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Open-Air Kino im Roten Schloss

„Wunderschön“ ist ein Episodenfilm der deutschen Regisseurin und Filmschauspielerin Karoline Herfurth aus dem Jahr 2022. Der Film zeigt mit Humor und Sensibilität in loser Verknüpfung fünf Frauen im Spannungsfeld zwischen angekratztem Selbstbild und vermeintlich notwendiger Selbstoptimierung.

„Eine große Portion Humor und Romantik, ein genauer Blick auf das Leben, mit dem sich Zuschauer identifizieren können und einer positiven lebensbejahenden Botschaft, die man beschwingt aus dem Kino hinaus in die Welt tragen kann.“ (fbw-filmbewertung.com)
TRAILER zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=CTUSWiG8Hfk

Beginn 20:30 Uhr
Vorverkauf 8.50€ pro Person, hier gehts zum Ticketshop
An der Abendkasse 10.00€ pro Person




Angeklagter: „Diese Vorwürfe sind als nichtig anzusehen“

„Ich bin der Jens“, stellt sich der Angeklagte Jens Müller* am Donnerstag, den 25. August 2020, kumpelhaft im Verhandlungssaal 2 des Amtsgerichts Öhringen vor. Ihm wird Vergewaltigung in Forchtenberg vorgeworfen (wir berichteten).

„Ich bin der Jens“

„Ich nenne Sie Herr Müller“, entgegnet die Richterin ernst und nimmt die Personalien des Beschuldigten auf. Jens Müller wurde 1953 in Rumänien geboren und lebt seit 1979 in Deutschland. sei. Auf die Frage nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung antwortet er: „Ich kann Ihnen meinen Lebenslauf vorlesen. Es sind drei Seiten – wir haben ja Zeit.“ Er habe „22 Jahre Schule gemacht“ und besteht darauf, seine Berufserfahrung im Detail auszuführen. Mit seiner beigen Hose, seinem gestreiften Poloshirt und den weißen kurzgeschnittenen Haaren sieht der 69-Jährige aus, wie ein ganz normaler Rentner. So einen, wie man ihn bei einem Senioren-Tanzabend oder beim Bingo-Spielen antreffen könnte. Doch stattdessen wird ihm vorgeworfen, in Forchtenberg in seiner Wohnung in der Nähe des Sägewerks und in seiner Schusterei, Ende der 1990er Jahre zwei jugendliche Mädchen eingesperrt, bedroht, vergewaltigt, geknebelt und geschlagen zu haben. Von 1998 bis 2000 betrieb W. ein Geschäft für Schuhreparaturen in Forchtenberg. Zum Zeitpunkt der vermeintlichen Tat, 1998, war W., aufgrund eines Radunfalls 1981, zu 100% schwerbehindert.

Zu 100 Prozent schwer behindert

Anfangs wirkt der Angeklagte noch selbstbewusst, reißt Witze und redet dazwischen. Nach der ersten Aussage einer der mutmaßlich Geschädigten, Ina Peters, ist der Angeklagte sichtlich in sich zusammengesunken, blickt mit leeren Augen in den Saal.

22 Jahre nach der Vergewaltigung Anklage erhoben

Ina Peters und Marta Wintermann waren Freundinnen. Als Ina Peters Marta Wintermann 2020, 22 Jahre nach der vermeintlichen Vergewaltigung, anruft, um sie davon zu überzeugen, sich der Klage gegen den Jens Müller anzuschließen, protestiert diese. „Sie wollte im Nachgang da nicht mit reingezogen werde und habe Streit mit ihrem Mann gehabt, weil Ina Peters sie deswegen kontaktiert und die Anzeige gestellt hat. Das sollte nicht publik werden“, erzählt Fr. B., die Familienhelferin der Familie von Ina Peters, vor Gericht.

Die Schilderung der Ina Peters nach Polizeiprotokoll ist folgende:

Forchtenberg, 1998. Ein bis zwei Wochen vor den Sommerferien. Die 15-Jährige Zeugin Ina Peters habe Schuhe in der Schusterei des Jens Müller abholen wollen. Auf einmal habe der Angeklagte die Jugendliche gegen ihren Willen umarmt, die Tür geschlossen und sie in einen Nebenraum gedrängt. Dieser sei halb unter der Erde gelegen, es habe somit keine ebenerdigen Fenster gegeben – nur Lichtschächte, durch die spärlich Licht in den engen Raum gedrungen sei. Jens Müller habe Ina Peters auf ein Sofa gedrückt, ihren Wickelrock hochgeschoben und ihr die Unterhose vom Leib gerissen. Er habe die Knöpfe seiner Latzhose geöffnet, seine Unterhose herunter gestriffen und sein Glied in die Scheide der Geschädigten eingeführt. Anschließend habe er seine Vergewaltigung ungeschützt bis zum Samenerguss fortgeführt. Die Geschädigte habe Risse und Blutungen an der Scheide erlitten. Zurück im Verkaufsraum, habe sie es geschafft, den Beschuldigten durch einen Tritt in die Genitalien für einen Moment außer Gefecht zu setzen und ihm die Schlüssel zu entnehmen. Anschließend sei ihr die Flucht durch die Ladentür gelungen.

Die Schilderung der Marta Wintermann nach Polizeiprotokoll ist folgende:

Forchtenberg 1998. Die mutmaßlich Geschädigte ist damals 16 Jahre alt.

