In gut 4 Wochen, vom 21. bis 23. März 2022 finden bei ebm-papst in Mulfingen Betriebsratswahlen statt. Erstmals wird eine Liste der IG Metall antreten, weshalb es auch erstmals zu einer Listenwahl kommen wird. Zehn Listen bewerben sich um die Plätze im Betriebsrat, unter den Kandidat:innen sind viele Mitglieder des aktiven Betriebsrats. Die Anzahl der Listen kann man als ein Zeichen dafür sehen, wie wichtig den Arbeitnehmern im Werk Mulfingen die betriebliche Mitwirkung ist.
Hintergrund

Umfrageergebnis der IG Metall. Foto: Flyer der IG Metall
Eine Umfrage der IG-Metall ergab einerseits eine Unzufriedenheit mit dem bisher amtierenden Betriebsrat, andererseits eine Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Dem Betriebsrat wird eine zu große Nähe zur Geschäftsleitung vorgeworfen, mangelnder Respekt durch Vorgesetzte, Leistungsdruck und ungerechte Lohneinstufung sind die Vorwürfe im Bereich Arbeitsklima.
Aufstellung einer IG Metall-Liste führt zur Listenwahl
Die IG Metall hat dies zum Anlass genommen, eine eigene Liste aufzustellen, die unter anderem den Abschluss eines Tarifvertrags erreichen will. Wenn eine Liste beim Wahlvorstand eingereicht ist, fordert das Gesetz die Listenwahl anstatt der bisher bei ebm-papst immer durchgeführten Persönlichkeitswahl.
ebm kann Umfrageergebnis nicht nachvollziehen
Hauke Hannig, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation, kann das Umfrageergebnis nicht nachvollziehen: „Die Umfrageergebnisse der IG-Metall beruhen nicht auf einer repräsentativen Umfrage. Sie wurden vor ausgewählten Werkstoren in der Regel zu Schichtwechseln erhoben. Nur ein Bruchteil unserer Mitarbeitenden konnte daran teilnehmen bzw. nahm daran teil.“ Er verweist auf eine eigene, vom amtierenden Betriebsrat durchgeführte Umfrage: „1.621 Mitarbeitende von insgesamt 3.600 nahmen daran teil, mit dem Ergebnis, dass 95% unserer Mitarbeitenden die Vorteile des Bündnis für Arbeit mit seinen Inhalten, wie u.a. Arbeitsplatzsicherheit, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und vielen weiteren Vorteilen für wichtig bzw. sehr wichtig halten. Dreiviertel der Mitarbeiter sprachen sich dafür aus, 18 Minuten Arbeitszeit für das Bündnis einzubringen.“
Ein großes Thema der Wahl ist also die Frage „Betriebsvereinbarug oder Tarifvertrag?“
Wir veröffentlichen im Folgenden eine Pressemitteilung und einen Aufruf, zur Wahl zu gehen, der IG Metall:
Pressemitteilung der IG Metall
Betriebsratswahlen bei ebm-papst in Mulfingen: Ein erfolgreiches Unternehmen in einer Zeitenwende?
Vom 21.03.22 bis zum 23.03.22 finden die turnusmäßigen Betriebsratswahlen auch bei ebm-papst in Mulfingen statt
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- Die IG Metall Schwäbisch Hall ruft rund 3.900 Beschäftigte zur Wahl auf
- Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter: „Zu einem Weltmarktführer gehören professionelle Mitbestimmung, gute Arbeitsbedingungen und damit auch ein Tarifvertrag!“
Bei ebm-papst in Mulfingen brodelt es. Viele Beschäftigte sind unzufrieden. Ein großes Indiz dieser Unzufriedenheit ist, dass es zu den anstehenden Betriebsratswahlen keine Persönlichkeitswahl, sondern eine Listenwahl mit 10 konkurrierenden Listen gibt. Dies ist schon sehr ungewöhnlich. Aber dies zeigt auch sehr deutlich, dass aus Sicht und Wahrnehmung der Beschäftigten die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima als immer schlechter empfunden werden und man kein Vertrauen in den bisher zusammengesetzten Betriebsrat hat, dies zu verändern.
