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Immer noch Disharmonie in der alten Harmonie

Schon mehrfach mußte GSCHWÄTZ über das Altenheim Alte Harmonie in Kocherstetten berichten. Erst fühlten sich Mitarbeiter bespitzelt (die strafrechtlichen Ermittlungen hierzu wurden eingestellt), dann ging es um Abmahnungen von Internet-Rezensionen und zuletzt um eine Begehung der Einrichtung durch eine Gruppe hochrangiger Beamter von der Stadt Künzelsau und dem Landratsamt des Hohenlohekreises.

Stadt Künzelsau und der Hohenlohekreis tun sich allerdings sehr schwer mit Auskünften über das Ergebnis der Begehung des Altenheims Alte Harmonie in Kocherstetten (GSCHWÄTZ berichtete). Außer dass es Auflagen gab, wollen die Behörden nichts sagen. Sie berufen sich auf die Interessen des Betreibers, die zu schützen seien.

Gemeinwohl überwiegt hier die Interessen des Betreibers

Dabei ist wohl eher das Gegenteil richtig: Das Gemeinwohl, das öffentliche Interesse, dürfte an dieser Stelle Vorrang vor den Interessen der Betreibergesellschaft haben. Schließlich geht es an dieser Stelle um alte Menschen, die sich nicht mehr selber helfen können und um Angehörige, die in einer emotionalen Notlage sind: Wer seine Angehörigen in pflegerische Obhut gibt, der will vorab sicher sein, dass sie würdevoll leben können, pflegerisch in guten Händen, sicher und behütet sind. Das ist oft das Letzte, was die Familie für die alten Menschen tun kann. Es können also die Interessen von fast jedem betroffen sein – denn auf fast jeden kann die Situation zukommen, einen Angehörigen in ein Pflegeheim geben zu müssen.

Sicherheitsmängel

Gerade mit der Sicherheit soll es aber in der alten Harmonie nicht zum Besten stehen – das jedenfalls sagt eine umfangreiche Mängelliste, die GSCHWÄTZ vorliegt und die möglicherweise auch der Anlass zur hochrangig besetzten Begehung durch die Stadt Künzelsau und das Landratsamt geführt hat. Soviel geben die Ämter nämlich preis: Es liegt ihnen eine Anzeige vor, aufgrund der die Begehung angesetzt wurde.

GSCHWÄTZ liegt eine detaillierte Liste mit Mängeln vor, die eine Person in der Einrichtung festgestellt hat. Einige der Punkte auf dieser Mängelliste wurden GSCHWÄTZ inzwischen von einer weiteren Quelle, die nicht genannt werden will, verifiziert, insbesondere sind dies Mängel aus dem Bereich des Brandschutzes. Ob die Mängel zwischenzeitlich behoben sind, ist nicht bekannt, dazu wollen sich weder Ämter noch die Betreiber des Heimes äußern. Die Betreiber des Heims haben auf Anfragen überhaupt nicht reagiert. Die von unterschiedlichen Quellen bestätigten Mängel sind:

  • Zum Zeitpunkt, als die Mängelliste erstellt wurde, waren Erdgeschossfenster, die als Fluchtweg deklariert sind, teilweise abgeschlossen und für die Bewohner:innen nicht zu öffnen.
  • Die Flucht durch das Fenster wäre für die Bewohner:innen ohnehin nicht ungefährlich gewesen, da Elektroheizungen vor den Fenstern plaziert waren, die nicht kippgesichert waren.
  • Der Haupteingang war zu diesem Zeitpunkt nachts verschlossen und von innen nur mit einem Schlüssel zu öffnen – darüber, wo sich der Schlüssel befand, differieren die Informationen. Bewohner:innen, die im Brandfall selbständig das Haus verlassen wollten, hätten das also nicht einfach über den Haupteingang tun können. Das Öffnen der Haustür kann also nur durch eine Pflegekraft erfolgen.
  • Nachts sei aber, so übereinstimmende Informationen, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, nur eine Pflegekraft im Haus anwesend gewesen – und die habe beispielsweise auch im Keller zu tun.
  • Mindestens eine Feuerschutztür war nicht funktionsfähig, da sie mit einem Keil offengehalten wurde, obwohl ein großes Schild sagt: „Brandschutztür geschlossen halten“.

