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„Es ist auch wahrlich nicht die Mitte der Gesellschaft, die spaziert“

Wer sind eigentlich die Menschen, die Montag für Montag in der ganzen Bundesrepublik – auch im Hohenlohekreis (wir berichteten) – auf die Straße gehen? Ist es ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung? Sind es Rechtsextreme? Oder sind es Leute, die guten Willens sind, aber von anderen für ganz andere Zwecke mißbraucht werden?

Die öffentliche Meinung messen und lenken

Wohl erstmals hat sich jetzt ein „Strategic research“-Institut – früher hätte man es Meinungsforschungsinstitut genannt – daran gemacht, die Menschen hinter den Spaziergängern näher zu untersuchen. Das Institut pollytix aus Berlin  „stellt die richtigen Fragen und liefert Antworten“ – so lautet jedenfalls die Werbeaussage auf der Homepage-  und ist ein auf gesellschaftliche und politische Fragen spezialisiertes Institut: „Wir messen nicht nur die öffentliche Meinung, sondern zeigen auch Wege auf, wie diese geändert werden kann, welche Zielgruppe dafür erreicht werden muss und in welcher Sprache diese angesprochen werden will.“, sagt Rainer Faus, der das Institut im Jahre 2012 gegründet hat. Ein Ansatz, wie man ihn von den bekannten deutschen Instituten eher nicht kennt, wie er aber beispielsweise in amerikanischen Wahlkämpfen gang und gäbe ist.  Wo andere Institute oder Agenturen auf ihrer Homepage stolz Referenzen angeben, ist über die Kunden und Auftraggeber von pollytix wenig bekannt. Bekannt ist, dass Faus unter anderem Autor einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Fragmentierung der Gesellschaft ist.

Repräsentative Studie über die Montagsspaziergänger

1.500 Menschen hat pollytix befragt – 95 Prozent kannten das Phänomen der Spaziergänger und konnten daher gezielt befragt werden. Besonders positiv werden die Spaziergänger von der Bevölkerung allerdings nicht wahrgenommen:

Nur 15 Prozent der Befragten könnte sich überhaupt eine Teilnahme an einem Spaziergang vorstellen, Verständnis für die Teilnehmer haben 30 Prozent der Befragten. Auf der anderen Seite haben 71 Prozent Angst vor einer Radikalisierung der Teilnehmer, fast genauso viele wünschen sich ein Eingreifen der Polizei gegen diese nicht angemeldeten Aufläufe. Und es gehen mehr Menschen von einer rechtextremistischen Beteiligung oder gar Steuerung aus als davon, dass es sich bei den Teilnehmern um einen Querschnitt der Bevölkerung handelt.

Das ist also der Blick von außen auf die Teilnehmer.  Aber wie sehen die Aufläufe „von innen“ aus? Auch darüber gibt die Umfrage einige teils überraschende Einblicke.

Stichprobe zu klein für „robuste Analyse“ der ‚Spazierenden‘

Allerdings sagt Rainer Faus: „Für eine robuste Analyse ist die Fallzahl der ‚Spazierenden‘ zu klein, werfen wir als Annäherung einen Blick auf die, die es sich vorstellen können, zu ’spazieren‘.“
Die folgenden Zahlen beziehen sich also nicht nur auf die Teilnehmer der Aufzüge, sondern auf die Gruppe der Teilnehmer und derer, die sich vorstellen können, auch einmal mitzulaufen.

Bildungsgrad spielt keine Rolle

Die Analysen von Altersgruppen und Bildungsgrad zeigen, dass die Anzahl derer, die sich eine Teilnahme vorstellen können, relativ gleichverteilt  ist – es sind jeweils rund 15% – einzig die Gruppe Ü60 zeigt eine geringere Bereitschaft. Eine Abhängigkeit vom Bildungsgrad ist nicht zu erkennen. Auffällig ist, dass die Bereitschaft im Osten rund doppelt so hoch ist wie im Westen:

Zeigt sich bis hier ein recht homogenes Bild der Teilnehmer, ändert sich das, wenn man parteipolitische Präferenzen hinterfragt: 

Unter den AfD-nahen Menschen können sich fast zwei Drittel vorstellen, an einem Montagsspaziergang teilzunehmen. Die Anhänger aller anderen Parteien sind dazu nur zu einem sehr geringen Teil bereit. Vielleicht kann man das so interpretieren, dass die AfD eine Partei ist, in der sich Menschen sammeln, die ohnehin mit der Gesellschaft nicht zufrieden sind. Rainer Faus zieht jedenfalls aus seiner Umfrage den Schluss: „Die These, es handle sich hier überwiegend um Grüne oder Linke ist also empirisch nicht haltbar und es ist auch wahrlich nicht die Mitte der Gesellschaft, die spaziert.“

