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Sachbeschädigung an einer Gaststätte ist wahrscheinlich politisch motiviert

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2022 wurden auf dem Parkplatz einer Gaststätte in Michelbach-Bilz (Kreis Schwäbisch-Hall) die Reifen dort geparkter Autos zerstochen, außerdem wurde die Gaststätte mit Farbe besprüht und ein Fenster eingeschlagen. In der Gaststätte fand vorher eine Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative statt. Die AfD Hohenlohe Schwäbisch-Hall hat aus diesem Anlass den folgenden offenen Brief veröffentlicht:

AfD Hohenlohe verurteilt feigen Anschlag auf eine Michelbacher Gaststätte. Offenkundiges Problem mit dem Linksextremismus im Landkreis SHA

In der Nacht von Mittwoch, den 29.06.2022 auf Donnerstag den 30.06.2022 kam es zu einem feigen Anschlag vermutlich linksextremer Kräfte auf eine Speisegaststätte in Michelbach/ Bilz.

Zerstörtes Fenster an der Gatstätte in Michelbach/Bilz. Foto: Privat

Es entstand eine erhebliche Sachbeschädigung. Das Gebäude wurde mit roten Farbflaschen beworfen, die Reifen aller auf dem Privatparkplatz stehender Fahrzeuge zerstochen und mehrere Fenster mit Flaschen, die mit einer giftigen Chemikalie gefüllt waren, eingeworfen. Nicht zuletzt aufgrund der offenkundigen Gefährdungssituation der im Obergeschoss schlafenden und durch den Lärm geweckten Gastwirtsfamilie, die unvermittelt einer größeren maskierten Gruppe gegenüberstand, haben Polizei und Staatschutz die Ermittlungen aufgenommen.

Möglicherweise steht der im Kreis [damit ist der Kreis Schwäbisch-Hall gemeint, Red.] alle bisherigen Grenzen überschreitende Anschlag in Zusammenhang mit einer Veranstaltung der Jungen Alternative in der Gaststätte, über die in überzogener und unangemessener Weise in der lokalen Presse berichtet wurde. Diese hat das gewaltbereite Vorfeld der linksradikalen Haller Szene, die gegen die demokratisch legimierte Veranstaltung demonstrierte, möglicherweise zu einem gewalttätigen Vorgehen gegen politisch Andersdenkende ermutigt.

Anton Baron, Sprecher des Kreisverbands, verurteilt diesen niederträchtigen und demokratiefeindlichen Angriff, der an Anfänge der dunkelsten deutschen Geschichte erinnert und zum Ziel hat, den Gastwirt einzuschüchtern und Gastronomen abzuschrecken.  Co-Sprecher Udo Stein hofft, dass die Täter alsbald zur Rechenschaft gezogen werden. Beide fordern die uneingeschränkte Solidarität mit der betroffenen Gastwirtsfamilie durch die Gemeinde, den Landrat, Gaststättenverband, Kirche aber auch allen politischen Entscheidungsträgern und der Zivilgesellschaft.

Sie kündigen an, dass die Vorgänge eine Aufarbeitung sowohl im Kreistag als auch im Landtag erfahren werde. Offenkundig hat der Landkreis ein offenkundiges Problem mit dem gewaltbereiten Linksextremismus. Eine Spendenaktion für die geschädigte und traumatisierte Gastwirtsfamilie ist geplant.

Die Pressemeldung des Polizeipräsidiums geht von einem Schaden in Höhe von 4.000 Euro aus, von einer „giftigen Chemikalie“ sagt die Polizei nichts:

Michelbach an der Bilz-Gschlachtenbretzingen: Sachbeschädigung an Gaststätte

Unbekannte verursachten in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag gegen 1:30 Uhr im Bereich einer Gaststätte in der Rudolf-Then-Straße erheblichen Sachschaden. Offenbar zerstachen sie mehrere Reifen an PKW, warfen mit Farbe gefüllte Flaschen an die Gebäudefassade und schlugen zwei Fenster auf der Rückseite des Gebäudes. Auch im Gastraum des Wirtshauses kam es zur Sachbeschädigung. Der Gesamtsachschaden liegt bei rund 4.000 Euro.

Die Polizei geht von der Möglichkeit eines politischen Motivs aus und hat daher den polizeilichen Staatsschutz eingeschaltet. Die Ermittlungen laufen, der oder die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.

Text: Matthias Lauterer




The Winner Takes It All …

… ist unser Abiturmotto und genau so fühlen wir uns, jetzt, nachdem wir das Zeugnis amtlich in den Händen haben. Wir die Gewinner des Jahres 2022 an der Freien Schule Anne-Sophie“, so verkündete es freudestrahlend Emma Brunner, die Sprecherin des Abiturjahrganges 2022, in ihrer eindrucksvollen Rede. Mit der niveauvollen Feier in der Aula zelebrierten die 37 Absolventen mit den Familien, Freunden und der Schulgemeinschaft den Abschluss der Schulzeit, den hervorragenden Schnitt von 2,2 und dem 1,0-Abitur der Jahrgangsbesten, Emma Brunner.

Preise und Belobigungen

Die Leiterin der Sekundarstufe II, Cornelia Morris, strahlte und brachte ihre Freude über das Gesamtergebnis zum Ausdruck. Mit den Worten „Ein guter Jahrgang“, begannen ihre Ausführungen und Vergleiche in Verbindung zur Herstellung und Prämierung besonderer, ausgezeichneter Weine. Einen extra Applaus Beifall erhielt sie bei der Bekanntgabe des Notendurchschnittes von 2,2 mit insgesamt 13 Preisen und sieben Belobigungen, sowie dem 1,0-Abitur der Jahrgangsbesten, Emma Brunner.

Farbenfroh, bunt, kreativ

Dem einstigen Welthit „The Winner Takes It All…“ von ABBA war das diesjährige Motto des Abschlussjahrganges gewidmet. Dieses Motto beherrschte den Schulalltag schon die letzten Monate auf dem Campus in Künzelsau. Es fand sich wieder in der bunt gestalteten und geschmückten Aula, in den musikalischen und theatralischen Beiträgen und natürlich auch in den Reden.