Der erste Übergriff: Der damals 45-jährige Jens Müller habe die Familie der Marta Wintermann gekannt und diese Tatsache für seine Zwecke ausgenutzt. Er habe ihr mehrfach gedroht, ihre Familienangehörigen zu vergewaltigen und zu überfahren, um sie dazu zu bewegen, in seine Wohnung zu kommen. S. sei aus Angst, er mache seine Drohungen wahr, auf seine Forderungen eingegangen und sei tatsächlich in seiner Eineinhalb-Zimmer-Wohnung erschienen. Der Angeklagte habe Marta Wintermann mit den Worten empfangen, dass es „ja toll sei, dass sie zu ihm gekommen sei, da er so niemandem außer ihr weh tun müsse“. In den Räumlichkeiten von Jens Müller sei sie seinem Zugriff schutzlos ausgeliefert gewesen. Er habe sie auf seinem Bett in eine liegende Stellung gezwungen und ihr die Hose heruntergerissen. Anschließend habe er ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihr praktiziert und ihr den Mund mit den Worten zugehalten: „Halt still, dann ist es gleich vorbei.“

Der zweite Übergriff

Der zweite Übergriff: Der Angeklagte habe Marta Wintermann in Forchtenberg abgepasst und sie mit der Drohung in sein Auto gedrängt, dass er „wisse, wo ihre Oma und ihr Opa wohnen.“ Eingeschüchtert sei sie seiner Aufforderung und ihm so in seine Wohnung im Bereich des Sägewerks gefolgt. Dort habe er ihr alle Räume gezeigt und behauptet, „dass sie nun für deren Reinlichkeit zu sorgen habe, da er in Trennung lebe.“ Jens Müller habe sie ins Schlafzimmer gezogen. Es sei ihr unmöglich gewesen, zu fliehen. Er habe sie geschlagen, mit einem Tuch geknebelt und ihr gesagt, „dass sie schreien könne, so viel sie wolle. Tagsüber sei sowieso niemand im Haus.“ Jens Müller habe der Geschädigten die Arme über den Kopf gerissen und ungeschützten Geschlechtsverkeht bis zum Samenerguss mit ihr gehabt. Anschließend habe die 16-Jährige sich waschen müssen. Danach habe er der Geschädigten erlaubt, zu gehen.

Danach habe er der Geschädigten erlaubt, zu gehen

„Diese Vorwürfe sind als nichtig anzusehen“, verteidigt sich der Angeklagte. „Das sprengt den Rahmen eines normal denkenden Menschen. Es stimmt einfach nicht.“

„Ich war ein guter Freund der Familie“

Zum Fall Ina Peters erklärt Jrns Müller: „Ich war ein guter Freund ihrer Mutter und Tante. Ich habe mich gefühlt, als ob ich zu der Familie gehören würde. Ich war wirklich bei der Familie wie daheim, es war wie meine zweite Familie. Mit der Mutter und der Tante hatte ich täglich Kontakt. Ich habe Ina Peters vielleicht in der Ortschaft mal gesehen. Ich weiß nicht, ob sie vielleicht ein oder zwei Mal im Laden drin war. Vielleicht mit der Marta. Da hat die Marta glaube ich etwas abgeholt. Ich weiß es nicht mehr. Sonst habe ich sie nie gesehen. Ich habe ein Problem damit, mir diese Frau überhaupt bildlich vorzustellen.“

„schulmäßig unterstützt“

Marta Wintermann habe der Angeklagte „schulmäßig unterstützt“. Er habe auch Kontakt mit deren Mutter und Tante gehabt. „Die Großeltern habe ich öfters auf dem Weg gesehen. Das sind sehr nette und liebe Menschen. Marta ist öfter in den Laden gekommen. Sie hatte Probleme in der Schule und ich habe ihr bei ihren Matheaufgaben geholfen. Manchmal bat sie mich auch um kleinere Reparaturen. Da ging es dann mal um eine Halskette oder so. Soweit es möglich war, habe ich ihr ständig bei den Schulaufgaben geholfen. Sie war faul oder bequem in der Hinsicht.

Durch Zufall kam es dazu“, erläutert der dreifache Vater Jens Müller.

„Die Mutter war nicht so begabt“

Jens Müller führt weiter aus: „Die Mutter der Maria war nicht so begabt, als dass sie ihrer Tochter bei den Schulaufgaben helfen könnte. Wie ich vorher schon erwähnte: Ich habe ja viele, viele Schuljahre hinter mir. Mit Marta Vati habe ich auch schon gesprochen. Er hat die Marta öfter gesucht. Er war der deutschen Sprache sehr, sehr schlecht mächtig. Manchmal, wenn er sie nicht gefunden hat, dann hat er bei mir gesucht. Sie ist öfter einmal untergetaucht und hat sich versteckt.“

Das Mädchen sollte daraufhin abgeschoben werden

„1999“ sei Marta Wintermann „nach Pakistan abgeschoben“ worden, so Jens Müller. „Sie war sogar mal mit mir zusammen bei der Polizei in Öhringen und hat um Hilfe gebeten. Da hat der Polizeibeamte gesagt: ‚Es tut mir leid, da sind die Sitten so, da können wir nichts machen.‘ Da habe ich gesagt: ‚Halt mal, die ist doch hier geboren‘. Die Oma, die Mutti von ihrem Papa, war dort. Der Papa ist aus Pakistan, die Mutter aus Forchtenberg. Sie sollte dorthin zwangsverheiratet werden. Ein konkreter Auslöser ist mir nicht bekannt. Als Marta noch klein war, wurde ausgehandelt, dass sie mit einem gewissen Alter ihren jetzigen Mann heiraten wird.“ Wie sich im Laufe der Verhandlung ergibt, sei Marta Wintermann nach Pakistan geschickt worden, nachdem der Vater einen an Jens Müller adressierten Liebesbrief bei ihr gefunden habe.

