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Darm-mit-Charme nun auch in der Experimenta

Noch bis zum 1. Mai können sich experimenta-Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung „Darm mit Charme“ auf eine kuriose Reise durch den menschlichen Körper begeben. Sie basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Giulia Enders; von ihrer Schwester Jill Enders stammen die Illustrationen. Im Interview sprechen die beiden darüber, welche vielfältigen Möglichkeiten die Transformation des Bestsellers in eine Mitmachausstellung bietet.

Experimenta Heilbronn. Bild: Experimenta Heilbronn

Giulia, am Anfang des Projekts „Darm mit Charme“ stand die Frage eines WG-Mitbewohners zum Thema Stuhlgang. Wie hat sich daraus die Idee zum Buch entwickelt?

Giulia Enders (GE): Nach dieser Frage machte ich bald bei einem Science Slam mit. Dabei stellen Forschende vor, was sie fasziniert. Ein Video dieses Science Slams ging online und verbreitete sich rasant. Daraufhin fragte mich eine Literaturagentin, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben. Ich dachte: Probieren kann ich es ja mal.

Jill Enders. Bild: Experimenta Heilbronn

Wie kamst du als Illustratorin dazu, Jill?

Jill Enders (JE): Als Giulia mir am Telefon zum ersten Mal vom Darm erzählt hat, war ihre Begeisterung darüber ansteckend. Ich hatte Bilder im Kopf und begann zu zeichnen – schon hatten wir einen Anfang für den Science Slam. Wir haben dabei gemerkt, dass wir uns gegenseitig anspornen und weiterbringen.

GE: Wir nennen das Gedanken-Ping-Pong. Es macht Spaß – und ich denke, das spüren die Leserinnen und Leser auch.

Euer Buch ist ein spannendes Wechselspiel von Worten und Bildern. Was war zuerst da? Die Worte? Oder haben die Zeichnungen die Sprache inspiriert?

JE: Beides. Es geht immer mal hin und her. Manchmal hakte es am Text und beim „Darüber-Sprechen“ entstand ein Bild, das es besser erklärte als Worte – oder anders herum. Am meisten Arbeit floss in den richtigen Ton. Ein Schließmuskel darf ruhig freundlich aussehen oder ein kauender Mund wie eine Tänzertruppe – Hauptsache, das Wesentliche kommt dabei raus. In diesem Punkt haben wir uns immer gegenseitig geprüft: Giulia die Bilder und ich den Text. Nur so konnten wir sicher sein, dass auch andere uns verstehen.

Nun ist „Darm mit Charme“ als interaktive Ausstellung in der experimenta zu sehen. Was ist dort anders als im Buch?

GE: Dreidimensional haben wir ganz andere Möglichkeiten mit dem Wissen zu spielen. In der Ausstellung gibt es zum Beispiel eine Station, in der Besuchende Lebensmittel einscannen, wie im Supermarkt, aber auf einem Bildschirm angezeigt bekommen, wie viel Ballaststoffe darin enthalten sind. Daraus wird schnell ein Wettkampf: Wer ernährt die eigenen Darmbakterien besser? Jill und ich haben das schon ehrgeizig gegeneinander ausgefochten.

JE: Auch einen echten Darm so zu zeigen, wie wir ihn gerne präsentieren möchten, war für uns ein Highlight. Die Körperausstellungen, die wir kennen, färben Organe mit Farbstoffen ein oder lassen sie glänzend und plastikartig erscheinen. Unser echter Darm ist so, wie er wirklich aussieht, wenn das ganze Essen und das Blut fehlen: weiß und sauber, wie ein Gebilde aus Papier.

Giulia Enders. Bild: Experimenta Heilbronn

Die Konzeption einer Ausstellung war für euch Neuland. Wie war es, dabei zu sein?

JE: Wir haben mit einem Team aus Frankreich, Finnland und Portugal zusammengearbeitet. Das war menschlich sehr nett und es war auch gut, dass alle anderen schon so viel Erfahrung beim Kreieren einer Ausstellung hatten. Wir waren allerdings überrascht, wie viel verboten war.

GE: Immer wieder hieß es, vor allem aus Frankreich, wenn wir eine Idee für ein Ausstellungsobjekt eingebracht haben: Nein, das essen die Leute! Oder: Da treten sie drauf und versuchen es von der Wand abzureißen. Seitdem haben wir einen ziemlich witzigen Eindruck von französischen Museumsbesuchenden… das ist sicher.

JE: Und jetzt ist sicher nichts mehr essbar oder von der Wand abreißbar!

Seit dem Erscheinen des Buches sind mittlerweile mehrere Jahre vergangen. Gibt es inzwischen neue Erkenntnisse zum Ausnahmeorgan Darm?

GE: Unzählbar viele! Die Anzahl der veröffentlichten Studien zum Thema „Mikrobiom“, also der Mikroben in und auf uns, steigt fast exponentiell. Im Jahr 2021 waren es etwa 25.000 Stück. Kein Wunder, dass es da als Ärztin oder Arzt nicht möglich ist, immer up to date zu sein. Gute Wissensaufbereitung wird in dieser schnellen, riesigen Welt immer wichtiger.

„Darm mit Charme“ vermittelt ein sensibles Thema einem großen Personenkreis verständlich und unterhaltsam. Was für ein Feedback gab es aus der Fachwelt zu eurem Buch?
GE: Sehr schönes Feedback. Hilfreiche Hinweise oder auch lustige Zusendungen: wie einen Kefir-Pilz, den ich in höchsten Ehren weiterzüchte.

Das Exponat des echten Darms ist schon toll.