Dass die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen in einem Heim mit Bewohner:innen, die teils bettlägerig sind, besonders wichtig ist, zeigt die Tatsache, dass es auf dem Gelände Ende 2021 tatsächlich gebrannt hat.

Auch im Außenbereich nennt die Liste Sicherheitsmängel

  • So hat beispielsweise der Teich im Garten keine Absturzsicherung.
  • Auch waren Fluchtwege außerhalb des Gebäudes zugestellt. Davon konnte sich GSCHWÄTZ selbst ein Bild machen. Später konnte sich GSCHWÄTZ aber auch davon überzeugen, dass einige dieser Fluchtwege wieder frei waren.

Da sich sowohl die Betreiber der Einrichtung als auch die Behörden nicht über die Mängel, die Auflagen und die Erfüllung der Auflagen äußern, ist nicht klar, ob die genannten Mängel noch bestehen oder zwischenzeitlich behoben sind.

Pflegebetten ordnungsgemäß geprüft?

Pflegebetten sind das letzte Refugium eines alten Menschen, in manchen Fällen ist das Aufstellen der Rückenlehne der letzte Rest von Selbstbestimmung und Würde. Außerdem muß das Bett gegen Herausfallen schützen, ohne den Patienten in seiner Freiheit zu beeinträchtigen. Die Sicherheit der elektrischen Einrichtungen ist besonders wichtig: Bereits ein abgeknicktes Kabel kann nach einiger Zeit zu einem Matratzenbrand führen. Pflegefachmann Sascha Faber hat dieses Thema im GSCHWÄTZ-Video-Interview ausführlich besprochen.

Prüfsiegel an einem Bett der Einrichtung, aufgenommen im Jahr 2022 . Foto: privat

Aus diesen Gründen sehen die gesetzlichen Regelungen eine wiederkehrende Prüfung der Pflegebetten, insbesondere deren elektrischen Anlagen, vor – wie übrigens bei jedem ortsveränderlichen Elektrogerät im Pflegezimmer, von der Mehrfachsteckdose bis zum Radio. Die wiederkehrenden Prüfungen an Pflegebetten dürfen nach Medizinproduktgesetz (MPG) oder die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) nur durch qualifizierte Personen, die die Voraussetzungen nach §4 MPBetreibV erfüllen, durchgeführt werden. Diese Anforderungen sind höher als für die Elektrofachkräfte, die die Prüfung ortsveränderlicher Elektrogeräte durchführen.

An der ordnungsgemäßen Wartung und Prüfung der Pflegebetten bestehen laut Mängelliste und weiteren Informationen Zweifel.

Betreiber reagieren sehr sensibel

Auch wenn die Betreiber des Altenheims sich gegenüber GSCHWÄTZ nicht äußern wollen, scheinen sie dennoch sensibilisiert zu sein. Als sich der GSCHWÄTZ-Reporter vom Fortschritt der Räumung der Fluchtwege überzeugen wollte, wurde er anschließend von einem Auto, das vorher vor dem Heim abgestellt war, durch Kocherstetten verfolgt und aus dem fahrenden Wagen von dessen Fahrer mit dem Handy fotografiert.

Text: Matthias Lauterer




Elf Kommunen legen gemeinsam Bodenrichtwerte im Rahmen der Grundsteuerreform fest

Vertreter von elf Kommunen haben am 22. Juni 2022 gemeinsam neue Bodenrichtwerte für alle ihre Gemeindegebiete festgelegt. Im Künzelsauer Rathaus sind die Mitglieder des Gemeinsamen Gutachterausschuss (GGA) zusammengekommen: Künzelsau, Schöntal, Krautheim, Dörzbach, Mulfingen, Forchtenberg, Weißbach, Niedernhall, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg. Am 1. Januar 2021 hat der Ausschuss seine Tätigkeit aufgenommen und jetzt für die vom Gesetzgeber beschlossene Grundsteuerreform erforderlichen Bodenrichtwerte festgesetzt.

Es wurden insgesamt 860 neue Bodenrichtwertzonen gebildet und die dazu passenden Werte festgelegt. Der GAA hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2022 die Bodenrichtwerte formal für alle beteiligten Kommunen zum Stichtag 1. Januar 2022 beschlossen.

