18:45: Noch viel Platz in der Stadthalle Ingelfingen:

19:00: Die Kandidaten und die Moderatoren sind auf der Bühne, von den 300 Zuschauerplätzen sind etwa 50 noch frei. Das Interesse scheint gering zu sein, wie auch schon bei der Veranstaltung am Donnerstag.
Armin Rössler und Tamara Ludwig von der HZ stimmen ein. Informativ, kritisch und unterhaltsam soll es werden.

19:08: Die Mehrheit der Besucher antwortet auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung schon getroffen haben, mit Ja.
19:12: Schmitt will am Sonntag 54 Prozent und Bauer will 50 Prozent + eine Stimme erreichen.
19:15: Frage an Bauer:
Warum ist Ingelfingen von den anderen Gemeinden überholt worden? Bauer: „Der Eindruck trügt, das teile ich nicht.“ Er stellt den Stand bei der Photovoltaik als musterhaft dar, die anderen Gemeinden würden gerade aufholen. Vereinzeltes Gelächter, wenig Beifall.
19:20: Digitalisierung:
„Die Uhren scheinen stehengeblieben zu sein“, sagt Tamara Ludwig. Sie bringt ein Beispiel: Die Wahlergebnisse Ingelfingens seien als einzige noch per Fax ins Landratsamt übermittelt worden. Bauer: „Wir sind da weit voraus“, die Digitalisierung der Schule nennt er als Beispiel. Nur in einzelnen Ortschaften habe es an der Bandbreite für den Online-Unterricht gefehlt. In der Verwaltung würde man jetzt nachziehen. Und wegen der Übermittlung per Fax meint Bauer: Man sei sehr früh fertig gewesen und habe sofort gefaxt – das müsse man, das sei Vorschrift. Das Fax sei wohl im Landratsamt verlorengegangen, dann habe man auf Anforderung nochmals gefaxt. Ludwig stellt richtig: Sie habe sich im LRA erkundigt, alle anderen Gemeinden hätten andere legale Übermittlungswege gewählt.
19:30: Frage an Bauer: Welche politische Entscheidung war schlecht und würden Sie gerne rückgängig machen?
Bauer fällt zu dieser Frage nichts ein. Ludwig: „Also alles gut?“. Nicken.

19:35: Fragerunde an Schmitt:
Keine politische Erfahrung, keine Verwaltungserfahrung? Als Trainer sei er es gewohnt, sich auf neue Voraussetzungen einzustellen. Er kehrt die Kritik um: Das sei seine Stärke.
Warum sind 16 Jahre Michael Bauer genug? Nach 16 Jahren sei zuviel Routine eingekehrt, ein neuer Kopf, neue Ideen könnten helfen, z.B. bei der Mariannenstraße. „Ich sehe viele Punkte, wo man was anfangen könnte.“
Schmitts drei Topthemen für den Beginn der Amtszeit?
– mit den Teilorten ins Gespräch kommen und ihnen mehr Autonomie geben. Ein Budget für kleinere Entscheidungen innerhalb der Teilorte sei möglich, darüber habe er sich erkundigt.
– Einarbeitung
– Anpacken von Dingen, die leicht lösbar sind. Er habe ja gesehen, dass sein Wahlkampf Wirkung zeigt: Die Tische im Stadtpark seien plötzlich sauber.
Was passiert, wenn im Rathaus jemand wichtiges ausfällt? Schmitt will auch personelle Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, wie es ja kocherabwärts bereits praktiziert werde, „aber das geht nur mit einem Bürgermeister, der …“ Spontaner Beifall.
Kleine lustige Panne: Die Uhr ist ausgefallen 😉
19:40 Thema: Grosskläranlage und interkommunale Zusammenarbeit:
Bauer schiebt das Scheitern der grossen Kläranlage auf die Gemeinden unterhalb am Kocher. Ihm wären zwei kleinere Kläranlagen in einem Zweckverband lieber gewesen. Er betont: „Ingelfingen wird kein Nachteil entstehen.“
Über Probleme in der Zusammenarbeit der Gemeinden: „ich sehe da keine Probleme“.
Schmitt: Vielleicht gibt’s noch Chancen, das Thema nochmal anzugehen, das LRA hat ja noch nichts genehmigt. Schmitt will durch interkommunale Zusammenarbeit Synergien erzielen, auch personell. Sowohl die Zusammenarbeit mit Künzelsau als auch mit den Kochertalgemeinden, wo das schon praktiziert wird, sei für ihn denkbar.
19:50: Thema Innenentwicklung, Mariannenvorstadt und Kleingewerbe.
Bauer: Verkehrsplaner hatten damals die Einbahnregelung vorgeschlagen. Planer hatte prognostiziert, dass dann die Kaufkraft ansteigt – das ist nicht passiert. Bauer schließt daraus: „Die Bürger sind mit ihrem Einkaufsverhalten natürlich verantwortlich, was passiert.“
Rückfrage: 3 Jahre Ruhe in Mariannenstraße. Es kommt der Eindruck auf, dass nichts mehr getan wird?
Bauer: „Man muss auch Mal Ruhe einkehren lassen. Ich hätte mir auch vom Gemeinderat mehr Vorschläge erwartet.“
Dazu Schmitt: „Drei Jahre Ruhe reinbringen, halte ich für zu lang.“ Es gebe viele Möglichkeiten, Fördergelder für Verkehrsberuhigung und Innnenstadtbelebung zu bekommen. „Es gibt keinen Grund, nicht sofort zu beginnen.“ Konkret schlägt er vor, von städtischer Seite Unterstützung bei der Nachfolgefindung für Ladeninhaber zu geben, die bald in Rente gehen. Die Innenstadt will er durch „Verweilmöglichkeiten“ beleben, beispielsweise durch eine Eisdiele, ein Café oder ähnliches.
19:55: Tourismus:
Schmitt: „Es fehlt ein Highlight, weswegen an gezielt nach Ingelfingen kommt.“ Kunst und Kultur fehlen fast völlig. Schmitt verweist auf eigene Erfahrung in diesem Bereich [er war Inhaber einer Galerie, Red.].
Bauer: Ingelfingen habe die beste Gastronomie und die besten Übernachtungszahlen weit und breit [Gelächter]. Er will den Tourismus nicht auf Ingelfingen beziehen, sondern kreisweit betrachten. Relativiert seine erste Aussage, indem er sagt, dass eine hohe Zahl von Übernachtungen betrieblich und nicht touristisch motiviert sind.
Was wird unternommen, um Ingelfingen für alle Altersgruppen kulturell zu beleben?
Bauer: Man kann immer mehr machen, aber da sind die Vereine gefordert, das kann die Stadt nicht alleine stemmen. Wenn jemand Ideen hat, der kann kommen.
Schmitt: „für alle Altersgruppen“ ist wichtig, regt technisch orientierten Wasserspielplatz mit Unterstützung der Firmen an. Kinder spielen am Wasser, Eltern trinken nebenan einen Kaffee oder können ein Eis essen.
20:00 „Klimaschutz – wie stellen Sie sich die Umsetzung vor?“
Schmitt: „Photovoltaik ist ein Schritt, aber nicht alles.“ Er verweist auf das Klimaschutzkonzept des Kreises: „Das hat 42 Punkte – für Kommunen, Wirtschaft und Bürger. Der wichtigste Punkt: Die Kommunen sollen das Vorbild sein.“ Warum nicht als Vorbild Freiflächen-PV?
Konkrete Frage an Bauer: Warum bisher keine städtischen PV-Dächer? Das sei bisher finanziell nicht leistbar gewesen, jetzt gebe es aber dank des neuene EEG-Gesetzes neue Fördermöglichkieten. „Wir werden was tun“ – natürlich unter der Voraussetzung, dass der Gemeinderat zustimmt. PV-Anlagen in Weinbergen will er nicht: „Das verändert die Kulturlandschaft.“
Ob er ein persönliches Vorzeigeprojekt zum Klimaschutz habe? Ja, dass die Sporthalle mit Geothermie und die Schule mit einem Blockheizkraftwek beheizt würde.
Thema: Gewerbeflächen und Wohnbau:
Schmitt: Warum steht das Gewerbegebiet in Stachenhausen schon so lange still? Die Gemeinde soll in Vorleistung gehen und nicht warten, dass genug Gewerbe zusammenkommt. Ähnlich sieht er das im Bereich Wohnbau: Jetzt gebe es plötzlich Neubaugebiete, warum vorher mehrere Jahre nichts?
Bauer: In Stachenhausen jetzt geologische Untersuchungen fertig, „das ist am Werden“. Nach vielen größeren Projekten seien jetzt Kapazitäten frei, dass man Wohnungsbau in Angriff nehmen kann.
20:10: Die Moderatoren lassen eine Abstimmung mit den Füssen durchführen – das Publikum soll für seinen Kandidaten trampeln. Dsa Stimmungsbild nach Lautstärke: Ungefähr gleichstark. Es ist aber eindeutig eine Grüppchenbildung in der Halle zu hören – die Anhänger der Kandidaten sitzen beieinander.
20:12: Die Moderatoren nennne den Kandidaten einen Teilort und erwarten ein Projekt: Bei Eberstal stockt Bauer, in Diebach ist sein erstes Projekt der Dank an die Wähler. Schmitt will in Dörrenzimmern erstmal das Vertrauen der Bürger wiederherstellen. In dieser Runde verliert auch Schmitt einmal den Faden.
20:15: Umgang mit dem Gemeinderat, Samstagssitzung des Gemeinderats:
Bauer betont, dass er die nächste Sitzung bewußt am Samstag angesetzt hat, damit man ihm nicht vorwerfen kann, er wollte Themen erst nach der Wahl besprechen. Schmitt will mehr demokratische Mitwirkung bei der Auswahl der Themen im Gemeinderat und will durch frühzeitige Information den Gemeinderät:innen mehr Zeit zur inhaltlichen Auseinandersetzung geben.
20:20 Nochmals Bürgerfragen:
Warum hat Ingelfingen keinen Fahrdienst für Senioren?
Bauer: in Zusammenarbeit mit dem Seniorenrat zurückgestellt.
Schmitt: Andere Verkehrsthemen, Buslinien oder Haltestellen, sind unmittelbarer.
Frage an Schmitt: Angebote für Jugendliche, was kann Ingelfingen für 12-18 anbieten?
„Die Jugendlichen haben Ideen en masse“, Bikerpark, „Affenkäfig“ sind Vorschläge, die er bereits erhalten hat.
Frage an Bauer: Warum so viel Fluktuation im Gemeinderat. Wegen autoritären Führungsstils? Er sieht keine große Fluktuation, kann sich an zwei Personen erinnern, die den GR verlassen hätten. „Dass ich von oben herab regieren würde, sehe ich nicht. Alle werden gleich behandelt, egal wer es ist.“
Altersgerechte Spielgeräte für alle Altersgruppen, konkret für die Kleinsten im Alter von ein bis zwei Jahren:
Bauer antwortet erstmal auf einen Vorwurf, der nicht erhoben wurde: „Unsere Spielplätze sind in einem guten Zustand, diese Vorwurf lasse ich nicht gelten.“ Kleinkindschaukeln für die Jüngsten seien bestellt. Er ergänzt: „Wenn irgendwas ist, lassen Sie’s mich wissen. Ich kann nichts tun, wenn ich’s nicht weiss“.
Letztes Thema: Bildung und Schule, an Schmitt: Er will die Bildungmöglichkeiten vor Ort ausbauen, im Raum stehe ja, dass man in Ingelfingen auch Abitur machen kann. Die derzeitige Situation mit Schulwechsel nach Künzelsau sei suboptimal.
Letzte Frage an Bauer: Er widerspricht einer Bürgerfrage, nach der er im letzten Jahr gesagt haben soll, keine Lust aufs Amt zu haben und nicht mehr kandidieren zu wollen. Er hoffe, am 8. Mai gewählt zu werden.
ein letztes Stimmungsbild fragen die Moderatoren ab, bevor sie das Forum schließen: Das Forum hat den Menschen gefallen, keiner der Zuschauer will seine Meinung durch die Vorstellung geändert haben.
Armin Rössler und tamara Ludwig stellen fest, dass es am Sonntag wohl eng wird und beendet die Veranstaltung. Nicht alle gehen unmittelbar nach Hause – im Saal und vor der Stadthalle stehen die Menschn in Gruppen beoieinander und lassen die Veranstaltung Revue passieren.
Vor Ort: Matthias Lauterer