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„Willkommenspunkt“ für Flüchtlinge im Krankenhaus Künzelsau

Im Rahmen der Fluchtwelle aus der Ukraine beschreitet der Hohenlohekreis neue Wege. Zwei „Willkommenspunkte“ will der Kreis eröffnen, wo Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer Kontakt zueinander finden können.

Eröffnung bereits am Freitag, den 1. April 2022

Einer dieser Willkommenspunkte eröffnet bereits am Freitag, 01. April 2022, im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau, wo auch Flüchtlinge untergebracht sind. Der zweite ist in Öhringen geplant, ein Zeitpunkt für die Eröffnung wurde noch nicht genannt.

In Künzelsau soll eine Spielecke aufgebaut werden, dazu soll es einen Internetanschluß geben und Räume für ruhige Gespräche.

Integrationskonzept neu aufleben lassen

Die Willkommenspunkte sind Teil des neubelebten Integrationskonzepts, das Dr. Mark Tobias Wittlinger, der Integrationsmanager dem Kreistag am Montag, 28. März 2022, vorgestellt hatte. „Integration ist eine Daueraufgabe“, sagte er. Auf drei Säulen soll das Integrationskonzept stehen: Das Integrationsbündnis aller mit Integration befassten Stellen und Organisationen, das Integrationsmanagement des Landratsamts sowie dem ehrenamtlichen Engagement. Drei Arbeitsschwerpunkte nannte Wittlinger:

  • dezentrale und flexible Angebote, wie zum Beispiel die Willkommenspunkte
  • Stärkung des Integrationmanagements. Dafür will er bis zu drei neue Stellen schaffen
  • Ausbau der zentralen Koordination im Hohenloher Integrationsbündnis 25.

Ehrenamtliche wurden nicht informiert

Ehrenamtliche Helfer, die sich bisher über das Landratsamt engagiert haben, zeigen sich darüber verwundert, dass sie weder über die Einrichtung dieses Willkommenspunktes noch über den Zeitpunkt der Eröffnung informiert wurden. In der Kreistagssitzung vom 28. März 2022 wurde mehrfach die Notwendigkeit des Ehrenamts hervorgehoben und nochmals an die Bürger:innen appelliert, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und Integration zu engagieren. Als „Chaos-Situation“ bezeichnete Mike Weise das aktuelle Arbeiten – mit einer Koordination der unterschiedlichen ehrenamtlichen Initiativen könnte die Regelsituation, die sein Ziel ist, vielleicht ein wenig früher erreicht werden.

Text: Matthias Lauterer




Landrat Dr. Neth: „Abscheulicher Krieg eines Despoten“

Gleich im Zeichen zweier Krisen steht der Hohenlohekreis und die ganze Welt, stellte Landrat Dr. Matthias Neth zu Beginn der Sitzung des Kreistags am 28. März 2022 in Weißbach fest. Corona und „der abscheuliche Krieg eines Despoten“ halten die Welt in Atem.

Bericht über Corona und über die Flüchtlinge aus der Ukraine

In einer einführenden Rede berichtet er davon, dass Corona weiterhin enorme Kapazitäten im Kreis bindet – im Gesundheitsamt, in den Krankenhäusern und den Arztpraxen. Die Behörden sind, so Neth, auch weiterhin mit der Kontaktverfolgung, dem Meldewesen, den Impfaktionen, den Tests und der Impfpflicht stark beschäftigt. Dazu sei ein Kurswechsel in der Gesellschaft zu erkennen, die Gefährdung durch die Krankheit würde nicht mehr so wahrgenommen. Insbesondere bei jungen Menschen sei eine „enorm hohe Inzidenz“ festzustellen.

Der Herbst soll nicht wieder zum Problem werden

Jetzt sei, meint Neth, die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass wir „nicht den Herbst wie in den letzten zwei Jahren“ bekommen.

Eine Frage, die beim Zuhörer Kopfschütteln erzeugt

Am Ende fragt er noch: „Warum erfassen wir noch Inzidenzen, wenn keine Rechtsfolgen mehr daran geknüpft sind?“ Diese Frage führt zu Kopfschütteln – und eine Antwort gibt er nicht. Dabei hat er sie doch vorher schon gegeben: Wenn wir nicht mehr erfassen, wie stellen wir dann fest, welche Bevölkerungsgruppen im Moment besonders gefährdet und schützenswert sind? Und wie fördern wir das Problembewußtsein in der Bevölkerung, wenn wir gar keine Zahlen mehr erfassen und veröffentlichen?