„Jetzt ist es ein ‚Wir‘“

„Trotz der enormen Arbeit haben wir zusammen mit den Gutachtern und den jeweiligen Kommunen das Ziel erreicht“, so Anja Zinsler, die Leiterin der Geschäftsstelle des Gemeinsamen Gutachterausschusses, der seinen Sitz im Künzelsauer Rathaus hat. „Jetzt ist es ein ‚Wir‘“, sagt sie mit Blick auf die Festlegung der Bodenrichtwerte. Jeder einzelne Wert wurde mit den Vertretern aller Mitgliedskommunen besprochen und beschlossen. Somit ist sichergestellt, dass jede Zone den passenden Richtwert erhalten hat.

Bodenrichtwert = Lagewert

Die Bodenrichtwerte stellen durchschnittliche Lagewerte für den Boden unter Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungszustandes dar. Diese wurden aus der Kaufpreissammlung des GGA unter Berücksichtigung der neuen Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2021) abgeleitet.

Gemäß 196 BauGB, Absatz 1, Satz 5 in Verbindung mit der Gutachterausschussverordnung vom 11. Dezember 1989, geändert am 15. Februar 2005 und der Novellierung vom 11. Oktober 2017 wurden in der Sitzung am 22. Juni 2022 die Bodenrichtwerte für alle beteiligten Kommunen zum Stichtag 1. Januar 2022 beschlossen.

Wo sind die Bodenrichtwerte zu finden?

Die aktuellen Bodenrichtwerte für die Grundsteuer können ab sofort auf der Homepage der Stadt Künzelsau unter http://www.kuenzelsau.de/gutachterausschuss oder im Bodenrichtwertportal des Landes Baden-Württemberg unter http://www.gutachterausschuesse-bw.de ab 1. Juli 2022 eingesehen werden.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

 




Querdenken-Gründer Michael Ballweg in Untersuchungshaft

Vor 18 Monaten noch war Michael Ballweg die Symbolfigur, das Gesicht, der von ihm gegründeten Querdenker-Bewegung. Er war am 13. Dezember 2020 zusammen mit Bodo Schiffmann, damals Arzt in Sinsheim, Stargast auf einer gut esuchten Querdenker-Demonstration in Öhringen, wo er auch GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi ein Interview gab.

Doch nicht „Baldweg“: Ballweg in Untersuchungshaft

Am 29. Juni wurde Michael Ballweg nach einer Hausdurchsuchung vorläufig festgenommen, danach dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft verhängte. Jetzt sitzt er im Untersuchungsgefängnis. Ermittlungen gibt es auch gegen eine weitere Person, die aber auf freiem Fuß ist. Insider sind sich sicher, dass es sich dabei um seine Frau handelt. Die Staatsanwaltschaft wirft Ballweg Betrug an Menschen, die ihm Geld gespendet bzw. geschenkt haben, vor. Um etwa 600.000 Euro soll es sich dabei handeln. Hinzu kommt der Vorwurf der Geldwäsche, ebenfalls im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich. Als Grund für die Untersuchungshaft wird Fluchtgefahr genannt. In der Tat wurde in einschlägigen Telegram-Gruppen davon gemunkelt, dass Michael Ballweg die Bundesrepublik verlassen wollte – wie es einige andere Gesichter der Querdenker- und der Coronaleugner-Bewegung bereits getan haben. Er wurde daher im Internet gerne mit dem Spitznamen „Baldweg“ bedacht. Ballwegs damaliger Mitstreiter Bodo Schiffmann wendet sich inzwischen – so behauptet er es jedenfalls – übers Internet aus Tansania an seine Anhänger.

Bodo Schiffmann, Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Der Weg des Michael Ballweg

Laut eigenen Aussagen hat Ballweg ein von ihm aufgebautes und bis dahin wohl gutgehendes Softwareunternehmen verkauft, um sich voll und ganz der Querdenken-Bewegung und einer politischen Karriere widmen zu können. Er kandidierte beispielsweise für das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters – und scheiterte mit 2,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang und 1,2 Prozent im zweiten Wahlgang. Allerdings gab es vor dem Unternehmensverkauf bereits Probleme mit mindestens einem großen und weltbekannten Kunden, der sich aufgrund des Querdenken-Engagements nicht mehr in der Referenzen-Liste auf der Homepage wiederfinden wollte.

