Was für ein Jahr für Hohenlohe
(Doppelklick aufs Vorschaubild zeigt die gesamte Seite)
1
(Doppelklick aufs Vorschaubild zeigt die gesamte Seite)
„Am Anfang waren alle Besuche verboten“, erinnert sich Sabine Focken im Rahmen eines Couchgesprächs mit Dr. Sandra Hartmann über die Rolle der Kirche in der Pandemie. Im ersten Teil des Interviews sprach die 62-Jährige offen über den anfänglichen Rückzug ihrer Gemeindemitglieder und wie sie auch sich und ihre Arbeit neu definieren musste, um den veränderten Gegebenheiten gerecht zu werden.
Um wieder zu sich selbst und zueinander zu finden
Im zweiten Teil des Couchgesprächs geht es nun darum, welche Projekte die Gemeindemitglieder in Dörrenzimmern und Stachenhausen während der Pandemie ins Leben gerufen haben, um wieder zu sich selbst und zueinander zu finden.
Das wurde dann so eine Art Bewegung
„Am Anfang waren alle Besuche verboten. Daher hat unser Besuchskreisteam jeden Senior und jede Seniorin in der Gemeinde kontaktiert und gefragt: „Hast du einen Bibelspruch, der dir gut tut? Das wurde dann eine Art Bewegung. So haben wir angefangen, den Glauben wieder nach vorne zu holen“, erzählt Sabine Focken mit sichtlicher Begeisterung. Herausgekommen ist ein kleines Büchlein mit vielen Lieblingsstellen aus der Bibel und selbstgemalten Bildern.
Auch sie selbst haderte immer wieder
Aber so einfach war es nicht immer während der Pandemie. Auch sie selbst haderte immer wieder, wie auch andere Menschen in ihrer Gemeinde. „Am Anfang waren wir naiv. Wir dachten: Nach der ersten Welle haben wir sicher das Meiste überstanden. Dann kam die nächste und die nächste Welle. Das hat auch bei mir früher Frust ausgelöst. Jetzt entspanne ich mich schneller und warte ab.“ Dankbar ist Sabine Focken, weil sich viele Türen nicht nur geschlossen, sondern auch geöffnet haben in dieser Zeit. „Ich habe Gott als aktiv Handelnden erlebt, etwa durch die vielen Impulse, die ich von anderen bekommen habe, als ich zunächst still wurde.“
Nichts wird mehr so sein, wie es mal war
Sie sieht auch jetzt nicht das große Ende der Pandemie nahen, sondern weiß, dass nach einer derartigen Ausnahmezeit nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Man kann die Zeit nicht einfach zurückdrehen, auch wenn sich viele nach diesem Zustand sehnen. aber nicht nur hinsichtlich Corona, auch hinsichtlich vieler anderer Dinge wie dem Klimawandel bedarf es nun einem großen Veränderungswillen: „Ich glaube, wir brauchen einen großen Umbruch in der Gesellschaft. Wir müssen alle vom Konsum runter.“
„Da ist so eine Kraft in dem Ausgebremst-Sein drin“
Und genau darin sieht sie die Energie, die eine derartige Krise auch freisetzen kann: „Da ist so eine Kraft in dem Ausgebremst-Sein drin.“ Die Gemeinde wurde erfinderisch, um ihre Mitglieder in der Pandemie trotz Abstandsgebote und Ängste zu erreichen. Das Kirchenteam verteilte Osterbriefe an alle Senioren, jeden Sonntag werden bis heute die Predigten und Lieder per WhatsApp verschickt. Mitte-der-Woche-Impulse ebenso. Anfangs kam sich Sabine Focken komisch vor, am Schreibtisch zu sitzen und ihre Predigt in ihr Handy zu sprechen, um sie danach per WhatsApp zu verschicken. Heute lacht sie, wenn sie an die Anfänge des digitalen Umbruchs zurückdenkt.
„Christliche Botschaften muss man hier viel kürzer und in nichtkirchlicher Sprache auf den Punkt bringen“
„Christliche Botschaften muss man hier viel kürzer und in nichtkirchlicher Sprache auf den Punkt bringen“, habe sie dabei gelernt. Auf der gleichen Spur ist sie als Hochschulseelsorgerin in Künzelsau mit ihrem Instagram-Account genannt „Soulfood“ (seelische Nahrung, zu finden auf Instagram unter: Instagram: soulfood_hhn). Zudem sind Glaubensabende entstanden, zunächst als Gemeindeangebot gedacht, coronabedingt gestrichen und aus großer Lust im Kirchengemeinderat ganz neu entwickelt. „Gemeinsam sind wir sprachfähiger geworden in Sachen Glauben und sind sehr gespannt, wie es damit in der Gemeinde weitergeht.“
Die Diskussion, ob Gottesdienste auch in Hochzeiten der Pandemie stattfinden dürfen – Sabine Focken hat hierzu eine klare Meinung
Was ihr während unseres Gesprächs wichtig ist, immer wieder zu betonen, dass nicht nur in ihrer Gemeinde viel geleistet wurde und sich einiges geändert hat, sondern überall. Und dass ganz viele Menschen daran beteiligt waren und sind.
Immer wieder gab und gibt es Diskussionen auch im Hohenlohekreis, ob Gottesdienste in den Höhepunkten der Pandemie noch stattfinden dürfen oder nicht. „Wir haben hier klare Richtlinien des Oberkirchenrates gehabt“, sagt Focken. Diese orientierten sich an den Inzidenzen. Innerhalb dieser Regeln gab es für die Gemeinden jedoch Entscheidungsspielräume. Sabine Focken: „Wir haben uns angesichts unserer großen Kirche immer für so viel wie möglich Präsenz entschieden ABER gleichzeitiger Berücksichtigung der SicherheitErst wenn Apotheken und Arztpraxen schließen müssen, dann muss auch die Kirche ihre Pforten zu machen, denn die Menschen brauchen einen Glauben beziehungsweise Glaubensangebote in dieser Zeit. Das ist Fockens klare Meinung dazu. Denn: „Glaube stärkt das Immunsystem“, davon ist die Pfarrerin überzeugt.
Solosängerteam singt von der Empore
Nicht alle in ihrer Gemeinde sehen das so beziehungsweise hatten den Wunsch, einen Gottesdienst zu besuchen. Das Schichtmodell (2 Gottesdienste hintereinander, um einer vollen Kirche entgegenzuwirken) stellten sie wieder ein, da die Angst unter den Gemeindemitgliedern zu groß vor Ansteckung war. Es blieb daher bei einem Gottesdienst. Während die Gemeindemitglieder in der Kirche nicht singen dürfen wegen der Coronaverordnung, hat Dörrenzimmern seit Beginn ein Solosängerteam hierfür, das von der Empore singt. Das ist erlaubt.