Beim Thema Flüchtlinge schneller sein als das Land

Das Ziel des Hohenlohekreises sei, beim Thema Flüchtlinge schneller zu sein als das  Land. Man will ein Signal zur Integration senden: Nicht nur Unterbringung, sondern das Ankommen in der hiesigen Gesellschaft soll ermöglicht werden.

Signal an die Gemeinden

Nach sechs Monaten, so erklärt Neth die Rechtslage, sei nicht mehr der Kreis, sondern seien die Gemeinden für die Flüchtlinge verantwortlich. Natürlich werde der Kreis „nicht abhauen“, aber die Gemeinden müßten eigene Vorbereitungen treffen. „Wenn es hier nicht klappt, wo es klein ist, wo sich alle kennen, wo soll es dann klappen?“ An dieser Stelle strahlt er Zuversicht aus, dass das Landratsamt und die betroffenen Gemeinden die Unterkunft und Versorgung der Geflohenen gemeinsam stemmen werden.

Forderung an die Politik

Aber er stellt auch eine Forderung an die Landes- und Bundespolitik: Sie müsse „Gemeinschaft und Geschlossenheit“ vermitteln und für weniger gesellschaftliche Spaltung sorgen.

Text: Matthias Lauterer




„Zur Ruhe kommen ist beim Ankommen das Wichtigste“

Rund 700 Flüchtlinge aus der Ukraine hätten sich Stand Montag, 28. März 2022, bereits beim Landratsamt und den Gemeinden angemeldet, berichtete Landrat Dr. Matthias Neth in seiner einführenden Rede am 28. März 2022 im Kreistag. Mike Weise, der zuständige Dezernent im Landratsamt geht tiefer in die Details:

Geschätzte vier Millionen Menschen haben die Ukraine bereits verlassen

Die EU geht von 8 – 10 Millionen Menschen aus, die aus der Ukraine in die EU flüchten. Aktuell wird geschätzt, dass bereits 4 Millionen Menschen die Ukraine verlassen haben – nicht alle in die EU, auch beispielsweise das wirtschaftlich arme Moldawien ist ein Ziel der Menschen.

Flüchtlinge müssen sich bei Ausländerbehörden melden

Die Schätzungen, wieviele Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, weichen stark voneinander ab, eine Million dürfte sicherlich nicht unterschätzt sein. Diese werden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. 13 Prozent der Flüchtlinge werden dem Land Baden-Württemberg zugewiesen, nach den bisher üblichen Verteilungsschlüsseln innerhalb des Landes, so rechnet es Mike Weise vor, rechnet man bei einer Million Flüchtlinge in Deutschland für den Hohenlohekreis mit etwa 1.300 Menschen.

Stand Freitag, 25. März 2022, waren 267.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. In den baden- württembergischen Erstaufnahmeeinrichtungen (EA) waren 3.300 Menschen registriert, täglich kommen rund 400 dazu. Weise rechnet mit einer ähnlich hohen Zahl von „Flächenflüchtlingen“ – Menschen, die nicht über die EA sondern direkt in Gemeinden registriert wurden – und einer Dunkelziffer.

700 Flüchtlinge im Hohenlohekreis angekommen

Für den Hohenlohekreis konnte Weise tagesaktuelle Zahlen vom Montag, 28. März 2022 melden: 700 Flüchtlinge seien den Ausländerbehörden des Landratsamts und der großen Kreisstadt Öhringen bekannt. Davon seien 292 Meldungen schon an das Regierungspräsidium weitergeleitet worden, 272 Menschen hätten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beantragt. Weise betont, dass es für die Flüchtlinge wichtig ist, sich bei den Ausländerbehörden zu melden – ohne Meldung könne es keine Leistungen und keine Wohnungsvermittlung geben.

