Mit einem Umsatzplus von 9,9 Prozent auf 2,288 Mrd. Euro meldet das Mulfinger Unternehmen ebm-papst im Geschäftsjahr 2021/22, das am 31. März 2022 endete, einen Rekordumsatz. Die Anzahl der Beschäftigten im Gesamtunternehemen stieg um 283 auf 14.778, in Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten um 87 auf 6578. Das vermeldet das Unternehmen auf seiner
Weiterhin hohe Nachfrage – die teils nicht bedient werden kann
Die Nachfrage nach Produkten von ebm-papst ist und bleibt hoch: „Trotz großer Anstrengungen und Flexibilität auf allen Arbeitsebenen – insbesondere durch den globalen Kampf um elektronische Bauteile – (…) gelang es uns nicht, die enormen Marktbedarfe und Nachfragen nach unseren energieeffizienten Lösungen vollständig zu bedienen“, stellt Dr.Klaus Geißendörfer, CEO der ebm-papst-Gruppe, fest. Daher will die Gruppe ihre Fertigungskapazitäten in USA und China im aktuellen Geschäftsjahr erhöhen.
Moderates Umsatzwachstum geplant
Ein Umsatzziel für das neue Geschäftsjahr nennt das Unternehmen nicht: „Eine verlässliche Umsatzprognose lässt sich aufgrund der aktuellen weltpolitischen und wirtschaftlichen Situation derzeit nicht treffen.“ Man plant mit einem „moderaten Umsatzwachstum“.

Produktion bei ebm-papst. Foto: ebm-papst / Philipp Reinhard
Schwerpunkte Forschung und Entwicklung und Organisation
Der allgemein unsicheren Lage auf den Märkten will ebm durch eine Stärkung von Forschung und Entwicklung sowie der Unternehmensorganisation entgegenwirken: „ebm–papst ist weltweit gut aufgestellt und besitzt in seinen Märkten großes Potential“, so Geißdörfer. „Um nachhaltig erfolgreich und fit für die Zukunft zu sein, haben wir unser Programm „Gemeinsam Zukunft machen“ gestartet. Hiermit schaffen wir die Voraussetzungen für weiteres Wachstum, beschleunigen die internationale und vernetzte Ausrichtung unserer Organisation, schärfen unsere aktuellen Geschäftsfelder, vereinheitlichen globale Prozesse und schaffen das Fundament einer gemeinsamen Systemlandschaft.
Megatrends Digitalisierung und Klimaneutralität
Dadurch können wir mittelfristig unser Produkt– und Serviceangebot für unsere Kunden erweitern und uns auf langfristiges und nachhaltiges Wachstum ausrichten. Unser klarer Fokus liegt auf den Megatrends Digitalisierung und Klimaneutralität.“
130 Millionen für Forschung und Entwicklung – ebm-papst positioniert sich als Klimaschutzunternehmen
„Rund 130 Mio. Euro werden in den Forschungs– und Entwicklungsbereich fließen, um insbesondere die Ressourceneffizienz des gesamten Produktportfolios weiter zu erhöhen. Damit zahlt ebm–papst auf die weltweiten Klimaziele ein und unterstreicht seine Rolle als Klimaschutzunternehmen.“
„In Summe plant ebm–papst mit Investitionen von 155 Mio. EURO (+ 10%) und forciert damit
den Ausbau seines „local for local“ Initiative zur weiteren Stärkung und zur Erhöhung der Eigenständigkeit seiner Regionen Asien, Europa und Nordamerika.“
Traditionell keine Aussage über die Ertragslage

Preisentwicklung eines viel verwendeten Kunststoffs. Quelle: plasticker.de
Die reine Umsatzentwicklung sagt nichts über die Ertragslage des Unternehmens aus. In einer Zeit, wo Rohstoffpreise starken Preisschwankungen und vor allem Preissteigerungen ausgesetzt sind, kann man aus den Umsatzzahlen allein wenig ableiten, denn ein gewisser Teil der Umsatzsteigerungen sind reine Preis- und Inflationseffekte und nicht durch erhöhte Verkäufe bedingt. So entwickelte sich der Kupferpreis mit deutlichen Schwankungen von 7,57 €/kg am 01.03.2021 über in der Spitze 8,69€/kg (+14,8%) auf 8,25€/kg (+10,9%) am 01.03.2022 – inzwischen ist er weiter deutlich gestiegen.
Preissteigerung bei Rohstoffen
Spätestens bei einer Neuverhandlung langfristiger Lieferkontrakte wird diese Entwicklung auch für ebm-papst deutlich sichtbar werden. Über die Preisentwicklung der Rohstoffe und wie die Preise den Umsatz beeinflusst haben, sagt die Pressmitteilung von ebm-papst nichts.
Über die Ertragssituation macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. „In den Geschäftsfeldern Automotive und industrielle Antriebstechnik“, so die Pressemitteilung von ebm-papst, „dagegen wuchs der Umsatz nur leicht um + 3,8% auf 338,6 Mio. EURO (Vorjahr: 326,1 Mio. EURO). Dieser Bereich steht unter dem Einfluss des Wandels in der Automobiltechnik und eines steigenden Automatisierungsgrads in der Industrie.“ Damit dürfte sich die Ertragslage diese Geschäftsfelder nicht positiv entwickelt haben, ein Indiz dafür: Für das Tochterunternehmen ebm–papst St. Georgen mit den Marktsegmenten Automobil, Antriebstechnik und Kompaktlüfter wird ein Umsatzplus von 5,6% gemeldet, aber auch: „An den Standorten in St. Georgen, Herbolzheim und Lauf (bei Nürnberg)beschäftigt das Unternehmen zum Ende des Geschäftsjahres 1.579 Mitarbeitende (Vorjahr: 1.679 / – 6,0 %)“, also 100 Mitarbeitende weniger als im Vorjahr.
Große Aufgaben stehen bevor
Aus den veröffentlichten Geschäftsdaten ist ersichtlich, dass Dr. Klaus Geißdörfer und ebm-papst im neuen Geschäftsjahr vor großen Aufgaben stehen werden: Die Konsolidierung der Geschäftsprozesse und Vernetzung der internationalen Organisation, während das Marktumfeld kaum kalkulierbar ist, dazu hohe Investitionen in die Fertigungskapazität und Forschung und Entwicklung und damit verbundene Neueinführung von Produkten und Prozessen – damit hat sich das Unternehmen viel vorgenommen.
Text: Matthias Lauterer