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Hexen bedienten sich großzügig im Pfarrkeller

Im 18. Jahrhundert war das heute eher unscheinbare Belsenberg einer der wichtigsten Weinorte, zumindest Nordwürttembergs. Die diversen Herrschaftshäuser aus der ganzen Umgebung waren froh, wenn sie einen Belsenberger Weinberg ihr Eigen nennen konnten.

Diese und andere Aspekte aus der Belsenberger Geschichte machten Stefan Kraut, Stadtarchivar von Künzelsau, der Verein Stadtgeschichte Künzelsau e.V. und Uwe Siller, der letzte verbliebene Belsenberger Weingärtner, bei einer Stadtteilführung am 15. Juli 2022 sicht- und erlebbar.

Das unterirdische Belsenberg

Der größte Teil der Weinbaugeschichte Belsenbergs ist heute nicht auf den ersten Blick sichtbar: Belsenberg ist nämlich größtenteils unterkellert, von den Zehntkellern der diversen historischen Grundbesitzer sind noch einige in gutem Zustand erhalten. Die Kellergewölbe, die bis hinein ins 18. Jahrhundert entstanden sind, zeugen heute noch von den statischen Kenntnissen der damaligen Bauherren. Verbunden sind die Keller durch unterirdische Wasserläufe, die sich aus einem der drei Belsenberger Bäche oder aus einer der vielen Quellen speisen. Schon damals gab es offenbar eine Normierung der Transportmittel: Die Tore der einzelnen Keller waren genau so groß, dass ein Fass für zwei Fuder (1 Fuder sind in der Region ungefähr 1.750 Liter) „bequem“ ein- oder ausgelagert werden konnte. Rund 110 Hektar Rebfläche wurden in Belsenberg in den besten Zeiten bewirtschaftet. Zum Vergleich: Heute bewirtschaftet die Weinkellerei Hohenlohe rund 550ha, in mehr als 20 Orten.

Oberhalb des Österbachs: Heute nur noch einzelne Rebflächen. Foto: GSCHWÄTZ/Matthias Lauterer

Auch den Hexen schmeckte der Wein

Nicht nur die weltlichen und geistlichen Herrschaften liebten den Belsenberger Wein. Ausgerechnet den Keller des Pfarrhauses hatten sich Hexen ausgesucht, um darin zu feiern. Auf ihren Besen fuhren sie durch ein schmales Kellerfenster ein und tranken dort mithilfe von Röhrenkochen rund 300 Liter Wein, das war etwa die Hälfte des jährlichen Deputats des Ortspfarrers, ein empfindlicher Verlust. Nach dem Gelage verließen sie den Keller offenbar unfallfrei wieder durch das Fenster. So und nicht anders muss es sich abgespielt haben, denn genau so steht es in den Prozeßakten des darauffolgenden Hexenprozesses. Die Dorfjugend, die vielleicht detailliertere Auskunft über den Verbleib des Weines hätte geben können, wurde wohl nicht hochnotpeinlich befragt.

Im Keller des Pfarrhauses (rechts) trieben die Hexen ihr Unwesen. Hinten der Eingang zum Keller der Kellerei. Foto: GSCHWÄTZ

Vielleicht romanische Mauern

Noch viel älter als aus dem 18. Jahrhundert mögen die Mauern der alten Kelter sein: Siller vermutet, dass dieses Gebäude ursprünglich noch im romanischen Stil erbaut war, also vielleicht aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen könnte. Und auch Stefan Kraut fragt sich, ob es damals Verbindungen vom Kaiserhaus der Salier, zu deren Zeit beispielsweise der Speyerer Dom entstand, zur hiesigen Region gegeben haben könnte. Mit Wein wurde in Belsenberg im 14. Jahrhundert jedenfalls bereits gehandelt.

Urkunde über den Verkauf von Belsenberger Wein aus dem Jahr 1339. Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg

Wollten die Belsenberger zu hoch hinaus?

Wenig zu finden ist in den Archiven über die Belsenberger Kirche. Nicht einmal ein Name ist in den einschlägigen Akten der katholischen Kirche zu finden. Und trotzdem hat auch sie ihre Geschichte: dreimal wurden stolze hohe Kirchtürme vom Blitz getroffen und zerstört. Daraufhin wurde der heute noch erhaltene äußerst niedrige Turm errichtet, der seitdem vom Blitzschlag verschont wurde.

Napoleon ist schuld – wie so oft

Noch ab Mitte des 18.Jahrhunderts hatten die Fürsten von Hohenlohe-Langenburg ein großes Investitionsprogramm für den Belsenberger Weinbau gestartet, aber ab Anfang des 19. Jahrhunderts ging es mit dem Weinbau und damit dem Wohlstand Belsenbergs bergab. Schuld ist, wie an so vielem in der Region, Napoleon: Mit seiner Herrschaft wurden einerseits Handelswege unterbrochen, wichtiger aber war, dass die wehrfähigen Männer für seinen Russlandfeldzug rekrutiert wurden und hohe Kriegssteuern zu zahlen waren.

Bis in die 70er Jahre noch Kellerei

Noch bis in die 70er Jahre war in Belsenberg Kellereibetrieb, davon zeugt bis heute der wohl größte Keller unter der alten Schule. Von den riesigen Holzfässern, in denen dort der Wein gelagert wurde, ist nichts mehr zu sehen, allein die Größe des Gewölbes ist trotzdem beeindruckend. Siller erzählt, dass er als Kind nach der Schule öfter ans Fenster geklopft habe. Sein Großvater, der in der Kellerei gearbeitet hat, habe ihm dann immer ein Gläschen Wein durchs Fenster gereicht: „Gschadet hots net“, stellt er zufrieden lächelnd fest.