Erste „zugewiesene Menschen“ angekommen

Am 23. März 2022 kamen erstmals Menschen an, die dem Hohenlohekreis aus der EA zugewiesen worden waren: 50 Menschen waren angekündigt, 37 sind in Künzelsau angekommen, davon waren 26 aus der Ukraine, 11 hatten eine andere Staatsangehörigkeit. 10 der angekommenen Ukrainer:innen seien gleich in andere Kreise weitergereist, 26 seien im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau untergebracht.

Auch drei Katzen mit angekommen

Auch drei Katzen sind jetzt im Krankenhaus untergekommen.

Die Menschen mit anderer Staatsangehörigkeit wurden auf andere Einrichtungen im Hohenlohekreis verteilt.

Rechtliche Lage der Angekommenen

Durch die Umsetzung der Massenzustrom-Richtlinie der EU sei die Arbeit der Behörden erleichtert worden, kann Weise berichten. Geflüchete ukrainische Staatsbürger:innen bekommen nach § 24 AufenthG eine befristete Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz und können nach § 1 Abs 1 Nr. 1a AsylbLG Geldleistungen, Gesundheitsleistungen und eine Unterkunft beanspruchen.

Aufbau von Unterkunftsplätzen

571 Unterkünfte in Gemeinschaftsunterkünften kann der Hohenlohekreis momentan zur Verfügung stellen, davon sind in den bisherigen Unterkünften 240 von 279 Plätze belegt, mit Menschen aus vielen Staaten. Neu eingerichtet sind 112 Plätze im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus, von denen (Stand Montag, 28. März) 26 durch Ukrainer:innen belegt sind. Die Eberhard-Gienger-Halle, die als Notunterkunft für 180 Menschen ausgestattet ist, wurde noch nicht in Anspruch genommen.

Obwohl „nur“ 256 Menschen in den Unterkünften wohnen, ist die Schaffung neuer Kapazitäten in vollem Gang, rund 1.000 Plätze will man insgesamt anbieten können. Dazu sind auch private Anmietungen notwendig, denn die verfügbaren Hallen im Landkreis sind bereits belegt.  

Erstmal zur Ruhe kommen können

Torsten Rönisch. Foto: LRA Hohenlohekreis

Kreisbrandmeister Torsten Rönisch, der auch für den Bevölkerungsschutz verantwortlich ist, wird von Landrat Dr. Neth für den schnellen Aufbau der beiden Unterkünfte gelobt. Rönisch gibt dieses Lob gleich weiter, an die Feuerwehrleute, aber ganz besonders auch an THW und DRK, die sehr schnell die notwendigen Kräfte bereitgestellt hätten.
Rönisch berichtet von Fluchterfahrungen seiner Familie, Ruhe sei beim Ankommen in der Fremde das Wichtigste. Daher habe man bei der Ausstattung des Krankenhauses in Künzelsau vor allem daran gedacht, dass die Menschen zur Ruhe kommen könnten. Rückzugsräume wurden geschaffen, der Park dient der Ruhe und als Spielplatz für Kinder. In den Zimmern sei für WLAN und Satelliten-Fernseh-Empfang gesorgt worden, damit die Geflüchteten weiter den Kontakt in ihre Heimat halten können. Die Zimmer sind mit vier Betten pragmatisch ausgestattet, Herde, Waschmaschinen und Trockner gehören zur Gemeinschaftsausstattung.

Die Zimmer und Gemeinschaftsräume im ehemaligen Krankenhaus sind pragmatisch ausgestattet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Privatsphäre ist wichtig

Das Krankenhaus mit seinen einzelnen Zimmern bietet eine angemessene Privatsphäre – in der Eberhard-Gienger-Halle ist die schon schwieriger zu realisieren. Abtrennungen und Sichtschutz sind aber auch dort installiert worden. Allerdings ist die Halle als reine Notunterkunft nicht so gut ausgestattet wie im Krankenhaus, es gibt beispielsweise keine individuellen Kochstellen, sondern eine Feldküche.

Ein Mindestmaß an Privatsphäre ist auch in der Eberhard-Gienger-Halle gewährleistet. Foto: LRA Hohenlohekreis

Helfer beim Aufbau der Notunterkunft in der Eberhard-Gienger-Halle. Foto: LRA Hohenlohekreis

Appell an Ehrenamtliche

Rönisch appelliert an die Bürger:innen, sich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen: Nicht alles kann von den Rettungskräften gestemmt werden, da deren Einsatzfähigkeit für die üblichen Aufgaben erhalten werden muß.