Diese begannen mit den Glückwünschen und emotionalen Gedanken der Elternbeiratsvorsitzenden Eva Reinhardt. Sie findet es beeindruckend, großartig und wunderbar, wie das Licht der diesjährigen Abiturient*Innen strahlt und durch die Eltern sowie die Schule zum Strahlen gebracht wurde.

Die musikalischen Beiträge waren wieder sehr vielfältig und spannten den Bogen über den rhythmischen Einmarsch, die klassische Musik des Ausnahmetalentes András Lakatos, zu einer Tanzvorführung des Leistungskurses Sport und der Präsentation einer Lernbegleiterband mit Sängerin Jasmin Dietz – natürlich „The Winner Takes It All…“.

Tanz der Abiturienten. Foto: Benjamin Grell

Selbstverständlich wurde die persönliche Zeugnisausgabe mit individueller Musik und dem Einbezug einer Bildershow untermalt. „Ein wahnsinniger Augenblick, diesen Moment auf der Bühne zu erleben“, war die einhellige Meinung der Absolvent*Innen.

Ihr schloss sich die Übergabe der zahlreichen Preise an, die von dafür zuständigen Lernbegleiter*innen mit besonderen Hinweisen übergeben wurden. Zusätzlich erhielt Emma Brunner den diesjährigen, gut dotierten Würth-Preis für eine Sprachreise, verbunden mit einem Aufenthalt in einem ausländischen Würth-Unternehmen als Praktikantin. Sie erhielt außerdem den Preis für Soziales Engagement, unter anderem durch ihren Einsatz als Vorsitzende der Lernpartnermitverantwortung.

Emma Brunner: Geheimnisse!?

Die Jahrgangsbeste und Scheffelpreisträgerin Emma Brunner überraschte in ihrer Rede durch Worte, Gestik und Mimik. Natürlich kam auch sie nicht am Motto vorbei und erzählte spannend vom Weg zum und zur Gewinner*In. Sie beleuchtete die Geschichte der Schullaufbahn, die „Überlebensstrategien“ in verschiedenen Altersstufen und natürlich über besondere Ereignisse aus dem Schulalltag. Ihre Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt verband sie mit dem Dank an alle, die diese Schullaufbahn ermöglicht haben, besonders dankte sie dafür Bettina Würth und der Familie Würth. Gemeinsam! Großartig! So beendete sie, verbunden mit schauspielerischen Gesten, ihren Abschluss.

Angelika Schmidt: „Was macht dich glücklich?“

Gesamtleiterin Angelika Schmidt stellte neben den Anekdoten zum Abiturjahrgang während der Schulzeit, ihren persönlichen Erfahrungen und dem Lob zur gelungenen Feier, philosophische Gedanken in den Mittelpunkt.

Sie überraschte zunächst mit der Frage, „Was macht dich/Sie glücklich?“ Dann reflektierte sie Antworten von Menschen verschiedener Altersstufen, besonders auch von Lernpartner*Innen der Schule. Sie spannte den Bogen vom Schulanfang zum Abschluss und beleuchtete Antworten und Reaktionen. Die Anwesenden fesselte sie zum Nachdenken. „Was passiert auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenwerden?“ „Weil wir so vielfältige Antworten erhalten, weil wir uns mit dieser Frage und den Antworten täglich auseinandersetzen, deshalb ist das, was wir gemeinsam leisten und in den Grundhaltungen der Schule leben, das Besondere der Freien Schule Anne-Sophie.“ Ihr Dank und ihre Anerkennung galten allen Beteiligten und sie leitete über zum Empfang durch Panorama Catering auf dem Schulgelände.

Abiturient*Innen 2022

Arnold, Marvin; Bartosch, Maya (B); Breutner, David (B); Brunner, Emma (P); Bundschuh, Luca Laurin (P); Dollmann, Lisa-Marie; Eisele, Ann-Sophie Malaika (P); Engbert, Johannes Thomas (P); Faraone, Hannah (B); Galozi, Samuel; Göller, Jana Marina; Hartmann, Kora Jasmin (P); Heger, Lotte (P); Hengerer, Maximilian; Herzog, Sebastian Matthias; Kappes, Emma; Kreß, Tim; Kromer, Nicolas; Lakatos, András (P); Lebsack, Jimmy Maximilian; Lutz, Jannick Moritz Maxim (P); Maric, Mateo (P); Münch, Luis Koray; Nazli, Rima (B); Nitschmann, Tiziana Nicola (P); Sanwald, Paul; Schneider, Melina (P); Sommer, Anna Viktoria; Specht, Alisa; Specht, Chris Gerd (B); Stemper, Benjamin Jürgen Bernd (P); Tiemann, Raffael; Walter, Julia Maria (B); Walz, Evelyn (P); Weber, Tobias (B)

13 Preise, 7 Belobigungen

Sonderpreise Abitur 2022

Sonderpreis der Firma Adolf Würth GmbH & Co. KG: Emma Brunner; Sonderpreis für soziales Engagement und Verantwortung: Emma Brunner; VfS-Abiturpreis 2022 der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Johannes Thomas Engbert; Schulpreis für Ökonomie von SÜDWESTMETALL: Jannick Moritz Maxim Lutz; Abiturpreis der Deutschen Mathematiker Vereinigung: Tiziana Nicola Nitschmann und Luca Laurin Bundschuh; Literatur & Theater Stiftungspreis: Melina Schneider; Ethik Sonderpreis: Ann-Sophie Malaika Eisele; Abiturpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker: Benjamin Jürgen Bernd Stemper, Evelyn Walz und Tiziana Nicola Nitschmann; Abiturpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Johannes Thomas Engbert, Andras Lakatos und Chris Gerd Specht; Geschichtspreis des „Historischen Verein für Württembergisch Franken e.V.“: Emma Brunner; Bildende Kunst Stiftungspreis: Ann-Sophie Malaika Eisele; Scheffel Preis der Literarischen Gesellschaft: Emma Brunner; Paul-Schempp-Preis (Evang. Religion) Emma Brunner; Zur Auswahl für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes wurde Emma Brunner vorgeschlagen.

Pressemitteilung Freie Schule Anne Sophie, Wolfgang Schiele

 

 

 




Das Geheimnis der Franken im Hohenloher Jagsttal

Im Jahr 1964 begannen in Klepsau im Jagsttal archäologische Grabungen. Man war auf ein merowingisches Gräberfeld aus dem 6. oder 7. Jahrhundert gestoßen und über mehrere Jahre hinweg fanden immer wieder Ausgrabungen statt.