Kirchenmäuse-WhatsApp-Gruppe mit den neuesten kirchlichen Nachrichten für die jüngsten Gemeindemitglieder
Viel hat sich getan in diesen zwei Jahren, bunt bemalte Glaubenssteine wurden um die Kirche gelegt, der Kirchplatz hat ein von den Konfirmanden gebautes Insektenhotel bekommen, ein neu gegründeter Zwergentreff unter der Leitung von Eva-Maria Schmidt trifft sich immer draußen, es gibt eine Kirchenmäuse-WhatsApp-Gruppe die die jüngsten Gemeindemitglieder über Neuigkeiten in der Kirche informiert, umgesetzt von Nicole Vogt von den Hochholzhöfen und Renate Denner vom Eschenhof. „GoodNews“ (gute Nachrichten = frohe Botschaft) war im vergangenen Jahr ein zeitlich begrenztes, aber sehr erfolgreiches WhatsApp-Gruppen-Angebot für Kinder und Jugendliche. Hier durfte jeder gute Nachrichten einstellen. „Glaube stärkt, auch die Jugend braucht Stärke, vor allem für die Aufgaben, die noch anstehen“, sagt die Pfarrerin.
Meditative Gottesdienste
Raus in die Natur ging es beim Osterweg in Stachenhausen oder bei der von Mädchen aus dem Ort gestalteten Kirchenrallye in Dörrenzimmern. Holger Hartmann vom evangelischen Jugendwerk (ejk) schaute mit seinem EJK-Mobil vorbei und töpferte mit den Kindern. Es fanden meditative Gottesdienste mit Sabine Otterbach statt, um zur Ruhe zu kommen.
Sabine Focken erlebte und erlebt in dieser Zeit als Pfarrerin eine viel intensivere Seelsorge. „Über den Glauben passiert so viel Gesundung. Wir brauchen mehr Glauben in unserem Land, er muss wieder neu entdeckt werden.“
„Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen“
Das Seniorenkreis-Team schenkte jedem Senior und jeder Seniorin in der Gemeinde in der Adventszeit eine Kerze mit einem Tannenzweig und einer Karte, auf der stand: „Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen.“
Focken weiß um die schwindenden Mitgliederzahlen der Kirchen. Aber sie sieht in der Pandemie auch eine Chance, alte Verkrustungen abzuschütteln. „Man entdeckt andere, neue Dinge, die vielleicht sogar besser als die alten sind und vor allem merkt man, wie gut es ist, die Kraft und den Segen Gottes zu brauchen und
zu finden.“
GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer hat sich mit dem jungen FDP-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe, Valentin Abel, über Coronaregeln im Bundestag unterhalten, Nächte im Hotel und über die dringend notwendige Modernisierung und bessere Verzahnung des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum.
In der Wochenzeitung DIE ZEIT bin ich über ein Dossier gestolpert, das sich kritisch mit der Kirche in Coronazeiten befasst. Müsste die Kirche nun nicht präsenter sein als je zuvor in diesen schweren Zeiten? Wo aber ist sie?, fragen die Autoren dort.
Ist der Glaube in der Pandemie stärker geworden – oder ist das Gegenteil der Fall?
Wie schaut es bei uns im ländlichen Raum aus? Ich schreibe eine Mail an Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken und frage nach, ob sie Lust und Zeit hätte, darüber zu sprechen. Wie hat sich die Kirche und wie haben sich die Angebote verändert in Coronazeiten? Bei uns auf dem Land im beschaulichen Hohenlohe? Welche Rolle hat die Kirche in der Pandemie? Ist der Glaube stärker geworden – oder ist das Gegenteil der Fall?
Corona kam irgendwie dazwischen
Die Pfarrerin hat lange, blonde Haare und sieht deutlich jünger aus als sie ist. Die 62-Jährige bewohnt das Pfarrhaus in Dörrenzimmern, direkt neben dem Kirchplatz und der Kirche, mitten im Ort. In vier Jahren geht sie in Rente, bis dahin hat die Seelsorgerin aber noch einige Pläne, was sie in den nächsten Jahren angehen und bewegen möchte. Wir sitzen uns gegenüber in ihrem Arbeitszimmer. Zwischen uns ein kleiner Tisch. Hinter ihr und um uns herum viele Bücher in Holzregalen aneinandergereiht über Glaube, Achtsamkeit und das Christentum. Es ist nicht das erste Gespräch, das wir führen, aber wir haben uns lange nicht gesehen. Corona kam irgendwie dazwischen.
Bevor ich die erste Frage zu Ende stellen kann, unterbricht sie mich und meint, sie hat sich auf meine Mail hin viele Gedanken zu dem Thema gemacht und sie habe eine These. Damit möchte sie beginnen.
„Einfache Antworten gibt es in der heutigen Zeit nicht“
„Ich nehme wahr, dass es an einzelnen Stellen eine Sehnsucht gibt, dass sich die Kirche richtig positioniert.“ Auch sie habe in den ersten Wochen der Pandemie im Frühjahr 2020 immer gedacht: „Warum ist unser Bischof nicht lauter, klarer und eindeutiger in seinen Botschaften, vor allen Dingen pro Präsenzgottesdienste.“ Mit der Zeit habe sie gemerkt, dass darin die Sehnsucht nach Unterstützung der eigenen Position durch die Kirchenleitung steht und wahrgenommen: „Die jetzige Zeit ist zu komplex für die eine richtige Antwort.“ Sie verstehe die Sehnsucht nach eindeutigen, klaren Lösungen. „Aber die gibt es nicht.“ Soll die Kirche sich zum Beispiel für das Impfen positionieren oder dagegen? Die unterschiedlichen Menschen werden unterschiedliches wollen.
„wir müssen unglaublich viel Wandel verarbeiten und mitgestalten“
Aber nicht nur in der Pandemie sieht sie die Verunsicherung begründet, sondern auch durch die rasant fortschreitende Digitalisierung, Globalisierung und den Klimawandel. „Wir merken jetzt die große gegenseitige weltweite Abhängigkeit und müssen unglaublich viel Wandel verarbeiten und mitgestalten. Das ist unglaublich komplex. Nicht jeder komme da gleich gut mit.
„Aushalten, dass etwas stirbt“
Welche Rolle hat aber dann die Kirche in einer derartigen Umbruchzeit, wie wir sie aktuell erleben? „Den Mut haben zu hören, nicht vorschnell wissen wollen, für das Miteinander der verschiedenen Positionen werben und dann vor allem dieses: aushalten, dass etwas stirbt und darin auf Gott zu vertrauen. Sterben und Auferstehen gehört in unserer Botschaft doch ganz nah zusammen.“
Die nächsten Sätze klingen für manche, die die Pandemie stark gebeutelt hat, vielleicht wie Hohn, wenn Sabine Focken sagt: „Mit Corona will Gott etwas Gutes für uns. Anhalten. Hinhören. Achtsam sein. Warten, dass ganz neue Türen aufgehen.“
„Diese Ungerechtigkeiten gehen gar nicht“
Ich denke an Krankenschwestern, die in der Pandemie gar keine Zeit haben, zur Ruhe zu kommen, an Wirte, die kurz vor der Pleite standen oder stehen. An die Ungerechtigkeiten, die die Pandemie geschaffen oder deutlicher als sonst abgebildet hat und wodurch die viel beschworene – und de facto auch reale – Spaltung der deutschen Gesellschaft weiter vorangeschritten ist.