Jens Müller beharrt auf seiner Version der einvernehmlichen Beziehung und des freiwilligen Geschlechtsverkehrs:

Jens Müller beharrt auf seiner Version der einvernehmlichen Beziehung und des freiwilligen Geschlechtsverkehrs: „Ich war nur in kurzer Hose. Dann ist sie gekommen. Sie kam oft vor der Schule wegen Matheaufgaben zu mir Nachhause. Sie hat angefangen mich an den Beinen zu streicheln und dann ist es halt passiert.“

Vor dem Samenerguss abgebrochen

Auf die Frage der Richterin, ob der damals 45-Jährige beim Geschlechtsverkehr mit der Schülerinn verhütet habe, antwortet dieser: „Ich selber habe immer aufgepasst, dass nichts passiert. Vor dem Samenerguss abgebrochen. Ich denke schon, dass das hilft. Ich bin aufgewachsen in einem Land, wo es keine Verhütungsmittel gab, da musste man so verhüten.“

„Ich weiß es nicht mehr“

Der Oberstaatsanwalt hakt weiter nach: „Sie als 45-Jähriger haben erkannt dass die 16-Jährige wohl was von ihnen wollen würde, weil sie mit ihrer Hand zufällig oder absichtlich Ihren Oberschenkel berührt hat? Wer hat also wen ins Schlafzimmer gebracht. Wer ist vorausgelaufen? Sie oder Marta? Und dann? Dann sitzen sie also auf diesem Schlafzimmerbett, die Marta sitzt neben oder vor Ihnen und greift Ihnen zufällig an den Oberschenkel. Wie kam es dann zum Geschlechtsverkehr? Haben Sie die Marta ausgezogen oder hat sie sich selbst ausgezogen? Was hatte denn die Marta an? Hat Sie die Maria zu sich gezogen oder haben Sie sich auf die Marta draufgelegt? Bevor es zum Eindringen kam und nachdem sie ihnen auf den Oberschenkel gegriffen hat, haben sie sich da geküsst? Haben sie sich überhaupt mal geküsst? Gab es auch Zungenküsse?“

„Ich weiß es nicht mehr“, sagt Jens Müller.

„Marta sagte: ‚Ich wurde bedroht. Ich musste das tun, was er wollte sonst würde er meiner Familie etwas antun und auch meinen Freunden’“, zitiert der Staatsanwalt aus der polizeilichen Vernehmung.

„Das ist eine Lüge“, entgegnet Jens Müller.

„Er hat mir die Hose heruntergezogen, sein Geschlechtsteil entblößt und ist dann direkt in mich eingedrungen“

„Den ersten Geschlechtsverkehr beschrieb Marta folgendermaßen“, liest der Staatsanwalt vor: „‚Er hat mich vorher nicht berührt. Er hat mir die Hose heruntergezogen, sein Geschlechtsteil entblößt und ist dann direkt in mich eingedrungen. Ich hatte sehr starke Schmerzen im Unterleib, im Scheidenbereich und auch in den Beinen wegen dem Auseinanderdrücken.’“ Weiter fragt der Jurist: „Beim ersten Geschlechtsverkehr – ist die Marta dann anschließend in die Schule gegangen?“ Jens Müller antwortet: „Normal schon. Ich habe sie nicht die Schule schwänzen lassen. Ja.“

„Er hat mich vin hinten gepackt und am Nacken ins Schlafzimmer gezogen“

„Marta sagt am Tag nach dem Geschlechtsverkehr hätte es einen weiteren Vorfall gegeben. Sie hätten ihr an der Bushaltestelle „aufgelauert“ und ihr gesagt, sie wisse, wo sie hinkommen solle nach der Schule: nämlich in die Werkstatt. Ich zitiere aus dem Vernehmungsprotokoll: ‚Er hat mir dann gesagt dass er weiß, dass meine Schwester noch in der Schule ist und dass er weiß, was sie an diesem Tag anhatte. Er kannte auch die Namen von den Freunden, von denen er wusste, dass sie sie regelmäßig besucht. Ich wusste dann genau, dass ich tun musste, was er sagt, weil er ernst machen würde.’ ‚Er hat mich von hinten gepackt und am Nacken ins Schlafzimmer geschoben. Das heißt, er hat mich an einer Hand am Nacken gepackt und mich mit der anderen Hand ins Schlafzimmer geschoben. Er hat wieder mir und ihm die Hose heruntergezogen. Ich habe dann angefangen zu schreien und er hat mir eine runtergehauen und mir dann meinen Mund mit einem Tuch zugebunden.’“

Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die Vernehmung der mutmaßlichen Opfer Ina und Marta findet aufgrund des Opferschutzes unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da beide Zeuginnen zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt noch minderjährig waren.

Danach wird die Tante von Ina verhört, die behauptet, Ina hätte den Vorfall nur erfunden und nur aus Sicht von Marta berichtet, dass es passiert sei. Sie wisse nichts davon.

Die nächste Zeugin ist die Familienhelferin der Ina, Frau B.. Diese erinnert sich: „Wir hatten ganz normal Besuchskontakt. Wir haben uns über Geschehnisse generell unterhalten und irgendwann sagte sie Ina dann, dass es einen Übergriff auf sie gegeben habe. Sie sagte, dass das in Forchtenberg bei einem Schuhmacher gewesen sei. (…) Ich habe ihr angeboten, mich zu informieren, ob da noch etwas zu machen ist. Sie hat ein paar Tage darüber nachgedacht, ob sie eine Aussage machen will. Dann sind wir zur Polizei gegangen. Details habe ich erst in der Vernehmung richtig gehört.“

