1

April, April: Die Verkehrsrevolution in Künzelsau ist ausgefallen

Es ist natürlich nur eine schöne Utopie, dass die Bergbahn jetzt bis in die Innenstadt fährt. Eine schnelle Direktverbindung, um Taläcker direkt mit den Ämtern und dem Stadtzentrum zu verbinden, wäre sicherlich sinnvoll – aber mit der Bergbahn wäre das nicht sonderlich bequem, denn die Wagen der Bergbahn haben ja die Steigung „bereits eingebaut“.

Bundesfinanzminister hatte Zeit für Wichtigeres

Und so fand die für gestern als Aprilscherz angekündigte Jungfernfahrt nicht statt und der Bundesfinanzminister ist trotz eines vom Bundestag genehmigten Reisekostenantrags gar nicht erst angereist. Er konnte sich daher in aller Ruhe der Finanzierung des Bundeshaushalts widmen.

Kleine Revolution dennoch in Aussicht

Eine kleine Verkehrsrevolution könnte es im Jahre 2022 übrigens doch noch geben: Christian von Stetten ist optimistisch, dass der geplante autonome Elektro-Bus in diesem Jahr noch seinen Betrieb aufnehmen kann.

Text: Matthias Lauterer

 




Trotz Corona: Ziehl-Abegg meldet Rekordumsatz von 716 Mio. Euro

„Wir sind angesichts der globalen Lieferkettenproblematik zeitweise auf Sicht gefahren und letztlich beim Umsatz noch gut durchgekommen.“ So beschreibt Vorstandschef Peter Fenkl das Jahr 2021. Der süddeutsche Elektromotoren- und Ventilatorenhersteller hat einen Umsatz von 716 Mio. Euro erzielt (VJ.: 639); die Mitarbeiterzahl stieg global auf 4.700 Menschen (VJ.: 4.300).

„So etwas habe ich noch nie erlebt“

Die Ertragslage bezeichnet Fenkl „mehr als schwierig“. Denn die Lieferkettenproblematik wirkte nicht nur auf die Lieferzeiten, sondern auch auf die Preisgestaltung. „Manche Lieferanten erhöhten schon im ausgehenden Jahr 2020 und dann immer wieder in 2021 die Preise so schnell, dass wir dies nicht 1:1 am Markt durchsetzen konnten.“ Nach den Erfahrungen des ersten Quartals weiß der Manager, dass diese Situation im laufenden Jahr an Schärfe zunehmen wird. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Fenkl, der seit mehr als 20 Jahren an der Spitze des Familienunternehmens steht.

Neue Produktionsstandorte geplant

Ziehl-Abegg gilt als Unternehmen mit einer hohen Fertigungstiefe. „Diese wollen wir nun noch weiter ausbauen“, so Fenkl. Allerdings ist ein Wachstum am Stammsitz in Hohenlohe schwierig, da dort kaum die nötigen zusätzlichen Arbeitskräfte verfügbar sind. Daher sollen bestehende Produktionen ausgebaut und neue Fertigungsstandorte aufgesetzt werden. „Wir werden mit weiteren Produktionsstandorten näher an unsere Kunden heranrücken.“

„wie soll man da realistisch planen können und wie soll man da die Kunden zufrieden stellen?“

Thomas Späth montiert in der Fertigung bei Ziehl-Abegg in Kupferzell einen EC-Ventilator. Foto: Ziehl-Abegg / Rainer Grill

Der Umsatzzuwachs von 11,9 Prozent im vergangenen Jahr ist eine gute Grundlage für das weitere Wachstum. Umsatztreiber war im zurückliegenden Jahr die Lufttechnik, die 637 Mio. Euro zum Gesamtergebnis beigetragen hat. Einen Ausblick auf das aktuelle Jahr wagt der Firmenchef nicht. „Aktuell fallen immer wieder Schichten aus, weil Bauteile fehlen – wie soll man da realistisch planen können und wie soll man da die Kunden zufrieden stellen?“, fragt er. Zum Ertrag macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.