Zu guter Letzt, was ist eure Lieblingsstation in der Sonderausstellung „Darm mit Charme“?

GE: Das Exponat des echten Darms ist schon toll. Wenn ich vor ihm stehe, bin ich beeindruckt von der Schönheit und werde jedes Mal ruhig und dankbar. Bei so etwas kann ich meiner Schwester absolut vertrauen – wenn ich sage: Ich habe Angst, dass sie ihn so „aderig“ und „schauderig“ machen, dann weiß sie einen Weg, telefoniert mit den Plastinatoren und am Ende ist er genau richtig und wunderbar.

JE: Ich mag die Bakterien, die, wenn man sie antatscht, etwas Lustiges von sich erzählen. Das versteht mittlerweile auch mein fünfjähriger Sohn und muss lachen. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, unsere Freude an der Sache hat es auch in diese Ausstellung geschafft und wird von dort aus weitergetragen.

GE: Ping-Pong eben.


Zur Person:
Giulia Enders ist approbierte Ärztin. Sie forschte für ihre Doktorarbeit am Institut für Mikrobiologie in Frankfurt am Main und wurde 2012 durch ihren Science Slam-Vortrag „Darm mit Charme“ bekannt, der zum YouTube-Hit wurde. Jill Enders ist diplomierte Kommunikationsdesignerin mit dem Schwerpunkt Wissenschaftsvermittlung. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe.


Pressemitteilung Experimenta




Künzelsau wird Host Town der Special Olympics World Games Berlin 2023

Der Auftakt ist gemacht, die Entscheidungen sind getroffen. 216 Host Towns, 216 kommunale Projekte werden eine offene, vielfältige Gesellschaft prägen. Das größte kommunale Inklusionsprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik stiftet ein neues Miteinander und öffnet den Raum für Begegnungen weit über die Special Olympics World Games Berlin 2023 (17. bis 25. Juni 2023) hinaus. Und Künzelsau ist als Host Town mit dabei!

„Die Special Olympics werden das Thema Inklusion noch weiter vorantreiben „

„Ich bin sehr stolz, dass Künzelsau zu einer der 216 Host Towns gewählt wurde und neben Großstädten wie Hamburg, Mannheim oder München Gastgeber an vier erlebnisreichen Tagen sein wird. Integration ist unser Schwerpunktthema in diesem Jahr. Die Special Olympics und die Stärkung der Inklusion vor Ort passen daher prima zu unserem Fahrplan. In Künzelsau herrscht bereits ein großes Engagement von Seiten der Vereine, der städtischen Einrichtungen, aber auch und vor allem durch das Unternehmen Würth. Die Special Olympics werden das Thema Inklusion noch weiter vorantreiben und nachhaltige Netzwerke und Projekte vor Ort entstehen lassen. Ich persönlich freue mich riesig darauf, einer internationalen Delegation unsere schöne Heimat Hohenlohe und die Gastfreundschaft der Künzelsauer zeigen zu können“, so Bürgermeister Stefan Neumann.

Vier Tage lang Gastgeber

Die Host Towns bereiten den Empfang für die internationalen Delegationen. Über vier Tage, vom 12. und 15. Juni 2023, sind sie Gastgeber für die Athlet*innen und deren Angehörige vor Beginn der Wettbewerbe in Berlin. Die Delegationen lernen Land und Leute kennen. Aus der Nähe erfahren sie die regionalen Besonderheiten und Einzigartigkeiten in allen Bundesländern. So werden die Kommunen – Städte, Landkreise und Gemeinden – das Bild Deutschlands in der Welt formen. Inklusion wird zur Inspiration – 216 Host Towns sind in Vielfältigkeit vereint.

Von den Host Towns wird ein Aufbruch für mehr Teilhabe und Anerkennung von Menschen mit Behinderung ausgehen. Ihre Sichtbarkeit und gleichberechtigte Partizipation ist der Antrieb für das Engagement der Städte, Gemeinden und Landkreise in den Regionen der Republik.

„Das Programm ist ein Baustein der Special Olympics World Games Berlin 2023 für eine nachhaltig inklusive Gesellschaft. Umso größer ist unsere Freude über die riesige Resonanz, die es bundesweit in Städten, Gemeinden und Landkreisen gefunden hat“, sagt Christiane Krajewski, Präsidentin von Special Olympics Deutschland (SOD). „Das Programm zielt auf die Etablierung inklusiver Strukturen und auf selbstbestimmte Teilhabe vor Ort. Damit ist es Ausdruck unserer ganzheitlichen Strategie, über den Sport hinaus die Lebenswelten von Menschen mit geistiger Behinderung und deren Wahrnehmung in der Gesellschaft im Blick zu haben. Die 216 Host Towns gehen mit dem Programm einen großen Schritt in Richtung Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und senden einen starken Impuls für eine bundesweite Bewusstseinsbildung.“

„Die aktive Mitwirkung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung stehen dabei im Mittelpunkt.“

Sven Albrecht, Bundesgeschäftsführer SOD und Vorsitzender der Geschäftsführung der Special Olympics World Games Berlin 2023 sagt: „Die vielfältigen Ideen, Initiativen und Projekte, die Kooperationen mit Schulen, Vereinen, Kultureinrichtungen und Werkstätten, die entstehenden Netzwerke werden das Land nachhaltig voranbringen, es reifen lassen im Umgang mit dem Thema Inklusion. Die aktive Mitwirkung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung stehen dabei im Mittelpunkt. Ich bin sicher, dass wir diesbezüglich gemeinsam mit den Kommunen neue Maßstäbe in der Gesellschaft setzen werden.“

