für ein Bullshit. Nehmt doch die Leute mit.

Was für ein Bullshit. Nehmt doch die Leute mit.

Ich selbst habe es bei mir in der Firma gemerkt. Wir hatten zunächst auch gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund einen großen Zweifel, ob das gut ist, was man da machen soll, in vielen einzelnen Gesprächen. Ich habe Menschen mit begleitet zum Impfen oder habe sie mit Kolleginnen hingeschickt, die deren Sprache sprachen. Die haben sich dann überzeugen lassen, weil sie einfach informiert wurden. Da ist viel kaputtgegangen. Und das ist mit Sicherheit und mit ganz großer Wahrscheinlichkeit wirklich der Politik anzulasten, dass sie damals sauber am Versagen waren. Und nach wie vor sind.

GSCHWÄTZ: Ich nehm das jetzt mal als Schlusswort …

„Wir müssen es halt selber in die Hand nehmen“

Sina Trinkwalder: Und dann kriegst Du mein finales Schlusswort: Wenn Politik schon am Versagen ist, dann müssen wir Bürger jetzt endlich liefern. Ja, gesellschaftlich, auch ökonomisch. Wir müssen es halt selber in die Hand nehmen, bis die Politik sich mal sortiert und sondiert hat und wir gucken, was da rauskommt.

GSCHWÄTZ: Eine kleine Revolution ist das, was du jetzt forderst.

Eine kleine Revolution reicht nicht

Sina Trinkwalder: Da brauchen wir schon eine große, momentan.

GSCHWÄTZ: Okay, aber DAS nehmen wir jetzt wirklich als Schlusswort. Und dann bedanke ich mich für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Matthias Lauterer




Wegen 2G-Regel: Kein Klamottenkauf mehr für Ungeimpfte im Einzelhandel

Seit heute, 24. November 2021, gelten sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg neue Corona-Regeln.

Die bundesweiten Regelungen sind im Infektionsschutzgesetz sowie in der Corona-Arbeitschutzverordnung geregelt. Sie betreffen nicht nur das Verhalten der Bürger, sondern regeln beispielsweise auch Pflichten von Arbeitgebern. Die wichtigsten Regelungen sind:

  • Die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ läuft am 25. November 2011 aus. Wesentliche Folge davon ist, dass die Regierung Maßnahmen nicht mehr per Verordnung treffen kann. Der Bundestag muss neue Maßnahmen beschliessen.
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt weiterhin Maskenpflicht, zusätzlich gilt 3G, also Zutritt nur noch für Geimpfte, Genesene oder Getestete Personen.  Die Behörden haben Schwerpunktkontrollen für den ÖPNV angekündigt.
  • Auch am Arbeitsplatz gilt 3G. Arbeitgeber müssen die Überprüfung des 3G-Status ihrer Mitarbeiter:innen dokumentieren. Im Gegenzug wurde die HomeOffice-Pflicht wieder reaktiviert. Arbeitgeber müssen also das Arbeiten im Home-Office ermöglichen, wo nicht schwerwiegende betriebliche Gründe entgegenstehen.
  • Über die Maßnahmen in Schulen und Kitas entscheiden die Länder. In Baden-Württemberg sind Schulen und Kitas aus der Corona-Verordnung ausgenommen: Das Kultusministerium ist hier für die Corona-Schutzmaßnahmen verantwortlich.
  • In Pflegeheimen gilt Test- und Maskenpflicht für Besucher.
  • Für Gastronomie und Veranstaltungen ist 2G oder 3G vorgeschrieben – Details sollen allerdings die Länder in eigenen Verordnungen regeln.

Unter anderem aus diesem Grund haben die einzelnen Bundesländer ihre Corona-Verordnungen kurz vor dem  Auslaufen der epidemischen Lage nochmals angepaßt, das heißt: verschärft.