Ein ominöser Liebesbrief

Auch die Polizeihauptkommissarin Fr. T., die mit den Ermittlungen in dieser Sache beauftragt war, tätigt eine Aussage: „Ich habe mit Ina telefoniert. Am Telefon war sie sehr aufgewühlt Sie habe jahrelang gebraucht, um die Sache zu verarbeiten. Der ganze Familienfrieden sei damals den Bach runtergegangen. Vom Vater sei sie nach dem Vorfall (mit Jens Müller) nach Pakistan geschickt worden. Sie hat sich schließlich sehr ungern auf die Vernehmung eingelassen.“ Durch Vernehmungen von Zeugen sei Marta erst ins Spiel gebracht worden. „Sie (Marta) konnte zwei Fälle (zwei Missbrauchsfälle) präzise beschreiben. Es sei aber zu weitaus mehr Fällen gekommen. Im direkten Anschluss habe ihre Familie von der Geschichte etwas mitbekommen. Es gab einen ominösen Liebesbrief. Der W. Habe sie gezwungen, den zu verfassen. Der Vater habe den Brief gefunden und sie daraufhin nach Pakistan gebracht. Sie meinte, sie sei gezwungen worden, den zu schreiben. Sie gab aber keine Erklärung, warum der Liebesbrief bei ihr war.“

Zwei Missbrauchsfälle konnte sie präzise beschreiben

Die Richterin geht in ihrer Urteilsbegründung auf diesen Liebesbrief ein: „Wir haben diese Geschichte mit diesem Liebesbrief, was für mich auch irgendwie seltsam ist. Wenn er sie dazu gezwungen hat, den zu schreiben, warum ist dann der Liebesbrief bei Marta und nicht bei Herrn Müller, damit er ihn als Beweismittel in den Händen hat?“

Eine der Zeuginnen ließ sich befragen von der Gutachterin

Schließlich wird die Gutachterin, Fr. D.-H. zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeuginnen befragt. „Ich habe beide Zeuginnen angeschrieben. Mit Ina Ist ein Gespräch zustande gekommen.“, erklärt die Diplompsychologin, „Marta war nicht bereit, sich begutachten zu lassen, da das ganze schon sehr lange zurückliege und sie mit der Sache nichts mehr zu tun haben wolle.“ „Grundlage der Begutachtung“ sei „die Frage der Aussagetüchtigkeit, die Frage, wie man diese Zeugenaussage aus aussagepsychologischer Sicht einzuschätzen hat. Außerdem die Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen. Es geht darum, Hypothesen zu generieren, wie man diese Aussage auch anders betrachten kann, als wie von der Zeugin dargestellt.“

Hat sie sich eingebildet, das selbst erlebt zu haben?

Die Gutachterin resümiert: „Nach dem jetzigen Stand kann ich aus aussagepsychologischer Sicht nicht widerlegen, dass Ina etwas gehört hat von Marta und es verarbeitet hat, dadurch, dass sie sich eingebildet hat, das selbst erlebt zu haben. Bei jeder Befragung besteht auch die Gefahr, dass Aussagen verfälscht werden oder auch Aussagefragmente generiert werden. Je länger die Erinnerungen zurückliegen und je verschwommener diese Erinnerungen sind, umso mehr greift das Gedächtnis auch nach Strohhalmen, die angeboten werden. Je länger etwas zurückliegt, umso größeres Irrtumspotential ist in dem, was berichtet wird.

Viele persönliche Schicksalsschläge

Von Ina haben wir zu unterschiedlichen Befragungszeitpunkten unterschiedliche Berichte bekommen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in der Rückschau Quellen verwechselt und berichtete Erlebnisse als selbst erfahren wiedergibt. Es geht hier nicht um die Frage einer willentlichen Falschaussage, sondern es geht um die Frage, dass sie das möglicherweise nicht auseinanderhalten kann und meint, dass das so war. (…) Es lässt sich die Hypothese nicht von der Hand weisen, dass sie schon von Marta zu einem sehr frühen Zeitpunkt berichtet bekommen habe, was sie erlebt habe, und dann, nach vielen persönlichen Schicksalsschlägen, sie zu der Überzeugung gekommen ist, dass sie dieses auch selbst erlebt hat.

Ohne ihr Zutun da reingerutscht

Marta ist sozusagen völlig ohne ihr Zutun und, so wie ich das mitbekommen habe, ohne ihren Willen in das Verfahren hineingerutscht. Auch die Anzeige hat Ina ohne ihr Zutun geschalten. Sie war schon damals, als die Polizei sie befragtet, nicht aussagefreudig. Auch heute hat sie wiederholt geäußert, dass sie am liebsten ihre Ruhe haben will und mit der Sache nichts zu tun haben will. Auf der anderen Seite muss man also sehen, dass sie zwangsweise in diese Situation geraten ist. Wenn sie jetzt gezwungen ist, sich an Dinge zu erinnern, die 20 Jahre zurückliegen, kann man nicht davon ausgehen, dass eine schonungslose Offenheit vorliegt. Aus aussagepsychologischer Sicht sind deshalb subjektive Verfärbungen nicht auszuschließen. Aus aussagepsychologischer Sicht sehe ich keine Handhabe, das, was sie dazu gesagt hat, so dagegenzustellen, dass ich ausschließen kann, dass ihre Aussage durch subjektive Aspekte nicht so verzerrt ist, dass es so ist, wie sie es sehen möchte und heute darstellt. Es geht nicht darum, zu sagen, das stimmt nicht. Nur darum zu sagen, dass die Möglichkeit besteht, dass beide Zeugenaussagen nach dieser langen Zeit subjektiven Verfälschungen unterliegen.“ Im Fall von Marta gehe es darum, dass die „Frage der Freiwilligkeit im Laufe der Jahre anders interpretiert werden könnte. Es heißt nicht, dass es nicht stimmt. Ich kann es nur nicht anders widerlegen.“

Im Zweifel für den Angeklagten

Nach den Schlussplädoyers, die ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, verkündet das Gericht das Urteil: Freispruch. „In dubio pro reo“, wie die Richterin erklärt. „Es ist nicht unsere Aufgabe zu beurteilen, was ist moralisch richtig und korrekt ist, sondern zu beurteilen, ob ein Verhalten strafbar ist, oder nicht. Die Frage, die sich uns stellt, ist also: Was können wir nachweisen? Keiner geht heute hier davon aus, dass Ina oder Marta eine willentliche Falschaussage getätigt haben. Überhaupt gar nicht. Aber es gibt eben auch eine unwillentliche Falschaussage und das können wir nicht widerlegen. (…) Letztlich bleibt heute von dem, was hier heute geschildert wurde, nicht mehr so viel übrig, als dass man eine Verurteilung darauf stützen könnte. Es reicht im Endeffekt nicht aus, um die Nullhypothese zu widerlegen. So sprechen wir den Angeklagten, in dubio pro reo, frei.“