Weltweit 400 neue Mitarbeiter

In Deutschland arbeiten 2.600 Menschen für Ziehl-Abegg, das sind 200 mehr als vor einem Jahr. Weltweit stieg die Zahl der Mitarbeitenden von 4.300 auf 4.700. Da in Deutschland Mitarbeitende der geburtenstarken Jahrgänge, die Baby Boomer, nun zunehmend in Rente gehen, wirkt dies direkt auf das verfügbare Arbeitskräftepotenzial. „Unternehmen müssen daher offen auf die Generation Z, die Post-Millennials, zugehen“, erklärt Fenkl. „Wir dürfen nicht in alten Denkmustern verharren, sondern müssen die Wünsche und Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen.“

Pressemitteilung Ziehl-Abegg




Anmeldebeginn zum ebm-papst Marathon

Von Finnland bis Australien: Aus aller Welt kommen Sportbegeisterte jedes Jahr zur größten Laufveranstaltung in Hohenlohe. Über 3.000 Teilnehmer gingen während der Live-Events in den elf Disziplinen an den Start, mehr als 10.000 Zuschauer sorgten für die einmalige Atmosphäre in und um Niedernhall.

Zweimal wegen Corona ausgefallen

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Event vor Ort in den vergangenen zwei Jahren abgesagt werden. Doch auch die Alternative, eine Lauf-App, mit der jeder auf seiner eigenen Lieblingsstrecke läuft, begeisterte viele Teilnehmer.
In diesem Jahr kommt jeder auf seine Kosten: Neben dem Live-Event vom 10. bis 11. September in Niedernhall ist auch die App wieder verfügbar.

Umfangreiches Wettbewerbsangebot für Langstreckler aller Art

Neben den verschiedenen Laufdistanzen – vom Zehn-Kilometer-Lauf, über den Halbmarathon, bis zum (Duo-)Marathon – messen sich in Niedernhall auch Inline-Skater und Handbiker. Durch die vielen Kinderläufe wird der ebm-papst Marathon zur Veranstaltung für die ganze Familie. Auf dem Festgelände wird den Zuschauern mit kulinarischen Köstlichkeiten und Showeinlagen außerdem ein ansprechendes Rahmenprogramm geboten. Bei der Laufmesse lässt sich das ein oder andere Schnäppchen ergattern.

Marathon seit 1993, ebm-papst seit 1999 Hauptsponsor

Seit mehr als 20 Jahren ist ebm-papst nun schon Hauptsponsor des Laufs. 1999 stieg der Ventilatorenspezialist aus Mulfingen als Mitveranstalter bei dem vom Polizeisportverein Hohenlohekreis 1993 ins Leben gerufenen Hohenlohe-Marathon ein. Dieser hatte bis dahin drei Mal stattgefunden. Beim ersten Event unter neuen Namen am 11. September 1999 gingen 432 Läuferinnen und Läufer an den Start.

Weitere Informationen zum ebm-papst Marathon im Internet unter http://www.ebmpapst-marathon.de und auf Facebook: fb.com/ebmpapstMarathon

Pressemitteilung ebm-papst

 




„Mit Verständnis, Rücksicht und Entgegenkommen ist die Maßnahme gut zu meistern“

Schon bald beginnen die Arbeiten für die Sanierung der rund 400 Meter langen Sudetenhalde am Südhang von Künzelsau. Ab 11. April 2022 beginnen die Vorarbeiten: Die Baustelle wird eingerichtet und die provisorische Zufahrt über Nagelsberg „Im Vögelein“ hergestellt. Voraussichtlich ab 4. Mai 2022, wenn die Sperrung im Kreuzungsbereich bei der Kocherbrücke aufgehoben ist, wird mit den Arbeiten im ersten Bauabschnitt – Ende Sackgasse bis Treppenanlage – begonnen.

Provisorische Zufahrt über Nagelsberg

Die Stadtverwaltung Künzelsau wird den Kanal und die Wasserleitung einschließlich der Hausanschlüsse erneuern sowie den Straßenbau inklusive neuer Straßenbeleuchtung durchführen und Breitbandleerrohre verlegen.

Komplette Infrastruktur wird auf aktuellen Stand gebracht

In diesem Zuge wird die EnBW das Stromversorgungsnetz erneuern – sprich die Erdverkabelung vornehmen – um die Freileitungen inklusive Dachständer rückbauen zu können. Im Zuge dieser Arbeiten ist ebenfalls von der Netze BW geplant, ein Gasversorgungsnetz mit zu verlegen. Wer noch Interesse an einem Anschluss zur Gasversorgung hat, setzt sich schnellstmöglich mit der Netze BW in Verbindung: Netze BW Erdgas – Anschlussservice Öhringen, d.brucker@netze-bw.de oder 07941 932-297.