Für Baden-Württemberg: Neu definierte Alarmstufe II gilt sofort

Für Baden-Württemberg wurde eine neue Alarmstufe II definiert, die greift, wenn 450 Intensivbetten im Land von COVID-Patienten belegt sind oder die 7-Tage Hospitalisiungsinzidenz über 6 liegt. Am 23. November 2021 meldete das Landesgesundheitsamt eine Hospitalisierungsinzidenz von 6,3 und 510 durch Covid-Patienten belegte Intensivbetten. Die Alarmstufe II tritt also sofort in Kraft. In vielen Bereichen kommt die 2G+-Regel zur Anwendung. Diese Regel betrifft nicht nur Ungeimpfte, denen beispielsweise der Zutritt zu Veranstaltungen größtenteils untersagt ist. Auch Geimpfte brauchen in vielen Lebensbereichen einen tagesaktuellen Test.

Über die neuen Maßnahmen informiert die Landesregierung im Detail:

Neue Regelungen in der Alarmstufe I

In folgenden Bereichen gilt generell die 2G-Regelung:

  • Weihnachtsmärkte
  • Körpernahe Dienstleistungen mit Ausnahme von Friseurbetrieben und Barbershops. Hier gilt 3G mit PCR-Test.
  • Für Veranstaltungen wie Theater-, Opern- und Konzertaufführungen, Filmvorführungen, Stadt- und Volksfeste, Stadtführungen und Informations-, Betriebs-, Vereins- sowie Sportveranstaltungen gilt eine maximale Personenobergrenze von 25.000 Personen.
  • Bei Veranstaltungen der Breitenkultur mit Gesang, Blasmusik oder vergleichbaren Tätigkeiten mit Aerosolbelastung in geschlossenen Räumen gilt 2G+. Dies gilt auch für an der Veranstaltung mitwirkende Personen, sofern diese nicht im Rahmen ihrer Berufsausübung tätig werden, sowie für den Probenbetrieb.
  • Abstandsregeln bei Gottesdiensten und anderen religiösen Veranstaltungen.
  • Bei Veranstaltungen von Gremiensitzungen von juristischen Personen, Gesellschaften und vergleichbaren Vereinigungen gilt 3G.

Verschärfte Regeln in der Alarmstufe II

In der Alarmstufe II werden weitere Regeln eingeführt, welche die Regelungen der Alarmstufe I ergänzen oder verschärfen:

G2+ Regelung – also genesene und geimpfte Personen müssen zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen – in folgenden Bereichen:

  • Veranstaltungen wie Theater-, Opern- und Konzertaufführungen, Filmvorführungen, Stadt- und Volksfeste, Stadtführungen und Informations-, Betriebs-, Vereins- sowie Sportveranstaltungen
  • Weihnachtsmärkte. Maximal 50 Prozent der üblichen Besucherinnen und Besucher zugelassen.
  • Körpernahe Dienstleistungen. Eine Ausnahme gilt für Friseurbetriebe und Barbershops. Dort gilt 3G+ mit PCR-Test. Ungeimpfte dürfen sich also die Haare schneiden lassen – allerdings nur mit PCR-Test.
  • Diskotheken und Clubs, Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen

Regelungen für Beherbergungsbetriebe

In beiden Alarmstufen gilt für Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Gasthäuser, Pensionen oder Campingplätze 2G. Davon ausgenommen sind dienstliche Übernachtungen oder besondere Härtefälle wie beispielsweise ein dringend notwendiger Arztbesuch. In diesen Ausnahmen muss ein negativer Schnell- oder PCR-Test vorgelegt werden. Gastronomische Einrichtungen in den Beherbergungsstätten dürfen diese Personen nur im Freien und nach Vorlage eines negativen PCR-Tests benutzen.