Müsse man dann einfach akzeptieren, dass manche in der Pandemie und darüber hinaus ein größeres Päckchen zu tragen haben als andere?, frage ich die Pfarrerin. Da positioniert sie sich jedoch mehr als deutlich: „Diese Ungerechtigkeiten gehen gar nicht. Corona lässt sie wie vieles andere nur deutlicher sichtbar werden. Wenn wir alle mehr anhalten, würden wir das auch ernsthafter sehen.“
„Das Sterben und der Tod lösen Angst und Panik aus“
Was aber auch noch mit hineinspiele in diese Zeit, in der viele sehr dünnhäutig geworden sind, sei das Thema Tod. In Deutschland ein stiefmütterlich behandelter Gedanke, der immer dann nur zugelassen wird, wenn er konkret bei einem nahestehenden Mensch eintritt. „Mit Corona tritt Sterben in den Mittelpunkt. Das löst Angst und Panik aus und ist Dynamit in den Diskussionen, welche Maßnahmen gegen Corona zielführender sind“, sagt Focken.
Einige Bürger:innen hätten ihr berichtet, dass der Glaube für sie viel wichtiger geworden sei. Auch bei den jüngeren habe sich etwas verändert. „Wir haben einen echteren Konfiunterricht. Das macht sehr viel Freude. Jetzt können wir miteinander Kirche sein, Gott suchen und als Hilfe erleben.“
Buch entstanden unter Mitwirkung zahlreicher Menschen in Dörrenzimmern und Stachenhausen
Seit zwei Jahren grassiert die Pandemie in unserem Land. Focken konnte während dieser Zeit eine große Veränderung in der Kirche spüren. Es gäbe mehr Gespräche darüber, was uns trage. Dadurch ist ein Buch entstanden mit dem Titel: „Der Mensch lebet nicht vom Brot allein, sondern“. Viele Einwohner:innen von Dörrenzimmern und Stachenhausen kommen darin vor mit einer Bibelstelle, die ihnen Kraft gibt.

So sieht das Cover des Büchleins aus. Zu sehen ist darauf die evangelische Kilianskirche in Dörrenzimmern. Foto: GSCHWÄTZ

Die Rückseite zeigt das prächtige Innenleben. So sah es früher in der Kilianskirche aus. Foto: GSCHWÄTZ
Wenn keiner mehr reden möchte – Auch Schweigezeiten aushalten können
Doch der Anfang war nicht leicht, auch für sie nicht. Am Anfang der Pandemie sei jeder wie vom Erdboden verschluckt gewesen, die Menschen hätten sich in ihre Häuser zurückgezogen. Focken musste für sich selbst erst ihre Rolle suchen und finden. „Ich war zunächst intensiv mit dem Kirchengemeinderat im Gespräch. Das hat mir geholfen, auch Schweigezeiten auszuhalten.“
„Ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte“
Was macht eine Pfarrerin aber, wenn sich ihre Gemeindemitglieder erstmal zurückziehen? „Ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte.“ Unsicherheit machte sich in ihr breit. „Denken Die Menschen jetzt, dass ich nichts mehr arbeite oder dass ich es digital nicht hinbringe? Ich kam mir so blöd vor.“ Sabine Focken spricht damit zwar im ersten Moment für sich, aber ganz gewiss auch für viele andere Menschen, die ihre Rolle neu definieren mussten oder eventuell immer noch müssen.
Die Pfarrerin hatte auf einmal weniger Termine, aber stets den inneren Druck: „Mir muss jetzt etwas einfallen.“ Ihr langer Glaubensweg habe ihr dabei geholfen: „Gott hat in allem etwas Gutes mit uns vor. Und ich möchte nun neu rausfinden, was die Menschen in dieser schweren Zeit brauchen.“
Ihre Rolle hat sich seitdem verändert. Bevor sie etwas anbietet, schaut sie erstmal, hört nach, wartet ab, was wer eigentlich gerade braucht. Etwa: Wo kann und muss sie die Konfirmanden abholen, damit diese sich ihr öffnen, sich einbringen.“
Teil des Couchgesprächs lesen Sie hier.
Darin berichtet Sabine Focken von den zahlreichen kreativen Ideen, die die Gemeindemitglieder in Dörrenzimmern und Stachenhausen während der Coronapandemie entwickelt haben.
Text: Dr. Sandra Hartmann
„In Kiau bauschd ned schnell“, sagte Christian von Stetten während einer Unterbrechung der Sitzung des Künzelsauer Gemeinderats vom 18. Januar 2022. Man muß ihm recht geben, denn diese Erfahrung machen Bürger und Investoren immer wieder:
Grund ist – so ist es immer wieder aus dem Gemeinderat zu hören – dass sich der Gemeinderat nicht genug in den frühen Planungsphasen beteiligt fühlt, in Sitzungen dann mit fertigen Planungen überrascht wird. Umgekehrt fühlt die Verwaltung ihre Arbeit vom Rat nicht richtig gewürdigt. Vorgeblich also ein Kommunikationsproblem zwischen Verwaltung und Rat. Hört man aber genauer hin, kommt man zu ganz anderen Schlüssen und es wird rasch klar, wie ein Kinderhaus am Kocher mit einem Einkaufsmarkt auf den Taläckern und dieses wiederum mit dem MUSTANG-Gelände zusammenhängen könnte.
Das wahre Problem scheint nämlich gar nicht daran zu liegen, dass das Tischtuch zwischen Teilen des Gemeinderats und der Verwaltung zerrissen ist!
So fügt sich eins ins andere
Das Kinderhaus soll nun acht statt sechs Gruppen bekommen. Auf Taläcker besteht ein Bedarf für weitere Kindergartengruppen, eine Planung für die Erweiterung der vorhandenen Kindergärten ist angestoßen, mit Plänen – geschweige denn einer Realisierung – ist in den nächsten Monaten nicht zu rechnen. Auf Taläcker gibt es zum Glück ein Grundstück, auf dem bereits Baurecht für einen Kindergarten besteht – ausgerechnet für dieses Grundstück stellt ein Investor, die Merz Objektbau, das Konzept einer Wohnanlage und einem Einkaufsmarkt vor. Das ist ein verlockendes Projekt, das mehrere Anforderungen der Stadt vereint: Eine tolle Lage ist das, mit weitem Blick nach Osten über die Stadt. Für den Verkauf dieses und des Nachbargrundstücks könnte die Stadt Künzelsau rund 1.35 Millionen Euro erlösen. Außerdem lockt der Investor damit, dass er 80 Prozent der Wohnungen mit Mietpreisbindung („Sozialer Wohnungsbau“) errichten will. Und zu guter Letzt fehlt auf Taläcker ein Nahversorger. Mehrere Fliegen könnte man mit einer Klappe schlagen.
