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Freizeit für Pflegende und ihre an Demenz erkrankten Angehörigen

Das Familienferiendorf Schwarzwald in Schramberg-Sulgen bietet vom 8. bis 15. Mai eine Freizeit für Pflegende und ihre an Demenz erkrankten Angehörigen an, die es betroffenen Paaren ermöglicht, wieder einmal gemeinsam Urlaub zu machen. Sowohl für die Pflegenden als auch für die erkrankten Angehörigen wird ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen, Kreativem und Besinnlichem angeboten. Um die an Demenz erkrankten Teilnehmer kümmern sich erfahrene Betreuerinnen, so dass die Pflegepersonen Zeit für sich selbst haben und ausspannen können. Die Freizeit bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen in ähnlicher Situation auszutauschen.

Betreuungskosten können von der Pflegekasse übernommen werden

Die Woche inkl. Vollpension für zwei Personen kostet 1.320 €, die zusätzlich anfallenden Betreuungskosten können auf Antrag von der Pflegekasse übernommen werden.
Anmeldungen nimmt das Familienferiendorf unter 07422 / 560 10 40 oder schramberg.few@drs.de entgegen.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Pflegestützpunkt des Landkreises Rottweil:
Natascha Schneider, Tel. 0741 / 244-473 oder natascha.schneider@landkreis-rottweil.de.

Pressemitteilung




Würth-Gruppe unterstützt die Menschen in der Ukraine

Das Unternehmen Würth hat bereits über zwei Millionen Euro für die leidende Zivilbevölkerung in der Ukraine gespendet. Jeweils mehr als eine halbe Million Euro gingen an die Organisationen Aktion Deutschland hilft und UNICEF. Unter anderem deshalb, weil beide Institutionen sich besonders für das Wohl von Kindern und Jugendlichen einsetzen, eine hohe Kompetenz für Katastrophenhilfe außerhalb Deutschlands haben und über ein internationales Netzwerk an Hilfsorganisationen verfügen. Außer den Geldspenden der Würth-Gruppe unterstützen weitere Konzerngesellschaften mit Sachspenden in Abstimmung mit den Hilfsorganisationen vor Ort.

Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Schirmherr des Hilfsbündnisses Aktion Deutschland Hilft, dankt

Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Schirmherr des Hilfsbündnisses Aktion Deutschland Hilft, sagt: „Die großzügigen finanziellen Spenden zeugen von Verantwortungsbereitschaft und Mitgefühl der Würth-Gruppe gegenüber den Menschen in der Ukraine“. Er dankt auch dem Betriebsrat und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens, die tatkräftig Sachspenden gesammelt und auf den Weg gebracht haben.

Die Solidarität des Konzerns ist groß

Neben dieser finanziellen Unterstützung ist weitere Unterstützung angelaufen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen, wo es möglich ist: Organisiert vom Betriebsrat der Adolf Würth GmbH & Co. KG sammelten sie Sachspenden, die in die betroffenen Gebiete gesendet wurden. Dazu zählen beispielsweise Winterkleidung, medizinische Hilfsgüter, Hygieneartikel und Spielzeug. Insgesamt haben die gespendeten Sachgüter drei Sattelschlepper (40 Tonner) sowie zwei 7,5-Tonnen-LKW gefüllt.

Zudem haben weitere Landesgesellschaften Spendenaktionen unter ihrer Belegschaft ins Leben gerufen. Andere wiederum verzichten auf Jubiläumsveranstaltungen oder stellten Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung.

„Zu jeder Zeit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine unterstützen“

„Unser primäres Ziel ist es, zu jeder Zeit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine in einer unübersichtlichen Lage zu unterstützen, sodass sie sich selbst und ihre Familien in Sicherheit bringen können“, sagt Thomas Wagner, Betriebsratsvorsitzender der Adolf Würth GmbH & Co. KG. „Über unsere Landesgesellschaft in Polen und Ungarn stellen wir sicher, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“ Dabei sei sich das Unternehmen bewusst, dass die Betroffenen dieses Krieges noch lange auf Hilfen angewiesen sein werden.

Pressemitteilung WÜRTH




Nachtwächter wieder unterwegs

Die Nachtwächterführungen finden ab April wieder statt, jeweils am 1. Mittwoch (mit Fritz Offenhäuser) und 3. Mittwoch (mit Günter Patzelt) im Monat.

Die nächsten Termine

Nächster Termin: 20. April mit Günter Patzelt.
Beginn 20 Uhr, Dauer: 90 Min., Treffpunkt: Rathauseingang, Marktplatz 15, Kosten: 5 Euro pro Person.

Nachtwächter-Runde mit „Speys und Trunk“ (Einkehr im Gasthaus „Krone“)

Rundgang mit dem Nachtwächter Fritz Offenhäuser, ca. 1,5 Std., mit anschließender Einkehr im Gasthaus „Krone“ in der Marktstraße in Öhringen am Freitag, 22. April 2022.

Führung pro Person 20 €, Treffpunkt ist vor dem Rathauseingang am Marktplatz.
Start: 19.30 Uhr bis 21 Uhr die Führung‚ anschließend Einkehr in das Gasthaus Krone.

Für Kinder: Suche nach dem Öhringer Schlüssel

Mit dem Nachtwächter Fritz Offenhäuser auf Spurensuche nach dem Öhringer Schlüssel und der Schatzkiste. Wir beginnen mit der Führung vor dem Rathaus und suchen nach dem Ursprung und den Anfang des Schlüssels, weiter geht’s in den Turm, durch den Hofgarten, die Altstadt von Öhringen und weitere tolle Interessante Ecken und Gassen. Geht mit auf diese spannende Suche und findet die Schatzkiste!

Termin: Donnerstag, 21. April 2022, Treffpunkt vor dem Rathauseingang, Beginn: 17.00 bis 18.15 Uhr, Preis pro Kind: 6 Euro

Die Führung ist für Kinder von 6 bis 12 Jahren geeignet. Begleitperson bei jüngeren Kindern erwünscht.

Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnahme begrenzt ist

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung beim jeweiligen Nachtwächter oder bei der Tourist-Info gebeten.
Tourist-Info, Tel. 07941-68 118, tourist@oehringen.de (Büro befindet sich neu in der Kulturvilla, Uhlandstraße 23). Oder direkt beim Nachtwächter Günter Patzelt, Tel. 07942 941888.
Die Teilnehmerzahl ist auf max. 20 Personen beschränkt, eine Anmeldung ist gewünscht.

Es gelten die aktuellen Corona- und Hygienemaßnahmen (Änderungen vorbehalten). Alle Termine finden Sie unter: www.hohenloher-perlen.de/nachtwaechterfuehrungen.html

Pressemitteilung Stadt Öhringen




Gute Nachricht für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren, werden durch das Land Baden-Württemberg und die Kommunen mit einer Unfall- und Haftpflichtversicherung rechtlich abgesichert. Der Versicherungsschutz bei der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) und über die Ehrenamts-Versicherung des Ecclesia-Versicherungsdienstes gilt für freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich im Auftrag der Kommunen oder in rechtlich unselbstständigen Strukturen in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich und unentgeltlich einbringen. Der Versicherungsschutz gilt für Unfälle bei der Ausübung des Ehrenamts und auf den damit verbundenen Wegen. Er umfasst ebenso eine Haftpflichtversicherung für fahrlässig verursachte Schäden, die ehrenamtlich Engagierte während ihrer Tätigkeit verursachen. Auch für spontan und individuell helfende Ehrenamtliche gilt dieser Versicherungsschutz. Weitere Informationen im Vorfeld und zum Vorgehen im Schadensfall erhalten Ehrenamtliche direkt bei der UKBW oder beim Ecclesia-Versicherungsdienst.

„Wer sich ehrenamtlich engagiert, braucht auch die Gewissheit, im Notfall ausreichend versichert zu sein.“

„Die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich für geflüchtete Menschen einzusetzen, ist überwältigend und wurde durch die Neuankömmlinge aus der Ukraine nochmal erfreulich verstärkt“, sagt Dr. Mark Tobias Wittlinger, zuständig für die Integrationsarbeit des Hohenlohekreises. „Und wer sich ehrenamtlich engagiert, braucht auch die Gewissheit, im Notfall ausreichend versichert zu sein.“

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




Zwischen Holzskulpturen, bunten Bildern und Tee zum Wohlfühlen

Wenn man genau hinschaut, sieht man beim Betreten der GSCHWÄTZ-Redaktion einen Vogel, der vorwitzig um die Ecke schaut. Es handelt sich dabei nicht um einen lebendigen Vogel, sondern um eine Vogelskulptur, die die typische Haltung der Stelzvögel wiedergibt, Der Vogel ist Teil einer Ausstellung afrikanischer Kunst, die derzeit in den Räumen der GSCHWÄTZ-Redaktion gezeigt wird.

Ausgestellt sind Gemälde, die meist leicht abstrahiert alltägliche Lebenssituationen zeigen, beispielsweise die Ernte oder das Einsteigen in einen Überlandbus.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Dazu kommen Skulpturen, sowohl nahezu lebensechte Tierdarstellungen als auch abstraktere Gebilde, meist sind es verfremdete menschliche Gestalten oder Gesichter. Die Materialien sind unterschiedlich: gewachsenes Holz, Metall und Stein sind vertreten.

Ein Mensch? Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Diese Kunst hat Christa Zeller aus Ingelfingen, die mit dem Verein Bongai Shamwari e.V. einen Kindergarten mit Schule sowie ein Frauenprojekt in Simbabwe betreibt, nach Künzelsau gebracht. Die Erlöse aus dem Verkauf der Kunstgegenstände werden für den Verein und seine Arbeit in Simbabwe verwendet.

Grille. Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller kennt alle Künstler persönlich. William Zuse, der die großen Bilder gemalt hat, sei überregional bekannt und habe auch schon Ausstellungen in Deutschland gehabt. Zu Katenda Kwarada, dem Schöpfer der Vogelskultpuren, hat sie eine besondere Beziehung: Er hat eine Zeitlang in „ihrem“ Kindergarten gearbeitet. Kwarada nennt sich selbst „Dead Wood Artist“ – seine Skulpturen sind alle aus totem Holz, teils aus Ebenholz, gearbeitet.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

„Ich will erreichen, dass eine Brücke gebaut wird zwischen Afrika und Europa“, erklärt Christa Zeller ihre Motivation. Ihr Anliegen ist: „Die Menschen in Simbabwe sollen von ihrer Kunst, von ihrer Arbeit, in ihrer Heimat leben können, dann müssen sie auch nicht nach Europa fliehen“, und natürlich will sie „vom Erlös unseren Kindergarten und unsere Schule unterstützen.“

Da es derzeit praktisch keinen Tourismus in Simbabwe gibt, sind Aktionen wie die von Christa Zeller eine der wenigen verbliebenen Einkommensquellen für die Künstler.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Marks ist eine der ersten Besucherinnen der Ausstellung. Für afrikanische Kunst ist sie sehr empfänglich, sie engagiert sich auch im Verein African Lives e.V. Überrascht haben sie die kräftigen und lebensfrohen Farben der Bilder: „Ich kenne vor allem Kunst aus Ghana, die Bilder von dort sind viel weniger farbig und düsterer.“ Die Lebensfreude, die aus den ausgestellten Bildern spricht, hat sie beeindruckt.

Alle ausgestellten Kunstwerke sind verkäuflich. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Redaktion (Gaisbacher Straße 6 in 74653 Künzelsau) zugänglich – oder nach Vereinbarung, am einfachsten direkt über Christa Zeller: bongaishamwari@gmail.com

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ




„Da können wir wenigstens ein bißchen mithelfen“

Eine goldene Sammelbox übergab Karin Schulz, die Wirtin der Künzelsauer Kneipe „Keltereck“ am 06. April 2020 an Christa Marks, stellvertretend für die ehrenamtlichen Ukraine-Helfer in Künzelsau. In der Box ist Geld, das die Gäste des Kelterecks gesammelt haben und das nun die Ehrenamtlichen für die Ukraine-Flüchtlinge verwenden sollen.

Tradition der Hilfe im Keltereck

„Wir haben auch schon für die Flutopfer gesammelt“, berichtet Karin Schulz. Mit „wir“ meint sie Ihre Gäste, „da können wir wenigstens ein bißchen mithelfen“.

Blickt nachdenklich nach vorn: Karin Schulz, Wirtin des Kelterecks in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Sie hat während der Pandemie ihre Wirtschaft mehrere Monate schließen müssen und hat selber Hilfen vom Staat erhalten. Sie weiß also, wie wichtig es in manchen Situationen ist, auf Hilfsangebote zugreifen zu können. Sie erzählt von einem Gast, den sie drei Tage nicht gesehen hatte. Nachdem er auch auf Klingeln nicht öffnete, sah sie keine andere Möglichkeit, als die Polizei zu alarmieren – und diese teilte ihr wenig später mit, dass der Stammgast im Krankenhaus liege. „Jeder kann in Not geraten“, sagt sie – und kommt damit zurück zu ihrer Spendenaktion: „Wir haben das einfach nur gemacht.“ Es klingt so selbstverständlich, wenn sie das sagt.

Dank der Ehrenamtlichen

Christa Marks engagiert sich unter anderem im Verein der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist. Sie ist froh, dass sie jetzt eine Möglichkeit hat, Dinge, die dringend benötigt werden, auch einfach und unkompliziert einkaufen zu können. Sanitärartikel würden oft fehlen, meint sie. Sie bedankt sich dafür, dass die Gäste des Keltereck die ehrenamtlichen Helfer so unterstützen, denn sie hat das Gefühl, „vieles wird auf die Ehrenamtlichen abgeschoben“. Das Geld wird unmittelbar den Flüchtlingen zukommen, das weiß sie ganz sicher.

Text: Matthias Lauterer

 




„besondere Anstrengungen und Verdienste bei der Zerstörung der Krankenhauslandschaft“

In schwerer See rudert im Moment Manne Lucha, der Sozialminister des Landes Baden-Württemberg. Als solcher ist er in der Verantwortung für viele der Corona-Maßnahmen und hat Aufgaben im Bereich der Flüchtlingshilfe.

Vor kurzem erst fiel Lucha dadurch auf, dass er mit einer unabgestimmten Forderung zur Aufhebung der Pandemie-Maßnahmen vorgeprescht ist. Ministerpräsident Kretschmann hat ihn daraufhin, diplomatisch aber sehr deutlich, öffentlich zur Ordnung gerufen.

Antrag zur Absetzung des Ministers

Unzufrieden mit ihm ist auch die Opposition im Landtag. So unzufrieden sogar, dass SPD und FDP  einen Antrag für seine Absetzung gestellt haben, über den am heutigen Donnerstag, 07. April 2020 abgestimmt werden soll. „Eklatante Fehlleistungen“ bei der Bekämpfung von Corona werfen SPD und FDP dem Minister vor. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke findet deutliche Worte: „Mit seiner Unzuverlässigkeit und seiner Inkompetenz verursacht Minister Lucha einen Vertrauensverlust in die Politik insgesamt.“

FDP: „Unzuverlässigkeit und Inkompetenz“

Auch die AfD wird dem Antrag wahrscheinlich zustimmen. Da auch in den Regierungsfraktionen GRÜNE und CDU Unzufriedenheit über den Sozialminister laut wurde, ist damit zu rechnen, dass auch einige Abgeordnete aus diesen Fraktionen Lucha nicht unterstützen werden.
Trotzdem dürfte der Antrag nicht angenommen werden – die Regierungsfraktionen verfügen schließlich über 100 der 154 Abgeordnetensitze und so wird die Opposition höchstwahrscheinlich die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreichen.

Schmähpreis „Goldene Abrißbirne“

Einen Tag vor der Abstimmung wird nun bekannt, dass Lucha „für besondere Anstrengungen und Verdienste bei der Zerstörung der Krankenhauslandschaft“ der diesjährige Preisträger der „Goldenen Abrißbirne“ ist, eines Schmähpreises, den ein „Bündnis Klinikrettung“ erstmals vergibt. In der Laudatio wird Luchas Arbeit wie folgt beschrieben:

Manfred Lucha ist seit 2016 Gesundheitsminister in Baden-Württemberg und hat in dieser Zeit schon Beachtliches geleistet. Auf sein Konto gehen seit seinem Amtsantritt 2016 bis 2021 sage und schreibe 26 Krankenhausschließungen. Zum Vergleich: Zwischen 1990 und 2016 wurden in Baden-Württemberg pro Jahr durchschnittlich zwei (genau 1,96) Krankenhäuser geschlossen, seit seinem Amtsantritt hat Lucha das Tempo mehr als verdoppelt: Im Zeitraum 2016 bis 2020 schlossen im Durchschnitt mehr als 4 (4,3) Kliniken jährlich. Und der Minister lässt den Schließungsprozess nicht nur zu, sondern treibt ihn wie kein anderer Gesundheitsminister voran. So hat er jegliche Kritik […] abgeschmettert und sich richtig kämpferisch gezeigt mit den Worten: „Ich warne davor, nur eine Sekunde zu zögern. […]

Das Künzelsauer Krankenhaus ist eine der 26 Kliniken, die während Luchas Amtszeit geschlossen wurden.

Das Bündnis Klinikrettung ist „eine bundesweite Gruppe von politisch Aktiven, bestehend aus PflegerInnen, ÄrztInnen, PatientInnenvertretungen, KlinikleiterInnen und GewerkschafterInnen“, so die Eigendarstellung.

Informationen über das Bündnis: gemeingut.org
Bilanz der Krankenhausschließungen in BW 2020 & 2021: Krankenhausschliessungen

Text: Matthias Lauterer




Kevin Leiser: „Hohenlohes touristisches Potential weiter nutzen“

Mit seinem Besuch am Bahnhof Dörzbach kam Kevin Leiser, SPD-Bundestagsabgeordneter für Schwäbisch Hall Hohenlohe, der Einladung der Jagsttalbahnfreunde e.V. gerne nach.
Michael Rothenhöfer (Vorstand der Jagsttalbahn AG) führte durch den Lokschuppen und die Betriebsanlagen. Dank der Arbeit der Jagsttalbahnfreunde, wie zum Beispiel Restaurierung von Waggons oder der Verlegung von Gleisen, könne nun im Bahnhof Dörzbach wieder gefahren werden. Im nächsten Schritt solle nun die Strecke Richtung Krautheim wieder aufgebaut werden.

Großartiges ehrenamtliches Engagement 

„Ich finde dieses ehrenamtliche Engagement großartig. Zum einen machen die Jagsttalbahnfreunde die Geschichte unserer Heimat erlebbar. Und zum anderen entsteht so mit der Museumsbahn ein weiteres touristisches Highlight im wunderschönen Hohenlohe“, zeigte sich Kevin Leiser beeindruckt.

Jagsttalbahn fährt wieder – aber nur im Endbahnhof Dörzbach

Die Jagsttalbahn, für deren Reaktivierung die Jagsttalbahnfreunde arbeiten, fuhr bis 1988 von Möckmühl aus durch das Jagsttal über die heutigen Gemeinden Widdern, Olnhausen, Jagsthausen, Schöntal und Krautheim bis Dörzbach.

Pressemitteilung
Kevin Leiser




„Das Schlimmste für uns alle ist: Wir müssen teurer werden. Und es wird dann für jeden Endverbraucher nochmal teurer“

Auf den ersten Blick abgelegen ist das Areal der Spedition Hamprecht in Kemmeten. Dort führt Rolf Hamprecht das Familienunternehmen, das schon sein Urgroßvater, Großvater und Vater geführt haben, weiter. Auch sein eigener Sohn arbeitet bereits im Unternehmen mit.

Kurze Hosen: Ein Dokument aus der Historie der Spedition. Foto: Sped. Hamprecht

Kleinere mittelständische Spedition

Den Verkehr zu den Seehäfen als Marktnische erobert. Foto: Sped. Hamprecht

25 LKWS fahren unter dem Namen des 64-jährigen, die Marktnische, die er bedient, ist der Verkehr in die Seehäfen und von den Seehäfen. „Es ist für mich wichtig, dass ich irgendwelche Nischenprodukte mache“, sagt er – denn als kleine Spedition kann er mit den „Großen“ der Branche nicht einfach mitschwimmen.

Zulieferern fehlen Teile

Spediteure merken es sehr schnell, wenn es der Wirtschaft gut oder schlecht geht – die Transportanfragen nehmen dann zu – oder eben ab, und so bemerkt Hamprecht: „Wir merken es relativ bald, weil wir sehr viele Seefracht-Vorläufe machen nach Hamburg, Bremen, Bremerhaven. Und da haben wir seit sechs sieben Wochen schon leichte Rückgänge und die Rückgänge werden immer mehr und drastisch. In den letzten 2 Wochen fahren wir noch mit drei LKW Hamburg, wo wir im Durchschnitt mit sechs LKW fahren, weil das Aufkommen in diesem Bereich schon relativ stark gesunken ist. Es ist halt auch das Problem, dass den Lieferanten sehr viele Zulieferer Teile fehlen und sie die Endprodukte nicht fertigstellen können.“

Alle Branchen betroffen

Maskottchen HAMPI ist immer fröhlich. Foto: GSCHWÄTZ

Dieser Rückgang ist nicht auf einzelne Branchen beschränkt, denn er fährt nicht nur spezielle Güter, sondern „alles. Alles, was mit Export zu tun hat, ob das Papier ist, ob das Maschinenteile sind, ob das Montage-Artikel sind, ob das Kunststoffe oder Ventilatoren sind. Es ist egal, was.“

Eine Nische, in der man Geld verdienen kann

GSCHWÄTZ: Vor der Corona- und der Kraftstoff-Krise, wie war das Standing im Markt als kleine Spedition? Gibt es irgendwas, wo Sie sagen, das kann ich viel besser als ein Großer und deswegen kann ich da auch mein Geld verdienen?

Rolf Hamprecht: Ich habe den Vorteil, dass ich direkt wirken kann, dass ich nicht über viele andere Schienen was abklären muss. Ich sage ja oder nein. Und ich kann auch nach Lösungen schauen, wo es die anderen Systeme einfach nicht möglich machen, weil da ein gewisser Ablauf herrscht. Und da kann ich kurzfristig anders reagieren und kann den Kunden zufriedenstellen. Es  ist für mich wichtig, dass ich irgendwelche Nischenprodukte mache. Ich möchte auch nie ein Fotokopierer sein, sondern ich möchte einfach meine Eigenentwicklungen machen und das machen, wo ich merke, was die anderen vielleicht nicht so können.

Heute fährt Hamprecht mit modernen LKWS. Die Qualität der Fahrerkabine ist ihm wichtig. Foto: GSCHWÄTZ

In seinem Unternehmen stellt er die Sendungen, die meist kleiner sind als ein ganzer Container so zusammen, dass die Abladeorte im Hafen optimiert werden: „Das sind lauter LCL-Sendungen [less than container load, Red.], also Stückgut-Sendungen, die in Hamburg zu FCL-Sendungen [full container load, Red.], also zu Containern  zusammengestellt werden.“ Das sei seine Nische, meint er: „Fahren können andere auch. Der Gedankengang bei mir ist, dass ich hier Waren von vielen verschiedenen Firmen sammle und diese auf möglichst nur 1 bis 2 Ladestellen pro LKW umwandle als Synergie.“

Flexibilität als Marktvorteil

Seine Flexibilität bringt seinen Kunden direkte Vorteile: „Wenn bei mir um 16:00 noch ein Kunde anruft, habe ich noch die Möglichkeit, dass das morgen früh um 6:00 in Hamburg sein kann. Da kann ich mich selber drum kümmern, was bei großen Dienstleistern etwas schwieriger ist, dieses umzusetzen. Und das sind auch meine Synergieeffekte: Ich kann da ganz anders reagieren. Ich kann zum Beispiel auch eine Sendung von Rottweil morgen früh in Hamburg haben, weil ich die einmal bei mir im Lager umschlage und der Fahrer mit voller Arbeitszeit vom Hof fährt.“ Die Fahrt von Kemmenten nach Hamburg dauert zwischen 7.5 und 8.5 Stunden, je nach Verkehr. „Somit habe ich keine Arbeitszeitproblematik und unsere Fahrer können es sauber abwickeln.“

Kemmeten als Standortvorteil

Das kleine Kemmeten bietet also einen Standortvorteil, da die Fahrer direkt und ohne die gesetzlich vorgeschriebene lange Pause die Seehäfen anfahren können.

Den Verkehr zu den Seehäfen als Marktnische erobert. Fot. Sped. Hamprecht

Auf eigenen Füßen bleiben

Einem der großen Logistik-Netzwerke hat er sich deshalb auch nicht angeschlossen: „Da habe ich mich ferngehalten, weil ich mir sage, ich bin da nur so gut wie das schwächste Glied in dem Netzwerk. Und ich kann unseren Kunden nicht irgendwelche Sachen versprechen, wenn ich vielleicht davon ausgehen muss, dass es morgen doch nicht ankommt, wenn ich es verspreche“

Klare Worte schaffen gegenseitiges Vertrauen

„Für mich ist wichtig, was ich nicht machen kann, dann muss ich leider Nein sagen. Aber mit dem Wort Nein finden wir sofort neue Lösungen.“

Der Dieselpreis

Rolf Hamprecht: Uns betrifft es zurzeit die neue Marktlage ganz besonders, weil wir ja doch von den Verbrennungsmotoren sehr abhängig sind. Und natürlich hat keiner gerechnet, dass sich in der kurzen Zeit der Kraftstoff so erheblich verteuert.

Weitere Optimierungen sind kaum möglich

Zur Zeit versuchen wir, das Optimale zu machen, aber wir haben schon immer nach großen Synergien geschaut, um schon immer nach CO2-Ersparnissen zu schaunen. CO2-Ersparnis heißt für uns, dass wir nicht leer fahren, wenn wir entladen haben, sondern auch schon Teilpartien  mitnehmen, um nicht auf der Autobahn halb leer zu fahren. Aus diesem Grund ist es für uns jetzt natürlich noch schwieriger, einzusparen.

Die umweltfreundlichsten LKW stehen still

Wen es ganz hart trifft, das sind unsere Kollegen mit den LNG-LKW, den Gas-LKW. Die haben sich ja vieles erhofft, weil man mit diesen Fahrzeugen auch Maut sparen konnte. Aber die sind so teuer geworden, weil der Gaspreis so überdimensional angestiegen ist, dass man sich das zurzeit aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leisten kann.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die allermodernsten und allersaubersten LKWs stehen im Moment?

Rolf Hamprecht: Ja, dadurch müssen viele dieser neuen Fahrzeuge stehen bleiben. Diese Unternehmen haben natürlich auch was für die Umwelt getan, haben investiert. Nicht gerade wenig, da einer dieser LKW bestimmt einen Mehrpreis hat von 30-000 bis 40.000 Euro. Und die dürfen jetzt parken, weil man nicht mehr in der Lage ist, den Gaspreis zu bezahlen.

Impression. Foto: Sped: Hamprecht

Jetzt wirds politisch

Die hohen Kraftstoffpreise spielen in alle Lebensbereiche hinein, weiß Hamprecht. Er selber ist betroffen, wenn die Industrie seine Preise nicht bezahlen will, betroffen ist natürlich die Industrie selber, aber letzendlich auch jeder Verbraucher:

Rolf Hamprecht: Ich verstehe natürlich auch die Industrie, dass sie nicht immer mehr bezahlen können, weil sie auch schon die Verhandlungen mit ihren Kunden, Endkunden oder Lieferanten schon getätigt haben. Und da wurde bei der Preiskalkulation natürlich auch der hohe Kraftstoffpreis nicht berücksichtigt, weil es im Voraus keiner wusste.

Preiseffekt für alle

Das Schlimmste für uns alle ist: Wir müssen teurer werden. Und es wird dann für jeden Endverbraucher nochmal teurer, weil das umgesetzt werden muß. Wir haben natürlich sehr gute Verbände und auch sehr gute Leute in den Verbänden. Die haben mit der Regierung schon mehrere Gespräche geführt.

Grüne Politiker in der Verantwortung

Aber leider ist unsere Regierung und derzeitige Regierung nicht bereit, irgendwelche Sachen zu unterstützen. Ob bundesweit ist oder landesweit, ist ganz egal, weil die grüne Bundesregierung sagt:  Wir wollen doch eigentlich, dass 2 bis 3 Euro für den Liter Diesel oder Benzin bezahlt werden muss. Wir wollen ja, dass weniger gefahren wird. Das ist ja alles okay. Aber diese Schritte kann man nicht innerhalb von drei Monaten umsetzen, weil da die ganze Infrastruktur gar nicht passt.
Und das nächste ist: Der grünen Regierung ist ja nicht mal klar, wer die ganzen Steuern bezahlt. Da sind Leute gewählt geworden, die wissen nicht, wie hart es ist, Gewinne zu tätigen und einen gewissen Erfolg zu haben. Da kommt nur die Aussage von ein paar Politikern, Deutschland ist ein reiches Land. Wir müssen gucken, dass wir wieder nach vorne kommen, dass nicht die anderen Industrieländer vorne sind, sondern dass Deutschland wieder vorne dabei war, wie früher auch.

GSCHWÄTZ: Also, ich schließe daraus, dass Sie bei der letzten Wahl eher nicht die Grünen gewählt haben.

Rolf Hamprecht: (lacht) Auf keinen Fall, weil ich auch schon wusste, in welche Richtung es geht.

GSCHWÄTZ: Wo steht denn Deutschland von der Gesamtwirtschaft her? Wo sollte denn Deutschland investieren? In welche Bereiche, damit es wieder nach vorne geht in Deutschland?

Rolf Hamprecht: Als erstes muss die Denkweise sich verändern. Es müssen in manchen Berufen die Mitarbeiter anders akzeptiert werden. Die Bezahlung sollte gleichmäßiger sein, nicht hohe Bezahlung und niedrige Bezahlung. Wir haben verschiedene Sparten, in denen noch ein hoher Jahresbonus gezahlt wird. Die niedrigbezahlten Leute kaufen sich dann irgendwann ein überteuertes Auto – und diese Leute stehen dann da und zahlen jahrelang ab und da passt das ganze Verhältnis nicht mehr. Die Akzeptanz der Menschen muss anders werden. Und auch die Bereitschaft der Mitarbeiter muss besser werden, dass man wieder mehr bereit ist zum Arbeiten. Sonst werden wir die Zukunft in Deutshland einfach nicht mehr positiv gestalten können.

GSCHWÄTZ: Was erwarten Sie denn von der Bundesregierung an Förderungsmaßnahmen zur Förderung der Wirtschaft, die sowohl Wirtschaft als auch Speditionen unterstützen könnten?

Rolf Hamprecht: Wir brauchen dann einen Industrie-Diesel oder einen Industrie-Kraftstoff, den wir in der Wirtschaft und auch in den beteiligten Verkehren nutzen können. Es muss für jeden den gleichen Marktvorteil geben, um wieder motiviert und positiv arbeiten zu können. Und wenn wir jetzt noch mehr Fahrzeuge verlieren – wie ich mitbekommen habe, wollen einige Spediteure kurzfristig oder in den nächsten zwei, drei Jahren aufhören – dann fehlt uns am Markt eine ganz große Menge.

GSCHWÄTZ: Der LKW mit alternativen Energieformen, sei es Wasserstoff, sei es Strom in welcher Form auch immer, bis wann sehen Sie den als marktreif und konkurrenzfähig gegenüber dem Diesel?

Rolf Hamprecht: Es ist so, es wird noch bis 2024 oder 2025 dauern, denn der Strom wird für uns im Sektor LKW keinen großen Wert haben. Vielleicht im Stadtverkehr. Aber was soll ich produzieren, wenn ich nicht mal weiß, wo ich die Batterie entsorgen soll? Und wir geben zurzeit bei den Entwicklungen Geld aus, wo es gar keinen Sinn macht. Ich begreife es nicht. Das einzige, was in Zukunft Sinn macht, ist eigentlich Wasserstoff. Aber man muss mal ganz deutlich sagen: Der Diesel ist zurzeit so sauber und wird niedergemacht von Politik. Ich weiß gar nicht … wenn man etwas Gutes hat, warum muss man da noch Geld kaputt machen? Es gibt einen Sprit, der 0,10 € teurer ist, der raucht nicht mal mehr. Das sind Kraftstoffe, die einfach hergestellt werden können ohne das man die Erde belasten muss mit Entsorgung von Batterien. Viele Menschenleben müssen leiden unter der Herstellung von Batterien. Ich weiß gar nicht, wer das verantwortet oder wer das verantworten soll.

GSCHWÄTZ: Reden Sie da von dem Care Diesel? [GSCHWÄTZ berichtete]

Zusammen umdenken

Rolf Hamprecht: Ja, genau.
Ich denke einfach, wir müssen alle zusammen umdenken. Das heißt, dass ich die Meinung von jedem schätze, aber man muß den Anderen auch mal erklären, dass es aus dem oder dem Grund nicht geht.

Familientradition soll erhalten bleiben

Vom kleinen Kemmeten in die Welt. Rolf Hamprecht bleibt eigenständig. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Kommen wir zu einem anderen Thema: Kemmeten ist weit vom Schuß – haben Sie irgendwann einmal daran gedacht, woanders etwas aufzubauen?

Rolf Hamprecht: Kemmeten ist ganz dicht bei einem meiner größten Kunden – und in dieser Zusammenarbeit ist Nähe wichtig, darauf legt auch der Kunde großen Wert. Ich habe mir aber trotzdem Standorte im Kochertal angesehen. In den reichen Kochertalgemeinden: Niedernhall ist reich, Forchtenberg wird bald reich – nur Ingelfingen hat’s verschlafen. Aber ich gehöre zu Küau.

GSCHWÄTZ: Jetzt ist es ja auch so, dass die Spediteure den Markt immer mehr unter wenigen ausmachen wollen und viele kleinen Spediteure in einer Aufkaufwelle, zumindest bis vor Corona, aufgekauft wurden. Wie sieht es bei Ihnen aus? Hatten Sie solche Angebote auch schon?

Rolf Hamprecht: Ja, ich habe schon Angebote gehabt, aber ich möchte einfach das Unternehmen noch weiterführen, weil mein Junior Interesse hat. Und dem möchte ich das nicht verbauen. Der soll es in späteren Zeiten selber mal entscheiden, wie er das weiter ausbaut oder weniger macht. Das muss er die nächsten 2 bis 3 Jahre selber entscheiden.

Das Interview führte Matthias Lauterer




Unter falscher Flagge

Vor einigen Tagen lag in Hohenloher Briefkästen eine dünne Zeitung, die wie eine Veröffentlichung der Landesregierung aussieht. Das Titelblatt ist in den Landesfarben gelb und schwarz gehalten, geziert wird das dünne Blatt von den drei Löwen des Landes Baden-Württemberg und der Schriftzug des Titels bwjournal erinnert stark an den Schriftzug „bwegt“, der an den Nahverkehrszügen des Landes zu finden ist.

Publikation der AfD-Fraktion im BW-Landtag. Foto: GSCHWÄTZ

Skeptisch wird der politisch interessierte Leser spätestens, wenn er die reißerische Schlagzeile „Energie-Irrsinn“ liest – so würde die Landesregierung sicherlich nicht titeln. Der Urheber ist denn auch nicht die Landesregierung, sondern, so steht es in grau und kleiner Schrift über dem Schriftzug bwjournal: „Informationen Ihrer AfD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg“. Auf das charakteristische Blau, das die AfD sonst verwendet, wurde komplett verzichtet.

„Etikettenschwindel“

Die Empörung der anderen Fraktionen im Landtag über die Aufmachung der Zeitung ist groß: Der SWR zitiert den baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke und schreibt:

„Die AfD tue in der Aufmachung der Broschüre so, als informiere die Landesregierung, so Rülke gegenüber dem SWR. Damit sei die Neigung der AfD zu Fake-News erneut „eindrucksvoll bewiesen“.

So liest man es beim SWR. SPD-Generalsekretär Sascha Binder spricht gar von „Etikettenschwindel“.

Klar ist, dass die Gestaltung der Wurfsendung kein Zufall ist. Bisher ist nicht bekannt, ob das Land Baden-Württemberg rechtlich prüfen läßt, ob durch die Gestaltung der AfD-Publikation Rechte des Landes verletzt werden.

Auch die Kommentare im Internet sprechen Bände, hier ein zitierfähiges Beispiel:

Screenshot www.reddit.com

Ein Ausdruck der politischen Hilflosigkeit?

Zeitpunkt und Aufmachung der Zeitung könnten ein Zeichen von politischer Hilflosigkeit der AfD sein. Die Partei ist im Innern zerrissen, Parteichef Meuthen ist kürzlich zurückgetreten, der neue Parteichef Chrupalla steht in der Kritik, die Partei ist im Visier des Verfassungsschutzes, fast täglich liest man davon, dass ein Funktionsträger der Partei seine Ämter in Partei oder demokratisch gewählten Organen niederlegt.
Eine echte und konstruktive Oppositionsarbeit findet, das kann man aus den Live-Übertragungen der letzten Bundestagsdebatten schließen, nicht statt.
Das Wichtigste: Der Partei fallen die klassischen Themen weg, mit der sie bisher ihre Kommunikation bestritten hat. Der russische Präsident Putin, den viele Parteimitglieder als Vorbild sehen oder sahen, führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine ud ist daher dem Wähler nicht mehr vermittelbar. Den Flüchtlingen, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen, bringt die  Bevölkerung eine große Hilfsbereitschaft und Sympathie entgegen.
Auf diese thematische Zerrissenheit deuten auch die im Blatt behandelten Themen hin:

Nachtangelverbot als hervorgehobenes Thema

Die Dauerforderung, Asylbewerbern nur noch Sachleistungen zu gewähren, wird erneut aufgestellt – und natürlich wird dabei wieder einmal zwischen „echten Flüchtlingen“ und „Wirtschaftsmigranten“ unterschieden – ohne darzustellen, wie man diese unterscheiden kann. Fast genausoviel Raum – dazu ist der Beitrag zusätzlich farblich hervorgehoben – wird dem „Kampf“ gegen das Nachtangelverbot gewidmet. „Das gute Schulstart-Gesetz“ wird gefordert – und das, nachdem sich gerade die AfD noch über „das gute KiTa-Gesetz“ der vorherigen Bundesregierung lustig gemacht hatte.

Nachfragen beim Verantwortlichen

Im Impressum der Zeitung ist Dr. Thomas Hartung als Verantwortlicher genannt, der Pressesprecher der AfD-Fraktion und – worauf er besonderen Wert legt: Germanist. GSCHWÄTZ hat ihn nach einigen Details zu dieser Publikation gefragt und er hat prompt reagiert – Antworten gab er jedoch wenige. Dafür ließ er sich – „als Germanist“ – umfangreich über einen Tippfehler in der Anfrage aus.

Keine konkreten Aussagen

Nicht einmal die Auflage mag er nennen: „Es bekamen genauso viele Bürger das bwjournal, wie sie an diesem Tag mindestens eine Postsendung bekommen haben. Das weiß nochmal nicht der einzelne Briefträger geschweige denn jemand anders.“ Auch über Kosten und Finanzierung der Publikation spricht er nicht – dabei besteht diesbezüglich sicherlich ein hohes öffentliches Interesse, sind doch Rechtsfälle bezüglich der recht- oder unrechtmäßigen Finanzierung von AfD-Parteiwerbung anhängig. Wenn er schreibt „Wir kommunizieren diese Kosten des Fraktionsbudgets nicht“, will er wohl aussagen, dass die Publikation komplett aus dem Fraktionsbudget finanziert wurde – was nicht zu beanstanden wäre.

Was und wen will die AfD eigentlich erreichen?

Gegenüber dem SWR hat sich die AfD-Fraktion geäußert:

Offiziell begründet die AfD-Landtagsfraktion die breite Verteilung ihrer Publikation gegenüber dem SWR damit, dass in vielen Medien über deren politische Arbeit wenig bis gar nicht berichtet werde. Der Zeitpunkt erschien aufgrund der „medialen Desinformationskampagne“ angesichts des Kölner Urteils angebracht, so ein Fraktionssprecher. Der Verfassungsschutz darf die AfD laut Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts als rechtsextremistischen Verdachtsfall führen.
[https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kritik-an-afd-wegen-bw-broschuere-100.html]

Ob allein die Aufmachung der Zeitung nicht auch bereits einer „medialen Desinformationskampagne“ gleichkommt, darüber mag man getrost streiten. Darüber, wen die AfD-Landtagsfraktion mit dieser Postille erreichen will, sagt Hartung nichts. Politisch interessierte und aktive Menschen erkennen allerdings schnell, dass die AfD hier unter falscher Flagge segelt.

Geht es einfach nur um Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Unter dem Titel „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit“ hat der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen im Jahre 2015 bereits die Handlungsweise aktueller Massenmedien zusammengefaßt: „Es werden Themen ausgewählt, die allgemeine Aufmerksamkeit versprechen, und so aufbereitet, dass sie ein möglichst großes Publikum ansprechen.“ Von einer zielgruppenorientierten Aufbereitung spricht er nicht. Tatsächlich entsteht beim Empfänger der Zeitung der Eindruck, dass die AfD-Landtagsfraktion einfach nur auf sich aufmerksam machen will und es ihr gar nicht darauf ankommt, WIE die Aktion von den Menschen wahrgenommen wird, sondern vor allem darauf, DASS sie wahrgenommen wird.
Wenn tatsächlich einzig „Aufmerksamkeit“ das Ziel sein sollte, ist das Ziel – nicht zuletzt auch durch diesen Beitrag – erreicht.

AfD will den Willen der Bürger:innen bewußt übergehen

Dafür spricht, dass Hartung sich mit der Verteilaktion im Namen der AfD ganz bewußt über deutlich geäußerten Willen der Bürger hinwegsetzt, wenn er meint, seine Zeitung soll auch gezielt in den Briefkästen ankommen, an denen „Keine Werbung“ oder ähnliches steht. Er sagt: „Dieses Journal ist mitnichten ökonomische „Werbung“, wie sie fälschlich unterstellen, sondern ein Journal, mit dem die Bürger über die politische Arbeit unserer Parlamentsfraktion informiert werden.“ Auf die Klarstellung, dass von „ökonomischer Werbung“ gar nicht die Rede war, ergänzt er: „Politische Werbung zum Zwecke des Werbens um Wählerstimmen, wenn man überhaupt davon sprechen kann, passiert in den 6 Wochen vor Wahlen; hier gibt es auch entsprechende BGH-Urteile. Ich kann mich auch nicht gegen Grünen- oder SPD-Flyer wehren. Politische Informationen außerhalb von Wahlen dagegen sind keine Werbung, sondern politische Informationen.“ Mit einer ähnlichen Argumentation sind übrigens die Discounter, die sich bezüglich ihrer Prospekte auf „wichtige Produktinformationen“ beriefen, bereits vor Jahren schon gescheitert.

DHL widerspricht

„Der Briefträger ist durch das erfüllende Unternehmen angewiesen, diese Informationen zu verteilen.“ meint Hartung. Eine Aussage, die ein befragter Briefträger nicht bestätigt: „Wenn das passiert ist, dann hat jemand einen Fehler gemacht“. Sonja Radojicic, eine Pressesprecherin von DHL bestätigt das: „Eine selektive Werbeverweigerung bestimmter Sendungen von Unternehmen, Verbänden und politischen Parteien ist grundsätzlich durch Privathaushalte nicht möglich. Privathaushalte in Deutschland können aber über einen Hinweis am Briefkasten „Bitte keine Werbung“ die Zustellung unadressierter Werbesendungen verhindern.“ Und sie wiederholt: „Die Empfänger können die Zustellung durch den „Bitte keine Werbung“-Aufkleber verhindern.“

Text: Matthias Lauterer