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Strafanzeige gegen übergriffigen Giganetz-„Medienberater“

Die Methoden, mit denen die von Giganetz Deutschland beauftragten „Medienberater“ zu Werke gehen, sind schon mehrfach in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Sowohl aus Künzelsau als auch aus anderen Gemeinden sind Berichte bekannt, in denen die von Giganetz beauftragten Subunternehmen mit üblen Mitteln zu Werke gehen. Nicht nur von penetranten Hausbesuchen wird berichtet, auch vom Aufbau regelrechter Drohszenarien. Werber sollen Menschen belogen haben, indem sie Ihnen erklärt haben, dass sie bei Giganetz unterschreiben müßten, damit sie überhaupt noch Internet hätten, denn die Leitungen der anderen Anbieter würden durchtrennt werden. Dass trotz Schulung technische Falschinformationen vermittelt werden, ist gegenüber den Vorwürfen fast schon zu vernachlässigen.

35% der Anschlüsse fast erreicht

In der Gemeinderatssitzung vom 28. Juni 2022 konnte Bürgermeister Stefan Neumann zwar berichten, dass das Quorum von 35%, bei dem Giganetz das Glasfasernetz für Künzelsau und die Teilorte in Eigenregie und ohne Kosten für Bürger:innen und die Stadt Künzelsau legt, fast erreicht wurde. Allerdings wurde auch berichtet, dass der Besuch des „Medienberaters“ in mindestens einem Falle derart eskaliert ist, dass ein Nachbar eingreifen mußte und ein Polizeieinsatz notwendig wurde. „Medienberater“ ist der Ausdruck, den Giganetz in der Kommunikation benutzt – von einer „Drückerkolonne“ sprach Erhard Demuth in der Gemeinderatssitzung.

Polizeiliche Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs

Die Polizei bestätigt: „Der Polizei ist im Hohenlohekreis eine Anzeige gegen einen Beauftragten der Deutschen Giganetz bekannt. Der Person wird Hausfriedensbruch vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern noch an.“

„bis dahin eine weitere Zusammenarbeit mit diesem Team ausgeschlossen“

Auch der Deutschen Giganetz ist der Vorfall bekannt, auf GSCHWÄTZ-Anfrage bestätigt Frank Wittich-Böcker, der Unternehmenssprecher: „Die Deutsche GigaNetz hat von dem Vorfall mit einem der Vertriebsteams unseres Vertriebspartners Kenntnis erlangt.“ Der Frage, warum es weiterhin zu solchen Vorfällen kommen kann, nachdem doch nach jedem bekanntgewordenen Fall Maßnahmen getroffen wurden und man nur ausgesuchte und zuverlässige Partner einsetze, weicht Wittich-Böcker aus: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Vertriebspartner haben auch in ihrem Auftreten gegenüber Interessentinnen und Interessenten Verhaltensvorgaben. Daher dulden wir grundsätzlich kein individuelles, persönliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter von uns beauftragter Vertriebspartner gegenüber Dritten. Im konkreten Fall klären wir aktuell noch den Sachverhalt gemeinsam mit unserem Vertriebspartner und haben bis dahin eine weitere Zusammenarbeit mit diesem Team ausgeschlossen.“

Bezahlung der „Medienberater“

Auf die Frage, wie die Mitarbeiter bezahlt werden und wie hoch ggf. die Provision für einen Abschluß ist, antwortet er gar nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass die Provision mindestens 60 Euro beträgt – das ist nämlich der Betrag, den man spart, wenn man den Vertrag nicht beim „Medienberater“ sondern im Internet abschließt. Für Menschen, die möglicherweise mit Mindestlohn oder sogar rein provisionsbasiert, also quasi-selbstständig sind, bezahlt werden, mag eine solche Provision Anreiz genug sein, die Verhaltensvorgaben nicht einzuhalten.

Text: Matthias Lauterer




Weinbau, Handwerk und Kirche

Nach zwei erfolgreichen Ortsführungen durch Garnberg und Nagelsberg findet nun ein Spaziergang durch Belsenberg statt. Uwe Siller und
Ehrenfried Biehal führen am Freitag, 15. Juli 2022 um 16.30 Uhr durch den Ort. Treffpunkt ist an der Kirche. Die Führung ist kostenfrei – Verzehr in anschließender Weinprobe oder Verköstigungen übernehmen alle Teilnehmenden selbst.

Anmeldungen werden gerne von Stefan Kraut entgegengenommen, unter 07940 129117 oder stefan.kraut@kuenzelsau.de. Anmeldeschluss ist am 8. Juli 2022, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Belsenberg hat eine lange Geschichte

Belsenberg gilt als einer der Urkirchenstandorte Hohenlohes, nicht nur durch die Dorfkirche, sondern auch die sagenumwobene Kapelle „Zum Heiligen Kreuz“ auf der Höhe nahe dem Siegelhof. Es gruppierte sich darum eine Siedlung mit Weingärtnern und Landwirten sowie den örtlich notwendigen Handwerkern – allen voran die Küfer, die dazu beitrugen, dass das kostbare Getränk auch weite Transportwege zurücklegen konnte.