Kindergartenbedarfe
Wäre da nicht das Problem, dass die Kindergärten auf Taläcker bereits heute überfüllt sind und weiterer dringender Bedarf besteht. Weil diese Tatsachen bekannt waren, wurde aus diesem Grund bereits vor Jahren vorausschauend Baurecht für einen Neubau eines Kindergartens hergestellt. Eine Planung für eine Erweiterung der beiden Einrichtungen soll zwar im Gange sein – den großen Handungsdruck spürt der Betrachter von außen nicht.
Naheliegende Gedankengänge im Publikum
Wozu auch, wenn man doch die Kinder genausogut im neu zu errichtenden Kinderhaus am Fluß unterbringen kann. Es muss doch nur um zwei Gruppen erweitert werden, dann passt das recht gut. Und wenn man dann den Bedarf nach sozialem Wohnungsbau in den Vordergrund stellt, dann klappts auch mit dem Gemeinderat.
Auch naheliegend: Zusammenhang mit dem MUSTANG-Gelände?
Fakt ist, dass der Abriss der ehemaligen Mustang-Gebäude in geradezu vorbildlicher Weise planmäßig fertiggestellt wurde – das Gelände liegt baureif am Rande der Innenstadt. Der Baubeginn sollte schon lange erfolgt sein – getan hat sich nichts. Der Bauherr, dieselbe Merz Objektbau, die auch auf Taläcker bauen will, hat neu geplant und will jetzt keine Wohnbebauung auf dem Gelände mehr errichten.
Wohnbau ist allerdings notwendig, das hat die Stadt Künzelsau erkannt und als eines ihrer ganz großen Ziele definiert. Hinter vorgehaltener Hand hört man, dass es sehr wohl Zusammenhänge zwischen den beiden Bauprojekten desselben Investors geben könnte. Es wird von einer Art „Belohnung“ für einen Kompromiss beim Mustang-Gelände geflüstert. Wobei der Bau von Wohnungen auf Taläcker nicht den Bau von Wohnraum am Rande der Kernstadt ersetzen kann.
Eine undefinierte Rolle spielt immer wieder der Gestaltungsbeirat
Vor alle größeren architektonischen Projekte hat die Stadt Künzelsau einen „Gestaltungsbeirat“ gesetzt: „Der Gestaltungsbeirat soll als unabhängiges Sachverständigengremium über die planerischen und baulichen Herausforderungen in der Kreisstadt beraten und zu nachhaltigen Lösungen in hoher baukultureller Qualität beitragen“ definiert das Wirtschaftsministerium die Rolle eines Gestaltungsbeirats. Dieser Beirat ist mit drei externen Architekturprofessor:innen sowie mit Gemeinderät:innen und Bürgermeister Neumann besetzt.
Hinterfragenswert ist die Arbeit des Beirats, wenn – wie beim Thema Sigloch-Gelände geschehen – sich herausstellt, dass der Gestaltungsbeirat das Gelände, über das er urteilen sollte, nicht einmal gemeinsam besichtigt hat. Seit einem guten Jahr steht dieses Projekt still, ganz gewiß auch, weil der Beirat einen Ratschlag gegeben hat, ohne über die tatsächlichen lokalen Verhältnisse informiert zu sein.
Der Gestaltungsbeirat sollte allerdings sich und seine Rolle auch selber hinterfragen: Bei nahezu jedem Bauprojekt wird der Gestaltungsbeirat unmittelbar zum Spielball unterschiedlicher Interessen von Verwaltung und Gemeinderäten.
Mehr als nur hinterfragenswert wird es aber, wenn in einer Gemeinderatssitzung auf den Tisch kommt, dass aus dem Gestaltungsbeirat Anregungen kommen, etwas zu projektieren, was vorher nicht zur Debatte stand. Sollte das stimmen, dann spielt mindestens ein Mitglied des Gestaltungsbeirats ein seltsames Spiel. Der Gestaltungsbeirat ist schließlich ein Beratungsorgan, das einzig dafür eingesetzt ist, Empfehlungen an die Entscheidungsträger, und das ist letztlich der Gemeinderat, der Stadt Künzelsau auszusprechen – aber ganz sicher nicht dazu, potentielle Investoren zu beraten.
Rolle aller Beteiligten dringend zu überdenken
Die Stadt Künzelsau wäre gut beraten, die Rollen von Beteiligten an größeren Bauprojekten und die Kommunikationsstrukturen bei derartigen Projekten in einem transparenten Rahmen zu definieren, zu formulieren und zu publizieren. Die ewiggleichen und inzwischen ritualisierten Diskussionen bei größeren Bauprojekten sind gegenüber den Bürgern und potentiellen Investoren nicht mehr zu vermitteln:
Der Bürgermeister ist offensichtlich nicht Herr der Kommunikation
Es besteht ganz offenbar ein massives und inzwischen regelrecht ritualisiertes Organisationsproblem, das sich als Kommunikationsproblem zwischen (zumindest Teilen) der Verwaltung und (zumindest teilweise) dem Gemeinderat äußert und das letzendlich bei jedem der genannten Projekte zu mehrmonatigen Verzögerungen führt.
Bürgermeister Neumann, als Verwaltungschef, ist in der Pflicht, die Entscheidungs- und Kommunikationswege für alle Beteiligten festzulegen und transparent zu machen und allen Beteiligten die notwendigen Informationen rechtzeitig und umfassend zu vermitteln.
Wer kommuniziert im Namen der Stadt?
Das betrifft offenbar schon die einfache Frage, wer denn überhaupt im Namen der Stadt kommuniziert. Aber es betrifft auch die Frage der Information aller relevanten Menschen und Stellen, wenn die Verwaltung – mutmaßlich aus guten Gründen – anders plant, als es bisher in den Gremien vereinbart wurde. Es braucht zumindest bei derart großen und komplexen Projekten keine Laissez-Faire-Politik („Änderungen am Verkehr können wir immer noch vornehmen.“), sondern eine klare Organisation, auf die sich alle Beteiligten vertrauensvoll stützen können.
Die Frage der Verläßlichkeit
Wenn es weiter so geht, wie bisher, hat Künzelsau bald den Ruf eines nicht verläßlichen Partners. Und das größte Bauprojekt, die komplette Neugestaltung des Stadteingangs im Rahmen des neuen Kreishauses, hat noch gar nicht richtig begonnen.