Franziska Giffey, die Regierende Bürgermeisterin Berlins, betont: „Die Sportmetropole Berlin freut sich außerordentlich auf die Special Olympics World Games 2023! Sie sind sie ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft.” Menschen mit Behinderung werden im Mittelpunkt stehen, sie bekommen Anerkennung und Respekt. Giffey: „Noch bevor die Flamme im Olympiastadion angezündet wird, begeben sich die Delegationen aus aller Welt auf eine Reise quer durch Deutschland, um vor Ort Teilhabe zu erleben und Menschen mit Behinderung in Sport und Gesellschaft sichtbar werden zu lassen. Den ausgewählten Städten und Gemeinden gratuliere ich herzlich.” Giffeys Appell: „Lassen Sie uns gemeinsam die internationalen Sportlerinnen und Sportler willkommen heißen und dem Thema Inklusion überall in Deutschland einen starken und wichtigen Anschub geben.“

Den Ausschlag zur Auswahl als Host Town haben vor allem die Konzepte für die inklusiven Projekte vor Ort gegeben. Die Kommunen überzeugten zudem mit Motivation und Ideen. Eine Rolle spielten ebenso praktische Gründe wie die Reisezeiten und -wege. Die Bewerbungen haben Gremien mit bis zu zwölf Mitgliedern aus den jeweiligen Landesverbänden, den Athlet*innen von Special Olympics und Mitarbeitende aus dem Organisationskomitee (LOC) gesichtet und bewertet. Auf Grundlage dieser Evaluierung haben das Präsidium von Special Olympics Deutschland und das LOC in enger Abstimmung mit dem SO-Länderrat die Entscheidungen getroffen.

Mit den Special Olympics World Games Berlin 2023, dem weltweit größten inklusiven Sportevent, wird Inklusion (be-)greifbarer. Menschen mit geistiger Behinderung werden sichtbar, Begegnungen einfacher, Austausch selbstverständlicher. Im Berliner Olympiastadion, auf dem Alexanderplatz – und dank des Programms auch bundesweit in den 216 Host Towns.

Eine Liste aller Host Towns ist zu finden unter https://specialolympics.de/

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

Zum Bild: Juliana Rößler, Athletenrat SO Berlin, freut sich auf das Host Town Program 2023. „Toll, dass wir unsere Stadt präsentieren können“, sagt die Berlinerin. Quelle: LOC Special Olympics World Games Berlin 2023 / Camera 4 – Tilo Wiedensohler.




„Die Filme in diesem Jahr waren durch die Bank eher düster“

Junge Filmemacher*innen und Filmbegeisterte aus ganz Deutschland kommen beim fünften kurz.film.fest des Campus Künzelsau virtuell zusammen. Nachdem sich das Online-Format schon im letzten Jahr bewährt hat, hat das studentische Organisationsteam des Studiengangs Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement (BK) auch in diesem Jahr auf ein digitales Konzept gesetzt. Das Filmfest läuft unter der Leitung von Professorin Raphaela Henze, die im Studiengang BK lehrt.

Acht Filme – zwei Preise

Acht Filme der Sparten Animation, Spielfilm und Dokumentation sind im Rennen – zu gewinnen gibt es gleich zwei Auszeichnungen: Einen Preis vergeben die Filmexpert*innen, bestehend aus Dominik Kuhn, besser bekannt als Dodokay, Kulturjournalist Tobias Krone, Arthouse-Kinobetreiber Peter Zwingmann, Regisseur und Kameramann Tom Kimmig sowie Professorin Raphaela Henze. Den zweiten Preis vergibt das Publikum.
Nur volljährige Zuschauer*innen dürfen das Filmfest miterleben, da die Kurzfilme vor allem von schwierigeren Themen wie Suizid, Gewalt gegen Frauen und Rechtsextremismus erzählen.

Gewinnerfilme in Animation, Spielfilm und Dokumentation

Ihre Werke präsentieren die jungen Filmemacher*innen knapp 100 Teilnehmer*innen, die Fachjury lobt die Kurzfilme durchweg für ihre hohe Qualität. In der ersten Kategorie des Abends, Animation, landen gleich zwei Filme auf dem Siegerpodest der Jury: „Blessing in Disguise“ und „Obervogelgesang“. Beide schwarz-weiß-2D-Animationen stammen von Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg.  Während sich „Obervogelgesang“ mit einer jungen Frau beschäftigt, die mit der problematischen politischen Lage in ihrer Heimat Sachsen konfrontiert wird, erzählt „Blessing in Disguise“ die bewegende Geschichte eines Suizidüberlebenden. Von letzterem Film ist auch das Publikum ganz besonders angetan. Die Nachwuchstalente Emma Holzapfel und Kevin Koch freuen sich sichtlich über beide Preise und sind an diesem Abend auch die Einzigen mit einer Doppelauszeichnung.

Jury und Publikum nicht einig

In Sachen Spielfilm sind Jury und Publikum unterschiedlicher Meinung: Die Fachjury findet in „Goldilocks“ ihren klaren Sieger. Ein Film über eine Frau, die nachts während ihrer Tätigkeit als Schlüssel-Dienst in einen absurden Einbruch verwickelt wird. Die Zuschauer*innen hingegen krönen „GRRRL“ als ihren Favoriten. Hier thematisiert Natascha Zink sexuelle Belästigung und zeigt eine durchaus gewaltbereite Frauengruppe, die andere Frauen nachts sicher nach Hause begleitet. Damit entscheiden Beiträge der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) München die Sparte Spielfilm für sich.