„von hohem Interesse“

„Das Klepsauer Gräberfeld ist archäologisch von hohem Interesse“, sagt Dr. Astrid Wenzel, Kuratorin im Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Man könne aus dem Gräberfeld wichtige Erkenntnisse über das Leben in der merowingischen Zeit erfahren, aus der es in unserer Region so gut wie keine schriftlichen Zeugnisse gibt.

Seit dem 1. Jahrhundert seien vom Taubertal nach Süden vordringend, germanische Besiedlungen nachgewiesen. Einige Kilometer südlich von Klepsau befand sich mit dem Limes die Außengrenze des römischen Reiches, das dann im 5. Jahrhundert zerfiel. Im 6,. und 7. Jahrhundert lebten im Jagsttal Franken, ein germanisches Volk, das sich aus dem Bereich des Niederrheins über die Mittelgebirge hinweg ausgebreitet hatte. Diese Franken waren wohl den Merowingerkönigen, die meist im heutigen Nordfrankreich lebten, untertan, die genauen Herrschaftsverhältnisse in der Region sind größtenteils unbekannt. Namen und Ereignisse in der Region sind nicht überliefert.

Funde aus einer Zeitenwende

Diese Franken im Jagsttal standen an der Schwelle einer neuen Zeit. Die Merowingerkönige in Nordfrankreich waren ab dem Jahr 498 oder 499 Christen, bis ins Jagsttal war das Christentum im 7. Jahrhundert noch nicht wirklich vorgedrungen, der Missionar der Franken, der Heilige Kilian, soll erst um 689 nach Würzburg gekommen sein. Das läßt sich an den Grabstätten erkennen, denn die Gräber waren voll von Grabbeigaben. Bei Männern waren es meist Waffen, bei Frauen Schmuckstücke oder Gebrauchsgegenstände. Spätere christliche Gräber zeigen diese Beigaben nicht mehr. Allerdings findet sich in den Klepsauer Gräbern auch ein Kreuzsymbol: Das Christentum war zwar offenbar im 7. Jahrhundert noch nicht vorherrschend, aber es war bereits an der Jagst angekommen.

Handel war weiterhin möglich

Aus diesen Beigaben können Archäologen und Kunsthistoriker Schlüsse ziehen. Die Funde zeigen beispielsweise, dass es auch trotz des Niedergangs des römischen Reiches und des Verfalls der Straßeninfrastruktur Handelsbeziehung quer über Europa, vom äußersten Westen bis zur Krim gegeben hat: So wurden beispielsweise Bernstein aus dem Baltikum und Edelsteine von der Krim in der Region gefunden. Besonders schön zeigt sich dieser Handel an zwei Vogelfibeln, die in Klepsau gefunden wurden und die Goldschmiedekunst, Edelsteinbearbeitung und Glasherstellung zeigen.

Die doppelköpfige Vogelfibel hat ein goldenes Bodenblech und Perldraht auf dem umgebördelten Rand. Auf der Vorderseite befindet sich goldenes Stegwerk. Die Mittelzelle ist ohne Einlage, in den anderen Zellen liegen flache Almandine auf gewaffelter Goldfolie. In drei Zellen befinden sich grüne Glaseinlagen. [Bad. Landesmuseum]

Sowohl Gold, als auch die Almandine und das Glas kommen an der Jagst nicht vor, auch ist aus der Region kein Zentrum der Goldschmiedekunst bekannt. Die Stücke müssen also von mehreren Orten zu einem Goldschmied gebracht worden sein, der sie bearbeitet hat und von dort ins Jagsttal gekommen sein. Wo genau die Stücke hergestellt wurden, weiß man nicht. Dr. Astrid Wenzel vermutet die Herkunft in „einem der Zentren am Rhein, Speyer, Worms, Mainz, vielleicht Köln“, wohin nicht nur der Wassertransport von Waren möglich war, sondern sich vielleicht auch noch römisches Handwerk erhalten hat. Ein Beleg für den Fernhandel sind auch Münzen, die beispielsweise ostgotischer Herkunft sind.

Die doppelköpfige Vogelfibel hat ein goldenes Bodenblech und Perldraht auf dem umgebördelten Rand. Auf der Vorderseite befindet sich goldenes Stegwerk. In der pilzförmigen Mittelzelle liegt grünes Glas, in den anderen Zellen flache Almandine auf gewaffelter Goldfolie. Um zwei Einfassungen hellgrünes, stark korrodiertes Glas. Das Mittelfeld ist eingetieft und zeigt geperlte Golddrähte auf niedrigen Goldstegen.  [Bad. Landesmuseum]

Woher genau die Almandine aus den beiden Schmuckstücken herkommen, wurde nicht untersucht. Almandine, eine Form des Granats, wurden auch im Odenwald gefunden. Wegener vermutet, dass die Almandine aus den Schmuckstücken weit aus dem Osten kommen, wahrscheinlich von der Krim. Untersuchungen eines geschmückten Schwerts, das allerdings nicht aus Klepsau stammt, haben das ergeben.

Die Rolle der Frau

Aus den Frauengräbern kann man weitere Schlüsse ziehen, da die gefundenen Fibeln regionaltypische Gestaltung aufweisen. So spricht Wenzel davon, dass eine Fibel aus Thüringen kommen dürfte. Möglicherweise waren es Hochzeitsgeschenke oder eine Mitgift, meint sie, denn meist trugen nur verheiratete Frauen derartige wertvolle Accessoires. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass zur damaligen Zeit eine „Patrilokalität“ vorherrschte, dass der Grund also Männern gehörte und dass Frauen aus anderen Sippen auf den Grund ihres Mannes zogen.
Kaum anders als heutige Frauen führten übrigens die fränkischen Frauen aus dem 7.Jahrhundert gerne ein Täschchen mit sich, das an einem schräg über die Schulter befestigten Riemen getragen wurde – und genau wie heute waren in dem Täschchen unter anderem die Schmuckuntensilien. Ein bemerkenswerter Kamm aus Bein mit einem Schutzetui aus demselben Material zeigen das.
Frauen hatten aber, zumindest in den wohlhabenden Familien, eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Zwar gehörte wohl das Land dem Mann – aber die Frau hatte die Schlüsselgewalt. Das zeigt ein seltener Fund: Reste eines metallenen Kästchens, das laut Wegener ein Schlüsselkästchen gewesen sein dürfte.