Problemmanagement eingerichtet

Anwohner und Eigentümer wurden bereits im November 2021 von der Stadtverwaltung Künzelsau über den Umfang und den Ablauf der Baumaßnahmen informiert. Für jedes Grundstück wurde ab Januar 2022 ein einzelner Termin zur Besprechung der geplanten und notwendigen Maßnahmen durchgeführt. Weiter gibt es, wenn die Baumaßnahme anläuft, bei einem wöchentlichen Jour-Fixe-Termin oder jederzeit über E-Mail, die Möglichkeit Sorgen oder Anregungen, Kritik oder Lob an die am Bau Beteiligten zu kommunizieren und natürlich auch hier Fragen zu stellen.

Im November soll die Maßnahme anbgeschlossen sein

„Wir freuen uns auf die gemeinsame Durchführung der Baumaßnahme und natürlich am meisten auf deren Fertigstellung. Diese ist für Ende November 2022 geplant“, so Simone Mitsch. Für die mit der Baumaßnahme einhergehenden Einschränkungen und Belästigungen bittet die Stadtverwaltung um Verständnis.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




Künzelsau wird zum Vorreiter einer Verkehrsrevolution

Langer bürokratischer und technischer Vorarbeiten bedurfte es, um in Künzelsau eines der modernsten Verkehrsprojekte Baden-Württembergs zu vollenden. Hätte es Corona und die damit verbundenen Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten nicht gegeben, „dann hädde mers fer Januar gschafft“, sagt Hartmut Berger, Gründer und Geschäftsführer der ausführenden Firma BBB Berger Bahn Bau GmbH aus Tuttlingen.

Erste Schwebebahn im Land

Für „revolutionär“ hält Berger den Ansatz, ressourcenschonend die heutige Trasse der Bergbahn zu verwenden und die Bergbahn auf Schwebegestellen weiterzuführen bis in die Innenstadt. „Des hedd koana denggd, dass sowas goohd“, sagt er in breitestem Schwäbisch, „abba mr hends gschaffd“. Es handelt sich um die allererste Schwebebahn im Land, weltweit ist es erst die zweite, die wie ein Bus im innerstädtischen Verkehr mitschwimmt. Im australischen Perth ist aber kein derartiger Höhenunterschied zu überwinden.

Ein Vierteljahr Verspätung, Kosten rund 35% über dem Ansatz

Geplant war der Start bereits zum 1. Januar 2022, mit einem Vierteljahr Verspätung wird die neue Bahn nun am heutigen Freitag ihren Betrieb aufnehmen. Neben dem Zeitplan wurde auch der Kostenplan um ein gutes Drittel überschritten, für Berger ist das kein Problem: „Waas nix koschd, daugt au nix“ lacht er verschmitzt. Letztendlich fielen Kosten von 4,7 Millionen Euro an, Künzelsau trägt davon nur einen symbolischen Beitrag, der Löwenanteil wird von mehreren Töpfen des Landes und des Bundes übernommen. Finanzministerium, Forschungsministerium und Verkehrsministerien von Bund und Land haben für dieses einzigartige Modell Geld bereitgestellt.

Anbindung von Ämtern und Innenstadt

Zwei weitere Haltestellen der Bergbahn wird es nun geben: Direkt am Eingang zum Landratsamt in der Allee sowie am Rathauseingang  – dieser Haltepunkt ist sogar überdacht. Die Trasse mit den Haltestellen an den beiden wichtigen Behördenzentren ist ein willkommener Vorgriff auf die Planungen des neuen Stadteingangs: „Der Bürger sieht ganz deutlich, wie alles näher zusammenrückt“, drückt es Verkehrsplaner Tobias Fischer-Avril aus.

Erste Fahrt ist wie üblich der politischen Prominenz vorbehalten

Die erste Fahrt, Abfahrt ist an der Bergstation auf den Taläckern um 08:00, ist wie üblich der politischen Prominenz vorbehalten. Der Künzelsauer Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten kündigt sogar allerhöchsten Besuch an: „Ich begrüße die Ankündigung, dass die Standseilbahn durch eine Schwebebahn verlängert werden soll. Für 4,7 Mio. Euro entstehen weitere Haltepunkte am Landratsamt und der Künzelsauer Innenstadt.  Der Bundestag hat beschlossen, die Reisekosten des Bundesfinanzministers zur ersten Fahrt am 1. April zu übernehmen.“ Ob auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Herrmann teilnehmen wird, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Die Fahrgäste der zweiten Fahrt, die dann um 08:20 auf den Taläckern abfährt, werden am Rathaus-Haltepunkt mit Butterbrezeln und Sekt begrüßt und „mit einer kleinen Überraschung“, wie aus dem Rathaus bekannnt wurde.