Auch beim Dokumentationsfilm gehen die Meinungen von Zuschauer*innen und Jury auseinander. Beim Publikum liegt „Zweisam“ knapp vorne, eine Dokumentation über ein lesbisches Paar, die mit stimmigen schwarz-weiß Aufnahmen die schönen, aber auch die herausfordernden Momente dieser Beziehung zeigt. Der erste Platz der Fachjury geht an die Macher des Kurzfilms „Sealand“, Studierende der HFF München. Hier geben sie nicht nur philippinischen Seemännern eine Stimme, die in Containerschiffen für wenig Geld rund um die Uhr arbeiten, sondern werfen auch einen Blick auf die Schattenseiten unserer globalisierten Welt.

„Der Hunger nach Filmen und Kultur im Allgemeinen ist da“

„Die Filme in diesem Jahr waren durch die Bank eher düster. Vielleicht kann man nach einem Jahr wie 2021 auch nichts Anderes erwarten. Toll ist aber, das überhaupt gedreht wurde und wir diese Werke heute vor einem wirklich großen Publikum zeigen konnten. Der Hunger nach Filmen und Kultur im Allgemeinen ist da und wir hoffen, wie die ganze Kulturszene, darauf, dass wir bald wieder viel mehr davon sehen, hören und erleben können“, sagt Professorin Raphaela Henze abschließend.

Pressemitteilung Hochschule Heilbronn




Montagsspaziergänge: Gegendemos in Bretzfeld

Nachdem wir ausführlich über den Montagsspaziergang am Montag, den 24. Januar 2022, berichtet hatten, veröffentlichen wir nun die Stellungnahme des Landratsamtes des Hohenlohekreises auf unsere Presseanfrage zu den Montagsspaziergängen im Hohenlohekreis. Sie ist ebenfalls datiert auf den 24. Januar 2022.

GSCHWÄTZ: Welchen rechtlichen Status habe diese Veranstaltungen, die an mehreren Orten im HOK stattfinden? Sind diese Veranstaltungen im Sinne des Demonstrationsrechts angemeldet?

Landratsamt: Es handelt sich hierbei um Versammlungen im Sinne des Versammlungsgesetzes (VersammlG) bzw. Art. 8 Grundgesetz. Der Fachbegriff für nicht-stationäre Versammlungen lautet „Aufzug“. Angemeldet sind derzeit nur die Versammlungen in Bretzfeld.

GSCHWÄTZ: Gibt es für die Behörden einen Ansprechpartner für diese Spaziergänge?

Landratsamt: Nur, wenn die Versammlung angemeldet wird.

GSCHWÄTZ: Gibt es von Seiten des Landratsamtes Auflagen, was etwa Plakate oder Sprechchöre angeht? (Hintergrund: Die erste Veranstaltung lief anders ab als die Veranstaltung vom vergangenen Montag)

Landratsamt: Wenn ein Ansprechpartner/Organisator bekannt ist, können diesem eventuelle Auflagen mitgeteilt werden. Diese beziehen sich vor allem auf Sicherheitsaspekte und Lärmschutz und sollen einen ungestörten Verlauf der Versammlung sicherstellen.

GSCHWÄTZ: Liegen Erkenntnisse vor, dass zu diesen Veranstaltungen prominente Vertreter der entsprechenden „Szene“ von außerhalb des Hohenlohekreis anreisen?

Landratsamt: Nein.

GSCHWÄTZ: Wie ist die generelle Zuständigkeit bei solchen Veranstaltungen: Welche Ordnungsmaßnahmen sind in der Hand des Landratsamtes, wo wäre  die Stadt Künzelsau zuständig?

Landratsamt: Landratsämter, Große Kreisstädte und Verwaltungsgemeinschaften mit mehr als 20.000 Einwohnern sind als Versammlungsbehörde für die Entgegennahme von Anmeldungen sowie den Erlass von Versammlungsbescheiden und sonstigen Maßnahmen nach dem Versammlungsgesetz zuständig. Dementsprechend ist die Stadt Künzelsau keine Versammlungsbehörde und hat diesbezüglich auch keine Zuständigkeit nach dem Versammlungsgesetz.

GSCHWÄTZ: Welche Strategie hat der Hohenlohekreises bezüglich dieser Veranstaltungen? Es sind ja Ereignisse, die eindeutig politischen Hintergrund haben.

Landratsamt: Grundsätzlich sind Versammlungen durch Artikel 8 des Grundgesetzes geschützt. Zur Ausgestaltung dieses Grundrechts, dessen Inhalt und der rechtlichen Möglichkeiten der Versammlungsbehörde im Umgang mit solchen Versammlungen wird auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 12.01.2022 verwiesen. Hieran orientiert sich das Vorgehen der Versammlungsbehörde im Hohenlohekreis.

GSCHWÄTZ: Liegt dem Landratsamt die Anmeldung einer Gegenveranstaltung in Künzelsau oder Öhringen vor oder hat das Landratsamt Informationen über eine eventuelle Gegenveranstaltung?

Landratsamt: In unserem Zuständigkeitsbereich (vgl. auch Frage 5) wurden bisher nur in Bretzfeld Gegendemonstrationen angemeldet.




Schon wieder neue Corona-Regeln in Aussicht

Nachdem der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim einige der aktuell geltenden Corona-Regeln „gekippt“ hat, muss die Landesregierung einmal mehr ihre Corona- Verordnung aktualisieren. Anlaß des Urteils war die Tatsache, dass die Landesregierung die Alarmstufe II in Kraft lassen wollte, obwohl die selbst gesetzten Indikatoren Intensivbelegung und Hospitalisierungs-Inzidenz  unterschritten waren. Nicht zum ersten Mal ist dabei der Landesregierung etwas „verrutscht“ – wie es Kretschmann Anfang Dezember ausdrückte.