Überprüfung von Test-, Genesenen- und Impfnachweisen

Die neue Corona-Verordnung stellt nochmal deutlicher klar, wie Betreiber, Anbieter und Veranstalter verpflichtet sind, Test-, Genesenen und Impfnachweise zu kontrollieren: Sie müssen die Angaben mit einem amtlichen Ausweisdokument abgleichen. Genesenen- und Impfnachweise müssen elektronisch, etwa mit der CoVPassCheck-App geprüft werden.

Ausgangsbeschränkungen in besonders betroffenen Kreisen

Aufgrund der kritischen Lage führt die Landesregierung wieder Ausgangsbeschränkungen in Stadt- und Landkreisen ein, in denen die 7-Tage-Inzidenz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 500 liegt. In Stadt- und Landkreisen mit einer Ausgangsbeschränkung dürfen nicht genesene und nicht geimpfte Personen zwischen 21 und 5 Uhr die Wohnung oder sonstige Unterkunft etwa eine Beherbergungsstätte oder Wohnheim nur aus triftigen Gründen verlassen.

Im Einzelhandel, der nicht der Grundversorgung dient, gilt die 2G-Regel.  Abholangebote und Lieferdienste sind weiterhin uneingeschränkt möglich. Die Verordnung nennt als Einzelhandel, der der Grundversorgung dient, explizit nur:

Apotheken, Ausgabestellen der Tafeln, Babyfachmärkte, Bäckereien, Banken und Sparkassen, Baumärkte, Baumschulen, Blumenfachgeschäfte, Drogerien, Futtermittelmärkte, Gartenmärkte, Gärtnereien, Getränkemärkte, Großhandel, Hofläden, Hörgeräteakustiker, Konditoreien, Lebensmittelhandel (Supermärkte) einschließlich der Direktvermarktung (Hofläden), Metzgereien, Mobile Verkaufsstände für landwirtschaftliche Produkte und Erzeugnisse, Optiker, Orthopädieschuhtechniker, Poststellen und Paketdienste, Reformhäuser, Raiffeisenmärkte, Reise- und Kundenzentren zum Fahrkartenverkauf im öffentlichen Personenverkehr, Reinigungen, Sanitätshäuser, Stellen des Zeitungs- und Zeitschriftenverkauf, Supermärkte, Tankstellen, Tierbedarfsmärkte, Verkaufsstätten für Weihnachtsbäume, Waschsalons, Wochenmärkte.

Modegeschäfte sind in der Liste nicht enthalten, schon der Kauf eines neuen Mantels oder neuer Schuhe wird also für Ungeimpfte schwierig.

Prüfpflicht für Betreiber, Anbieter und Veranstalter

Die neue Corona-Verordnung stellt zudem nochmal deutlicher klar, wie Betreiber, Anbieter und Veranstalter verpflichtet sind, Test-, Genesenen und Impfnachweise zu kontrollieren. Sie müssen die Angaben mit einem amtlichen Ausweisdokument abgleichen. Genesenen- und Impfnachweise müssen elektronisch, etwa mit der CoVPassCheck-App geprüft werden.

Nur noch wenige Ausnahmen

Ausgenommen von der PCR-Testpflicht bzw. dem Zutritts- und Teilnahmeverbot sind Personen bis einschließlich 17 Jahren; Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können (hier ist ein entsprechender ärztlicher Nachweis vorzuzeigen); Personen für die es keine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gibt sowie bis 10. Dezember 2021 Schwangere und Stillende, da es für diese Gruppen erst seit dem 10. September 2021 eine Impfempfehlung der STIKO gibt. Diese Personen müssen einen negativen Antigen-Schnelltest vorlegen. 

Übersichtliche Tabelle über die geltenden Maßnahmen

Eine übersichtliche Tabelle über die verschiedenen Regelungen in den verschiedenen Warn- und Alarmstufen steht zum Download bereit.

