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„Das Schlimmste für uns alle ist: Wir müssen teurer werden. Und es wird dann für jeden Endverbraucher nochmal teurer“

Auf den ersten Blick abgelegen ist das Areal der Spedition Hamprecht in Kemmeten. Dort führt Rolf Hamprecht das Familienunternehmen, das schon sein Urgroßvater, Großvater und Vater geführt haben, weiter. Auch sein eigener Sohn arbeitet bereits im Unternehmen mit.

Kurze Hosen: Ein Dokument aus der Historie der Spedition. Foto: Sped. Hamprecht

Kleinere mittelständische Spedition

Den Verkehr zu den Seehäfen als Marktnische erobert. Foto: Sped. Hamprecht

25 LKWS fahren unter dem Namen des 64-jährigen, die Marktnische, die er bedient, ist der Verkehr in die Seehäfen und von den Seehäfen. „Es ist für mich wichtig, dass ich irgendwelche Nischenprodukte mache“, sagt er – denn als kleine Spedition kann er mit den „Großen“ der Branche nicht einfach mitschwimmen.

Zulieferern fehlen Teile

Spediteure merken es sehr schnell, wenn es der Wirtschaft gut oder schlecht geht – die Transportanfragen nehmen dann zu – oder eben ab, und so bemerkt Hamprecht: „Wir merken es relativ bald, weil wir sehr viele Seefracht-Vorläufe machen nach Hamburg, Bremen, Bremerhaven. Und da haben wir seit sechs sieben Wochen schon leichte Rückgänge und die Rückgänge werden immer mehr und drastisch. In den letzten 2 Wochen fahren wir noch mit drei LKW Hamburg, wo wir im Durchschnitt mit sechs LKW fahren, weil das Aufkommen in diesem Bereich schon relativ stark gesunken ist. Es ist halt auch das Problem, dass den Lieferanten sehr viele Zulieferer Teile fehlen und sie die Endprodukte nicht fertigstellen können.“

Alle Branchen betroffen

Maskottchen HAMPI ist immer fröhlich. Foto: GSCHWÄTZ

Dieser Rückgang ist nicht auf einzelne Branchen beschränkt, denn er fährt nicht nur spezielle Güter, sondern „alles. Alles, was mit Export zu tun hat, ob das Papier ist, ob das Maschinenteile sind, ob das Montage-Artikel sind, ob das Kunststoffe oder Ventilatoren sind. Es ist egal, was.“

Eine Nische, in der man Geld verdienen kann

GSCHWÄTZ: Vor der Corona- und der Kraftstoff-Krise, wie war das Standing im Markt als kleine Spedition? Gibt es irgendwas, wo Sie sagen, das kann ich viel besser als ein Großer und deswegen kann ich da auch mein Geld verdienen?

Rolf Hamprecht: Ich habe den Vorteil, dass ich direkt wirken kann, dass ich nicht über viele andere Schienen was abklären muss. Ich sage ja oder nein. Und ich kann auch nach Lösungen schauen, wo es die anderen Systeme einfach nicht möglich machen, weil da ein gewisser Ablauf herrscht. Und da kann ich kurzfristig anders reagieren und kann den Kunden zufriedenstellen. Es  ist für mich wichtig, dass ich irgendwelche Nischenprodukte mache. Ich möchte auch nie ein Fotokopierer sein, sondern ich möchte einfach meine Eigenentwicklungen machen und das machen, wo ich merke, was die anderen vielleicht nicht so können.

Heute fährt Hamprecht mit modernen LKWS. Die Qualität der Fahrerkabine ist ihm wichtig. Foto: GSCHWÄTZ

In seinem Unternehmen stellt er die Sendungen, die meist kleiner sind als ein ganzer Container so zusammen, dass die Abladeorte im Hafen optimiert werden: „Das sind lauter LCL-Sendungen [less than container load, Red.], also Stückgut-Sendungen, die in Hamburg zu FCL-Sendungen [full container load, Red.], also zu Containern  zusammengestellt werden.“ Das sei seine Nische, meint er: „Fahren können andere auch. Der Gedankengang bei mir ist, dass ich hier Waren von vielen verschiedenen Firmen sammle und diese auf möglichst nur 1 bis 2 Ladestellen pro LKW umwandle als Synergie.“

Flexibilität als Marktvorteil

Seine Flexibilität bringt seinen Kunden direkte Vorteile: „Wenn bei mir um 16:00 noch ein Kunde anruft, habe ich noch die Möglichkeit, dass das morgen früh um 6:00 in Hamburg sein kann. Da kann ich mich selber drum kümmern, was bei großen Dienstleistern etwas schwieriger ist, dieses umzusetzen. Und das sind auch meine Synergieeffekte: Ich kann da ganz anders reagieren. Ich kann zum Beispiel auch eine Sendung von Rottweil morgen früh in Hamburg haben, weil ich die einmal bei mir im Lager umschlage und der Fahrer mit voller Arbeitszeit vom Hof fährt.“ Die Fahrt von Kemmenten nach Hamburg dauert zwischen 7.5 und 8.5 Stunden, je nach Verkehr. „Somit habe ich keine Arbeitszeitproblematik und unsere Fahrer können es sauber abwickeln.“

Kemmeten als Standortvorteil

Das kleine Kemmeten bietet also einen Standortvorteil, da die Fahrer direkt und ohne die gesetzlich vorgeschriebene lange Pause die Seehäfen anfahren können.