Text: Matthias Lauterer

 




„Willkommenspunkt“ für Flüchtlinge im Krankenhaus Künzelsau

Im Rahmen der Fluchtwelle aus der Ukraine beschreitet der Hohenlohekreis neue Wege. Zwei „Willkommenspunkte“ will der Kreis eröffnen, wo Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer Kontakt zueinander finden können.

Eröffnung bereits am Freitag, den 1. April 2022

Einer dieser Willkommenspunkte eröffnet bereits am Freitag, 01. April 2022, im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau, wo auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der zweite ist in Öhringen geplant, ein Zeitpunkt für die Eröffnung wurde noch nicht genannt.

In Künzelsau soll eine Spielecke aufgebaut werden, dazu soll es einen Internetanschluß geben und Räume für ruhige Gespräche.

Integrationskonzept neu aufleben lassen

Die Willkommenspunkte sind Teil des neubelebten Integrationskonzepts, das Dr. Mark Tobias Wittlinger, der Integrationsmanager dem Kreistag am Montag, 28. März 2022, vorgestellt hatte. „Integration ist eine Daueraufgabe“, sagte er. Auf drei Säulen soll das Integrationskonzept stehen: Das Integrationsbündnis aller mit Integration befassten Stellen und Organisationen, das Integrationsmanagement des Landratsamts sowie dem ehrenamtlichen Engagement. Drei Arbeitsschwerpunkte nannte Wittlinger:

  • dezentrale und flexible Angebote, wie zum Beispiel die Willkommenspunkte
  • Stärkung des Integrationmanagements. Dafür will er bis zu drei neue Stellen schaffen
  • Ausbau der zentralen Koordination im Hohenloher Integrationsbündnis 25.

Ehrenamtliche wurden nicht informiert

Ehrenamtliche Helfer, die sich bisher über das Landratsamt engagiert haben, zeigen sich darüber verwundert, dass sie weder über die Einrichtung dieses Willkommenspunktes noch über den Zeitpunkt der Eröffnung informiert wurden. In der Kreistagssitzung vom 28. März 2022 wurde mehrfach die Notwendigkeit des Ehrenamts hervorgehoben und nochmals an die Bürger:innen appelliert, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und Integration zu engagieren. Als „Chaos-Situation“ bezeichnete Mike Weise das aktuelle Arbeiten – mit einer Koordination der unterschiedlichen ehrenamtlichen Initiativen könnte die Regelsituation, die sein Ziel ist, vielleicht ein wenig früher erreicht werden.

Text: Matthias Lauterer




Landrat Dr. Neth: „Abscheulicher Krieg eines Despoten“

Gleich im Zeichen zweier Krisen steht der Hohenlohekreis und die ganze Welt, stellte Landrat Dr. Matthias Neth zu Beginn der Sitzung des Kreistags am 28. März 2022 in Weißbach fest. Corona und „der abscheuliche Krieg eines Despoten“ halten die Welt in Atem.

Bericht über Corona und über die Flüchtlinge aus der Ukraine

In einer einführenden Rede berichtet er davon, dass Corona weiterhin enorme Kapazitäten im Kreis bindet – im Gesundheitsamt, in den Krankenhäusern und den Arztpraxen. Die Behörden sind, so Neth, auch weiterhin mit der Kontaktverfolgung, dem Meldewesen, den Impfaktionen, den Tests und der Impfpflicht stark beschäftigt. Dazu sei ein Kurswechsel in der Gesellschaft zu erkennen, die Gefährdung durch die Krankheit würde nicht mehr so wahrgenommen. Insbesondere bei jungen Menschen sei eine „enorm hohe Inzidenz“ festzustellen.

Der Herbst soll nicht wieder zum Problem werden

Jetzt sei, meint Neth, die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass wir „nicht den Herbst wie in den letzten zwei Jahren“ bekommen.