Am heutigen Mittwoch, 26. Januar 2022, will Kretschmann den Landtag über seine Pläne informieren, bereits am morgigen Donnerstag, 27. Januar 2022 könnte eine geänderte Fassung der Corona-Verordnung verkündet werden, die dann ab Freitag in Kraft wäre.

Noch nichts Konkretes bekannt

Würde die Verordnung nicht angepaßt, wäre aufgrund der dort festgelegten Kennzahlen die Alarmstufe II aufgehoben, damit würde in der Gastronomie wieder 2G statt 2Gplus gelten und im allgemeinen Einzelhandel 3G statt 2G.

Statt Intensivbelegung jetzt Infrastruktur im Mittelpunkt

Ministerpräsident Kretschmann hat bereits angekündigt, dass er aufgrund der raschen Verbreitung der Omikron-Variante eher über eine Verschärfung der Regeln nachdenkt als großzügig zu lockern. Anstelle der Intensivbelegung rückt ein neues Ziel in den Mittelpunkt: Die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.

Die amtlich gemeldete Inzidenz für das Land Baden-Württemberg nähert sich der Marke von 900 – alle amtlich als infiziert geltenden Menschen sind entweder mit geringen Symptomen in Quarantäne oder tatsächlich erkrankt – sie können auf jeden Fall ihrer Arbeit nicht nachgehen. Die Hospitalisierungsinzidenz, die zwischenzeitlich unter 3 gelegen hatte, ist wieder auf 4,8 (Stand 25. Januar 2022) angestiegen. Einzig die ITS-Belegung sinkt weiter: 286 Corona-Patienten wurden gestern noch auf ITS behandelt.

Omikron als Game-Changer

GSCHWÄTZ hat bereits vermutet, dass Omikron ein Game-Changer sein wird und das gegen Delta entwickelte Regelwerk aufgrund der neuen Zielsetzung geändert werden dürfte. Wenn FDP-Fraktionschef Rülke sagt „Das ist schon Willkür: Wenn mir das Regelwerk nicht mehr passt, dann verschiebe ich es einfach.“, dann greift das zu kurz, denn die Spielregeln werden offenbar nicht von der Landesregierung, sondern von der aktuellen Virusvariante bestimmt.

Maßnahmen derzeit noch Spekulation

Noch sind die Planungen der Landesregierung nicht öffentlich. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es weiterhin ein Stufensystem geben wird – möglicherweise werden die Kennzahlen allerdings angepaßt. Denkbar wäre eine Kennzahl für die Krankenhausbelegung anstelle der ITS-Belegung.
Eine großzügige Öffnung für öffentliche Kultur- und Sportveranstaltungen sowie die Wiederöffnung von Clubs und Discotheken wird wahrscheinlich noch nicht auf dem Fahrplan der Landesregierung stehen, wohl aber eine Erweiterung der FFP2-Maskenpflicht auf den öffentlichen Verkehr.
Möglicherweise wird im Gegenzug zu einer gewissen Öffnung die FFP2-Pflicht auch auf öffentliche Veranstaltungen ausgeweitet werden.

Maßnahmen in Schulen und Kindergärten?

Laut Angaben des Landesgesundheitsamtes liegt der Anteil der Kinder und Jugendlichen (0 – 19 Jahre) im Moment bei 35 Prozent der Infizierten. In dieser Altersgruppe sind bisher vergleichsweise wenige Menschen geimpft. Und auch, wenn diese Altersgruppe in den allermeisten Fällen keine schweren Verläufe zeigt, verbreiten die Kinder und Jugendlichen das Virus, auch in die eigenen Familien. Zum Vergleich:  Die Altersgruppe Ü60, in der viele Menschen geimpft sind, liegt bei 7 Prozent. Es ist daher zu erwarten, dass die neue Corona-Verordnung auch gezielte Maßnahmen für Schulen und Kindergärten enthalten wird.

Text: Matthias Lauterer




Krankenhaus soll in drei Jahren fertig sein

Oberbürgermeister Thilo Michler führte am Sonntag, den 9. Januar 2022 um 11 Uhr, aus dem Blauen Saal des Rathauses seinen traditionellen Bürgerempfang als Livestream durch. „Letztes Jahr haben über 2.000 Menschen die digitale Begegnung gesehen. Ich hoffe, Sie waren auch 2022 dabei. Falls nicht, können Sie den Livestream nun bequem über den städtischen YouTube-Kanal als Aufzeichnung ansehen. Wir haben viel erreicht und haben viel vor! Ob Investitionen in unsere Schulen, der Krankenhausneubau oder die allgemeine Stadtentwicklung. Der Jahresrückblick informiert Sie kompakt über alle wichtigen Investitionen, Maßnahmen und Vorhaben in unserer Stadt“, sagt Oberbürgermeister Thilo Michler. Rund 500 Haushalte waren live bei der Begegnung 2022 dabei. Der Link zum Video ist über die städtische Homepage www.oehringen.de zu finden.

Viel erreicht, viel vor!