Den Verkehr zu den Seehäfen als Marktnische erobert. Fot. Sped. Hamprecht

Auf eigenen Füßen bleiben

Einem der großen Logistik-Netzwerke hat er sich deshalb auch nicht angeschlossen: „Da habe ich mich ferngehalten, weil ich mir sage, ich bin da nur so gut wie das schwächste Glied in dem Netzwerk. Und ich kann unseren Kunden nicht irgendwelche Sachen versprechen, wenn ich vielleicht davon ausgehen muss, dass es morgen doch nicht ankommt, wenn ich es verspreche“

Klare Worte schaffen gegenseitiges Vertrauen

„Für mich ist wichtig, was ich nicht machen kann, dann muss ich leider Nein sagen. Aber mit dem Wort Nein finden wir sofort neue Lösungen.“

Der Dieselpreis

Rolf Hamprecht: Uns betrifft es zurzeit die neue Marktlage ganz besonders, weil wir ja doch von den Verbrennungsmotoren sehr abhängig sind. Und natürlich hat keiner gerechnet, dass sich in der kurzen Zeit der Kraftstoff so erheblich verteuert.

Weitere Optimierungen sind kaum möglich

Zur Zeit versuchen wir, das Optimale zu machen, aber wir haben schon immer nach großen Synergien geschaut, um schon immer nach CO2-Ersparnissen zu schaunen. CO2-Ersparnis heißt für uns, dass wir nicht leer fahren, wenn wir entladen haben, sondern auch schon Teilpartien  mitnehmen, um nicht auf der Autobahn halb leer zu fahren. Aus diesem Grund ist es für uns jetzt natürlich noch schwieriger, einzusparen.

Die umweltfreundlichsten LKW stehen still

Wen es ganz hart trifft, das sind unsere Kollegen mit den LNG-LKW, den Gas-LKW. Die haben sich ja vieles erhofft, weil man mit diesen Fahrzeugen auch Maut sparen konnte. Aber die sind so teuer geworden, weil der Gaspreis so überdimensional angestiegen ist, dass man sich das zurzeit aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leisten kann.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die allermodernsten und allersaubersten LKWs stehen im Moment?

Rolf Hamprecht: Ja, dadurch müssen viele dieser neuen Fahrzeuge stehen bleiben. Diese Unternehmen haben natürlich auch was für die Umwelt getan, haben investiert. Nicht gerade wenig, da einer dieser LKW bestimmt einen Mehrpreis hat von 30-000 bis 40.000 Euro. Und die dürfen jetzt parken, weil man nicht mehr in der Lage ist, den Gaspreis zu bezahlen.

Impression. Foto: Sped: Hamprecht

Jetzt wirds politisch

Die hohen Kraftstoffpreise spielen in alle Lebensbereiche hinein, weiß Hamprecht. Er selber ist betroffen, wenn die Industrie seine Preise nicht bezahlen will, betroffen ist natürlich die Industrie selber, aber letzendlich auch jeder Verbraucher:

Rolf Hamprecht: Ich verstehe natürlich auch die Industrie, dass sie nicht immer mehr bezahlen können, weil sie auch schon die Verhandlungen mit ihren Kunden, Endkunden oder Lieferanten schon getätigt haben. Und da wurde bei der Preiskalkulation natürlich auch der hohe Kraftstoffpreis nicht berücksichtigt, weil es im Voraus keiner wusste.

Preiseffekt für alle

Das Schlimmste für uns alle ist: Wir müssen teurer werden. Und es wird dann für jeden Endverbraucher nochmal teurer, weil das umgesetzt werden muß. Wir haben natürlich sehr gute Verbände und auch sehr gute Leute in den Verbänden. Die haben mit der Regierung schon mehrere Gespräche geführt.

Grüne Politiker in der Verantwortung

Aber leider ist unsere Regierung und derzeitige Regierung nicht bereit, irgendwelche Sachen zu unterstützen. Ob bundesweit ist oder landesweit, ist ganz egal, weil die grüne Bundesregierung sagt:  Wir wollen doch eigentlich, dass 2 bis 3 Euro für den Liter Diesel oder Benzin bezahlt werden muss. Wir wollen ja, dass weniger gefahren wird. Das ist ja alles okay. Aber diese Schritte kann man nicht innerhalb von drei Monaten umsetzen, weil da die ganze Infrastruktur gar nicht passt.
Und das nächste ist: Der grünen Regierung ist ja nicht mal klar, wer die ganzen Steuern bezahlt. Da sind Leute gewählt geworden, die wissen nicht, wie hart es ist, Gewinne zu tätigen und einen gewissen Erfolg zu haben. Da kommt nur die Aussage von ein paar Politikern, Deutschland ist ein reiches Land. Wir müssen gucken, dass wir wieder nach vorne kommen, dass nicht die anderen Industrieländer vorne sind, sondern dass Deutschland wieder vorne dabei war, wie früher auch.

GSCHWÄTZ: Also, ich schließe daraus, dass Sie bei der letzten Wahl eher nicht die Grünen gewählt haben.

Rolf Hamprecht: (lacht) Auf keinen Fall, weil ich auch schon wusste, in welche Richtung es geht.

GSCHWÄTZ: Wo steht denn Deutschland von der Gesamtwirtschaft her? Wo sollte denn Deutschland investieren? In welche Bereiche, damit es wieder nach vorne geht in Deutschland?

Rolf Hamprecht: Als erstes muss die Denkweise sich verändern. Es müssen in manchen Berufen die Mitarbeiter anders akzeptiert werden. Die Bezahlung sollte gleichmäßiger sein, nicht hohe Bezahlung und niedrige Bezahlung. Wir haben verschiedene Sparten, in denen noch ein hoher Jahresbonus gezahlt wird. Die niedrigbezahlten Leute kaufen sich dann irgendwann ein überteuertes Auto – und diese Leute stehen dann da und zahlen jahrelang ab und da passt das ganze Verhältnis nicht mehr. Die Akzeptanz der Menschen muss anders werden. Und auch die Bereitschaft der Mitarbeiter muss besser werden, dass man wieder mehr bereit ist zum Arbeiten. Sonst werden wir die Zukunft in Deutshland einfach nicht mehr positiv gestalten können.