„In einen Weinkeller gehört Wein“

Inzwischen ist Uwe Siller der einzige aktive selbständige Weinbauer in Belsenberg. Rund ein Fuder erzeugt er pro Jahr, die vielen Keller können schon lange nicht mehr mit Belsenberger Wein gefüllt werden. Das ist schade, denn „in einen Weinkeller gehört Wein“, sinniert Siller. Und so standen – war es Hexerei? – in den Kellern jeweils ein paar Flaschen Wein vom „Belsenberger Heilig Kreuz“ auf Kellertemperatur für die Teilnehmer der Stadtteilwanderung zur Verkostung bereit.

Weitere Stadtteilführungen:
18.08.2022, 16.30 Uhr: Kocherstetten
14.09.2022, 16.30 Uhr: Schloß Stetten
13.10.2022, 15.30 Uhr: MorsbachDie Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung per mail bei stefan.kraut@kuenzelsau.de

Text: Matthias Lauterer

 




Plötzlich berühmt und Vorbild!

Das Leben schreibt ganz besondere Geschichten und die Freie Schule Anne-Sophie setzt sich seit Jahren im Rahmen der Aktion „Achtung Mensch! Menschenbild“ mit Persönlichkeiten auseinander, deren Leben Besonderheiten aufweist. Die Para-Sportlerin Denise Schindler wurde dazu von der Stiftung Würth eingeladen. Sie ist nicht nur in der Weltspitze ihrer Sportart, dem Radfahren, sondern in der Zwischenzeit als Moderatorin, Keynote Speaker oder Schriftstellerin erfolgreich. Vor allem, das zeigte sich schnell, gewann sie sehr schnell die Aufmerksamkeit und die Sympathie aller Teilnehmer*Innen der Jahrgangsstufen 8 und 9.

In der Begrüßung durch Stiftungsvorstand Helmut Jahn und Gesamtleiterin Angelika Schmidt, sowie einem musikalischen Intro der Schulband, wurde deutlich, welchen Stellenwert dieser Besuch an der Künzelsauer Schule bedeutet. Bestens vorbereitet sprachen Leon Arnold, Julia Rieger, Johanna Leister, Vianne Pusker, Laura Bendisch und Michael Krist Themen an, die das Leben mit einer Behinderung mit sich bringt.

„Überraschungsweltmeisterin“

Sehr offen wurde diskutiert, wie Denise Schindler es in den Jahren geschafft hat, mit dieser Behinderung von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter umzugehen, damit zu leben und vor allem, diese Erfahrungen zu reflektieren. In erster Linie konnte sie die Jugendlichen bestärken, sich Ziele zu setzen, diese mit Willensstärke zu verfolgen und nicht aufzugeben. Beste Beispiele waren dazu ihre konsequent umgesetzten Trainingseinheiten und Vorhaben, egal, wie sich gerade fühlte.

Bei ihren Schilderungen bestimmter Ereignisse wie Überraschungsweltmeisterin zu werden, Barack Obama oder Angela Merkel gegenüberzustehen, hatte sie nicht nur bewundernde Zuhörer:innen, sondern die jungen Menschen längst für sich gewonnen. Die Behinderung durch ihren Unfall und die damit verbundene Beinamputation in der frühen Kindheit, standen nicht mehr im Fokus, sondern die junge, fröhliche und ausgeglichene Frau, die sich selbst die Kraft gibt, damit umzugehen, damit zu leben, vor allem, ihr Leben mit Willensstärke zu gestalten.

Mit den Worten „Frau Schindler, es war eine ganz besondere Begegnung mit Ihnen. Wir alle haben heute profitiert und gewonnen“, verabschiedete Angelika Schmidt die Gäste und Teilnehmer in der Aula und bedankte sich bei allen für die tiefgehenden Gespräche, das Engagement und die Vorbereitung.

Pressemitteilung Freie Schule Anne-Sophie, Text: Wolfgang Schiele

 

 




Carmen Würth – ein Mensch mit Herzenswärme wird 85

Carmen Würth feiert am 18. Juli 2022 ihren 85. Geburtstag – im Kreis ihrer Familie. Die Mitarbeitenden des Unternehmens am Standort Künzelsau verliert sie dabei nicht aus dem Blick: Alle sind an ihrem Festtag zum Mittagessen in den Betriebsrestaurants eingeladen. Ihre persönlichen Glückwünsche übermitteln die Mitarbeitenden in Gratulationsbüchern, die an verschiedenen Stellen im Unternehmen ausgelegt sind. Geschenke möchte Carmen Würth keine – dafür sammelt sie Geldspenden, die sie über die gemeinnützige Stiftung Würth verschiedenen sozialen Projekten zukommen lässt. Das Museum Würth lädt anlässlich des 85. zu zwei Ausstellungen ein, die sich hauptsächlich aus der Sammlung Carmen Würth generieren.

Kultur aus 80 Ländern

Einen Wunsch hat Carmen Würth dann doch: Für die Bibliothek Frau Holle im Kulturhaus Würth in Künzelsau wünscht sie sich von allen Würth Gesellschaften aus den 80 Ländern, in denen Würth weltweit vertreten ist, je ein Buch in Originalsprache: von Literatur, Poesie, Lyrik bis zu Kinderbüchern, Märchen oder auch Kochbüchern – ein Blick in die Welt, Verständnis und Respekt für andere Kulturen. Ein Gedanke, der Carmen Würth zeitlebens umtreibt. Und ein Wunsch, der nicht besser beschreiben könnte, was ihr im Leben wichtig ist. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass die benachbarte Hirschwirtscheuer barrierefrei umgestaltet wird und mit dem Kulturhaus Würth mit Bibliothek Frau Holle ein Ensemble bildet.