Text: Priscilla Dekorsi

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert




„Unsere Aufgabe ist es nicht, zu beurteilen, was moralisch richtig und korrekt ist, sondern zu beurteilen, ob ein Verhalten strafbar ist, oder nicht“

..Fortsetzung

Am Donnerstag, den 25. August 2022, gab es einen Prozess am Amtsgericht Öhringen gegen Jens Müller*. Die Anklage lautete auf Vergewaltigung.

Neben dem Angeklagten und den beiden mutmaßlichen Opfern, damals 15 und 16 Jahre, sagen die Tante von einem der vermeintlichen Opfer, Ina Peters*, deren Familienhelferin und die Polizeihauptkommissarin aus, die mit dem Fall betraut war. Nach fast neunstündiger Beweisaufnahme bringt die Befragung der psychologischen Gutachterin, die die Verhandlung verfolgt und ein psychologisches Gutachten zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeuginnen erstellt hat, eine unerwartete Wendung in den Fall. „Es ergeben sich etliche Unstimmigkeiten im Vergleich zu verschiedenen Aussagezeitpunkten von Ina Peters*.)“, erläutert die Diplompsychologin. „Es ist nicht auszuschließen, dass sie in der Rückschau Quellen verwechselt und berichtete Erlebnisse als selbst erfahren wiedergibt.“ Auch was Marta angehe, sei eine unwillentlich Falschaussage nicht auszuschließen: „Sie ist sozusagen völlig ohne ihr Zutun und, so wie ich das angenommen habe, ohne ihren Willen in das Verfahren hineingerutscht. Auch die Anzeige hat Marta Wintermann* ohne ihr Zutun geschaltet. Sie war schon damals, als die Polizei sie befragt hat, nicht aussagefreudig. Auch heute hat sie wiederholt geäußert, dass sie am liebsten ‚ihre Ruhe haben will‘ und ‚mit der Sache nichts zu tun haben‘ will. Auf der anderen Seite muss man also sehen, dass sie zwangsweise in diese Situation geraten ist. Wenn sie jetzt gezwungen ist, sich an Dinge zu erinnern, die 20 Jahre zurückliegen, kann man nicht davon ausgehen, dass eine schonungslose Offenheit vorliegt. Aus aussagepsychologischer Sicht sind deshalb subjektive Verfärbungen nicht auszuschließen.“

Die Gutachterin betont, dass sie nicht sagen könne, ob unwillentlich eine Falschaussage getätigt worden sei, durch die der Angeklagte der Vergewaltigung beschuldigt worden sei, oder ob die Aussagen der Zeuginnen Ina und Marta der Wahrheit entsprächen. Eine Falschaussage ließe sich allerdings aufgrund von Faktoren, wie der vergangenen Zeit zwischen den angeblichen Vorfällen und den Aussagen, gesundheitlichen und sozialen Komponenten und gedächtnispsychologischen Gesichtspunkten nicht ausschließen.

Schließlich resümiert die Richterin: „Unsere Aufgabe ist es nicht, zu beurteilen, was moralisch richtig und korrekt ist, sondern zu beurteilen, ob ein Verhalten strafbar ist, oder nicht. Die Frage, die sich uns stellt, ist also: „Was können wir nachweisen? Keiner geht hier heute davon aus, dass Ina Peters oder Marta Winternann eine willentliche Falschaussage getätigt haben. Überhaupt gar nicht. Aber es gibt eben auch unwillentlich Falschaussagen und das können wir nicht widerlegen. (…) Letztlich bleibt heute von dem, was hier heute geschildert wurde, nicht mehr so viel übrig, als dass man eine Verurteilung darauf stützen könnte. Es reicht im Endeffekt nicht aus, um die Nullhypothese zu widerlegen. So sprechen wir den Angeklagten, in dubio pro reo, frei.“

Text: Priscilla Dekorsi

*Namen von der Redaktion geändert




Forchtenberg: eingesperrt und brutal vergewaltigt?

Am Donnerstag, den 25. August 2022, hat das Amtsgericht Öhringen einen ganzen Prozesstag angesetzt, um zu klären, ob der 69-jährige Jens Müller* die damals 15- und 16-jährigen Ina Peters* und Marta Wintermann*. Im Jahr 1998 mehrfach vergewaltigt hat.

Der Tatvorwurf ist gravierend: Mindestens drei sexuelle Übergriffe soll der Täter zu Lasten der damals noch jugendlichen Zeuginnen, begangen haben.

Ina Peters, damals 15 Jahre, behauptet, sie sei vom Beschuldigten in dessen Schusterei in Forchtenberg eingesperrt, in einen Nebenraum gestoßen und dort brutal vergewaltigt worden, als sie dort Schuhe abholen wollte.

Die damals 16-jährige Marta Wintermann sei von Jens Müller mehrmals durch Drohungen dazu gedrängt worden, ihm in seine Wohnung in Forchtenberg zu folgen. Dort habe er sie geschlagen, geknebelt und vergewaltigt.

Der mutmaßliche Täter streitet alle Vorwürfe ab. Ina Peters  kenne er nur flüchtig. Mit Marta Wintermann habe er eine einvernehmliche Beziehung geführt.

Im Laufe der stundenlangen Verhandlung kommen immer mehr Details ans Licht.

Fortsetzung folgt.

