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Untergang der Titanik?

Es rumort schon lange in Garnberg, seitdem Christian Berner vor einigen Jahren beschlossen hat, mit der Konzernspitze nach Köln abzuwandern. Das Mutterschiff in dem kleinen Künzelsauer Teilort Garnberg trudelt seitdem vermeintlich etwas führungslos durch die Jahre.

Wohin geht’s mit de Standort Garnberg in den kommenden Jahren?

Immer wieder in den vergangenen Jahren gab es ähnliche Äusserungen von unterschiedlichen Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Bereichen, unter anderem dahingehend, dass sie nicht wissen, wohin die Reise für den Konzern am Standort Garnberg gehen soll, mit einem dicken Verweis auf Kündigungen des Konzerns oder durch Mitarbeiter:innen, die freiwillig gehen, deren Stellen aber teilweise nicht wieder voll besetzt würden, so dass die offenen Aufgaben auf den Rest der Belegschaft aufgeteilt werden würden. Auch die vergangenen Monate soll es wieder diverse (Eigen-)Kündigungen gegeben haben.

Angst und Unsicherheit

„Man kommt sich ein wenig wie beim Untergang der Titanik vor und wir sind das Orchester, das bis zum Schluss spielt“, hat ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, unlängst zur Zukunft in Garnberg geäussert. Von „den Standort ausbluten lassen“ ist die Rede. Diverse Mitarbeiter:innen vermissen eine offene Kommunikation, wohin die Reise für den Standort Garnberg gehen soll und welche Strategie das Unternehmen verfolge. Es herrsche Angst und Unsicherheit vor der Zukunft.

Das Unternehmen selbst verweist auf Umsatzwachstum in diversen Bereichen, aber Umsatz ist nicht gleich Gewinn

Bringt man die Sorgen und Nöte von Teilen der Belegschaft bei Berner direkt vor und konfrontiert den Konzern mit den Äusserungen, antwortet Pressesprecher Stefan Suska unter anderem mit einem Verweis auf eine relativ aktuelle Pressemitteilung des Unternehmens, die den Titel trägt: „BERNER Group wächst im ersten Halbjahr um mehr als 10% und stellt zwei neue Umsatzrekorde auf.“ .

Suska: „Wer beim Umsatz wächst und wer dies zudem nachhaltig und profitabel schafft, der benötigt natürlich langfristig mehr Mitarbeiter. Daher plant die Gruppe europaweit und auch in Deutschland die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze. Und damit haben wir schon angefangen.“ Momentan seien 103 offene Stellen im Berner System:
https://recruitingapp-5178.de.umantis.com/Jobs/1?lang=ger&tc66856=p2&amp=&_search_token66856=2002393214#connectortable_66856

Christian Berner warnt schon mal für schlechte Zeiten vor

Die Pressemitteilung kann mittlerweile allerdings nicht mehr direkt auf der Internetseite von Berner selbst abgerufen werden (Diese trug den markigen Titel: „Höchster Umsatz in der Unternehmensgeschichte“, Stand: 16.12.2021), auf diversen Medienportalen wie rp-online ist sie jedoch nach wie vor öffentlich einsehbar. Jeder Betriebswirtschaftler weiß natürlich, dass in Zeiten von Corona vermutlich viele Unternehmen bahnbrechende Umsatzrekorde bei Online-Bestellungen aufweisen (bei Berner immerhin 40 Prozent laut Berner) und dass ein Unternehmen, dass den „höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte“ eingefahren hat, nicht automatisch gesund sein muss und / oder gleichzeitig einen guten Gewinn hat. Ebenso kann man, selbst wenn dem so wäre, nicht automatisch daraus schließen, was aus dem Standort Garnberg letztendlich wird.

Über den Gewinn sagt das Unternehmen nichts. Christian Berner allerdings warnt schon mal für schlechte Zeiten vor, wenn er sagt: „Zeiten wie diese haben wir alle selten erlebt. Nach Corona sehen wir nun eine globale Handelskrise, was einen verlässlichen Ausblick auf die Umsatzentwicklung unmöglich macht.“

Es grassieren Gerüchte um einen Investor

Im Unternehmen selbst grassieren Gerüchte, dass die Personalkosten heruntergefahren werden sollen, um den Weg frei für einen Investor zu machen. Unter anderem auch das Jeansunternehmen Mustang in Künzelsau wurde so aufgekauft.

Stefan Suskas Antwort auf die GSCHWÄTZ-Presseanfrage zum Standort Garnberg zielt fast völlig an allen Fragen bezüglich des Standorts Garnberg vorbei. Unsere Fragen:

  1. Wie viele Menschen arbeiten am Standort Garnberg?
  2. Wie viele Menschen haben am Standort Garnberg 2011 gearbeitet?
  3. Welche Abteilungen sind gewachsen von der Mitarbeiterzahl, welche sind kleiner geworden bezogen auf die Mitarbeiterzahl (in den vergangenen 2 Jahren, bezogen auf den Standort Garnberg)?
  4. Wie viele Menschen haben in den vergangenen 6 Monaten am Standort Garnberg gekündigt, wie viele wurden in diesem Zeitraum von Berner entlassen? Sind diese Zahlen höher als üblich oder üblich?
  5. Gibt es durch Weggänge eine Zusammlegung von Arbeitsbereichen? Konkret haben Mitarbeiter:innen bemängelt, dass bei einem Weggang eines Mitarbeiters die Stelle nicht neu besetzt werden würde, sondern teilweise die Bestandsmitarbeiter:innen dauerhaft die unbesetzten Arbeitsbereiche langfristig mit übernehmen müssten. Ist das korrekt?
  6. Wie viele Menschen arbeiten in Köln 2021 und wie viele Menschen haben 2011 am Standort Köln gearbeitet?
  7. Mitarbeiter:innen vermissen eine gewisse Wertschätzung den (langjährigen) Mitarbeiter:innen in Garnberg gegenüber. Kann Christian Berner das nachvollziehen? Wie oft ist Christian Berner am Standort Garnberg vor Ort bei den Mitarbeiter:innen?