Wenn Stefan Neumann seine eigene Verwaltungsorganisation nicht in den Griff bekommt, werschd in Kiau no lang ned schnell baue.
Ein Kommentar von Matthias Lauterer
Sie wurde mit 34 Jahren zur jüngsten Aufsichtsrätin Deutschlands gewählt. Obwohl sie das Gefühl hatte, sich „mindestens zwei Nummern zu große Schuhe“ damit anzuziehen, nahm Fränzi Kühne das Angebot an: „Ich wollte ein Vorbild sein“, so die Digitalisierungsexpertin beim Online-Buchtalk am 22. November 2021 mit 190 Teilnehmer*innen. Organisiert wurde die Veranstaltung als Kooperation des Frauenförderprogramms WoMent der Hochschulen Heilbronn, Wissensstadt Heilbronn e.V. und dem Führungsfrauennetzwerk der Region Heilbronn-Franken. Anbei veröffentlichen wir den Pressetext hierzu.

Fränzi Kühne im Online-Chat: die Unternehmerin, Mutter und Autorin hat 22 Männern auf den Zahn gefühlt. Screenshot: GSCHWÄTZ
Doch dann ging es in Interviews immer wieder nur um ihre Frisur, ihre Klamotten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Fränzi Kühne kennt sich als Digitalisierungsexpertin nicht nur mit Social Media, Online-Marketingstrategien, sondern auch mit Bilanzen und Unternehmensplänen aus. Doch dann ging es in Interviews immer wieder nur um ihre Frisur, ihre Klamotten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Daraufhin hat sie den Spieß umgedreht. Für ihr Erstlingswerk „Was Männer nie gefragt werden“ stellte sie Männern – darunter Gregor Gysi, Heiko Maas, Bosse und Helmut Thoma – typische Frauenfragen. Beim Online-Buchtalk am 22. November sprach sie mit Katharina Rust, Projektleiterin von WoMent, und Maren Haag, Vertreterin und Beirätin des Führungsfrauennetzwerks „Führungsfrauen Raum Heilbronn“, über die Idee zu ihrem Buch und warum sich Frauen immer noch für ihre Karriere rechtfertigen müssen.
Eigentlich wollte sie auf Weltreise gehen, doch dann kam Corona
Angefangen habe alles im Corona-Jahr 2020: Kühne hatte gerade ihre äußerst erfolgreiche Digitalagentur TLGG an einen großen US-amerikanischen Konzern verkauft und wollte mit ihrer Familie auf Weltreise gehen. Stattdessen blieb sie zu Hause und dachte über ihr erstes Buch nach. Sie beschäftigte sich damit, warum ihr als Digitalisierungsexpertin immer Fragen zu ihrem Äußeren und ihrer Familie gestellt wurden, ihre männlichen Kollegen hingegen ausschließlich zu fachlichen Themen. Daraus entstand die Idee für ihr Buch „Was Männer nie gefragt werden. Ich frage trotzdem mal“. 22 Interviewpartner sind es am Ende geworden, die sich auf das Experiment eingelassen haben. Ihnen stellte sie rund 50 typische Frauenfragen, wie „Wurden Sie schon einmal wegen Ihrer optischen Attribute befördert?“ und „Wie bekommen Sie Karriere und Kinder unter einen Hut?“. Ihre Erkenntnis: Das ´Projekt Familie´ spiele bei Männern in Führungspositionen praktisch nie eine Rolle. Bei Frauen, so Kühne, werde dies hingegen immer thematisiert und in Bewerbungsgesprächen auch immer mitgedacht. Die Medien pflegten eine Interviewkultur, die weiche Fragen nach Familie, Befinden, Vorbildwirkung, Vereinbarkeit und Aussehen für Frauen für selbstverständlich, bei Männern aber für abstrus hält. Fragen zu privaten Themen würden ihnen höchstens dann gestellt, wenn es „menscheln“ soll.
Gregor Gysi habe damals viel Anerkennung dafür erhalten, sich allein um die Erziehung zu kümmern und weiterhin seine politische Karriere voranzutreiben – Frauen würde diese Anerkennung selten zuteil.
Linken-Politiker Gregor Gysi berichtete ihr beim Interview von seiner Zeit als alleinerziehender Vater im Osten. Er habe damals viel Anerkennung dafür erhalten, sich allein um die Erziehung zu kümmern und weiterhin seine politische Karriere voranzutreiben – Frauen würde diese Anerkennung selten zuteil. In den Gesprächen sei Kühne auch klargeworden, dass sich die Männer selten als Vorbild für jüngere Männer wahrnehmen – bestenfalls als Mentor. Dies sei auch nur bedingt nötig, denn Männer hätten ihre Netzwerke, die ganze Karrierewelt sei auf Männer zugeschnitten: „Männer wachsen da rein, sie müssen gar nicht solche Grenzen überwinden“, so die Digitalisierungsexpertin. Frauen hingegen bräuchten mehr Unterstützung und vielleicht sogar eine Frauenquote, um entsprechend weiterzukommen. Ihren überwiegend weiblichen Zuhörer*innen gab sie mit auf den Weg, regelmäßig die eigene Komfortzone zu verlassen und sich auch Karriereschritte zu wagen, die vielleicht auf den ersten Blick eine Nummer zu groß erscheinen: „Ich begebe mich immer wieder in solche Situationen, um ein Vorbild zu sein.“ Auch vor dem Angebot, Aufsichtsrätin bei Freenet zu werden, habe sie zunächst zurückgeschreckt, sich dann aber doch dafür entschieden. „Man darf da nicht nein sagen, wenn man so etwas angeboten bekommt.“
Obwohl Mutter von drei – inzwischen erwachsenen – Kindern, habe Ruth Fleuchaus nie aufgehört in Vollzeit zu arbeiten.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Ruth Fleuchaus, Prorektorin der Hochschule Heilbronn, und Carola Herrmann, Leiterin Organizational Development bei Lidl Stiftung & Co., rückte nochmals das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt. Obwohl Mutter von drei – inzwischen erwachsenen – Kindern, habe Ruth Fleuchaus nie aufgehört in Vollzeit zu arbeiten. Dennoch sei es schwierig gewesen, die Betreuung der Kinder zu organisieren. Sie wünsche sich bessere Unterstützung für Familien insbesondere durch bezahlbare und flexible Betreuungsangebote. Den Mentees gab sie mit auf den Weg: „Wenn du ein Ziel vor Augen hast, dann kämpf dich auch durch und gebe nicht auf.“ Auch Kühne räumte ein, dass es in vielen Firmen an individuellen Lösungen für junge Eltern mangle. Als Selbständige habe sie sich ihren Büroalltag „so gebaut“, dass es für sie gepasst habe. Das sei jedoch noch lange nicht selbstverständlich, viele hielten an starren Regelungen, die Arbeitszeit oder den Arbeitsort betreffend fest. Carola Herrmann wünscht sich vor allem mehr Mut von Frauen, sich auf Führungspositionen zu bewerben, auch wenn nicht alle Kriterien dafür erfüllt seien. Und auch den Arbeitgeber sieht sie in der Pflicht die werdenden Eltern zu unterstützen und individuelle Rahmenbedingungen, wie etwa durch Führen in Teilzeit, zu schaffen.