 

Für Euch vor Ort: unsere GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi

*Namen von der Redaktion geändert




Langfinger unterwegs: Antriebswellen aus Fahrzeugen und Kupferkabel von einer Baustelle gestohlen

Ingelfingen-Stachenhausen: Antriebswellen aus Fahrzeugen gestohlen – Zeugen gesucht

Diebe entwendeten zwischen dem 16. August und dem 19. August 2022 eine Antriebswelle aus mehreren Arbeitsmaschinen in Ingelfingen-Stachenhausen. Innerhalb dieses Zeitraums begaben sich die Unbekannten zu dem Flurstück an der Landesstraße 515, an dem die Geräte gelagert waren und machten sich über diese her. Nachdem die Diebe die Antriebswellen aus den Arbeitsmaschinen ausgebaut hatten, flohen sie mit diesen. Vermutlich nutzten die Täter ein Fahrzeug zum Abtransport des Diebesguts. Der Polizeiposten Niedernhall hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen der Tat und Personen, die Angaben zu dem Vorfall machen können oder in diesem Bereich eine verdächtige Wahrnehmung gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 07940 8290 zu melden.

Forchtenberg-Ernsbach: Unfall verursacht und geflüchtet

Eine bislang unbekannte Person verursachte zwischen Sonntag, 18 Uhr, und Montag
7.30 Uhr, einen Verkehrsunfall in Forchtenberg-Ernsbach und flüchtete im Anschluss. Ein 19-Jähriger stellte seinen 3er BMW am Fahrbahnrand in der Sindringer Straße ab. Als er wieder zum Fahrzeug zurückkam, stellte er fest, dass der PKW beschädigt wurde. Ein Unfallverursacher gab sich nicht zu erkennen.
Das Polizeirevier Künzelsau hat die Ermittlungen zur Unfallflucht aufgenommen und sucht nun Zeugen, welche den Unfall beobachtet haben oder dazu Angaben machen können. Diese werden gebeten sich unter der Telefonnummer 07940 9400 zu melden.

Künzelsau-Gaisbach: Kupferkabel geklaut

Unbekannte entwendeten am späten Samstagabend ein Kupferkabel von einer Baustelle in Künzelsau. Die Täter begaben sich am zwischen 21.20 Uhr und 21.30 Uhr zu der Baustelle in der Maybachstraße. Dort entwendeten die Diebe ein circa
30 Meter langes Kupferkabel. Zeugen des Diebstahls oder Personen, die Angaben zu dem Vorfall machen können oder in diesem Bereich eine verdächtige Wahrnehmung gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 beim Polizeirevier Künzelsau zu melden.

 




Das liegt hauptsächlich daran, das ich in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen bin“

Die Inflation treibt derzeit die Einkäufe in den Supermärkten nach oben. Die Deutsche Markenbutter, früher einmal 39 Cent günstig, kostet mittlerweile mancherorts mehr als eine Biobutter im Hofladen. An den Tankstellen sieht es nicht besser aus. Früher forderten die Grünen, den Sprit für 3 Euro pro Liter zu verkaufen. Heute scheint dies tatsächlich kurz vor der Realität zu stehen. Eine durch Corona ausgelöste Wirtschaftskrise, Klimawandel mit schlechten Ernten und ein parallel dazu tobender Krieg mitten in Europa kommt nun bei den Bürger:innen direkt im Alltag an. Der Herbst und der Winter rücken näher und mit ihnen die nächste Heizperiode mit Gas- und Ölpreisen, die nicht nur manchen im Geldbeutel wehtun, sondern der breiten Masse.

Markus Neugebauer hat sich für GSCHWÄTZ umgehört, wie die Menschen im Hohenlohekreis mit diesen Veränderungen umgehen und hat unter anderem mit Ergotherapeutin Patricia S. aus Unterheimbach gesprochen.

Die 41 – jährige Ergotherapeutin Patricia S. aus Unterheimbach sieht der Inflation relativ entspannt entgegen.

“Das liegt hauptsächlich daran, das ich in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen bin und damit in gewisser Weise schon damit konfrontiert wurde.

„Bei einer sich zuspitzenden Lage würde ich mir zu helfen wissen“, lächelt Sie mich selbstbewusst an. Sie hebt hervor, dass sie kein „Konsummensch“ sie…Sie kauft nur das, was unbedingt notwendig ist.

Auf die Frage, wo Sie selbst eine Preissteigerung gemerkt hat, kommt wie aus der Pistole geschossen: „bei meinem Metzger“. Die 41-Jährige schätzt, dass sie nun zirka 30 Prozent mehr bezahle, als noch vor einem Jahr.

Den Grund für die Preissteigerungen sieht sie in der Coronapandemie: „Die Energiepreise waren schon vor dem Ukraine-Krieg stetig am steigen.“

Auch vertritt sie die Meinung, das viele Unternehmen nicht nur die erhöhten Einkaufspreise an Ihre Kunden weitergeben, sondern die Inflation auch nutzen, um höhere Gewinne zu erwirtschaften.

 

 




„Wir nehmen teilweise wahr, dass Kundinnen und Kunden aktuell stärker zu Eigenmarken greifen.“

Lebensmittel Preisentwicklung. Quelle: ZDF wiso

Wenn im Euro-Shop alles plötzlich 1,10 Euro kostet, dann wäre das vor zwei Jahren einfach nur ein lustiges Bild gewesen. Heute zeigt es den Ernst der Lage für viele Menschen auf. Eine Inflationsrate von momentan über 7 Prozent bedeutet nämlich, dass Menschen, die bereits vor dem rasanten Preisanstieg den Cent zweimal umgedreht haben, inzwischen nicht mehr wissen, wie sie sich ernähren sollen. Nicht nur die Armen sind von steigenden Preisen für Lebensmittel im Lebensmittelbereich betroffen. Auch scheinbar wohlhabende Menschen, die Kredite aufgenommen haben und wenig sonstige Sparquote haben, müssen für das tägliche Leben immer mehr Geld aufwenden und geraten in finanzielle Gefahr.