Auf nochmalige Nachfrage und der Bitte, die Fragen zum Standort Garnberg zu beantworten, teilt Suska lediglich lapidar mit: „Die Zahl der Mitarbeiter am Standort Garnberg schwankt seit Jahren in den marktüblichen Entwicklungen unverändert rund um die Marke 1.000.“

In einer weiteren Mail betont Suska wiederum: Die Behauptung „vermissen …transparente Kommunikation“ ist falsch:
Einmal im Monat stehen Betriebsrat und Geschäftsführung allen Mitarbeitern in einer Mitarbeiterversammlung Rede und Antwort.
Fragen können auch gern im Vorfeld eingesandt oder im Nachgang eingereicht werden. Es gibt da keine Restriktionen.
Jede Frage wird beantwortet.“ Bleibt zu hoffen, dass Berner die Fragen der Belegschaft besser beantwortet als die der Presse.

Personalveränderungen

Nicht zum ersten Mal hat Christian Berner, seitdem er von seinem Vater den Chefsessel übernommen hat, das Personalkarussell in den Führungsetagen gedreht, nun, an Nikolaus (06. Dezember 2021) gab Berner weitere Änderungen bekannt: „Ab dem 1. Januar 2022 wird Dr. Wolfgang Zahner (Foto, links) die Geschäftsführung der Unternehmen Albert Berner: Deutschland und der BTI übernehmen. Er folgt auf Joachim Kürten (rechts), der seit Juli als Regional Senior Vice President die Region Zentral/Nord führt. Wolfgang Zahner berichtet direkt an Joachim Kürten. Als Geschäftsführer an den Standorten am Garnberg und in Ingelfingen wird der promovierte Diplom-Kaufmann
Wolfgang Zahner die unternehmerische, operative, umsatz- und ergebnisverantwortliche Steuerung der beiden
Unternehmen verantworten und beide Unternehmen erfolgreich weiterentwickeln. Dr. Wolfgang Zahner kommt direkt von der Hilti Deutschland AG, wo er mehr als 13 Jahre verschiedene Führungsaufgaben in den Bereichen Produktmanagement, Marketing und Vertrieb erfolgreich gelöst hat. Zuletzt war Wolfgang Zahner als Head of Marketing bei Hilti Deutschland Süd für rund 800 Mitarbeiter im Vertrieb und Marketing verantwortlich.“

Berner

Berner selbst beschreibt sich auf seiner Internetseite folgendermaßen: „Die Berner Group ist ein familiengeführtes europäisches Handelsunternehmen. Unsere Vision lautet: „We keep the world together and moving“. Das heißt, wir sind der zentrale B2B-Handelspartner für alle Materialien im Bereich Wartung, Reparatur und Produktion für unsere Kunden im Bau-, Mobilitäts- und Industriesektor. Mit über vier Kanälen schaffen wir für unsere Kunden ein integriertes Omnichannel-Einkaufserlebnis. Im Bereich von Stahl und CTeilen sowie im Bereich der Chemie sind wir gleichzeitig innovativer Hersteller. Wir sind mit über 200.000 Artikeln
und 8.200 Mitarbeitern in über 23 Ländern für unsere Kunden vertreten.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




Polizei kontrolliert Masken im Nahverkehr: Fast ein Drittel Beanstandungen

Im Rahmen der Pandemiebekämpfung kommt einer flächendeckenden und kontinuierlichen Überwachung der erlassenen Verordnungen eine besondere Bedeutung zu. Aus diesem Grund haben erneut mehrere Polizeireviere, darunter die Dienststellen Heilbronn, Neckarsulm und Öhringen sowie Beamtinnen und Beamte der Bereitschaftspolizei am vergangenen Freitagnachmittag Kontrollen durchgeführt, um die Einhaltung der Maskentragepflicht im öffentlichen Raum sowie im Umfeld des ÖPNV zu überwachen. Insgesamt waren fast 50 Einsatzkräfte in den Zuständigkeitsbereichen der drei Polizeireviere unterwegs und kontrollierten in den Innenstädten, an Haltestellen, in Bahnhöfen sowie in Bussen und Bahnen.

Polizei wird auch weiter kontrollieren

Dabei wurden rund 650 Personen kontrolliert. 210 Personen trugen keine Mund-Nasen-Bedeckung oder hatten diese falsch angelegt. Bei diesen Kontrollen wurde deutlich, dass polizeiliche Überwachungen weiterhin notwendig sind, aber andererseits die meisten Menschen sich an die aktuellen Regeln halten und ihren Beitrag im Kampf gegen das Virus leisten. Weitere Maßnahmen sind bereits in dieser Woche geplant.

Pressemeldung Polizei Heilbronn

 




Hohenlohekreis: Keine nächtliche Ausgangssperre mehr für Ungeimpfte

Ab heute, 15. Dezember 2021, entfällt die nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte im Hohenlohekreis.