Personalsituation im Landratsamt

Mike Weise spricht davon, dass man sich derzeit im Status der Chaos-Situation befinde, man müsse aber wieder in die Regel-Situation kommen. Trotz der bereits erfolgten Umsetzung von 8 Mitarbeiter:innen ins Ordungsamt, der Einstellung von zwei Mitarbeitern und der Inanspruchnahme von zwei Mitarbeitern eines Personaldienstleisters, sei die Personalsituation „angespannt, aber noch akzeptabel“, so Weise. Er rechnet damit, mindestens 11 Mitarbeiter:innen einstellen zu müssen. Die Personalsuche sei nicht einfach, denn diese Stellen können aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht unbefristet ausgeschrieben werden.

Text: Matthias Lauterer




Campus Künzelsau eröffnet Medienlabor

Professionelle Medienproduktion für Lehrangebote oder studentische Projekte? Mit dem ersten hochschuleigenen Medienlabor ist die Hochschule Heilbronn (HHN) am Campus Künzelsau dafür nun bestens ausgestattet. Das Herzstück bildet ein stationäres Filmstudio, u. a. mit hochwertiger Kamera, professionellem Licht- und Tonequipment, verschiedenen Hintergründen, einem Green Screen, Teleprompter sowie Schnittplätzen. Um auch außerhalb des Studios zu filmen oder Podcasts aufzunehmen, ist ein umfangreiches mobiles Equipment vorhanden.

Tipps von der Filmakademie

„Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie wichtig eLearning und gute digitale Lehre sind“, erklärt Professor Andreas Daberkow, Beauftragter für eLearning und eAssessment (eLeA) an der HHN. „Besonders wichtig war uns, die HHN-Medienlabore professionell auszustatten. Deshalb haben wir uns Tipps von den Experten der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg geholt und unsere Mitarbeiterin Laura Abel des Teams eLeA betreut das Medienlabor vor Ort in Künzelsau.“ Finanziert werden das Künzelsauer Medienlabor sowie die an den Campus Sontheim und Schwäbisch Hall entstehenden durch Unterstützungsmaßnahmen zur Digitalisierung des Landes während der Pandemiezeit.

Ein Medienlabor für viele verschiedene Projekte

Für ein innovatives Lehrkonzept nutzen die Professoren im Studiengang Betriebswirtschaft, Marketing- und Medienmanagement den Produktionsraum bereits intensiv. Auch das erste studentische Projekt hat sich angemeldet: Von Künstlerdozent Dominik Kuhn, aka Dodokay, bekommen Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement (BK) die Aufgabe, Ideen für virale Spots rund um den Campus Künzelsau und ihren Studiengang zu entwickeln, zu drehen und zu schneiden.

Mit professionellem Kamera-, Licht- und Tonequipment bleiben im stationären Medienlabor am Campus Künzelsau keine Wünsche offen. Foto: HHN

Weichenstellung für neue Konzepte und innovative Medienformate

„Für unseren Standort und unsere Fakultät freue ich mich sehr, dass wir das erste hochschuleigene Medienlabor eröffnen dürfen. So stellen wir nicht nur die Weichen für videobasierte Lehre, sondern ermöglichen außerdem neue Konzepte und innovative Medienformate“, so Professorin Anke Ostertag, Dekanin der Fakultät Technik und Wirtschaft am Campus Künzelsau.

Mit ca. 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis stark vernetzt.

Pressemitteilung Hochschule Heilbronn




„Ein gutes Leben ist die beste Rache“ 

Mit „Endlich!“ begrüßte Eva Hosemann, die künstlerische Leiterin der Burgfestspiele Jagsthausen, am 26. März 2022 das Publikum und den Kabarettisten Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Endlich ist es wieder möglich, Kultur live zu erleben, mit echten Menschen.