Carmen Würth – ein Mensch mit Herzenswärme

Aneinander denken, füreinander da sein, das sind Grundsätze, die Carmen Würth schon immer lebt. Das zeigt sich in der Unternehmenskultur, die sie an der Seite ihres Mannes Reinhold Würth, mit dem sie im 66. Jahr verheiratet ist, entscheidend geprägt hat, genauso wie in ihrem lebenslangen Engagement für Menschen mit Beeinträchtigung.

Auf Augenhöhe, in respektvollem Miteinander zusammenarbeiten, dafür setzt sie sich ein. Das Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau hat sie genau mit dieser Absicht aufgebaut. Das Konzept, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Hand in Hand zusammenarbeiten, hat sie über die Grenzen Hohenlohes hinaus bekannt gemacht und damit das Hotel zum Vorbild für Menschlichkeit. „Über die Inklusionsarbeit können wir im täglichen Miteinander sichtbar machen, wie liebevoll und herzlich sich Menschen mit Beeinträchtigung begegnen. So schaffen wir Verständnis über den Umgang im Alltag“, erklärt Carmen Würth das Konzept. Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch ein Recht auf seine Rolle in unserer Gesellschaft hat und seinen Beitrag leisten kann. „Unsere Welt ist nicht nur schwarz oder weiß. Sie besteht aus so vielen bunten Farben, die man allerdings nur sehen kann, wenn man mutig genug ist, sich darauf einzulassen“, beschreibt sie den Impuls für ihre Arbeit.

Für diesen Gedanken engagiert sie sich in vielfältigen Initiativen. Vor kurzem hat sie Musikgruppen aus sonderpädagogischen Schulen und Einrichtungen aus der Region zum Musikfest der gemeinnützigen Stiftung Würth eingeladen. Die Musik und das Singen liegen ihr am Herzen. Ihre Mundharmonika hat sie immer dabei. Viele alte Volkslieder kennt sie auswendig und stimmt diese gerne an. Und dass Musik als verbindendes Element Grenzen überwinden kann, zeigt nicht zuletzt die Forschung von Prof. Dr. Renée Lampe, die seit 2012 die von Carmen Würth initiierte Markus Würth Stiftungsprofessur für Kinderneuroorthopädie und Cerebralparese an der TU München innehat. Aus Lampes Arbeit zu frühkindlichen Hirnschädigungen entstand unter anderem ein Klavierprojekt an der Andreas-Fröhlich-Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Krautheim. Seit 2008 engagiert sich Carmen Würth zudem für das Gemeindezentrum iThemba Labantu in einem Township vor Kapstadt, seit 2009 für ein Heim für Kinder mit Beeinträchtigung in Kirgisistan.

Pressemitteilung Würth




Kinder starten mit Waldyoga entspannt in die Sommerferien

Für den Beginn der Sommerferien hat das Forstamt des Hohenlohekreises einen Zusatztermin für Kinderyoga im Wald organisiert. Am Donnerstag, 4. August 2022, sind Kinder im Grundschulalter zur gemeinsamen Entspannung und Meditation eingeladen. Bei der Yoga-Stunde führt Anne Köppe in der einmaligen Atmosphäre des Waldes durch einfache Übungen, die den Kopf nach einem langen Schuljahr frei machen und für Entspannung in den Ferien sorgen. Treffpunkt ist um 9.30 Uhr am Grillplatz in Schöntal-Aschhausen. Die Veranstaltung dauert etwa zwei Stunden und kostet 5 Euro. Mitzubringen sind eine Sportmatte oder feste Decke sowie bequeme Kleidung und etwas zum Trinken.

Die Veranstaltung ist Teil des Hohenloher Waldprogramms 2022. Hier laden die Försterinnen und Förster des Hohenlohekreises in diesem Jahr zu mehr als 30 Veranstaltungen rund um das Thema Wald ein. Zu allen Veranstaltungen ist eine vorherige Anmeldung beim Forstamt notwendig, idealerweise bis drei Tage vor dem Termin, unter Telefon: 07940 18-1560 oder E-Mail: HWP@hohenlohekreis.de. Weitere Informationen unter www.hohenlohekreis.de/wald. Flyer mit dem Programm liegen im Landratsamt und in den Rathäusern der Städte und Gemeinden aus.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis / Forstamt




„Ich merke schon jetzt, wie Balu mir Kraft gibt“

„Balu ist ein Geschenk für uns alle“, sagt Lisa Strehle* und krault den kleinen Parson Russel Terrier liebevoll am Ohr. Der Weg, wie Balu in die Familie nach Weißbach fand, ist aber eher ungewöhnlich.

Bis hin zu Suizidgedanken

Vor einigen Monaten ging es Lisa nicht so gut. Im November2021 wurde der jungen Mutter gekündigt. Danach fiel sie in ein depressives Loch. Im März 2022 folgte dann das Vorstellungsgespräch in der Tagesklinik in Künzelsau. Bereits zuvor plagten Lisa in ihrem Leben „ups and downs“, wie sie schildert. Alle drei Monate überrollte sie eine Phase, in der es ihr nicht gut ging – am Ende bis hin zu Suizidgedanken. Irgendwann sei „gar nicht mehr gegangen“, sagt sie. Ihr Freund und ihre Familie haben ihr geholfen, sagt sie. Und nun ist auch Balu da.

Schuhe und Füße mag Baku ganz besonders.