Es gibt nicht die „eine“ Inflation, Inflation ist individuell

Der Warenkorb, den DESTATIS für die Berechnung der Inflationsrate zugrundelegt, umfaßt 645 Artikel. Nicht alle dieser Artikel sind für jeden relevant: Wer sich vegetarisch ernährt, den interessieren die Fleischpreise nicht, und wer kein Auto hat, der tankt auch keinen Diesel. Aber Lebensmittel braucht jeder: Die Preise für Lebensmittel sind innerhalb eines Jahres ungefähr doppelt so stark gestiegen wie die Inflationsrate, nämlich um 14,8 Prozent, so jedenfalls sagt es die Verbraucherzentrale. Und wer nach den Ausgaben für Wärme, Strom und Lebensmittel kein Geld mehr hat, für den ist die persönliche Inflationsrate deutlich höher als die amtlich ermittelte Rate.

Beispiele für die Teuerung bei Grundnahrungsmitteln

Butter beim Discounter kostete Anfang des Jahres  1,29 Euro – inzwischen muss man mit über 2 Euro für das halbe Pfund rechnen. Und die Milch, deren niedriger Preis von um 0,75 Euro vor wenigen Monaten noch Bauernproteste hervorrief, kostet jetzt beim Discounter 1,39 Euro.

Verschleierungstaktik der Hersteller

Von Butter auf Margarine umzusteigen, lohnt sich nicht, denn manche Lebensmittelhersteller trauen sich schon gar nicht mehr, die Preissteigerungen offen zu kommunizieren und greifen zu billigen Tricks: Aufgeflogen ist kürzlich Upfield, Hersteller unter anderem der Margarinemarke RAMA, der zum gleichen Preis nur noch 400g statt wie bisher 500g Margarine in einen Becher packt – und das in der bisher bekannten Bechergröße. Eine Preissteigerung von 25 Prozent auf einen Schlag. „Shrinkflation“ heißt das neue Wort für dieses Anbieterverhalten.

Bei den preiswertesten Kaffeesorten stieg der Preis um mehr als 20% und auch die einfache 500g-Packung Spaghetti der Discountermarke, die vorher um die  65ct kostete, ist jetzt nicht mehr unter 79ct zu bekommen. Nudelspezialitäten kosten bei der Eigenmarke 1,19 Euro, die italienischen Markenprodukte stehen bei 1,99 Euro. Für 1kg Reis zahlte man Anfang des Jahres noch unter einem Euro, heute werden 1,39 Euro aufgerufen.

Selbst wer sich die Situation schöntrinken möchte, muss feststellen, dass der preiswerte Rotwein aus Frankreich nicht mehr 1,99 Euro kostet. Immerhin wurde der Preis gerade wieder herabgesetzt, 2,99 Euro war wohl zuviel des Guten für die Zielgruppe der preissensitiven Weinliebhaber.

Obst und Gemüse

Für Obst und Gemüse ist ebenfalls eine deutliche Preissteigerung bemerkbar. Da deutsche Ware derzeit Saison hat, ist die Preissteigerung dort noch nicht so stark bemerkbar. Im Winter, wenn wieder Äpfel aus Neuseeland und Orangen aus Israel im Angebot sind, werden die Preise allein wegen der deutlich gestiegenen Transportkosten anziehen. Auch Gewächshausware wird wegen der Energiepreise deutlich teurer werden.

Tipp: lokale Anbieter für frische Produkte

Bei den lokalen Anbietern, die ihre selbsterzeugten Produkte auf den lokalen Märkten oder im Hofladen anbieten, sind die Preise bisher weitgehend stabil.

Verarbeitete Nahrungsmittel

Eine Mitarbeiterin tauscht Preisschilder aus. Foto: twitter, @sternimommy

Richtig deutlich zeigt sich die Preissteigerung bei den verarbeiteten Nahrungsmitteln. Je mehr energieintensive Verarbeitungsschritte, desto stärker zeigen sich die Auswirkungen der Energiekosten. Ein drastisches Beispiel macht bei twitter die Runde, angeblich wurde das Foto von einer Verkäuferin aufgenommen, die gerade Preisschilder austauscht. Ein Preissprung von fast 90 Prozent ist darauf zu sehen:

Beim Metzger merkt Patricia die Inflation am meisten

Patricia, 41, aus Unterheimbach sieht der Inflation relativ entspannt entgegen: „Das liegt hauptsächlich daran, dass ich in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen bin und damit in gewisser Weise schon damit konfrontiert wurde. Bei einer sich zuspitzenden Lage würde ich mir zu helfen wissen“, lächelt sie selbstbewusst. Sie hebt hervor dass sie „kein Konsummensch“ sei. Sie kauft nur das, was unbedingt notwendig ist.

Auf die Frage, wo Sie selbst eine Preissteigerung gemerkt hat, kommt wie aus der Pistole geschossen „bei meinem Metzger“. Sie meint, dass sie jetzt ca. 30 Prozent mehr bezahlt als vor einem Jahr.

Neben den immensen Preissteigerungen bei Lebensmitteln, der auf den Ukraine-Krieg zurückzuführen ist, sieht sie die Corona – Pandemie als Zugpferd für steigende Preise in allen Bereichen, auch im Energiesektor: „Die Energiepreise waren schon vor dem Ukraine-Krieg stetig am Steigen, die Sanktionen und die Reduzierung der Gas – Lieferung durch Russland haben die Preise zum Explodieren gebracht und sind somit merklich spürbar für den Endverbraucher“. Auch vertritt sie die Meinung, dass viele Unternehmen nicht nur die erhöhten Einkaufspreise an Ihre Kunden weitergeben, sondern die Inflation auch nutzen, um höhere Gewinne zu erwirtschaften.