„Der Effekt der Blase“

Faus hat allerdings auch festgestellt, dass 89 Prozent der AfD-Wähler:innen glauben, dass bei Spaziergängen ‚hauptsächlich Menschen wie Du und Ich mitlaufen‘ und 85 Prozent  Verständnis für Spaziergänger:innen haben. „Bei Wähler*innen der anderen Parteien ist das jeweils nur bei einer Minderheit der Fall.“, sagt Faus. Er bezeichnet das als „den Effekt der Blase“.

Einteilung der potentiellen Spaziergänger in gesellschaftliche Segmente

In  einer Studie „Kartografie der politischen Landschaft in Deutschland“ der Friedrich-Ebert-Stiftung hat Faus die Bevölkerung grob in 8 Gruppen eingeteilt:

Die potentiellen Teilnehmer der Demonstrationen gehören häufiger zu den mit der Politik unzufriedenen Gruppen. Das verwundert auf den ersten Blick nicht – man demonstriert ja meist, um seine Unzufriedenheit mit einer Situation auszudrücken. Es fällt aber auf, dass neben den „antimodernen Konservativen“, die mehr Nationalstaat wollen, gerade die Gruppen Sympathie für die Spaziergänge hegen, für die Faus Worte wie „prekär“ oder „wirtschaftlich bedroht“ gefunden hat:

Sind die Aufläufe am Montagabend also vielleicht nur vordergründig auf Corona bezogen und steckt vielleicht vielmehr ein Protest gegen die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik dahinter? Diesen Schluß könne man nicht ziehen, meint Faus, „da es sich um eine Mischung aus verschiedenen Segmenten handelt, den antimodernen Konservativen geht es zum Beispiel wirtschaftlich ausgesprochen gut und sie sorgen sich auch nicht besonders um soziale Themen“.

Text: Matthias Lauterer




Schnelltests: Erste Corona-Symptome, aber erst Tage später positives Ergebnis

Während die baden-württembergische Landesregierung schon wieder die ersten Öffnungsschritte mit dem Wegfall der 3G-Pflicht im Einzelhandel einleitet, häufen sich die Coronafälle im Hohenlohekreis immer mehr – oft jedoch glücklicherweise mit einem milden grippeähnlichen Verlauf.

Schnelltests liefern erstmal beharrlich ein negatives Ergebnis

Doch die Virusvariante Omikron scheint förmlich wie ein Wirbelwind alle zu erfassen, die in der Nähe einer/s Betroffenen sind. Die Verbreitung läuft rasanter als bei seinem Vorgänger, vor allem innerhalb von Familien. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Schnelltests oftmals trotz ersten Anzeichen wir Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen weiterhin beharrlich ein negatives Ergebnis liefern und erst nach Tagen bei einem weiteren Schnelltest auf einmal ein positives angezeigt wird.

Ansteckender als Delta

Dadurch haben Betroffene weiterhin Kontakt mit Angehörigen und Kollegen und stecken dadurch weiter Menschen im näheren Umfeld an, bis sie in Quarantäne sind. Hinzu kommt, dass die Omikronvariante an sich schon ansteckender ist als Delta, weil sich die Viren in den oberen Atemwegen befindeen und nicht wie bei Delta, in den unteren. Dafür – dass sei zum Trost hier nochmal gesagt – beschert Omikron den Betroffenen häufiger einen milderen Verlauf als Delta.




26-Jährige stürzt mit Auto 8 Meter in die Tiefe und landet im Kocher

Bei einem Unfall zwischen Künzelsau-Morsbach und Kocherstetten ist am Samstagabend, den 12. Februar 2022, eine Mazdafahrerin verletzt worden. Laut Polizeibericht war sie gegen 20 Uhr auf der Landesstraße 1045 unterwegs, als sie an der Kocherbrücke, kurz vor dem Ortseingang von Kocherstetten, offenbar die Kurve falsch einschätzte und nach rechts von der Fahrbahn abkam.