Um 11 Uhr eröffnete Pianist Paul Bräuer von der Jugendmusikschule mit zwei Stücken des zeitgenössischen Komponisten Mike Schoenmehl die „Begegnung 2022“. OB Thilo Michler berichtete in rund 35 Minuten über die Entwicklung der Großen Kreisstadt. Angefangen bei dem Kreisimpfzentrum mit 83.656 Impfungen, waren aktuelle Bauprojekte, Investitionen in Schulen und Kindergärten, Baugebiete, die neuen Stadtwerke und der ebenfalls neue Stadtmarketingverein „Öhringen. Lieblingsstadt e.V.“ wichtige Schwerpunkte der Präsentation.

Das Krankenhaus kommt

Das größte Bauprojekt in der Stadtgeschichte wird in den kommenden Jahren das Krankenhaus mit rund 200 Betten und Kosten von rund 100 Millionen Euro sein. Das Baugesuch wurde kürzlich genehmigt. Der Spatenstich ist im Frühjahr geplant. Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha ist als Gast angefragt. Die Bauarbeiten sollen rund drei Jahre dauern. Investitionen in Bildung und Betreuung Fokus bei den städtischen Investitionen sind und bleiben Schulen und Kindergärten. Das aktuell größte städtische Bauprojekt ist die Sanierung und der Neubau des Hohenlohe-Gymnasiums mit Kosten von rund 45 Millionen Euro. 2020 erfolgte der Spatenstich, der Rohbau an der Weygangstraße ist im Dezember fertiggestellt worden. Dieses Jahr beginnen die weiteren Ausbauarbeiten, die Pfingsten 2023 abgeschlossen sein sollen. Danach folgt die einjährige Sanierung des C-Baus. Im Bereich der Kindergärten erfolgt ein Anbau am Kindergarten Rosenberg für zwei Gruppen. Der Friedenshort baut einen neuen siebengruppigen Kindergarten. Zum Sommer 2023 soll der Naturkindergarten in Verrenberg eröffnen. Dennoch, ergänzt der Oberbürgermeister, werde es in Öhringen auch 2022/23 weiterhin knapp, für alle ein- oder dreijährigen Kinder Betreuungsplätze anzubieten. Für 2023/24 sei er aber optimistisch, allen Kindern Plätze anbieten zu können. Im Zuge von mehr Sicherheit während der Pandemie hat die Stadt Öhringen 2021 alle Kindergärten und Grundschulen mit Raumluftfilteranlagen ausgestattet. Die großen Schulen, HGÖ, August-Weygang-Gemeinschaftsschule und Realschule, werden aktuell aufgerüstet. Zudem wurde in Digitalisierung investiert, um die Klassen mit Smartboards und leistungsfähigem Internet auszustatten.

Bauplätze für Wohnen und Gewerbe

„Ungebremst sei die Nachfrage nach Bauplätzen. Es gibt eine Warteliste mit über 300 Bauplatzinteressenten“, erläutert der OB. Das Neubaugebiet Limespark D ist fertig erschlossen, die ersten Rohbauten der Häuslebauer stehen bereits. Gegenüber vom Kindergarten Limespark soll eine neue Grundschule entstehen, mit Mensa und Doppelsporthalle, die ebenfalls von Vereinen genutzt werden kann. Die Bauplanung wird in der Februarsitzung dem Gemeinderat präsentiert. Im September 2022 soll der Spatenstich stattfinden. 2024 soll in der neuen Schule die Grundschule Cappel aufgehen. Die Kosten liegen bei rund 25 Millionen Euro. Auch in den Stadtteilen sei der Bedarf für Bauplätze groß, so der OB. 2022 soll die Erschließung des Baugebietes „Göckes“ in Michelbach beginnen. Im Januar steht im Gemeinderat ein Bebauungsplanverfahren für das neue Gewerbegebiet „Krötenäcker“ im Öhringer Westen auf der Tagesordnung.

Rund 480 kostenlose Lunchpakete

Um den Termin kulinarisch einzurahmen, hat die Öhringer Stadtverwaltung interessierten Bürgerinnen und Bürgern kostenlos Lunchpakete für zu Hause angeboten. Diese konnten vom 26. November bis 24. Dezember über die städtische Homepage bestellt werden. 481 Pakete, davon 56 für Kinder, wurden nachgefragt. Die Lunchpakete enthielten herzhaftes Gebäck einer lokalen Bäckerei, einen regionalen Apfel, sowie Wein für Erwachsene oder Saft für Kinder. 2021 fand die Lunchpakete-Aktion das erste Mal statt. Damals wurden 180 Pakete kostenlos ausgegeben.

 

Bild: Stadt Öhringen

Bildunterschrift: OB Thilo Michler stieß beim Livestream zum Bürgerempfang gleich dreimal mit den Bürgerinnen und Bürgern an.

 

 




Hohenlohekreis sucht Immobilien zur Flüchtlings- und Asylbewerberunterbringung

Das Landratsamt Hohenlohekreis sucht aufgrund der gestiegenen Flüchtlingszahlen in den vergangenen Monaten Mietobjekte im Kreisgebiet für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. In diesem Jahr muss der Kreis voraussichtlich bis zu 250 neue Plätze in Unterkünften schaffen. Dies ist nur über eine kurzfristige Anmietung von bestehenden Immobilien möglich. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Landratsamtes hervor. Weiter heißt es:

Mindestens 100 Quadratmeter

Gesucht werden insbesondere Immobilien mit einer Mindestwohnfläche von 100 Quadratmetern. In Frage kommen leerstehende Wohnhäuser oder Büro-/Industriegebäude, Hallen oder ehemalige Gaststätten. Eine Anmietung für zwei Jahre sollte möglich sein. Zudem sollten die Gebäude über einen Wasser-/Abwasseranschluss, eine Wärme- und Stromversorgung sowie sanitäre Anlagen verfügen. Idealerweise ist das Objekt bereits bezugsfertig.