Früher ein Familienunternehmen, geprägt von Herrn Gerhard Sturm – heute ein internationaler Konzern mit Managementstrukturen. Ein erfolgreiches Unternehmen in einer Zeitenwende?
Die Beschäftigten beklagen vor allem das neue Entgeltsystem LeiV. Dieses System sei massiv ungerecht, wird uns berichtet. Zudem sei in Mulfingen, anders als in den tarifgebundenen Standorten St. Georgen, Herbolzheim und Landshut die Arbeitszeit ohne Entgeltausgleich höher, was auch weniger Geld für die Beschäftigten bedeutet. Daher stellen sich die Beschäftigten von ebm-pabst in Mulfingen die Frage, warum gelten gerade bei uns in der Zentrale nicht auch die Tarifverträge der IG Metall Baden- Württemberg?
Auf Liste 6 „Team IG Metall“ stehen Kolleginnen und Kollegen, die eins verbindet: Menschen vor Profite, guten Arbeitsbedingungen und dem Bedürfnis nach Veränderung. Die Kolleginnen und Kollegen wollen u.a. das neue Entgeltsystem LeiV stoppen. Ebm papst soll wieder attraktiv für qualifizierte Fachkräfte sein. Das geht nur mit starken IG Metall Betriebsräten.
Aufruf, zur Wahl zu gehen
Die IG Metall Schwäbisch Hall ruft die Beschäftigten bei ebm-papst in Mulfingen auf, sich an den anstehenden Betriebsratswahlen zu beteiligen und so für eine starke Interessenvertretung in ihrem Betrieb zu sorgen. „Das Unternehmen steht vor großen Herausforderungen,“ sagte Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter. „Nach der Zeit von Gerhard Sturm fehlt die Identifikationsfigur des Unternehmens. Ebm ist schlicht und einfach ein von einem Management geführter, internationaler Konzern. Und gerade aus diesem Grunde braucht es eine professionelle, starke und beteiligungsorientierte Mitbestimmung. Eine gute Arbeitnehmervertretung, gute Arbeitsbedingungen, ein Tarifvertrag und wirtschaftlicher Erfolg sind kein Widerspruch, sondern entsprechen einer zeitgemäßen Unternehmenskultur.“
ebm-papst zu den Aussagen der Gewerkschaft
Den Aussagen der Pressemeldung hält Hannig entgegen: „Dass aufgrund der Einführung eines neuen Vergütungssystems Unsicherheit bei den Mitarbeitenden entsteht, können wir gut nachvollziehen. Durch umfassende Kommunikation versuchen wir mögliche Sorgen unserer Belegschaft zu LeiV aufzugreifen und zu widerlegen. Auch der Tarifvertrag der IG-Metall sieht ein leistungsbezogenes Entgelt vor und ist im ERA-Tarif geregelt. Im Gegensatz zu ERA, bei dem bei sinkender Leistung weniger Entgelt an die Mitarbeitenden gezahlt wird, bleibt bei LeiV ein einmal erreichtes Entgelt auch bei rückläufiger Leistung dauerhaft bestehen. Dies ist für unsere Mitarbeitende ein sehr wirksamer Schutz zur Entgeltsicherung.“
Kultur der Menschlichkeit und des Respekts
Auch sieht die Geschäftsleitung von ebm-papst eine gute innerbetriebliche Kultur: „Wir haben bei ebm-papst eine Kultur, die die Menschlichkeit und den Respekt jedes Einzelnen in den Fokus unseres Handeln setzt. Unsere Führungskräfte werden kontinuierlich geschult und weitergebildet. Unser Betriebsratsgremium, die Personalabteilung und viele unabhängige interne wie externe Ansprechpartner stehen stets zur Unterstützung und zur Ansprache zur Verfügung, um mögliche entstehende Konflikte von Beginn an zu lösen und ein gutes Miteinander mit Respekt und Wertschätzung zu gewährleisten.“
Eine Spitze gegen die Gewerkschaft kann sich Hannig letztlich nicht verkneifen: „Die IG-Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in den letzten Jahren mit einer Austrittswelle zu kämpfen, wie dies in vielen Medien kürzlich berichtet wurde. Für die Gewerkschaft IG-Metall geht es also auch darum, neue Mitglieder zu gewinnen und in das Betriebsgremium Einzug zu finden.“
Text: Matthias Lauterer