Demütigende Grenzerfahrung

Und Jochimsen erzählt auch gleich aus der Coronazeit, als es auch schon einmal wieder losging, mit einem Auftritt im Autokino: „Ich stand auf einem Parkplatz und habe Autos Witze erzählt – eine demütigende Grenzerfahrung“. Das ist sein Stilmittel: Das Absurde herauszuarbeiten und die komische Fallhöhe der Absurdität im Selbstverständlichen herauszuarbeiten. Im Kleinen wie im Großen.

„Mir waren die Irren lieber“

Wenn er zum Beispiel den „Dorfdepp“, der den ganzen Tag „schwallend“ durch’s Dorf läuft, mit Headset-Handytelefonierern vergleicht: „Mir waren die Irren lieber“. Oder wenn er die weltweiten Krisen nicht mehr als Ausnahme von der Normalität ansieht, sondern zur Normalität der Ausnahme erklärt.

Eine ganz eigene Form des Lachens

Gelacht wird, aber es ist kein herzhaftes Lachen, es ist eher unterdrückt. Liegt es daran, dass das Publikum in den letzten Jahren im Lachen nicht mehr so geübt ist? Oder zeigt der Eulenspiegel auf der Bühne dem Publikum zu deutlich den Spiegel? Erkennt sich das Publikum selbst als Protagonist der alltäglichen Absurdität und mag nicht so recht über sich selbst lachen?

Keine Antwort auf die Fragen

Eine Antwort darauf gibt Jochimsen nicht, will er auch nicht geben: „Der Satiriker gibt keine Antworten, er bereitet nur den Weg.“ Dieser Weg kann das mathematische Denken sein, meint er: Die Fähigkeit, eine Abfolge von Schritten zu minimalisieren und die Fähigkeit, immer auch die Umkehrmöglichkeit zu sehen. Auch beim mathematischen Denken gehe, wie in der Satire, nicht um die Antworten, sondern „um die Qualität der Fragen“.

„Kürzen und Kehren“

Diese Methode nennt er „kürzen und kehren“ und mit zwei einfachen Gesten, die er zu diesen Worten einführt, bringt er das Publikum im Lauf des Abends immer wieder auf diesen Weg zurück. Denn mit dem „Kürzen und Kehren“ will er das Publikum vor dem Irregehen bewahren: „Kürzen und Kehren – das ist der komplette Gegensatz zu jeglicher Esoterik“, und er meint damit von der Religion bis zum Aberglauben alles.

Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

„Wissen macht mehr Mühe als glauben“

Aber sofort folgt auch an dieser Stelle die Umkehrung: „Wissen macht mehr Mühe als glauben“.
Kleine und große Seitenhiebe auf die aktuelle Politik dürfen im Kabarett nicht fehlen. Und so empfiehlt Jochimsen stets den Blick auf die Opposition: „Neue Ideen kommen aus der Opposition“, meint er – und mit Blick auf Merz und Söder resigniert er. Über Söder sagt er: „Seine erste Aktion als Ministerpräsident war, überall Kreuze aufhängen zu lassen, auch in den Klassenzimmern. Heute weiß man: Waschbecken wären sinnvoller gewesen.“

Aber noch bevor ein befreiendes Lachen über die Politik seinen Weg finden kann, hält er dem Publikum schon wieder den Spiegel vor: „Man weiß immer erst später, wo man vorher stand.“ Und nachdem er sein Publikum erst zur Sehnsucht nach dem schönen, normalen, beschaulichen „früher“ hingeführt hat, sagt er ganz lakonisch „früher ist rum“ und löscht diese Sehnsucht umgehend, geradezu brutal, wieder aus.

„Wir werden alle bunte Hütchen tragen“

Jess Jochimsen im Gewölbekeller der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

In seinem Abschlußlied kürzt und kehrt er nochmals die Absurdität in die Albernheit um, er malt sich einen Moment aus, in dem „wir alle bunte Hütchen tragen“ und begegnet der allfälligen Frage „Wenn das alle machen würden, wo kämen wir dann hin?“ mit einem „keine Ahnung, aber ich glaube, da ist es schön“. Da ist er konsequent: Der Satiriker gibt keine Antworten.

Symbol der Normalität: Diashow zum Abschluß

Und damit auch alle das mit der Umkehrung verstehen, dreht er diese Albernheit nochmals um und beendet beide Teile seines Auftritts mit dem Symbol für die Normalität schlechthin: einer Diashow. Die dann aber auch nur Absurditäten des Alltags zeigt.