Angebote zu in Frage kommenden Mietobjekten nimmt der Fachdienst Ausländer- und Flüchtlingswesen des Landratsamts telefonisch unter 07940 18-1303 oder -1717 sowie per E-Mail unter OrdnungundZuwanderung@hohenlohekreis.de entgegen. Ein Formular zur Meldung ist auf der Internetseite www.hohenlohekreis.de unter Bürgerservice / Was erledige ich wo? / Formulare / Ordnung und Zuwanderung hinterlegt.




Stadt und Kirche spenden für fünfköpfige Familie nach Wohnhausbrand in Künzelsau

Nach dem Brand in einem Wohnhaus in der Schnurgasse in der Nacht von Freitag, den 21. Januar 2022, auf Samstag, den 22. Januar 2022, steht die fünfköpfige Familie nun obdachlos und mit leeren Händen da. Die Familie wurde zunächst durch die Stadtverwaltung in einem Gasthof untergebracht. Der Brandrauch machte die kompletten Gegenstände in der Wohnung unbrauchbar. Wer der Familie in Not helfen möchte, kann das schnell und einfach mit einer Geldspende tun:

Empfänger: Stadtverwaltung Künzelsau

Verwendungszweck: Brand Schnurgasse

IBAN: DE02 6225 1550 0005 0018 08

BIC: SOLADES1KUN, Sparkasse Hohenlohekreis

Das Geld wird an die Familie für den Kauf des Nötigsten wie etwa Kleidung und Mobiliar weitergeleitet.

Eine Spendenbescheinigung kann nicht ausgestellt werden.

„Es ist tragisch, was der Familie am Wochenende zugestoßen ist. Wir wollen nun schnell und unbürokratisch unterstützen“, so Bürgermeister Stefan Neumann. An der Spendenaktion der Stadtverwaltung beteiligt sich auch das Evangelische Dekanat Künzelsau mit einer Spende in Höhe von 1.000 Euro. „In Krisenzeiten wie diesen zählt der Zusammenhalt. Wir möchten den Gemeindemitgliedern helfen, wo wir können“, so Dekan Dr. Friedemann Richert.

Eine Sofort-Hilfe von der Stadtverwaltung Künzelsau in Höhe von 500 Euro erhält die Familie durch die stellvertretende Bürgeramtsleiterin und Zuständige für das Feuerwehrwesen bei der Stadtverwaltung, Karin Schreiber.

Fotos: Feuerwehr Künzelsau. Text: Stadtverwaltung Künzelsau




Amokläufer an der Heidelberger Uni

Auf dem Gelände der Heidelberger Universität hat ein Mann mehrere Menschen angeschossen und verletzt. Ein Einzeltäter habe am Montagmittag mit einem Gewehr in einem Hörsaal der medizinischen Fakultät das Feuer eröffnet, teilte die Polizei mit. Es gebe auch einen Schwerverletzten, hieß es. Der Täter sei inzwischen tot. Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen soll der Täter selbst Student gewesen sein. Der Mann habe nach ersten Erkenntnissen keine politischen oder religiösen Motive gehabt. Er habe mehrere Gewehre bei sich gehabt und soll sich schließlich selbst erschossen haben. Diese Angaben wurden aber offiziell noch nicht bestätigt.Stand: 15 Uhr

Quelle: SWR >>> Hier geht es direkt zum Live-Ticker des SWR für weitere Informationen: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/liveblog-polizeigrosseinsatz-in-heidelberg-100.html

Die Polizei erklärte: „Wir gehen nicht von weiteren Tätern aus.“ Zur Sicherheit werde das Gelände aber weiter abgesucht. Zur Identität der Verletzten gab es zunächst keine Angaben. Das Neuenheimer Feld vor den Toren der Heidelberger Altstadt ist derzeit weiträumig abgesperrt. Die Polizei forderte Autofahrer auf, das Gelände weiträumig zu umfahren, damit Rettungskräfte freie Fahrt haben.




Inzidenz steigt und steigt und steigt …

In der Stadt Heilbronn wurde am gestrigen Sonntag, 24. Januar, die Inzidenz mit 1.023 angegeben, der Landkreis Heilbronn lag bei 967. Der Hohenlohekreis meldete eine Inzidenz von 775 – wobei die Gemeinden Niedernhall, Weißbach und Forchtenberg (Stand 22. Januar 2022, neuere Zahlen noch nicht enthalten) bereits eine Inzidenz von mehr als 1.000 haben.

SLK-Kliniken: Nur noch drei Coronapatienten auf der Intensivstation

Entgegengesetzt ist die Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patient:innen, sie sinkt weiter. Das kann Mathias Burkhardt, Pressesprecher der SLK-Kliniken bestätigen: „Ja – seit Beginn des Jahres können wir im SLK-Verbund einen Rückgang der Corona-Patienten verzeichnen, auch auf den Intensivstationen. Stand heute, 21. Januar 2022,werden 3 Patienten intensivmedizinisch behandelt. Am 06. Dezember 2021 konnten wir den bisherigen Höchststand der vierten Welle verzeichnen – mit insgesamt 29 Patienten auf der Intensivstation.“ Zusätzlich zu den 3 Intensivpatienten waren am Freitag, 21. Januar 2022, weitere 17 Corona-Patienten auf der Normalstation in Behandlung. Das bedeutet eine gewisse Entlastung des Personals: „Die Situation ist – für den Moment – entspannter. Unser Intensivfachpersonal ist durch den geringeren Anteil an COVID-19-Patienten, die eine sehr intensive Pflege benötigen und eine deutlich erhöhten Arbeitsumfang mit sich bringen (Schutzkleidung,…), weniger belastet.“