Zur Person Fränzi Kühne
Fränzi Kühne, geboren 1983 in Ost-Berlin, ist Aufsichtsrätin, Mutter, Autorin, geschulte Verhandlungsführerin, Gründerin und langjährige Geschäftsführerin der einst ersten Social-Media-Agentur Deutschlands. Seit März 2018 ist Kühne im Stiftungsrat der AllBright-Stiftung und engagiert sich für mehr Frauen in Führungspositionen. Die Stiftung veröffentlicht regelmäßig Berichte über die Situation von Frauen in Führungsgremien. Seit Sommer 2020 sitzt Kühne im Beirat der Unternehmensberatung „365 Sherpas“, zudem im Aufsichtsrat von Freenet und der Württembergischen Versicherung. Sie publizierte zahlreiche Fachbeiträge zu den Themen Digitalisierung, Unternehmertum und Gender.
Zum Karriereförderprogramm WoMent
Das individuelle Karriereförderprogramm WoMent ist ein Cross-Mentoringprogramm für weibliche Nachwuchskräfte der Heilbronner Hochschulen in Trägerschaft von Wissensstadt Heilbronn e.V. Studentinnen haben die Möglichkeit, Einblick in den Berufsalltag einer Führungskraft aus Wirtschaft oder Wissenschaft zu erhalten und von den Erfahrungen einer berufserfahrenen Person zu profitieren. Die teilnehmenden Mentees werden in einer einjährigen Tandempartnerschaft von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet und in einem attraktiven Workshopangebot gefördert. WoMent ist ein Kooperationsprojekt von Wissensstadt Heilbronn e.V., der Hochschule Heilbronn und der DHBW Heilbronn und wird von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert.
Zum Führungsfrauennetzwerk Raum Heilbronn
Das Führungsfrauennetzwerk hat zum Ziel, Frauen in Führung in der Region Heilbronn sichtbar zu machen und Gleichberechtigung von Frauen und Männern im beruflichen und öffentlichen Leben zu fördern. Das Netzwerk besteht aus Frauen mit fachlicher und/oder organisatorischer Führung aus Wirtschaft, Sozialwesen, Verwaltung und Forschung im Raum Heilbronn. Das Führungsfrauennetzwerk wird durch den Verein Führungsfrauen Raum Heilbronn e.V. getragen. Weitere Informationen: https://fuehrungsfrauen-hn.de/
Wissensstadt Heilbronn
Der Verein Wissensstadt Heilbronn e.V. wurde 2019 als Netzwerk- und Organisationsplattform gegründet. Die Mitglieder sind: aim Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken, Campus Founders gGmbH, Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn und Center for Advanced Studies der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, experimenta – Das Science Center, Ferdinand Steinbeis Institut Heilbronn, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Heilbronner Stimme GmbH & Co. KG, Hochschule Heilbronn, SCS Schwarz Campus Service GmbH & Co. KG, Stadt Heilbronn, Die TUM Campus Heilbronn gGmbH und 42heilbronn gGmbH. Der Verein wird von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert.
Die Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik ist mit ca. 8.200 Studierenden eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr stark vernetzt.
Die DHBW Heilbronn ist das jüngste Mitglied unter dem Dach der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. 2010 gegründet, hat sie sich mit ihrem einmaligen Studienangebot zur ersten Adresse für die Lebensmittelbranche entwickelt. Fast 1.300 Studierende sind derzeit in den Studiengängen BWL-Handel (B.A.), BWL-Dienstleistungsmanagement (B.A.), BWL-Food Management (B.A.), Wein – Technologie – Management (B. Sc.), BWL-Digital Commerce Management (B.A.) und Wirtschaftsinformatik (B. Sc.) eingeschrieben.
Ansprechpartnerin:
Katharina Rust, Projektleiterin WoMent
Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: +49 7131 504 1162
E-Mail: katharina.rust@hs-heilbronn.de, Internet: www.wissenstadt.hn/woment
Geschäftsführer Wissensstadt Heilbronn e.V.: Michael Andree
Bildungscampus 15, 74076 Heilbronn
E-Mail: micha.andree@wissensstadt.hn, Telefon: +49 171 2704648
Pressekontakt Hochschule Heilbronn: Vanessa Offermann
Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: +49 7131 504 553,
E-Mail: vanessa.offermann@hs-heilbronn.de, Internet: www.hs-heilbronn.de
Pressekontakt Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn: Daniela Hülsebusch
Bildungscampus 4, 74076 Heilbronn, Telefon +49 7131 1237 23705
E-Mail: daniela.huelsebusch@heilbronn.dhbw.de, Internet: https://www.heilbronn.dhbw.de/
Die nächste Möglichkeit sich in Künzelsau ohne vorherige Terminvergabe impfen zu lassen, besteht am Dienstag, den 25. Januar 2022, von 12 bis 17 Uhr im ehemaligen Notariat im Rathaus, Stuttgarter Straße 7. Das geht aus einer aktuellen Meldung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.
Kinder ab fünf Jahren und Personen unter 30 Jahren werden mit Biontech geimpft werden. Personen über 30 Jahre erhalten Moderna-Impfstoff.
Auch in Dörzbach gibt es wieder Impfmöglichkeiten. Darüber informiert das Landratsamt (siehe Flyer unter dem Text).
Impfstationen im Hohenlohekreis befinden sich in der Gemeindehalle Nobelgusch in Pfedelbach sowie in der Notfallambulanz im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau. Hier ist eine Terminvereinbarung unter https://welle-brechen.de/hohenlohe/ zwingend erforderlich. Hinweis: Da die Menge des verfügbaren Impfstoffes immer erst kurzfristig feststeht, können Termine nur für einen kurzen Zeitraum gebucht werden.
Auch im MVZ Hohenlohe, Am Bahnhof 1 in Forchtenberg, werden Corona-Schutzimpfungen angeboten:
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: 8 – 18 Uhr
Freitag: 8 – 16 Uhr
Samstag: 9 – 18 Uhr
Sonntag: 9 – 18 Uhr
Impfung nur nach vorheriger Terminvereinbarung unter https://www.doctolib.de/medizinisches-versorgungszentrum-mvz/forchtenberg/mvzhohenlohe.