Auto durchbrach Brückenmauer

Dort touchierte sie zunächst einen Baum und stieß im weiteren Verlauf gegen eine Brückenmauer. Diese war durch einen früheren Unfall bereits stark beschädigt, so dass die 26-Jährige zunächst die aufgestellte Absperrung überfuhr und schließlich die, die durch Vorschaden bedingt, nur noch kniehohe Brückenmauer durchbrach. Die Fahrerin stürtzte mit ihrem Auto ungefähr acht Meter in die Tiefe und landete im Kocher.

Auto lief mit Wasser voll

Der Mazda kam in etwa einem Meter tiefen Wasser auf den Rädern zum Stehen und lief mit Wasser voll. Der Fahrerin gelang es aus eigener Kraft, aus das Autodach zu klettern. Dort wartete sie auf die Rettungskräfte. „Ein Feuerwehrmann ist mit einer angelegten Leiter zu der Frau gelangt und hat sie erstversorgt. Anschließend ist sie mit einem Schlauchboot ans Ufer gebracht worden“. sagt Thomas Böhret, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Künzelsau. Er schätzt, dass der Kocher derzeit zwischen fünf und 10 Grad kalt ist.

Kein Öl im Wasser

Mithilfe einer an einem Feuerwehrauto angebrachten Seilwinde wurde der Mazda aus dem Kocher gezogen. Öl oder Benzin seien laut Böhret nicht aus dem Auto ausgelaufen.

Landesstraße für mehrere Stunden gesperrt

Die Landesstraße war aufgrund des Unfalls und der Bergung für mehrere Stunden beidseitig gesperrt. Der am Fahrzaug entstandene Schaden liegt nach Polizeiangaben bei rund 15.000 Euro. Der Brückenschaden könne noch nicht beziffert werden. Laut Böhret waen acht Fahrzeuge und 40 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Künzelsau und Kocherstetten vor Ort.




Coronaviren: Ingelfinger Bürgermeister immun

Die Stadtverwaltung Ingelfingen lud am 25. Januar 2022 Gemeinderät:innen und interessierte Bürger:innen zur ersten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr in die Stadthalle ein. Der Saal war denn auch gut besucht. Zuvorderst, direkt unter der Bühne, saß mittig Bürgermeister Michael Bauer. Zu seiner jeweils linken und rechten Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung.

Dahinter, auf Einzelstühlen, das Volk

Ihm gegenüber saßen jeweils an Einzeltischen die Gemeinderäte, dahinter auf Einzelstühlen, das Volk beziehungsweise Vertreter dessen in Form von interessierten Bürger:innen. Auffällig war bei diesem Bild vor allem eines: Diverse Gemeinderäte und die Stadtverwaltung samt Bürgermeister, die vor der Sitzung noch einen Mundschutz umhatten, saßen die mehrstündige Sitzung dann aber hauptsächlich ohne Maske ab, während die Bürger:innen während der gesamten Zeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen mussten.

Offensichtlich befallen Coronaviren per Amtswegen keine Politiker und Staatsbedienstete oder vielleicht sind diese gegen die Viren immun. Immerhin besitzen sie ja auch von Staats wegen Immunität.

Laut der Ludwigsburger Kreiszeitung ist das Tragen der Maske, mit Verweis auf die aktuell gültige Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg, nur dem Volk zuzumuten, „die Vertreter sind davon befreit“. Und das, obwohl doch jeder Politiker öffentlich stets zur Vorsicht und Umsicht mahnt und die Bürger:innen darauf hinweist, das Maske tragen „extrem wichtig“ ist und man jetzt „zusammenhalten“ müsse in dieser schweren Zeit. Wir „sitzen ja schließlich alle im selben Boot“. Na, zumindest, im selben Raum. Und doch haben manche Bürger:innen dann doch mehr Freiheiten als andere.

Die Ludwigsburger Kreiszeitung hat dies schon in einem ihrer Artikel moniert, der den schönen Titel trägt: „Coronaregeln in den Kommunen. Jeder brät seine eigene Bratwurst“.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Kurz vor Beginn der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen am Dienstag, den 25. Januar 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Kurz vor Beginn der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen am Dienstag, den 25. Januar 2022. Foto: GSCHWÄTZ




„Klares Bekenntnis des Unternehmens und der Familie Würth zum Standort Hohenlohe“

Mit einem Baustellenrundgang präsentierte WÜRTH am 10. Februar 2022 erstmals sein neues Innovationszentrum auf dem Werksgelände in Gaisbach. Auf 15.000 Quadratmetern entsteht hier ein neuartiges Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationszentrum, wo Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und industrielle Umsetzung zusammentreffen sollen. 