Komplette Kehrtwende

War Ballweg anfangs noch ein Verfechter der Corona-Maßnahmen, änderte sich seine Meinung im Frühjahr 2020. Die erste größere Querdenken-Demonstration fand im April 2020 statt und zog ein breites Spektrum von Menschen an, die eines einte:  die Unzufriedenheit mit der oder speziell ihrer eigenen gesellschaftlichen Situation. Im Laufe der Zeit trafen sich auf diesen Demonstrationen immer mehr Menschen aus immer radikaleren Kreisen: unter anderem traten bekannte Namen aus Reichsbürger- und Selbstverwalterkreisen als Redner auf, aber auch Menschen mit bekannter rechtsextremistischer Vergangenheit und Vertreter christlicher und anderer religiöser Kleingruppen.

Aus unterschiedlichen Szenen bekannte enge Mitarbeiter

In Ballwegs engstem Mitarbeiterkreis befanden sich ein Scientologe, der wohl Unterstützung beim Aufbau der Organisation geben sollte. Der als „Schwäbischer Schamane“ bekannte Stephan Bergmann war längere Zeit Pressesprecher der Bewegung. Er wurde durch rassisitische und Hetzbeiträge im Internet bekannt.  Bergmann hat das Land verlassen und ist wohl nach Mexiko verzogen. Ein anderer früherer Mitarbeiter, der evangelikale Prediger Samuel Eckert, der eine Jugendorganisation aufbauen wollte, hat sich in die Schweiz zurückgezogen.

Dubiose Kontakte in die Reichsbürger-Szene

Die Rolle Ballwegs wurde mit der Zeit immer dubioser: Schon im Oktober und November 2020 traf er sich mehrfach mit dem selbsternannten „König von Deutschland“ Peter Fitzek – er soll sogar die „Staatsangehörigkeit“ in Fitzeks „Königreich Deutschland“ erworben haben und ein Konto bei Fitzeks sogenannter „Gemeinwohlkasse“ unterhalten haben. Eine Nähe zur Reichsbürgerszene bestritt Ballweg auch noch lange, nachdem tragfähige Belege dafür im Internet kursierten und Mitglieder der Querdenken-Bewegung ihn deswegen öffentlich angriffen. Die Gemeinwohlkasse wurde übrigens inzwischen von der Bankenaufsicht stillgelegt.

Spaltung der Bewegung

Diese Treffen führten auf der einen Seite zu einer Spaltung der Querdenker-Bewegung, andererseits dürften die Bewegung spätestes durch diese Treffen ins Visier der Sicherheitsbehörden gelangt sein. Ein weiterer Anlaß dafür, dass Ballweg den Behörden auffiel, war wohl der Würzburger Anwalt Chan-Jo Jun: Ballweg-Anhänger hatten die Abstimmung für den satirischen „Goldenen Aluhut“ verfälscht, worauf der Veranstalter die Abstimmung beendete. Ballweg wollte vor Gericht die Verleihung des Preises an ihn erzwingen, hatte jedoch nicht mit dem Anwalt Jun gerechnet: Dieser hatte nämlich festgestellt, dass es gar keine rechtliche Instanz der „Querdenker“ gibt, sie waren weder als Verein noch als Stiftung eingetragen. Er klagte daher auf die Feststellung, dass „Querdenken“ überhaupt nicht rechtsfähig sei und damit gar nicht klagen könne. Jun bezeichent das als ein „Eigentor“ der Querdenker – denn damit war auch das Finanzamt im Spiel, das spätestens jetzt durch die öffentliche Berichterstattung und durch Anzeigen aus der Bevölkerung von Ballweg erfuhr.

Spenden und Schenkungen auf persönliche Konten Ballwegs

Große Summen an Spenden wurden auf ein Konto – ob es sich dabei um ein „privates Konto“ oder um ein „Privatkundenkonto“ handelt, ist umstritten – das Michael Ballweg zuzuordnen war, eingezahlt. Nach dem Brand eines Veranstaltungsfahrzeugs vor einer Demonstration in Stuttgart forderte er erstmals in größerem Umfang zu Spenden auf – und es sollen innerhalb weniger Tage über 200.000 Euro zusammengekommen sein.