Ausgangsbeschränkung für Ungeimpfte im Hohenlohekreis

Da der Hohenlohekreis am 22. und 23. November jeweils eine Inzidenz über 500 gemeldet hat, tritt die Ausgangsbeschränkung für den gesamten Hohenlohekreis in Kraft und kann erst wieder aufgehoben werden, „wenn im jeweiligen Stadt- oder Landkreis die 7-Tage-Inzidenz an fünf Tagen in Folge unter 500 liegt.

Matthias Lauterer

[kursiver Text: Zitate aus den Mitteilungen der Landesregierung]

 




„Gesamtes medizinisches Personal im Covid-Bereich ist an einer Belastungsgrenze – sowohl physisch als auch psychisch“

Am Montag, 22. November 2021, berichtete GSCHWÄTZ über die Belegungszahlen der Krankenhäuser der Umgebung und mußte feststellen, dass die Lage auf den Intensivstationen kritisch ist. In der Stadt Heilbronn und in Öhringen waren alle Intensivbetten belegt. Im Kreis Heilbronn, dem Kreis Schwäbisch-Hall und dem Main-Tauber-Kreis gab es noch freie Betten.

GSCHWÄTZ hat bei den Krankenhausbetreibern nachgefragt, ob die Kapazitäten noch ausreichen, um beispielsweise bei einem Verkehrsunfall mit einem „Massenanfall von Verletzten“ (ManV) noch eine gute Versorgung der Patienten gewährleisten zu können.

„Die Erstversorgung von Notfallpatienten ist in unseren Krankenhäusern sichergestellt“

Ute Emig-Lange von der BBT-Gruppe, Träger der Krankenhäuser in Öhringen und Bad Mergentheim, erklärt das Procedere in einem solchen Fall: „Bei einem ManV gibt es vor Ort einen leitenden Notarzt, der gemeinsam mit der Leitstelle die Verteilung der Patienten auf die jeweiligen Krankenhäuser koordiniert. Die Abläufe sind im ManV-Konzept der Landesregierung festgelegt. Abhängig vom Schweregrad der Verletzungen und der Dringlichkeit der Behandlung werden die Patienten dann in die für die Behandlung jeweils am besten geeigneten Krankenhäuser verteilt (z.B. Brandverletzte in Kliniken, die auf diese Behandlung spezialisiert sind). Damit wird sichergestellt, dass in dem jeweiligen Krankenhaus ausreichend erforderliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wenn unseren Häusern solche Notfallpatienten zugewiesen werden, werden diese bei uns behandelt. Dazu können wir unsere Aufnahmekapazitäten kurzfristig erhöhen.“
Das betrifft allerdings nur die Erstversorgung. Die anschließende Versorgung muß möglicherweise in einem anderen Krankenhaus durchgeführt werden: „Die Erstversorgung von Notfallpatienten ist in unseren Krankenhäusern sichergestellt, eine eventuell erforderliche anschließende Weiterverlegung wird dann organisiert.“

SLK: „Verteilung der Lasten“ über das TraumaNetzwerk Nord-Württemberg

Für solche hypothetischen Fälle steht, so Mathias Burkhardt, Pressesprecher der SLK-Kliniken, ein Netzwerk von Kliniken bereit: „Die Situation eines „ManV“ ist immer ein Ausnahmezustand. Innerhalb dieses Ausnahmezustandes werden wir, gemäß unserem Versorgungsauftrag, auch in dieser Situation versuchen, alle betroffenen Patienten medizinisch optimal zu versorgen. Im Rahmen des „TraumaNetzwerk Nord-Württemberg“, zu dem das „Überregionale TraumaZentrum“ im Klinikum am Gesundbrunnen gehört, findet gegebenenfalls dann eine Verteilung der Lasten statt.“

Weiterbehandlung von Patienten nicht unbedingt in der Klinik der Erstversorgung

Dem TraumaNetzwerk Nord-Württemberg gehört neben den SLK-Kliniken auch das Klinikum in Ludwigsburg an. Das CARITAS-Krankenhaus in Bad-Mergentheim ist allerdings Teil des TraumaNetzwerk Nordbayern.