„Ein gutes Leben ist die beste Rache“

Und so verabschiedet er sein Publikum mit einem Appell an Solidarität, Vernunft und Gelassenheit und dem Motto: „Ein gutes Leben ist die beste Rache“ in die Nacht.

Im Innenhof der Götzenburg. Foto: GSCHWÄTZ

Eva Hosemann hat recht: Endlich sind solche Veranstaltungen wieder möglich.

Text: Matthias Lauterer

Post Scriptum: „Die Presse“ kommt dem Wunsch des Künstlers selbstverständlich gerne nach und berichtet davon, dass an diesem Abend Kinder ins Kabarett gezwungen wurden.

Info:
www.jessjochimsen.de
www.burgfestspiele-jagsthausen.de/




Radfahrer bei Verkehrsunfall verstorben

Die 55-jährige Führerin eines Mercedes Benz Vito befuhr am Samstag, den 26. März 2022, um 13:35 Uhr, in Bretzfeld die Burgwiesenstraße in Fahrtrichtung Ortsmitte. Im Kreuzungsbereich zur Steinsfeld- und Kirchstraße kollidierte sie mit einem 83-jährigen Mann auf seinem E-Bike. Der Radfahrer wurde durch die Kollision so schwer verletzt, dass er trotz Reanimation noch an der Unfallstelle verstarb. Die Pkw-Führerin erlitt einen Schock. Zur Klärung der Unfallursache wurde ein Sachverständiger hinzugezogen. Der entstandene Schaden am Pkw wird auf ca. 5000 Euro, der Schaden am E-Bike auf ca. 1500 Euro geschätzt. Zeugen werden gebeten, sich bei der Verkehrspolizeiinspektion Weinsberg unter Telefon 07134-5130 zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




„Öhringen klimaneutral 2035“ – Klimaschutzkonzept kommt

In der Sitzung vom 22. März hat der Öhringer Gemeinderat dem Bürgerbegehren „Öhringen klimaneutral 2035“ zugestimmt und zugleich einer Ausschreibung für einen Klima-Aktionsplan grünes Licht gegeben. Mit der Beauftragung zur Ausschreibung und Vergabe der gewünschten Planungsleistung entfällt die Durchführung eines Bürgerentscheides. Hier wären Kosten von rund 70.000 Euro entstanden. Ein Planungsbüro soll in der Gemeinderatssitzung im Juli beauftragt werden, innerhalb eines Jahres einen Aktionsplan zur Klimaneutralität bis 2035 zu erstellen. Die vorgesehene Ausschreibung wird mit der Bürgerinitiative abgestimmt. Die Entscheidung, welche Planungsleistungen beauftragt werden entscheidet der Gemeinderat.

Klimaschutzkonzept sinnvoll und notwendig

Die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes ist aus Sicht der Verwaltung sinnvoll und notwendig. Ein Klimaschutzkonzept dient als strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für zukünftige Klimaschutzaktivitäten. Die Verwaltung rechnet für die Erstellung eines entsprechenden Gutachtens mit Kosten in Höhe von ca. 100.000 Euro.

Die Initiatoren von „Öhringen klimaneutral 2035“ hatten 1.783 Unterschriften in Öhringen gesammelt und diese am 25. Januar 2022 bei der Stadtverwaltung eingereicht. Das Bürgerbegehren musste von mindestens 7 Prozent der Bürgerinnen und Bürger unterzeichnet sein. Zum Einreichungsdatum gab es in Öhringen 19.580 Wahlberechtigte. Für das Bürgerbegehren waren 1.371 gültige Unterschriften notwendig.

Pressemitteilung Stadt Öhringen




Urmel kommt nach Künzelsau

Aus Hannover reist das kleine Ensemble des Figurentheaters „Die Complizen“ an und bringt das Urmel mit. „Urmel schlüpft aus dem Ei“ heißt das 60 Minuten dauernde Stück für Zuschauer ab vier Jahren: … ein wirrwarrwitziges Musical mit einem der liebenswertesten Geschöpfe der deutschen Kinderliteratur.