Unterstützugsaufruf von Querdenken-711. Foto: damalige Homepage von QD

Später forderte er seine Anhänger gezielt auf, ihm Geld nicht etwa zu spenden, sondern zu schenken – er gab sogar den Steuertipp, den Freibetrag von 19.999 Euro innerhalb von 10 Jahren, nicht zu überschreiten: Dann, so meinte Ballweg wohl, sei er von der Schenkungssteuer befreit. Der weitere Vorteil: Schenkungen sind üblicherweise nicht zweckgebunden. Eine Spendenquittung konnte er allerdings nicht ausstellen – wie auch ohne eine gemeinnützige Rechtsform? Die Schenkungen waren also von den Schenkern nicht steuerlich geltend zu machen.
Was Ballweg möglicherweise nicht bedacht hat: Banken sind auch bei Privatkunden verpflichtet, Geldwäscheverdacht zu melden. Geldwäscheverdacht besteht beispielsweise bei Zahlungen von mehr als 10.000 Euro – vor allem, wenn die Zahlungen gestückelt sind.

Auch Zahlungen in Bitcoin wurden übrigens angenommen – vielleicht ein weiterer Grund, warum der Haftrichter von Fluchtgefahr ausgeht.

Organisierte Einnahmenerzielung

Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass Ballweg durchaus organisiert Einnahmen auf ein Konto, das ihm persönlich zuzuordnen war, erzielen wollte. Auch soll er von lokalen Veranstaltern von Querdenker-Demonstrationen Geld gefordert haben, dass sie den Namen Querdenken benutzen dürfen – eine Art Lizenzgebühr oder Franchising-Fee.

Banken kündigen Querdenken-Konten

Mehrfach wurden die Kontenverbindungen geändert – die betroffenen Banken äußern sich selbstverständlich nicht zu den Gründen. Man kann aber durchaus spekulieren, dass Geldwäscheverdacht (Banken machen sich strafbar, wenn sie Geldwäsche nicht melden oder gar ermöglichen) oder die Tatsache, dass Ballweg immer wieder ein Konto als Privatkunde eröffnet hatte und mit der Verwendung des Kontos gegen die AGB verstoßen haben könnte, die Banken zu den Kündigungen veranlasste.

Das Geldwäschegesetz ist eine starke Waffe der Ermittlungsbehörden. Auch ein Shisha-Bar-Betreiber aus Öhringen flog nach einer Verdachtsmeldung seiner Bank auf: Er hatte Corona-Tests im Wert von etwa einer Million Euro abgerechnet, aber nicht durchgeführt.

Ballwegs Querdenken auf dem absteigenden Ast

Im Jahr 2021 ist eine zunehmende Zersplitterung der Gruppe, die bisher zusammenfassend als „Querdenker“ bezeichnet wurde, festzustellen – einzelne Protagonisten verschwanden ins Ausland, andere schoben sich in den einschlägigen Telegram- oder gettr-Umgebungen in den Vordergrund, nicht ohne ebenfalls regelrecht um Spenden zu betteln. Die weißen Shirts und Jacken, die Ballweg als Merchandise vertrieben hatte, sind auf derartigen – inzwischen sehr überschaubaren Veranstaltungen – kaum noch vertreten. Ballwegs „Querdenken“-Organisation scheint nicht mehr sehr aktiv zu sein – und auch Ballweg selbst trat bereits 2021 kaum noch öffentlich in Erscheinung, seit der Verußerung seiner Firma bezeichnet er sich als „Privatier“.

Von Geld sprach Ballweg in Öhringen nicht

Schon nach der Demonstration 2020 in Öhringen fragte GSCHWÄTZ nach der Rolle, die Ballweg wirklich spielt, einige Vorwürfe gegen ihn waren ja im Dezember 2020 bereits belegt oder waren als Gerücht im Gespräch. Damals erschien Ballweg noch souverän und lächelte die Vorwürfe weg. Er sprach von Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit – von Geld sprach er nicht.

Text: Matthias Lauterer




Beschuldigter hat im selben Haus wie das Opfer gelebt, hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet

Nun wird es konkreter, wen die Polizei ins Visier als Beschuldigter genommen hat, die Frau in Belsenberg getötet zu haben, die am 24. Mai 2022 von einem Anwohner gefunden wurde.

Seit dem 01. Juni 2022 sitzt der 24-Jährige in U-Haft. Der Haftbefehl lautet auf Totschlag. Das Motiv ist noch unklar. Auf die Frage, ob es sich um bei dem Verdächtigen um einen Hausbewohner handelt, der die Leiche auch gefunden hat und nach der Auffindung intensiv mit der Presse gesprochen hat, beantwortet Harald Lustig, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwäbisch Hall, die GSCHWÄTZ-Anfrage wie folgt: „Der Beschuldigte hat im selben Haus wie die Geschädigte gelebt; er hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet.“

Was der damalige Zeuge und heutiger Beschuldigter damals der Presse gesagt hat, sehen Sie im foglenden Video:

Leiche in Künzelsau-Belsenberg vermutlich 66-jährige Bewohnerin – SWR Aktuell

 




„Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“

97 Millionen Euro will Würth in Gaisbach für eine Erweiterung des Vertriebszentrums West in Gaisbach investieren. „Das ist der größte Logistik-Invest der WÜRTH-Gruppe“, sagt Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung, bei einem Gespräch aus Anlass des ersten Spatenstichs am 29. Juni 2022. Die Kapazität des bestehenden Vertriebszentrums wird verdoppelt, dafür sollen 200 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2024 geplant.

Thomas Wahl (l.) und Norbert Heckmann. Foto: GSCHWÄTZ

Schneller, konsolidierter und nachhaltiger will man in der WÜRTH-Logistik werden, um die Anforderungen der Kundenprozesse noch besser bedienen zu können. Und man will den Mitarbeitern modernste Arbeitsbedingungen bieten können.

Vertriebs- und Logistikdaten erzeugen Synergiene

„Neben dem Vertrieb ist die Logistik die Kernkompetenz, die der Kunde schätzt bei uns. Und da wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Thomas Wahl, Logistikleiter. Vor allem durch die digitale Verknüpfung und die intensive Nutzung der vorhandenen Daten will er einen Zusatznutzen kreieren: „Wir wissen manchmal mehr über den Kunden als er selbst“ sagt Wahl schmunzelnd und erläutert: „Wir sind in der Lage, offensiv auf den Kunden zuzugehen, zusammen mit dem Kunden logistische Konzepte zu erarbeiten, die beispielsweise bestimmte Liefertage festlegen. Dadurch können wir Sendungen konsolidieren. Das zahlt sich wirtschaftlich aus.“

Erster Spatenstich für die Erweiterung des Vertriebszentrums West. Foto: GSCHWÄTZ

Modernste Roboter und Softwaresysteme werden das Bild der WÜRTH-Logistik zukünftig bestimmen. Beispielsweise werden Verpackungsroboter eingesetzt werden, die die Kartons auf die Höhe des Inhalts zurechtschneiden. „Damit sparen wir Füllmaterial – ein Schritt zur Nachhaltigkeit“, so Wahl. Auch Greifroboter für die Lagerentnahme will er einsetzen. Ver- und Entpackroboter sind ohnehin bereits im Einsatz. Das dient unter anderem der Gesundheit der Mitarbeiter: „Wir versuchen, Laufwege der Mitarbeiter und das Heben oder Tragen zu vermeiden. Die Ware kommt zur Person, die Ware wird angedient“, blickt er in die Zukunft.

200 neue Arbeitsplätze soll das neue Vertriebszentrum schaffen, und das in Zeiten des Personalmangels. Gerade in solchen Zeiten, könne man Mitarbeiter nur durch attraktive Arbeitsplätze gewinnen. Dazu gehöre der Gesundheitsschutz, meint Heckmann, „die Menschen müssen diese Arbeit ja bis jenseits der 60 leisten“. Er hat bereits bemerkt: „Die Menschen nehmen das wahr.“

Besonders stolz ist Wahl über den „digitalen Zwilling“, ein Simulationssystem für Prozesse, durch das er Prozesse schneller einführen will anstatt sie umständlich während des laufenden Betriebs zu implementieren und zu testen. Schnelligkeit ist ein weiterer Fokus: Wahl nennt das Beispiel, dass Produkte während des Entnahmeprozesses bearbeitet werden können, etwa wenn für einen Auslandskunden ein spezielles Etikett in Landessprache erstellt und angebracht werden muss.

Reinhold Würth ist nachdenklich

Auch Reinhold Würth freut sich über die Möglichkeiten, die das neue Gebäude dem Unternehmen geben wird. Allerdings denkt er weiter  „Mein Ansatz ist nicht mehr, den Umsatz auf 19 oder 20 Milliarden Euro zu steiger. Mein großes Ziel ist, die Kultur des Unternehmens zu sicher, den freundschaftlich-kollegialen Rahmen zu fördern.“ Diesen Ansatz will er auch gesellschaftlich verfolgen: „Wir wollen nach innen als nach außen vorbildliche Bürger sein“. Besonders freut ihn daher, dass im Unternehmen Frieden herrscht und dass man mit dem Betriebsrat eine gute Basis zur Zusammenarbeit gefunden habe.

Forderung an die Handelnden

Als einen „Exkurs in die Negativismen“ bezeichnet er seinen Blick in die Welt: „Wir feiern hier einen Spatenstich und wissen nicht, ob die Gebäude in drei bis vier Jahren noch stehen“, spielt er auf einen möglichen 3.Weltkrieg an und will zu Gott beten, dass dieser vermieden werden kann. Aber nicht nur ein Krieg ist eine Gefahr für die Erde, die Kinder und die Enkel: „Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“, ist Würths Forderung an die heutigen Handelnden: „Wenn wir die Erde nicht schützen und hüten, dann werden wir am Ende nicht am Krieg, sondern am Klima zugrundegehen“.

 

Text: Matthias Lauterer




Brennende/r Lok / Baustellenzug rollt von Waldenburg nach Öhringen

Am Bahnhof Öhringen hat am Mittwochmittag, den 29. Juni 2022, ein Baustellenzug gebrannt. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Laut Björn Wasenko, Notfallmanager der Deutschen Bahn AG, hat ein selbstfahrender Baustellenzug, der für den Gleisbau eingesetzt wurde, im Bereich Waldenburg (Hohenlohekreis) angefangen zu brennen.

Dort hatten sich wohl die Bremsen gelöst, sodass das Fahrzeug dann im brennenden Zustand führerlos zurück in den Bahnhof gerollt ist. Bauarbeiter hatten den brennenden Anhänger noch vom restlichen Bauzug abgekoppelt. Im Bahnhof Öhringen ließen Bahnmitarbeiter den Zug dann kontrolliert entgleisen, um ihn zu stoppen, so Wasenko.

Für die Feuerwehr des Hohenlohekreis war dies kein alltäglicher Brand, den es zu löschen galt.

Der Grund für den Brand ist noch unklar.

GSCHWÄTZ | Für Euch vor Ort | Wir lieben unser Ländle | www.gschwaetz.de




Entwarnung im Bahnhof Öhringen

Der Brand eines Bauzugs der DB im Öhringer Hauptbahnhof ist gelöscht, Gefahr für die Bevölkerung besteht aufgrund des Brandes nicht mehr.

Wie Landrat Dr. Matthias Neth, der vor Ort war, berichtet, fuhr ein brennender Bauzug der Bahn mehrere Kilometer von Waldenburg bis Öhringen. In Öhringen konnte der Zug vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof gezielt zum Entgleisen gebracht werden und brannte dort kontrolliert aus.

Rund 150 Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und Bundespolizei waren im Einsatz.

Menschen kamen nicht zu Schaden.

Die Gründe dafür, dass ein brennendes Fahrzeug rund 30 Kilometer selbstständig fahren kann, werden noch untersucht.

 




Hauptbahnhof Öhringen gesperrt

Wegen einer brennenden Lokomotive ist der Bahnhof Öhringen gesperrt, Züge fahren nicht.

 




„Sind Sie Rettungsschwimmer? Dann stellen wir Sie gerne ein“

Man erinnert sich in Künzelsau noch gerne an die „Kocherqueen“ Ruth Balbach, die ein tägliches frühmorgendliches Bad im Kocher als Grund für ihre Fitness im hohen Alter nannte. Auch bei Wind und Wetter konnte man sie fast täglich beim Schwimmen beobachten.
Ein frühmorgendliches Bad ist im Kocherfreibad heutzutage nicht mehr möglich, das Bad öffnet erst um 13:00 – und das auch nur bei „Badewetter“:

Kocherfreibad, Öffnungszeiten. www.kuenzelsau.de

Michael Sanwald, Fraktion SPD & DIE GRÜNEN, fragte während der Gemeinderatssitzung vom 28. Juni 2022 nach, warum die Öffnungszeiten so eingeschränkt sind. Bürgermeister Stefan Neumann würde die Öffnungszeiten gerne erweitern, es scheitere aber am Personal: „Es fehlt an Rettungsschwimmern“. Weder die Stadt Künzelsau noch die DLRG können derzeit genügend Rettungsschwimmer zur Verfügung stellen, um das Bad ganztägig zu überwachen: „Die Rettungsschwimmer-Ausbildung war während der Pandemie stark eingeschränkt“, sagt Neumann.

Man habe daher die Öffnungszeiten abwägen müssen und habe sich für den Nachmittag entscheiden: „Viele Besucher können das Bad erst nach der Arbeit zur Abkühlung besuchen – auf diese Menschen haben wir Rücksicht genommen.“

„Sind Sie Rettungsschwimmer?“, fragt Neumann in die Runde. „Dann stellen wir Sie gerne ein“.

Text: Matthias Lauterer




160.000 Kilometer in der ersten Woche erradelt

In der ersten Woche der Aktion Stadtradeln im Hohenlohekreis wurden bereits rund 160.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. „Wären diese Radkilometer mit dem Auto zurückgelegt worden, hätte dies unser Klima mit 25 Tonnen CO₂ belastet“, so der Mobilitätsmanager des Hohenlohekreises, Martin Hellemann. Selbst wenn nur jede dritte Fahrt tatsächlich in dieser ersten Aktionswoche vermieden worden wäre, brächte das immer noch über acht Tonnen CO₂-Einsparung. „Die Aktion soll aber auch Spaß machen“, so Hellemann weiter, „deshalb haben wir einen Wettbewerb ausgeschrieben für die Teams, die am meisten Kilometer pro Mitradelnden zusammenbringen.“ Gewertet werden Teams ab 15 Mitradelnden in den Kategorien Schule, Verein, Unternehmen und Sonstige. Insgesamt führt hier bislang das Team Möglingen mit 25 Radlerinnen und Radlern und einer Fahrleistung von 162 km pro Kopf. Dicht auf den Fersen ist das Team Schäfers&Peters GmbH mit 31 Radelnden und 147 km pro Kopf. Bei den Schulen liegt das Team Ganerben-Gymnasium mit 49 radelnden Schülerinnen und Schülern und 57 km pro Kopf knapp vor der Pestalozzischule Pfedelbach mit 47 Aktiven und 54 km pro Radelndem.

Während der drei Aktionswochen im Hohenlohekreis finden immer wieder einzelne Veranstaltungen statt. Mit dem Start des Stadtradelns im Nachbarkreis Heilbronn fand am vergangenen Samstag die Neuenstädter Firmenradtour statt, die auch in Ernsbach auf dem Marktplatz am Kocherwerk einen Verpflegungsstop hatte. Hier war auch das Landratsamt Hohenlohekreis mit einem Informationsstand zum Mobilitätsmanagement vertreten.

Hintergrund

Die bundesweite Aktion Stadtradeln findet im Hohenlohekreis vom 20. Juni bis 10. Juli 2022 statt. Ziel des kommunalen Wettbewerbs ist es, innerhalb von drei Wochen möglichst viele Wege mit dem Rad zurückzulegen und dabei sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Unternehmen, Verwaltungen und Schulen für das Radfahren im Alltag zu begeistern. Eine Teilnahme ist jederzeit möglich, es genügt eine Anmeldung unter www.stadtradeln.de/hohenlohekreis.

Pressemitteilung Hohenlohekreis