70 Millionen Investition

250 Arbeitsplätze sollen in dem riesigen Gebäude einmal Platz finden, rund 70 Millionen Euro betragen die Baukosten.  „Das Innovationszentrum ist nicht nur klares Bekenntnis des Unternehmens und der Familie Würth zum Standort Hohenlohe, sondern hat starke Signalwirkung für die Leistungsfähigkeit und damit die Zukunft der Marke Würth – vor allem, was die Region als Wirtschaftsstandort anbelangt“, so Thomas Klenk, Geschäftsführer der Adolf Würth GmbH & Co. KG für Einkauf, Produkt, Marketing und Divisionen.

„Dübelhalle“

Blick in die „Dübelhalle“. Foto: GSCHWÄTZ

Blick in die „Dübelhalle“. Foto: GSCHWÄTZ

Das Würth-Innovationszentrum am 10. Februar 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Eindrucksvoll ist die „Dübelhalle“, die allein rund 1.500 Quadratmeter groß ist. Sie widmet sich allerdings nicht nur Dübeln, sondern es können dort unterschiedlichste Befestigungselemente getestet und zertifiziert werden. Schließlich muß man heutzutage gar nicht mehr dübeln – spezielle Mörtel halten heutzutage Anker in Beton und halten dabei höchste Belastungen aus.
Dynamische Belastungen, wie sie etwa bei Brückenbauwerken auftreten, sollen zukünftig in dieser Halle in großem Maßstab simuliert werden können – Brückensanierungen seien schließlich ein hochinteressantes Geschäftsfeld, sagt Klenk. Außerdem sind an diese Halle diverse Prüflabors angeschlossen, zum Beispiel für Temperaturprüfungen.

Forschung und Industrie interdiszipliär vernetzen

Ziel des Innovationszentrums ist es, laut Würth, die Innovationszyklen in den Bereichen Verbindungstechnik, Schrauben, Dübel, Chemie, Maschinen und Systeme zu verkürzen sowie Neu- und Weiterentwicklungen noch schneller und kundenspezifischer auf den Markt zu bringen. Auch die Digitalisierung hat ihren Schwerpunkt: Erst die Vernetzung macht die Produkte intelligent. Durch IoT hat der Kunde die Möglichkeit der vollumfänglichen Verwaltung seines Maschinenparks, da Lager- und Bevorratungsmanagement selbstständig miteinander kommunizieren.

„Das schaffen wir über die Vernetzung von Kundenanwendung, akademischer Forschung und eigenem Produktions-Knowhow“, erklärt Thomas Klenk. Rund 250 Mitarbeitende aus der Produktentwicklung der AW KG und den Produktionsgesellschaften des Konzerns treffen über Hochschulkooperationen mit dem Karlsruher Institut für Technologie KIT und der Universität Stuttgart auf externe Wissenschaftler. „Über dieses Netzwerk stärken wir die eigene Herstellerkompetenz und Innovationskraft.“

Vom Kundenbedarf zum Produkt in kürzerer Zeit

Von 300.000 Kundenkontakten pro Tag spricht Klenk und davon, dass man das Ohr offenhält und die Anforderungen der Kunden aufnimmt. Im neuen Innovationszentrum können Umgebungen aus der Arbeitswelt des Kunden aufgebaut werden, um dem Kunden letztendlich ein System anzubieten, das seine Arbeitsabläufe optimal unterstützt. Dabei geht es nicht nur um Schrauben und Dübel. „Kundenzufriedenheit und Begeisterung erzielen wir im professionellen Handwerk mit vorausschauenden, maßgeschneiderten Lösungen, nicht mit Standards“, erläutert Dr. Heiko Roßkamp, Leiter Forschung und Entwicklung der Adolf Würth GmbH & Co. KG.
Die Time-to-market soll durch den interdisziplinären Ansatz und das Ineinandergreifen der einzelnen Stufen der Produktentwicklung deutlich reduziert werden.

Moderne Arbeitsplätze …

Der Anspruch, den das Innovationszentrum stellt, spiegelt sich in den Arbeitsplätzen wieder: Nicht nur, dass die Arbeitsplätze neuesten Anforderungen entsprechen – die Kommunikation steht im Mittelpunkt. Nicht nur die elektronische Kommunikation, sondern vor allem die persönliche Kommunikation wird durch die kurzen Wege zwischen den Beteiligten unterstützt.