Impfungen ohne Termin sind bei den Einsätzen mobiler Impfteams im Landkreis möglich. Diese können Sie derzeit der Übersicht auf www.dranbleiben-bw.de entnehmen.
Die nächsten Einsätze:
20. bis 22. Januar 2022: Carl-Julius-Weber-Halle, Kupferzell
23. und 24. Januar 2022: Universum Dörzbach
28. bis 31. Januar 2022: Jagsttalhalle Bieringen
Hinweise: Geimpft wird jeweils von 10-17 Uhr und solange Vorrat reicht. Impfwillige über 30 erhalten in der Regel den Impfstoff von Moderna, unter 30-Jährige sowie Schwangere in der Regel den Impfstoff von BioNTech. Boosterimpfungen werden erst verabreicht, wenn eine gewisse Zeit nach der Grundimmunisierung vergangen ist. Dieser Zeitraum beträgt bei BioNTech/Moderna und AstraZeneca drei Monate, bei Johnson&Johnson vier Wochen.
Zwei Regenüberlaufbecken sind bei umfangreichen Erdarbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2021 entlang des Kocherufers in Künzelsau eingebaut worden. Schon im Dezember waren die Regenüberlaufbecken komplett mit Erde abgedeckt und sind jetzt nicht mehr zu sehen. Mit einem Fassungsvermögen von 400 und 50 Kubikmeter wurden sie auf rund 110 Meter Länge eingebaut. Das Regenüberlaufbecken an der Kocherbrücke muss aber noch an das bestehende Leitungs- und Kanalsystem angeschlossen werden. Das geschieht in drei Bauphasen, in einer vierten Bauphase wird die Straßendecke der B 19 in der Ortsdurchfahrt vom Land Baden-Württemberg erneuert. Das wird sich ab der kommenden Woche, Montag, 24. Januar bis voraussichtlich in die zweite Juni-Hälfte 2022 hinein auch auf den Verkehr auswirken, weil Straßen und Fußwege gesperrt werden müssen.
Verbesserung der Infrastruktur
„Gemeinderat und Verwaltung haben in diesem Jahr einen Schwerpunkt im Bereich Infrastruktur gesetzt“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Mit dem rund 2,8 Millionen Euro teuren Projekt der Stadtverwaltung Künzelsau wird die städtische Kläranlage entlastet, Rückhaltevolumen geschaffen und dem Kocher weniger Schmutz zugeführt – damit auch ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Die erste Jahreshälfte werden wir mit den Beeinträchtigungen klarkommen und auch Unternehmen und Privatpersonen planen müssen. Bitte haben Sie Verständnis und Geduld. Die beteiligten Baufirmen und das Ingenieurbüro arbeiten mit Hochdruck, dass im Juni alles fertig ist. Zu unserem großen Landeskinderturnfest vom 22. bis 24. Juli können wir unsere Gäste mit dem neuen Kreuzungsbereich bei der Kocherbrücke empfangen.“
Geplante Bauphasen
Während der ersten bis dritten Bauphase sind die beiden Aral-Tankstellen, Tiemann Grafik Hohenlohe KG und das Autohaus Koch über die Mergentheimer Straße aus anfahrbar.
Komplettsperrung während der Pfingstferien
In der ersten Juni-Hälfte, der vierten Bauphase, schließt sich das Regierungspräsidium Stuttgart mit der Erneuerung der Straßendecke der B 19 in der Ortsdurchfahrt an. Während der Pfingstferien müssen dafür der gesamte Kreuzungsbereich Mergentheimer Straße/Zollstockweg/Langenburger Straße und die Kocherbrücke komplett in beide Fahrtrichtungen gesperrt werden.
Während der Bauphasen eins bis drei können Fußgänger den Baustellenbereich passieren. Das wird in der abschließenden vierten Bauphase nur eingeschränkt oder zeitweise gar nicht möglich sein. Der Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) passt die Buslinien entsprechend an. Die Fahrplanänderungen sind auf der Homepage des NVH eingestellt: https://www.nvh.de/?show_news=1767
Was passiert in den drei städtischen Bauphasen 2022?
In den Bauphasen eins bis drei werden im Auftrag der Stadtverwaltung Künzelsau die bestehenden Mischwasserkanäle innerhalb des Kreuzungsbereichs B 19 Mergentheimer Straße/Langenburger Straße/Zollstockweg erneuert. In diesem Zuge werden die Wasserleitung inklusive der Hausanschlussleitungen und Hydrantenschächte, die Kabel der Straßenbeleuchtung, Leerrohre des Parkleitsystems und Breitbandleerrohre neu verlegt. Das bestehende Abwasserpumpwerk in der Mergentheimer Straße wird neu gebaut. Auch hier werden die Wasserleitung erneuert, Breitbandleerrohre verlegt und der Straßenbau wiederhergestellt. Abschließend werden entlang des Kochers wieder die Grünflächen sowie der Rad- und Fußweg angelegt.
Land fördert städtisches Projekt
Für den Bau der Regenüberlaufbecken war ein Wasserrechtsgesuch erforderlich, für das die Stadtverwaltung Künzelsau von der Unteren Wasserrechtsbehörde beim Landratsamt Hohenlohekreis eine Genehmigung erhalten hat. Auch der Förderantrag wurde vom Land Baden-Württemberg positiv beschieden: Die Gesamtkosten von rund 2,8 Millionen Euro werden vom Land mit rund 1,01 Millionen Euro bezuschusst.
Strategie 2030
Im Rahmen des Prozesses „Künzelsau 2025 – Wie wollen wir 2025 in Künzelsau leben?“ befassen sich der Gemeinderat und die Stadtverwaltung schon seit längerem damit, die Zukunft Künzelsaus aktiv zu gestalten. Der Gemeinderat schreibt diesen Prozess jährlich fort und legt mit der „Strategie 2030“ gemeinsame Ziele für die nächsten Jahre fest. Im Jahr 2022 liegt der Fokus des städtischen Engagements auf den Bereichen Infrastruktur und Integration. Der Arbeitstitel, das Schwerpunktziel 2022, lautet deshalb kurz „Infrastruktur und Integration“. Mehr dazu ist auf der städtischen Homepage zu finden: http://www.kuenzelsau.de/Strategie2030
Pressemitteilung der Stadt Künzelsau
Zum Plan:
Plan gefertigt von LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG.
Pressemitteilung Stadt Künzelsau
Ein weiteres Bauprojekt beschäftigte den Künzelsauer Gemeinderat am 18. Januar 2022: Die Firma Merz Objektbau, die auch das ehemalige Mustang-Gelände projektiert, präsentiert eine Planung, die zwei noch unbebaute städtische Grundstücke auf Taläcker mit Wohnraum und einem Verbrauchermarkt bebauen soll. Eine auf den ersten Blick bestechende Lösung: Ein Verbrauchermarkt auf Taläcker wird von der dortigen Bevölkerung gewünscht, Wohnungen sind in Künzelsau ohnehin Mangelware. Darüber hinaus will der Investor 80 Prozent der Wohnungen im Rahmen des „sozialen Wohnungsbaus“ errichten, einzig die oberen Penthousewohnungen – aus denen man eine wunderbare Aussicht nach Osten über die Stadt haben dürfte, sollen auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten werden.