Soziales Gefüge

Nicht nur wohlhabende Menschen waren in Klepsau beigesetzt. Die eindrucksvollsten und künstlerisch hochwertigsten Funde stammen aus nur wenigen Gräbern, die von Wohlstand zeugen. In den meisten Gräbern wurden allerdings weniger wohlhabende Menschen begraben, sodass man den Unterschied zwischen Arm und Reich nachvollziehen kann: Liegen in den Gräbern der Wohlhabenden künstlerisch gestaltete Fibeln, so findet man das in den ärmeren Gräbern nicht: Fibeln waren wichtige Gebrauchsgegenstände, die weiterverwendet wurden. Man konnte es sich wohl nicht leisten, derartig nützliche Gegenstände einer Toten mit ins Grab zu legen.

Die Funde aus Klepsau liegen heute im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloß. Öffnungszeiten und weitere Informationen unter www.landesmuseum.de.
Überblick über die Funde von Klepsau: „klepsau“ – Digitaler Katalog – Badisches LandesmuseumLiteratur:
Dr. Klaus Eckerle, Neue Funde aus frühmittelalterlichen Adelsgräbern in Klepsau und Hüfingen
Ursula Koch, Das fränkische Gräberfeld von Klepsau im Hohenlohekreis. (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg ; Bd. 38 )
(antiquarisch erhältlich)

Schriftliche Überlieferung

Schriftlich ist über die Franken im Jagsttal aus der merowingischen Zeit des 7.Jahrhundert fast nichts bekannt. Das römische Reich, aus dem es Berichte von Reisenden gibt, war zerfallen. Aufgeschriebene Geschichte wird es erst mit der fortlaufenden Christianisierung im 8. Jahrhundert geben, als in den neu gegründeten Zellen und Klöstern beispielsweise Besitzverhältnisse dokumentiert wurden. Aus Nordfrankreich, wo die Merowingerherrscher seit dem 6. Jahrhundert getauft waren und sich eine kirchliche Infrastruktur entwickelt hat, weiss man mehr, da die dortigen Könige ihr Leben von Chronisten aufschreiben ließen. Insofern bleiben den Historikern und Archäologen, die sich mit der Region beschäftigen, nur die erhaltenen Gegenstände der damaligen Zeit und der Vergleich mit den Überlieferungen der Chronisten, die – den merowingischen Herrschern sagt man Blutrünstigkeit nach – sicherlich ganz im Sinne des jeweiligen Königs geschrieben sind. Stoffe aus Flachs oder Leinen, Holz und ähnliche Naturmaterialien sind im Lauf der Jahrhunderte verrottet, steinerne Zeugnisse gibt es wenige. So bleibt nur, aus den Hinterlassenschaften, die man den Verstorbenen mitgab, auf die Lebensweise der damaligen Jagsttäler zu schließen.

Auch wenn man vieles weiß oder ahnt: ein Geheimnis bleibt.

Text: Matthias Lauterer




Schon wieder: Diebe in Ohrenbach

Nachdem bereits vor wenigen Wochen der Einbruch in ein Wohnhaus gemeldet wurde, steht jetzt eine Baustelle, nicht weit entfernt vom ersten Einbruch, im Fokus von Dieben. Die Polizei Heilbronn teilt dazu mit:

Künzelsau-Ohrenbach: Werkzeug gestohlen – Zeugen gesucht

Unbekannte entwendeten in der Nacht auf Dienstag Werkzeuge von einer Baustelle in Künzelsau-Ohrenbach. Der oder die Täter verluden zwischen 16 Uhr am Montag und 9 Uhr am Dienstag mehrere größere Baumaschinen und Geräte auf ein unbekanntes Fahrzeug im Binsenweg. Die Höhe des entstandenen Schadens ist unbekannt. Zeugenhinweise gehen unter der Telefonnummer 07940 9400 an das Polizeirevier Künzelsau.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Das 9€-Ticket: Ideal für Digitalnomaden

Viele Menschen verbringen heute ihr Büroleben in Coworking-Spaces und nicht mehr an einem festen Arbeitsplatz in einer Firma. Nachteil des Coworking-Konzepts ist für viele Berufsstarter der Preis: Ein paar Hundert Euro monatlich muss man in Ballungszentren schon rechnen für einen Platz im Coworking-Space. Man bekommt dafür gerade mal einen eigenen kleinen Schreibtisch und rund um sich herum befinden sich „kreative Umgebungen mit einer dynamischen Business-Community“. Das ist eine nette Umschreibung für „ewig dieselben Hipsterbärte, die ihre Erfolge lautstark feiern, der Typ gegenüber nervt den ganzen Tag und im Kühlschrank stehen nur seltsame Getränke und ein 6er pack Sushi“.

Vorher: Ein Schreibtisch im CoWorkingSpace.  Screenshot von www.spacesworks.com, einem Anbieter von Coworking Spaces.

Nahverkehrsanbieter bieten erstmals wirklich mobile Büros an

Die Alternative bieten nun die deutschen Nahverkehrsbetreiber: Für offiziell nur 36 Euro im Monat können sich Digitalnomaden in einem Viersitzerabteil des Nahverkehrs einmieten und bequem einrichten und dann im wahrsten Wortsinne mobil arbeiten. Die wirklich selbstbewußten Sparfüchse unter den Digitalnomaden zahlen allerdings selbst zu Stoßzeiten nur 9€ monatlich.

Nachher: Bequemes und mobiles Digital-Leben im Nahverkehrszug. Foto: GSCHWÄTZ

Den eigenen Schrank zur sicheren Aufbewahrung der Habseligkeiten bringt man selber mit, die Aussicht ist abwechslungsreich und inspirierend: sie wechselt zwischen grüner Landschaft und der Rückseite von Industriegebieten. Der größte Vorteil des Angebots dürfte aber sein, dass man bei der Arbeit nicht nur Hipster kennenlernt, sondern einen fast repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft, dass man dem wahren Leben begegnet und sich intensiv mit den Sorgen und Nöten der Mitreisenden beschäftigen kann.

Dieses Angebot ist allerdings nur noch bis Ende August 2022 gültig.

Text: Matthias Lauterer




Der Bau von preiswertem Wohnraum ist gar nicht billig

Dass preiswerter Wohnraum inzwischen ziemlich teuer geworden ist, mußte der Künzelsauer Gemeinderat in seiner Sitzung vom 28. Juni feststellen. Bereits vor rund eine Jahr stellte Wolf Giesecke von der GWG Schwäbisch-Hall ein Konzept für die Bebauung eines städtischen Grundstücks am Hallstattweg vor, das mit „serieller und modularer Bauweise“ preiswerten Wohnraum bieten soll.

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V., bei dem die GWG Mitglied ist, hat mit neun Unternehmen eine Rahmenvereinbarung getroffen, um mit standardisierter Bauweise preiswerten Wohnraum erstellen  zu können. Für das geplante Gebäude im Hallstattweg sind unter anderem folgene Ziele vorgegeben:

  • Vorhandenes Grundstück: Fläche ca. 2.800,00 m²
  • Stellplatzanzahl: 1 Stlp. je Wohnung, 6 Stlp. für Sportverein und 10 Stlp. für Bauhof.
  • Fahrradstellplätze in der erforderlichen Anzahl und Größe samt Überdachung
  • Gebäude mit 3 Vollgeschossen und einem zurückgesetzten DG mit Flachdach gemäß B-Plan möglich.
  •  Wohnungsmatrix: ca. 60% – 1 Zimmerwohnungen, ca. 30% – 2 Zimmerwohnungen, ca. 10% – 3 Zimmerwohnungen
  • Wohnungsgrößen: 1 Zimmer bis ca. 45 m² ; 2 Zimmer bis ca. 60 m² ; 3 Zimmer bis ca. 75 m²
  • Ausreichende Anzahl an barrierefrei nutzbaren Wohnungen (1 Geschoss oder übereinander liegende Wohnungen im selben Ausmaß)
  • Zugänge zu allen Wohnungen und Balkonen barrierefrei
  • optimale Ausnutzung des Grundstücks im Hinblick auf Wohnraum und Stellplätze soll erreicht werden.

Keine Familienwohnungen

Ziel der Stadt Künzelsau ist es, dort anfangs Bewohner von städtischen Gebäuden unterzubringen, die in den nächsten Jahren saniert beziehungsweise abgerissen und neu errichtet werden sollen. Aus diesem Grunde sind dort auch keine größeren Wohneinheiten geplant. In einem neu zu errichtenden Gebäude im Egerlandweg sollen dann auch 4-Zimmer-Wohnungen für Familien mit Kindern gebaut werden.

Kalkulation

Eine erste überschlägige Kalkulation geht von Kosten von 7,7 Millionen Euro (incl. Mehrwertsteuer) aus, das sind Baukosten von rund 4.500 €/qm. Nicht inbegriffen sind eventuelle Kosten für eine Solarüberdachung von Parkplätzen. Die Kalkulation geht noch von einer energiesparenden Bauweise nach KfW40 aus.

„Die Förderbedingungen ändern sich oft.“

Bei weiter steigenden Preisen dürfte dieses Ziel zu diesem Preis nicht zu erreichen sein. Wichtig, so Gieseke, sei es aber, die Förderungsmöglichkeiten zu beobachten: „Die Förderungsbedingungen ändern sich oft“.
Bei vollständiger Kreditfinanzierung des Gebäudes geht Christian von Stetten nach einer schnellen überschlägigen Rechnung von einer Miete von mindestens 13€/qm aus.

Abstimmung

Ohne Gegenstimme und bei einer Enthaltung stimmt der Gemeinderat dem Antrag der Verwaltung, die erforderlichen Ausschreibungen vorzunehmen, zu. Es wird vereinbart, dass zur Beurteilung der eingegangenen Vorschläge und Angebote pro Fraktion ein beratendes Mitglied hinzugezogen wird.

Text: Matthias Lauterer

 




Genossenschaftliche Bankenfusion geplatzt

Die geplante Fusion der Raiffeisenbank Hohenloher Land und der VR Bank Heilbronn Schwäbisch-Hall ist geplatzt. Die Vertreterversammlung der Raiba Hohenloher Land stimmte am 06. Juli 2022 der Fusion nicht zu.

Noch vor wenigen Tagen war Andreas Siebert, Vorstand der RaiBa Hohenloher Land, überzeugt vom Gelingen der Fusion  (GSCHWÄTZ berichtete).

„Die Vertreterversammlung ist unser Souverän“

Gegenüber GSCHWÄTZ erklärt Siebert nach der Abstimmung vom 06. Juli 2022: „Unser Vorschlag zur Fusion hat keine Zustimmung gefunden. Die Vertreter haben sich mit einer 2/3-Mehrheit gegen die Fusion ausgesprochen [zur Fusion wären 75% der Stimmen nötig gewesen, Red.].“ Er ist weiterhin davon überzeugt, dass die Fusion für die beteiligten Banken vorteilhaft gewesen wäre, allerdings war den Vertretern:innen offenbar der Zeitraum seit der letzten Fusion noch zu kurz: „Wir haben viel Arbeit hineingesteckt, konnten aber die Vorteile den Vertretern nicht nahebringen. Die Vertreterversammlung ist unser Souverän, wenn die Zeit noch nicht reif ist, dann akzeptieren wir das“, sagt Siebert. Seinen Kunden verspricht er: „Wir bleiben  die Raiffeisenbank Hohenloher Land, wie man uns kennt“.

Text: Matthias Lauterer




6 Millionen Joints aus dem Verkehr „gezogen“

„Betäubungsmittelkriminalität ist Holkriminalität“, sagt Staatsanwalt Müller-Kapteina beim Pressegespräch der Staatsanwaltschaft Heilbronn. Er meint damit, dass es in diesem Bereich der Kriminalität selten zu Strafanzeigen kommt – weder die Lieferanten noch die Käufer werden gegen ihre Geschäftspartner anzeigen, ganz anders als etwa bei Betrugsdelikten (GSCHWÄTZ berichtete).

Trotzdem berichten die verantwortlichen Staatsanwälte von großen Erfolgen in den letzten Jahren, insbesondere beim „Handel in nicht geringer Menge“. Es konnten gleich mehrmals große Mengen von Betäubungsmitteln (Marihuana, Kokain und andere) sichergestellt werden. Wichtiger noch als die Sicherstellung der Drogen war die Verhaftung vieler Personen, die an Logistik und Vertrieb dieser Drogen beteiligt waren: Man konnte nicht nur die Endverkäufer und Konsumenten, sondern auch Hintermänner dingfest machen.

Viele Informationen sind dem EncroChat-Hack zu verdanken

Zu verdanken waren diese Erfolge nicht zuletzt ausländischen Strafverfolgungsbehörden, die es schafften, die Kommunikation der Täter mitzulesen. Es war ihnen gelungen, in die Telefone der Firma „EncroChat“ eine Software einzuschleusen, die die verschlüsselte Kommunikation direkt an die Behörden weiterleitete. Müller-Kapteina bestätigte, dass viele Erkenntnisse über Täter im Heilbronner Raum aus diesen EncroChat-Protokollen erlangt wurde: „Zahlreiche Verfahren beruhen auf Auswertung von Krypto-Kommunikation“.

Die beschlagnahmten Mengen waren größer als erwartet: „Wir wußten, dass in Heilbronn was geht, aber dass es soviel ist, war uns nicht klar“.  Allein 2 Tonnen Marihuana, das entspricht 6 Millionen Joints, konnten innerhalb von 18 Monaten eingezogen werden. Arbeitslos werde er sicher nicht, meint Müller-Kapteina, wenn die Regierung Marihuana legalisieren will, was sie ja versprochen hat. Zum einen werde – das sei abzuwarten – die Logisitk großer Mengen Rauschmittel sicherlich nicht legalisiert und zum anderen werde auch zukünftig Angriffspunkte im Bereich der BTM-Kriminalität geben.

Vermögensabschüpfung

Auch in derartigen Fällen wird das Vermögen der Beschuldigten abgeschöpft. Im Bereich der BTM-Kriminalität fielen den Behörden neben Geldbeträgen auch Luxusuhren und Luxusfahrzeuge in die Hände.

Großverfahren als Herausforderung

Diese großen Verfahren bedeuten eine Herausforderung an die Ermittlungbehörden. Ermittlungen wurden und werden gegen eine Vielzahl von Beschuldigten geführt, oft auch mit Auslandsbezug und sowohl Anklage als auch Verteidigung nutzen „alle Maßnahmen, die die Strafprozeßordnung bietet“. Diese umfangreichen Verfahren blockieren die Ermittlungsarbeit bei der  „Kleinkriminalität“, muss Müller-Kapteina zugestehen.

Langjährige Haftstrafen

Allein vor dem Landgericht Heilbronn wurden 23 Strafverfahren verhandelt, bis zu 13 Jahren Haft wurden verhängt. Viele Angeklagte wurden zu Strafen zwischen drei und sieben Jahren verurteilt. „Häufig ist die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden“, teilt Lutz Hils, Pressesprecher des Landgerichts Heilbronn, mit.

Auf diesen sogenannten „Maßregelvollzug“ wird ein weiterer Beitrag eingehen.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Künzelsau zeigt Flagge für den Frieden und gegen Atomwaffen

Am 8. Juli 2022 weht vor dem Rathaus in Künzelsau erstmals die Flagge des weltweiten Bündnisses der Mayors for Peace. Der Gemeinderat hat im April 2022 den Beschluss gefasst, dem weltweiten Netzwerk von Städten beizutreten.

„Frieden ist das Fundament für das Leben, wie wir es kennen“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Es ist unvorstellbar für mich, dass etwa unsere Schulen, Kindergärten, Straßen, Häuser durch Kriegshandlungen zerstört werden und wir mit Angst vor Waffengewalt abends einschlafen und morgens aufwachen – wie es den Menschen in der Ukraine und anderen Kriegsgebieten geht. Ich möchte mich persönlich für eine friedvolle Welt einbringen und bin dankbar und froh, dass wir uns in Künzelsau nun auch bei Mayors for Peace gegen Kriege und für Frieden engagieren.“

8170 Städte gehören dem Netzwerk Mayors for Peace an

Bürgermeister Neumann präsentiert die Flagge von Mayors for Peace. Foto: Elke Sturn, Stadt Künzelsau

Mayors for Peace setzt sich vor allem für die Abschaffung von Atomwaffen ein, greift aber auch aktuelle Themen auf, um Wege für ein friedvolles Miteinander zu diskutieren. Mehr als 8.170 Städte gehören dem Netzwerk an, darunter mehr als 830 Städte in Deutschland. Viele dieser Städte zeigen mit der Flaggen-Aktion in diesem Jahr ihre Solidarität mit der Ukraine und setzen sich für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen ein.

Die nuklearen Drohgebärden Russlands sind ein Tabubruch.

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar dieses Jahres ist die europäische Sicherheitsordnung zerstört worden. Die nuklearen Drohgebärden Russlands sind ein Tabubruch. Die atomare Bedrohung ist so präsent wie lange nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund fand in Wien vom 21. bis 23. Juni die erste Vertragsstaatenkonferenz des Atomwaffenverbotsvertrages statt. Der Vertrag war am 22. Januar 2021 in Kraft getreten. Deutschland hat an der UNO-Konferenz als Beobachter teilgenommen. Die Mayors for Peace waren mit zahlreichen Delegierten ebenfalls vertreten. Hibakusha – Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki – berichteten über die beispiellose humanitäre Katastrophe, die der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen verursachte.

Kommt es zu neuem nuklearen Rüstungswettlauf?

„Friedensforscher befürchten, dass es zu einem neuen nuklearen Rüstungswettlauf kommt“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Wir als Mayors for Peace Stadt setzen daher gemeinsam mit über 500 Städten in Deutschland am Flaggentag ein deutliches Signal gegen die atomare Aufrüstung und für den Frieden. Wir unterstützen den Atomwaffenverbotsvertrag. Er ist der Weg zu Global Zero – einer Welt ohne Atomwaffen. Die Flagge zu hissen ist in diesem Jahr auch ein Zeichen unserer Solidarität mit der Ukraine.“

Androhung des Einsatzes und Einsatz von Atomwaffen verstoßen gegen das Völkerrecht

Am Flaggentag erinnern die Mayors for Peace an ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 8. Juli 1996. Der Gerichtshof stellte fest, dass die Androhung des Einsatzes und der Einsatz von Atomwaffen generell gegen das Völkerrecht verstoßen. Zudem stellte der Gerichtshof fest, dass eine völkerrechtliche Verpflichtung besteht, „in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen.“

Wer sind die Mayors for Peace?

Die Organisation Mayors for Peace wurde 1982 durch den Bürgermeister von Hiroshima gegründet. Das weltweite Netzwerk setzt sich vor allem für die Abschaffung von Atomwaffen ein, greift aber auch aktuelle Themen auf, um Wege für ein friedvolles Miteinander zu diskutieren. Mehr als 8.170 Städte gehören dem Netzwerk an, darunter mehr als 830 Städte in Deutschland. Rund 500 Städte in Deutschland beteiligen sich in diesem Jahr am Flaggentag.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




Hoch hinaus

Mit 18 Jahren kniete sich ein kleiner Junge namens Miguel mit einer Tulpe vor die Fachabiturientin hin und fragte, ob sie seinen großen Bruder kennenlernen möchte. Von da an änderte sich ihr Leben. Nikita, die von ihren Eltern nach einem Elton-John-Song benannt wurde, kam mit Manolito zusammen, einem jungen Mann aus einer Zirkusfamilie – und entschied sich, ihr bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Vor kurzem gastierte die Familie Quaiser wieder in Künzelsau. Dr. Sandra Hartmann hat mit Nikita Quaiser über ihr früheres und jetziges Leben gesprochen.

„Mein Mann ist die Kraft und ich bin der Kopf“

„Mein Mann ist die Kraft und ich bin der Kopf“, so fasst die 27-Jährige die Aufgabenverteilung zwischen ihr und ihrem Mann zusammen. Sie ist unter anderem verantwortlich für Werbung, Pressegespräche für die Zeitung und die Finanzen. Der 29-Jährige hat die wilden Tiere des Zirkusses unter sich – allen voran das Löwenpärchen Massai und Manou. Beide präsentieren im Zirkus auch akrobatische Höchstleistungen. Manolito stemmt etwa 12 weiße Stühle allein mit seinem Mund, Nikita zeigt an der Zirkuszeltdecke akrobatische Stunts in einem Reifen, einem so genannten Lyra-Ring. Nikita gibt aber auch unumwunden mit einem Lachen zu: „Akrobatisch war ich anfangs eine Niete.“ Mit Tiernummern, Tauben und Ziegen, fing sie an. Schließlich wurde sie von einem anderen Familienmitglied, Vanessa, in den Kunst der Ring-Akrobatik zwei Wochen lang intensiv eingelernt. Jeden Tag. Mehrere Stunden. Es ist noch nie etwas passiert, wenn sie direkt unter dem Zirkuszelt ohne Netz ihre Figuren in dem Ring zeigt. Wie viel Meter sie vom Erdboden trennen, weiß sie nicht. In den Proben ist sie hochkonzentriert. Aber bei ihrem Auftritt schaltet Nikita ihren Kopf aus und lauscht nur der Musik, die erklingt, wenn sie die Manege betritt.

„Ich wollte nicht an einem Ort leben“

„Beruflich wollte ich immer etwas mit Tourismus und Reisen machen. Ich wollte nicht an einem Ort leben und das habe ich jetzt alles“, sagt sie und strahlt.

Vor zehn Jahren hat alles begonnen. Der Zirkus der Familie Quaiser gastierte in der Stadt, in der sie als 18-Jährige lebte. Sie begleitete am Abend eine Freundin, die sich in einen jungen Mann – Nikitas jetzigem Schwager Ronny – von eben diesem Zirkus verguckt hatte. Dann trat auf einmal ein kleiner Junge auf Nikita zu, kniete sich vor ihr nieder, streckte ihr eine Tulpe entgegen und sagte: „Hallo schöne Frau. Ich habe einen älteren Bruder. Möchtest du den kennenleren?“

„Ich habe einen älteren Bruder. Möchtest du den kennenleren?“

Es war und ist eigentlich nicht üblich, mit einer so genannten „Privaten“ zusammenzukommen. In der Regel finden „die Reisenden“ untereinander ihre Partner. Mit zwei Ausnahmen in der Familie Quaiser: Vor Manolito hat sich auch sein Papa eine Bürgerliche ausgesucht. Der Seniorchef ist heute über 60 Jahre alt und er hat viele Aufgaben an den Junior Manolito abgegeben. Dennoch „wird noch alles von den Seniorchefs abgesegnet“, betont Nikita. Früher hätten diese – die Schwiegereltern von Nikita – viel schwerer arbeiten müssen beim Zirkus, erzählt Nikita. Es gab keine Hilfsmaschinen beim Aufbau und ohnehin waren sie nur zu Dritt gewesen: Das Seniorchef-Ehepaar und die Mutter des Seniorchefs.

Nun besteht die Zirkusfamilie aus 21 Menschen (12 Erwachsene und neun Kinder) sowie 26 Tieren. Das Zirkuszelt ist mittlerweilse doppelt so groß wie früher. Sie haben Hilfsgeräte für den Auf- und Abbau, wie zum Beispiel einen Traktor und einen Radlader. Manolito und Nikita sind ehrgeizig. Es ist die neunte Generation, die derzeit die Geschicke des Zirkusses leitet und es sollen noch viele folgen. Mit ihren 27 Jahren haben sie schon drei Kinder – eine Fußballmanschaft darf es gerne werden, sagt Nikita lachend.

8 Jahre lang in den Vereinigten Staaten gelebt

Nikita wurde am 04. Januar 1995 in Augsburg geboren. Von ihrem leiblichen Vater spricht sie lediglich als „Erzeuger“. Ihre Mutter und er haben sich kennengelernt, als er als Soldat in Deutschland stationiert war. Als er zurückbeordert wurde in die Vereinigten Staaten, ist die Familie mitgezogen. Acht Jahre lang, bis sie zehn Jahre alt war, hat Nikita in Colorada gelebt. Dann haben sich die Eltern getrennt und Nikita ist mit ihrer Mutter und ihren beiden jüngeren Geschwistern zurück nach Deutschland. Der Kontakt zum Vater ist heute mehr als dürftig, obwohl die Mutter immer wieder Mails und Fotos geschickt  habe. „Er weiß, wie er mich erreichen kann“, sagt Nikita nur. „Papa“ ist für sie der Mann, den ihre Mutter in zweiter Ehe geheiratet hat. Damals war sie 14. Ihre Eltern leben heute in Ulm. Ein- bis zweimal im Monat sehen sie sich, wenn der Zirkus in der Nähe von Ulm gastiert. Ansonsten halten sie Kontakt über WhatsApp und Facetime. Dank der sozialen Medien „ist das heute kein Problem mehr““, sagt sie.

Ihre Kinder sollen einmal die Zirkusgeschäfte weiterführen

Am 14. Februar 2018, mit 23 Jahren, hat Nikita ihren Manolito geheiratet. Ihre Kinder Roberta (7), Guiliana (5) und Scarlett (2) sollen einmal die Zirkusgeschäfte weiterführen. Schon jetzt stehen sie teilweise bereits für kleinere Auftritte auf der Bühne. Dennoch müssen auch sie im richtigen Alter sind, in die Schule gehen. Zirkuskinder haben eine so genannte „Stammschule“, die den Überblick über den aktuellen Wissensstand der Kinder hat, Materialien verschickt und schaut, was in anderen Schulen gemacht wurde, wenn sie utnerwegs waren. im Fall Quaiser ist das die Schule in Kocherstetten. Zusätzlich gibt es nachmittags manchmal Unterricht von Zirkuslehrern, entweder direkt vor Ort oder online. Aktuelle betreut sie hier Frau Wagner aus Öhringen.

„Es war und ist die große Liebe“

„Es war und ist die große Liebe“, sagt Nikita mit Blick auf ihren Manolito. Damals, nach der Tulpenaktion, haben sie sich neun Monate lang täglich gesehen – unabhängig davon, wo der Zirkus stationiert war. „Er ist morgens um 05 Uhr aufgestanden, hat seine Arbeit erledigt, um danach zu mir zu kommen.“ Und Nikita? „Ich habe gewusst, dass mein Platz hier im Zirkus ist.“ Einmal habe Manolito fast einen Autounfall gehabt, weil alles zu viel wurde. Dann war es für Nikita klar, wo für sie die Reise hingehen sollte. Sie brach ihr Fachabi ab, hat ihre Sachen gepackt und ist zu Manolito gezogen. Ihre Mama war nicht begeistert. Bauchschmerzen habe diese vor allem wegen des Wechsels von einem regelmäßigen in ein unbestimmtes Leben bereitet. Für Nikita war „das zwar eine Umstellung, aber es hat gepasst. Ich zeige mich gerne in der Manege, mache gerne meine Arbeite und bin sehr tierverrückt“.

„Jeder hat seine Rückzugsmöglichkeiten“

Unter den Familien gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber diese halten, so Nikita, nicht länger als zehn Minuten an. Ihren Zirkuswagen teilt sie sich mit Manolito und ihren Kindern. Er ist aufgeteilt in ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer, einen Wohnbereich und ein Bad. „Jeder hat seine Rückzugsmöglichkeiten. Aber meistens sitzen wir alle zusammen“, mit Musik und Gesang, erzählt sie.

Auch ihre Vierbeiner haben mal Null-Bock-Phasen

Wenn Manolito mit den Löwen auftritt oder probt – und das macht er fast täglich – hat sie keine Angst um ihren Mann. „Man darf niemals Angst haben. Sonst darf man sie nicht halten. Man muss die Tiere lesen und wissen, wie das Tier aufgelegt ist.“ Manchmal gäbe es auch bei Vierbeinern Null-Bock-Phasen. Das Gute: Hinter den Kulissen bringen sie den Tieren viel mehr bei. In der Manege wird dann nur ein Teil abgerufen – so viel, wie das Tier zum Mitmachen an diesem Tag bereit ist.

Prüfungen müssen dafür abgelegt werden. Einmal wöchentlich schaut das örtliche Veterinäramt vorbei. Die Kosten dieser Tierhaltung sind auch nicht zu unterschätzen. Allein das Löwenduo frisst täglich rund 20 Kilo Rindfleisch. Das kostet derzeit rund 17 Euro pro Kilo (340 Euro täglich). Die Inflation macht auch vor der Zirkusfamilie nicht Halt.

Harte Coronajahre mit Auftrittverbot

Auch die Coronajahre waren nicht einfach. Zirkusse durften in dieser Zeit nicht auftreten. So strandete die Familie letzten Endes auf dem Grundstück einer netten Familie in Laßbach am Waldrand. Bauchschmerzen machten sich bei der ansonsten sehr positiv eingestellten Nikita breit, wie es nun weitergehen würde. Die Angst sei da gewesen: Wann hört das Ganze wieder auf? „Die Ungewissheit war das Schlimmste. Da wusste man nicht vor und zurück.“ Irgendwann wsei man fertig mit allen Schönheitsreparaturen und Instandsetzungen und wartete einfach nur noch ab. „Die Zeit zum Überlegen war die schlimmste Zeit gewesen“, erinnert sich Nikita. Es kamen viele Futter- und Kleiderspenden von Anwohner:innen aus dem Hohenlohekreis herein. Das habe sehr geholfen. Zudem haben sie sich vor Supermärkten in der Region positioniert und Nummern aufgeführt, um Geld zu sammeln. Durch die große Not, die sie in dieser Zeit erlebt haben, ist ihr Bedürfnis auch groß, anderen zu helfen, die in Not sind. Insgesamt rund 1.000 Euro Nachlass gab die Familie Quaiser ukrainischen Frauen mit ihren Kindern für eine Vorstellung in ihrem Zirkus in Künzelsau. Der Rest bezuschussten das Landratsamt, das Keltereck und GSCHWÄTZ.

Sehr hilfsbereit

Fast täglich trainieren sie ihre Auftritte. Es soll ja leicht ausschauen für die Zuschauer. Im Winter trainieren sie mehr, weil sie mehr Zeit haben haben und sich auf die neue Saison vorbereiten. Sie hoffen allerdings, dass sie während dieser Zeit in Künzelsau gastieren und einen Winterzirkus präsentieren dürfen.

Vor ihren Auftritten hat Nikita regelmäßig Schmetterlinge im Bauch. Das verfliegt jedoch schnell. Denn „wenn Menschen drin sitzen, die einen anlachen und begeistert sind, ist das einfach ein schönes Gefühl.“

Text: Dr. Sandra Hartmann