Dr. Heiko Roßkamp erläutert das Konzept der Arbeitsplätze. Foto: GSCHWÄTZ

… sollen Fachkräfte nach Hohenlohe locken

„Über das Innovationszentrum holen wir weitere hervorragend ausgebildete Fachkräfte nach Hohenlohe“, freut sich Roßkamp. Bis zur Eröffnung sollen über 40 neue High Potentials, insbesondere technische Spezialisten für Mechatronik, Chemie, Softwareentwicklung/IoT und Befestigungstechnik, eingestellt werden. Über die Kooperation mit den Hochschulen werden Studierende direkt angesprochen und können Forschungserfahrung im industriellen Umfeld sammeln. „Attraktive Arbeitsplätze im technischen Umfeld mit neuesten Kollaborationsmöglichkeiten anzubieten, sehen wir als große Chance“, sagt Roßkamp.

Noch nicht sehr einladend: Das Foyer, in dem auch Kunst ausgestellt werden wird. Foto: GSCHWÄTZ

Die Eröffnung des Innovationszentrums ist im dritten Quartal 2022 geplant – eine durch Corona verursachte Unterbrechung hat den ursprünglichen Zeitplan etwas zurückgeworfen.

Text: Matthias Lauterer

 




Klimabeirat Künzelsau freut sich über weitere Teilnehmer

Wer eine Photovoltaik-Anlage (PV) auf dem Dach hat, wird sich über diesen Winter nicht besonders freuen: sehr häufig war der Himmel dicht mit Wolken bedeckt. Dennoch ist PV eine der einfachsten Möglichkeiten, „grünen Strom“ zu erzeugen. Daher wird sich die Arbeitsgruppe Energie (AG Energie) des Klimabeirats Künzelsau in ihrer ersten Sitzung auch damit beschäftigen, wie in der Bevölkerung weiter dafür geworben werden kann, PV-Systeme zu installieren. Stichworte sind „Balkonkraftwerke“, „Mieterstrom“ und mehr. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Aber selbstverständlich geht es bei den Bemühungen um Klimaneutralität nicht nur um Strom aus Sonne; das Thema „Wärmeerzeugung und -nutzung“ steht mindestens genauso im Fokus. Die AG Energie wird diese und weitere Aspekte aufgreifen.

Die Arbeitsgruppe Abfallvermeidung (AG Abfallvermeidung) hat in ihrer ersten Sitzung das Thema „Mehrweg statt Einweg“ unter mehreren Gesichtspunkten ausführlich beleuchtet. Beim nächsten Treffen sollen konkrete Projekte unterstützt und auf den Weg gebracht werden.

Arbeitsgruppen-Termine:

AG Energie: Donnerstag, 24. Februar 2022, 18.30 bis 21.00 Uhr.

AG Abfallvermeidung: Mittwoch, 16. März 2022, 18.30 bis 21.00 Uhr.

Ort: Georg-Wagner-Schule, Gebäude am Berg.

Es gilt derzeit die 2G-Regel. Mitmachen ist sehr erwünscht; um eine Anmeldung unter mailto:klimabeirat@kuenzelsau.de oder 07940/129-423 wird gebeten.

Weitere Termine zum Vormerken:

Freitag, 11. März 2022, 18.30 Uhr, großer Sitzungssaal im Rathaus: nächste öffentliche Sitzung des Klimabeirats; in Zusammenarbeit mit der vhs Künzelsau wird Lea Johannsen von der Ludwigsburger EnergieAgentur LEA zum Thema „Klimaneutral leben – Wärmeversorgung im Eigenheim“ referieren.

Dienstag 12. April 2022: ebenfalls in Kooperation mit der vhs Künzelsau startet die sechsteilige Mitmach- und Vortragsserie „klima.fit 2022 – Klimawandel vor der Haustür! Was kann ich tun?“. Um eine Anmeldung bei der vhs wird gebeten.

Strategie 2030

Im Rahmen des Prozesses „Künzelsau 2025 – Wie wollen wir 2025 in Künzelsau leben?“ befassen sich der Gemeinderat und die Stadtverwaltung schon seit längerem damit, die Zukunft Künzelsaus aktiv zu gestalten. Das Künzelsau klimapositiv wird, ist ein Hauptziel. Der Gemeinderat schreibt diesen Prozess jährlich fort und legt mit der „Strategie 2030“ gemeinsame Ziele für die nächsten Jahre fest. Im Jahr 2022 liegt der Fokus des städtischen Engagements auf den Bereichen Infrastruktur und Integration. Der Arbeitstitel, das Schwerpunktziel 2022, lautet deshalb kurz „Infrastruktur und Integration“. Mehr dazu ist auf der städtischen Homepage zu finden: http://www.kuenzelsau.de/Strategie2030

