Seit dem Start des 9-Euro-Tickets fährt unser GSCHWÄTZ_Redakteur kreuz und quer durch das Ländle, um den öffentlichen Nahverkehr zu testen.
Eine kurze 9€-Ticket-Reise war es diesmal. Es ging einfach nur von Künzelsau mit dem NVH-Bus nach Schwäbisch-Hall. Aber auch eine kurze Busfahrt von etwas mehr als einer halben Stunde kann erlebnisreich sein.
35 Minuten – nicht viel länger als mit dem Auto

Am Bussteig 5 ist der SpaceBus nach Andromeda gelandet. Das 9€-Ticket gilt im SpaceBus nicht! Foto: GSCHWÄTZ
Gut 35 Minuten benötigt der Bus vom Künzelsauer Bahnhof zum ZOB in Schwäbisch-Hall – viel weniger Zeit benötigt man mit dem Auto auch nicht von Parkplatz zu Parkplatz. Voll war der Bus außerhalb der Stoßzeiten nicht. Allerdings ist das Auto bequemer – die Sitze des Busses sind eher für Menschen mit kleineren Konfektionsgrößen dimensioniert.
Es wird geratscht
Die Enge wird aber kompensiert durch den Unterhaltungsfaktor. Die Menschen reden im Bus miteinander und wenn eine Gruppe auf den Vierersitzen beisammen sitzt und ratscht, dann erfahren auch die Mitfahrer so Einiges über ihre Mitmenschen. Vielleicht ist sogar das ein oder andere dabei, was die Menschen, über die geredet wird, selber noch gar nicht über sich wissen. Da Hohenlohe klein ist, ahnt man schnell, um wen es geht.
Eine Busfahrgemeinschaft hält zusammen
Und dann war da noch … der Mann, der ohne Maske in den Bus einsteigen wollte. Nicht etwa, weil er ein politisches Statement setzen wollte – er hatte die Maske einfach vergessen. Er hätte sogar auf der Stelle eine Maske beim Fahrer gekauft, aber dieser Service ist wohl nicht vorgesehen. Aber noch bevor er den Bus wieder verlassen mußte, hielt ihm eine Mitfahrerin eine frische Maske hin. Es geht doch nichts über Hilfsbereitschaft.
Der Preis
Die Einzelfahrt von Künzelsau nach Schwäbisch Hall kostet 6 Euro. Wir waren zu zweit unterwegs, hätten also hin und zurück im Einzeltarif 24 Euro bezahlt. Das ist bereits mehr, als die Autofahrt inklusive Parkgebühr kostet und mit jedem weiteren Mitfahrer wird die Fahrt mit dem Bus teurer. Das Tagesticket für diese Strecke kostet für zwei Personen 20,60 Euro und damit ungefähr gleichviel wie die Fahrt mit dem Auto.
Ein Anreiz, das vorhandene Familienauto stehenzulassen und einfach spontan auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, ist dieser Preis wirklich nicht – dazu hat das Auto den Vorteil, dass man mit vier Personen fahren kann, seine Einkäufe bequem im Kofferraum unterbringen kann und nicht auf einen Fahrplan angewiesen ist.
Politik muss handeln
Es gibt Menschen, die sich so eine Fahrt gar nicht leisten können.
Die Politik muss hier dringend eingreifen, wenn die geforderte Verkehrswende nicht nur eine leere Worthülse sein soll.
Die Verkehrsunternehmen können die Preise nur in einem engen Korsett anpassen, sie sind an gesetzliche Vorgaben gebunden, die nur die Landesregierung anpassen kann.
Dazu müßte sich die Politik zuallererst für die Meinung und die Anregungen der Menschen, die den Nahverkehr wegen des 9€-Tickets ausprobieren, interessieren. Bisher zeigt Verkehrsminister Winfried Hermann (GRÜNE) dieses Interesse nicht.
Text: Matthias Lauterer