Auch das DIAKONEO in Schwäbisch-Hall ist vorbereitet: „Die Krisenpläne am Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall haben Szenarien für ManV definiert. Sollte der ManV eintreten, werden sie abgearbeitet.“ Die Verlegung von Patienten ist üblich: „Schon unter normalen Umständen gehören Verlegungen an andere Häuser zu den gängigen Maßnahmen bei einem ManV.“

Blick auf die Belastung des Personals

Unter Corona leiden nicht nur die Patienten, auch das Personal in  den Krankenhäusern arbeitet nun seit gut zwei Jahren unter höchster Anspannung. Sowohl der reine Arbeitsaufwand, als auch das Leid der Patienten, auch das Sterben der Patienten, wirken belastend. Das wird auch Außenstehenden klar, wenn man beispielsweise in der ARD-Dokumentation „Charité-intensiv“ Bilder aus dem Inneren einer COVID-Station sieht.

 

Screenshot aus der ARD-Doku „Charité-intensiv“

„an einer Belastungsgrenze“

Auch die Krankenhäuser wissen um die Situation ihre Beschäftigten. Kurz und knapp äußert sich Markus Wagner vom DIAKONEO-Verbund dazu: „Die Lage für alle Mitarbeitenden im Haus ist angespannt.“
Deutliche Worte findet Mathias Burkhardt: „Das gesamte medizinische Personal im Covid-Bereich ist an einer Belastungsgrenze – sowohl physisch als auch psychisch. Die Behandlung von Corona-Patienten über einen so langen Zeitraum ist sehr herausfordernd.“

Einen Herbst und Winter unter normaleren Arbeitsbedingungen gewünscht

Lobende und aufmunternde Worte findet Ute Emig-Lange für das Personal der BBT-Gruppe: „Wie in allen Krankenhäusern, die in den zurückliegenden Wellen der Pandemie in starkem Maß gefordert waren, ist nur zu verständlich, dass auch unserer Kolleginnen und Kollegen – nicht nur in der Pflege – sich den Herbst und Winter unter normaleren Arbeitsbedingungen gewünscht hätten. Die erneute Anspannung verlangt allen, die sich für eine gute Versorgung unserer Patientinnen und Patienten verantwortlich fühlen, erneut eine große Kraftanstrengung ab. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen in Pflege und Medizin sind zum großen Glück für unser Gesundheitssystem  „Überzeugungstäter“ und haben die Berufe in erster Linie ergriffen, weil sie eine hohe soziale Verantwortung haben. Sie sind pragmatisch und schalten jetzt wieder um in den „Pandemiemodus“, um die Patienten weiter so gut wie möglich versorgen zu können.“

Worte erleichtern die Lage des Personals nicht

Diese Worte, die zwar die Anerkennung für die Leistung und die Belastung des Personals ausdrücken, können die Lage auf den Stationen allerdings nicht erleichtern. Ute Emig-Lange fügt im Namen der Mitarbeiter:innen hinzu, was eine Erleichterung bringen könnte: „Für Menschen, die sich trotz aller Warnungen bisher noch nicht haben impfen lassen, fehlt allerdings zunehmend das Verständnis.“

„Allein politischen Maßnahmen und das richtige Verhalten der Bevölkerung haben Auswirkungen auf die Infektionsraten.“

Die neuen, von der Politik vorgegebenen, Kennzahlen für die Beurteilung der Corona-Lage (GSCHWÄTZ berichtete), beispielsweise die Hospitalisierungs-Inzidenz, werden auch in den Krankenhäusern kritisch gesehen. Quoten und Kennzahlen allein helfen nicht, meint Markus Wagner: „Zur Bewältigung einer Pandemie sind Quoten wichtige Indikatoren, sie haben aber keinen Einfluss auf deren Verlauf. Allein politischen Maßnahmen und das richtige Verhalten der Bevölkerung haben Auswirkungen auf die Infektionsraten.“ Er appelliert an die Menschen: „Wir können deshalb nur jeden auffordern, sich an die verordneten Maßnahmen zu halten und Kontakte soweit möglich zu vermeiden, um einen Überlastung der medizinischen Versorgung nicht nur für Corona-Infizierte, sondern für jeden Erkrankten zu vermeiden.“

„Die Inzidenz ist die maßgebliche Größe zur Vorbereitung auf das, was auf uns zukommt.“

Als Planungsgrundlage für das Krankenhaus sieht er weiterhin die Inzidenzen: „Statistik-Experten können anhand aktueller Infizierungsraten berechnen, wie viele Menschen etwa zwei Wochen später stationär versorgt werden müssen.“ Mathias Burkhardt schließt sich dieser Meinung an: „Für uns als SLK-Verbund war und ist die Inzidenz die maßgebliche Größe zur Vorbereitung auf das, was auf uns zukommt.“ Auf die Frage, ob die Hospitalisierungsrate zu spät warnen würde, meint Burkhardt: „Was die Hospitalisierungsquote betrifft, ist dies – für Krankenhäuser gesehen – der Fall. Es ist sozusagen eine „Pandemiebetrachtung im Rückspiegel“, die keinen Einfluss auf unsere Planungen hat“.  Er differenziert aber: „Für das öffentliche Leben ist dies anders zu bewerten.“

Text: Matthias Lauterer

 




Öhringer Weihnachtsmarkt soll weiterhin stattfinden

Trotz Absagen in der Region, laufen die Vorbereitungen für den Öhringer Weihnachtsmarkt weiter. Die Stadtverwaltung teilt mit, dass sie an ihren Plänen, den „Winter, Wunder, Weihnachtsglanz“ ab dem ersten Adventswochenende stattfinden zu lassen, festhalten will. „Wir wissen, dass es diese Woche eine neue Corona-Verordnung geben soll, aber wir wissen noch nicht, wie diese konkret aussehen wird. Ziel ist, die Umsetzung innerhalb der geltenden Regeln hinzubekommen. Unser Hygienekonzept steht“, so Stadtsprecher Michael Walter in der Pressemitteilung.

Keine Veranstaltungen in den Innenräumen

Das Konzept sieht bisher vor, dass es auf dem Marktplatz und im Schlosshof nur einen reinen Warenverkauf gibt. Dort gelten die gleichen Regeln wie für den Einzelhandel sowie Maskenpflicht. Alle Veranstaltungen in Innenräumen sind abgesagt. Gastronomische Angebote werden von den örtlichen Gastwirten unter Einhaltung der 2G-Regel angeboten. Neu ist seit heute, dass die Dampfeisenbahn auf dem Marktplatz nicht fahren wird. „Schweren Herzens haben wir uns gegen das vor allem bei Kindern beliebte Bähnle entschieden. Dies hat vor allem sicherheitstechnische Gründe, da Abstände beim Fahren und Warten nur mit viel Aufwand eingehalten werden können. Daher muss die Öhringer Dampfbahn dieses Jahr leider nochmals im Lokschuppen in Friedrichsruhe bleiben“, sagt Kultur- und Veranstaltungsleiter David König.

„Das erste Wochenende ist entscheidend“

„Wir appellieren an alle Besucher verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Bitte halten Sie Abstand und tragen Sie eine Maske auf dem Marktgelände. Denken Sie daran, Ihren Impfnachweis für die Gastronomie bereitzuhalten und halten Sie sich an die aktuellen Regeln. Es wird Kontrollen geben. Das erste Adventswochenende und die Vorgaben des Landes werden entscheidend für die Fortsetzung des Weihnachtsmarktes sein“, appelliert Stadtsprecher Michael Walter. Die Polizei wird das Ordnungsamt bei den Kontrollen unterstützen.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Öhringen