Eine Frage, die beim Zuhörer Kopfschütteln erzeugt

Am Ende fragt er noch: „Warum erfassen wir noch Inzidenzen, wenn keine Rechtsfolgen mehr daran geknüpft sind?“ Diese Frage führt zu Kopfschütteln – und eine Antwort gibt er nicht. Dabei hat er sie doch vorher schon gegeben: Wenn wir nicht mehr erfassen, wie stellen wir dann fest, welche Bevölkerungsgruppen im Moment besonders gefährdet und schützenswert sind? Und wie fördern wir das Problembewußtsein in der Bevölkerung, wenn wir gar keine Zahlen mehr erfassen und veröffentlichen?

Beim Thema Flüchtlinge schneller sein als das Land

Das Ziel des Hohenlohekreises sei, beim Thema Flüchtlinge schneller zu sein als das  Land. Man will ein Signal zur Integration senden: Nicht nur Unterbringung, sondern das Ankommen in der hiesigen Gesellschaft soll ermöglicht werden.

Signal an die Gemeinden

Nach sechs Monaten, so erklärt Neth die Rechtslage, sei nicht mehr der Kreis, sondern seien die Gemeinden für die Flüchtlinge verantwortlich. Natürlich werde der Kreis „nicht abhauen“, aber die Gemeinden müßten eigene Vorbereitungen treffen. „Wenn es hier nicht klappt, wo es klein ist, wo sich alle kennen, wo soll es dann klappen?“ An dieser Stelle strahlt er Zuversicht aus, dass das Landratsamt und die betroffenen Gemeinden die Unterkunft und Versorgung der Geflohenen gemeinsam stemmen werden.

Forderung an die Politik

Aber er stellt auch eine Forderung an die Landes- und Bundespolitik: Sie müsse „Gemeinschaft und Geschlossenheit“ vermitteln und für weniger gesellschaftliche Spaltung sorgen.

Text: Matthias Lauterer




„Zur Ruhe kommen ist beim Ankommen das Wichtigste“

Rund 700 Flüchtlinge aus der Ukraine hätten sich Stand Montag, 28. März 2022, bereits beim Landratsamt und den Gemeinden angemeldet, berichtete Landrat Dr. Matthias Neth in seiner einführenden Rede am 28. März 2022 im Kreistag. Mike Weise, der zuständige Dezernent im Landratsamt geht tiefer in die Details:

Geschätzte vier Millionen Menschen haben die Ukraine bereits verlassen

Die EU geht von 8 – 10 Millionen Menschen aus, die aus der Ukraine in die EU flüchten. Aktuell wird geschätzt, dass bereits 4 Millionen Menschen die Ukraine verlassen haben – nicht alle in die EU, auch beispielsweise das wirtschaftlich arme Moldawien ist ein Ziel der Menschen.

Flüchtlinge müssen sich bei Ausländerbehörden melden

Die Schätzungen, wieviele Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, weichen stark voneinander ab, eine Million dürfte sicherlich nicht unterschätzt sein. Diese werden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. 13 Prozent der Flüchtlinge werden dem Land Baden-Württemberg zugewiesen, nach den bisher üblichen Verteilungsschlüsseln innerhalb des Landes, so rechnet es Mike Weise vor, rechnet man bei einer Million Flüchtlinge in Deutschland für den Hohenlohekreis mit etwa 1.300 Menschen.

Stand Freitag, 25. März 2022, waren 267.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. In den baden- württembergischen Erstaufnahmeeinrichtungen (EA) waren 3.300 Menschen registriert, täglich kommen rund 400 dazu. Weise rechnet mit einer ähnlich hohen Zahl von „Flächenflüchtlingen“ – Menschen, die nicht über die EA sondern direkt in Gemeinden registriert wurden – und einer Dunkelziffer.

700 Flüchtlinge im Hohenlohekreis angekommen

Für den Hohenlohekreis konnte Weise tagesaktuelle Zahlen vom Montag, 28. März 2022 melden: 700 Flüchtlinge seien den Ausländerbehörden des Landratsamts und der großen Kreisstadt Öhringen bekannt. Davon seien 292 Meldungen schon an das Regierungspräsidium weitergeleitet worden, 272 Menschen hätten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beantragt. Weise betont, dass es für die Flüchtlinge wichtig ist, sich bei den Ausländerbehörden zu melden – ohne Meldung könne es keine Leistungen und keine Wohnungsvermittlung geben.