 




Amphibiensammelaktionen im Kreis starten

Mit dem Beginn der wärmeren Witterung machen sich viele Amphibien auf den Weg von ihren Winterquartieren zu ihren Laichplätzen. Oft sind von den Tieren dabei Straßen zu überqueren, was bei hohem Verkehrsaufkommen oft den sicheren Tod für die Tiere bedeutet. Um das zu verhindern, werden auch im Hohenlohekreis an einigen Stellen nun zeitnah wieder Amphibienleitzäune aufgestellt. Diese sollen die Kröten, Molche und Frösche davon abhalten, auf die Straße zu springen. Damit die Tiere jedoch zu ihren Laichplätzen – meist einem See oder einem Tümpel – gelangen können, sind sie auf menschliche Hilfe angewiesen.

Damit die Tiere zu den Laichplätzen kommen

Für diese wichtige Aufgabe werden daher wieder ehrenamtliche Helfer:innen gesucht, die die Tiere einsammeln und über die Straße bringen. Besonders wichtig ist die Kontrolle der betreffenden Stellen in den Morgenstunden. Denn bleiben die Kröten über den Tag im Zaunbereich, kommt es schnell zu Austrocknungen und vor allem bei Sonnenschein zum Tod der Tiere. Zusätzlich dazu steigt das Risiko, einem Fressfeind zum Opfer zu fallen.

Tiere einsammeln und über die Straße bringen

Umso wichtiger ist es, dass es genügend ehrenamtliche Helfer gibt – zuletzt ist diese Zahl jedoch stetig gesunken. Aktuell werden im Hohenlohekreis insbesondere für die Strecken an der L1046 zwischen Wohlmuthausen und Schwarzenweiler sowie an der L1044 südlich von Waldzimmern Helferinnen und Helfer gesucht. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Der zeitliche Schwerpunkt der Wanderung liegt im März bis Anfang April. Wer sich also vorstellen kann, hier regelmäßig oder an einzelnen Tagen oder Terminen das Team der Ehrenamtlichen zu unterstützen oder wer dazu weitere Fragen hat, darf sich gerne an die Untere Naturschutzbehörde des Hohenlohekreises wenden. Ansprechpartnerin ist Carina Conrad unter Tel. 07940 18-1367 oder unter carina.conrad@hohenlohekreis.de.

Hintergrund

Amphibien sind ein wichtiger Baustein innerhalb natürlicher Nahrungsketten. Viele von ihnen stehen auf dem Speiseplan von Vögeln wie Störchen oder Graureihern ganz weit oben. Aber auch Reptilien und Säugetiere ernähren sich von Fröschen und Kröten. Im Gegensatz dazu fressen die Lurche Würmer, Spinnen und Käfer. Kommt es zu einem Rückgang der Tiere, hat dies folglich Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem.

Viele Amphibien-Wanderstrecken werden im Hohenlohekreis seit Jahrzehnten betreut. So wird beispielsweise am Schleierhof seit 1989 jährlich ca. 1.600 Tieren, überwiegend Erdkröten, über die Straße geholfen. Über die L 1046 bei Wohlmuthausen wollen in Spitzenjahren wie 2001 sogar knapp 18.000 Grasfrösche zu ihrem Laichgewässer.

Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreis




„Diese Coronalogik verstehe ich nicht“

Freitagsfrühstück – Hohenlohe hinter den Kulissen – aktuelle Themen wöchentlich durchgekaut von Matthias Lauterer und Dr. Sandra Hartmann.




Neue Corona-Regeln erleichtern den Zugang zum Matthias-Krämermarkt am 24. Februar 2022

Aufgrund der aktuell neugefassten Regelungen der Corona-Verordnung kann der Matthias-Krämermarkt am 24. Februar unter erleihterten Bedingungen stattfinden.

Die Stadt Künzelsau informiert:

3G-Regel entfällt, Maskenpflicht bleibt

Knapp hundert Markthändler haben sich zum Matthias-Krämermarkt am Donnerstag, 24. Februar 2022 in Künzelsau angemeldet. Bei dem traditionellen Markt bieten die Marktbeschicker von 8.30 bis 18 Uhr ihr buntes Warensortiment an. Das reicht von Gewürzen über Haushaltswaren bis hin zu warmen Mützen, Schals und Pullovern. Gebrannte Mandeln, Magenbrot und die obligatorische Marktwurst werden selbstverständlich auch wieder zu haben sein. Ohne diese typischen Markt-Köstlichkeiten findet in Künzelsau kein Krämermarkt statt.

Auch in den Läden in der Künzelsauer Innenstadt sind spezielle Marktangebote zu ergattern. Die Einzelhändler haben ganzjährig ein sehr gutes Warenangebot und können die Kundinnen und Kunden mit ihren Teams kompetent beraten.

Corona-Regeln

Mit der aktuellen Corona-Verordnung treten ab 9. Februar Lockerungen in Kraft, die auch etwas weniger Vorgaben für die Besucher des Matthias-Krämermarktes am 24. Februar in Künzelsau bedeuten. So entfällt zwar die 3G-Regel, die Maskenpflicht auf dem gesamten Marktgelände bleibt jedoch analog zum Einzelhandel bestehen.

Verkehrsregelungen, NVH und City-Bus

Die Hauptstraße ist am Donnerstag, 24. Februar 2022 wegen des Matthias-Krämermarktes gesperrt, außerdem die Stuttgarter Straße ab der Alleekreuzung und die Komburgstraße. In der Stuttgarter Straße ist die Zufahrt zur Rathaustiefgarage frei. Auch die Komburgstraße ist für Anlieger aus Richtung Morsbach befahrbar. In der Stettenstraße und in der Keltergasse besteht absolutes Halteverbot. Die Stadtverwaltung bittet dringend darum, dieses einzuhalten, damit der Durchgangsverkehr nicht behindert wird. Ersatzhaltestelle für die Haltestelle „Bären“ ist auf Grund der Vollsperrung der Langenburger Straße die Haltestelle „Bahnhof Künzelsau“.

Alle Informationen gibt es auf der städtischen Homepage unter http://www.kuenzelsau.de und auf der Facebook-Seite „Künzelsau – meine Stadt“.

Pressemitteilung der Stadt Künzelsau

 




„Ich gehe auf die Straße, weil ich keine Impfpflicht möchte“

Allein in Baden-Württemberg wurden am Montag, den 07. Februar 2022, von der Gruppe „Montags für Freiheit“ rund 76.070 Menschen an 278 Orten gezählt (Zahlen werden bei den örtlichen Polizeibehörden oder Ordnungsämtern erfragt), die sich zu den so genannten Montagsspaziergängen versammelten. 560 davon gingen in Künzelsau auf die Straße. GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi hat sich unters Fußvolk gemischt.

„Aus Solidarität mit den Krankenschwestern“

Einer von ihnen ist Bernie Rusam aus Kupferzell. Rusam formuliert seine Beweggründe dafür klar und deutlich: „Ich gehe auf die Straße, weil ich keine Impfpflicht möchte. Ich möchte frei entscheiden, ob ich mich impfen lasse oder nicht, so wie jeder andere, der sich aus freien Stücken für das Impfen entschieden hat, so möchte auch ich mich gegen das Impfen entscheiden. Ich gehe des Weiteren auch aus Solidarität mit den Krankenschwestern und dem Pflegepersonal auf die Straße, die ihren Dienst getan haben in der Zeit, in der andere in Quarantäne waren, die jetzt Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren. Ich gehe auch dafür auf die Straße, dass sie für einen Tariflohn schaffen können und ordentliche Arbeitsbedingungen haben. Ich gehe auf die Straße für diejenigen, die unter einem Impfschaden leiden und vielleicht bei den Medizinern auf taube Ohren stoßen. Und ich gehe beispielsweise auch auf die Straße für einen Ole Skambraks. Das ist ein SWR2-Mitarbeiter, der es gewagt hat, in einem offenen Brief Fragen zu formulieren, auf die er keine Antworten gefunden hat – mit der Konsequenz, dass er von seinem Job beurlaubt worden ist. Für diese Leute gehe ich mit auf die Straße und das ist meine Art der Solidarität.“

„Mit denen tritt man sich auf dem Straßenfest“

Rusam ist das vierte Mal beim Künzelsauer Montagsspaziergang dabei und resümiert: „Das [Anm.: die Spaziergänger] sind Leute, mit denen trifft man sich auf dem Straßenfest, mit denen trifft man sich auf dem Oldtimertreffen oder auf anderen kulturellen Veranstaltungen. Es geht absolut ruhig, absolut friedlich zu. Es ist überhaupt nichts zu merken von Krawall und Randale oder rechtsradikalen Tendenzen – diesbezüglich: null, nichts, gar nichts. Das ist eine absolut friedliche Veranstaltung hier und so hoffe ich, dass es bleibt. Und wenn es so bleibt, werde ich weiterhin dabei sein.“