Dieses Angebot gehört zur Ausstellung „Fluren, Stadtteile – eine Verwaltung“, die noch bis 30. Oktober 2022 bei freiem Eintritt im Stadtmuseum Künzelsau zu besichtigen ist. Geöffnet ist das Stadtmuseum mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt des Museums mit dem Verein StadtGeschichte, der Karoline-Breitinger-Schule und der Volkshochschule.

Weitere Stadtteilführungen:
18.08.2022, 16.30 Uhr: Kocherstetten
14.09.2022, 16.30 Uhr: Schloß Stetten
13.10.2022, 15.30 Uhr: Morsbach

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




Bewegende Geschichte der Landfrauen

Der LandFrauenverband Württemberg-Baden e. V. und der KreisLandFrauenverband Hohenlohe feiern in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Verbandsjubiläums wurde eine Wanderausstellung, die die Geschichte der LandFrauen erzählt, auf die Reise durch die 24 Kreisverbände geschickt.

Wanderausstellung im Landratsamt

Seit dem 30. Juni macht die Wanderausstellung Halt im Foyer des Landratsamtes Hohenlohekreis. Feierlich eröffnet wurde sie bereits einen Tag davor mit Vertretern der LandFrauen, der Kreisverwaltung sowie des Kreistages. Landrat Dr. Matthias Neth bedankte sich bei den KreisLandFrauen für ihr unermüdliches Engagement. „Ich bin stolz darauf, dass wir im Hohenlohekreis 43 Ortsvereine mit über 2.500 Mitgliedern haben. Seit 75 Jahren sind Sie wahrhaftig eine tragende Säule in unserem Landkreis und in ganz Baden-Württemberg. Sie setzen sich für die Frauen auf dem Land ein und verbinden mit Projekten, Aktionen und Bildungsprogrammen Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Sie sind unsere Managerinnen, Antreiberinnen für Veränderung und Fortschritt und Bewahrerinnen von Wissen und Traditionen“, so Landrat Dr. Neth zu Beginn der Eröffnungsfeier. In ihrer Begrüßung schloss sich Kreisvorsitzenden Regina Müller dem an: „Es freut mich, dass wir auf solch eine lange Verbandsgeschichte zurückblicken können. Und umso mehr freue ich mich, dass wir hier heute alle zusammengekommen sind, um die Wanderausstellung anlässlich des 75-jährigen Bestehens des LandFrauenverbands Württemberg-Baden e. V. im Hohenlohekreis feierlich zu eröffnen.“

Auf 12 beleuchteten Displays erhalten Besucherinnen und Besucher grundsätzliche Informationen zu Geschichte und Bedeutung der LandFrauen in Württemberg-Baden. Foto: Landratsamt Hohenlohekreis

Frauen auf dem Land waren in der Nachkriegszeit besonders betroffen und begierig darauf, ihre Bildung und Lebensbedingungen zu verbessern. Was die Landfrauen seither bewegt haben, erfahren die Besucherinnen und Besucher dieser Ausstellung. Noch bis zum 8. Juli 2022 können Interessierte die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes Hohenlohekreis besuchen. Bereits am ersten Tag zählte die Ausstellung bereits mehr als 150 Besucher. Am Eröffnungsabend wurde auch die 6.000ste Besucherin der Jubiläums-Wanderausstellung, Heidrun Fleisch aus dem Ortsverein Bretzfeld-Rappach, beglückwünscht.

Hintergrund

Die Geschichte der LandFrauen beginnt 1898 mit dem ersten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ in Ostpreußen. In Württemberg entstand durch Fürstin Therese zu Hohenlohe Waldenburg 1916 ein landwirtschaftlicher Hausfrauenverein. In der NS-Zeit wurden die Vereine aufgelöst. Nach dem Krieg im Jahr 1947 folgte die Neuorganisation der LandFrauen-Bewegung. In dieser Zeit wurden auch der LandFrauenverband Württemberg-Baden e. V. und der KreisLandFrauenverband Hohenlohe gegründet.

Beate Krieg, Landesgeschäftsführerin des LandFrauenverbands gratuliert Heidrun Fleisch, der 6.000sten Besucherin der Ausstellung. Foto: LRA Hohenlohekreis

Öffnungszeiten

Montag bis Mittwoch von 7.30 bis 17.00 Uhr, Donnerstag von 7.30 bis 18.00 Uhr sowie Freitag von 7.30 bis 12.00 Uhr.
Zu den Öffnungszeiten ist immer eine Ansprechperson vor Ort, die Auskunft über die LandFrauen geben kann.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




„Lügenbrückle“ zwischen Kocherstetten und Vogelsberg mit Bürgerbudget-Mitteln erneuert

Die Holzbrücke in der Klinge über den Erlesbach wurde in den letzten Monaten erneuert und ist nun fertiggestellt. Damit ist der uralte Verbindungsweg zwischen den Orten Kocherstetten und Vogelsberg wiederhergestellt. Heute ist dies wieder ein beliebter Wanderweg durch den Wald.