Patricia ist „kein Konsummensch“. Foto: privat

Einzelhändler und Discounter wollen nicht viel preisgeben

Die Einzelhändler und Discounter wollen für ein Gespräch über Auswirkungen der Inflation auf ihr Geschäft, beispielsweise ein verändertes Kundenverhalten oder das Thema „Shrinkflation“ nicht zur Verfügung stehen. Sehr wortkarg antwortet Lidl: Es ist unser Anspruch, unseren Kunden immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen keinen Interviewpartner zur Verfügung stellen.“

Ein wenig mehr sagt Kaufland, ebenfalls ein Unternehmen der Schwarz-Gruppe: Wir bieten unseren Kunden auch weiterhin eine große Auswahl an Lebensmitteln sowie alles für den täglichen Bedarf zu günstigen Preisen. Darunter unsere attraktiven Eigenmarken-Produkte sowie die anderer bekannter Marken. Wir stellen derzeit kein verändertes Einkaufsverhalten unserer Kunden fest. Es werden weiterhin Einkäufe quer durch das Sortiment und alle Warengruppen getätigt.“

Discounter könnten Probleme bekommen

Es ist klar, dass sich die Discounter hier nicht in die Karten schauen lassen wollen: Die Discountpreise sind nur solange möglich, wie die Markenhersteller, die ja auch die Discountprodukte herstellen, mit den Markenprodukten genug verdienen. Ist das nicht mehr der Fall, ist das Geschäftsmodell mit den preiswerten Discounter-Eigenmarken gefährdet.

Kaufland hat bereits ein ausgefeiltes Energiekonzept

Auf die Frage nach den eigenen Energiekosten, die ja letztlich auch an die Kunden weitergegeben werden, antwortet nur Kaufland, dafür aber recht ausführlich: „Um Energie zu sparen, heizt in vielen unserer Filialen der Kühlschrank mithilfe des Kälte-Klima-Verbunds. Kühltruhen und -schränke erzeugen mehr Wärme als Kälte. Diese Abwärme nutzen wir bei Kaufland für die Beheizung unserer Filialen, indem sie einer Industriefußbodenheizung zugeführt wird, die unter der gesamten Verkaufsfläche verlegt ist. Erdreich und Bodenplatten dienen als Speicher und können die niedrigen Vorlauftemperaturen von 38 bis 40 Grad Celsius optimal nutzen. Zusätzlich wird die gespeicherte Wärme für die Lüftungsanlage, die Türluftschleier bei den Eingängen und die Heizkörper in den Büro- und Sozialräumen genutzt. Hierdurch decken wir fast 4/5 des gesamten Wärmebedarfs einer Filiale ab. Zudem vermeiden wir Kälteverlust der Kühlmöbel, indem wir sie in vielen Filialen mit Türen oder Glasschiebedeckeln ausstatten.“

Edeka: „Wir nehmen teilweise wahr, dass Kundinnen und Kunden aktuell stärker zu Eigenmarken greifen.“

Einzig Edeka hat schon bemerkt, „dass Kundinnen und Kunden aktuell stärker zu Eigenmarken greifen.“ Details mag aber auch Edeka nicht nennen, nur soviel: „Wir legen höchsten Wert auf ein bestmögliches Preis-Leistungsverhältnis. Aufgrund der aktuellen Situation auf den Weltmärkten lassen sich steigende Verkaufspreise aber nicht immer vermeiden. Selbstverständlich geben wir, wann immer möglich, Einkaufsvorteile an unsere Kundinnen und Kunden weiter. In unseren Märkten können unsere Kundinnen und Kunden aus einem breiten Sortiment an bekannten Marken, beliebten Edeka-Eigenmarken und Artikeln auf Discountpreisniveau wählen. Damit sprechen wir jede Kundin und jeden Kunden an.“ 

Text: Markus Neugebauer und Matthias Lauterer




Michael Ballweg bleibt in Untersuchungshaft

Wie das Stuttgarter Amtsgericht mitteilt, wird der Haftbefehl gegen Michael Ballweg, Gründer von Querdenken 711, nicht aufgehoben. Ballweg, der seit rund 2 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, kommt daher nicht auf freien Fuß. GSCHWÄTZ berichtete mehrfach.

Ihm wird Betrug vorgeworfen, er soll Schenkungen seiner Anhänger nicht zweckentsprechend verwendet haben. Der Haftbefehl wurde wegen Fluchtgefahr, möglicherweise auch wegen Verdunkelungsgefahr beantragt.




Einbrecher auf Genießertour

Fündig wurden Einbrecher in der Nacht auf Mittwoch, als sie in eine Weinhandlung in Öhringen einstiegen. Zwischen 18 Uhr und 4.30 Uhr begaben sich die Unbekannten zu dem Geschäft in der Austraße, hebelten die Eingangstür auf und durchsuchten im Inneren das Inventar. Anschließend flüchteten sie mit ihrer Beute. Was die Einbrecher erbeuten konnten, ist unter anderem Bestandteil der Ermittlungen. Die Polizei bittet nun die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Zeugen, die Angaben zu dem Einbruch machen können oder in diesem Bereich eine verdächtige Wahrnehmung gemacht haben, werden gebeten, sich beim Polizeirevier Öhringen unter der Telefonnummer 07941 9300 zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Sperrung der L 1025 zwischen Marlach und Winzenhofen

Die Landesstraße L 1025 muss zwischen Marlach und Winzenhofen von Montag, 29. August, bis einschließlich Freitag, 2. September, wegen einer Fahrbahndeckenerneuerung durch die Straßenmeisterei Künzelsau gesperrt werden.

Die überörtliche Umleitung wird in beide Fahrtrichtungen ausgeschildert und erfolgt von Marlach über Sindeldorf nach Westernhausen.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis