„Ich bin der Mann. Ich verdiene das Geld. Du bist die Frau. Du gehörst ins Haus, in die Küche und zu den Kindern“
„Ich bin der Mann. Ich verdiene das Geld. Du bist die Frau. Du gehörst ins Haus, in die Küche und zu den Kindern.“ Der dumme August, Zirkusclown von Beruf, hat eine klare Vorstellung von männlicher und weiblicher Rollenverteilung im Alltag. In Ottfried Preußlers 1972 erschienenem Kinderbuchklassiker „Die dumme Augustine“ erfährt August, im wahrsten Sinne des Wortes schmerzlich, dass seine Frau weit mehr Fähigkeiten hat, als er ihr bisher zugeschrieben hat. Nun haben sich die Burgfestspiele Jagsthausen das Kinderstück in dieser Saison auf die Fahnen geschrieben. GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi war bei der Premiere dabei.
Der Clown hat Zahnschmerzen
Augustine (Sarah Kattih) träumt schon seit langem davon, in der Manege zu stehen und das Publikum zum Lachen zu bringen. „Bravo, Augustine!“, schallt es in ihren Träumen, während die tosende Menge Beifall klatscht. Ihr Mann August (Sebastian Faust) ist allerdings nicht besonders begeistert von dem Gedanken, dass seine Frau berufstätig sein könne. Sie habe doch genug mit dem Haushalt und ihrem gemeinsamen Sohn Guggo (Björn Luithardt) zu tun. So hat sich für Augustine der Traum der Karriere im Zirkus erst einmal ausgeträumt – bis ihr Gatte eines Tages mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt muss. Der Zirkusdirektor (dargestellt durch eine liebevoll in Handarbeit gefertigte Puppe der Puppenbauer Robert Buschbacher und Oliver Köhler) ruft August aus und wartet, zunehmend nervöser, auf den Auftritt des Clowns. Hier kommt Augustine zum Zug. Sie springt kurzerhand für ihren Mann ein und rettet die Vorstellung. Das Publikum, der Zirkusdirektor, der dumme August und vor allem die Akteurin sind hellauf begeistert.
Nachdem der dumme August den anfänglichen Schock über das Engagement seiner Frau verdaut hat, gibt er zu: „Manchmal sagt man Blödsinn, auch wenn er nicht so gemeint war“ und schlägt vor: „Wir werden uns die Arbeit teilen. Du hilfst mir im Zirkus und ich helfe Dir im Haushalt.“
Eva Hosemann, künstlerische Leiterin der Burgfestspiele, erklärt: „Nach wie vor ist die Fragestellung: ‚Wer macht was und vor allem wer macht was für die Familie?‘ aktuell. Besonders im ländlichen Raum, wo es noch weniger Kitas gibt, ist das ein großes Thema. Wenn der Kindergarten um 12 Uhr schließt und man zum Mittagessen schon wieder die Kinder Zuhause hat, ist es eben meistens die Frau, die Zuhause bleibt und sich um die Familie kümmert.“
Auf dem Land sind die alten Rollenbilder in jedem Fall noch ein Thema
Besucherin Rebecca Collins teilt Hosemanns Ansicht: „Die alltägliche Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau ist auf jeden Fall noch ein Thema. Ich finde es wichtig, dass dieses Thema angesprochen wird.“ Darauf, dass Aufgabenteilung, wenn auch wie in Augustines Fall auf den zweiten Blick, möglich ist und es das Zusammenleben in jeder Hinsicht bereichert, wenn jeder das macht, was ihn oder sie erfüllt, weist diese Inszenierung auf spielerische und natürliche Weise hin.
Mut, groß zu träumen
Und Augustines Selbstvertrauen, ihr Mut, groß zu träumen und ihre Zielstrebigkeit haben ihr schlussendlich nicht nur die Anerkennung ihres Mannes und der Zirkusgäste eingebracht, sondern auch das Staunen und die Begeisterung des Jagsthausener Publikums: ‚Ahhs‘ und ‚Ohhs‘ untermalt von schallendem Kinderlachen. Von den Kindern gibt es für die Jagsthausener Inszenierung der „dumme(n) Augustine“ auf jeden Fall tosenden Beifall und auch den großen Kindern im Publikum steht das Entzücken ins Gesicht geschrieben.
Text: Priscilla Dekorsi


