Auswirkungen von Omikron auf die Krankenhäuser noch nicht klar

Ob die Omikron-Variante dauerhaft die Hospitalisierung auf Normal- und Intensivstationen deutlich verringern wird, ist laut Burkhardt noch nicht klar: „Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beantworten, da wir rückläufige Zahlen verzeichnen, aber aufgrund der bundesweiten Infektionsentwicklung uns auf wieder steigende Zahlen einstellen. Welches Ausmaß dies annehmen wird und wo die Patienten dann behandelt werden müssen, ist heute noch nicht vorauszusehen.“ Genauso unklar ist, auf welche Behandlungen sich die Normalstationen bei Patienten mit einer Omikron-Infektion konkret einstellen müssen.

Merkwürdige False-Flag-Aktionen in den Anzeigeteilen

Eine Seite mit angeblichen Stellengesuchen ungeimpfter Menschen aus Bautzen.

Am Wochenende ging es erst durch die sozialen Medien, später auch durch die Presse, dass in einigen Zeitungen und Mitteilungsblättern ganze Kleinanzeigenseiten mit Stellenangeboten von ungeimpftem Pflegepersonal veröffentlicht wurden. Der Journalist Andreas Rausch vom rbb wollte mehr darüber wissen und hat versucht, mit einigen der mehr als 100 vorgeblichen Inserent:innen eines Bautzener Anzeigenblattes zu sprechen, was ihm nicht gelang: Die angegebenen Telefonnummern gab es teilweise nicht – zum Beispiel wurde die Nummer 0160-1234567890 angegeben – oder es wurde nicht abgenommen. Die in einigen Fällen erreichten Anrufbeantworter waren alle unpersönlich. Offenbar ging es nicht darum, dass reale Menschen reale Stellengesuche aufgegeben hatten.

„Das wirkte auf den ersten Blick fast wie abgesprochen“

Wer die Aktionen gestartet oder koordiniert hat, welchen Nutzen diese Aktion brigen soll und woher das Geld für diese Aktion kommt, ist unklar. Auch der „Fränkische Tag“ (Bamberg) listete mehr als 50 Anzeigen am Samstag. „Diese Häufung von sich ähnelnden Inseraten ist ungewöhnlich. Das wirkte auf den ersten Blick fast wie abgesprochen“, wird Gerhard Staudt, Teamleiter des Auftragsmanagements der Mediengruppe Oberfranken, zitiert. Der „Fränkische Tag“ weiß auch, dass in lokalen Telegram-Gruppen dafür geworben wurde, die Zeitung zu „fluten“. Die Anzeigen wurden jedenfalls bezahlt.

Situation ungeimpfter Pflegemitarbeiter

Ob die Aktionen den betroffenen ungeimpften Pflegekräften helfen, sei dahingestellt. Ungeachtet solcher Aktionen lohnt es sich, die Situation ungeimpfter Pflegekräfte zu betrachten: Ab dem 16. März 2022 müssen Beschäftigte in Kliniken, Pflegeheimen, Arzt- und Zahnarztpraxen, Reha-Kliniken, Geburtshäusern oder auch bei Rettungsdiensten einen Nachweis vorlegen, dass sie vollständig geimpft oder genesen sind oder ein Attest, dass sie nicht geimpft werden können. Ohne einen solchen Nachweis, ist der Arbeitgeber verpflichtet, das dem Gesundheitsamt zu melden, was ein Betretungsverbot zur Folge haben kann. Mit einem Betretungsverbot entfällt dann für den Arbeitgeber auch die Lohnzahlungspflicht – so das Gesetz. Genaue Zahlen, wieviele Arbeitnehmer:innen diese Regelungen betreffen könnte, gibt es nicht.

„Natürlich müssen wir damit rechnen, dass es weiterhin Mitarbeitende geben wird, die sich nicht für eine Impfung entscheiden können.“

GSCHWÄTZ hat daher Mathias Burkhardt auch danach gefragt, ob er bereits abschätzen kann, wie sich die Impfpflicht für Gesundheitsbedienstete ab März auf die SLK-Kliniken auswirken wird und ob er damit rechnet, dass Personal vom Dienst freigestellt oder entlassen werden muss: „Auch dies ist Stand heute noch nicht serös einschätzbar. Aber natürlich müssen wir damit rechnen, dass es weiterhin Mitarbeitende geben wird, die sich nicht für eine Impfung entscheiden können und die wir dann ab dem 16. März dem Gesundheitsamt melden. Wir bleiben aber weiterhin im Austausch mit der Mitarbeiterschaft und bieten ab kommender Woche als Arbeitgeber auch wieder ein kontinuierliches Impfangebot für alle Mitarbeitenden an“.

Kurios: Weintrinker sollen weniger ansteckungsgefährdet sein

Das sagt zumindest eine Studie, die in dem Journal „Frontiers in Nutrition“ veröffentlicht wurde: Um 17 Prozent sei die Wahrscheinlichkeit herabgesetzt, sich mit Corona zu infizieren, wenn man wöchentlich fünf Gläser Rotwein trinke. Bei Weißwein und Champagner sei der Effekt nicht so stark. Im Gegensatz dazu steigere sich die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion bei Bier- und Spirituosentrinkern. Die Journale dieses Verlages werden allerdings von der Wissenschaft stark kritisiert – vielleicht sollte man Rotwein lieber nicht als Corona-Maßnahme konsumieren.

Text: Matthias Lauterer