Montagsspaziergänger in Künzelsau am 07. Februar 2022. Foto: GSCHWÄTZ

„Für unsere Rechte, dafür sind wir auf die Straße gegangen“

Eine weitere Spaziergängerin, Christa Steiner, erklärt, wofür sie auf die Straße geht: „Für unsere Rechte, die per Grundgesetz verankert sind, dafür sind wir auf die Straße gegangen. Ich halte meinen Teil des Vertrages mit dem Staat Deutschland ein: Ich gehe arbeiten, zahle meine Steuern, ich sorge für mich selbst. Genauso erwarte ich, dass der Staat seine Pflicht einhält, mir meine Grundrechte zu gewähren: zum Beispiel die Unversehrtheit meines Körpers und dass ich frei über meinen Körper entscheiden und auch meine Meinung frei kundtun kann. Das fordere ich ein, dass wenn ich meinen Teil des Vertrages einhalte, der Staat auch seinen Teil des Vertrages einhält und mir meine Grundrechte zugesteht.“

Geimpft, um ungestört reisen zu können

Konkret eingeschränkt sieht Steiner ihre Grundrechte „in den Corona-Maßnahmen, die nicht mehr logisch nachvollziehbar sind.“ Beispielsweise „kann ich nicht mehr alles besuchen, was ich gerne würde, ohne nicht irgendwelche Nachweise zu bringen, dass ich gesund bin. Normalerweise hat man einen Nachweis bringen müssen, dass man krank ist, wenn man beispielsweise nicht zur Arbeit gehen wollte. Jetzt muss ich einen Nachweis bringen, dass ich gesund bin, dass ich einkaufen gehen darf, ein Konzert besuchen darf, dass ich ins Schwimmbad gehen darf, dass ich mich mit meiner Familie mit mehr als der im Moment vorgeschriebenen Personenanzahl, treffen darf. Das ist das, wofür ich auf die Straße gehe: dass die Rechte wiederhergestellt werden und zwar für jeden gleich.“

Alle drei Monate eine Impfung

Steiner selbst ist coronageimpft. „Wir haben das damals nur gemacht, damit wir im Sommer ungestört reisen können. Kurze Zeit, nachdem die Impfung durch war, hieß es dann auf einmal, man müsse noch eine Auffrischung machen. […] Nach zwei Monaten hieß es dann auf einmal, nach spätestens sechs Monaten brauche man eine Booster-Impfung und inzwischen sind wir bei ‚alle drei Monate‘. Wenn es jemandem jetzt nicht dämmert, dass da etwas nicht stimmt, dann wacht der wahrscheinlich niemals auf.“

„Man wird nicht richtig informiert“

Bundesweit fanden letzten Montag Zusammenkünfte an 2384 Standorten statt. „Ich denke, es müsste in den Medien viel mehr darüber berichtet werden“, sagt die Spaziergängerin Petra Hiller. „Es wird heruntergespielt und von den Formulierungen her darauf geachtet, dass es möglichst harmlos und überzogen erscheint und dass ‚die Querdenker‘ und ‚die Volksverhetzer‘ demokratiefeindlich erscheinen, obwohl es eben nicht so ist. Es ist die Demokratie, die wir haben, die wir jetzt eben in Anspruch nehmen. Das ist ein Grundrecht. Solange wir uns als Bürger verhalten, Teil des Bürgertums sind und unsere Bürgerpflichten einhalten, dürfen wir auch die Rechte dazu einfordern. Was im Moment medial passiert ist, dass, wenn man sich nicht zusätzlich [Anm.: in unabhängigen Medien] informiert, man nicht richtig informiert wird.“

„Umso mehr für die Freiheit demonstrieren, umso besser“

Doch was sagen die Künzelsauer Geschäftstreibenden zu den Montag für Montag größer werdenden Menschenmassen in der Innenstadt? Nur wenige Meter entfernt arbeiten Salih Cilik und sein Team im Pizza & Kebab Haus Sila. Cilik erklärt: „Umso mehr Leute auf die Straße gehen, um gegen [die] Corona[-Maßnahmen] und für die Freiheit zu demonstrieren, umso besser.“

Für GSCHWÄTZ vor Ort: Priscilla Dekorsi