Lisas Psychologe empfahl ihr ein Hobby

Lisas Psychologe empfahl ihr ein Hobby. Zuerst wollte sie reiten. Aber das koste monatlich Geld, Sprit, Zeit. Und wenn sich wieder ein depressives Loch auftut, geht sie vermutlich einfach nicht hin. „Ich brauche etwas, das mich zwingt, rauszugehen“, sagt Lisa. Hund Balu soll sie im Alltagsrhythmus halten. Und auch ihren beiden Kindern tue das neue Familienmitglied gut. Besonders dem älteren, der an ADHS leide, sich schwerer im Alltag tue, aber dafür besonders gut mit Tieren könne, erklärt Lisa.

Zutiefst bewegt von der Geschichte

Die Hundezüchterfamilie Schief aus Forchtenberg war zutiefst bewegt von der Geschichte der Familie Strehle und entschloss sich spontan, ein Hundewelpe aus ihrem aktuellen Wurf Familie Strehle zu schenken. Lediglich die Unkosten wie etwa Impfkosten hatten diese zu tragen. Normalerweise hätte Balu 1.300 Euro gekostet. Viel zu viel für die junge Familie. Umso dankbarer sind sie daher für dieses Geschenk auf vier Beinen. „Ich denke, das hat einfach gepasst“, sagt Manuela Schief.

Seit vier Jahren Züchter

Ihr Mann Daniel Schief, der im Hauptberuf bei Bürkert arbeitet, ist seit vier Jahren Jagdhund-Züchter. Neben Deutsch Drahthaar züchtet er auch Parson Russell Terrier. „Diese Rasse ist sehr kinderlieb und gut im Wesen“, erklärt Schief. Zur Zucht kam er eher zufällig. Nachdem er und seine Frau von seinem Schwiegervater einen Parson Russell übernommen hatten, wollte Daniel Schief noch einen Deutsch Drahthaar dazu haben. Diesen hat er selbst ausgebildet, dann kam noch ein Weibchen dazu, das er ebenfalls ausgebildet hat. Seit einem Jahr hat auch seine Frau einen Jagdschein und darf die Jagdhunde damit auch ausbilden.

„Die Natur gibt einem viel Ruhe“

Im November 2021 hat Daniel Schief gemeinsam mit seinem Bruder Michael zudem noch ein kleines Jagdgeschäft im Untergeschoss seines Wohnhauses eröffnet. Hier gibt es nicht nur Hundefutter, sondern auch Katzenfutter, Nahrungsergänzungsmittel für Vierbeiner und Jagdzubehör. Seit vier Wochen ist er zudem Vorsitzender des Deutsch Drahthaar Vereins Gruppe Rhein Neckar, seine Frau wurde zur Geschäftsführerin bestellt. Im „normalen“ Leben arbeitet sie Teilzeit als medizinisch-technische Radiologieassistentin. Mit zwei Kindern und 5 Hunden im Haus wird es nicht langweilig. Aber das Schöne sei, so Daniel Schief: „Es gibt einem auch viel zurück. Die Natur gibt einem auch viele Ruhe.“

Ab der zweiten Nacht im „Kräbbele“

Derweil hat sich Balu schon sehr gut an seine neue Wohnung in Weißbach gewöhnt. Seit ein paar Tagen lebt er bei Familie Strehle. „Die erste Nacht war sehr anstrengend“, erinnert sich Manuel Gehwald*, der Freund von Lisa Strehle. Alle zwei Stunden habe Balu in seiner Hundebox auf sich aufmerksam gemacht, habe „gefinst“. Ab der zweiten Nacht durfte er daher im „Kräbbele“ bei beiden im Bett schlafen. Seitdem schlafe er durch, erzählen beide lachend. Die beiden Katzen, die ebenfalls in der Wohnung leben, habe er am Anfang gejagt, aber jetzt habe er sich auch an diese beiden Vierbeiner gewöhnt. Die sieben- und zehnjährigen Jungs von Lisa seien ganz vernarrt in Balu. Als die Familie Schief ihnen den Rabatt von rund 1.000 Euro gewährt hat, konnte Lisa Strehle es anfangs kaum glaube. „Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich wäre auch zum Putzen gekommen oder hätte es anderweitig irgendwie versucht, abzuarbeiten. Ich bin sehr dankbar und ich mehr schon jetzt, wieviel Kraft Balu mir gibt.“

Öffnungszeiten des Jagd- und Hundebedarfs Schief: Schöntaler Straße 28; 74670 Forchtenberg-Neuwülfingen:

Mittwoch & Freitag: 16 bis 18 Uhr; Samstag 10 bis 12 Uhr oder nach Absprache

Kontakt: info@jagdundhundebedarf.de; Internetseite: www.jagdundhundebedarf.de

Text: Dr. Sandra Hartmann

*die Namen der Familienmitglieder wurden auf Wunsch der Familie anonymisiert.




Politisch motivierte Sachbeschädigungen: 3/4 können keinem „Lager“ zugerechnet werden.

Über Sachbeschädigungen mit politischem Hintergrund hat GSCHWÄTZ dreimal berichtet. Erst in dieser Woche entstand an einer Gastwirtschaft nach einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation JA ein Schaden von rund 4.000 Euro. Davor haben wir über Farbschmierereien am Wahlkreisbüro des Landtagsabgeordneten Anton Baron sowie über eine massive Verteilung von rechten Aufklebern in Künzelsau berichtet, von der auch unsere Redaktion betroffen war.