GSCHWÄTZ: Was erwarten Sie denn von der Bundesregierung an Förderungsmaßnahmen zur Förderung der Wirtschaft, die sowohl Wirtschaft als auch Speditionen unterstützen könnten?

Rolf Hamprecht: Wir brauchen dann einen Industrie-Diesel oder einen Industrie-Kraftstoff, den wir in der Wirtschaft und auch in den beteiligten Verkehren nutzen können. Es muss für jeden den gleichen Marktvorteil geben, um wieder motiviert und positiv arbeiten zu können. Und wenn wir jetzt noch mehr Fahrzeuge verlieren – wie ich mitbekommen habe, wollen einige Spediteure kurzfristig oder in den nächsten zwei, drei Jahren aufhören – dann fehlt uns am Markt eine ganz große Menge.

GSCHWÄTZ: Der LKW mit alternativen Energieformen, sei es Wasserstoff, sei es Strom in welcher Form auch immer, bis wann sehen Sie den als marktreif und konkurrenzfähig gegenüber dem Diesel?

Rolf Hamprecht: Es ist so, es wird noch bis 2024 oder 2025 dauern, denn der Strom wird für uns im Sektor LKW keinen großen Wert haben. Vielleicht im Stadtverkehr. Aber was soll ich produzieren, wenn ich nicht mal weiß, wo ich die Batterie entsorgen soll? Und wir geben zurzeit bei den Entwicklungen Geld aus, wo es gar keinen Sinn macht. Ich begreife es nicht. Das einzige, was in Zukunft Sinn macht, ist eigentlich Wasserstoff. Aber man muss mal ganz deutlich sagen: Der Diesel ist zurzeit so sauber und wird niedergemacht von Politik. Ich weiß gar nicht … wenn man etwas Gutes hat, warum muss man da noch Geld kaputt machen? Es gibt einen Sprit, der 0,10 € teurer ist, der raucht nicht mal mehr. Das sind Kraftstoffe, die einfach hergestellt werden können ohne das man die Erde belasten muss mit Entsorgung von Batterien. Viele Menschenleben müssen leiden unter der Herstellung von Batterien. Ich weiß gar nicht, wer das verantwortet oder wer das verantworten soll.

GSCHWÄTZ: Reden Sie da von dem Care Diesel? [GSCHWÄTZ berichtete]

Zusammen umdenken

Rolf Hamprecht: Ja, genau.
Ich denke einfach, wir müssen alle zusammen umdenken. Das heißt, dass ich die Meinung von jedem schätze, aber man muß den Anderen auch mal erklären, dass es aus dem oder dem Grund nicht geht.

Familientradition soll erhalten bleiben

Vom kleinen Kemmeten in die Welt. Rolf Hamprecht bleibt eigenständig. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Kommen wir zu einem anderen Thema: Kemmeten ist weit vom Schuß – haben Sie irgendwann einmal daran gedacht, woanders etwas aufzubauen?

Rolf Hamprecht: Kemmeten ist ganz dicht bei einem meiner größten Kunden – und in dieser Zusammenarbeit ist Nähe wichtig, darauf legt auch der Kunde großen Wert. Ich habe mir aber trotzdem Standorte im Kochertal angesehen. In den reichen Kochertalgemeinden: Niedernhall ist reich, Forchtenberg wird bald reich – nur Ingelfingen hat’s verschlafen. Aber ich gehöre zu Küau.

GSCHWÄTZ: Jetzt ist es ja auch so, dass die Spediteure den Markt immer mehr unter wenigen ausmachen wollen und viele kleinen Spediteure in einer Aufkaufwelle, zumindest bis vor Corona, aufgekauft wurden. Wie sieht es bei Ihnen aus? Hatten Sie solche Angebote auch schon?

Rolf Hamprecht: Ja, ich habe schon Angebote gehabt, aber ich möchte einfach das Unternehmen noch weiterführen, weil mein Junior Interesse hat. Und dem möchte ich das nicht verbauen. Der soll es in späteren Zeiten selber mal entscheiden, wie er das weiter ausbaut oder weniger macht. Das muss er die nächsten 2 bis 3 Jahre selber entscheiden.

Das Interview führte Matthias Lauterer




Unter falscher Flagge

Vor einigen Tagen lag in Hohenloher Briefkästen eine dünne Zeitung, die wie eine Veröffentlichung der Landesregierung aussieht. Das Titelblatt ist in den Landesfarben gelb und schwarz gehalten, geziert wird das dünne Blatt von den drei Löwen des Landes Baden-Württemberg und der Schriftzug des Titels bwjournal erinnert stark an den Schriftzug „bwegt“, der an den Nahverkehrszügen des Landes zu finden ist.

Publikation der AfD-Fraktion im BW-Landtag. Foto: GSCHWÄTZ

Skeptisch wird der politisch interessierte Leser spätestens, wenn er die reißerische Schlagzeile „Energie-Irrsinn“ liest – so würde die Landesregierung sicherlich nicht titeln. Der Urheber ist denn auch nicht die Landesregierung, sondern, so steht es in grau und kleiner Schrift über dem Schriftzug bwjournal: „Informationen Ihrer AfD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg“. Auf das charakteristische Blau, das die AfD sonst verwendet, wurde komplett verzichtet.

„Etikettenschwindel“

Die Empörung der anderen Fraktionen im Landtag über die Aufmachung der Zeitung ist groß: Der SWR zitiert den baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und schreibt:

„Die AfD tue in der Aufmachung der Broschüre so, als informiere die Landesregierung, so Rülke gegenüber dem SWR. Damit sei die Neigung der AfD zu Fake-News erneut „eindrucksvoll bewiesen“.

So liest man es beim SWR. SPD-Generalsekretär Sascha Binder spricht gar von „Etikettenschwindel“.