Auf der Insel Titiwu bringt der Professor Habakuk Tibatong Tieren das Sprechen bei. Dann passiert etwas Unerwartetes: Ein großer Eisberg wird an den Strand geschwemmt. Ein Ei befindet sich darin. Der Professor und seine Tiere brüten es aus. Heraus schlüpft ein Urmel. Eine Sensation!

Mehr als nur ein Figurentheater

Das Original von Max Kruse bildet die Basis. Angereichert mit den schönsten Momenten des Bilderbuchtitels, mit charakterstarken Figuren auf die Rundbühne gebracht, mit eingängiger Musik vertont und mit verbindenden Mitmachelementen wird das Stück weit mehr als Figurentheater sein.

Am Montag, 11. April 2022 werden zwei Aufführungen angeboten, Beginn um 10.30 Uhr und um 16.00 Uhr. Einlass in die Stadthalle Künzelsau ist jeweils 30 Minuten vor Beginn. Das Stück für Zuschauer ab vier Jahren dauert ungefähr 60 Minuten. Es gilt die 3G-Regel und außerdem Maskenpflicht, ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder bis einschließlich fünf Jahre.

Günstiger Eintritt dank Albert Berner Stiftung

Eintrittskarten zum Preis von drei Euro sind bei Renate Kilb zu haben, E-Mail mailto:renate.kilb@kuenzelsau.de , Telefon 07940 129-121. Der günstige Eintrittspreis ist möglich, weil die Albert Berner-Stiftung das städtische Kinderkulturprogramm unterstützt.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

Foto: Fotodesign Andreas Braun, Hameln.

 




Corona- und Flüchtlingslage im Fokus

Die nächste Sitzung des Kreistages des Hohenlohekreises findet am Montag, 28. März, 14 Uhr, im Bürgerzentrum Langenbachtal in Weißbach statt. Zu Beginn der Sitzung informiert die Verwaltung über die aktuelle Corona- und Ukrainelage im Hohenlohekreis. Anschließend wird über die Beauftragung eines Sicherheitsdienstes für die Gemeinschaftsunterkunft in Bretzfeld-Schwabbach entschieden. Danach geht es um die Fortsetzung des Integrationsmanagements in Zusammenarbeit mit der Liga der freien Wohlfahrtspflege für den Förderzeitraum 2023/2024. Außerdem stehen die Vergabe von Elektroinstallationsarbeiten der Kaufmännischen Schule in Künzelsau sowie die Entscheidung über eine finanzielle Förderung zum Bau eines Geh- und Radweges zwischen Klepsau und Laibach (K 2313) auf der Tagesordnung.

Informationen zu den Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse sind über das Bürgerinformationssystem auf der Internetseite www.hohenlohekreis.de im Bereich Kreistag/Ratsinformationssystem abrufbar.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




Nicht alles, womit er wirbt, hat er in die Tat umgesetzt

Eine Nummer größer hätte sein blauer Anzug sicher auch gut ausgeschaut. Nun hängt er überall auf Wahplakaten in Ingelfingen. Der amtierende Bürgermeister Michael Bauer möchte am 08. Mai 2022 gerne wiedergewählt werden von seinen Einwohner:innen. Derzeit gibt es einen Gegenkandidaten, Klaus Schmitt (wir berichteten), ebenfalls aus Ingelfingen-Lipfersberg. Die beiden sind quasi Nachbarn.

Viel gemeinsam haben sie indes nicht

Viel gemeinsam haben sie indes nicht. Während Klaus Schmitt Aufbruchsstimmung in dem kleinen Kocherstädtchen verbreiten möchte und mit mehr Kommunikation und Transparenz wirbt, betont Michael Bauer – wie viele seiner Bürgermeisterkollegen, wenn sie wiedergewählt werden möchten – wie viel denn schon gemeinsam geschafft wurde in den vergangenen – in diesem Fall 16 – Amtsjahren. „Gemeinsam viel erreicht“ heißt denn auch sein Wahlslogan. Darunter listet Bauer in einem Faltflyer diverse Erfolge der vergangenen Jahre auf. Etwa den Neubau der Heinrich-Ehrmann-Halle und die Platzgestaltung des Fritz-Müller-Platzes in der historischen Altstadt, ebenso wie den Wochenmarkt, den es dort seit einigen Jahren gibt sowie den Breitbandausbau. All die Errungenschaften, die er in seinen Augen erreicht hat, kann man in dem untenstehenden Flyer nachlesen, den wir hier vollständig abdrucken.

Nicht alles, womit er wirbt, hat er bereits in die Tat umgesetzt

Man muss jedoch sagen, das nicht alles bisher in die Tat umgesetzt wurde, was darin als Erfolg verbucht wird, etwa den Breitbandausbau. Derzeit wirbt die Stadt Ingelfingen und auch Bürgermeister Bauer mit dem privaten Glasfaseranbieter Giganetz, der bei einer Beteiligung der Ingelfinger Haushalte von 35 oder mehr Prozent, den Glasfaser-Ausbau für die Stadt vornimmt. Also: Erledigt ist da noch nichts und zahlen tut es, wenn es nach Bauer geht, am liebsten ein privater Investor, nämlich Giganetz. Das wäre für die Stadt das Günschtigschte, wie Bauer in einer Gemeinderatssitzung Anfang des Jahres 2022 betont – womit er sicher nicht Unrecht hat, aber den Breitbandausbau als bereits geleisteten Erfolg in einen Flyer zu packen, scheint doch etwas übertrieben. Und wer als ein weiterer Erfolg einen Wochenmarkt auflistet, nun gut.

Wochenmarkt als weiterer Erfolg

Die größten Erfolge in seiner Amtszeit sind sicherlich die Sanierung der Georg-Fahrbach-Schule und der Sporthallenneubau. Das war und ist für Ingelfingen, für Bildung und Sport, sehr wichtig. Das ist Lebensqualität und macht die Attraktivität einer Stadt aus. Aber es bleibt nicht zu vergessen, dass beim Sporthallenneubau und den dazugehörigen Planungen vieles auch ehrenamtlich vom TSV gestemmt und mitgestaltet wurde. Es gab hinter den Kulissen deswegen und wegen diversen anderen Dingen viele Konflikte. Eine normale Kommunikation ist hier kaum mehr möglich.

Einwohner:innen vor vollende Tatsachen gestellt

Mit der Schule und der Schulleitung indes arbeitete und arbeitet Bauer sehr eng und gut zusammen. In anderen Bereichen wie in der Wirtschaft, bei Kultur und Sport von diversen Gemeinderäten hört man des Öfteren ein Wehklagen, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen sei, wenn man nicht mit seiner Meinung einhergeht. Bauer sei nachtragend, habe ein Freund-Feind-Denken und nicht selten geschehen Taten vor der Kommunikation wie jüngst in Eberstal, als die Einwohner:innen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden beim Abholzen von altem Baumbestand (wir berichteten).

Gewerbegebiet in Stachenhausen liegt schon seit längerem im Dornröschenschlag

Im Flyer stehen auch Dinge, die sich Bauer als Erfolg verbucht, aber andere Einwohner:innen, darunter auch Gemeinderäte, nach wir vor vermissen und sich mehr wünschen, etwa „die Erschließung von Gewerbeflächen“. Stachenhausen etwa liegt schon seit längerem im Dornröschenschlaf. Manchmal stimmt seine Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung nicht mit der Fremdwahrnehmung seiner Umgebung überein, nicht nur in diesem Punkt.

In den „Senkel gestellt“

Bauer präsentiert sich in seinem Flyer auch mit seinem Enkel, quasi als Familienmensch. Aber auch hier stehen seine Taten in der Vergangenheit nicht gerade überzeugend für die eines Familienmenschen. Kommunikation mit anderen auf Augenhöhe, damit tut er sich im Allgemeinem immer wieder schwer. Man erinnere sich nur an den Vorfall, als er seinen Hund nicht unter Kontrolle hatte und eine Katze dabei sterben musste oder als er eine Autofahrerin in den, wie sagt man so schön, „Senkel gestellt“ hat und vor Gericht dafür sogar verurteilt wurde.

Was ein sehr gutes Licht auf ihn wirft, ist aber eine solide Haushaltsführung in und für Ingelfingen. Seine Finanzen hat er im Griff.

Text: Dr. Sandra Hartmann