Politisch motivierte Straftaten sind nicht selten

Die Polizei Heilbronn nennt Zahlen, sowohl für das gesamte Polizeipräsidium Heilbronn

„2020 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn 196 Straftaten mit politischer Motivation erfasst. 2021 waren es 411 Fälle. Hiervon waren 82 (2020) und 91 (2021) politisch rechts und 23 (2020) und 35 (2021) politisch links, sowie 13 (2020) und 18 (2021) Fälle anderweitig motiviert. 78 (2020) und 267 (2021) konnten nicht zugeordnet werden.“

als auch speziell für den Hohenlohekreis:

„Im Hohenlohekreis wurden 2020 32 und 2021 50 Fälle registriert. Hierbei waren 16 (2020) und 17 (2021) Fälle politisch rechts motiviert und keine (2020) bzw. zwei (2021) Fälle politisch links motiviert. In einem Fall 2021 konnte eine anderweitige politische Motivation festgestellt werden, wohingegen bei 16 Fällen in 2020 und 30 Fällen in 2021 eine Zuordnung nicht möglich war.“

Die rechts motivierten Straftaten sind also deutlich häufiger als die links motivierten. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass es Straftaten gibt, die nahezu ausschließlich vom rechten Milieu begangen werden, etwa das Verwenden von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen (z.B. das Zeigen des Hitlergrusses) oder Volksverhetzung (beispielsweise die Leugnung oder die Verharmlosung des Holocaust).

Zuordnung Rechts-Links nicht mehr möglich

Gesellschaftlich bedenkenswert ist der hohe Anteil von Straftaten, die nicht in das klassische Rechts-Links-Schema passen. Es könnte sich hier in einigen Fällen um Straftaten aus dem Milieu von Querdenkern handeln, eine seit 2020 neu aufgetretene politische Richtung, die ebenfalls nicht in das Rechts-Links-Schema passen will.

Sachbeschädigungen sind häufigste Straftat

Farbanschlag auf Anton Barons Wahlkreisbüro im Jahr 2019. Foto: privat

„Am häufigsten sind Sachbeschädigungen vertreten“, teilt Polizeipressesprecher Yannick Zimmermann mit. „Über die Jahre 2020 und 2021 wurden insgesamt 242 Fälle registriert. Der Großteil dieser Sachbeschädigungen können nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Davon entfallen 46 Fälle auf politisch linke und 9 Fälle auf politisch rechte Motivation. Insgesamt 7 Fälle sind anderweitiger Motivation zuzuordnen und 180 Sachbeschädigungen konnten nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.“
Bei Sachbeschädigungen gibt es also mehr links als rechts motivierte Straftaten. Wiederum fällt auf, dass rund drei Viertel aller Sachbeschädigungen zwar politisch motiviert sind, aber nicht einer der „klassischen“ Richtungen zugeordnet werden können. Es gibt also eine neue Art von politisch motivierten Straftätern.

Aufklärungsquote unterscheidet sich deutlich

„Die Aufklärungsquote beläuft sich auf 41,8% im Jahr 2020 und 33,1% im Jahr 2021. Hierbei liegt die Aufklärungsquote bei politisch rechts motivierten Straftaten mit 46,3% (2020) und 44,0% (2021) höher als bei politisch links motivierten Straftaten mit 4,3% (2020) und 8,6% (2021). Bei anderweitiger Motivation betrug die Aufklärungsquote im Jahr 2020 61,5% und 2021 66,6%. Die Aufklärungsquote von nicht zuzuordnenden Straftaten lag 2020 bei 44,9% und 2021 bei 30,3%.“

„Macht Deutschland wieder weiß“ – lautetet die Forderung auf einem der Aufkleber. Foto: GSCHWÄTZ

Warum die Aufklärungsquote sich zwischen links und rechts motivierten Straftaten so unterschiedlich ist, sei, so Zimmermann,  nicht in Kürze zu erklären. Die Vermutung, dass rechts motivierte Straftaten wie die Verwendung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen (§86 StGB) oder Volksverhetzung (§130 StGB) meist öffentlich, sei es auf der Straße oder im Internet, begangen werden und daher engagierte Zeugen zur Verfügung stehen, sei aber nicht von der Hand zu weisen, meint er.

Geringer Anteil von Gewaltdelikten

Die Anzahl von Gewaltdelikten, also Straftaten, bei denen Menschen zu Schaden kommen, unter den politisch motivierten Straftaten ist in der Region glücklicherweise gering. Dafür ist die Aufklärungsquote hoch, darauf weist Zimmermann hin: „Besonders hervorzuheben sind die Aufklärungsquoten bei Gewaltdelikten mit politischer Motivation, die bei 2 Fällen 2020, 100% betrug und bei 12 Fällen im Jahr 2021 83,3% aufwies.“

Aktenzeichen XY – Ungeklärt

Im Falle des beschmierten Abgeordnetenbüros von Anton Baron sowie der Anbringung unzähliger Aufkleber im Stadtgebiet von Künzelsau konnte kein Täter ermittelt werden, die Ermittlungen wegen der Sachbeschädigung an einer Gaststätte laufen, sie wurden vom polizeilichen Staatsschutz übernommen.

Text: Matthias Lauterer




„Dann bleiben Sie doch stehen, wo Sie wollen“ – groteske Szenen im Künzelsauer Amtsgericht

Prozesse, bei denen es um eine Tötung geht oder Prozesse, an denen Prominente beteiligt sind, sind Publikumsmagnete, obwohl sie oft nicht sehr spektakulär sind. Nicht selten geht es an einem Verhandlungstag um Details, die ein Beobachter gar nicht versteht. Echte Perlen der Justiz, die durchaus an eine Fernseh-Gerichtsshow herankommen, sind dagegen gern an Amtsgerichten zu finden, wie am 14. Juli 2022 am Künzelsauer Amtsgericht.