Klar ist, dass die Gestaltung der Wurfsendung kein Zufall ist. Bisher ist nicht bekannt, ob das Land Baden-Württemberg rechtlich prüfen läßt, ob durch die Gestaltung der AfD-Publikation Rechte des Landes verletzt werden.

Auch die Kommentare im Internet sprechen Bände, hier ein zitierfähiges Beispiel:

Screenshot www.reddit.com

Ein Ausdruck der politischen Hilflosigkeit?

Zeitpunkt und Aufmachung der Zeitung könnten ein Zeichen von politischer Hilflosigkeit der AfD sein. Die Partei ist im Innern zerrissen, Parteichef Meuthen ist kürzlich zurückgetreten, der neue Parteichef Chrupalla steht in der Kritik, die Partei ist im Visier des Verfassungsschutzes, fast täglich liest man davon, dass ein Funktionsträger der Partei seine Ämter in Partei oder demokratisch gewählten Organen niederlegt.
Eine echte und konstruktive Oppositionsarbeit findet, das kann man aus den Live-Übertragungen der letzten Bundestagsdebatten schließen, nicht statt.
Das Wichtigste: Der Partei fallen die klassischen Themen weg, mit der sie bisher ihre Kommunikation bestritten hat. Der russische Präsident Putin, den viele Parteimitglieder als Vorbild sehen oder sahen, führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine ud ist daher dem Wähler nicht mehr vermittelbar. Den Flüchtlingen, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen, bringt die  Bevölkerung eine große Hilfsbereitschaft und Sympathie entgegen.
Auf diese thematische Zerrissenheit deuten auch die im Blatt behandelten Themen hin:

Nachtangelverbot als hervorgehobenes Thema

Die Dauerforderung, Asylbewerbern nur noch Sachleistungen zu gewähren, wird erneut aufgestellt – und natürlich wird dabei wieder einmal zwischen „echten Flüchtlingen“ und „Wirtschaftsmigranten“ unterschieden – ohne darzustellen, wie man diese unterscheiden kann. Fast genausoviel Raum – dazu ist der Beitrag zusätzlich farblich hervorgehoben – wird dem „Kampf“ gegen das Nachtangelverbot gewidmet. „Das gute Schulstart-Gesetz“ wird gefordert – und das, nachdem sich gerade die AfD noch über „das gute KiTa-Gesetz“ der vorherigen Bundesregierung lustig gemacht hatte.

Nachfragen beim Verantwortlichen

Im Impressum der Zeitung ist Dr. Thomas Hartung als Verantwortlicher genannt, der Pressesprecher der AfD-Fraktion und – worauf er besonderen Wert legt: Germanist. GSCHWÄTZ hat ihn nach einigen Details zu dieser Publikation gefragt und er hat prompt reagiert – Antworten gab er jedoch wenige. Dafür ließ er sich – „als Germanist“ – umfangreich über einen Tippfehler in der Anfrage aus.

Keine konkreten Aussagen

Nicht einmal die Auflage mag er nennen: „Es bekamen genauso viele Bürger das bwjournal, wie sie an diesem Tag mindestens eine Postsendung bekommen haben. Das weiß nochmal nicht der einzelne Briefträger geschweige denn jemand anders.“ Auch über Kosten und Finanzierung der Publikation spricht er nicht – dabei besteht diesbezüglich sicherlich ein hohes öffentliches Interesse, sind doch Rechtsfälle bezüglich der recht- oder unrechtmäßigen Finanzierung von AfD-Parteiwerbung anhängig. Wenn er schreibt „Wir kommunizieren diese Kosten des Fraktionsbudgets nicht“, will er wohl aussagen, dass die Publikation komplett aus dem Fraktionsbudget finanziert wurde – was nicht zu beanstanden wäre.

Was und wen will die AfD eigentlich erreichen?

Gegenüber dem SWR hat sich die AfD-Fraktion geäußert:

Offiziell begründet die AfD-Landtagsfraktion die breite Verteilung ihrer Publikation gegenüber dem SWR damit, dass in vielen Medien über deren politische Arbeit wenig bis gar nicht berichtet werde. Der Zeitpunkt erschien aufgrund der „medialen Desinformationskampagne“ angesichts des Kölner Urteils angebracht, so ein Fraktionssprecher. Der Verfassungsschutz darf die AfD laut Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts als rechtsextremistischen Verdachtsfall führen.
[https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kritik-an-afd-wegen-bw-broschuere-100.html]

Ob allein die Aufmachung der Zeitung nicht auch bereits einer „medialen Desinformationskampagne“ gleichkommt, darüber mag man getrost streiten. Darüber, wen die AfD-Landtagsfraktion mit dieser Postille erreichen will, sagt Hartung nichts. Politisch interessierte und aktive Menschen erkennen allerdings schnell, dass die AfD hier unter falscher Flagge segelt.

Geht es einfach nur um Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Unter dem Titel „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit“ hat der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen im Jahre 2015 bereits die Handlungsweise aktueller Massenmedien zusammengefaßt: „Es werden Themen ausgewählt, die allgemeine Aufmerksamkeit versprechen, und so aufbereitet, dass sie ein möglichst großes Publikum ansprechen.“ Von einer zielgruppenorientierten Aufbereitung spricht er nicht. Tatsächlich entsteht beim Empfänger der Zeitung der Eindruck, dass die AfD-Landtagsfraktion einfach nur auf sich aufmerksam machen will und es ihr gar nicht darauf ankommt, WIE die Aktion von den Menschen wahrgenommen wird, sondern vor allem darauf, DASS sie wahrgenommen wird.
Wenn tatsächlich einzig „Aufmerksamkeit“ das Ziel sein sollte, ist das Ziel – nicht zuletzt auch durch diesen Beitrag – erreicht.

AfD will den Willen der Bürger:innen bewußt übergehen

Dafür spricht, dass Hartung sich mit der Verteilaktion im Namen der AfD ganz bewußt über deutlich geäußerten Willen der Bürger hinwegsetzt, wenn er meint, seine Zeitung soll auch gezielt in den Briefkästen ankommen, an denen „Keine Werbung“ oder ähnliches steht. Er sagt: „Dieses Journal ist mitnichten ökonomische „Werbung“, wie sie fälschlich unterstellen, sondern ein Journal, mit dem die Bürger über die politische Arbeit unserer Parlamentsfraktion informiert werden.“ Auf die Klarstellung, dass von „ökonomischer Werbung“ gar nicht die Rede war, ergänzt er: „Politische Werbung zum Zwecke des Werbens um Wählerstimmen, wenn man überhaupt davon sprechen kann, passiert in den 6 Wochen vor Wahlen; hier gibt es auch entsprechende BGH-Urteile. Ich kann mich auch nicht gegen Grünen- oder SPD-Flyer wehren. Politische Informationen außerhalb von Wahlen dagegen sind keine Werbung, sondern politische Informationen.“ Mit einer ähnlichen Argumentation sind übrigens die Discounter, die sich bezüglich ihrer Prospekte auf „wichtige Produktinformationen“ beriefen, bereits vor Jahren schon gescheitert.

DHL widerspricht

„Der Briefträger ist durch das erfüllende Unternehmen angewiesen, diese Informationen zu verteilen.“ meint Hartung. Eine Aussage, die ein befragter Briefträger nicht bestätigt: „Wenn das passiert ist, dann hat jemand einen Fehler gemacht“. Sonja Radojicic, eine Pressesprecherin von DHL bestätigt das: „Eine selektive Werbeverweigerung bestimmter Sendungen von Unternehmen, Verbänden und politischen Parteien ist grundsätzlich durch Privathaushalte nicht möglich. Privathaushalte in Deutschland können aber über einen Hinweis am Briefkasten „Bitte keine Werbung“ die Zustellung unadressierter Werbesendungen verhindern.“ Und sie wiederholt: „Die Empfänger können die Zustellung durch den „Bitte keine Werbung“-Aufkleber verhindern.“

Text: Matthias Lauterer




Wo können wir hin?

Derzeit leben sie in Niedernhall. Die Eltern mit ihren vier Kindern sind vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet. Eines ihrer Kinder, ihre Tochter, ist schwer behindert. Niedernhall ist nur eine Übergangslösung. Zum einen sucht die Familie nach einer behindertengerechten, barrierefreien Unterkunft. Zum anderen habe sie für die Tochter auch die Therapiekatze mit im Gepäck. Sie brauchen also eine Unterkunft, in der eine Katze erlaubt wäre.

Wer der Familie helfen kann, darf sich gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden. Wir leiten den Kontakt weiter. Telefon: 07940/93 555 7. WhatsApp: 0172/68 78 474. Mail: info@gschwaetz.de


Eine Mutter mit zwei Kindern sowie die Eltern der Mutter suchen ebenfalls eine Wohnung im Hohenlohekreis. Die Familie hat einen Hund. Wer hier weiterhelfen kann, darf sich ebenso gerne an die Redaktion GSCHWÄTZ wenden.




Feuerwehr befreit Person aus Fahrzeug

Zu einem Verkehrsunfall auf der B19 zwischen Belsenberg und Stachenhausen wurde am Sonntag, den 03. April 2022, der Rüstzug Künzelsau alarmiert. Beteiligt waren zwei Fahrzeuge, zwei Personen wurden verletzt. Während sich eine Person selbst auf dem Fahrzeug befreien konnte, wurde die zweite im Auto eingeschlossen. Die Feuerwehr öffnete mittels hydraulischem Gerät das Fahrzeug und übergab die Person an den Rettungsdienst.

Quelle und Foto: Feuerwehr Künzelsau




Dachstuhl brennt

Der Löschzug Künzelsau wurde gemeinsam mit der Abteilung Gaisbach, der Führungsgruppe Kochertale und dem Rettungsdienst am Sonntag, den 03. April 2022, zu einem Dachstuhlbrand nach Kemmeten gerufen. In einem Zimmer im Dachgeschoss war ein Feuer ausgebrochen. Beim Eintreffen der Kräfte waren die Bewohner bereits in Sicherheit.

Über zwei C-Rohre wurde der Brand im Innenangriff bekämpft. Mit zwei weiteren C-Rohren wurde von aussen und über die Drehleiter abgelöscht. Die Feuerwehr konnte den Brand zwar schnell unter Kotnrolle bringen und ablöschen, der Dachstuhl brannte indes trotzdem völlig aus.

Text und Fotos: Feuerwehr Künzelsau




Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Altenheim in Kocherstetten wegen mangelnder Nachweise ein

Laut Auskunft der zuständigen Staatsanwaltschaft in Schwäbisch Hall wurden die Ermittlungen gegen Personen im Umkreis eines Altenheims in Künzelsau-Kocherstetten eingestellt. Die Ermittlungen ergaben offenbar nicht „genügenden Anlaß zur Erhebung der öffentlichen Klage“, wie es §170 StPO formuliert. Auf konkrete GSCHWÄTZ-Rückfrage bestätigte Oberstaatsanwalt Harald Lustig, bei der Staatsanwaltschaft Schwäbisch-Hall für die Pressearbeit zuständig, dass in Räumlichkeiten des Altenheims zwar eine Kamera installiert war, aber kein Nachweis geführt werden konnte, dass diese Kamera in Betrieb war und Aufnahmen der Beschäftigten erstellt wurden.

Man hat zwar eine Kamera, aber keine Aufnahmen gefunden

Kurz gesagt: Man hat bei den Ermittlungen keine Filme oder Fotos gefunden, die mit dieser Kamera gemacht worden wären. Allein mit dem Vorhandensein einer Kamera, ohne eine Bildaufnahme vorweisen zu können, ist es der Staatsanwaltschaft nicht möglich, Anklage zu erheben. So funktioniert nun einmal der Rechtsstaat, auch Beschuldigten steht ein Schutz zu – und das ist gut so.

Auch ohne strafrechtliche Konsequenzen: Vertrauensverhältnis beschädigt

Dass das Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiter:innen und Arbeitgeber allein durch das  Vorhandensein dieser Kamera und die Möglichkeit, dass mit dieser Kamera auch Aufnahmen gemacht worden sein könnten, getrübt ist, ist andererseits gut nachvollziehbar.

Nicht zum erstenmal im Visier

Nicht zum erstenmal stand dieses Altenheim im Zentrum von strafrechtlichen Ermittlungen. Aus dem Jahr 2016 ist ein Fall aktenkundig, wo eine Person erst auf Druck ihres Betreuers in ein Krankenhaus gebracht wurde. Die Gesundheit dieser Person sei dabei bereits so weit beeinträchtigt, dass ein Bein amputiert werden mußte. Das für die Heimaufsicht verantwortliche Landratsamt teilt dazu mit: „Die Heimaufsicht erhielt nach dem genannten Krankenhausaufenthalt von diesem Fall Kenntnis. Die Heimaufsicht hat den Fall nach fachlichem Austausch mit dem Gesundheitsamt an die Kriminalpolizei Künzelsau übergeben.“ Auch in diesem Fall wurde keine Anklage erhoben, denn „das Verfahren wurde eingestellt, da sich ein strafbares Verhalten nicht belegen ließ“, so eine Mitteilung der Polizei. Die betroffene Person wurde nach ihrem Krankenhausaufenthalt in ein anderes Heim verlegt.

Keine Auffälligkeiten festgestellt

Es fanden „sowohl im September 2015 als auch im März 2016 Heimschauen durch die Heimaufsicht statt. Dabei wurden keine Auffälligkeiten und keine Hinweise auf gefährliche Pflege festgestellt“, schreibt das Landratsamt: „Im Hinblick auf das Pflegeheim allgemein hat die Heimaufsicht im März 2016 eine Heimschau durchgeführt. Hinweise auf vergleichbare Vorkommnisse oder sonstige Beanstandungen gab es dabei keine, deshalb wurden keine weiteren Auflagen erteilt.“

Laufende Rechtsstreitigkeiten

Diese beiden strafrechtlichen Fälle sind also juristisch abgeschlossen, allerdings gibt es aktuell weitere laufende Rechtsstreitigkeiten:

GSCHWÄTZ berichtete von einem Anwaltsschreiben im Auftrag der Betreibergesellschaft „Pflegeheim Alte Harmonie GmbH“, in dem deren Anwalt eine Beleidigung im Internet unterstellt und eine strafbewehrte und natürlich kostenpflichtige Unterlassungserklärung fordert. Diese rechtliche Auseinandersetzung ist noch nicht beendet.

Ein weiteres Anwaltsschreiben

Inzwischen hat GSCHWÄTZ Kenntnis von einem weiteren Anwaltsschreiben, welche das Heim versenden hat lassen an einen Ersteller eines kritischen Kommentars in den sozialen Medien über das Heim. Auch in diesem Schreiben geht es um ähnliche Vorwürfe um eine Google-Rezension. Günther Wernig*), der Adressat des Schreibens berichtet GSCHWÄTZ, dass eine Angehörige kurz vor der Schließung wegen Corona in das Pflegeheim aufgenommen wurde. Ein Besuch sei nach der Aufnahme wegen Corona nicht mehr möglich gewesen. Seine Angehörige höre sehr schlecht, daher sei auch ein telefonischer Kontakt kaum möglich gewesen. Er hätte schon erwartet, dass das Heim gerade in einem solchen Fall eine Kommunikation unterstützt hätte. Stattdessen sei ein telefonischer Kontakt mit dem Heim kaum möglich gewesen: Teils seien er selbst oder Familienangehörige brüsk abgewiesen worden, teils sei das Telefon gar nicht abgenommen worden. All das während der Corona-Isolation und einer dazugekommenen weiteren Erkrankung, aufgrund der sich die Familie Sorge um ihre Angehörige gemacht hat. Schließlich sei der alten Frau sogar der Heimvertrag aufgekündigt worden. Auch sie ist inzwischen in einem anderen Heim untergekommen. In seiner Bewertung sieht Günther Wernig keinerlei Schmähkritik, sondern eine Darstellung seiner gemachten Erfahrungen.

Andere Lösung wäre möglicherweise zielführender gewesen

Man muß sich fragen, ob nicht ein direktes Gespräch der Heimleitung mit den Erstellern der kritischen Rezensionen im Internet und der damit verbundenen Bitte, eventuell ehrverletzende Aussagen zu revidieren, sinnvoller gewesen wäre als die direkte Einschaltung eines Anwalts. Wikipedia beschreibt den sogenannten Streisand-Effekt: „Als Streisand-Effekt wird das soziologische Phänomen bezeichnet, wenn der Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken, das Gegenteil erreicht, indem das ungeschickte Vorgehen eine öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, die das Interesse an der Verbreitung der Information deutlich steigert.“ Mit GSCHWÄTZ wollte die Heimleitung nicht sprechen.

*) Günther Wernig heißt anders, sein Name ist der Redaktion bekannt.

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“

Landrat Dr. Matthias Neth und Integrationsmanager Dr. Tobias Wittlinger begrüßten am 1. April 2022 zur Eröffnung des Willkommenspunktes im ehemaligen Krankenhauses neben den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag sowie Vertreter:innen der Stadtverwaltung Künzelsau, einige der im Landratsamt mit Flüchtlingsangelegenheiten betrauten Mitarbeiter:innen und auch Vertreter:innen der ehrenamtlichen Helfer:innen durften nun dabei sein als Zeichen der Wertschätzung ihres bereits seit Wochen andauernden Engagements hinter den Kulissen.

Die Notfallambulanz hat sich verändert

Wickelgelegenheit für die Kleinsten. Foto: GSCHWÄTZ

In der ehemaligen Notfallambulanz wird von jetzt an der so genannte Willkommenspunkt für Flüchtlinge, nicht nur aus der Ukraine, für die Anliegen der Geflüchteten bereitstehen. An alle ist gedacht: Für die Kleinsten steht ein Wickelplatz zur Verfügung, für die älteren Kinder ein Spielzimmer. Die Erwachsenen können über PC-Arbeitsplätze mit der Heimat oder zum Beispiel mit der Arbeitsagentur kommunizieren, auch der Ausdruck von Formularen oder Dokumenten ist dort möglich, eine Teeküche, eine Sitzecke und Räume für Gespräche ergänzen das Angebot.

Ziel: „Vorbereitet sein“

Dr. Matthias Neth will „über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“, auch für die Zeit, wo es möglicherweise einen starken Ansturm von Flüchtlingen geben könnte. Es sei wichtig, umgehend mit Sozialarbeit und Integration zu beginnen, sagt er. Noch sei nicht alles perfekt, meint er, aber die Eröffnung zeige „das Symbol, es geht jetzt los“.

Eigentlich sei die Integration Landesaufgabe, „aber wir konnten nicht warten“.

Blick ins Spielzimmer. Foto: GSCHWÄTZ

Anlaufpunkt

Ein Anlaufpunkt für die Geflüchteten soll der Willkommenspunkt sein, andererseits wollen die Ämter und ehrenamtlich Tätigen Präsenz zeigen und konkrete Angebote machen können. Wichtig sei es, den Geflüchteten einen ruhigen und sicheren Raum anbieten zu können – nicht direkt in, aber nahe bei den Unterkünften. Daher soll in naher Zukunft in Öhringen ein weiterer Willkommenspunkt eröffnet werden.

Computerarbeitsplätze stehen zur Verfügung, für die Kommunikation mit der Heimat oder mit Behörden. Foto: GSCHWÄTZ

Appell und Angebot an die Städte und Gemeinden

Neth weist nochmals auf die Rechtslage hin: Nach sechs Monaten verlagert sich die Verantwortlichkeit für die Geflüchteten an die Gemeinden, die dann Unterstützung brauchen – die Neth ihnen verspricht.  Er habe bisher eine Solidarität und einen Zusammenhalt im Hohenlohekreis erlebt, die beispielhaft sei: „In der Not hält man zusammen“.

Neth: „Wie man sieht, steht der Kreistag hinter mir“. Irmgard Kircher-Wieland und Michael Schenk. Foto: GSCHWÄTZ

Dank an alle Beteiligten

Er dankt den Bürgermeistern der Gemeinden, die Raum für Unterkünfte umgehend angeboten haben, aber auch lokalen Firmen – beispielsweise der Forchtenberger Firma Merlin, die das Spielzimmer ausgestattet hat und der Künzelsauer Firma Ottenbacher, die Drucker, Kopierer und Verbrauchsmaterial bereitstellen wird. Und natürlich dankte er auch den ehrenamtlichen Initiativen, die bisher bereits wertvolle Unterstützung gegeben haben. Ein Lob galt seinen Mitarbeiter:innen, die in der kurzen Zeit – „da hat der Landrat in seinen Terminkalender geschaut und gesagt, Freitag um 13 Uhr habe ich noch frei“ – die Infrastruktur des Willkommenspunkts auf die Beine gestellt haben.

Neth freut sich auf den Zeitpunkt, wenn die Räumlichkeiten mit Leben gefüllt sind.

Koordination der Kräfte

Ein erster Schwerpunkt der Tätigkeit wird die Koordination der Hilfsangebote sein, dazu wird in der nächsten Woche ein Treffen mit den ehrenamtlichen Helfern stattfinden, kündigte Tobias Wittlinger an. „Dieser Ort soll ein Kommunikationsort sein, Kommunikation ist eine wichtige Grundlage der Integration“, stellt er fest.

Gerne weist er die Gäste auf scheinbare Kleinigkeiten hin, die den Geflüchteten helfen sollen: So habe man Computertastaturen mit kyrillischen und arabischen Schriftzeichen beschafft. Und ein großes Fenster vom einen Computerraum ins Spielzimmer erlaubt es Müttern, am Computer zu arbeiten und ihr Kind im Auge zu behalten.

Text: Matthias Lauterer

 




April, April: Die Verkehrsrevolution in Künzelsau ist ausgefallen

Es ist natürlich nur eine schöne Utopie, dass die Bergbahn jetzt bis in die Innenstadt fährt. Eine schnelle Direktverbindung, um Taläcker direkt mit den Ämtern und dem Stadtzentrum zu verbinden, wäre sicherlich sinnvoll – aber mit der Bergbahn wäre das nicht sonderlich bequem, denn die Wagen der Bergbahn haben ja die Steigung „bereits eingebaut“.

Bundesfinanzminister hatte Zeit für Wichtigeres

Und so fand die für gestern als Aprilscherz angekündigte Jungfernfahrt nicht statt und der Bundesfinanzminister ist trotz eines vom Bundestag genehmigten Reisekostenantrags gar nicht erst angereist. Er konnte sich daher in aller Ruhe der Finanzierung des Bundeshaushalts widmen.

Kleine Revolution dennoch in Aussicht

Eine kleine Verkehrsrevolution könnte es im Jahre 2022 übrigens doch noch geben: Christian von Stetten ist optimistisch, dass der geplante autonome Elektro-Bus in diesem Jahr noch seinen Betrieb aufnehmen kann.

Text: Matthias Lauterer

 




Trotz Corona: Ziehl-Abegg meldet Rekordumsatz von 716 Mio. Euro

„Wir sind angesichts der globalen Lieferkettenproblematik zeitweise auf Sicht gefahren und letztlich beim Umsatz noch gut durchgekommen.“ So beschreibt Vorstandschef Peter Fenkl das Jahr 2021. Der süddeutsche Elektromotoren- und Ventilatorenhersteller hat einen Umsatz von 716 Mio. Euro erzielt (VJ.: 639); die Mitarbeiterzahl stieg global auf 4.700 Menschen (VJ.: 4.300).

„So etwas habe ich noch nie erlebt“

Die Ertragslage bezeichnet Fenkl „mehr als schwierig“. Denn die Lieferkettenproblematik wirkte nicht nur auf die Lieferzeiten, sondern auch auf die Preisgestaltung. „Manche Lieferanten erhöhten schon im ausgehenden Jahr 2020 und dann immer wieder in 2021 die Preise so schnell, dass wir dies nicht 1:1 am Markt durchsetzen konnten.“ Nach den Erfahrungen des ersten Quartals weiß der Manager, dass diese Situation im laufenden Jahr an Schärfe zunehmen wird. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Fenkl, der seit mehr als 20 Jahren an der Spitze des Familienunternehmens steht.

Neue Produktionsstandorte geplant

Ziehl-Abegg gilt als Unternehmen mit einer hohen Fertigungstiefe. „Diese wollen wir nun noch weiter ausbauen“, so Fenkl. Allerdings ist ein Wachstum am Stammsitz in Hohenlohe schwierig, da dort kaum die nötigen zusätzlichen Arbeitskräfte verfügbar sind. Daher sollen bestehende Produktionen ausgebaut und neue Fertigungsstandorte aufgesetzt werden. „Wir werden mit weiteren Produktionsstandorten näher an unsere Kunden heranrücken.“

„wie soll man da realistisch planen können und wie soll man da die Kunden zufrieden stellen?“

Thomas Späth montiert in der Fertigung bei Ziehl-Abegg in Kupferzell einen EC-Ventilator. Foto: Ziehl-Abegg / Rainer Grill

Der Umsatzzuwachs von 11,9 Prozent im vergangenen Jahr ist eine gute Grundlage für das weitere Wachstum. Umsatztreiber war im zurückliegenden Jahr die Lufttechnik, die 637 Mio. Euro zum Gesamtergebnis beigetragen hat. Einen Ausblick auf das aktuelle Jahr wagt der Firmenchef nicht. „Aktuell fallen immer wieder Schichten aus, weil Bauteile fehlen – wie soll man da realistisch planen können und wie soll man da die Kunden zufrieden stellen?“, fragt er. Zum Ertrag macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.

Weltweit 400 neue Mitarbeiter

In Deutschland arbeiten 2.600 Menschen für Ziehl-Abegg, das sind 200 mehr als vor einem Jahr. Weltweit stieg die Zahl der Mitarbeitenden von 4.300 auf 4.700. Da in Deutschland Mitarbeitende der geburtenstarken Jahrgänge, die Baby Boomer, nun zunehmend in Rente gehen, wirkt dies direkt auf das verfügbare Arbeitskräftepotenzial. „Unternehmen müssen daher offen auf die Generation Z, die Post-Millennials, zugehen“, erklärt Fenkl. „Wir dürfen nicht in alten Denkmustern verharren, sondern müssen die Wünsche und Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen.“

Pressemitteilung Ziehl-Abegg




Anmeldebeginn zum ebm-papst Marathon

Von Finnland bis Australien: Aus aller Welt kommen Sportbegeisterte jedes Jahr zur größten Laufveranstaltung in Hohenlohe. Über 3.000 Teilnehmer gingen während der Live-Events in den elf Disziplinen an den Start, mehr als 10.000 Zuschauer sorgten für die einmalige Atmosphäre in und um Niedernhall.

Zweimal wegen Corona ausgefallen

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Event vor Ort in den vergangenen zwei Jahren abgesagt werden. Doch auch die Alternative, eine Lauf-App, mit der jeder auf seiner eigenen Lieblingsstrecke läuft, begeisterte viele Teilnehmer.
In diesem Jahr kommt jeder auf seine Kosten: Neben dem Live-Event vom 10. bis 11. September in Niedernhall ist auch die App wieder verfügbar.

Umfangreiches Wettbewerbsangebot für Langstreckler aller Art

Neben den verschiedenen Laufdistanzen – vom Zehn-Kilometer-Lauf, über den Halbmarathon, bis zum (Duo-)Marathon – messen sich in Niedernhall auch Inline-Skater und Handbiker. Durch die vielen Kinderläufe wird der ebm-papst Marathon zur Veranstaltung für die ganze Familie. Auf dem Festgelände wird den Zuschauern mit kulinarischen Köstlichkeiten und Showeinlagen außerdem ein ansprechendes Rahmenprogramm geboten. Bei der Laufmesse lässt sich das ein oder andere Schnäppchen ergattern.

Marathon seit 1993, ebm-papst seit 1999 Hauptsponsor

Seit mehr als 20 Jahren ist ebm-papst nun schon Hauptsponsor des Laufs. 1999 stieg der Ventilatorenspezialist aus Mulfingen als Mitveranstalter bei dem vom Polizeisportverein Hohenlohekreis 1993 ins Leben gerufenen Hohenlohe-Marathon ein. Dieser hatte bis dahin drei Mal stattgefunden. Beim ersten Event unter neuen Namen am 11. September 1999 gingen 432 Läuferinnen und Läufer an den Start.

Weitere Informationen zum ebm-papst Marathon im Internet unter http://www.ebmpapst-marathon.de und auf Facebook: fb.com/ebmpapstMarathon

Pressemitteilung ebm-papst