Erste „zugewiesene Menschen“ angekommen

Am 23. März 2022 kamen erstmals Menschen an, die dem Hohenlohekreis aus der EA zugewiesen worden waren: 50 Menschen waren angekündigt, 37 sind in Künzelsau angekommen, davon waren 26 aus der Ukraine, 11 hatten eine andere Staatsangehörigkeit. 10 der angekommenen Ukrainer:innen seien gleich in andere Kreise weitergereist, 26 seien im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau untergebracht.

Auch drei Katzen mit angekommen

Auch drei Katzen sind jetzt im Krankenhaus untergekommen.

Die Menschen mit anderer Staatsangehörigkeit wurden auf andere Einrichtungen im Hohenlohekreis verteilt.

Rechtliche Lage der Angekommenen

Durch die Umsetzung der Massenzustrom-Richtlinie der EU sei die Arbeit der Behörden erleichtert worden, kann Weise berichten. Geflüchete ukrainische Staatsbürger:innen bekommen nach § 24 AufenthG eine befristete Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz und können nach § 1 Abs 1 Nr. 1a AsylbLG Geldleistungen, Gesundheitsleistungen und eine Unterkunft beanspruchen.

Aufbau von Unterkunftsplätzen

571 Unterkünfte in Gemeinschaftsunterkünften kann der Hohenlohekreis momentan zur Verfügung stellen, davon sind in den bisherigen Unterkünften 240 von 279 Plätze belegt, mit Menschen aus vielen Staaten. Neu eingerichtet sind 112 Plätze im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus, von denen (Stand Montag, 28. März) 26 durch Ukrainer:innen belegt sind. Die Eberhard-Gienger-Halle, die als Notunterkunft für 180 Menschen ausgestattet ist, wurde noch nicht in Anspruch genommen.

Obwohl „nur“ 256 Menschen in den Unterkünften wohnen, ist die Schaffung neuer Kapazitäten in vollem Gang, rund 1.000 Plätze will man insgesamt anbieten können. Dazu sind auch private Anmietungen notwendig, denn die verfügbaren Hallen im Landkreis sind bereits belegt.  

Erstmal zur Ruhe kommen können

Torsten Rönisch. Foto: LRA Hohenlohekreis

Kreisbrandmeister Torsten Rönisch, der auch für den Bevölkerungsschutz verantwortlich ist, wird von Landrat Dr. Neth für den schnellen Aufbau der beiden Unterkünfte gelobt. Rönisch gibt dieses Lob gleich weiter, an die Feuerwehrleute, aber ganz besonders auch an THW und DRK, die sehr schnell die notwendigen Kräfte bereitgestellt hätten.
Rönisch berichtet von Fluchterfahrungen seiner Familie, Ruhe sei beim Ankommen in der Fremde das Wichtigste. Daher habe man bei der Ausstattung des Krankenhauses in Künzelsau vor allem daran gedacht, dass die Menschen zur Ruhe kommen könnten. Rückzugsräume wurden geschaffen, der Park dient der Ruhe und als Spielplatz für Kinder. In den Zimmern sei für WLAN und Satelliten-Fernseh-Empfang gesorgt worden, damit die Geflüchteten weiter den Kontakt in ihre Heimat halten können. Die Zimmer sind mit vier Betten pragmatisch ausgestattet, Herde, Waschmaschinen und Trockner gehören zur Gemeinschaftsausstattung.

Die Zimmer und Gemeinschaftsräume im ehemaligen Krankenhaus sind pragmatisch ausgestattet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Privatsphäre ist wichtig

Das Krankenhaus mit seinen einzelnen Zimmern bietet eine angemessene Privatsphäre – in der Eberhard-Gienger-Halle ist die schon schwieriger zu realisieren. Abtrennungen und Sichtschutz sind aber auch dort installiert worden. Allerdings ist die Halle als reine Notunterkunft nicht so gut ausgestattet wie im Krankenhaus, es gibt beispielsweise keine individuellen Kochstellen, sondern eine Feldküche.

Ein Mindestmaß an Privatsphäre ist auch in der Eberhard-Gienger-Halle gewährleistet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Helfer beim Aufbau der Notunterkunft in der Eberhard-Gienger-Halle. Foto: LRA Hohenlohekreis

Appell an Ehrenamtliche

Rönisch appelliert an die Bürger:innen, sich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen: Nicht alles kann von den Rettungskräften gestemmt werden, da deren Einsatzfähigkeit für die üblichen Aufgaben erhalten werden muß.

Personalsituation im Landratsamt

Mike Weise spricht davon, dass man sich derzeit im Status der Chaos-Situation befinde, man müsse aber wieder in die Regel-Situation kommen. Trotz der bereits erfolgten Umsetzung von 8 Mitarbeiter:innen ins Ordungsamt, der Einstellung von zwei Mitarbeitern und der Inanspruchnahme von zwei Mitarbeitern eines Personaldienstleisters, sei die Personalsituation „angespannt, aber noch akzeptabel“, so Weise. Er rechnet damit, mindestens 11 Mitarbeiter:innen einstellen zu müssen. Die Personalsuche sei nicht einfach, denn diese Stellen können aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht unbefristet ausgeschrieben werden.

Text: Matthias Lauterer




Campus Künzelsau eröffnet Medienlabor

Professionelle Medienproduktion für Lehrangebote oder studentische Projekte? Mit dem ersten hochschuleigenen Medienlabor ist die Hochschule Heilbronn (HHN) am Campus Künzelsau dafür nun bestens ausgestattet. Das Herzstück bildet ein stationäres Filmstudio, u. a. mit hochwertiger Kamera, professionellem Licht- und Tonequipment, verschiedenen Hintergründen, einem Green Screen, Teleprompter sowie Schnittplätzen. Um auch außerhalb des Studios zu filmen oder Podcasts aufzunehmen, ist ein umfangreiches mobiles Equipment vorhanden.

Tipps von der Filmakademie

„Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie wichtig eLearning und gute digitale Lehre sind“, erklärt Professor Andreas Daberkow, Beauftragter für eLearning und eAssessment (eLeA) an der HHN. „Besonders wichtig war uns, die HHN-Medienlabore professionell auszustatten. Deshalb haben wir uns Tipps von den Experten der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg geholt und unsere Mitarbeiterin Laura Abel des Teams eLeA betreut das Medienlabor vor Ort in Künzelsau.“ Finanziert werden das Künzelsauer Medienlabor sowie die an den Campus Sontheim und Schwäbisch Hall entstehenden durch Unterstützungsmaßnahmen zur Digitalisierung des Landes während der Pandemiezeit.

Ein Medienlabor für viele verschiedene Projekte

Für ein innovatives Lehrkonzept nutzen die Professoren im Studiengang Betriebswirtschaft, Marketing- und Medienmanagement den Produktionsraum bereits intensiv. Auch das erste studentische Projekt hat sich angemeldet: Von Künstlerdozent Dominik Kuhn, aka Dodokay, bekommen Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement (BK) die Aufgabe, Ideen für virale Spots rund um den Campus Künzelsau und ihren Studiengang zu entwickeln, zu drehen und zu schneiden.

Mit professionellem Kamera-, Licht- und Tonequipment bleiben im stationären Medienlabor am Campus Künzelsau keine Wünsche offen. Foto: HHN

Weichenstellung für neue Konzepte und innovative Medienformate

„Für unseren Standort und unsere Fakultät freue ich mich sehr, dass wir das erste hochschuleigene Medienlabor eröffnen dürfen. So stellen wir nicht nur die Weichen für videobasierte Lehre, sondern ermöglichen außerdem neue Konzepte und innovative Medienformate“, so Professorin Anke Ostertag, Dekanin der Fakultät Technik und Wirtschaft am Campus Künzelsau.

Mit ca. 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis stark vernetzt.

Pressemitteilung Hochschule Heilbronn




„Ein gutes Leben ist die beste Rache“ 

Mit „Endlich!“ begrüßte Eva Hosemann, die künstlerische Leiterin der Burgfestspiele Jagsthausen, am 26. März 2022 das Publikum und den Kabarettisten Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Endlich ist es wieder möglich, Kultur live zu erleben, mit echten Menschen.

Demütigende Grenzerfahrung

Und Jochimsen erzählt auch gleich aus der Coronazeit, als es auch schon einmal wieder losging, mit einem Auftritt im Autokino: „Ich stand auf einem Parkplatz und habe Autos Witze erzählt – eine demütigende Grenzerfahrung“. Das ist sein Stilmittel: Das Absurde herauszuarbeiten und die komische Fallhöhe der Absurdität im Selbstverständlichen herauszuarbeiten. Im Kleinen wie im Großen.

„Mir waren die Irren lieber“

Wenn er zum Beispiel den „Dorfdepp“, der den ganzen Tag „schwallend“ durch’s Dorf läuft, mit Headset-Handytelefonierern vergleicht: „Mir waren die Irren lieber“. Oder wenn er die weltweiten Krisen nicht mehr als Ausnahme von der Normalität ansieht, sondern zur Normalität der Ausnahme erklärt.

Eine ganz eigene Form des Lachens

Gelacht wird, aber es ist kein herzhaftes Lachen, es ist eher unterdrückt. Liegt es daran, dass das Publikum in den letzten Jahren im Lachen nicht mehr so geübt ist? Oder zeigt der Eulenspiegel auf der Bühne dem Publikum zu deutlich den Spiegel? Erkennt sich das Publikum selbst als Protagonist der alltäglichen Absurdität und mag nicht so recht über sich selbst lachen?

Keine Antwort auf die Fragen

Eine Antwort darauf gibt Jochimsen nicht, will er auch nicht geben: „Der Satiriker gibt keine Antworten, er bereitet nur den Weg.“ Dieser Weg kann das mathematische Denken sein, meint er: Die Fähigkeit, eine Abfolge von Schritten zu minimalisieren und die Fähigkeit, immer auch die Umkehrmöglichkeit zu sehen. Auch beim mathematischen Denken gehe, wie in der Satire, nicht um die Antworten, sondern „um die Qualität der Fragen“.

„Kürzen und Kehren“

Diese Methode nennt er „kürzen und kehren“ und mit zwei einfachen Gesten, die er zu diesen Worten einführt, bringt er das Publikum im Lauf des Abends immer wieder auf diesen Weg zurück. Denn mit dem „Kürzen und Kehren“ will er das Publikum vor dem Irregehen bewahren: „Kürzen und Kehren – das ist der komplette Gegensatz zu jeglicher Esoterik“, und er meint damit von der Religion bis zum Aberglauben alles.

Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

„Wissen macht mehr Mühe als glauben“

Aber sofort folgt auch an dieser Stelle die Umkehrung: „Wissen macht mehr Mühe als glauben“.
Kleine und große Seitenhiebe auf die aktuelle Politik dürfen im Kabarett nicht fehlen. Und so empfiehlt Jochimsen stets den Blick auf die Opposition: „Neue Ideen kommen aus der Opposition“, meint er – und mit Blick auf Merz und Söder resigniert er. Über Söder sagt er: „Seine erste Aktion als Ministerpräsident war, überall Kreuze aufhängen zu lassen, auch in den Klassenzimmern. Heute weiß man: Waschbecken wären sinnvoller gewesen.“

Aber noch bevor ein befreiendes Lachen über die Politik seinen Weg finden kann, hält er dem Publikum schon wieder den Spiegel vor: „Man weiß immer erst später, wo man vorher stand.“ Und nachdem er sein Publikum erst zur Sehnsucht nach dem schönen, normalen, beschaulichen „früher“ hingeführt hat, sagt er ganz lakonisch „früher ist rum“ und löscht diese Sehnsucht umgehend, geradezu brutal, wieder aus.

„Wir werden alle bunte Hütchen tragen“

Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

In seinem Abschlußlied kürzt und kehrt er nochmals die Absurdität in die Albernheit um, er malt sich einen Moment aus, in dem „wir alle bunte Hütchen tragen“ und begegnet der allfälligen Frage „Wenn das alle machen würden, wo kämen wir dann hin?“ mit einem „keine Ahnung, aber ich glaube, da ist es schön“. Da ist er konsequent: Der Satiriker gibt keine Antworten.

Symbol der Normalität: Diashow zum Abschluß

Und damit auch alle das mit der Umkehrung verstehen, dreht er diese Albernheit nochmals um und beendet beide Teile seines Auftritts mit dem Symbol für die Normalität schlechthin: einer Diashow. Die dann aber auch nur Absurditäten des Alltags zeigt.

„Ein gutes Leben ist die beste Rache“

Und so verabschiedet er sein Publikum mit einem Appell an Solidarität, Vernunft und Gelassenheit und dem Motto: „Ein gutes Leben ist die beste Rache“ in die Nacht.

Im Innenhof der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

Eva Hosemann hat recht: Endlich sind solche Veranstaltungen wieder möglich.

Text: Matthias Lauterer

Post Scriptum: „Die Presse“ kommt dem Wunsch des Künstlers selbstverständlich gerne nach und berichtet davon, dass an diesem Abend Kinder ins Kabarett gezwungen wurden.

Info:
www.jessjochimsen.de
www.burgfestspiele-jagsthausen.de/