„Herzlichen Dank an den SC Kocherstetten, der dieses Projekt initiiert und umgesetzt hat,“ sagt Bürgermeister Stefan Neumann. Im Rahmen des Künzelsauer Bürgerbudgets 2021/22 wurde die Maßnahme mit 10.000 Euro unterstützt.

„Mit etlichen Stunden Eigenleistung der ehrenamtlichen Helfer und dem Geld aus dem Bürgerbudget konnten wir unser „Lügenbrückle“ wieder auf Vordermann bringen“, freut sich Mario Retzbach vom SC Kocherstetten. „Das Bürgerbudget ist die Chance für die Allgemeinheit Gutes zu tun und Werte zu schaffen. Wir sagen danke, dass wir 2021 die Förderung bekommen haben. Sicher werden wir uns mal wieder mit einem Projekt bewerben.“

Wer auch eine Idee für ein tolles Bürgerprojekt hat, ist eingeladen, sich an der aktuellen vierten Ausschreibung zum Künzelsauer Bürgerprojekt zu beteiligen. Die Antragsfrist endet am 15. August 2022. Für 2022/23 stehen wieder 50.000 Euro zur Verfügung. Nähere Informationen gibt es auf unserer Beteiligungsplattform www.civocracy.org/stadtkuenzelsau oder auf der städtischen Webseite unter www.kuenzelsau.de/buergerbudget.

Projektideen mit Bürgermeister Neumann besprechen

Um offenen Fragen zu klären und Projektideen gemeinsam zu besprechen, gibt es Anfang Juli zwei Sprechstunden mit Bürgermeister Stefan Neumann: Dienstag, 5. Juli 2022 um 18.00 Uhr im Rathaus oder Freitag, 8. Juli 2022 um 8.30 Uhr bei Yvonnes Café.

Eine vorherige Anmeldung über buergerbudget@kuenzelsau.de ist erforderlich.

Presseinformation Stadt Künzelsau




Impfstützpunkt Künzelsau bleibt im Juli geöffnet

Das Impfangebot des Hohenlohekreises wird bis 27. Juli 2022 verlängert. Wie bereits im Juni gibt es damit mittwochs und samstags die Möglichkeit, sich ohne Termin gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Die Impfungen finden mittwochs von 13-19 Uhr und samstags von 10-17 Uhr im Impfstützpunkt Künzelsau in der ehemaligen Praxis Dr. Köhler, Stettenstraße 30, 74653 Künzelsau statt.

„Die COVID-19-Impfung ist immer noch das effektivste Mittel zur Eindämmung der Pandemie und zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe. Angesichts der wieder steigenden Fallzahlen wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern auch weiterhin eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, eine Impfung bzw. eine Auffrischungsimpfung zu erhalten“, erklärt Landrat Dr. Matthias Neth.

Pressemitteilung Hohenlohekreis

 




Immer noch Disharmonie in der alten Harmonie

Schon mehrfach mußte GSCHWÄTZ über das Altenheim Alte Harmonie in Kocherstetten berichten. Erst fühlten sich Mitarbeiter bespitzelt (die strafrechtlichen Ermittlungen hierzu wurden eingestellt), dann ging es um Abmahnungen von Internet-Rezensionen und zuletzt um eine Begehung der Einrichtung durch eine Gruppe hochrangiger Beamter von der Stadt Künzelsau und dem Landratsamt des Hohenlohekreises.

Stadt Künzelsau und der Hohenlohekreis tun sich allerdings sehr schwer mit Auskünften über das Ergebnis der Begehung des Altenheims Alte Harmonie in Kocherstetten (GSCHWÄTZ berichtete). Außer dass es Auflagen gab, wollen die Behörden nichts sagen. Sie berufen sich auf die Interessen des Betreibers, die zu schützen seien.

Gemeinwohl überwiegt hier die Interessen des Betreibers

Dabei ist wohl eher das Gegenteil richtig: Das Gemeinwohl, das öffentliche Interesse, dürfte an dieser Stelle Vorrang vor den Interessen der Betreibergesellschaft haben. Schließlich geht es an dieser Stelle um alte Menschen, die sich nicht mehr selber helfen können und um Angehörige, die in einer emotionalen Notlage sind: Wer seine Angehörigen in pflegerische Obhut gibt, der will vorab sicher sein, dass sie würdevoll leben können, pflegerisch in guten Händen, sicher und behütet sind. Das ist oft das Letzte, was die Familie für die alten Menschen tun kann. Es können also die Interessen von fast jedem betroffen sein – denn auf fast jeden kann die Situation zukommen, einen Angehörigen in ein Pflegeheim geben zu müssen.

Sicherheitsmängel

Gerade mit der Sicherheit soll es aber in der alten Harmonie nicht zum Besten stehen – das jedenfalls sagt eine umfangreiche Mängelliste, die GSCHWÄTZ vorliegt und die möglicherweise auch der Anlass zur hochrangig besetzten Begehung durch die Stadt Künzelsau und das Landratsamt geführt hat. Soviel geben die Ämter nämlich preis: Es liegt ihnen eine Anzeige vor, aufgrund der die Begehung angesetzt wurde.

GSCHWÄTZ liegt eine detaillierte Liste mit Mängeln vor, die eine Person in der Einrichtung festgestellt hat. Einige der Punkte auf dieser Mängelliste wurden GSCHWÄTZ inzwischen von einer weiteren Quelle, die nicht genannt werden will, verifiziert, insbesondere sind dies Mängel aus dem Bereich des Brandschutzes. Ob die Mängel zwischenzeitlich behoben sind, ist nicht bekannt, dazu wollen sich weder Ämter noch die Betreiber des Heimes äußern. Die Betreiber des Heims haben auf Anfragen überhaupt nicht reagiert. Die von unterschiedlichen Quellen bestätigten Mängel sind:

  • Zum Zeitpunkt, als die Mängelliste erstellt wurde, waren Erdgeschossfenster, die als Fluchtweg deklariert sind, teilweise abgeschlossen und für die Bewohner:innen nicht zu öffnen.
  • Die Flucht durch das Fenster wäre für die Bewohner:innen ohnehin nicht ungefährlich gewesen, da Elektroheizungen vor den Fenstern plaziert waren, die nicht kippgesichert waren.
  • Der Haupteingang war zu diesem Zeitpunkt nachts verschlossen und von innen nur mit einem Schlüssel zu öffnen – darüber, wo sich der Schlüssel befand, differieren die Informationen. Bewohner:innen, die im Brandfall selbständig das Haus verlassen wollten, hätten das also nicht einfach über den Haupteingang tun können. Das Öffnen der Haustür kann also nur durch eine Pflegekraft erfolgen.
  • Nachts sei aber, so übereinstimmende Informationen, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, nur eine Pflegekraft im Haus anwesend gewesen – und die habe beispielsweise auch im Keller zu tun.
  • Mindestens eine Feuerschutztür war nicht funktionsfähig, da sie mit einem Keil offengehalten wurde, obwohl ein großes Schild sagt: „Brandschutztür geschlossen halten“.

Dass die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen in einem Heim mit Bewohner:innen, die teils bettlägerig sind, besonders wichtig ist, zeigt die Tatsache, dass es auf dem Gelände Ende 2021 tatsächlich gebrannt hat.

Auch im Außenbereich nennt die Liste Sicherheitsmängel

  • So hat beispielsweise der Teich im Garten keine Absturzsicherung.
  • Auch waren Fluchtwege außerhalb des Gebäudes zugestellt. Davon konnte sich GSCHWÄTZ selbst ein Bild machen. Später konnte sich GSCHWÄTZ aber auch davon überzeugen, dass einige dieser Fluchtwege wieder frei waren.

Da sich sowohl die Betreiber der Einrichtung als auch die Behörden nicht über die Mängel, die Auflagen und die Erfüllung der Auflagen äußern, ist nicht klar, ob die genannten Mängel noch bestehen oder zwischenzeitlich behoben sind.

Pflegebetten ordnungsgemäß geprüft?

Pflegebetten sind das letzte Refugium eines alten Menschen, in manchen Fällen ist das Aufstellen der Rückenlehne der letzte Rest von Selbstbestimmung und Würde. Außerdem muß das Bett gegen Herausfallen schützen, ohne den Patienten in seiner Freiheit zu beeinträchtigen. Die Sicherheit der elektrischen Einrichtungen ist besonders wichtig: Bereits ein abgeknicktes Kabel kann nach einiger Zeit zu einem Matratzenbrand führen. Pflegefachmann Sascha Faber hat dieses Thema im GSCHWÄTZ-Video-Interview ausführlich besprochen.

Prüfsiegel an einem Bett der Einrichtung, aufgenommen im Jahr 2022 . Foto: privat

Aus diesen Gründen sehen die gesetzlichen Regelungen eine wiederkehrende Prüfung der Pflegebetten, insbesondere deren elektrischen Anlagen, vor – wie übrigens bei jedem ortsveränderlichen Elektrogerät im Pflegezimmer, von der Mehrfachsteckdose bis zum Radio. Die wiederkehrenden Prüfungen an Pflegebetten dürfen nach Medizinproduktgesetz (MPG) oder die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) nur durch qualifizierte Personen, die die Voraussetzungen nach §4 MPBetreibV erfüllen, durchgeführt werden. Diese Anforderungen sind höher als für die Elektrofachkräfte, die die Prüfung ortsveränderlicher Elektrogeräte durchführen.

An der ordnungsgemäßen Wartung und Prüfung der Pflegebetten bestehen laut Mängelliste und weiteren Informationen Zweifel.

Betreiber reagieren sehr sensibel

Auch wenn die Betreiber des Altenheims sich gegenüber GSCHWÄTZ nicht äußern wollen, scheinen sie dennoch sensibilisiert zu sein. Als sich der GSCHWÄTZ-Reporter vom Fortschritt der Räumung der Fluchtwege überzeugen wollte, wurde er anschließend von einem Auto, das vorher vor dem Heim abgestellt war, durch Kocherstetten verfolgt und aus dem fahrenden Wagen von dessen Fahrer mit dem Handy fotografiert.

Text: Matthias Lauterer




Elf Kommunen legen gemeinsam Bodenrichtwerte im Rahmen der Grundsteuerreform fest

Vertreter von elf Kommunen haben am 22. Juni 2022 gemeinsam neue Bodenrichtwerte für alle ihre Gemeindegebiete festgelegt. Im Künzelsauer Rathaus sind die Mitglieder des Gemeinsamen Gutachterausschuss (GGA) zusammengekommen: Künzelsau, Schöntal, Krautheim, Dörzbach, Mulfingen, Forchtenberg, Weißbach, Niedernhall, Ingelfingen, Kupferzell und Waldenburg. Am 1. Januar 2021 hat der Ausschuss seine Tätigkeit aufgenommen und jetzt für die vom Gesetzgeber beschlossene Grundsteuerreform erforderlichen Bodenrichtwerte festgesetzt.

Es wurden insgesamt 860 neue Bodenrichtwertzonen gebildet und die dazu passenden Werte festgelegt. Der GAA hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2022 die Bodenrichtwerte formal für alle beteiligten Kommunen zum Stichtag 1. Januar 2022 beschlossen.

„Jetzt ist es ein ‚Wir‘“

„Trotz der enormen Arbeit haben wir zusammen mit den Gutachtern und den jeweiligen Kommunen das Ziel erreicht“, so Anja Zinsler, die Leiterin der Geschäftsstelle des Gemeinsamen Gutachterausschusses, der seinen Sitz im Künzelsauer Rathaus hat. „Jetzt ist es ein ‚Wir‘“, sagt sie mit Blick auf die Festlegung der Bodenrichtwerte. Jeder einzelne Wert wurde mit den Vertretern aller Mitgliedskommunen besprochen und beschlossen. Somit ist sichergestellt, dass jede Zone den passenden Richtwert erhalten hat.

Bodenrichtwert = Lagewert

Die Bodenrichtwerte stellen durchschnittliche Lagewerte für den Boden unter Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungszustandes dar. Diese wurden aus der Kaufpreissammlung des GGA unter Berücksichtigung der neuen Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2021) abgeleitet.

Gemäß 196 BauGB, Absatz 1, Satz 5 in Verbindung mit der Gutachterausschussverordnung vom 11. Dezember 1989, geändert am 15. Februar 2005 und der Novellierung vom 11. Oktober 2017 wurden in der Sitzung am 22. Juni 2022 die Bodenrichtwerte für alle beteiligten Kommunen zum Stichtag 1. Januar 2022 beschlossen.

Wo sind die Bodenrichtwerte zu finden?

Die aktuellen Bodenrichtwerte für die Grundsteuer können ab sofort auf der Homepage der Stadt Künzelsau unter http://www.kuenzelsau.de/gutachterausschuss oder im Bodenrichtwertportal des Landes Baden-Württemberg unter http://www.gutachterausschuesse-bw.de ab 1. Juli 2022 eingesehen werden.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

 




Querdenken-Gründer Michael Ballweg in Untersuchungshaft

Vor 18 Monaten noch war Michael Ballweg die Symbolfigur, das Gesicht, der von ihm gegründeten Querdenker-Bewegung. Er war am 13. Dezember 2020 zusammen mit Bodo Schiffmann, damals Arzt in Sinsheim, Stargast auf einer gut esuchten Querdenker-Demonstration in Öhringen, wo er auch GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi ein Interview gab.

Doch nicht „Baldweg“: Ballweg in Untersuchungshaft

Am 29. Juni wurde Michael Ballweg nach einer Hausdurchsuchung vorläufig festgenommen, danach dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft verhängte. Jetzt sitzt er im Untersuchungsgefängnis. Ermittlungen gibt es auch gegen eine weitere Person, die aber auf freiem Fuß ist. Insider sind sich sicher, dass es sich dabei um seine Frau handelt. Die Staatsanwaltschaft wirft Ballweg Betrug an Menschen, die ihm Geld gespendet bzw. geschenkt haben, vor. Um etwa 600.000 Euro soll es sich dabei handeln. Hinzu kommt der Vorwurf der Geldwäsche, ebenfalls im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich. Als Grund für die Untersuchungshaft wird Fluchtgefahr genannt. In der Tat wurde in einschlägigen Telegram-Gruppen davon gemunkelt, dass Michael Ballweg die Bundesrepublik verlassen wollte – wie es einige andere Gesichter der Querdenker- und der Coronaleugner-Bewegung bereits getan haben. Er wurde daher im Internet gerne mit dem Spitznamen „Baldweg“ bedacht. Ballwegs damaliger Mitstreiter Bodo Schiffmann wendet sich inzwischen – so behauptet er es jedenfalls – übers Internet aus Tansania an seine Anhänger.

Bodo Schiffmann, Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Der Weg des Michael Ballweg

Laut eigenen Aussagen hat Ballweg ein von ihm aufgebautes und bis dahin wohl gutgehendes Softwareunternehmen verkauft, um sich voll und ganz der Querdenken-Bewegung und einer politischen Karriere widmen zu können. Er kandidierte beispielsweise für das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters – und scheiterte mit 2,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang und 1,2 Prozent im zweiten Wahlgang. Allerdings gab es vor dem Unternehmensverkauf bereits Probleme mit mindestens einem großen und weltbekannten Kunden, der sich aufgrund des Querdenken-Engagements nicht mehr in der Referenzen-Liste auf der Homepage wiederfinden wollte.

Komplette Kehrtwende

War Ballweg anfangs noch ein Verfechter der Corona-Maßnahmen, änderte sich seine Meinung im Frühjahr 2020. Die erste größere Querdenken-Demonstration fand im April 2020 statt und zog ein breites Spektrum von Menschen an, die eines einte:  die Unzufriedenheit mit der oder speziell ihrer eigenen gesellschaftlichen Situation. Im Laufe der Zeit trafen sich auf diesen Demonstrationen immer mehr Menschen aus immer radikaleren Kreisen: unter anderem traten bekannte Namen aus Reichsbürger- und Selbstverwalterkreisen als Redner auf, aber auch Menschen mit bekannter rechtsextremistischer Vergangenheit und Vertreter christlicher und anderer religiöser Kleingruppen.

Aus unterschiedlichen Szenen bekannte enge Mitarbeiter

In Ballwegs engstem Mitarbeiterkreis befanden sich ein Scientologe, der wohl Unterstützung beim Aufbau der Organisation geben sollte. Der als „Schwäbischer Schamane“ bekannte Stephan Bergmann war längere Zeit Pressesprecher der Bewegung. Er wurde durch rassisitische und Hetzbeiträge im Internet bekannt.  Bergmann hat das Land verlassen und ist wohl nach Mexiko verzogen. Ein anderer früherer Mitarbeiter, der evangelikale Prediger Samuel Eckert, der eine Jugendorganisation aufbauen wollte, hat sich in die Schweiz zurückgezogen.

Dubiose Kontakte in die Reichsbürger-Szene

Die Rolle Ballwegs wurde mit der Zeit immer dubioser: Schon im Oktober und November 2020 traf er sich mehrfach mit dem selbsternannten „König von Deutschland“ Peter Fitzek – er soll sogar die „Staatsangehörigkeit“ in Fitzeks „Königreich Deutschland“ erworben haben und ein Konto bei Fitzeks sogenannter „Gemeinwohlkasse“ unterhalten haben. Eine Nähe zur Reichsbürgerszene bestritt Ballweg auch noch lange, nachdem tragfähige Belege dafür im Internet kursierten und Mitglieder der Querdenken-Bewegung ihn deswegen öffentlich angriffen. Die Gemeinwohlkasse wurde übrigens inzwischen von der Bankenaufsicht stillgelegt.

Spaltung der Bewegung

Diese Treffen führten auf der einen Seite zu einer Spaltung der Querdenker-Bewegung, andererseits dürften die Bewegung spätestes durch diese Treffen ins Visier der Sicherheitsbehörden gelangt sein. Ein weiterer Anlaß dafür, dass Ballweg den Behörden auffiel, war wohl der Würzburger Anwalt Chan-Jo Jun: Ballweg-Anhänger hatten die Abstimmung für den satirischen „Goldenen Aluhut“ verfälscht, worauf der Veranstalter die Abstimmung beendete. Ballweg wollte vor Gericht die Verleihung des Preises an ihn erzwingen, hatte jedoch nicht mit dem Anwalt Jun gerechnet: Dieser hatte nämlich festgestellt, dass es gar keine rechtliche Instanz der „Querdenker“ gibt, sie waren weder als Verein noch als Stiftung eingetragen. Er klagte daher auf die Feststellung, dass „Querdenken“ überhaupt nicht rechtsfähig sei und damit gar nicht klagen könne. Jun bezeichent das als ein „Eigentor“ der Querdenker – denn damit war auch das Finanzamt im Spiel, das spätestens jetzt durch die öffentliche Berichterstattung und durch Anzeigen aus der Bevölkerung von Ballweg erfuhr.

Spenden und Schenkungen auf persönliche Konten Ballwegs

Große Summen an Spenden wurden auf ein Konto – ob es sich dabei um ein „privates Konto“ oder um ein „Privatkundenkonto“ handelt, ist umstritten – das Michael Ballweg zuzuordnen war, eingezahlt. Nach dem Brand eines Veranstaltungsfahrzeugs vor einer Demonstration in Stuttgart forderte er erstmals in größerem Umfang zu Spenden auf – und es sollen innerhalb weniger Tage über 200.000 Euro zusammengekommen sein.

Unterstützugsaufruf von Querdenken-711. Foto: damalige Homepage von QD

Später forderte er seine Anhänger gezielt auf, ihm Geld nicht etwa zu spenden, sondern zu schenken – er gab sogar den Steuertipp, den Freibetrag von 19.999 Euro innerhalb von 10 Jahren, nicht zu überschreiten: Dann, so meinte Ballweg wohl, sei er von der Schenkungssteuer befreit. Der weitere Vorteil: Schenkungen sind üblicherweise nicht zweckgebunden. Eine Spendenquittung konnte er allerdings nicht ausstellen – wie auch ohne eine gemeinnützige Rechtsform? Die Schenkungen waren also von den Schenkern nicht steuerlich geltend zu machen.
Was Ballweg möglicherweise nicht bedacht hat: Banken sind auch bei Privatkunden verpflichtet, Geldwäscheverdacht zu melden. Geldwäscheverdacht besteht beispielsweise bei Zahlungen von mehr als 10.000 Euro – vor allem, wenn die Zahlungen gestückelt sind.

Auch Zahlungen in Bitcoin wurden übrigens angenommen – vielleicht ein weiterer Grund, warum der Haftrichter von Fluchtgefahr ausgeht.

Organisierte Einnahmenerzielung

Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass Ballweg durchaus organisiert Einnahmen auf ein Konto, das ihm persönlich zuzuordnen war, erzielen wollte. Auch soll er von lokalen Veranstaltern von Querdenker-Demonstrationen Geld gefordert haben, dass sie den Namen Querdenken benutzen dürfen – eine Art Lizenzgebühr oder Franchising-Fee.

Banken kündigen Querdenken-Konten

Mehrfach wurden die Kontenverbindungen geändert – die betroffenen Banken äußern sich selbstverständlich nicht zu den Gründen. Man kann aber durchaus spekulieren, dass Geldwäscheverdacht (Banken machen sich strafbar, wenn sie Geldwäsche nicht melden oder gar ermöglichen) oder die Tatsache, dass Ballweg immer wieder ein Konto als Privatkunde eröffnet hatte und mit der Verwendung des Kontos gegen die AGB verstoßen haben könnte, die Banken zu den Kündigungen veranlasste.

Das Geldwäschegesetz ist eine starke Waffe der Ermittlungsbehörden. Auch ein Shisha-Bar-Betreiber aus Öhringen flog nach einer Verdachtsmeldung seiner Bank auf: Er hatte Corona-Tests im Wert von etwa einer Million Euro abgerechnet, aber nicht durchgeführt.

Ballwegs Querdenken auf dem absteigenden Ast

Im Jahr 2021 ist eine zunehmende Zersplitterung der Gruppe, die bisher zusammenfassend als „Querdenker“ bezeichnet wurde, festzustellen – einzelne Protagonisten verschwanden ins Ausland, andere schoben sich in den einschlägigen Telegram- oder gettr-Umgebungen in den Vordergrund, nicht ohne ebenfalls regelrecht um Spenden zu betteln. Die weißen Shirts und Jacken, die Ballweg als Merchandise vertrieben hatte, sind auf derartigen – inzwischen sehr überschaubaren Veranstaltungen – kaum noch vertreten. Ballwegs „Querdenken“-Organisation scheint nicht mehr sehr aktiv zu sein – und auch Ballweg selbst trat bereits 2021 kaum noch öffentlich in Erscheinung, seit der Verußerung seiner Firma bezeichnet er sich als „Privatier“.

Von Geld sprach Ballweg in Öhringen nicht

Schon nach der Demonstration 2020 in Öhringen fragte GSCHWÄTZ nach der Rolle, die Ballweg wirklich spielt, einige Vorwürfe gegen ihn waren ja im Dezember 2020 bereits belegt oder waren als Gerücht im Gespräch. Damals erschien Ballweg noch souverän und lächelte die Vorwürfe weg. Er sprach von Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit – von Geld sprach er nicht.

Text: Matthias Lauterer




Beschuldigter hat im selben Haus wie das Opfer gelebt, hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet

Nun wird es konkreter, wen die Polizei ins Visier als Beschuldigter genommen hat, die Frau in Belsenberg getötet zu haben, die am 24. Mai 2022 von einem Anwohner gefunden wurde.

Seit dem 01. Juni 2022 sitzt der 24-Jährige in U-Haft. Der Haftbefehl lautet auf Totschlag. Das Motiv ist noch unklar. Auf die Frage, ob es sich um bei dem Verdächtigen um einen Hausbewohner handelt, der die Leiche auch gefunden hat und nach der Auffindung intensiv mit der Presse gesprochen hat, beantwortet Harald Lustig, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwäbisch Hall, die GSCHWÄTZ-Anfrage wie folgt: „Der Beschuldigte hat im selben Haus wie die Geschädigte gelebt; er hat Kontakt zur Presse unterhalten und sich davor auch als Zeuge bei der Polizei gemeldet.“

Was der damalige Zeuge und heutiger Beschuldigter damals der Presse gesagt hat, sehen Sie im foglenden Video:

Leiche in Künzelsau-Belsenberg vermutlich 66-jährige Bewohnerin – SWR Aktuell

 




„Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“

97 Millionen Euro will Würth in Gaisbach für eine Erweiterung des Vertriebszentrums West in Gaisbach investieren. „Das ist der größte Logistik-Invest der WÜRTH-Gruppe“, sagt Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung, bei einem Gespräch aus Anlass des ersten Spatenstichs am 29. Juni 2022. Die Kapazität des bestehenden Vertriebszentrums wird verdoppelt, dafür sollen 200 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2024 geplant.

Thomas Wahl (l.) und Norbert Heckmann. Foto: GSCHWÄTZ

Schneller, konsolidierter und nachhaltiger will man in der WÜRTH-Logistik werden, um die Anforderungen der Kundenprozesse noch besser bedienen zu können. Und man will den Mitarbeitern modernste Arbeitsbedingungen bieten können.

Vertriebs- und Logistikdaten erzeugen Synergiene

„Neben dem Vertrieb ist die Logistik die Kernkompetenz, die der Kunde schätzt bei uns. Und da wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Thomas Wahl, Logistikleiter. Vor allem durch die digitale Verknüpfung und die intensive Nutzung der vorhandenen Daten will er einen Zusatznutzen kreieren: „Wir wissen manchmal mehr über den Kunden als er selbst“ sagt Wahl schmunzelnd und erläutert: „Wir sind in der Lage, offensiv auf den Kunden zuzugehen, zusammen mit dem Kunden logistische Konzepte zu erarbeiten, die beispielsweise bestimmte Liefertage festlegen. Dadurch können wir Sendungen konsolidieren. Das zahlt sich wirtschaftlich aus.“

Erster Spatenstich für die Erweiterung des Vertriebszentrums West. Foto: GSCHWÄTZ

Modernste Roboter und Softwaresysteme werden das Bild der WÜRTH-Logistik zukünftig bestimmen. Beispielsweise werden Verpackungsroboter eingesetzt werden, die die Kartons auf die Höhe des Inhalts zurechtschneiden. „Damit sparen wir Füllmaterial – ein Schritt zur Nachhaltigkeit“, so Wahl. Auch Greifroboter für die Lagerentnahme will er einsetzen. Ver- und Entpackroboter sind ohnehin bereits im Einsatz. Das dient unter anderem der Gesundheit der Mitarbeiter: „Wir versuchen, Laufwege der Mitarbeiter und das Heben oder Tragen zu vermeiden. Die Ware kommt zur Person, die Ware wird angedient“, blickt er in die Zukunft.

200 neue Arbeitsplätze soll das neue Vertriebszentrum schaffen, und das in Zeiten des Personalmangels. Gerade in solchen Zeiten, könne man Mitarbeiter nur durch attraktive Arbeitsplätze gewinnen. Dazu gehöre der Gesundheitsschutz, meint Heckmann, „die Menschen müssen diese Arbeit ja bis jenseits der 60 leisten“. Er hat bereits bemerkt: „Die Menschen nehmen das wahr.“

Besonders stolz ist Wahl über den „digitalen Zwilling“, ein Simulationssystem für Prozesse, durch das er Prozesse schneller einführen will anstatt sie umständlich während des laufenden Betriebs zu implementieren und zu testen. Schnelligkeit ist ein weiterer Fokus: Wahl nennt das Beispiel, dass Produkte während des Entnahmeprozesses bearbeitet werden können, etwa wenn für einen Auslandskunden ein spezielles Etikett in Landessprache erstellt und angebracht werden muss.

Reinhold Würth ist nachdenklich

Auch Reinhold Würth freut sich über die Möglichkeiten, die das neue Gebäude dem Unternehmen geben wird. Allerdings denkt er weiter  „Mein Ansatz ist nicht mehr, den Umsatz auf 19 oder 20 Milliarden Euro zu steiger. Mein großes Ziel ist, die Kultur des Unternehmens zu sicher, den freundschaftlich-kollegialen Rahmen zu fördern.“ Diesen Ansatz will er auch gesellschaftlich verfolgen: „Wir wollen nach innen als nach außen vorbildliche Bürger sein“. Besonders freut ihn daher, dass im Unternehmen Frieden herrscht und dass man mit dem Betriebsrat eine gute Basis zur Zusammenarbeit gefunden habe.

Forderung an die Handelnden

Als einen „Exkurs in die Negativismen“ bezeichnet er seinen Blick in die Welt: „Wir feiern hier einen Spatenstich und wissen nicht, ob die Gebäude in drei bis vier Jahren noch stehen“, spielt er auf einen möglichen 3.Weltkrieg an und will zu Gott beten, dass dieser vermieden werden kann. Aber nicht nur ein Krieg ist eine Gefahr für die Erde, die Kinder und die Enkel: „Unsere Kinder und Enkel sollen eine gesicherte Zukunft haben. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Planet nicht untergeht“, ist Würths Forderung an die heutigen Handelnden: „Wenn wir die Erde nicht schützen und hüten, dann werden wir am Ende nicht am Krieg, sondern am Klima zugrundegehen“.

 

Text: Matthias Lauterer