Genaugenommen handelt es sich bei der Fläche um zwei Grundstücke, das südliche hat rund 3.000 Quadratmeter, das nördliche ist doppelt so groß. Auf diesen Grundstücken will Jannis Merz, Architekt und Geschäftsführer der Merz Objektbau, drei zusammengehörige Gebäude erstellen: Im Süden ein L-förmiges Wohngebäude mit 3 Vollgeschossen und einem Penthousegeschoß, in der Mitte einen Verbrauchermarkt, dessen Dach – das Grundstück hat ein Gefälle – begrünt werden und als Park und Begegnungsort genutzt werden soll sowie eine weitere Wohneinheit mit 3 Stockwerken plus Penthouse im Norden.
Verwaltung will die Grundstücke an Investor veräußern
Der Antrag der Verwaltung lautet nun, die beiden Grundstücke an die Merz Objektbau zu veräußern, um das geplante Projekt verwirklichen zu können.
Die Vision von Jannis Merz: Blick von Südwest in die Max-Beckmann-Strasse. Foto: Sitzungsunterlagen
Ernüchterung für den Architekten
Auch diese Diskussion beginnt mit großer Ernüchterung für den Architekten – hat doch Hans-Jürgen Saknus herausgefunden, dass der Südteil des Grundstücks ursprünglich für einen Kindergarten vorgesehen ist und bereits Baurecht für einen Kindergarten vorliegt.
Zusammenhang mit dem Streitpunkt Kinderhaus?
Da gerade vorher über die umstrittene Erweiterung des Kinderhauses am Fluß um 2 Gruppen diskutiert wurde, denkt der unbefangene Beobachter sofort an einen Zusammenhang: Sollen die beiden zusätzlichen Gruppen für das Kinderhaus am Kocher etwa die Kinder aus Taläcker aufnehmen, damit das Projekt der Firma Merz Objektbau dieses Projekt umgesetzt werden kann?
Die Fraktion von SPD und GRÜNEN sieht auf jeden Fall die Belange von Familien mit Kindern durch das Projekt hintenangestellt und setzt eine klare Bedingung: sie will nur zustimmen, falls auf dem Gelände sowohl ein Verbrauchermarkt als auch ein Kindergarten verwirklicht werden – denn genau das seinen die Anforderungen der Bevölkerung.
Bürgermeister Neumann herrscht Saknus an „Was wollen Sie eigentlich bezwecken?“ und wirft ein, dass das Projekt doch 80 Prozent Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau bereitstellt, was eines der gemeinsam beschlossenen Ziele der Stadt sei. Er bezeichnet das Vorpreschen von Saknus als „unfair“ und betont, dass für den Kindergarten weitere Grundstücke bereitstünden – welche, sagt er nicht.
Inhalte alter Protokolle werden durch den Raum geworfen
Und wieder, wie auch beim Kinderhaus, gehen zwischen Verwaltung und Räten Zitaten aus alten Protokollen hin und her.
Neumann wirkt angegriffen, es „geht lediglich um die Sicherung der Grundstücke“, sagt er – das entspricht allerdings nicht dem Antrag aus seiner Verwaltung, der von „Veräußerung“ spricht.
Jannis Merz schüttelt von Zeit zu Zeit den Kopf.
„Ich komme langsam nicht mehr mit“
Robert Volpp (CDU) zeigt sich überrascht: „Wir wollten mietpreisgebundene Wohnungen und jetzt haben wir diese. Ich komme langsam nicht mehr mit, was dieser Gemeinderat will.“ Und Erhard Demuth (SPD/GRÜNE) fühlt sich gar als ein „gebranntes Kind“, wenn er bei Merz Objektbau ans Mustang-Areal denkt.
Auf die Sachebene zurück kommt endlich Reintraud Lindenmaier mit ihrer Forderung „Vor einer Veräußerung muss geklärt sein, wo ein Kindergarten hinsoll“. Da ist sie einer Meinung mit Boris d’Angelo (UBK), der sagt: „Die Reihenfolge stimmt nicht. Erst müssen wir die Kindergartenplanung fertigstellen. Es ist schwierig, anderswo Baurecht für einen Kindergarten zu schaffen.“ Was Boris d’Angelo mit der falschen Reihenfolge meint: Die Planung für eine eventuelle Erweiterung der beiden bestehenden Kindergartenstandorte, die in mehrerlei Hinsicht nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind, ist zwar im Gang, aber Stefan Neumann kann aber noch keinen Zeitpunkt nennen, bis wann ein Konzept auf dem Tisch liegen wird. Trotzdem liegt ein möglicherweise schnell realisierbarer Vorschlag auf dem Tisch, der den Verlust des möglicherweise einzigen Alternativstandorts bedeuten würde.
„Wir sind keine Haie, die sich das ganze Grundstück krallen wollen“
Schließlich bringt Jannis Merz selbst einen Vorschlag ins Spiel: „Wir sind keine Haie, die sich das ganze Grundstück krallen wollen.“ Er will Sicherheit, dass die bereits investierte Zeit und die folgenden Arbeiten nicht fruchtlos sind: „Unser Ziel ist es, ein Grundstück zu sichern, egal wie groß. Wir brauchen Sicherheit. Und die größte Sicherheit ist, dass der Gemeinderat hinter dem Projekt steht.“ Ursprünglich hat er auch nur das nördliche, größere Grundstück geplant. Er betont, dass aus Kreisen der Stadt Künzelsau die Anregung gekommen sei, beide Grundstücke zu planen. Für ihn sei wichtig, eine konkrete Zusage des Gemeinderates zu haben, da er die Verhandlungen mit dem Discounter finalisieren wolle.
Kompromißlösung
Auf dieser Grundlage kann sich der Gemeinderat darauf verständigen, das größere Grundstück an die Merz Objektbau zu verkaufen – unter der Voraussetzung, dass Merz bis Ende des zweiten Quartals eine Vertrag mit dem Unternehmen NETTO sowie eine detailliertere Planung vorlegen kann – auch der Gemeinderat braucht Sicherheit. Merz sichert die Erfüllung dieser Bedingungen zu. Sollte er die Bedingungen erfüllen, steht einem Verkauf zum Ende des zweiten Quartals 2022 nichts mehr im Wege.
Verständigung, aber keine Einigkeit
Einig war sich der Gemeinderat allerdings nicht: Der Beschluß erging mit 13 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.
Text: Matthias Lauterer