Laut der Corona-Verordnung von Baden-Württemberg tritt in Kreisen, in denen die Inzidenz über 500 liegt, eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte in Kraft. Wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen wieder niedriger als 500 liegt,  wird diese Ausgangssperre aufgehoben.

Inzidenz liegt seit fünf Tagen unter 500

Das Gesundheitsamt teilt mit, „dass an fünf aufeinanderfolgenden Tagen (vom 10.12.2021 bis zum 14.12.2021) die für den Hohenlohekreis durch das Landesgesundheitsamt veröffentlichte Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) den Schwellenwert von 500 unterschritten hat“ und dass damit die Ausgangssperre außer Kraft tritt.

Es gelten weiterhin die Regeln der Alarmstufe II, über die die Landesregierung hier informiert.




Ingelfingen: Bürgermeister Michael Bauer stellt sich zur Wiederwahl

Eine große Neuigkeit wird Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer am morgigen 14. Dezember 2021 nicht mehr verkünden, steht der Inhalt seiner Erklärung doch bereits im Amtsboten: „Bürgermeister Bauer wird vor der Gemeinderatsitzung eine Erklärung abgeben, dass er für eine dritte Amtsperiode kandidieren wird“. Auch der Ausschreibungstext, über den der Gemeinderat abstimmen wird, für die Bürgermeisterwahl enthält bereits den Passus, dass der Amtsinhaber zur Wahl antritt.

Die Wahl findet voraussichtlich am 3. April 2022 statt, ein eventueller zweiter Wahlgang ist für den 24. April 2022 geplant – sofern der Gemeinderat am Dienstag, den 14. Dezember 2021, diesen Terminen zustimmt.




Dranbleiben – Weitere Impfmöglichkeiten in Künzelsau:

Die Stadt Künzelsau informiert über weitere Impfmöglichkeiten in Künzelsau:

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen ist groß. Deshalb schafft auch die Stadtverwaltung Künzelsau an einzelnen Tagen zwei weitere Impfstationen in den ehemaligen Räumen des Notariats in Künzelsau und in der Bergstation im Stadtteil Taläcker.

„Helfen Sie mit, die Pandemie endlich einzudämmen und lassen Sie sich impfen“, ruft Bürgermeister Stefan Neumann auf. „Schützen Sie sich und Ihre Umgebung, damit wir auf Kontakteinschränkungen, Abstandsgebote, Masken, Testen verzichten können und uns wieder uneingeschränkt treffen können.“

Folgende Impfangebote bestehen aktuell in Künzelsau:

  • Donnerstag, 16. Dezember 2021: 13 bis 20 Uhr im ehemaligen Notariat Zelyk, Stuttgarter Straße 7 (neben dem Rathaus)
  • Freitag, 17. Dezember 2021: 13 bis 20 Uhr im ehemaligen Notariat Zelyk, Stuttgarter Straße 7
  • Samstag, 18. Dezember 2021: 10 bis 17 Uhr, Bergbahnstation Taläcker.

Terminbuchung erforderlich

Eine Terminbuchung ist erforderlich: https://www.terminland.eu/dranbleiben-impfen-in-kuenzelsau/
Es werden Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen mit Biontech, bei Bedarf auch Moderna angeboten. Eine FFP2-Maske ist erforderlich. Ein Impfpass und ein amtliches Ausweisdokument müssen mitgebracht werden.

Feste Impfstationen im Hohenlohekreis

  • Künzelsau: dienstags und freitags von 18 bis 20 Uhr, sonntags ab 9 Uhr, im Gebäude des ehemaligen Krankenhauses in der Notfallambulanz.
  • Pfedelbach: montags, mittwochs und donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags ab 9 Uhr; Nobelgusch Pfedelbach.

Eine Terminvereinbarung bei der zentralen Anmeldestelle unter https://welle-brechen.de/hohenlohe/ ist zwingend erforderlich. Möglich sind Erst- und Zweitimpfungen sowie Boosterimpfungen.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 




Es herrsche ein großer Leistungsdruck

In den letzten Wochen waren mehrfach Infostände der IG Metall vor dem Werksgelände von ebmpapst aufgebaut. Gewerkschaftsmitglieder wollten sich ein  Bild über die Situation der Beschäftigten machen und führten dort Gespräche mit Mitarbeitern und führten eine Umfrage durch.

Erfolgreiche Verhandlungen mit DOMETIC

Hintergrund ist, dass die IG Metall bei ihrer Arbeit in Krautheim, wo in Verhandlungen ein Beschäftigungssicherheitspakt für die Beschäftigten bei Dometic bis 2027 erreicht wurde, auf ebm hingewiesen wurde.  Die Umfrage ergab, so Uwe Bauer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Schwäbisch-Hall, ein klares Bild:

Klare Aussagen der Arbeitnehmer:innen

Eingruppierungen beim Lohn werden als willkürlich empfunden, es herrsche ein hoher Leistungsdruck, 91 Prozent der Umfrageteilnehmer fordern einen Tarifvertrag mit mehr Geld und festen Regeln, der aktuelle Betriebsrat wird stark kritisiert, er sei geschäftsleitungsnah.

Uwe Bauer berichtet, dass die Geschäftsleitung zwar großen Wert darauf gelegt habe, dass die Gewerkschaft ihre Infostände anmeldete, auf eine Bitte zu einem Gespräch hätte die  Geschäftsleitung nicht einmal geantwortet. „Anmelden war Ihnen wichtig, die Belange der Beschäftigten scheinen ihnen weniger wichtig zu sein.“

2020 sollten laut Bauer viele indirekte Beschäftigte gehen, die Mitarbeiter berichten ihm von Druck, Aufhebungsverträgen und vielen Eigenkündigungen. Das sei ungewöhnlich in dieser Schärfe, sagt Bauer. Vor allem das neue Lohn-Eingruppierungssystem LEIV werde von Vielen als willkürlich betrachtet, daher bestünden „schwere Befürchtungen“ bei den indirekten Mitarbeitern, bei denen ab dem 1.April ein neues Bewertungssystem eingeführt werden soll.

IG Metall will im März 2022 bei der Betriebsratswahl antreten

Deswegen will die IG Metall mit einer schlagkräftigen Liste bei der Betriebsratswahl 2022 antreten. Der derzeitige Betriebsrat zeige Unprofessionalität – im aktuellen Mitarbeitermagazin habe der Betriebsrat über die Regelungen zur Betriebsratswahl falsch informiert.

Rückblickend ist Bauer mit dem Erreichten bei WÜRTH und DOMETIC zufrieden: Bei WÜRTH seien inzwischen zehn Betriebsräte in der IG Metall organisiert, die Betriebsratsarbeit sei fruchtbar und konstruktiv. Auch die Geschäftsleitung würde den Betriebsrat ernstnehmen. Bei DOMETIC hat die IG Metall gerade eine Beschäftigungssicherung bis 2027 erreicht.

Ein Wunschzettel für ebm. Foto: IG Metall

Diese Erfolge nimmt die IG Metall zum Ansporn, auch bei ebm den Wahlkampf um die Betriebsratsmandate aufzunehmen.

„Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen“

Zu guter Letzt spricht die Gewerkschaft die Geschäftsleitung von ebm direkt an: „Wir haben keinen Fachkräftemangel, wir haben einen Arbeitskräftemangel.“ Richtig gute Leute würden das Unternehmen ebm verlassen – das sei kein Wunder: In tarifgebundenen Unternehmen können sie über 20 Prozent mehr verdienen. „Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeiter bleiben.“

Text: Matthias Lauterer

 




„Wir haben immer noch eine Krisenzeit und die Folgen davon sind noch nicht absehbar“

„Wir haben immer noch eine Krisenzeit und die Folgen davon sind noch nicht absehbar“, begann Claudia Müller, Leiterin des Jugendamtes im Hohenloher Landratsamt, die Vorstellung des Teilhaushaltes 2022 für die Kinder- und Jugendhilfe. „Wir haben bereits Schritte eingeleitet“, sagte sie bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses in der Künzelsauer Stadthalle am Dienstag, den 23. November 2021. „Doch die Herausforderungen werden nicht kleiner.“ Für das Jahr 2022 ist im Haushaltsentwurf des Hohenlohekreises für die Kinder- und Jugendhilfe ein finanzieller Aufwand von knapp 22 Millionen Euro veranschlagt. Der Jugendhilfeausschuss stimmt dem Haushaltsplan zu, über die endgültige Annahme entscheidet der Kreistag am Montag, den 13. Dezember 2021.

Steigerung im Vergleich zu 2021

Etwa 5,5 Millionen Euro davon stammen aus Erträgen, rund 16,5 Millionen kommen aus Zuschüssen, was einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (15,4 Millionen Euro) von rund einer Million entspricht. Die Steigerung im Haushaltsplan sei vor allem auf tarifliche Steigerungen bei den frühen Hilfen zurückzuführen, aber auch auf die Pandemie-Folgen. „Corona fordert immer noch“, meinte Müller in ihrem Vortrag. „Auch wenn wir die Herausforderungen bisher gut gemeistert haben.“

„Damit soll eine gute Entwicklung sichergestellt werden“

„Das sind hauptsächlich Zusatzbedarfe durch Corona“, erklärte die Amtsleiterin. „Die Auswirkungen der Pandemiebekämpfung sind noch nicht klar zu sehen.“ Wir haben in dem Haushalt abgebildet, was notwendig ist, um eine gute Entwicklung sicherzustellen, gerade auch unter den speziellen Rahmenbedingungen, wie wir sie jetzt eben haben. “ Im kommenden Jahr fördert das Amt im Bereich der Schulsozialarbeit knapp 23 Stellen an 25 Schulstandorten. „Im laufenden Jahr sind es dann noch 23 Standorte und eine Stelle weniger“, erläuterte Müller weiter. „Das beinhaltet auch zwei Neuanträge für Schulsozialarbeit an den beiden SBBZ in Künzelsau und Öhringen.“

„Hier sind auch die Elternbildungsprojekte enthalten“

Eltern frühzeitig in ihrer Erziehungsverantwortung stärken ist das Ziel des Teilbereichs Förderung der Erziehung in der Familie. „Das beinhaltet unter anderem die Elternbildungsprojekte, die frühen Hilfen, aber auch den betreuten Umgang, die Betreuung und Versorgung in Notsituationen und die gemeinsame Unterbringung von Vätern oder Müttern mit Kindern sowie unser Modellprojekt sozialpädagogische Beratung in der Kita“, so Müller weiter. Erträge für 2022 sind einmal 10.000 Euro aus Transferleistungen – beispielsweise Beiträge der Eltern in der gemeinsamen Unterbringung von Müttern oder Vätern mit ihren Kindern. „Diese sind aber nur zu haben, wenn die Eltern ein eigenes Einkommen haben“, relativierte Müller. Rund 75.000 Euro sind aus Kostenerstattungen und -umlagen. Hier sind Zuschüsse vom Land sowie aus der Bundesstiftung für die Projekte Stärke und frühe Hilfen dabei.

Modellprojekt gestartet

Endlich konnte auch das Modellprojekt „Beratung in der Kita“ starten, das wegen Corona um ein Jahr verschoben wurde. „Wir freuen uns sehr, dass das Projekt inzwischen an beiden Standorten begonnen hat“, sagte Müller. „Es läuft seit 01. Oktober in Niedernhall und seit dem 01. November in Pfedelbach.“ Bei der gemeinsamen Unterbringung von Vätern und Müttern mit ihren Kindern sei der Ansatz unverändert, aber dennoch wurde diese Hilfeart gestärkt und es sollen unter Umständen beide Elternteile oder ein Elternteil zusammen mit Partner untergebracht werden kann. „Eine Voraussetzung ist hier, dass hier ein wesentlicher Teil der Versorgung des Kindes übernommen wird.“

„Hier steckt der größte Teil der Steigerung drin“

„Unser Haupt- und Kernprodukt sind die individuellen Hilfen für junge Menschen und Familien“, führte die Jugendamtsleiterin weiter aus. „Hier steckt auch der größte Teil der Steigerung drin.“ Darin ist auch der gesamte Bereich der Hilfe zur Erziehung und die Erziehungsberatungsstelle enthalten. Hier wird im Jahr 2022 mit einem Bedarf von rund 11 Millionen Euro kalkuliert, was einem Mehraufwand von etwa 1 Million entspricht. „Der Schwerpunkt der Erhöhung liegt im ambulanten Bereich“, so Müller. „Da haben wir massive Erhöhungen in den Teilzahlen, die scheinen sich auf einem hohen Niveau einzupendeln.“ Sie steigen momentan nicht mehr, gehen laut Müller aber auch nicht wesentlich zurück. Auch im Teilbereich der Heimerziehung gebe es Entwicklungen. „Insgesamt steckt auch hier eine Entgeltsteigerung um zwei Prozent drin.“

Erhöhung bei den flexiblen Hilfen

Besondere Veränderungen gibt es vor allem im Bereich der ambulanten Hilfen. Eine deutliche Erhöhung der Aufwendungen gibt es bei den flexiblen Hilfen – vor allem aufgrund des Angebots in Pfedelbach, deretwegen dort die soziale Gruppenarbeit eingestellt wurde. „Wir haben weiterhin hohe Kosten vor allem bei der Schulbegleitung“, erläuterte Müller. „Wir gehen davon aus, dass die Aufwendungen weiterhin nach oben gehen.“ Für das Jahr 2022 sind für die ambulanten Hilfen Aufwendungen von rund 1,3 Millionen Euro eingeplant. Das sind 50.000 Euro mehr als im Jahr davor. „Es ist nach wie vor so, dass wir sehr hohe Stundenumfänge vor allem in der Schulbegleitung haben.“ Noch nicht abschließend einschätzbar sind die Auswirkungen der Schul- und Kitaschließungen und sonstigen pandemiebedingten Einschränkungen auf bereits vorhandene psychische Störungsbilder.

„Das ist eher ein symbolischer Beitrag“

„Das Land beteiligt sich mit einer Pauschale für die Aufwendungen, die sowohl dem Jugendhilfeträger als auch dem Sozialhilfeträger für die Schulbegleitung entstehen“, führte Müller weiter aus. Das ist aber laut der Jugendamtsleiterin eher ein symbolischer Beitrag. Außerdem steht seit dem Schuljahr 2019/2020 eine Einigung mit dem Kultusministerium aus, wie dieser Beitrag weiterhin gestaltet sein soll. „Die Beträge, die wir bisher erhalten haben, sind im Rahmen von Abschlagszahlungen geleistet worden.“ Umgerechnet auf einen Pro-Kopf-Betrag erhalte die Jugendhilfe so einen Ausgleichsbetrag von 3.500 Euro pro Kind und Schuljahr.

„Hier sind auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dabei“

Zum ambulanten Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gehören unter anderem die Teilbereiche Erziehungsbeistand und sozialpädagogische Familienhilfe. Auch hier sei eine deutliche Zunahme der Fallzahlen festzustellen – rund 40 Prozent davon sei auf coronabedingte Umstände zurückzuführen. Was eine Steigerung für 2022 um rund 355.000 Euro auf etwa 1,3 Millionen bedeutet. „In diesem Ansatz sind noch fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beziehungsweise Volljährige drin, die auch noch Unterstützung erhalten.“ Auch bei den teil- und vollstationären Hilfen gibt es „einige Entwicklungen“. Hier sind noch drei unbegleitete minderjährige Ausländer dabei. Insgesamt sind hier Aufwendungen über rund 2,5 Millionen Euro eingeplant, 300.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt gibt es Aufwendungen für 13 minderjährige und junge volljährige Ausländer in einer Höhe von rund 427.530 Euro. „Welche Entwicklungen hier möglicherweise auf die Jugendhilfe zukommen, ist aktuell nicht absehbar“, so Müller. Ein weiterer Anstieg der Fallzahlen könne man nicht ausschließen.

„Eine allgemeine Depression macht sich breit“

Laut der Jugendamtsleiterin zeigen die Corona-Maßnahmen „auf unterschiedlichen Ebenen“ ihre Auswirkungen und sie sehe, dass sich eine allgemeine Depression breitmache. Was ihrer Ansicht nach bedeutet, „sich gegenseitig zu unterstützen und sich Mut zuzusprechen“. Sie begrüßte, dass Schulen und Kitas offen bleiben sollen, „egal wie sich die Lage weiterentwickelt“. Selbst gestalten könne hier das Jugendamt mit dem Projekt „Corona und Familie – Wege aus der Krise“. Allerdings sei die Pandemie nicht die einzige Herausforderung für die Jugendhilfe in den nächsten Jahren. „Die mit Abstand größte und interessanteste Aufgabe hat die Jugendhilfe mit der umfassenden Reform des Kinder- und Jugendstärkegesetzes“ – die größte Reform in diesem Bereich seit 1992.

„Es gab einen Rückgang bei den betreuten Kindern“

Marion Bringezu, Fachdienstleiterin der wirtschaftlichen Jugendhilfe, stellte den Teilbereich der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege vor. „Die Kindertagesbetreuung ist seit 2019 in besonderem Maße von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt war und teilweise noch ist“, begann sie. Sie zielte dabei auf die Lockdowns, Notbetreuungen und eingeschränkte Regelbetriebe ab. Deswegen sei es im Bereich der Kindertagespflege zu einem Rückgang der betreuten Kinder gekommen. „Wir sind da von 360 zwischenzeitlich mal auf 310 Kinder abgestürzt.“ Allerdings hätten sich die Betreuungszahlen im Jahr 2021 wieder eingependelt, auch wenn das Niveau von 2019 noch nicht wieder erreicht sei. Bei den Planungen für 2022 hänge auch vieles davon ab, wie sich die Situation weiterentwickelt. Die Ausgaben in 2022 sollen aber „wieder an die Ausgangslage vor Corona anknüpfen.“

„Die Erträge gingen hinter die Planungen zurück“

Die Fachdienstleiterin stellte kurz das Gute-Kita-Gesetz vor. Das besagt, dass seit 01. August 2019 Eltern, die Sozialleistungen beziehen, von einer Kostenbeteiligung sowohl in der Tagespflege als auch bei der Übernahme von Kindergartenbeiträgen befreit sind. Die Ausfälle sollen durch pauschale Ausgleichszahlungen kompensiert werden. „Für das Jahr 2022 ist hier mit Erträgen von rund 160.000 Euro zu rechnen.“ Eine Steigerung gibt es auch im Bereich der Kostenbeteiligung des Landes für die Kleinkindbetreuung. Berechnungsgrundlage ist hier die durchschnittliche Kinderzahl von 2020 und 2022, um hier eine „relativ gleichmäßige Entwicklung der Zahlen zu gewährleisten“. Dies ergibt einen Betrag von rund 1,5 Millionen Euro. Die tatsächliche Zuweisungssumme werde sich aber erst nachträglich erweisen, weil die Zahlen für 2022 ja noch nicht vorliegen. Bei den Über-Dreijährigen bemisst sich der Erstattungsbetrag an den tatsächlich genutzten Betreuungsstunden. Der Bereich der Randzeitenbetreuung vor und nach Kindergarten oder Schule ist rückläufig, weshalb dann auch die Zuwendungen vom Land geringer ausfallen. Außerdem wird mit Elternbeiträgen in Höhe von 55.000 Euro gerechnet beziehungsweise bei den Kleinkindern mit 405.000 Euro. Insgesamt seien die Erträge zuletzt aufgrund von Betreuungsausfällen und zurückgegangenen Kinderzahlen hinter den Planungen zurück.

Rund 1,8 Millionen für Unterhaltsvorschussleistungen

Birgit Stitz-Schad stellte den Teilbereich der Unterhaltsvorschussleistungen vor, der anschließend von dem Gremium einstimmig angenommen wurde. Im Jahr 2022 wird hier mit einem Aufwand von 1,8 Millionen Euro geplant. Der Bund beteiligt sich hier mit 40 Prozent, das Land mit 30 Prozent. Allerdings haben beide auch Anspruch auf einen Teil der bei den Eltern eingezogenen Gelder: der Bund zu 40 Prozent und das Land zu 20 Prozent. Allerdings seien die Rückholquoten mit rund 27 Prozent gut.

Bezahlt wird bis zum 18. Geburtstag

„Der Unterhaltsvorschuss hilft, die Lebensgrundlage zu sichern, wenn der andere Elternteil nicht oder nicht regelmäßig Unterhalt zahlt“, begann sie. Für diese staatliche Leistung gebe es keine Einkommensgrenze. Auch sei es seit 2017 möglich, von der Geburt bis zum 18. Geburtstag des Kindes zu zahlen. Dies bedeute erhebliche Mehraufwendungen sowohl bei den Leistungen als auch bei den Personal- und Sachkosten. „Die Auswirkungen von Corona sind auch hier weiterhin spürbar“, meinte Stitz-Schad. „Dies bedeutet eine vermehrte Antragstellung, aber auch eine geringere Möglichkeit der Rückholung von Unterhalt beispielsweise wegen Arbeitslosigkeit der Eltern.“ Gerade in dieser Zeit würden die anspruchsberechtigten Kinder eine reibungslose und zeitnahe Gewährung der Leistungen benötigen.

Text: Sonja Bossert




Kreishaus: In etwa zehn Jahren soll der neue Stadteingang Künzelsaus fertig sein

Die Planungen für das neue Kreishaus werden konkret: Am 30. November 2021 hat der Landkreis den Architektenwettbewerb für die Gestaltung des neuen Kreishauses gestartet. Im Rahmen der Kreistagssitzung vom 29. November 2021 erläuterte der Erste Landesbeamte Gotthard Wirth das Vorgehen und den Zeitplan für diesen Wettbewerb: Der Wettbewerb soll als „nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Verhandlungsverfahren nach VgV“ durchgeführt werden.

Architektenwettbewerb

Insgesamt wurde der Wettbewerb auf maximal 25 Architekturbüros beschränkt, von denen bereits sieben Büros benannt sind.  Der Teil A der Ausschreibung, die Formalien, steht interessierten Architekturbüros bereits zur Verfügung, der Teil B, die sogenannte Wettbewerbsaufgabe, wird noch fertiggestellt und soll den Büros bis zum 14. Januar 2022 ausgehändigt werden.

Preisgericht soll bis Ende Juli 2022 entscheiden, Baubeginn soll 2023 sein

Fast ein halbes Jahr haben die Büros danach Zeit, ihre Vorschläge zu erarbeiten und einzureichen. Am 1. Juli 2022 soll das Preisgericht entscheiden, danach ist bis Ende Juli das Verhandlungsverfahren geplant, um die Vergabe durch den Kreistag vorzubereiten. Die Vergabe ist für die Kreistagssitzung vom 26. September 2022 geplant, danach können die Planungen Fahrt aufnehmen. Der Baubeginn ist im ersten Halbjahr 2023 geplant.

Text: Matthias Lauterer

So stellen sich die Planer das neue Gesicht Künzelsaus vor – in etwa 10 Jahren. Deutlich zu sehen die neue Stadtachse zwischen Rathaus und Bergbahn, an der die Gebäude des Landratsamts liegen werden. Quer dazu ist Raum für die Trasse der Kochertalbahn. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat.

 

 

 




Höhere Beiträge für Kindertagesbetreuung

Bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags am Dienstag, den 23. November 2021, stimmte das Gremium der Anpassung der Kostenbeiträge in der Kindertagespflege zu. „Die Elternbeiträge müssen in der Kindertagespflege turnusgemäß fortgeschrieben werden“, sagte Marion Bringezu vom Landratsamt Hohenlohekreis, die die Zahlen vorstellte. Dies sei zum letzten Mal zum 01. September 2018 geschehen. Der Kostenbeitrag der Eltern wird anhand der Anzahl der Kinder und Betreuungsstunden errechnet. „Eine Anhebung ergibt sich sowohl für den Bereich der U3-Kinder als auch der Ü3-Kinder, da die Beitragssätze für Kinderkrippen und Regelkindergärten infolge Personal- und Sachkostensteigerungen entsprechend angestiegen sind“, hieß es in der Beschlussvorlage.

Die durchschnittliche wöchentliche Betreuungszeit betrage pro Kind rund 20 Stunden. Der Jugendhilfeausschuss rechnet durch die Anpassung der Kostenbeiträge je Betreuungsstunde mit einer Erhöhung der Erträge von rund 38.000 Euro im Jahr.

Keine Erhöhung für Familien mit vier oder mehr Kindern

Die Erhöhungen betragen zwischen zehn und 15 Cent je Stunde und Kind. Bei Kindern unter drei Jahren gestalten sich die Beiträge ab dem 01. Januar 2022 folgendermaßen: Eltern mit einem Kind zahlen 2,55 Euro je Stunde, mit zwei Kindern 1,90 Euro, mit drei Kindern 1,30 Euro. Bei Familien mit vier oder mehr Kindern bleibt der Beitrag bei 0,50 Euro.

Für die Kinder über drei Jahren zahlen die Familien mit einem Kind zukünftig 2,15 Euro je Stunde, mit zwei Kindern 1,65 Euro und mit drei Kindern 1,10 Euro. Auch hier bleiben die Beiträge bei Familien mit vier oder mehr Kindern unverändert bei 0,40 Euro.

Eltern, denen die Mittel fehlen, können einen Härtefallantrag stellen, was aber nach Aussage von Marion Bringezu nur bei knapp zehn Prozent der Fälle vorkomme.

Der Jugendhilfeausschuss stimmte der Anpassung der Kostenbeiträge einstimmig zu.

Text: Sonja Bossert




„Ohne Kontrollen, ohne Masken und alles eng an eng“

Üblicherweise geht der öffentliche Teil einer Gemeinderatssitzung mit dem Tagesordnungspunkt „Fragen aus dem Gemeinderat“ unemotional und sachlich zu Ende. Normalerweise werden an die Verwaltung Fragen gestellt wie, wann eine Baumaßnahme beendet sein wird. Nicht so bei der Sitzung am 07. Dezember 2021.

Winter-Lounge „ohne Kontrollen, ohne Masken und alles eng an eng“

Herbert Schneider von der FfK berichtet davon, wie er die Winter-Lounge wahrnimmt: „Die Lounge ist für mich nicht OK“, sagt er. „Keine Kontrollen keine Maskenpflicht und alles eng an eng“, beschreibt er die Situation und stellt die Fragen „Warum hat man das mit aller Gewalt gemacht?“ und „Wer zahlt das?“

Die zweite Frage ist für Bürgermeister Stefan Neumann leicht zu beantworten: „Die Werbegemeinschaft“.  Diese sei auch für die Einhaltung der Corona-Verordnung verantwortlich: „Wenn Sie etwas feststellen, teilen Sie uns das mit. Wir werden das dann gegebenenfalls zur Anzeige bringen.“ Nachdem die Stadt Künzelsau die Verantwortung für die Anzeigeerstattung vor einigen Tagen noch beim Landratsamt sah, verwundert diese Aussage.

„Das ist grenzwertig, was da abgeht“

Die Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Veranstaltung teilt auch Rainer Süßmann von den Freien – er ist kommissarischer Rektor der Georg-Wagner-Schule: „Das ist grenzwertig, was da abgeht“. Er spricht davon, dass die Inzidenz in Künzelsau „vielfach höher als im Hohenlohekreis“, „deutlich vierstellig“. [Die Inzidenzen wurden bisher nicht auf Gemeindeebene öffentlich gemacht. Die Anzahl der aktiven Fälle unter www. corona-im-hok.de läßt Süssmanns Aussage plausibel erscheinen. Red.] Ihm fehlt ein klarer Plan der Stadt Künzelsau für den Schutz der Kinder und prognostiziert, dass die Lage eskalieren wird. Er will bessere Information aus dem Krisenstab und erkundigt sich nach einem Plan für Omikron. Auch bemängelt er, dass potentiell positive Kinder zur Teststation geschickt werden, wo sie dann ohne Maske in der Schlage stehen würden.

… „dann sollen sie ihre Kinder eben testen lassen“

Stefan Neumann verweist darauf, dass er Vorgaben „von oben, vom Bund, vom Land“ brauche: „Wir setzen die Vorgaben um, aber die Vorgaben müssen gemacht werden.“ Spätestens als er „Wir können den Eltern nicht alles abnehmen. Wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder getestet werden, dann sollen sie sie eben testen lassen“ sagt, sind ungläubige Blickwechsel unter den Gemeinderät:innen sichtbar. Schließlich sollte Neumann über die Terminsituation im Testzentrum Bescheid wissen (GSCHWÄTZ berichtete).

Stadtverwaltunggen dürfen mehr tun als nur Vorgaben umzusetzen

Dass Stadtverwaltungen Möglichkeiten haben, mehr zu tun als nur Vorgaben einzuhalten, zeigen einige Rät:innen auf, wenn sie davon berichten, dass in Öhringen seit dem 5. Dezember 2021 Kinder in Kindertagesstätten getestet werden.  Außerdem sagt die Coronaverordnung eindeutig, dass „Weihnachtsmärkte, Stadt- und Volksfeste“ in der Alarmstufe II in der Alarmstufe untersagt sind. Es ist davon auszugehen, dass die Landesregierung durch diese Formulierung auf Ersatzveranstaltungen verweisen wollte, die Stadtverwaltung hätte durchaus einschreiten können.

„vielleicht ganz klug, das umzubenennen“

Lisa Möhler (SPD/GRÜNE) findet in unüberhörbarer Ironie „es war vielleicht ganz klug, das umzubenennen und von der Werbegemeinschaft durchführen zu lassen“, bevor sei auf das Thema zugeparkte E-Auto-Ladesäulen und bessere Kennzeichnung kommt. Allerdings geht es auch von dort direkt wieder auf Corona zurück, als Günther Voith, Leiter des Bürgeramtes mit „Wir machen nichts anderes als Corona“ antwortet und Stefan Neumann ihm, an Möhler gerichtet, beipflichtet: „Da haben Sie keine Ahnung, was da gerade abgeht!“

Fünf positive PCR-Tests pro Tag

Was da gerade abgeht, schildert Dr.Andrea Grups, Ärztin, allerdings aus ganz anderer Perspektive: Sie impfe viermal wöchentlich und würde das auch öfter tun und habe in ihrer Praxis jeden Tag fünf positive PCR-Tests. Die Lage auf den Taläckern bezeichnet sie in aller Deutlichkeit als „Durchseuchung“ und fordert Aufklärungsaktionen von der Stadt. Es kämen hauptsächlich Menschen zur Boosterimpfung, die dringend notwendigen Erstimpfungen kämen zu selten.

Sie berichtet davon, dass sich innerhalb von Familien die Quarantänezeiten über Wochen hinziehen, wenn die Familienmitglieder der Reihe nach positiv getestet werden und verweist auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die diese Situation mit sich bringt. „Ich glaube schon, dass sich die Stadt positionieren müßte!“

Neumann wirkt ratlos

„Mir ist das klar“, antwortet Neumann und wirkt dabei regelrecht ratlos: „Den Leuten, die das betrifft, ist das scheißegal. Es ist an den Leuten, das [die Impfung, Red] zu lassen oder auch nicht“, entgegnet er Grups. Statt auf die Anregung einer weiteren Informationsaktion einzugehen, verweist er auf die vorhandenen Banner an der B19 und berichtet aus der Stadtverwaltung, dass es auch dort einen harten Kern von Impfgegnern gebe – und dass es demnächst zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen bis hin zur Kündigung kommen könne.

Erfahrungen aus anderen Städten

Dabei zeigt die Erfahrung aus anderen Städten, dass gezielte Werbeaktionen vor Ort, beispielsweise im Einzelhandel,  und gegebenenfalls in Fremdsprache erfolgreich sein können. Auch das Landratsamt warb vor einiger Zeit für eine Impfbusaktion auf Taläcker in mehreren Sprachen.

Rainer Süßmann springt Grups zur Seite und will aus Gesprächen erkannt haben, dass die Impfunwilligkeit abnimmt: „So ganz dick ist das Brett nicht mehr, das wir bohren müssen.“

Text: Matthias Lauterer