Verwendung unrichtiger Gesundheitszeugnisse

Ein Vater war wegen Verwendung unrichtiger Gesundheitszeugnisse angeklagt. Er hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt, so dass es jetzt zu einer Hauptversammlung kam. Ihm wurde vorgeworfen, dem Kindergarten Niedernhall-Giebelheide eine unrichtige Impfunfähigkeitsbescheinigung für seinen Sohn vorgelegt zu haben: Eine Masernimpfung ist für Kinder in Kindergärten verpflichtend, außer es gibt medizinische Gründe, die eine Impfung ausschließen.

Ich will einfach hier stehen

Der Prozeß begann grotesk: Der nicht anwaltlich vertretene Angeklagte wollte partout nicht auf den für Angeklagte reservierten Stuhl Platz nehmen, seine seltsame Begründung: Er sei hier nicht Schuldner, sondern genaugenommen Gläubiger. Nicht einmal seinen „bürgerlichen Namen“ wollte er nennen. Auf dem Aushang stand Alexander A., er wollte allerdings „Alexander aus dem Hause A.“ genannt werden, ersatzweise Alexander. Trotz der Androhung eines Ordnungsgelds blieb der Angeklagte stehen: „Vielen Dank, ich bleibe lieber hier stehen.“ Es erinnerte ein wenig an den Ehemann bei Loriot, der einfach hier sitzen wollte. Irgendwann gab Richterin Rührich mit den Worten: „Dann bleiben Sie doch stehen, wo Sie wollen“ klein bei. Sie wollte wohl eine weitere Eskalation und die Anwendung unmittelbarer Gewalt, die A. ins Spiel gebracht hatte, vermeiden.

Angeklagter ist nicht geboren

Die Schwierigkeiten gingen weiter:  Nicht einmal geboren sei er, meinte der Angeklagte, denn „ich vertrete hier meine natürliche Person“ – und natürliche Personen werden offenbar nicht geboren, sondern werden gegründet. Aber auch sein „Gründungsdatum“, das die Richterin aus den Akten vorlas, wollte er nicht bestätigen. „Im Sommer gegründet, vor vielen Jahren“ war das Einzige, was er bestätigte – das stimmte immerhin mit der Angabe aus den Akten überein. Der Angabe, dass er in Kasachstan „gegründet“ sei, widerspricht er nicht. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet er nur mit „Ist das wichtig?“

Einflüsterungen

Auf alle Fragen der Richterin flüstert eine Frau, wohl seine Ehefrau, aus dem Publikum ihm die „richtigen“ Antworten ein. Das endet erst, als sich ein Polizeibeamter nach seiner Zeugenaussage zwischen die Frau und den stehenden Angeklagten setzt. Vielleicht war dieses „Coaching“ von seiner vermutlichen Ehefrau ja der eigentliche Grund, warum sich A. nicht auf die Anklagebank setzen wollte? Sonst hätte er sie eventuell nicht mehr gehört.

Erklärung „unter Eid“

Später verliest der Angeklagte eine vorbereitete Erklärung, die er unbedingt „unter Eid“ verlesen wollte und die reichlich unverständlich war. Einerseits akustisch, er sprach sehr leise, hinter einer Maske und mit Akzent. Man hatte den Eindruck, dass er Fremdworte, die er vorlas, gar nicht verstand. Andererseits waren auch die vorgetragenen Argumente reichlich unverständlich. Was klar wurde: Er versteht nicht, warum er überhaupt hier ist, sein Schreiben ans Gericht sei schließlich kein Einspruch gegen den Strafbefehl gewesen, sondern eine Zurückweisung. Außerdem sei er nicht Angeklagter, auch nicht Schuldner, sondern Gläubiger. Und alle am Verfahren beteiligten, von Bürgermeister Beck angefangen, über die Polizeibeamten bis hin zum Gericht, seien überhaupt nicht legitimiert. Er bezog sich auf ein Rom-II-Abkommen, das sich aber auf internationales Privatrecht bezieht. Und überhaupt müsse erst einmal die Haftungsfrage geklärt sein.

Aus der Reichsbürger-Szene bekannte Argumente

Eine Argumentation also, wie man sie aus Reichsbürger- oder Selbstverwalterkreisen kennt, gemischt mit bekannten Aussagen aus der Impfgegnerszene. Mehr trug Alexander A. nicht zum Prozeß bei. Zur Sache äußerte er sich nicht, Fragen an die Zeugen hatte er ebenfalls keine.

500€ Ordnungsgeld

Irgendwann wurde es selbst Staatsanwalt Fuchs zu bunt: Er beantragte wegen Mißachtung von Anordnungen des Gerichts ein Ordnungsgeld von 500 Euro, das die Richterin dann auch verhängte.

„Impfung mit jedwedem Impfstoff“ soll kontraindiziert sein

Staatsanwalt Fuchs sah es als erwiesen an, dass A. bei dem in der Impfgegner-Szene bekannten Arzt Dr. Michael Foti aus Stefling in der Oberpfalz bewußt ein unrichtiges Attest anfertigen ließ, das seinem Sohn bescheinigt, eine Impfung mit jedwedem Impfstoff auf unbestimmte Zeit sei kontraindiziert. Da A. die Dokumente bei einer Behörde vorgelegt habe, sei der Straftatbestand des §279 StGB in der zur Tatzeit gültigen Version erfüllt.

Laut Staatsanwaltschaft wird gegen Dr.Foti an mindestens zwei Orten ermittelt. Seine Homepage „wird gerade überarbeitet“ und enthält keine Inhalte.
Die Homepage seiner Frau, die an derselben Adresse praktiziert, ist erreichbar und hat nahezu dieselben Inhalte wie die jetzt nicht mehr erreichbare Homepage von Dr.Foti.

Die Zeugen, der Polizeibeamte J. und Susanne Grupp, Leiterin der Niedernhaller Kindergärten, beschreiben die Vorgänge, die zum Strafbefehl geführt haben. Das Verfahren sei als „Abfallanzeige“ aus Ermittlungen gegen einen Arzt aus Steinheim/Murr von der Polizei in Ludwigsburg gekommen. Noch vor kurzem betonte die Staatsanwaltschaft in Heilbronn: „Diese Verfahren dürfen auch nicht eingestellt werden. Es soll sich für den Einzelnen nicht lohnen, eine Straftat zu begehen.“

Eine „Abfallanzeige“ brachte den Fall ins Rollen

In Niedernhall seien dann insgesamt sechs fragwürdige Gesundheitszeugnisse aufgefallen, unter anderem das von Alexander A. vorgelegte. Unter anderem war das Gesundheitsamt eingeschaltet und es fand eine Hausdurchsuchung bei der Familie des Angeklagten statt, bei der die Dokumente von Dr. Foti beschlagnahmt wurden. Diese Dokumente weisen laut Polizei einige Ungereimtheiten auf: So seien Unterschriften unleserlich, Dokumente vom selben Tag sollen einmal in Niedernhall, einmal in Stefling ausgestellt worden sein und die berechneten Untersuchungen könnten kaum mit der geringen Rechnungssumme der ärztlichen Liquidation in Einklang gebracht werden.

Gutachten aus Bamberg

Ein Gutachten aus Bamberg, das aus einer Strafsache gegen Dr. Foti stammt, sagt deutlich, dass nur eine erhebliche Immunerkrankung eine totale Impfunverträglichkeit bedingen könne. Kinder, die so schwer krank sind, könnten aber ohnehin nicht in eine Gemeinschaftseinrichtung wie einen Kindergarten aufgenommen werden. Außerdem wurden laut Liquidation keine Untersuchungen im Hinblick auf eine erhebliche Immunerkrankung durchgeführt.

Gericht verurteilt den Angeklagten

Letztlich folgt das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft und verurteilt Alexander A. wie im Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 40 Euro. Dabei erkannte Richterin Rührich an, dass A. nicht vorbestraft ist. Außerdem werden die Gesundheitszeugnisse, die A. gerne zurückerhalten hätte, eingezogen und A. muß die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil wird rechtskräftig, wenn weder A. noch die Staatsanwaltschaft innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen.

Text: Matthias Lauterer




„Wir wollen, dass jeder alles sehen kann“

Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe, in dem beispielsweise die archäologischen Funde aus Klepsau liegen (GSCHWÄTZ berichtete), hat ein ganz besonderes Museumskonzept: „Wir wollen, dass jeder alles sehen kann“, sagt Dr. Alexander Wolny, der als Leitender Explainer insbesondere die Archäologie in Baden betreut, „das ist die Philosophie unseres Museums“. In vielen Museen liegen Funde und Exponate in einem Fundus oder einem Archiv und werden höchstens für eine spezielle Ausstellung hervorgeholt und ausgestellt, in Karlsruhe ist das anders.

Individuelle Präsentation von Ausstellungsstücken

Und so ist Wolny stolz darauf, dass die Museumsstücke inzwischen zum allergrößten Teil digitalisiert sind und im digitalen Katalog, der im Internet unter Digitaler Katalog – Badisches Landesmuseum zu finden ist, zur Verfügung stehen. Und wem die Aufnahmen im digitalen Katalog nicht ausreichen, der kann sich fast alle Stücke, die ihn interessieren, auch anschauen: Anmeldung und Terminvereinbarung genügt, dann werden die Stücke individuell von einem kenntnisreichen Museumsmitarbeiter, einem sogenannten Explainer, präsentiert.

Die Digitalisierung des Museums

Besonders stolz ist Wolny auf eine Art Museumsversuchslabor. „Ab 2025 wird das Gebäude renoviert, da wird uns viel Ausstellungsfläche fehlen“, sagt Wolny, der aus der Not eine Tugend macht und auf einen digitalen Museumsbesuch hinarbeitet. Das Museum forscht also nicht nur an den Museumsstücken, sondern auch am Museum der Zukunft. Das „Pilotprojekt für ein neues Museumserlebnis“ soll ein digitalbasiertes Museumserlebnis möglich machen. Drei Konzepte sind derzeit verwirklicht und warten auf das Feedback der Besucher:

Highlights

An 16 Säulen werden 650.000 Jahre badischer Menschheitsgeschichte, ausgehend vom homo heidelbergensis, anhand einiger charakteristischer Ausstellungsstücke schlaglichthaft dargestellt. Eine Erklärung gibt es an den Säulen nicht – man muß seine Eintrittskarte vorhalten, dann erst erscheinen die Erklärungen. Die Eintrittskarten sind codiert: Erwachsene und Kinder erhalten unterschiedliche Informationen. „Es ist damit auch einfach möglich, die Erklärungen fremdsprachig zu hinterlegen“, meint Wolny.

Expothek

Elektronischer Museumsführer. Foto: Screenshot www.landesmuseum.de

Ebenfalls ganz ohne klassische Erklärtafeln kommt die folgende Expothek aus: Die ausgestellten Stücke können mit einem bereitgestellten handyartigen Gerät gescannt werden, auf dem Bildschirm werden die Erläuterungen aus dem digitalen Katalog dargestellt. Hier bedienen sich die Gestalter allerdings eines kleinen Tricks, denn „genaugenommen werden nicht die Exponate gescannt, sondern der Hintergrund, der ein eindeutiges und maschinell erkennbares Muster aufweist“, grinst Wolny auf die Frage, ob die Software ähnliche Gegenstände so gut unterscheiden kann.

Blick in die Expothek. Foto: GSCHWÄTZ

Die Tische in der Mitte laden zum interaktiven Museumsbesuch ein: Spiele für Kinder, Erklärungen für Erwachsene, hier sind der Fantasie der Besucher nur die Grenzen der bisher implementierten Daten und Software gesetzt. „Die Besucher nehmen das an, nicht nur Kinder und junge Leute. Auch Großeltern sitzen da und sind kaum wegzukriegen“, hat Wolny mit diesem Konzept bisher gute Erfahrungen gemacht. Das Beste daran: die virtuellen Objekte können direkt in natura angesehen werden – die Vitrinen und Schubladen sind gut gefüllt.

ExpoLab

Nicht für alle geeignet ist der dritte Raum: Dort kann man mit 3D-Brillen virtuell in die Vergangenheit eintauchen. „Da kann es schon vorkommen, dass jemandem schwindlig wird“. Diesen Menschen stehen „klassische“ Bildschirme zur Verfügung, auf denen sie den Reisen in die Vergangenheit folgen können. „Das ist für Viele gewöhnungsbedürftig“, weiß Wolny, „aber Kinder und Jugendliche lieben den Umgang mit den 3D-Brillen. Die Älteren brauchen etwas Eingewöhnungszeit.“

„Es gibt ständig neue Entwicklungen“

Und was wird für die Umbauzeit realisiert? Das weiß Wolny noch nicht: „Es gibt ständig neue Entwicklungen“ – er will ja nicht 2025 ein Konzept präsentieren, das schon wieder veraltet ist. Außerdem will man das Feedback der Besucher:innen aufnehmen und in die Präsentation einarbeiten. Das Museum arbeitet bei der Entwicklung des digitalen Konzeptes mit Forschungsinstituten zusammen: Beispielsweise mit einem Fraunhofer-Institut, das einen 3D-Scanner entwickelt hat, um archäologische Funde in eine virtuelle 3D-Darstellung zu überführen, sowohl zur Präsentation als auch zur weiteren Forschung. Auch dieser Scanner ist im Publikumsbereich installiert, wer will, kann ein Stück seiner Wahl scannen lassen.
Und für manchen Besucher hat der Scanner sogar eine höhere Anziehungskraft als die archäologischen Funde.

Das Badische Landesmuseum ist aus Hohenlohe mit der S4 ab Öhringen-Cappel ohne Umsteigen erreichbar. Von der Haltestelle Kronenplatz sind es noch wenige Minuten Fussweg zum Schloss.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Informationen zu den verschiedenen Angeboten des Museums finden sich auf der Homepage www.landesmuseum.de.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 




Wassermengen in den Fließgewässern im Hohenlohekreis nehmen ab

Als Folge der Witterung der vergangenen Wochen sind die Wasserpegel der Flüsse und Bäche im Hohenlohekreis erheblich gesunken. Um die Wassermengen nicht zusätzlich zu verringern, bittet das Landratsamt Hohenlohekreis um einen verantwortungsbewussten Umgang bei der Wasserentnahme.

Der Pegel des Kochers stand am 13. Juli 2022 bei 37cm. Normalhöhe ist ungefähr 80cm.

Aus oberirdischen Gewässern darf nur begrenzt Wasser entnommen werden. Ohne Erlaubnis zulässig sind Wasserentnahmen in geringen Mengen für den Gemeingebrauch, darunter das Tränken von Tieren oder das Schöpfen von Hand mit Eimern und Gießkannen. Landwirte, Gartenbaubetriebe und die Forstwirtschaft dürfen hierzu zwar auch Pumpen benutzen, allerdings darf der Abfluss des Gewässers insbesondere an den Nebengewässern von Kocher und Jagst nicht maßgeblich weiter verringert werden. Ein Aufstauen des Gewässers zur Entnahme ist ebenfalls nicht erlaubt.

Weitere Maßnahmen denkbar

Sollte sich die Niedrigwassersituation weiter verschärfen, kann es notwendig werden, dass das Landratsamt die Wasserentnahmen weiter einschränken muss. Weitere Informationen zum Thema Niedrigwasser und zu Wasserentnahmen sind bei der Unteren Wasserbehörde des Landratsamts Hohenlohekreis unter Telefon 07940 18-1367 erhältlich.

Hintergrund

Oberflächengewässer sind besonders empfindliche Ökosysteme. Gerade im Sommer sind sie durch hohe Temperaturen und lang andauernde Trockenheit großen Belastungen ausgesetzt. Zum Schutz der Gewässerlebewesen muss eine Mindestwassermenge im Gewässer verbleiben. Durch vermehrte und teilweise unkontrollierte Wasserentnahmen wird der empfindliche ökologische Zustand der Gewässer mit ihren Tieren und Pflanzen zusätzlich gefährdet und kann auf Dauer zerstört werden.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




36-Jährige kommt von Fahrbahn ab

Zwischen Mangoldsall und Neufels prallte eine Audifahrerin am Montagvormittag mit ihrem Fahrzeug gegen einen Lkw eines 45-Jährigen. Auf der Kreisstraße 2386 kam die 36-Jährige beim Passieren des entgegenkommenden LKW nach rechts von der Fahrbahn ab.

Dabei verlor sie wohl die Kontrolle über ihr Fahrzeug, das ausbrach. Sie kam zurück auf die Fahrbahn  und stieß gegen die Hinterachse des Lasters. Der Audi rutschte noch etwa 30 Meter weiter, bis er an einem Weizenfeld zum Stehen kam. Beide Fahrer blieben unverletzt.

Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund 30.000 Euro.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn.